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Mittwoch, 30. September 2026

Heute vor fünfzig Jahren

von LePenseur
 
 
... starb der französische Komponist und Dirigent Louis Fourestier (* 31. Mai 1892 in Montpellier; † 30. September 1976 in Boulogne-Billancourt, bei Paris). Zu seinem Gedenken sei hier seine Symphonische Dichtung A Saint Valéry (nach Pierre Nozière von Anatole France) aus dem Jahr 1930 gebracht. Ein reizvolles, kleines Werk, welches stilistisch so ca. zwischen Spätromantik, Impressionismus und gemäßigter "Moderne" (der 1930er-Jahre, natürlich!) angesiedelt ist:
 
 
Gespielt wird das kurze Werk vom Orchestre National de l'ORTF (eine Rundfunkaufnahme aus dem Jahr 1970)
 

Dienstag, 8. September 2026

An Erni Mangold

von LePenseur
 
 
... die am 5. September in Wien mit über 99 Jahren verstorben ist, in memoriam, eine Erinnerung an eine große Schauspielerin, die auch Serien wie Tatort adeln konnte:
 
 
R.I.P. 
 

Sonntag, 30. August 2026

Heute vor zwanzig Jahren

von LePenseur
 
 
... starb der ägyptische Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger (1988, der erste arabischer Sprache!) Nagib Mahfuz. LePenseur gesteht, daß er außer seiner Midaq-Gasse und seiner Kairoer Trilogie von ihm nichts gelesen hat ... das Leben ist zu kurz, um auch nur alle bedeutenden Werke der Weltliteratur zu lesen ... hélàs ...
 
Wolfgang Schwanitz hat in der WELT zum Tod des Schriftstellers einen feinfühligen, zur Erst-Begegnung mit Mahfuz einladenden Artikel geschrieben (hier als pdf ausdruckbar).
 
Die Kinder unseres Viertels wurden von Rupert Seidl vor der Projektion von Bildern aus dem Ruhrgebiet gelesen. Ein problematisches, aber zugleich auch faszinierendes Unterfangen ... 
 
 

Dienstag, 25. August 2026

Heute vor einem Vierteljahrtausend

von LePenseur
 
 
... also am 25. August 1776, starb zu Edinburgh der schottische Philosoph David Hume. Aus respektablen, doch nicht wohlhabenden Verhältnissen einer Juristenfamilie 1711 geboren, starb er als zwar wohlbekannter, doch umstrittener Philosoph der Aufklärung. Hier ein wirklich höchst informatives Video mit dem augenzwinkernd ironischen Titel: 
 
David Hume Documentary to Fall Asleep To 
 
 
Ein faszinierender, kühner Denker trotz aller behäbigen Engstirnigkeit, die viele seiner Aussagen so wenig ... ... inspirierend erscheinen läßt. Und dennoch: welche Eigenständigkeit, welche Unabhängigkeit im Urteil! Man muß seine Ansichten nicht teilen, aber man sollte sie wenigstens kennen. Der Grazer Philosoph und auch international bekannte David-Hume-Forscher, em. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Streminger, schrieb eine Unzahl von Büchern und Aufsätzen über ihn, lesenswerte Schriften allemal! Und sie laden ein, David Hume, den so oft geschmähten Philosophen, den von allen Gläubigen perhorreszierten Agnostiker, wenn nicht Atheisten, zu erkunden. Und sei es nur, um ihm nach der Lektüre achtungsvoll, skeptisch, aber eben mit Gründen — nicht beizupflichten ...
  

Samstag, 22. August 2026

Heute vor fünfzehn Jahren

von LePenseur
 
 
... starb einer der größten — und mit vollem Recht sehr populären — Humoristen Deutschlands aller Zeiten, nämlich Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, genannt Vicco von Bülow, alias
 
L O R I O T
 
Der Künstlername Loriot ist das französische Wort für den Pirol, das Wappentier der Familie von Bülow. Im mecklenburgischen Volksmund wurde er früher auch „Vogel Bülow“ genannt
... belehrt uns Wikipedia in dem ihm gewidmenten ausführlichen Lexikonartikel, in dem auch das Wappen derer von Bülow abgebildet ist (inklusive Pirol als Helmzier): 
 

 
Womit wir beim praktischen Teil dieses Gedenkartikels angelangt wären. Was bringen schon biographische Details (die man bei Wikipedia ohnedies nachlesen kann, wenn einem danach ist), verglichen mit den Leistungen Loriots, an denen wir uns (anders als zu Schillers Zeiten, als dem Mimem die Nachwelt keine Kränze flechten konnte) bis heute ebenso genießerisch wie respektvoll erfreuen können, so bspw. in Loriots "Benimmschule":



Ebenso sehenswert ist auch das lange Interview, das seinerzeit Hellmuth Karasek mit Loriot 1993 führte:
 
 
Deutschland ist arm geworden ...

Freitag, 24. Juli 2026

Ferdinand von Saar

von LePenseur
 
 
 ... starb heute vor 120 Jahren zu Wien — nach langem, schwerem Leiden, von dem er sich zuletzt durch eigene Hand befreite. Er war gegen Ende seines Lebens hochgeehrt, ausgezeichnet mit dem Franz-Josephs-Orden, 1902 zum Mitglied des Herrenhauses (also des "Oberhauses" des cisleithanischen Reichsteiles) ernannt etc. ...
 
Dennoch: ein tragisches Leben, trotz der hohen Begabung als Lyriker und Novellist immer nahe am Scheitern. Verlust der Ehefrau durch ihren Suizid, davor in jüngeren und mittleren Jahren drückende Not durch hohe Schulden, die Kindheit schon kurz nach der Geburt durch den Tod des Vaters umschattet. Erst in mittleren Jahren des 1833 geborenen Dichters, brachten seine Novellen aus Österreich (1877) allgemeine Anerkennung. Für seinen größten literarischen Erfolg, die Wiener Elegien, mußte er 60 Jahre alt werden. 
 


Die Lyrik verdankt ihm einige gedankenschwere, doch leuchtende Perlen. Unter den österreichischen Erzählern und Novellisten des späten 19. Jahrhunderts hat er mit Marie von Ebner-Eschenbach seinen herausragenden Rang.
 
Seinen Leutnant Burda, erinnere ich mich, haben wir im Gymnasium gelesen und die Lektüre brachte mich in einen Zustand entrückten Mitleids mit dem titelgebenden Protagonisten, eben jenem Leutnant Burda und dessen Leben nach seiner idée fixe, seiner erträumt altadeligen Abstammung, die ihn zum geeigneten und in seiner Phantasie schon insgeheim ersehnten Partner einer von ihm angebeteten jungen Prinzessin machen würde. Eine gute, anfangs etwas schnoddrige (aber das gibt sich, zum Glück!) Rezension des Werkes findet sich hier, die zum Schluß kommt: 

Ferdinand von Saar hat, in den Worten der Schriftstellerin und Kritikerin Betty Paoli (1814–1894), mit dieser Novelle ein „psychologisches Gemälde“ geschaffen. Dieses ist aber nicht nur das einfühlsame Porträt des verhaltensauffälligen Leutnant Burda, sondern mit der Steigerung seines Wahns zeigt es auch den langsamen Zerfall einer Gesellschaft, die auf Hierarchien und Schranken setzt, die sich dem Eingeweihten in kleinen Zeichen und Andeutungen erschließen, die zu missachten oder zu missdeuten eine Ambivalenz erzeugt, für die es kein angemessenes Instrumentarium gibt.

Die Frage von Sein und Schein, von Einbildung und Eingebildetsein läuft subkutan mit und lässt sich letzten Endes in der soldatischen Ordnung nur mit ritualisierter Gewalt lösen. Ferdinand von Saar hört alle sozialen Zwischentöne und macht in seiner Novelle meisterlich Gebrauch von dieser Vielstimmigkeit und Mehrdeutigkeit, mit Sinn für Spannung, aber auch für Humor, und mit Respekt vor seinem Helden. Er schafft so nicht nur ein Zeitbild, sondern gewährt auch einen Blick in die Seele eines ambivalenten, von inneren Konflikten gebeutelten Menschen, eines Zerrissenen – ein Thema, das an Aktualität seit der Zeit Sigmund Freuds nichts eingebüßt hat.
Das Deutsche Textarchiv enthält digitalisiert die Novellen aus Österreich, jene Sammlung kürzerer Werke, die ihn 1877 erstmals weiteren Kreisen bekannt machte. Darin die tragisch ergreifende und doch tröstlich endende Novelle Die Steinklopfer. Tröstliches Ende — keine allzu typische Eigenschaft in den Werken von Ferdinand von Saar ...
 
Aus seinen meisterhaften Wiener Elegien sei deren Siebente, der Jahreszeit gemäß, ans Ende dieses kleinen Gedenkartikels gesetzt:
 
VII 
Andere mögen dich jetzt im steigenden Sommer verlassen, 
Ich doch bleibe dir treu, strahlendurchfunkelte Stadt. 
Nicht verlangt es mich mehr nach himmelan ragenden Gletschern, 
Nicht nach des nordischen Meers wogenumbraustem Gestad. 
Gern verträum’ ich die Tage im Dunstkreis der stilleren Straßen, 
Quälen auch Hitze und Staub, giebt’s doch Oasen genug. 
Wohlig schlürft sich am Morgen der Kaffee im Runde des Stadtparks, 
Liebliches Blumenarom mengt der Cigarre sich bei. 
Brennt die Sonne dann heißer, so find’ ich schattige Gärten, 
Wo ein erquickliches Buch still und gesammelt man liest. 
Ja, dann nimmst du mich auf, Erschloss’ner vom “Schätzer der Menschheit”, 
In deiner breiten Alleen wipfelumdunkelte Ruh; 
Oder auch du, Belvedere, mit zierlich gehegten Terrassen, 
Still ins Weite hinaus schweift dort der sinnende Blick. 
Traulich empfängt mich Schönbrunn, es winkt mir der gastliche Prater, 
Wo dem dürstenden Mann froh sich der Abend beschließt. 
Sehn’ ich mich dennoch nach kühleren Schatten, nach frischeren Lüften, 
Führen auch Schienen und Dampf rasch mich in’s Volle hinein; 
Rasch in ein grünes Bereich der herrlichsten Eichen und Buchen  — 
Tief in des Wienerwalds quellendurchrieselte Pracht. 
Mögen doch Andere jetzt dich pilgernd verlassen — ich bleibe: 
Liegt das Gute so nah’, wünsch’ ich mir Besseres nicht!
 

Freitag, 17. Juli 2026

Heute vor zwanzig Jahren

von LePenseur
 
 
... starb der „prominenteste Nonkonformist von Bern“, Sergius Golowin. Wer etwas über ihn erfahren will, ist mit seinem ausführlichen Wikipedia-Artikel recht gut bedient. 
 


Ich las in jungen Jahren sein 1967 erstmals und 1979 neuerlich aufgelegtes Buch Götter der Atom-Zeit. Moderne Sagenbildung um Raumschiffe und Sternenmenschen. Eine Reise durch Symbolik, Esoterik, Spinnerei und Kulturphilosophie von eigenem Reiz. Nicht alles konnte ich teilen, vieles faszinierte mich als Gedankenspiel, manches bis heute. 
 
Im Wühlkasten von Buchhandlungen (wo's noch welche gibt) und auf Flohmärkten findet man seine zahl-reichen Bücher, ein Blick hinein kann nicht schaden ...
 

Donnerstag, 9. Juli 2026

Zwei Tage später

von LePenseur
 
 
... aber wohl noch nicht zu spät, stieß ich auf der Website Sezession im Netz auf eine "Wiedervorlage" in Sachen Gottfried Benn, der vorgestern vor 70 Jahen, wie man zu sagen pflegt, "das Zeitliche gesegnet hat" ...
 
Vor siebzig Jahren starb der Schriftsteller Gottfried Benn. Sein Leben ist hundertmal erzählt worden und rasch skizziert:

Geburt 1886 in Mansfeld / Westprignitz als Sohn eines evangelischen Pfarrers, 1903 Abitur in Frankfurt / Oder, 1910 Abschluß des Medizin-Studiums in Berlin, 1912 Promotion zum Dr. med.; im selben Jahr Veröffentlichung des ersten Gedichtbands: Morgue. 

Als Oberarzt 1915 im Militärgouvernement Brüssel, im selben Jahr Geburt der einzigen Tochter; 1917 als dienstuntauglich entlassen, 1922 Tod der ersten Frau; bis 1935 Arbeit als Arzt in Berlin, daneben Lyrik, Prosa und Essayistik [...]
Nicht, daß ich jeder Schlußfolgerung des Autors Götz Kubitschek zustimmen könnte (wann könnte man das schon, insbesondere bei einer so "umstrittenen" Erscheinung wie Gottfried Benn!) ... aber das ändert nichts an dem Gewinn, den man aus der Lektüre dieses im Kern bereits 20 Jahre alten Gedenkartikels zieht! Oder besser: ziehen kann, wenn man will.
 
