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Sonntag, 18. Mai 2025

Heute vor fünfzig Jahren

von LePenseur
 
 
... starb zu Überlingen einer der Stillen im Lande, der deutsche Komponist Christian Lahusen, dessen am Chorlied des 16. Jahrhunderts orientierte Werke, vorwiegend Vokalmusik, beweisen, daß auch bis heute die tonale Musik ihre ungebrochene Wirkmacht besitzt, was immer die Anhänger atonaler, serieller – und was-auch-immer – Schulen als progressives Mantra dagegenrede(t)en. 
 
Zu seinem Gedächtnis hier nun eines seiner bekanntesten Lieder nach einem Gedicht von Josef von Eichendorff:



Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
 Ein Schiffer nur noch, wandermüd',
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.
 
Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.
 
O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd' gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew'ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.
 
Ein wahrhaft großes Werk deutscher Lyrik, das vom Komponisten in überzeitlich schöner Weise vertont wurde.
 

Freitag, 26. Juli 2024

Ein paar Gedanken für die Gruppe 70plus unter uns

von Helmut

Aufgrund einer eineinhalb-wöchigen Reise in privater Mission möchte ich eine Art von Resümee ziehen.

Meine Tochter in Deutschland, die den 50er feierte, und meine Schwester in Niederösterreich, die mit dem 60er dran war, und das jeweils am Wochenende. Dazwischen lagen mehrere Tage, und die nutzte ich zu Besuchen meiner anderen Kinder, Freunde und Kommilitonen.
Auch liebe Leute und gute Freunde aus der früheren Zeit, die ich schon seit 10 oder sogar 20 Jahren nicht mehr besucht resp. gesehen hatte. Nun ergab sich die Möglichkeit dazu, in der Gesamtzahl waren es 15 Stationen, die ich zu bewältigen hatte.

Schön, das alleine wäre eigentlich keinen Artikel wert, das betrifft vorwiegend den persönlichen Bereich. Aber im Nachklang geht es mir um den Inhalt der Gespräche, um all das, was mich nachdenklich gemacht hatte.
Und genau das, so denke ich mir, ist ein Thema, mit dem sich eben diese Gruppe der 70plus auseinandersetzen sollte und vielleicht ebenso die anderen Jahrgänge darunter.

Naturgemäß sind die ehemaligen Kommilitonen, die Verbindungsbrüder allesamt im ähnlichen Alter wie man selbst ist. O.k., nach den familiären Nachfragen sowie dem Stand der Gesundheit ging es an die gemeinsamen Erinnerungen. Und genau da begann sie - die Nachdenklichkeit.

Warum: Zu vieles haben wir gemeinsam erlebt, aber in einer ganz anderen Zeit.

Um es abzukürzen, will ich die wichtigsten Punkte festhalten:

Wir, die 70plus müssen unserem Herrgott auf Knien danken, dass wir in einer Zeit unsere Jugend genießen durften, die weder die Generationen davor, noch die Generationen danach erleben konnten. Das Jahrzehnt 1970 – 1980, vielleicht auch noch ein paar Jahre danach, das war in der europäischen Geschichte einzigartig. Freiheit pur, in fast jedes Land konnte man reisen und sich niederlassen, ohne Bedingungen und Bürgschaften. Geld haben wir verdient, - mehr, als wir ausgeben konnten, man konnte nach vorne schauen, man konnte sich ein Ziel setzen und war sich sicher, das auch mit dem dazugehörigen Willen durchsetzen und erreichen zu können. Wir lebten im Gefühl der Sicherheit.

Wenn ich daran denke, dass ich in den Semesterferien, während des Studiums in Deutschland, als Fernfahrer 2.600 DM netto in der Hand hatte (1974), in der Lohnsteuerklasse I/0 (ledig, ohne Kinder), also mit den höchsten Abzügen, dann kann man sich ungefähr ausrechnen, was das heute wäre.
Wir waren zu dritt damals als Kommilitonen in Mannheim, und jedes Wochenende fuhren wir woanders hin: zum Kaffee trinken nach Innsbruck, zum Mittagessen nach Amsterdam, usw. Wir waren zu dritt und haben uns beim Fahren abgewechselt, - Entfernungen spielten für uns keine Rolle. 
Geld war dazu da, um es auszugeben.

