Sonntag, 21. September 2014

Es liegt in unserer Hand

... (oder vielmehr: in der Hand unserer Politruks und ihrer Financiers) welches Thema den Grundton der kommenden Jahre anschlagen wird:

Das dionysische Idyll (wenn man so sagen darf) der »Hymn to Dionysus« aus 1913 (leider kaum anzunehmen) ...



... oder (leider weitaus wahrscheinlicher) der dahinstampfende Stiefel des »Mars« (1916):


Gäbe es ein geeigneteres Demonstrationsbeispiel für die Zwiespältigkeit des menschlichen Wesen, als die Gegenüberstellung dieser beiden, nur durch drei Jahre getrennten Kompositionen des heute vor 140 Jahren, am 21. September 1874, geborenen britischen Komponisten Gustav (von) Holst?

»Manches war doch anders«

… lautet der Titel der lesenswerten Lebenserinnerungen des — zu Weimarer Zeiten — DDP-, und nach 1945 CDU-Politikers Ernst Lemmer. Und dieser Titel könnte auch über der Biographie jenes Mannes stehen, der heute vor fünfzig Jahren, am 21. September 1964, verstarb: Otto Grotewohl, erster DDR-Ministerpräsident (und auch einziger, denn nach ihm hießen Stoph, Sindermann, und bis 1989 wieder Stoph nur mehr »Vorsitzende des Ministerrates der DDR«). Von den einen (sehr wenigen!) als Mitbegründer einer Einheitspartei der sozialistischen Arbeiterschaft gefeiert, von den anderen (weitaus zahlreicheren!) als Totengräber der Sozialdemokratie in der Sowjetzone, als karrieregeiler Opportunist, als unfähiger Schwächling, oder als was auch immer, aber nichts Gutes verfemt, »schwankt sein Charakterbild in der Geschichte«. Die biographischen Details gibt die Wikipedia durchaus ausreichend, hier aber soll es um die Motive, menschliche Hinter- (und vielleicht auch Ab-)gründe gehen. Geben wir also zuerst Ernst Lemmer das Wort (a.a.O. S 275 f.):
Die Sozialdemokratische Partei der Zone erhielt zunächst einen gewaltigen Auftrieb: Sie wurde die weitaus stärkste Partei, hinter der die wiedererstandene KPD mehr als deutlich zurückblieb. Der sozialdemokratische Zonenvorstand ließ sich aber augenscheinlich durch diese überraschenden Erfolge täuschen. […] Viele SPD-Leute glaubten sich mit ihrer weit umfangreicheren Organisation innerhalb einer »sozialistischen Einheitspartei« durchsetzen zu können.
Otto Grotewohl war neben Kurt Schumacher eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der deutschen Sozialdemokratie, die das Dritte Reich überlebt hatten. Schumacher war gewiß der weitaus temperamentvollere und phantasiereichere der beiden, Grotewohl dagegen beurteilte die politischen Realitäten nüchterner; er war wohl auch taktisch wendiger als Schumacher. Während Schumacher in unserer Erinnerung unbefleckt weiterlebt, stimmt uns der Gedanke an Grotewohls politisches Spiel trübselig.
Ich möchte aber diesen Mann, der in Berlin in eine weit schwierigere Situation geraten war als Schumacher im Westen, nicht herabsetzen. Otto Grotewohl wurde nicht zuletzt deshalb zu einer tragischen Erscheinung der Nachkriegszeit, weil er in Berlin geblieben war. […] Daß er damals in der deutschen Hauptstadt aushielt, ist ihm indessen positiv anzurechnen. Er hat auch zunächst die große Gefährdung der Sozialdemokratie im Machtbereich der Sowjets nicht unterschätzt. Am Anfang hatte er zweifellos die Absicht, die Sozialdemokratie als selbständige Partei zu erhalten und sich auf keine Fusion mit den Kommunisten einzulassen, wozu ihn seine Freunde bald drängten. Freilich beging er schon bald den ersten Fehler, als er in einem sogenannten Einheitsausschuß auf interfraktionelle Vorgespräche mit den Kommunisten einging, bevor das Plenum dieses gemeinsamen Ausschusses mit den beiden anderen Parteien
[Anm.: (Ost-)CDU und LDP] zusammentrat. Dadurch akzeptierte er die marxistische Volksfrontideologie, deren unausbleibliche Folge dann die Fusion zur SED sein sollte

Wenngleich Lemmer dann den Eindruck zu erwecken sucht, die Vereinigung von SPD und KPD wäre bloß eine durch das »Umfallen« der obersten Führungsebene der SPD unter Druck zustande gekommene Sache gewesen — sorry: »Manches war doch anders«, muß man auch hier sagen … ... und, so sehr diese Vereinigung keineswegs überall reibungslos und einvernehmlich erfolgte, sondern durch massiven Druck der sowjetischen Besatzungsmacht »hergestellt« werden mußte, so sehr wurde sie in vielen anderen Teilen der SPD auch durchaus begrüßt. Die SPD als — wegen Grotewohls ruch- oder aber planloser Umtriebe — von der KPD vergewaltigte Unschuld darzustellen, nein, das geht wohl nicht ganz …

Geschichte wird viel zu oft aus der Perspektive des allwissenden (oder meist eher: sich allwissend dünkenden!) Nachgeborenen betrachtet, und viel zu selten aus dem Bemühen um Einfühlung in die psychologischen Triebkräfte der damals handelnden Personen. Eine schnelle Erklärung wird daher gegenüber einer mühsam zu erarbeitenden Enträtselung des Psychogramms bevorzugt. Wenn er in der Wikipedia etwa heißt:
Laut Aussagen von Zeitzeugen wie Egon Bahr und Jakob Kaiser änderte Grotewohl seine Meinung unmittelbar nach einer Einbestellung zur Sowjetischen Militäradministration (SMAD) nach Karlshorst – von wo er „als ein Verwandelter zurückkehrte“. Jakob Kaiser vermutete, es gäbe in der Braunschweiger Vergangenheit etwas, das Grotewohl erpreßbar gemacht hatte.
… dann mag das richtig sein oder nicht (Kaiser, der von den Sowjets als Vorsitzender der Ost-CDU abgesetzt wurde, und dann in den Westen und damit, zutiefst frustriert, in die Bedeutungslosigkeit gegenüber Adenauer ging, war sicherlich kein unvoreingenommener Zeitzeuge!); andere wieder spekulierten, Grotewohl sei von den Sowjets mit dem Angebot, seinen (noch kriegsgefangenen) Sohn freizulassen, geködert worden. Doch — wäre es völlig undenkbar, daß Grotewohl von den ideologisch und rhetorisch gut geschulten Gesprächspartnern schlicht und einfach überzeugt worden ist? Nicht natürlich davon, daß auf deutschem Boden ein kommunistischer Staat entstehen sollte, sondern daß in dem von Stalin damals stets propagierten, zwar militärisch neutralen, aber politisch keineswegs dem »sozialistischen Lager« zuzuzählenden Deutschland eine Zusammenarbeit, ja: ein Zusammenschluß der Arbeiterparteien der einzige Weg sei, ihre drohende Ausbootung durch »revanchistische« und »imperialistische« Kapitalistenkreise zu verhindern. Und vergessen wir nicht: die SPD (egal welcher Zone) des Jahres 1945/46 war ja keineswegs jene des Godesberger Programms, sondern eine, der Formulierungen wie »Diktatur des Proletariats« und »Kollektivierung der Produktionsmittel« noch nicht allzu fremd in den Ohren klangen! Denn so, wie die CDU (aber auch die FDP!) der Adenauer-Zeit für heutige Ohren vielfach nach »Autobahn«, ja »NPD« klingt, so klingt uns die SPD der damaligen Zeit fatal nach heutiger »LINKE« …

Physiognomien können täuschen, keine Frage … doch ab einem bestimmten Alter ist halt jedermann für sein Gesicht selbst verantwortlich, sagt das Sprichwort — und mit Recht! Wenn man freilich Grotewohls Gesicht (vor allem im Vergleich zu den teilweise fast Verbrechervisagen seiner kommunistischen Genossen — obwohl es auch hier Ausnahmen gibt!) betrachtet, wird man sagen müssen: so sieht kein schlechter Mensch aus. Er ist, erkennbar, ein Mensch mit manchen Schwächen — einer gewissen Eitelkeit, beispielsweise, und die Züge verraten wenig ausgeprägte Durchsetzungskraft und wohl eine gewisse Unsicherheit — aber nicht von schlechtem Charakter. Und das ist mehr, viel mehr, als von vielen heutigen Politikern zu sagen wäre.

Grotewohl und Pieck waren nun also Co-Vorsitzende der verschmolzenen SED, der Händedruck im Admiralspalast als Parteisymbol millionenfach zum Emblem geronnen. Und die beiden konnten wohl auch miteinander: das früher gleich lospolternde, doch nun altersmild und müde gewordene Arbeiter-Rauhbein Pieck, und der — als Buchdrucker — doch quasi der »proletarischen Intelligenz« angehörige, kunstbegabte und »bürgerliche Typ« (so Lemmer) Grotewohl. Und alle beide wurden sie durch Ulbricht bald ins Abseits gedrängt, der ihnen als Erster Sekretär der Partei (und stellvertretender Ministerpräsident) nominell und protokollarisch unterstand, und doch schnell fast als einziger das Sagen hatte. Pieck durfte Fabriken und Brücken einweihen, Grotewohl wohlgesetzte Reden halten — aber die wirkliche Macht hatte »der Spitzbart« (und danach seine Gefolgsleute). Er hatte sie wegen seiner ostentativen Loyalität gegenüber den jeweiligen Machthabern in Moskau; er verlor sie, als ihn sein Altersstarrsinn für die Bonn-Politik der Sowjets unbequem machte — da Breschnew aber ein (für Begriffe der Nomenklatura) milder und rücksichtsvoller Mann war, verlor Ulbricht zwar die (relative) Macht eines SED-Parteichefs, nicht aber seine Ehrenstellung als DDR-Staatsoberhaupt.

Zurück zu Otto Grotewohl: er hatte das »Glück« genau zu der Zeit schwer (und dauerhaft) zu erkranken, als der greise Wilhelm Pieck starb — das machte ihn de facto amtsunfähig, sodaß er die letzten vier Jahre seines Lebens zwar noch dem Namen nach Ministerpräsident war, und (in Umkehr der vorherigen Protokollverhältnisse) einer der Stellvertreter des nunmehrigen Staatsratsvorsitzenden Ulbricht, aber keine denkbare Konkurrenz für diesen mehr darstellte, und daher auf seinem Posten als Sinekure verblieb. Willi Stoph machte die Arbeit.

Und — ist das nun »der ganze Grotewohl«? Ja und nein. Über den politischen ist alles Wesentliche gesagt: in den realen Machtverhältnissen wog er letztlich auch nicht so viel mehr als irgendein Blockpolitiker der CDU oder LDPD — nur eben mit Sitz im Politbüro. Aber der »geistige«, der »Mensch Grotewohl« — über den gäbe es noch manches zu sagen. Daß er nicht bloß ein passionierter, sondern auch gar nicht unbegabter Maler war, erwähnt schon Wikipedia (immerhin stammt von ihm ein ausdruckvolles Ölporträt des alten Sozialistenführers August Bebel, das seinerzeit im Sitzungssaal der Parteileitung hing). Sein Biograph zu DDR-Zeiten, Heinz Voßke (Otto Grotewohl. Ein biographischer Abriß, Berlin 1979), erwähnt in seinem Wohnzimmer »... ein wundervolles Instrument aus der weltberühmten Leipziger Klavierwerkstatt Julius Blüthner«, auf welchem er von eingeladenen Pianisten klassische Musik, insbesondere seinen geliebten Mozart, interpretieren ließ, und eine »umfangreiche Bibliothek«. Und der aus der DDR emigrierte Germanist Hans Mayer berichtete, hochbetagt, in seinem nach der »Wende« geschriebenen Buch »Der Turm von Babel. Erinnerungen an eine Deutsche Demokratische Republik« über sein mehrfaches Zusammentreffen mit Grotewohl, bei dem er einen »Prozeß der Versteinerung und Entfremdung« wahrnahm. Ein entscheidendes, Mayer »unverblaßt« in Erinnerung gebliebenes Treffen war jenes, in dem der Germanist Mayer dem Politiker Grotewohl einige Anregungen für eine Festrede zur 200-Jahre-Goethe-Feier in Weimar geben sollte:
Otto Grotewohl leitete das Gespräch, aber er beherrschte es auch. Er stellte Fragen, wollte vieles erklärt haben von den Germanisten. »Fragen eines gebildeten Arbeiters«, hätte es Brecht […] formuliert. Welchen Goethe soll man im Vorfrühling des Jahres 1949 in einer Massenkundgebung sichtbar machen? Wir kamen auf die kühnen und aufsässigen Gedichte des »West-östlichen Divan« zu sprechen, Goethes Alternativen von Siegen oder Unterliegen, Hammer oder Amboß sein. Daran entzündete sich das Denken Otto Grotewohls. Die Rede, die er dann in Weimar gehalten hat, trug den Titel »Hammer oder Amboß«. Er hatte sehr genau gefragt, im Gespräch entwickelte sich ein Gedankengang. […]
Otto Grotewohl damals: das war ein aufrichtiger deutscher Sozialist, der es auch seinerseits, mit einer ganz anderen Vergangenheit, »gut machen« wollte. Seine Goethe-Rede in Weimar fand trotzdem keinen wirklichen Anklang bei den Zuhörern. Man respektierte den Redner, allein es war ihm nicht gelungen, eine eigene, höchstpersönliche und nicht austauschbare Beziehung zu Goethe herzustellen.
Man merkt Mayers Schmerz, wenn er danach schreibt: »Diesen Otto Grotewohl habe ich niemals wiedergesehen.« Im Schiller-Jahr 1955 sollte Grotewohl bei einer FDJ-Feier die Festrede halten, und lud Mayer neuerlich nach Berlin ein:
Wieder die Gesprächsrunde von damals. Allein Grotewohl war, mit Ernst Bloch zu sprechen, fast zu Unkenntlichkeit verändert. Ein nervöser Bürokrat stellte routinierte, nahezu unbeteiligte Fragen. Eine Sekretärin stenografierte und notierte. Er hatte auch keine Freude mehr an dieser Aufgabe. Schillers Wort war auch hier zur Vokabel geworden. Man machte ein paar Vorschläge, versuchte einige Akzente zu setzen. Hat er damals überhaupt zugehört?
Es war viel geschehen seit jenem Goethe-Jahr, dem Hoffnungsjahr 1949. Was wirklich geschah mit Grotewohl, darüber gab es nur angstvoll geflüsterte Gerüchte. Man wird es eines Tages erfahren, was damals vorging, als Grotewohl — mit aller Schonung nach außenhin, das versteht sich — entmachtet wurde durch Ulbricht und die Staatssicherheit. Gab es einen (weiblichen?) Spion des Herrn Gehlen in Grotewohls Sekretariat? Ist es blutig zugegangen? Man weiß es nicht.
Und schon sind wir wieder beim politischen Grotewohl angelangt, denn, wie in allen totalitären Systemen, und ganz besonders im Sozialismus, ist das Private das Politische, das Öffentliche … Mayer schreibt noch ein paar wehmütige Worte, die zurückverweisen auf den Beginn von Grotewohls DDR-Karriere. Einem idealistisch überzeugten Sozialisten, d.h. Kommunisten, wie Mayer müssen sie doppelt schwergefallen sein, wenn er sein Kapitel Grotewohl so beschließt:
Daß der Händedruck mit Wilhelm Pieck schließlich einen Teufelspakt besiegelt hatte, muß er vor sich selbst erkannt haben. Aber Wilhelm Pieck war kein Teufel gewesen. Beide haben es wohl anders gewollt.
Otto Grotewohl starb wenige Monate nach seinem siebzigsten Geburtstag. Hat man den mit allem Ritual und Gepränge gefeiert im März 1964? Das müßte man nachschauen. Vermutlich hat man es getan. Später auch ein Staatsbegräbnis, das versteht sich. Zwei unglückliche Menschen am Schluß. Für beide, Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, galt wohl der Schlußsatz der Erzählung »Lenz« von Georg Büchner. Ein schlimmer Satz: »So lebte er hin.«

Nun, man hatte den Jubilar natürlich gebührend gefeiert. Sogar der alte Anastas Mikojan, der schlitzohrige Armenier, war aus Moskau mit einem großen Ölgemälde ausgesandt worden — irgendein repräsentatives, sozialistisch-realistisches Stilleben … Ein anderes Bild blieb dagegen unvollendet — Grotewohls letztes Aquarell:


Und doch bildet es — wie keines seiner vollendeten — sein Leben ab. Eine dunkle Figur schreitet aus dem Schatten nach hinten in die Tiefe, zu einer schemenhaft angedeuteten Brücke oder Mole, an der eben ein Boot anlegt, angestarrt von unbeweglichen Figurinen. Eine Traumszene könnte es sein — und doch realer als das Leben ... ... sein Leben. Es gibt dazu auch noch ein Photo des Siebzigjährigen:


Da sieht man ihn, den korrekt gekleideten, alten Herrn in Dreiteiler und Krawatte, mit einem Stift in der Hand, wie er ebendieses unvollendete Bild erklärt. Man sieht die vielen Bücher in den Regalen dahinter. Und man sieht ein wehmütiges, wie um Nachsicht, ja fast Verzeihung, bittendes Lächeln in seinem Gesicht. Und vor allem sieht man eines: er war wohl kein schlechter Mensch.

Samstag, 20. September 2014

»Pressefreiheit wird nur noch simuliert«

Unter diesem Titel veröffentlichte Udo Ulfkotte einen deprimierenden Artikel über die Systemmedien unserer Staaten:
Unsere Leitmedien im deutschsprachigen Raum sind jetzt wie gleichgeschaltet. Sie berichten nur noch nach den Regeln der Politischen Korrektheit, betreiben im Interesse der USA Kriegshetze gegen Russland und unterdrücken den freien Informationsfluss. Mein väterlicher Freund Peter Scholl-Latour, den ich vor rund 25 Jahren im Krieg im Nahen Osten kennenlernte, hat mich stets darin bestärkt, vor allem jene Kriegstreiberei der Amerikaner nicht mitzumachen, bei denen deutsche Journalisten nur noch US-Marionetten sind. Nicht nur mir fällt auf, dass es inzwischen immer mehr dieser Marionetten in deutschen Redaktionsstuben gibt. Die Bürger da draußen werden belogen, betrogen und für dumm verkauft!
Es soll mir keiner erzählen, das merke man nicht! Schon längst gibt es in den Medien keine Berichterstattung mehr, sondern nur mehr Meinungsbildung. Früher, in tausendjährigen Zeiten, hieß das: Propaganda und Volksaufklärung. Was wir jetzt haben, ist keinen Deut besser — nur besser getarnt.

Deshalb erschien nicht, und wird auch in unserer Systempresse nicht dieser Bericht über die Absturzursachen der MH17 erscheinen — oder wenn, nur in verstümmelter und propagandistisch verzerrter Form. Er stammt vom 15. August 2014, und seine umfangreichen Darlegungen haben wenig bis keinen Niederschlag in den Fragestellungen der Redaktionen unserer Systemmedien gefunden. Deshalb sei er hier zitiert:
Analyse der Gründe für den Absturz des Fluges МH-17 
(malaysische Boeing 777)

1. Ereignis

Das Flugzeug Boeing 777 der Fluggesellschaft Malaysia-Airlines (Amsterdam—Kuala Lumpur) startete von dem Amsterdamer Flughafen Schiphol um 10:14 Uhr UTC (14:14 Uhr MSK) und sollte um 6:10 Uhr der örtlichen Zeit am Zielflughafen ankommen (22:10 Uhr UTC / 2:10 Uhr MSK). Der Luftkorridor 330 war einschließlich der 10 Kilometer Höhe, auf der die abgestürzte Boeing flog, offen für internationale Transitflüge über dem ukrainischen Gebiet. Nach Angaben der Fluggesellschaft brach die Verbindung um 14:15 Uhr GMT ab, in ca. 50 km Entfernung von der ukrainisch- russischen Grenze. Jedoch laut den Daten des Portals Flightradar24 hat die Maschine die ADS-B Übertragung nach 13:21:28 Uhr UTC (17:21:28 MSK, 16:21:28 örtliche Zeit) über der ukrainischen Stadt Snischne auf Flugfläche 33.000 Fuß (knapp über 10 km) eingestellt (letzte übertragene Koordinate: 48.0403°, 38.7728°). Die Überreste des Flugzeuges wurden brennend auf dem ukrainischen Boden entdeckt. Das Flugzeug stürzte ab in der Nähe des Dorfes Hrabovo (nahe der Stadt Thorez). Keiner der Passagiere und der Besatzungsmitglieder überlebt.
(Hier weiterlesen)
LePenseur ist kein Luftfahrtexperte und kein Luftraketentechniker. Aber er kann lesen, und kann, wenn er etwas nicht versteht, Fragen stellen. All das sollten aber auch Redakteure von Systemmedien können, denen dieser Bericht längst bekannt sein müßte. Können sie aber offenbar nicht — denn sie stellen keine Fragen. Oder sie wollen keine Fragen stellen (weil sie dann nicht ungehemmt hetzen könnten?) ...