Das Problem ist heutzutage, daß man es eben nicht will, ja: es nicht einmal wollen darf, ohne zum Outcast zu werden. Was sich nicht nur in den letzten, der "Wiedervorlage" vorangegangenen zwanzig Jahren geändert hat,  sondern ganz grundsätzlich das Problem ist, arbeitet ein Kommentarposting unter dem Artikel schön heraus:

Danke für die Wiedervorlage! Vor 20 Jahren wurden/konnten solche Artikel noch ohne große Echokammer, Resonzanzraum bis in eine parlamentarische Großpartei hinein geschrieben werden oder das irgendwer eine Assoziation zu einer Partei daraus hätte ziehen können, da es noch Kulturarbeit war, ohne dass eine Partei existierte (ging damals also auch prima ohne).

Wie auch immer: Was Leute wie Benn, die immer die Dekadenz bei anderen treffsicher spührten, nicht bemerkten ist, dass sie selber Produkt einer Dekadenz sind. Das intelligente Menschen mit guten Blick sich schnell von den Nazis abwandten, liegt vermutlich auch darin, dass es dann doch keine große Revolution war, sondern schnell im Spießbürgertum, im Verwaltungsakt, im Beamtentum, im sich unter den Nagel reißen von Eigentum anderer, in Herrenzimmer aus Eiche und mit Bildern vom röhrendem Hirsch, schweren Marmor-Aschenbechern etc. endete. Wo ist das bleibend Schöne, welches nie fehlen darf, wenn man Schillers ästethische Erziehung des Menschengeschlechts, heranzieht?
 Ein überaus zutreffender Befund ...
 

Dienstag, 7. Juli 2026

Ach ja, und heute vor 90 Jahren

von LePenseur
 
 
... starb Georgi Wassiljewitsch Tschitscherin, von 1918 bis 1930 Außenminister (recte: "Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten") zunächst der RSFSR und dann der Sowjetunion, einer der Architekten von Rapallo (auf deutscher Seite war es Reichskanzler Joseph Wirth, dem man deshalb bis heute übel nachredet, denn ein Einverständnis von Deutschland und Rußland, nein, das darf es einfach nicht geben! Wo kämen da die City of London und die Wallstreet und überhaupt die ganze East-Coast hin ...! Un-vor-stell-bar !!)
 
Ein Photo von den Verhandlungen ist recht nett anzusehen, Tschitscherin ("der typische Tschinjak", wie ihn Harry Graf Kessler geringschätzig charakterisierte ... nun ja, ein wegen der Reize seiner Frau Mama und des Geldes des Herrn Papa im Erbwege zum recht "druckfrischen" Grafentitel gekommener Herr Kessler sollte sich über einen Sproß zaristischen Beamtenadels nicht so sehr aus dem Fenster lehnen, denke ich ... aber lassen wir das mal). Dieser Tschitscherin ist jedenfalls der Herr mit der Aktentasche, vor ihm Reichskanzler Wirth in Imponierhaltung à la Hauptmann von Zitzewitz ...
 


Interessant auch der bärtige Herr ganz rechts, Adolf Abramowitsch Joffe, einer wohlhabenden jüdischen — richtiger: karäischen  — Familie entstammend, der als Botschafter in China, Großbritannien und Österreich diente und aus Solidarität mit Trotzky während dessen Verfolgung durch Stalin Selbstmord beging. Hand aufs Herz: wer hätte sich das angesichts des obigen Photos würdig in Cutaway gekleideter Herrn gedacht. Aber so ist eben Geschichte: je mehr man nachforscht, desto überraschender die Erkenntnisse, auf die man stößt.
 
Sufficit! Eigentlich habe ich überhaupt keine Zeit dafür, solche Artikelchen zu schreiben. Aber es reizt einen halt ...
  

Heute vor 120 Jahren

von LePenseur
 
 
... wurde zu Wien der (wie Wikipedia in exakt dieser Reihenfolge schreibt) "Zitherspieler, Komponist und Gastwirt" Anton Karas geboren. Nuff said ...
 

Ehrlich gesagt: mir hat weder der Film so besonders gefallen, noch dieses Thema ... aber, zugegeben: es war und ist ein Welthit. Und wievielen Zitherspielern ist sowas schon je vergönnt gewesen ...
 
Wer sich den ganzen Film geben will: hier geht's weiter (in ermüdend vielen Einzelteilen). 
 
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P.S.:  und, natürlich: die Katze mag ich. Ich meine: die vierbeinige, nicht die mit den Blumen im Arm — die ist ja nicht blond .... (Hätten Sie sich ja auch selbst denken können).
 

Sonntag, 5. Juli 2026

Heute vor 105 Jahren

von LePenseur
 
 
... also am 5. Juli 1921 wurde ein wahrlich "hochdekorierter" Marschall der Sowjetunion geboren: Wiktor Georgijewitsch Kulikow : das muß ja richtiges Krafttraining gewesen sein, so eine Uniform zu tragen (Gott sei Dank nur für Phototermine, im Dienst begnügte man sich auch zu Sowjetzeiten mit Bändchenleisten ...), ohne nach vorne umzukippen, das schafft man nur mit Rückgrat!
 
Ebenfalls einiges Rückgrat hatte ein Engländer namens Sir Thomas Stamford Bingley Raffles, der heute vor zweihundert Jahren starb. Das bekannteste Hotel Singapurs wurde nach ihm Raffles Hotel benannt ... 
Er war von 1811 bis 1816 Gouverneur des vorübergehend britisch beherrschten Java und von 1818 bis 1824 Gouverneur von Bengcoolen. In dieser Funktion gründete er 1819 eine britische Handelsniederlassung in Singapur und initiierte 1822 einen Stadtentwicklungsplan, womit er den Grundstein für das moderne Singapur legte.
... informiert uns Wikipedia. 

Donnerstag, 2. Juli 2026

Barnabás von Géczy

von LePenseur
 
 
... starb in München heute vor 55 Jahren, am 2. Juli 1971. Der „Paganini des Fünfuhrtees", wie man ihn ob seiner eleganten Virtuosität so despektierlich wie neidvoll nannte, war nicht nur im Berlin der 1920- bis 40er-Jahre eine aus der Unterhaltungsmusik Mitteleuropas nicht wegzudenkende Größe:
Der Geiger Barnabas von Geczy und sein Orchester sind für die Qualität der deutschen Unterhaltungsmusik der zwanziger und dreißiger Jahre ein Begriff von internationalem Klang. Neben Orchestern wie Marek Weber, Dajos Bela, Bernhard Ette, Juan Llossas und Will Glahe repräsentiert vor allem Barnabas von Geczy eine der glanzvollsten Epochen der deutschen Tanz-und Unterhaltungsmusik. Am 4. März 1897 in Budapest geboren, erlernte Barnabás von Géczy das Geigenspiel zunächst bei einem Zigeunerprimas, dann wurde er Meisterschüler des berühmten ungarischen Konzertviolinisten Jenö Hubay. Aus dieser unvergleichlichen Kombination von musikantischer Ursprünglichkeit und solidem technischen Können entwickelte sich dann die Besonderheit des Geigers Barnabás von Géczy, der von Zeitgenossen als „Paganini des Fünf-uhrtees" bezeichnet wurde. 