Ja, in Deutschland war damals Schmidt-Schnauze an der Regierung. Nicht alles hat er optimal geregelt, aber das meiste mit Sicherheit besser als die Kanzler heute. Auch über Kreisky kann man lästern, - aber so einen Sch***, der heute zelebriert wird, hätte er sicher nicht gemacht.

1977 habe ich die erste Firma gegründet - im Garten-und Landschaftsbau, mit einer Null am Konto, mit einer Wasserwaage, einer Schubkarre und einer Schaufel. Drei Jahre später hatte ich 11 Beschäftigte. 
Heute wäre so etwas unmöglich.

Das ist der Rückblick - doch nun zur Gegenwart:

Was hinterlassen wir unseren Kindern und unseren Enkeln? Ein politisches Chaos, eine Situation, die im Vergleich zu den damaligen Verhältnissen nur ein Kopfschütteln hervorruft. Und nun kommt die nüchterne Erkenntnis auf die Frage, wer denn daran die Schuld trägt, und die Antwort ist einfach:

Wir, die Generation 70plus ist schuld daran.

Denn wir haben das alles zugelassen, wir haben geschwiegen, niemand von uns hat gesagt, "Stopp, das geht so nicht mehr weiter, das muss nun anders werden". Wir haben darauf gesetzt (oder darauf gehofft), dass diejenigen, die an der Macht sind, soviel Verstand besitzen, um alles in die richtigen Bahnen zu lenken. Wir haben uns darauf verlassen, und zwar in unserer eigenen bequemen Trägheit. Nun ja, "Und wenn etwas nicht so wird, wie es sein soll. Dann werden wir das mit der nächsten Wahl korrigieren". Ein einzigartiger Selbstbetrug!

Henryk Broder, der bekannte kritische Journalist, hat das einmal treffend benannt. Als er mit einer Gruppe kritischer junger Leute über die Zeit des NS-Regimes diskutierte, als sich öfters die Frage stellte, wie denn damals so etwas möglich gewesen wäre, ohne Gegenwehr in der Bevölkerung, dass sich das alles so entwickeln konnte, - da meinte er als Antwort – mit Fingerzeig auf die Diskussionspartner:

Ganz einfach: Weil sie damals so waren, wie ihr heute seid!

Er hat damit mehr als recht. Denn auch wir, die Generation 70plus, war nicht anders. Auch wir haben gerufen: „Wehret den Anfängen!“, aber wir haben nur in eine Richtung gesehen. Die Meinung von Ignazio Silone haben wir nicht verstanden, als er sagte:

Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›. Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Antifaschismus›.

Und so hat es sich weiterentwickelt. Dass die ursprünglich grüne Friedenpartei sich zur Kriegspartei entwickelt hat, dass man mit Waffenlieferungen zum Frieden beitragen will, obwohl es in der Weltgeschichte kein einziges Beispiel gibt, wo das funktioniert hat, - wir haben das hingenommen und uns nicht dagegen gewehrt.

Es ist und bleibt unsere Schuld, egal, wie wir das auch schönreden wollen, und diese Schuld werden wir eines Tages in unser Grab mitnehmen.

Was können wir jetzt noch tun:

Zweierlei. Zum einen sollten wir die junge Generation darüber aufklären und darüber erzählen, wie das Leben damals war, in unserer Jugendzeit. Der Hund, der mit der Kette am Hals geboren wurde, kann nicht wissen, was Freiheit ist. Auch die Jungen können nicht wissen, welche politischen Verhältnisse damals herrschten, und um was man sie heute betrogen hat. Aber sie sollen es wissen.

Zum anderen sollten wir als diejenigen, die noch den Unterschied kennen, den Finger in die Wunde legen. Wir haben keine beruflichen Verpflichtungen, kein Finanzamt am Hals, wir haben keine Risiken zu bewältigen. Wir können uns jederzeit erlauben, den Mund aufzumachen, solange das überhaupt noch geht. Wir sollten uns in der Gesellschaft kritisch einbringen, um wenigstens den Versuch zu unternehmen, das eine oder andere noch „reparieren“ zu können, dort wo etwas im Argen liegt.

