Zunächst Dank an unseren geschätzten Kollegen Sandokan, durch den ich auf dieses Kurzvideo aufmerksam wurde:
Und dieser geschichtsklitternde Wahnwitz soll ein "Recht" verleihen, ein Land, das seit mittlerweile fast zweitausend Jahren von anderen Völkern bewohnt wird, zu beherrschen und diese anderen Völker zu vertreiben (oder doch zumindest zu unterjochen)? Na, dann machen wir doch die Probe aufs Exempel!
Unser schönes Alpenland, heute Österreich genannt, entspricht von seinem Territorium weitgehend dem, was sich vor zweitausend Jahren "Noricum" nannte: ein von Kelten bewohntes Königreich, das in der Zeit von/nach Augustus dem römischen Reich als Provinz angegliedert und (sicherlich nicht bloß sprachlich) "romanisiert" wurde. Durch die Völkerwanderungen der Spätantike und des Frühmittelalters wurde sodann die ansässige Bevölkerung (die übrigens nicht die erste dieses Raumes war, denn vor den Kelten lebten die Illyrer hier) mit einer aus germanischen Stämmen, dann auch slawischen Völkern etc. vermischt und ausgetauscht.
Nun stelle man sich vor, daß z.B. Kelten, die von der schönen Insel Irland stammen, dort durch Hungersnot veranlaßt nach Nordamerika ausgewandet und mit eher scheelen Augen (waren Katholen und tranken viel!) angesehen wurden, sich darauf besannen, daß es doch da mitten in Europa ein vor zweitausend Jahren ur-keltisches Territorium gab, in welchem sie — bei Teutates! — sicherlich nicht weniger Recht hatten, sich anzusiedeln als bspw. die Juden aus New York, die sich nach Palästina, ihrer "angestammten Heimstatt", begeben wollten.
Also gründete der irischstämmige Polizist Theodor O'Herzl in Boston die Keltistische Bewegung, später im Keltistischen Weltkongress organisiert, welcher die Kelten aller Länder in ihrem angestammten Heimatland Noricum zusammenführen sollte. Daß dieses inzwischen seit fast eineinhalb Jahrtausenden durch germanische Hubers, Meixners, Brandstätters, Biermaiers etc., südslawische Globotschiggs und Wakounigs, später auch tschechische Nowaks und Prohaskas sowie magyarische Horvaths und Nemes' bewohnt war, die allesamt Deutsch statt Gälisch sprachen ... who cares?
Fort mit denen aus Wien, Mistelbach, Salzburg, Graz oder Reichenau! Die sollen einfach nach Bayern, Ungarn, Slowenien oder die Tschechei abziehen, wo sie hingehören (wenigstens nach Ansicht der Keltistien), oder sonst wohin, wo der Pfeffer wächst ...
Was? Das wollen sie nicht? Wehren sich sogar? Dann werden sie halt — bei Teutates! — vertrieben und/oder ausgerottet, diese unverschämten Terroristen! Ach ja: und finanziert wird das ganze Projekt von in den USA gebliebenen Keltisten (der sogenannten keltistischen Lobby, die die US-Politiker durch Wahlkampfspenden und Erpressungsmöglichkeiten fest im Griff hat), die auch dafür sorgen, daß die keltistische Regierung Noricums die nötigen Rüstungsgüter bekommt, mit denen sie die Nachbarstaaten jederzeit überfallen kann, um das Territorium Noricums zu einem Groß-Norischen Reich auszuweiten.
Klingt doch gut und völlig rechtens, nicht wahr? Also: etwa so wahr, wie das "Recht" der Zionisten, sich ganz Palästina (+Libanon, Sinai, Ostägypten, Syrien und Westirak) unter den Nagel zu reißen ...
-----
P.S.: es gibt eine etwas wehmütig-zynische Anekdote von zwei nach New York emigrierten alten Juden, die 1948 im Kaffeehaus in der Zeitung die Nachricht von der Gründung des Staates Israel lesen, worauf der eine seufzend meint: "Also wenn uns die Engländer schon geben a Land, was ihnen nicht gehört ... warum hat's net können sein die Schweiz?"
Er hätte auch "Noricum" sagen können ...
-----
P.P.S.: dem geschätzten Kollegen Lechner gefällt der Vergleich nicht ganz. Ihm sind die Bayern zu keltisch, als daß etc. etc. (s.u. in den Kommentaren). Ich erlaube mir daher eine kleine Variation zum Thema:
Das alles, geschätzter Herr Kollege Lechner, mag historisch schon richtig sein — aber es ist vom Thema des angestellten (und, möglicherweise, historisch nicht ganz richtig hinterfütterten) Vergleiches völlig irrelevant.
Das Thema ist ja nicht, daß Bajuwaren, wenn sie Kelten wären, ein historisches Recht hätten, im Gebiet des früheren Noricum zu siedeln, sondern daß es schlichtweg ein hirnwütiger Wahnsinn ist, aus angeblichen "Verheißungen" einer angeblichen "Heimat", die vor dreitausend Jahren stattgefunden haben sollen, hic et nunc ein genozidales Projekt ethnischer Säuberung zu basteln und auf besagten angeblichen Verheißungen ein herrenmenschliches Apartheitregime über die (noch) nicht vertriebenen Reste der bis dahin dort ansässigen Bevölkerung aufzurichten.
Wenn Ihnen Noricum und die Kelten da zu unbestimmt vorkommen, sind Sie herzlich eingeladen, sich ein germanisches Volk zu wählen, bspw. die Goten, welche bekanntlich ursprünglich in Mittelschweden ihre Heimat hatten, aber sich dann großzügig über halb Europa verteilten. Wenn nun also blonde Andalusier — & -innen ... ... selten, aber doch vorhanden), also mit einem Wort: Goten! — nun also nach Etablierung einer Gotistischen Weltkonferenz daran gingen, sich in Gotland anzusiedeln, die dort seit 1500 Jahren ansässige Bevölkerung zu vertreiben und ein Großgotland bis ans Schwarze Meer als die ihnen "verheißene Heimat" sich zu unterwerfen gedenken und in diesem Zuge slawische "Untermenschen" (m.a.W.: Russen und ähnliches, bloß entfernt menschenähnliches Gewürm) zu versklaven ... Sie dürfen den Geschichtsvergleich gerne weiterführen und werden überraschende Ähnlichkeiten mit Gedankengängen eines ähnlich verrückten Politikers der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts entdecken.
Was freilich das Vorgehen der Politiker, die ein Groß-Israel anstreben, zwar (um mit Karl Kraus zu sprechen) "zur Kenntlichkeit entstellt", aber genau deshalb auch um keinen Deut ansprechender macht!
... und des damit zusammenhängenden Kommens des jüdischen Messias (der christliche ist daran ja nicht gebunden, aber schon der jüdische reicht mit den Atomwaffen USraels locker aus, den Planeten planmäßig in Asche zu verwandeln) gibt der folgende
Gastkommentar
von BBouvier
Betr.: das Rote Rind = St. Nimmerleinstag
Obiges Rind ist unerläßlich zum Eintreten des jüdischen Messias der Endzeit, denn es ist Basis einer ganzen Kette Voraussetzungen ersterens.
Diese rote Kuh ist ein weibliches Hausrind, das nie trächtig war, nie gemolken wurde, das nie gesäugt hat, das nie unter einem Joch lief, also ein zuchtreifes weibliches Rind. Ferner darf es nicht mehr als zwei andersfarbige Haare im Fell haben. Ihre Asche dient dann der Herstellung eines Sonderwassers zur rituellen Reinigung der levitischen Tempelpriester. Ohne die wiederum ist der/ein Tempel doch völlig sinnfrei!
Was die Haare des Rindes betrifft, so müssen alle (!) einzeln auf ein bei zwei in der Farbe möglicherweise abweichende ganz genau betrachtet werden, (Lupe und Pinzette) und wenn man damit nach Monaten fertig ist, wieder von vorn, denn das dauert, und mittlerweile könnte das Rind ja (Streß oder fortgeschrittenes Alter) drei graue Haare irgendwo (hinten-unten-in einer Falte-versteckt im Ohr-unter dem Schwanz-etc.) haben.