Der beste Nachweis seines großen solistischen Könnens ist die Tatsache, daß er nach seiner Ausbildung als Erster Geiger der Budapester Oper tätig war und dann Berufungen als Konzert-meister an das Philadelphia Orchestra und an die Stockholmer Königliche Oper erhielt. Doch seine künstlerische Entwicklung verlief ganz anders. Er entschied sich für die Unterhaltungsmusik und spielte zunächst als Kaffeehaus-Stehgeiger in Norwegen. Man wurde rasch auf ihn auf-merksam und holte ihn 1924 nach Berlin.

Dort gründete er ein Ensemble, dessen Repertoire vorwiegend aus kammermusikalischen und konzertanten Werken bestand. Als Hausorchester des berühmten Berliner Nobelhotels Esplanade machte sich Barnabás von Géczy mit seinem Ensemble sehr schnell einen Namen. Bald entwickelte sich aus dieser Kapelle ein großes Tanz- und Unterhaltungsorchester, dessen eigener, vor allem von den Streichinstrumenten beherrschter Stil besonders durch die solistische Bravour von Barnabás von Géczy und seines ausgezeichneten Pianisten Erich Kaschubek geprägt wurde. 

In Nummern wie „Komm mit nach Madeira", „Schließ deine Augen und träume", „Roter Teufel" und „Gar. leise kommt die Nacht" kommt dieser eigene Orchesterklang überzeugend zur Geltung. In Richard Heubergers „Chambre Separee" und in der Toselli-Serenade ist der Dialog zwischen Sologeige und Klavier von besonderer kammermusikalischer Feinheit. Der Filmschauspieler und Sänger Willy Fritsch schreibt in seinen Memoiren, daß die Musik des Ungarn Barnabás von Géczy wirkt „wie eine Übersetzung des Primitiven ins Gesellschaftliche, des Urtümlichen ins Mondäne". 

Die konzertante Tanz- und Unterhaltungsmusik entwickelte sich im 19. Jahrhundert und erreichte zwischen den beiden Weltkriegen in den großen Hotels und Konzertcafes ihren Höhepunkt. Durch die zu dieser Zeit aufkommenden neuen Massenmedien Schallplatte und Rundfunk fand diese Musikkultur rasch Verbreitung und ungeheure Popularität. Die Nostalgie-Welle der Gegenwart hat uns Namen wie Barnabás von Géczy wieder in Erinnerung gerufen,— und dabei stellen wir fest, dass es sich nicht um Verklärung der Vergangenheit handelt, sondern um echte Repräsentanz einer Musikkultur von effektvollem Orchesterglanz und elegantem virtuosen Können. 

Die großen Orchester dieser Zeit haben nicht nur Hits gemacht und den musikalischen Geschmack des Publikums gebildet, sondern der allgemeinen Entwicklung der Unterhaltungsmusik ent-scheidende Impulse gegeben. In welchem Maße solche Leistungen von konkreten Zeitverhält-nissen und von der kulturellen Atmosphäre abhängig sind, zeigt sich daran, daß Barnabás von Géczy, der am 2. Juli 1971 in München starb, in den fünfziger Jahren seinen berühmten „Puszta-Fox" neu einzuspielen versuchte und dabei feststellen mußte, daß selbst ihm und seinem neugegründeten Orchester eine Wiederholung des damaligen musikalischen Stils nicht möglich war. So sind die Aufnahmen dieses Albums einmalige Tondokumente einer großen musikalischen Vergangenheit.
... schrieb über ihn der Musikhistoriker Stephan Pflicht (der u.a. die höchst amüsante Anekdotensammlung aus dem Reich der Musik „... fast ein Meisterwerk" verfaßte). Schließen wir also die Augen und träumen wir zum schmeichelnden „Poéme" von Barnabás von Géczy... 
 
 
 
... und können sicher sein: „Ganz leise kommt die Nacht".
 
Leichte Muse? Sicherlich! Salonmusik? Ohne Zweifel! Aber wenn ich das mit irgendwelchen Trommelfell-Martern heutiger „Unterhaltungsmusik" vergleiche, werde ich sehr melancholisch ...
 
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P.S.: sein erfolgreichstes Stück war der „Puszta Fox", es wurde ca. 10 Mio. mal verkauft. Doch wie so oft in der Musikgeschichte  des Kassenerfolges: es war nicht sein bestes.
 

Dienstag, 30. Juni 2026

Heute vor 100 Jahren

von LePenseur
 
 
... wurde Peter Alexander Neumayer zu Wien als Sohn des Anton Neumayer, Bank-Rat, und dessen Ehefrau Bertha Katharina, geb. Wenzlick, Tochter eines deutschböhmischen Musikalienhändlers aus Nürschan, geboren.
Damit unser geschätzter Kollege Lechner nicht wieder einen Nervenzusammenbruch (oder auch nur einen Hautausschlag) kriegt, hier nur ein Link zu einem ganz witzig inszenierten Tango.
 
Bevor der geneigte Leser fragt, um wen es hier eigentlich geht: man kennt ihn eigentlich nur unter seinen Vornamen. Aber die kennt jeder ...
 

Silvae lesen!

von LePenseur
 
 
Weil ich heute in meinem momentanen beruflichen Wahnsinns-Trubel (der durch die brütende Hitze der letzten Tage auch nicht angenehmer wurde, die erst letzte Nacht mählich ein wenig nachzulassen begann) ein bisserl Luft habe, las ich (wie so oft) einen Artikel auf dem Blog des geschätzten Professore "Silvae" — über Gotthard Erler ✝, Germanisten, Fontane-Forscher und -Editor von dessen "Großer Brandenburger Ausgabe" (die er ab 1994 begründete und herausgab) ... und fand ihn einfach berührend und wunderbar. Schon der Beginn nahm mich, als dezidierten Fontane-Fan, gefangen:
Die beiden Bände von →Vor dem Sturm des Aufbau Verlages, die Gotthard Erler ediert hat, sind natürlich das, was sich jeder Philologe wünscht. Die Gelehrsamkeit der Annotationen von Gotthard Erler kann man gar nicht genug loben. Ich bin auch heute froh, dass ich bei Eschenburg die acht Bände der Romane des Aufbau Verlags zum Spottpreis von 32 Euro gekauft habe. Wenn man alle Anmerkungen sorgfältig gelesen hat, wird man vielleicht den Roman ein zweites Mal lesen. Aber meine erste Lektüre war ganz unphilologisch, die Lektüre eines Lesers. Dafür brauchte ich die philologische Gelehrsamkeit von Gotthard Erler nicht, dafür brauchte ich nur einen zuverlässigen Text. Aber ich dachte mir beim Lesen die ganze Zeit: Leute, wie habt ihr übersehen können, dass dies ein großer Roman ist? Das fand auch Gustav Seibt in der Süddeutschen als er im Januar dieses Jahres den gerade in der →Großen Brandenburger Ausgabe erschienenen Roman →rezensierte.
 
Das stand hier vor fünfzehn Jahren in dem Post Vor dem Sturm. Und in dem Post 3. Oktober schrieb ich: Und die Fontane Ausgabe, die Gotthard Erler einst begonnen hatte, schreitet voran. Erler ist in diesem Jahr neunzig geworden, aber er arbeitet immer noch an der großen Sache. Ich wollte den Fontane-Forscher Gott-hard Erler unbedingt wissen lassen, welche Achtung ich vor seinem Werk hatte (ein Blick in den Katalog der Deutschen Nationalbliothek zeigt uns, dass Erler da mit 388 Katalogeinträgen steht) und besorgte mir von meinem Freund Peter, der seit Jahren mit Erler in Verbindung stand, seine e-Mail Adresse. Und schrieb Gotthard Erler, welchen Respekt ich vor seiner Leistung als Deutschlands wichtigster Fontane-Kenner hatte.
(Hier weiterlesen) 
So lesen können und es dann noch so schreiben können ... nein, nicht Neid, sondern Dankbarkeit erfüllt einen bei der Lektüre solcher Betrachtungen! Die Zeilen des Historikers Jürgen Kuczynski in dessen Buch Alte Gelehrte:  
Jeder alte Gelehrte, der ein kreatives Leben verbrachte, der diese und jene kleinere oder größere Wahrheit gefunden hat und auf diese Funde zurückblickt, kann sicher sein, daß diese Wahrheiten, ob später mit seinem Namen verbunden oder nicht, niemals eingesargt werden. [...] wer solches von sich, rückblickend auf seine Arbeiten, sagen kann, wird, trotz aller Stürme der Zeiten, in die er vielleicht sogar noch im Alter das Glück hat verwickelt zu sein, eine allen, die ihn kennen, wohl-tuende Souveränität, auch seinem Leben und Werk gegenüber, ausstrahlen.
... die Professore "Silvae" quasi als Halb- oder Trugschluß seines Artikels zitiert, die einem tatsächlich noch schöneren Abschluß des Artikels vorangehen sind ein "Cor ad cor loquitur", um den Wappenspruch des großen Theologen und Philosophen John Henry Kardinal Newman zu zitieren.
 
Danke! 
 
 

Sonntag, 14. Juni 2026

Heute vor 115 Jahren

von LePenseur
 
 
... starb ein durchaus bedeutender norwegisch-dänischer Komponist: Johan Svendsen, geboren am 30. September 1840 in Christiania (dem heutigen Oslo), gestorben am 14. Juni 1911 in Kopenhagen als Hofkapellmeister der Königlichen Kapelle. Er ist auch einer aus der bedauerns- wie beneidenswerten Schar der "Ein-Stück-Komponisten", von denen sich nur ein Werk in den Programmen gehalten hat (wie beim armen Max Bruch das 1. Violinkonzert oder bei Svendsens Landsmann Sinding das Frühlingsrauschen). Bei Svendsen ist es die wirklich hübsche
 
Romanze für Violine und Orchester on G-Dur, op. 26 
 
 
Keine Frage: ein wirklich nettes Werk, ein Ohrwurm, den man nicht so leicht aus dem Ohr bringt, das ideale Zugaben- und Studentenkonzert-Stückchen ...
 
Aber Svendsen schrieb durchaus mehr und qualitativ Höherwertiges. So bspw. zwei Symphonien, wobei es eigentlich drei gewesen wären, wenn nicht ... aber das ist ein Kunst-Krimi erster Güte und Tragik, den ich einfach aus der "Diskussionsseite" von Svendsens deutschem Wikipedia-Artikel hier reinkopiere, ohne mich für die Fakten verbürgen zu können. Aber plausibel klingt es schon, was dieser Benutzer "Rajiv" da schrieb:
Bin gerade auf diesen Artikel gestoßen (hatte vorher nicht danach gesucht, weil verstreut an diversen Stellen mir vorerst genug Informationen zu Svendsen zur Verfügung standen) und bin doch über die Knappheit verwundert. Da ich weder norwegisch noch dänisch beherrsche, kann ich die Quellen nicht belastbar auswerten und hier einbauen. Aber ein paar Aspekte will ich gewissermaßen als Gedankenanstoß benennen. 
Svendsen ist einer der wichtigsten norwegischen Komponisten überhaupt, dies lässt sich sogar auf ganz Skandinavien ausdehnen. Er ist nicht unbedeutender als Grieg (mit dem er übrigens befreundet war, sie waren ja fast ein Jahrgang mit 1840 bzw. 1843 und sind auch nur mit einem ähnlich geringen Abstand verstorben, 1911 zu 1907). Gut zu erkennen daran, dass er eigentlich Geigenvirtuose war, dies aber schon im Februar 1865 wegen medizinischer Probleme beenden mußte und nun sich der Komponistentätigkeit zuwandte. Die Ausbildung dazu in Leipzig (u. a. bei Carl Reinecke) unterstreicht seine Bedeutung, denn Svendsen wurde nach rund einem Jahr als Aufgabe gestellt ein Streichquartett zu komponieren, diese "Hausaufgabe" wurde normalerweise nicht nach einem sondern nach drei Jahren gestellt, wie übrigens auch Grieg dies nach drei Jahren aufbekam. 

Aus meiner Sicht sehr wichtig wäre noch etwas zu seinem Privatleben bzw. Familienleben, weil es da extrem wichtig wird für seine Kompositionstätigkeit. Svendsen weilte 1870 in Paris und lernt dort Sarah Levett (mit kleinem Sohn aus erster Ehe) kennen, diese beiden besuchen ihn 1871 in Leipzig und im Mai 1871 erfolgt die Verlobung und später die Hochzeit mit Reise zur Verwandschaft der Braut in Amerika. Braut und Sohn lassen sich übrigens am 15.08.1872 taufen und Taufpaten sind niemand geringere als Richard und Cosima Wagner! Aus Sarah wird Bergljot und der Sohn heißt jetzt Sigurd. 

