Montag, 27. Mai 2019

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem


Die heutige Parlamentssitzung verspricht »interessant« zu werden. Und wie wir wissen, ist der Wunsch, jemand möge in interessanten Zeiten leben, auf chinesisch ein ziemlich hinterfotziger Fluch.

So, wie's derzeit ausschaut, wird der "Jetzt"-Mißtrauensantrag, der sich nur gegen Bundeskanzler Kurz richtet, vermutlich abgeschmettert werden, der SPÖ-Mißtrauensantrag (der sich gleich gegen die gesamte Bundesregierung richtet) hingegen von der FPÖ unterstützt werden.

Ich bleibe dabei: für besonders klug halte ich das nicht unbedingt. Die FPÖ wäre weitaus besser beraten, einen eigenen Mißtrauensantrag einzubringen, über welchen dann gesondert abgestimmt werden müßte. Dieser sollte sich zwar gegen Kurz richten, daneben explizit auch dem neuen Innenminister, und vielleicht auch dem einen oder anderen »türkisen« Minister (z.B. Justizminister Moser). Die FPÖ könnte sich dann, unter Hinweis auf ihren eigenen Mißtrauensantrag, bei den anderen beiden Anträgen, bequem zurücklehnen und nicht mitstimmen. Daß SPÖ und "Jetzt" unter diesen Umständen dann dem FPÖ-Antrag zur ihre Zustimmung zu einer Mehrheit verhelfen, ist eher unwahrscheinlich. Und wenn — dann wären sie es, die dem FPÖ-antrag zur Mehrheit verholfen hätten und nicht die FPÖ, die dem SPÖ-Antrag zur Mehrheit verhilft (was »psychologisch« durchaus einen Unterschied macht)!

Die Folge einer solchen Vorgangsweise wäre, daß Kurz zwar noch kurz im Amt bleibt (womit die FPÖ nicht in den Geruch kommt, als »beleidigte Leberwurst« den Kanzler gestürzt zu haben), aber deutlich »angezählt« ist. Zugleich macht sie klar, daß sie die Intrige, mit der Kickl aus dem Amt gedrängt wurde, nicht ungeahndet lassen wird.

Was wäre denn die Folge eines Sturzes der kompletten Regierung? Der linke Hofbürger hätte carte blanche, sich ein »Expertenkabinett« ganz nach seinem Gusto zusammenzustellen — und der wird denkbar links sein. Andeutungen wie z.B. Ex-Bundespräsident Fischer zum Interims-Kanzler zu machen, lassen Fürchterliches ahnen. 

Noch eines: Rache — diese Mahnung sei der FPÖ vermutlich schon zu spät, aber dennoch zugerufen — ist ein Gericht, das kalt genossen am besten schmeckt. Derzeit kocht sie noch — und man kann sich nur zu leicht daran verbrühen ...


Kommentare:

Franzl hat gesagt…

Und am Ende des Tages sind wir alle gescheiter. Die FPÖ hat's also getan. Sie hat sich zu denen, die ihnen - und auch diesem Blog - als Sozen, ja als "Kommunisten" gelten, also als denkbar unterste Stufe des Menschseins,ohne Federlesens Kurzsturgeil ins Lotterbett gelegt und sich penetrieren lassen, nur um ihr Beleidigtsein auszuleben.

Ma sehen, was unsere Populisten zu dieser neuen rechtslinken Kurzsturz-Koalition zu sagen wissen. Na, da werden sie plötzlich taussend "gute Gründe" aufbieten, warum in solcher Not der Teufel halt auch mal Fliegen fressen muss, also die "Kmmunisten" jetzt willkommene nützliche Idioten für die patriotisch gerechte Sache gewesen sind.

Abr wie auch immer: im September werden diese Schnierenkoalitionäre, die Sozen wie die Popölisten, emeinsam ganz arm aus der Wäsche gucken. Darauf können jetzt schon Wetten angenommen werden.

Übrigens: Übergangskanzler soll mitnichten Ex-Präsident Fischer werden, sondern Ex-EU-Kommissar Fischler. Also kein Roter, sondern ein Türkiser. Da hat Le Penseur in seinem Furor vergessen, ein "l" zu tippen.

qed hat gesagt…

Hellsichtiger Kommentar von Tichy
https://www.tichyseinblick.de/tichys-einblick/eu-wahl-deutscher-sonderweg/

Man kann es quasi als amtlich ansehen, daß der Sturz der österreichischen Regierung aufgrund linksteutscher Großmannssucht erfolgte, die die Welt retten will. Ein von Buntschland, seinen medialen Satrappen und SA-Truppiers inszenierter Putsch in der Kolonie Österreich. Nichts anderes.
http://www.eu-infothek.com/ibiza-connection-die-unfassbare-einzigartige-ganze-geschichte/

Ich hoffe inständig, die österreichischen Bürger kapieren das.


Le Penseur hat gesagt…

Cher Franzl,

eigentlich sollte man stänkernde Trolle wie Sie aus Prinzip nicht füttern — aber Ihr Geschwurbel ist so erheiternd, daß ich mal eine Ausnahme mache ...

Die FPÖ hat's also getan. Sie hat sich zu denen, die ihnen - und auch diesem Blog - als Sozen, ja als "Kommunisten" gelten, also als denkbar unterste Stufe des Menschseins,ohne Federlesens Kurzsturgeil ins Lotterbett gelegt und sich penetrieren lassen, nur um ihr Beleidigtsein auszuleben.

1. nehme ich mal an, daß Sie "Kurzsturzgeil" schreiben wollten.

2. angesichts von Herbert Kickl einer- und Joy Pamela andereseits ist es wenigstens für mich klar, wer da wen penetriert, wenn's drauf ankommt! Kommt es aber nicht. Die FPÖ hat sich schlicht und einfach dem Antrag der Roten angeschlossen, weil sie kein Vertrauen zu Kurz und seiner Riege hat. Hätte ich zwar an ihrer Stelle exakt genauso wenig — aber ich hätte halt (steht ja im Artikel klar ausgeführt) eine raffiniertere Form gewählt, um kurz über lang Kurz recht bescheiden aus der Wäsche blicken zu lassen. Nun, mag ja sein, daß nicht jeder meine taktischen Überlegungen teilt. Ist halt so, kann ich aber damit leben.

Ma sehen, was unsere Populisten zu dieser neuen rechtslinken Kurzsturz-Koalition zu sagen wissen. Na, da werden sie plötzlich taussend "gute Gründe" aufbieten, warum in solcher Not der Teufel halt auch mal Fliegen fressen muss

Sehen Sie, nicht nur den, der zu spät kommt (wie Gorbatschow so treffend formulierte), sondern auch den, der zu früh kommt, bestraft das Leben (und Ihre Lebenspartnerin, so Sie eine haben ;-) ...). Sie hätten einfach meinen nächsten Artikel abwarten sollen, dann hätten Sie gewußt, wie ich darüber denke (nicht anders als im obigen Artikel, übrigens), und hätten nicht das peinliche Schauspiel einer kommentatorischen ejaculatio præcox abgeliefert.

Übergangskanzler soll mitnichten Ex-Präsident Fischer werden, sondern Ex-EU-Kommissar Fischler. Also kein Roter, sondern ein Türkiser.

Ich verweise nochmals auf meinen nächsten Artikel: wir wissen's schlicht und einfach noch nicht (oder Sie sitzen beim Bello im Büro und versuchen gerade zu "leaken" ...).

Sie irren übrigens: Fischler ist kein "Türkiser", sondern ein uralter Schwarzer von der Herz-Jesu-Sozen-Fraktion innerhalb dieser. Der Unterschied zu Fischer besteht bei ihm nicht im etwa fehlenden Sozialismus, sondern wirklich nur im fehlenden "l" — das mich aber in seinem Fall höchstens zu einem "eck mich doch!" inspiriert.

Und was die Septemberwahlen betrifft: warten wir's ab. Die FPÖ ist schon so oft totgesagt worden und doch wiedererstanden — und bis zum September ist's noch weit. Sie werden's wohl erwarten können ...

Fragolin hat gesagt…

Werter Franzl,
jetzt zeigt sich wenigstens, wer hier der beleidigte Hasszerfressene ist, mimimi, der noch nicht einmal weiß, was es mit Demokratie, Parlament und Wahl so auf sich hat. Danke für diese Offenbarung.
MfG Fragolin