Heißt:
Diese Bedingungen (eine Kuh, die als Kalb u.a. nie gesäugt hat!) lassen sich erkennbar nicht verwirklichen, womit das messianische Endreich von vornherein (!) auf den St. Nimmerleinstag anzusetzen ist.
Mit dieser Erkenntnis sind schlichte US-Insassen natürlich völlig überfordert. Weswegen diese dümmliche Kuhklamotte alle paar Jahre wieder ihre Runde in den Medien dreht.
Hinweis:
Im deutschsprachigen Raum haben wir etwas ein wenig ähnliches. Nämlich: "Wenn Markustag auf Ostern fällt!" (= "kannste in der Pfeife rauchen") Aber das passiert immerhin alle paar hundert Jahre tatsächlich.
-----
P.S.: Falls man sich eines Tages sicher wäre, ein solches Tier (Rotbunt) gefunden zu haben, es sodann zu Asche verbrannt hätte, diese mit Quellwasser vermischt, womit sich dann die Tempel-Levitenpriester (des noch zu errichtenden Tempels) korrekt rituell gereinigt hätten, dann müßte eigentlich aus dem Stamme Davids der jüdische Messias erscheinen und Jerusalem als seine Königsstadt zu alter/neuer Größe führen.
Und - falls dennoch kein Messias kommt: Pech gehabt!
=>
Mist!
Dann hatte jemand doch glatt das schwarze Haar in der Suppe --- ähhh --- am Schwanz der Kuh übersehen. Und daran (!) ist alles gescheitert.
-----
P.P.S. (von LePenseur): wenn man den Aberwitz wörtlich genommener monotheistischer Religionen ausloten möchte, bieten die drei (angeblich) "abrahamitischen Religionen", also Juden, Christen und Mohammedaner, dazu reichlich Gelegenheit! Jede von ihnen hat manches, was nicht so übel ist und durchaus vernünftig, aber verquickt mit Dingen, die beim näheren Durchdenken das Gehirn jedes nicht völlig Gehirngewaschenen zum Rotieren bringt.
Man versuche sich mal einen Allmächtigen Gott von Abermilliarden an Galaxien, in denen jeweils wieder Abermilliarden von Sternen, unzählige davon von Planeten umgeben, vorzustellen, der ernstlich Wert darauf legt, daß kleinen Buben die Vorhaut von Penis abgeschnitten wird, um sie gottgefällig, d.h. religiös vollwertig zu machen. Eine Vorhaut, die von ihm als Schöpfer wenigstens mitgeplant war. Sorry, geht's noch?!
Oder man denke über die Kismet-Lehre der Mohammedaner nach: was bleibt da noch als Handlung eines Menschen über, wenn alles, Gutes wie Böses, nur von Allah gelenkt und vorherbestimmt ist. Und ohne willentliche Handlungen kann man jede Ethik und jede Rechtsordnung eigentlich in der Pfeife rauchen, und zwar zivil- wie strafrechtlich.
Oder man versuche, die fürwahr gnadenlose Rabulistik der thomistischen vs. molinistischen Gnadenlehre (von den pöhsen Pelagianern gar nicht zu reden!) oder auch des 100%-orthodox-katholisch-protestantischen Trinitätsdogmas nachzuvollziehen und man landet entweder im Irrenhaus oder in der Resignation eines "... es wird schon so sein!" ...
Manchmal beneide ich die Chinesen um ihren Konfuzius. Der ist das teilweise schrecklich "ledern", aber mutet einem wenigstens kein credo quia absurdum zu, das ich zu den schrecklichsten Sätzen rechne, die je ein Theologe geäußert hat ...
P.P.P.S.: St. Nimmerlein war und ist übrigens einer meiner Lieblingsheiligen. Wenn man schon welche zu brauchen glaubt, ist er überaus "praktisch" ...