Für Svendsen wird diese Ehe noch extrem bedeutungsvoll, denn zeitlich um den Umzug nach Kopenhagen geschah die Katastrophe Anfang 1883. Svendsen erhielt von einer (unbekannten?) Verehrerin ein Blumenbouquet nebst beigefügter Liebeserklärung, allerdings gelangte diese Gabe an Svendsens Ehefrau, welche rasend vor Eifersucht die gerade fertig komponierte 3. Symphonie verbrannte. Überflüssig zu erwähnen, dass es noch keine Kopie gab. Svendsen komponierte daraufhin nicht mehr. 

Erst viel später folgen dann op.32 und op.33 und dann noch 1894 ein Andante funèbre sowie eine Schauspielmusik/Ballett (1890?). Die Sache geht noch weiter, denn Ibsen brauchte sich seine Hedda Gabler nicht auszudenken, sie kam in Gestalt von Svendsens Ehefrau daher. Ibsen kannte den Vorfall, somit kann wohl ausgeschlossen werden, dass es keinen Zusammenhang zwischen der "Symphonie-Verbrennung" und der Entstehung der Hedda Gabler gab. Svendsens Ehefrau zog wohl 1884 wieder nach Paris und es dauerte bis zum 10.12.1901 ehe die Ehe geschieden wurde. 

Svendsen lebte schon vor 1901 mit Juliette Haase zusammen und heiratete sie am 23.12.1901, sie hatten da schon drei gemeinsame Kinder. Es würde mich freuen, wenn ein "Skandinavien-Angehauchter" ein paar belastbare Quellen (Biographie?) sichten könnte und dies dann in den Artikel einbauen könnte. Konsequenterweise müsste dann bei Ibsens Hedda Gabler eigentlich auch (wenigstens in der Diskussion) der Hinweis auf die "Symphonie-Verbrennung" kommen.
Nun kennen (bzw. kennen wir eher nicht) immerhin zwei Symphonien jenes Komponisten, die von meinem Lieblings-Lästermaul, also: Dave Hurwitz, natürlich!, als "nice" bezeichnet werden (in einem Video, das den Titel Johan Svendsen's Moderately Interesting Orchestral Works trägt). Nun, zweifellos sind sie "nice", aber m.E. deshalb nicht schlechter als das meiste aus Griegs Feder (ich bin, gebe ich zu, kein ausgesprochener Grieg-Fan ...), nur eben bei weitem nicht so bekannt:
 
 
Seine Symphonie No. 2 (lt. Hurwitz ebenfalls bloß "nice") ist für mich deutlich gesteigert gegenüber dem früheren Werk, sicherlich kein innovatives Meisterwerk, jedoch erfreulich und teilweise auch überraschend mitzuhören. Bei der Videoaufnahme fragt man sich freilich, was einem Kameramann einfällt, der in einem Symphoniekonzert zu 95% der Zeit nur den Dirigenten im Bild hat (was eine wohl unbeabsichtigt komische Wirkung auf den Zuseher hat). Immerhin: der Dirigent trägt Frack und weiße Weste (nicht Kummerbund!), was LePenseur prinzipiell sehr zu schätzen weiß und Dirigenten, die die misera plebs der Orchesterspieler im Frack sitzen/schwitzen lassen und selbst in irgendwelchen Phantasiekostümierungen auftreten, eigentlich nicht leiden kann (außer sie sind wie der ganz alte Karajan durch körperliche Leiden entschuldigt). Aber zurück zur "Zweiten" ... also ehrlich: so medioker bloß "nice" finde ich sie gar nicht:
 
 
Der langsame Satz ist klangschön und "hat was" ... aber, wie gesagt: Gusto und Watschen sind verschieden, wie der Wiener sagt. Beim Finale beneidet der Betrachter freilich das Saalpublikum, das nur den Rücken dieses Maestros sehen konnte ... es ist zwar nicht so schlimm wie der Leserkommentar (auf Deutsch übersetzt) 
Diese Aufnahme ist grauenhaft. Nur der Dirigent ist im Bild, als gäbe es gar kein Orchester. Dieser Dirigent heißt wahrscheinlich „Johnny, der selbsternannte Idiot“.

meint, kommt dem aber schon bedenklich nahe ...

Die Norwegischen Rhapsodien hingegen finden sogar Hurwitz'ens Beifall, und den verdienen sich auch wirklich!

 Norwegian Rhapsody No. 1, Op.17 [00:00] | Norwegian Rhapsody No. 2, Op.19 [09:14]

Norwegian Rhapsody No. 3, Op.21 [18:06] | Norwegian Rhapsody No. 4, Op.22 [28:01]

Wenn sich nun die geneigten Leser fragen: "Was, zum Teufel, setzt uns dieser LePenseur denn noch an unbekannten Kleinmeistern vor?", so frage ich zurück: "Na und? War's denn so schlimm, was Sie ertragen mußten?" Und wenn Sie ehrlich sind, müssen sie sagen: nein.

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P.S.: und daß ich auf Svendsen kam, verdanke ich seinem, wie ich meine, begabteren Schüler, dessen auf diesem Blog vor einigen Tagen gedacht wurde ... 

 

Dienstag, 2. Juni 2026

Hakon Børresen

von LePenseur
 
 
Ja, ich weiß: wieder so ein Komponist, den kein Schwein kennt! Nun lesen erfahrungsgemäß Schweine eher selten diesen Blog, also ersuche ich die geneigten Leser, sich auch ein bisserl mit diesem m.E. bedeutenden Komponisten Dänemarks auseinanderzusetzen.
 
Heute vor 150 Jahren erblickte besagter Hakon Børresen in Kopenhagen das Licht de Welt und Wikipedia bringt eine kurze Biographie:
Børresen entstammte einer Kaufmannsfamilie und erhielt in seiner Jugend Klavier-, Violin-, Violoncello- und Musiktheorieunterricht. Auf seinen Wunsch hin, Komponist zu werden, verlangte sein Vater ein Urteil von kompetenter Seite, weshalb Børresen 1895 Johan Svendsen seine Aufwartung machte. Dieser zeigte sich überzeugt von Børresens Talent. Es folgten Privatstunden, die 1901 mit der Uraufführung von Børresens erster Symphonie endeten. Für dieses Werk erhielt der junge Komponist das Anckersche Legat. Das folgende Jahr verbrachte er in Deutschland, Frankreich und Belgien, wo er mannigfaltige Beziehungen knüpfte. Ab 1902 lebte Børresen freischaffend in Kopenhagen und Skagen, wo er eine Zweitwohnung besaß. Besonders verdient machte er sich als Organisator von Musikfesten und als Vorsitzender des Dänischen Komponistenverbandes, ein Amt, das er von 1924 bis 1949 innehatte. Außerdem beteiligte er sich 1935 an der Gründung des Dänischen Musikrats und wurde dessen erster Vorsitzender. Børresen starb als eine der geachtetsten Persönlichkeiten des dänischen Musiklebens. 
Was hier nicht erwähnt wird: Børresen war in gewissem Sinne der Vater der dänischen Oper, denn in seiner Oper "Der Königliche Gast" (1919) bewies er, daß die, sagen wir: nicht eben einfache und klangschöne dänische Sprache als Idiom für Operngesang durchaus geeignet ist:
 
