Sonntag, 27. Januar 2013

Mein Gott, Laura ...

Was den Österreichern die sinnbefreit dahinstammelnde Sozen-Politikerin Laura Rudas, das ist den Deutschen offenbar die ebenso sinnlos dahinschwätzende Stern-Journalistin Laura Himmelreich.

Laura war ja zu Petrarcas Zeiten ein überaus edler Name, aber seine obgenannten Trägerinnen verstehen es, ihn auf das Niveau von Jessica & Co. zu reduzieren. Nun, die Zeiten ändern sich eben (aber nicht zum besseren, wie wir vielfach feststellen müssen). Was also ist vorgefallen, daß mittlerweile sogar »Die Presse« nicht bloß einen Artikel, sondern eine ganze Themenrubrik dem Herrn Brüderle und dem Laurale, daß ein Dirndele net ausfülle' wollt', widmet. »Tant de bruit pour une omelette«, möchte man murmeln, wenn man die »Story« gelesen hat ...
Sexismus im Alltag: Frauen schreien auf

Wie aus der schlüpfrigen Bemerkung eines deutschen Politikers ein wütender Aufschrei tausender Frauen im Internet wurde. Die Zahl der Reaktionen zeigt, dass die Diskussion einen Nerv getroffen hat

Ein Abend an einer Hotelbar kann zuweilen ein Leben verändern. Oder aber ein ganzes Land. Konkret und aktuell: Deutschland. Was die junge „Stern"-Redakteurin Laura Himmelreich über ihre Erlebnisse mit dem FDP-Politiker Rainer Brüderle berichtet, ist nicht bewiesen, aber glaubwürdig, nicht spektakulär, aber bezeichnend. Ein Machtmensch der alten Garde schaut in lockerer Runde erst tief ins Weinglas und dann tief ins Dekolleté einer Nachwuchsjournalistin. Sie will über Politik sprechen, er sucht den derben Flirt nach Feierabend. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen", stellt der damalige Fraktionsvorsitzende der Liberalen fest. Es folgen ein paar anzügliche Galanterien und spitzbübische Avancen. Zum Abschied kommt er ihr körperlich zu nahe, sie weicht zurück, Brüderles Sprecherin greift ein, schickt den angeheiterten Schwerenöter ins Bett. Ein Stück Alltagssexismus, wie es in Deutschland viele Frauen erleben, ertragen und meist schamhaft verschweigen. Wie vorerst auch Himmelreich.
(Hier weiterlesen)
Und das war's eigentlich schon. Nun, ich finde, wenn man sich den Dummschwatz irgendwelcher öffentlich alimentierter Feministinnen in Politik und Universitäten (»Genderforschung« — gaaaanz wichtig!) und sonstiger Quotentussen anhören muß, ohne das Recht haben, ihnen den Mund mit Leukoplast zu verpicken, dann muß Frau Himmelreich auch ertragen können, ein ungelenkes Kompliment eines »Machtmenschen der alten Garde« oder »angeheiterten Schwerenöters« zu hören und den Blick in ihr Dekolleté (daß sie sich schließlich aus freien Stücken, und vermutlich höchst absichtlich entschlossen hat zu entblößen) wahrzunehmen.

»Schmierenjournalismus«

betitel der Blogger (»Ansichten eines Informatikers«) Hadmut Danisch daher sein jüngstes Posting, u.a. genau über diesen angeblichen »Aufschrei der Frauen«. Und kommt darin zum Schluß:
»Schaut man sich an, dass hinter der #Aufschrei-Diskussion eine gewisse Anne Wizorek steckt, die in Berlin wohnt und sich als „digital communications consultant” bzw. „beraterin für digitale strategien & online-kommunikation” nennt, dann drängt sich geradezu der Verdacht auf, dass das alles eine inszenierte Medienaktion und ein großer, wenn nicht der größte Teil des #Aufschrei-Getwitters Desinformation und Propaganda ist, betrieben von einer Medienagentur. Und dieses einhellige, synchrone und völlig kritiklose konzertierte Medienecho spricht ebenfalls dafür, dass das alles ein inszenierter Schwindel ist.«
Es hätte den zwei Presse-Redakteuren, die den obzitierten Artikel verbockt haben, nicht übel angestanden, sich über Hintergründe zu informieren. Dies ist in Zeiten des Internet an sich nicht so schwer, sollte man meinen — z.B. indem man sich in Foren und Blogs umhört, was da an Hintergrundinfos kommt. Statt irgendwelchen lancierten Twitter-Scheiß abzuschreiben.