Es ist kein Hobby, keine Spinnerei, - es ist eigentlich nicht mehr als das minimale Interesse daran, dass es die, die wir irgendwann einmal in die Welt gesetzt haben, es einmal besser haben sollen und wenigstens eine Basis zum Überleben besitzen, damit wir ihnen noch in die Augen schauen können.

Das war es, was ich aus der 4.000 Kilometer langen Reise mit nach Hause genommen habe. Und noch etwas zum Abschluss: Ich bin draufgekommen, dass man eigentlich nichts mehr verschieben sollte.
Gerade in einer Zeit, wo Leute um die 50 bereits "unerwartet" und "völlig überraschend" sterben.
Es ist viel sinnvoller, sich bei einem Glas Wein mit Freunden zu treffen, als einander immer nur am Friedhof zu begrüßen.

Sonntag, 21. Juli 2024

Heute vor 125 Jahren wurde ein Großmaul geboren

von LePenseur
 
 
... und ein mehr als bloß "mutmaßlicher" Kriegsverbrecher, dem man mit wenig sachlicher Rechtfertigung den Nobelpreis nachgeworfen hat (diese Fehlentscheidung auf 1954 jährt sich heuer zum siebzigsten Male, so ganz nebenbei bemerkt).  Die Rede ist nicht von einem Politiker und nicht vom Friedensnobelpreis (da ist derlei ja schon mehrmals vorgekommen ...), sondern vom Literaturnobelpreis - und hier sind mir eigentlich nur zwei (ziemlich ähnlich ekelerregende) Fälle bekannt: Sir Winston Churchill, der "Staatsmann" und u.a. "Grillmeister" von Dresden (mit Hilfe seines servilen Handlangers "Bomber Harris"),  und eben

Ernest Hemingway
(21. Juli 1899 - 2. Juli 1961)

Es erschließt sich mir, ehrlich gesagt, nicht ganz, warum gerade dieser Autor aus den USA international so hochgejubelt wird. Ein paar Absätze Fontane, einige Seiten von Marcel Proust (oder von den Brüdern Goncourt), irgendein beliebiger Roman von Joseph Conrad (um hier nur einige aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen zu nennen) haben größeren Wert für die Weltliteratur, als das lakonische Dahinplätschern der "Meisterwerke" von Hemingway, das mich u.a.  mit seinem bis zum Abwinken wiederholten "... sagte er" zum Wahnsinn treibt. Guter Mann, Anführungszeichen sind genau dazu erfunden worden, daß man weiß, daß hier eine direkte Rede vorliegt. Und selbst wenn man die aus typographisch-buchdesignerischen Gründen nicht verwenden will: ein routinierter Autor (und Buchsetzer) wird dem Leser auch ohne solche Zeichen verständlich machen, was Dialogrede und was Zwischentext ist.

Hemingway, der sich in Briefen damit brüstete, zum Kriegsende einen 17-jährigen deutschen Soldaten, der sich vor ihm auf die Knie warf und um sein Leben bettelte, mit seiner Waffe eine Kugel durch den Kopf gejagt zu haben, hatte als Kriegsreporter keinen Kombattantenstatus - wenn er jemanden (außer in Notwehr, die aber in diesem Fall ausgeschlossen ist) erschlossen hat, war das ein Kriegsverbrechen und außerdem ein gemeiner, heimtückischer Mord aus allerniedrigsten Motiven. Wenn es nicht nur (auch das wäre beim sinistren Charakter Hemingways durchaus denkbar) großmäulige Angeberei eines Waffennarren handelte.

Zweifellos: bei Künstlern ist zwischen persönlicher Lebensführung und dem Kunstwerk zu unterscheiden. Wagner war ein unzweifelhaft ziemlich mieser Charakter, aber genialer Opernkomponist (auch wenn mir diese nicht wirklich zusagen - doch das steht auf einem anderen Blatt). Aber die Bejubelung eines Mörders und Kriegsverbrechers (ob nun wirklich, oder bloß aus Prahlsucht vorgetäuscht) hinterläßt einen schalen Geschmack auf der Zunge. Wie viele (angebliche oder sogar wirkliche) "Nazi"-Dichter wurden nach 1945 gnadenlos geächtet, obwohl sie sich keinen Mord zuschulden kommen ließen (und auch nicht mit solchen Mordgeschichten herumgeprahlt haben) ...