 
Es gab früher auf Youtube ein (in schwarz/weiß und mäßiger Klangqualität, aber mit hervorragender Regie und Schauspielleistung der Sänger) Video aus den 1960er-Jahren, das offenbar gelöscht wurde ... wenn es jemand zufällig entdeckt: unbedingt ansehen! Auch wenn man kein Wort Dänisch versteht, das Schauspiel macht die Handlung verständlich, die unter dem obigen Video etwas verkürzend so beschrieben wird:
The story plays out an evening in a doctor's home on the Jutland peninsula around 1900. Dr. Høyer and his wife are expecting guests for a dress ball. However, all the guests decline at the last moment, and Dr. Høyer is irritated, but slightly relieved. Instead, the family receives a surprise visitor, the unknown gentleman Prince Carnival, who acts in a free and easy manner, playing the piano, talking with Dr. Hoyer's wife, and suggesting to the couple to carry on with the party.
Naja, stimmt irgendwie, aber geht am Wesentlichen vorbei: beim "Aufblühen" einer etwas eingeschlafenen ehelichen Beziehung in der Ärztefamilie durch die ganz überraschende, wunderbare Begegnung mit diesem geheimnisvollen, zauberkundigen "Prinz Karneval", die mit viel Takt und Humor geschildert und sprühend in Musik umgesetzt wird.
 
Eine zweite Oper, "Kaddara", die in Grönland spielt, ist auf Youtube leider nur als Wiedergabeliste in 44 Kurzvideos zerschnipselt anhörbar (bzw. wegen der ständigen Werbeclips eher un-anhörbar!) ...
 
Hakon Børresen schrieb aber auch drei sehr klangschöne, fesselnd instrumentierte Symphonien. Schon seine No. 1 in c-moll, op. 3 (1900), quasi die Abschlußarbeit seiner Studien bei Svendsen, verrät das große Talent des jungen Meisters:
 
 
Seine Zweite, in A-Dur, op. 7, aus dem Jahre 1904, die den programmatischen Titel "Das Meer" trägt, zeigt uns einen deutlich weiterentwickelten Komponisten:
 
 
Die weit später entstande Symphonie No. 3 (1925/26) in C-Dur, op. 21, ist ein bedeutendes Dokument des gereiften Meisters:
 
 
Wikipedia schreibt zu seiner Tonsprache:
Børresen ist stilistisch voll und ganz der Spätromantik verpflichtet; neuere Tendenzen hatten auf sein Schaffen keinerlei Einfluss. Seine Inspiration nahm er häufig aus Bildern und Stimmungen der dänischen Natur, sodass viele seiner Werke einen deutlich nationalen Tonfall aufweisen. Vor allem zu Beginn seiner Laufbahn war er noch stark von Tschaikowski und seinem Lehrer Svendsen geprägt. Besonders auffällig ist Børresens natürlich fließende Melodik und die wirkungsvolle Instrumentation. Auch sind seine Werke durch eine frische, kraftvoll-optimistische Grund-stimmung geprägt. Insgesamt wirkt seine Musik zwar leicht anachronistisch, doch überzeugt sie den Hörer durch ihre Frische, Volkstümlichkeit und Unmittelbarkeit des Ausdrucks. Heute wird Børresen allerdings nur wenig beachtet. 
Seine in der Biographie geschilderte Arbeit als Vertreter der Komponistenzunft, nicht nur Dänemarks, sondern ganz Skandinaviens hinderte ihn offenbar an einem zahlreicheren "Output" an Werken, sodaß wir den Lesern die selbständige Entdeckung seines vergleichsweise "schmalen" OEuvres überlassen können: es lohnt sich, es zu erkunden!
 

Freitag, 29. Mai 2026

Wjatscheslaw A. Owtschinnikow

von LePenseur
 
 
... wird kaum jemandem dem Namen nach bekannt sein. Und von seiner Musik kennt man vielleicht die Filmmusik zum unter Cineasten als Kultfilm gehandelten Andrej Rubljow (1966), oder zu Krieg und Frieden (1966/67). Aber daß er auch Symphonien geschrieben hat, wer weiß das schon ...  
 
Schon seine Symphonie No. 1 aus dem Jahre 1956, geschrieben in einer Periode geistiger Umorientierung nach Stalins Tod, beeindruckt durch ihren Wechsel von lastender Schwere und dynamischer Aufbruchsstimmung:
 
 
Die Symphonie No. 2 "Yuri Gagarin" für großes Streichorchester (195657), ist ebenfalls ein dramatisches Werk von großer Intensität und Emotionalität:
 

 
Seine 3. Symphonie fand ich leider nicht bei Youtube, aber die No. 4, für großes Orchester und gemischten Chor gesetzt, ist beeindruckend:
 
  
Auch von der 5. Symphonie des Komponisten fand ich leider kein Youtube-Video, es wäre sehr interessant zu hören, wie diese letzte Symphonie wohl klingen mag.
 
Heute würde Wjatscheslaw A. Owtschinnikow seinen Neuziger feiern, wäre er nicht am 4. Februar 2019 zu Moskau gestorben ...
 

Mittwoch, 27. Mai 2026

Heute vor 110 Jahren

von LePenseur
 
 
... also am 27. Mai 1916, beendete Richard Strauss in Garmisch die heute in den Opernhäusern der Welt so gut wie ausschließlich gespielte Neufassung der Oper Ariadne auf Naxos. 
 
Die ursprüngliche Fassung, die sich als Neu-Kreation eines "barocken Gesamtkunstwerks", bestehend aus Schauspiel (Molières "Bürger als Edelmann"), Ballett und Oper (eben: "Ariadne auf Naxos"), wobei diese wiederum sowohl opera seria wie opera buffa in sich vereinen sollte, war einfach ein viel zu ambitioniertes Unterfangen, als daß das Publikum sich davon wirklich angesprochen gefühlt hätte: der Opern-Fan fand die Molière-Komödie zu wenig interessant, der Ballett-Fan war mit den Tanzeinlagen nicht wirklich zufrieden, der Schauspiel-Besucher fand den Rest eher zu langatrmig ... kurzum: keiner war wirklich zufrieden.
 