Dann kämen die beiden möglicherweise auch auf folgendes Posting im Kommentarforum zu »Zettels Raum« (der ja nun wirklich eine »Blog-Ikone« ist!), in dem Poster »Llarian« meint:
Stefanie und die besagte Presse argumentieren, dass Frauen ein Recht haben nicht belästigt zu werden [...]. Und genau das stelle ich zumindest teilweise in Frage. Es hängt vom Belästigungsbegriff ab. Ich für meinen Teil meine das das Betrachten eines potentiell attraktiven Partner keine Belästigung darstellt. Und auch das Fragen nicht. Denn ich glaube die Gesellschaft, die das als Belästigung betrachtet (ist ja am Ende eine Frage der Definition) eine sehr, sehr arme Gesellschaft wäre. Wir würden uns unsere Partner wohl tatsächlich nur noch über Anzeigen suchen können, oder zumindest an Orten, die speziell als "Belästigungszone" vorgesehen sind, oder, im Extremfall, würden wir tatsächlich unsere Verwandtschaft oder Bekanntschaft nutzen müssen, um potentielle Partner zu finden. Herzlichen Glückwunsch.

Ich frage mich tatsächlich wie sich mancher oder manche eine solche Gesellschaft vorstellt. Ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung hat seinen Partner am Arbeitsplatz kennengelernt, andere lernen ihre Partner bei Freizeitgestaltung, bei ihren Hobbys oder in der Kirche kennen. Alles mit Sicherheit ausserhalb zukünftig angedachter "Belästigungszonen". Man kann sich selbst mal an die Nase fassen und sich fragen wo man seine Partner kennengelernt hat, und wieviel Belästigung man wohl bei diesen Partnern (!) erlebt hat. Denn ganz simpel: Einer muss ja mal gefragt haben und da wir nicht in Zelten rumlaufen ist wohl auch davon auszugehen, dass sich der eine Partner den anderen auch schonmal angesehen hat. Ich finde auch die Vorstellung abstrus nicht fragen zu dürfen. Wenn es eine Belästigung ist eine Frage stellen zu können, dann wird die Frage auch nie gestellt werden können. Wollen wir das wirklich ? [...]

Ebenso ergänzen möchte ich, dass es sich, je nach Definition, um Belästigung handeln kann, aber sicher nicht um Sexismus. Der Begriff ist sachlich falsch, denn er bezeichnet eine unterschiedliche Bewertung der Geschlechter, bzw. weisst diesen Rollen zu. Das ist aber im Kontext der Suche nach Sexualpartnern für nicht bisexuelle Menschen einfach eine absurde Begriffskonstruktion. Ein heterosexueller Mann behandelt potentielle Sexualpartner anders als nicht potentielle Partner (zu denen ebenso alle Männer wie eben auch für ihn unattraktive Frauen gehören). Ein homosexueller Mann widerum behandelt potentielle männliche Partner anders als Frauen oder für ihn unattraktive Männer. Und das ist bei heterosexuellen Frauen wie homosexuellen Frauen nicht ein bischen anders. Das ist kein Sexismus. Sexismus würde vorliegen, wenn jemand zwei potentiell attraktive Partner unterschiedlichen Geschlechtes oder zwei unattraktive Partner unterschiedlichen Geschlechtes anders behandelt bzw. bewertet würden. Das liegt hier sicher nicht vor. Es ist eher das Gegenteil der Fall, den man kann davon ausgehen, dass Brüderle, so er kein Interview geben wollte, einem Mann nicht einmal ein paar Minuten geschenkt hätte. Wenn also Sexismus vorläge (was es immernoch nicht tut), dann wäre er in diesem Fall zum Nachteil des eigenen Geschlechtes gewesen.
In Zeiten des Internet kann eben nicht bloß shit-storm fast nach Belieben entfacht werden, sondern umgekehrt auch Desinformation als solche enttarnt. Wenn man will. Es drängt sich der Verdacht auf: »Die Presse« und all die anderen Medien des politisch-medialen Komplexes wollen nicht. Über das »Warum?« kann man spekulieren.

Daß die Medien, speziell Mitteleuropas, mit ihrer praktisch flächendeckend rot/grün eingefärbten Redaktionslandschaft, eine dezidiert linke Agenda verfolgen, und zu dieser linken Agenda eben auch die Propagierung des Feminismus gehört, um endlich die »patriarchalischen Strukturen« zu vernichten (zu deren erschröcklichsten Bastionen wohl das Nicht-Schwulsein und die »traditionelle Mann-Frau-Beziehung« gehören), steht mittlerweile außer Zweifel. Diesem Meinungsdruck können (und wollen?) sich offenbar nicht einmal angeblich »bürgerliche« Medien entziehen. Nun, in Gestalt der immer verzweigteren Blogger-Szene erwächst freilich den Meinungsmonopolisten eine täglich stärkere Konkurrenz. Ich brauche da nur mein eigenes Medienverhalten herzunehmen: TV ist bei mir seit Jahren bestenfalls nach dem Aufstehen für die Schlagzeilen der letzten Stunden und v.a. die Wetterprognose angesagt (ein Regenschirm, den man nicht hat, ist ebenso lästig, wie einer, den man sinnlos rumschleppt). Mein Zeitungsabo habe ich schon vor Jahren gekündigt. In den Online-Seiten der angeblichen Qualitätsmedien (»DiePresse«, »FAZ«, »NZZ« und wie sie alle heißen) und der News-Kanäle (»CNN«, »n-tv« etc.) finde ich Information bis zum Abwinken — und arbeiten sollte man zwischendurch ja auch noch was ...

Doch zu fast jedem Thema, das mich interessiert, gibt's den schnellen Klick zu themeneinschlägigen Online-Magazinen, Foren und Blogs — denn unseren MSM traue ich, durch Erfahrung gewitzigt, keinen Fingerbreit! Allein auf den in meiner Blog-Roll (»Links, die nicht links sind« und »International Links«) genannten findet der Leser überreichlich Material: von kritischen Wissenschaftlern über Wirtschaftsnachrichten aller Art, bis hin zu Politik in vielen Schattierungen, Gesellschaft, Satire, Kultur (samt -kritik), Spiritualität und Weltanschauung. Wobei sich die Kategorien der verlinkten Seiten weit überschneiden, und jede davon selbst wieder verlinkt zu Dutzenden anderen Seiten, oft wieder voll interessanter Informationen, die man in der Systempresse nie lesen wird ...

Blog-Kollege »Zettel« stellt alles oben gesagte, auch das zu dem Mediengegacker um Brüderle, in seinem lesenwerten Artikel »Narzißmus überall. Kinderbücher. Politische Korrektheit und politische Psychologisiererei« in einen größeren Zusammenhang (nochmals: wann liest man derlei in den MSM?), indem er das Buch von Matthias Dusini und Thomas Edlinger »In Anführungszeichen - Glanz und Elend der Political Correctness« rezensiert, und dabei das Krebsübel unserer Zeit auf den Punkt bringt:
Sie haben Freud gelesen und Alfred Adler, der das Ich und seine Kränkungen in den Mittelpunkt seiner Individual­psychologie gerückt hat. In der Tradition der Wiener Kaffeehausliteratur haben sie daraus Intelligentes und Wohlgesetztes zum Kinderbuchstreit zusammenfabuliert. (Nichts gegen die Wiener Kaffeehausliteratur, nebenbei. Sie hat Großes hervorgebracht).

Wem's gefällt, der mag das glauben. Aber er soll es bitte nicht mit der politischen Auseinandersetzung über die künftige Gesellschaft verwechseln, in der wir uns befinden.

In ihr geht es darum, ob wir eine pluralistische Gesellschaft behalten, in der jeder das glauben kann, was er will, und in der jeder den Lebensstil pflegen kann, der ihm zusagt. Oder ob wir uns in Richtung auf eine formierte Gesellschaft bewegen, in der es zu den meisten Themen nur noch eine einzige gültige Meinung gibt; in der alles Abweichende zurechtgestutzt, aus den Medien ferngehalten, zensiert und sarraziniert wird.

Eine Gesellschaft, in der alle an die Klimareligion glauben, Energie sparen und Bio gut finden, gegen den Terrorismus mit Friedensappellen kämpfen und eben ihre Wortwahl streng an der jeweils gültigen Politischen Korrektheit orientieren. In der dies die einen freiwillig tun und die Anderen, Widerstrebenden dazu vergattert werden (siehe Zitat des Tages: "Die Autonomie des Individuums mit seiner Einwilligung untergraben"; ZR vom 19. 1. 2013). Zum Beispiel durch die Zensur von Kinderbüchern.

Wer eine solche Gesellschaft nicht will, der hat dafür gute, rationale Gründe. Das genügt.
Und unser Problem ist mittlerweile, daß eine überwältigende Mehrheit in den Medienredaktionen und in den Reihen der Berufspolitiker und Verbandslobbyisten haargenau so eine Gesellschaft will!

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P.S.: eigentlich wollte ich ja über den Philosophen Ernst Topitsch schreiben, dessen Todestag sich gestern zum zehnten Mal jährte, doch, wie wir wissen: »inter arma silent leges« — und im Zickenkrieg der Dirndlfüllerinnen eben die Philosophie ...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Gelesen bis "Quotentussen".
Dann aufgehört.
Für mieses Niveau muss ich keine Lebenszeit opfern.
Merke: es geht auch stilvoll im Ausdruck.

Le Penseur hat gesagt…

@Anonym:

Für mieses Niveau muss ich keine Lebenszeit opfern.

Doch. Muß man leider öfter, als einem lieb ist! Beim medial allgegenwärtigen Geschwätz von Quotentussen beispielsweise ...

Oder zur Beantwortung unbedarfter Kommentarpostings. Und für vieles mehr, glauben Sie mir!