Vielleicht hat Heminway diesen Mord, diese Mordabsicht Jahre später, als er sich längst das Hirn aus dem Schädel gesoffen hatte, durch seinen Selbstmord "sühnen" wollen. Mal davon abgesehen, daß es keine sinnvolle Sühne ist, sich für einen Mord dann auch eine Kugel durch den Kopf zu jagen ... es ist eher anzunehmen, daß Lebensüberdruß und die Wahrnehmung, in seinem devastierten Geisteszustand keine erfolgreichen Werke mehr auf die Reihe zu bringen, den Ausschlag gaben.

Was die angeblich eines Nobelpreises würdigen literarischen Meriten Hermingways betrifft - es tut mir leid: ich kann sie nicht wirklich erkennen. Wie gesagt: ein einziger Roman von Joseph Conrad hat m.E. mehr literarische Bedfeutung als Hemingmway Gesamtwerk. Das, zugegeben, speziell in der durch die Gräuel des Kriegsendes und die nachfolgende Re-Education ihren inneren Halt verloren habende deutsche Literatur als Vorbild begeistert aufgenommen und bis zum Abwinken nachgeahmt wurde. Hat es der deutschen Nachkriegs-Literatur gut getan? Manche behaupten es ... "Ich Zweifler aber ziehe es in Zweifel", um keck ein Nietzsche-Zitat zu mißbrauchen ...

Mittwoch, 7. Juni 2023

Und gleich nochmal: Heute vor 120 Jahren

von LePenseur
 
 
... wurde die »dramatische Sinfonie« Ilsebill. Das Märchen vom Fischer und seiner Frau von Friedrich Klose in Karlsruhe uraufgeführt:
 
 
Der Bruckner-Schüler, der an der Münchener Akademie der Tonkunst dem früh verstorbenen Ludwig Thuille als Kompositionsprofessor, übersiedelte nach der Emeritierung 1919 in die Schweiz und beendete mit dem Lehramt auch seine kopmositorische Tätigkeit. Wikipedia vermerkt über seine Tonsprache:

Friedrich Klose war ein vorwiegend von außermusikalischen Vorlagen inspirierter Kom-ponist in der Nachfolge der Neudeutschen Schule. Vor allem von Richard Wagner und Hector Berlioz gingen starke Impulse für sein Werk aus, während Einflüsse seines Lehrers Bruckner eher spärlich sind. Kloses Werke zeichnen sich durch intensive moti-vische Arbeit unter Einbeziehung von Thementransformationstechniken sowie dichten kontrapunktischen Satz und daraus resultierende chromatisch angereicherte Harmonik aus. Seine Orchesterbehandlung ist von großem Klangfarbenreichtum geprägt.

Da er sehr langsam und sorgfältig komponierte, blieb der Umfang von Kloses Werkver-zeichnis gering. Die meisten Musikgattungen bedachte er nur mit einem einzigen, aller-dings stets ambitionierten und gewichtigen Werk.

Eine Einschätzung, die sich beim Anhören von Isebill als völlig zutreffend nachvollziehen läßt. Zeit für eine Wiederentdeckung?

Dienstag, 14. Juni 2022

Heute vor fünfzig Jahren

von LePenseur
 
 
... starb in Kiew der Komponist Mychajlo Iwanowytsch Werykiwskyj.
 
Muß man ihn kennen? Wohl nicht — und doch ist er einer der vielen kleineren Meister, die ohne sich viel um Politik zu kümmern, ihren bescheidenen, doch wichtigen Beitrag zum blühenden Musikleben der damaigen UdSSR leisteten, von dem die ganze Region — trotz aller Zerrüttungen der Jelzin-Ära — bis heute zehrt. 
 
Zum Gedächtnis an ihn die folkloristisch angehauchte »Ukrainische Suite für Violine und Orchester«, leider nur in einer tontechnisch nicht gerade überragenden Aufnahme aus dem Jahr 1958 verfügbar: