Dienstag, 30. Juni 2026

Silvae lesen!

von LePenseur
 
 
Weil ich heute in meinem momentanen beruflichen Wahnsinns-Trubel (der durch die brütende Hitze der letzten Tage auch nicht angenehmer wurde, die erst letzte Nacht mählich ein wenig nachzulassen begann) ein bisserl Luft habe, las ich (wie so oft) einen Artikel auf dem Blog des geschätzten Professore "Silvae" — über Gotthard Erler , Germanisten, Fontane-Forscher und -Editor von dessen "Großer Brandenburger Ausgabe" (die er ab 1994 begründete und herausgab) ... und fand ihn einfach berührend und wunderbar. Schon der Beginn nahm mich, als dezidierten Fontane-Fan, gefangen:
Die beiden Bände von Vor dem Sturm des Aufbau Verlages, die Gotthard Erler ediert hat, sind natürlich das, was sich jeder Philologe wünscht. Die Gelehrsamkeit der Annotationen von Gotthard Erler kann man gar nicht genug loben. Ich bin auch heute froh, dass ich bei Eschenburg die acht Bände der Romane des Aufbau Verlags zum Spottpreis von 32 Euro gekauft habe. Wenn man alle Anmerkungen sorgfältig gelesen hat, wird man vielleicht den Roman ein zweites Mal lesen. Aber meine erste Lektüre war ganz unphilologisch, die Lektüre eines Lesers. Dafür brauchte ich die philologische Gelehrsamkeit von Gotthard Erler nicht, dafür brauchte ich nur einen zuverlässigen Text. Aber ich dachte mir beim Lesen die ganze Zeit: Leute, wie habt ihr übersehen können, dass dies ein großer Roman ist? Das fand auch Gustav Seibt in der Süddeutschen als er im Januar dieses Jahres den gerade in der →Großen Brandenburger Ausgabe erschienenen Roman →rezensierte.
 
Das stand hier vor fünfzehn Jahren in dem Post Vor dem Sturm. Und in dem Post 3. Oktober schrieb ich: Und die Fontane Ausgabe, die Gotthard Erler einst begonnen hatte, schreitet voran. Erler ist in diesem Jahr neunzig geworden, aber er arbeitet immer noch an der großen Sache. Ich wollte den Fontane-Forscher Gott-hard Erler unbedingt wissen lassen, welche Achtung ich vor seinem Werk hatte (ein Blick in den Katalog der Deutschen Nationalbliothek zeigt uns, dass Erler da mit 388 Katalogeinträgen steht) und besorgte mir von meinem Freund Peter, der seit Jahren mit Erler in Verbindung stand, seine e-Mail Adresse. Und schrieb Gotthard Erler, welchen Respekt ich vor seiner Leistung als Deutschlands wichtigster Fontane-Kenner hatte.
(Hier weiterlesen
So lesen können und es dann noch so schreiben können ... nein, nicht Neid, sondern Dankbarkeit erfüllt einen bei der Lektüre solcher Betrachtungen! Die Zeilen des Historikers Jürgen Kuczynski in dessen Buch Alte Gelehrte:  
Jeder alte Gelehrte, der ein kreatives Leben verbrachte, der diese und jene kleinere oder größere Wahrheit gefunden hat und auf diese Funde zurückblickt, kann sicher sein, daß diese Wahrheiten, ob später mit seinem Namen verbunden oder nicht, niemals eingesargt werden. [...] wer solches von sich, rückblickend auf seine Arbeiten, sagen kann, wird, trotz aller Stürme der Zeiten, in die er vielleicht sogar noch im Alter das Glück hat verwickelt zu sein, eine allen, die ihn kennen, wohl-tuende Souveränität, auch seinem Leben und Werk gegenüber, ausstrahlen.
... die Professore "Silvae" quasi als Halb- oder Trugschluß seines Artikels zitiert, die einem tatsächlich noch schöneren Abschluß des Artikels vorangehen sind ein "Cor ad cor loquitur", um den Wappenspruch des großen Theologen und Philosophen John Henry Kardinal Newman zu zitieren.
 
Danke! 
 
 
 

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