Und so faßte Hugo von Hofmannsthal den Entschluß, das Werk, statt es in einer Schublade verstauben zu lassen, durch eine Totalrevision mit neuem Leben zu erfüllen — und: es gelang! Freilich mußte zuerst der Komponist Richard Strauss davon überzeugt werden (was bei dessen Dickköpfigkeit keineswegs einfach war!), zu etwas bestehendem etwas dazu Passendendes zu komponieren (was weitaus schwieriger ist als jede Neukomposition). Aber das Ergebnis konnte sich dann sehen — und v.a. hören lassen!
 
Hier die legendäre Interpretation der revidierten Ariadne unter der behutsamen Stabführung von Karl Böhm, mit einem wirklich idealen Ensemble von Sänger-Schauspielern ... Walter Berry als Musikmeister (in etwas anachronistischer Bach-Aufmachung), v.a. der großartige Erich Kunz (früher selbst ein gefeierter Sänger), als Haushofmeister nun die einzige Sprechrolle des Stückes, der nicht weniger hinreißend agierende Heinz Zednik als zynisch-weltklug tändelnder Tanzmeister, die Janowitz als Diva par excellence und René Kollo als proto-typischer Tenor und natürlich Edita Gruberova als wirklich unvergleichliche Zerbinetta ... das neukomponierte "Vorspiel" könnte nicht besser aufgeführt werden! Aber sehen Sie selbst ...
 
 
LePenseur gesteht: nach diesem Vorspiel voll Witz und Eloquenz hat ihn schon beim seinerzeitigen erstmaligen Ansehen des Werkes in der Wiener Staatsoper der zweite Teil des Werkes, die eigentliche Oper "Ariadne auf Naxos", weniger angesprochen (so originell die Verquickung von seria und buffa von Strauss/Hofmannsthal auch gelöst wurde!) ... und fast möchte man sagen: der Tanzmeister hatte mit seiner beiseite gesprochenenen Meinung "Die Oper hat Längen!" nicht ganz unrecht ... noch immer nicht ganz unrecht, trotz des ständig dazwischenwirbelnden Buffo-Ensembles ... zwar nicht ganz so, daß es ist (um hier nochmals den Tanzmeister zu zitieren) "um stehend einzuschlafen", aber halt doch etwas — mühsam ... 
 
Mit einer Einschränkung: der neukomponierte Schluß der Oper, den der Strauss-Biograph Ernst Krause als einen "Notschluß" etwas abqualifizierte, sondern er ist vielmehr ein fürwahr grandioses Finale, das den Abend keineswegs notdürftig, sondern fulminant beschließt!
  

Montag, 18. Mai 2026

Am 18. Mai 1986

von LePenseur
 
 
... (also heute vor vierzig Jahren) starb einer der größten, gebildetsten und liebenswürdigsten Kabarettisten Österreichs:
 
DDr. Peter Wehle
 
 
 
(kleine Anmerkung für Leser aus Deutschland: in Österreich wird bei mehrfachen Doktoraten nur das "D" entsprechend
"vermehrt"  und das "r." dahintergesetzt. In Deutschland würde man hingegen "Dr.Dr. Peter Wehle" schreiben) 
  
Seine Biographie bei Wikipedia liest sich (speziell von 1939 bis 1945) aufregend turbulent und zeigt uns den  für einen Anwaltssohn, der 1939 zum Dr. jur. promovierte, eher nicht so gewöhnlichen Weg zur Bühne, noch dazu zur "Kleinkunstbühne" des Kabaretts ...
 
Wer vor zehn, fünfzehn Jahren bei Youtube etwas stöberte, konnte noch eine ganze Menge von Auftritten und Liedern von und mit Peter Wehle finden – heute ist fast nichts mehr davon online, leider ... (und das, was man findet, betrifft oft nicht ihn selbst, sondern seinen Sohn, der ebenfalls die Kabarettlaufbahn eingeschlagen hat. Ohne ihm nahetreten zu wollen ... aber: sein Herr Papa ist mir lieber ...)
 
Und so bleibt nur ein wahrhaft "unsterblicher" Song aus den frühen 1960er-Jahren, nämlich "Rababzibap", den Wehle, begleitet von Gerhard Bronner, vorträgt:
 
 
Dieser Song hat bei mir auch einen gewissen autobiographischen Bezug: meine Eltern waren begeisterte Kabarettbesucher, kauften auch Schallplatten mit den Kabarettsongs und ich erinnere mich, daß wir Kinder gerade bei diesem Song in unbändige Heiterkeit ausbrachen: dieses ganz moderne, geradezu brand-aktuelle Lied soll irgendwann als "altes Wienerlied" empfunden werden? Undenkbar!
 
Als ich es vor (fünfzehn? zwanzig?) Jahren zufällig wieder hörte, war es – quasi ein Bad in Nostalgie! Ja, das waren noch Zeiten ... und inzwischen selbst schon im Alter eines im Song ironisch so apostrophierten "Lainzer Playboys"*) angelangt, weiß ich , wovon ich rede.
 
 
P.S.: einen Song, an dem Peter Wehle mitgewirkt hat, habe ich noch entdeckt – den köstlichen "Cocktail-Bolero", der sich über die damals in Mode kommenden Cocktail-Parties lustig macht ... und über die Wiener "Gesellschaft" (bzw. was sich dafür hielt und hält ...). Viel Vergnügen! 
 
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*) in Lainz, einem Vorort von Wien, befand sich damals das Wiener Altersheim (heute heißt sowas vornehm: "Seniorenheim", und wenn man dafür kräftig zahlen muß: "Seniorenresidenz" ... aber dessen ungeachtet: es ist die letzte Station – vor der allerletzten, von der aus, wie's in Wien so treffend heißt, man "die Radieschen von unten anschaut" ...)
 

Donnerstag, 14. Mai 2026

Waldemar Bloch: Missa brevis

von LePenseur
 
 
 
Zum heutigen Feiertag die Missa brevis des österreichischen Komponisten Waldemar Bloch, dessen 120. Wiederkehr des Geburtstages wir am 5. Mai hätten gedenken können, oder vielmehr: sollen! Denn (wie so viele seiner Generation) ist auch er der damnatio memoriae der Zwölftöner und Serialisten zum Opfer gefallen. 
 
Nein, er war sicherlich nicht einer der "ganz großen" Komponisten, aber doch einer, dessen Werke durchaus verdienen, aufgeführt zu werden, etwa seine zahlreichen Orgelwerke, darunter das Ricercar über den Namen BACH für Orgel:
 
 
Daß Waldemar Bloch nicht bloß Kirchenmusik konnte, beweist er im Klavierkonzert No. 2 aus dem Jahr 1963:
 
 
 Außerdem schrieb er sieben Opern, und von einer davon "Der Diener zweier Herren" (nach Goldoni) gibt es auch einen Ausschnitt, ein Tondokument der Rundfunkaufnahme der Uraufführung aus dem Jahr 1961: