von Sandokan
Der Fall dürfte mittlerweile so gut wie jedem geläufig sein.
Erfolgreicher, gut vernetzter Schauspieler (Burgtheater, Film, TV) wurde von seiner Lebensgefährtin wegen des Besitzes von Kinderpornographie angezeigt (Chapeau der Dame!).
Gerüchte gab es offenbar schon länger, aber in der Welt der "Schönen", "Guten", "Moralischen" und "Intelligenten" schaut man bekanntlich lieber weg.
Das gilt eben nicht nur für Hollywood bzw. die USA, sondern auch für Europa (siehe Belgien, Großbritannien und Frankreich) und natürlich ebenso in der kleinen VIP-Blase Österreichs.
Und so jemand meint, das wäre halt bloß der Besitz von ein paar "Schmuddelbildchen" gewesen - jedem Besitz eines solchen Bildes (und es handelt sich in diesem Fall offenbar um zig-tausende auf 13 Festplatten) geht der Missbrauch eines Kindes voraus, um diese Bilder und Filme zu produzieren.
Schon vor kurzem gab es ja unabhängig davon eine Debatte um den Dokumentarfilmer Ulrich Seidl.
Vorwürfe waren aufgekommen, er habe für seinen neuesten Film Sparta die Problematik unangemessen dargestellt, vielleicht sogar minderjährige Darsteller einem Missbrauch ausgesetzt.
Nun, das sollen andere entscheiden.
Ich persönlich denke, Kunst sollte nicht alles dürfen (darf sie faktisch auch nicht).
So wie auch abseits der Kunst nicht alles erlaubt ist, wenn es um den Schutz Minderjähriger geht.
Wir setzen dabei heute - zumindest oberflächlich betrachtet - strengere Maßstäbe an als von den 1960er bis zu den frühen 2000er Jahren (man denke an Brooke Shields im Film Pretty Baby oder die grenzwertigen Softcore Arbeiten eines David Hamilton), das alles wäre heute in der Form nicht mehr möglich.
Wie etwa Netflix bei der Eigenproduktion Cuties erfahren durfte.
Auch zahlreiche Rockmusiker, die sich damals mit minderjährigen Groupies eingelassen haben, stünden heute mit beiden (!) Füßen im Kriminal - wie David Bowie oder Jimmy Page von Led Zeppelin.
Man kann sich das natürlich schönreden und es relativieren, aber das war der Boden auf dem auch ein gefährlicher Soziopath, Pädophiler und mutmaßlicher Mörder wie Jimmy Savile (BBC-Legende, geadelt von der Queen und bis zu Saviles Tod ein enger Freund des damaligen Prince Charles) unbehelligt seine Verbrechen begehen konnte.
Zwei Frauen die damals, im Abstand mehrerer Jahre und unabhängig voneinander, den Skandal aufdecken wollten verstarben jeweils überraschend und unter fragwürdigen Umständen (Jill Dando - die vor ihrer Haustüre per Kopfschuss ermordet wurde und Liz MacKean ² ).
Jemand wie Savile konnte eben nur dank eines Netzwerkes von Mittätern und Helfern ungestraft agieren, weil jemand eine schützende Hand über ihn und sein Umfeld hielt.
Zum öffentlichen Skandal wurde es erst nach Saviles Tod (2011, im unverdient hohen Alter von 84 - ein Untersuchungsbericht ging später von etwa 1.000 Opfern aus, nicht gerechnet mehrfacher Missbrauch).
Und wie bei Epstein und Maxwell handelte es sich um ein offenes Geheimnis und eine Vertuschung bis über den Tod des Täters hinaus.
Aber was da von Zeit zu Zeit wie die Spitze eines großen Eisberges auftaucht sollte man als Warnsignal sehen. Denn abseits geheuchelter Empörung der früheren "Wegseher" und fehlgeleiteter Toleranz der sog. Zivilgesellschaft (zu der auch der politisch-mediale Komplex gehört), arbeiten im Hintergrund einflussreiche Personen und NGOs weiter an einer schrittweisen Normalisierung ihrer bösartigen und perversen Agenda.