Statt dessen bemühen sie sich, jeden, der Fragen stellt, als »Putin-Versteher« lächerlich zu machen, und ihn am besten mit der ganz großen Terrorverdachtskeule niederzuknüppeln. Und im übrigen wird weiter gehetzt, was das Zeug hält.

Was einen dabei besonders betroffen macht, ist, daß im Bereich der alternativen Informationsmedien einzelne Blogger und Webseitenbetreiber die Propaganda der Systemmedien kritiklos übernehmen, ja sich daran sogar aktiv beteiligen. Bei manchen liegt es vielleicht an der Sozialisation unter einem Chefredakteur, der nachweislich CIA-Spitzel war, bei anderen schüttelt man nur mehr den Kopf. Sapienti sat.

Machen wir weiter. Bevor wir alle tot sind, gibt' eh keine Alternative dazu ...

Schottland bleibt

Jetzt ist es also amtlich: Schottland bleibt englisch. Bitte jetzt keine klugen Belehrungen darüber, daß es nicht »englisch« bleibe, sondern »britisch« — das sind bloß Augenauswischereien angesichts der Bevölkerungszahlen!

Trotz aller spannungssteigernder Medienmeldungen, daß ein »Kopf-an-Kopf-Rennen« zu erwarten stehe, daß die Unabhängigkeitsbefürworter knapp die Führung übernommen hätten, und was an dergleichen Schlagzeilengeklingel sonst noch wohlfeil ist — es war wohl von vorneherein reichlich unwahrscheinlich, daß die Abstimmung anders ausgehen würde, als sie letztlich ausging. Warum? Nun — hätte wirklich die Gefahr bestanden, daß sich Schottland unabhängig macht, dann hätte ein alter Fuchs wie Warren Buffet nicht auf einen Sieg des »No«-Lagers gewettet, dann wäre die Sprachregelung in der Systempresse längst von harmlosen »Unabhängigkeitsbefürwortern« zumindest auf »Separatisten«, wahrscheinlich »recht(populistisch)e Nationalisten«, und bei Bedarf »rechtsextreme Terroristen« geändert worden.

Dennoch: das Ergebnis läßt eine gewisse Spannung für die Zukunft zurück. Denn wenn jetzt nach hoch-und-heiligen Versprechen einer weitgehenden Autonomie für Schottland nichts Substantielles geliefert wird, sondern London die Sache irgendwie aussitzen will, oder eine nächste (recht wahrscheinlich: Labour-)Regierung nach dem Motto »Was kümmert mich Camerons dummes Geschwätz von gestern« die Sache schubladisiert, dann kann sich Schottland durchaus zu einem zweiten Nordirland entwickeln (einen ersten Vorgeschmack sah man gestern in Glasgows Straßen). Freilich mit dem unschönen Unterschied einer viermal so großen Bevölkerung ...

Andererseits: wenn eine weitestgehende Autonomie mit Steuerhoheit und allem Pi-pa-po tatsächlich kommt, dann werden die Waliser nicht ruhen, bis sie nicht dasselbe erzielt haben. Und spätestens dann wird die Föderalisierung Großbritanniens zum Problem: denn dann müßte sich das Parlament zu Westminster selbst entmachten, und wohl auch ein Königreich »England« (oder, wie im frühen Mittelalter, mehrere Teilkönigreiche à la Menevia, Northumbria, Kent, Wessex etc.) mit eigenen Parlamenten und Regierungen etablieren. Doch spätestens dann ist eine geschriebene Verfassung für ganz Großbritannien unumgänglich, soll das Ganze nicht in permanenten Bürgerkrieg ausarten — doch eine schriftliche Verfassung, die die Parlamentswillkür behindert: nun, das wäre in der Tat eine rechtliche Revolution in einem Land, dessen Parlamentswillkür nur durch ungeschriebenes Gewohnheitsrecht einigermaßen in Zaum gehalten wird (oder, besser: wurde)!

Blicken wir außerhalb Großbritanniens: was hat der Fehlschlag einer Abspaltung Schottlands geändert? Nun, auch hier eine Menge, wenn man tiefer blickt. Oberflächlich betrachtet haben jetzt natürlich die Zentralisten aller Sorten Oberwasser. Aber das kann sich schnell ändern. Denn ein zentralistisch-chauvinistischer Hohlkopf wie der spanische Premier sieht sich jetzt sicherlich darin bestärkt, den Kataloniern das gewünschte Referendum gewaltsam zu verbieten — und könnte sich damit schnurstracks ein zweites Baskenland einhandeln. Das Regionalparlament zu Barcelona zeigte sich jedenfalls unbeeindruckt vom Votum der Schotten, und setzte den Referendumstermin trotzdem an. Mit überwältigender Stimmenmehrheit.

Was kann Rajoy in dieser Situation machen? Eigentlich nur verlieren. Sicherlich, er kann Kataloniens Premier Maz wegen Hochverrats ins Gefängnis werfen lassen, mit Militärkräften einmarschieren, Polizeiposten aus Madrid nach Barcelona verlegen und dergleichen mehr. Und die EU-Verbände zum eingreifen rufen. Aber das wäre die Bankrotterklärung der Staatlichkeit Spaniens: ein Land, das die EUGENDFOR braucht, um seine Untertanen in Schach zu halten, steht auf ähnlich tönernen Beinen wie das seinerzeitige DDR-Regime im Jahr 1953. Auch andere Zentralstaaten (Frankreich, Italien) oder failed states wie Belgien, die sich jetzt in Versuchung fühlen könnten, die scheinbare Gunst der Stunde zu nutzen, könnten sich fatal verrechnen.

Nicht zuletzt aber könnten unsere Eurokraten in Brüssel nur zu bald erkennen, daß der Wunsch nach einem Schotten-Votum nur das Symptom war, nicht jedoch die tödliche Krankheit, die ihr feingesponnenes Herrschaftssystem der Gummizelle längst befallen hat. In Zeiten globalisierter Wirtschaftsbeziehungen und jederzeit weltweit zugänglicher Informationen steigt offenbar die Sehnsucht nach überschaubaren Einheiten, nach Regionalität. Die (und man vergesse das nicht: eigentlich erst im 19. Jahrhundert so recht entstandenen!) Nationalstaaten können sich dann ebenso als aussterbende Dinosaurier entpuppen, wie die von wegen Unfähigkeit nach Brüssel abgeschobenen Politiks kreierte bürokratisch-supranationale Mißgeburt »EU«.

Das Schotten-Votum hat für keinen Knalleffekt gesorgt, das stimmt. Die Chancen auf eine Zersetzung der bestehenden »Ordnungen« sind jedoch durchaus intakt.

Und schon wieder ...

... ein »besonderer Geburtstag« (man erinnert sich an diesen Begriff) eines weltberühmten Filmstars (daß der »Star« noch nicht gegendert wurde, verwundert mich immer neu ...)



Freilich muß ich eingestehen: meine Achtung ist hier größer als meine Zuneigung. Was nichts (um den naheliegenden Verdacht gleich auszuräumen!) mit der Haarfarbe zu tun haben muß ...

Freitag, 19. September 2014

Cajetan (Freiherr von) Felder

... wurde heute vor zweihundert Jahren, also am Tage nach der Eröffnung des Wiener Kongresses, in Wien geboren.

Schon früh ein Vollwaise (er verlor seine Mutter im achten, den Vater im zwölften Lebensjahr), arbeitete er sich aus bescheidenen Verhältnissen zum höchst erfolgreichen Anwalt empor, ging in den 1860er-Jahren in die Wiener Kommunalpolitik, wo er als Obmann der Wasserversorgungs- und der Donauregulierungskommission auf zwei Gebieten tätig war, die seine Heimatstadt bis heute nachhaltig prägen.

Durch den überraschenden Tod des damaligen Bürgermeisters gelangte Felder 1868 als Kandidat der liberalen »Mittelpartei« in die Position des Wiener Bürgermeisters, die er die folgenden zehn Jahre innehatte. In dieser Funktion hatte Felder unter anderem den Bau der I. Wiener Hochquellenwasserleitung, den Baubeginn des Neuen Rathauses an der — nach der Schleifung der Befestigungen angelegten — Wiener Ringstraße, die Donauregulierung, die Anlegung des Wiener Zentralfriedhofs und die Wiener Weltausstellung von 1873 veranlaßt.


Seine — angesichts der Vielfalt und des Umfangs der vorgenannten Projekte wohl unvermeidliche — straff-autokratische Führung der Stadtverwaltung schufen ihm freilich immer mehr Gegner; auch zersplitterte die liberale Mittelpartei in sich befehdende Zirkel, sodaß Felder im Juli 1878 als Wiener Bürgermeister zurücktrat. Kaiser Franz Joseph erhob ihn in den Freiherrnstand (Felder war zuvor schon ernanntes Mitglied des Herrenhauses gewesen) und zum Geheimen Rat (»Exzellenz«). Felder blieb, wenngleich durch ein schweres Augenleiden zunehmend behindert, bis 1884 als Landmarschall (d.h. Landtagspräsident) von Niederösterreich politisch tätig, danach zog er sich weitgehend von der Öffentlichkeit zurück. Zwar konnte seine Erblindung durch eine Operation geheilt werden, doch starb der Achtzigjährige am 30. November 1894.

Als einer der bedeutendsten liberalen Politiker Österreichs wird er bis heute von dem der FPÖ nahestehenden »Cajetan-Felder-Institut. Verein zur Förderung liberaler Kommunalpolitik« durch Forschungen und Veranstaltungen in Erinnerung gehalten.

Donnerstag, 18. September 2014

Ein Kongreß, der Europas Geschichte

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Wiener Kongreß
Der österreichische Staatskanzler Metternich (links, stehend, mit der Hand deutend), der britische Außenminister Castlereagh (Mitte, auf den Stuhl sitzend), der preußische Staatskanzler Hardenberg (links auf dem Stuhl sitzend), Wellington (ganz links stehend), Talleyrand (rechts am Tisch sitzend), Wilhelm von Humboldt (2. von rechts stehend), Rasumowskij (Vertreter Zar Alexanders I., Mitte des Bildes, an der Ecke des Gemäldes stehend).

... mit seinen Beschlüssen und Vereinbarungen auf Jahrzehnte hinaus weitgehend friedlich verlaufen ließ, und mit vielen seiner Weichenstellungen bis in die Gegenwart bedeutsam geblieben ist, wurde heute vor 200 Jahren, am 18. September 1814, feierlich eröffnet: der Wiener Kongreß.

Der informative Wikipedia-Artikel bringt auch eine gute Graphik über die wichtigsten Resultate des Kongresses:


(Fast) unverändert hat davon diese letzten 200 Jahre freilich nur die Schweizer immerwährende Neutralität überlebt. Doch von den anderen Vereinbarungen wären viele — mutatis mutandis — zum allgemeinen Nutzen und Frommen wiederzubeleben! Beispielsweise der Gedanke der Pentarchie als künftiges System einer »multipolaren Welt« — d.h. ohne die Machtarroganz der selbsternannten Weltpolizei und ihres, die restliche Welt parasitär ausbeutenden, »New World Order«. Die »Deutsche Bundesakte« könnte auch als Vorbild für eine »Europäische Bundesakte« stehen, die im Gegensatz zu den »Römischen Verträgen«, die durch die von Maastricht und Lissabon von den EU-Zentralisten und Eurokraten längst ausgehöhlt wurden, den Charakter eines »Europas der Vaterländer« festigen könnte.

Ob eine »Heilige Allianz« — als über das Christentum hinausgreifende Toleranz-Allianz neugedacht — möglich ist (mit Buddhisten, Konfuzianern, Taoisten und, mit Vorbehalt, vielleicht auch Hindus wäre dies irgendwie vorstellbar, jedoch mit den »real existierenden« Mohammedanern wohl kaum!), bleibe dahingestellt.

Doch für solche Überlegungen ist es in einer Zeit, in der größenwahnsinnigen East-Coast-Napoleons und — von ihnen zuerst gelöhnte, und jetzt bekämpfte — selbsternannte Kalifen drauf und dran sind, einen Weltenbrand zu entfachen, wohl eindeutig zu früh. Ich hoffe, daß wir wenigstens nicht bis zum symbolträchtigen Jahr 2048 warten müssen, wenn über einem zerstörten, verelendeten Europa ein neuer Dreißigjähriger (Welt-)Krieg erschöpft abgebrochen wird ...

Rückabwickung?


Mittwoch, 17. September 2014

Alles Gute zum Siebziger!


Tragen Sie's mit Humor — Ihren Ruhm Ihrer Entdeckungen kann Ihnen eh keiner nehmen ...



Dienstag, 16. September 2014

In eigener Sache

In den nächsten Wochen wird es auf diesem Blog etwas ruhiger zugehen. Berufliche Verpflichtungen und damit verbundene Reisen werden wohl höchstens ein Posting am Tag zulassen. Also etwas Geduld — ab Mitte Oktober sollte es dann wieder in alter Frische weitergehen. Dennoch: »Bleiben Sie dran!« (wie das in unseren Volksverblödungssendern gern heißt, wenn die Werbung kommt. Nun, wenigstens Werbung gibt's auf diesem Blog keine ...).

Eines noch: wer glaubt, daß sich ein bis drei Artikel am Tag »mit links« schreiben lassen (außer man hätte als Pensionist sonst nichts zu tun), der irrt! Und deshalb nochmals mein Appell an die mehreren hundert regelmäßigen Leser dieses Blogs: wenn Sie irgendwelche Themen behandelt wissen wollen, deponieren Sie Hinweise, Tipps und Anregungen, bitte, auf der dafür eingerichteten Seite. Sollten Sie sogar schon einen Artikel, der nach der Art des Themas und seiner Behandlung zum Blog passen könnte, fertiggeschrieben »in petto« haben, kontaktieren Sie mich. Ich bin natürlich gerne bereit, solche Artikel, sei es mit Nennung des Autors, sei es als »anonymen« Gastbeitrag zu veröffentlichen. Die hier behandelte Themenpalette ist breit, und geistvolle Überlegungen sind stets willkommen.

Vorallem aber: schreiben Sie Kommentare! Jeder Autor lebt vom »Feedback«, von den Diskussionen, die er mit seinen Elaboraten anregt. Nach derzeitigem Stand haben die mehr als 2150 Artikel rund 4800 Kommentarpostings erhalten — das sind nicht viel mehr als zwei pro Artikel! Und ich meine mit dieser Aufforderung nicht, irgendwelche lobhudelnde Bemerkungen zu posten (auch ich bin zwar eitel — wer nicht? —, aber eher nicht in diese Richtung!), sondern weiterführende Links, Gedanken etc. Schön wäre auch eine echte (und halbwegs höfliche!) Diskussion zwischen den Lesern!

So, das wären meine Wünsche ans Christkind! Warten wir mal ab, was sich davon erfüllen wird ...


Julius Wolff

... wird selbst gewiegten Literaturkennern nichts sagen. Heute vor 180 Jahren im damals idyllischen Städtchen Quedlinburg geboren, gehörte er nach Einschätzung von Wikipedia zu den sogenannten »Butzenscheibendichtern«:
Dieser Begriff wurde zuerst 1884 von Paul Heyse verwendet, um damit zeitgenössische Dichter zu charakterisieren, die alter-tümelnde Verserzählungen in gefälliger Art über historische Stoffe und Sagen schrieben und ihren Lebensunterhalt damit bestritten. Neben Reimerzählungen umfasst Wolffs literarisches Schaffen, wie an den Untertiteln seiner Werke erkenntlich, auch romanhafte Prosa.

... weiß uns Tante Wiki zu informieren und verrät damit zugleich, daß die Lektüre von Wolff's Werken seitens des Artikelautors wohl nicht über die Untertitel hinausgekommen sein dürfte. Historische Romane und Novellen als »romanhafte Prosa« zu bezeichnen fällt einem nur ein, wenn man sie nicht gelesen hat ...

Nun, es ist natürlich nicht so, daß Julius Wolffs schaffen zu den Höhepunkten deutscher Dicht- und Romankunst zu zählen wäre, Fontane wußte seine allzu gefällige Reimerei in Gedichten und Versepen aus gutem Grund zu kritisieren, und die Romane sind bessere Gartenlaubequalität, nicht mehr. Und dennoch — wer einmal einen der in prachtvollem Weinrot mit reichlich goldverziertem Rücken gehaltenen Bände seiner Gesamtausgabe durchblätterte, wird an der gewandten Sprache das eine oder andere Vergnügen gehabt haben, z.B. wenn er in der »Lurlei. eine Romanze« liest:

Erlaubt mir, daß ich euch berichte
Ausführlich, wie ich kann und mag,
Der Lurlei Leben und Geschichte
Von Anfang bis zum heut'gen Tag!
Ein Märchen ist's aus alten Zeiten;
Ihr wißt ja, ich beschwöre gern
Gestalten und Begebenheiten,
Die manches Säkulum uns fern.
Schon lange hat es mich getrieben
Zu diesem Sang hin ohne Ruh;
Nehmt's hin, wie ich's hier aufgeschrieben,
Als tränk' ich fröhlich eins euch zu!
Rückt euch den Kranz, daß hier im Bunde
Die Lust euch aus den Augen blitzt!
Und voll die Römer in der Runde,
Wie Bruder neben Bruder sitzt!
Nur daß ich erst die Lippen netze,
Heb' ich das Glas mit goldnem Wein,
Und eh' ich's wieder niedersetze –
Stoßt an! gesegnet sei der Rhein!

Das ist nun, zweifelsfrei, epigonale Gesellschaftsreimerei —  auf professionell gediegenem Niveau. Auch an seinem Roman »Der Raubgraf«, der in Wolffs Geburtsstadt Quedlinburg spielt, kann man stilistisch durchaus wenig auszusetzen finden, wenn man etwa gleich den Beginn hernimmt:
Auf einem Felsen hoch über der Stadt Quedlinburg im alten Harzgau steht eine Kaiserpfalz, die schaut rundum in das blühende, fruchtbare Land vom fernblauenden Hackelforst und vom Huywald im Norden bis zu dem langhingestreckten Kamme des Gebirges, der den Blick im Süden begrenzt.

Die ragende Burg ist die Schöpfung und zugleich das erinnerungsreiche Grabmal König Heinrichs des Städtegründers, des Vogelstellers und seiner Gemahlin Mathilde aus des alten Sachsenhäuptlings Wittekind Geschlecht. Wie sie beide dort oben gehaust, so ruhen sie auch beide dort in der schönen Krypta der Schloßkirche und mit ihnen ihre Enkelin Mathilde, des großen Ottos rühmliche Tochter.

Bedeutende Menschen und denkwürdige Tage hat dieses Schloß gesehen. Die Kaiser sächsischen und fränkischen Stammes und auch die Hohenstaufen nahmen hier oft langen Aufenthalt und hielten Reichstage und glänzende Hoftage. Mehr als einmal haben auch königliche Frauen von hier aus das Deutsche Reich regiert, so die Kaiserin Adelheid, ferner die geistvolle Theophano und endlich Mathilde, die als Reichsverweserin für ihren nach Italien gezogenen Neffen Otto III. im nahen Derenburg sogar einmal einen Reichstag hielt.

Die jüngere Mathilde, die dort oben in der Krypta schlummernde Tochter Kaiser Ottos I., war die erste Äbtissin des freiweltlichen Frauenstiftes, das König Heinrich hier errichtete und das er und seine Nachfolger mit einer Fülle von hoheitlichen Rechten ausstatteten, wie sie kein zweites geistliches oder weltliches Stift im heiligen Römischen Reiche besessen hat. Für Töchter aus Herrscher- und vornehmen Adelsfamilien bestimmt und an keine Ordensregel gebunden, stand es unmittelbar unter dem Kaiser. Die aus der freien Wahl der Konventualinnen hervorgehende Äbtissin hatte den Rang eines Reichsfürsten, hatte Sitz und Stimme auf der rheinischen Prälatenbank des Reichstages zu Regensburg, und kein Herzog oder Graf hatte irgendwelche Gewalt in ihrem Gebiet, als einzig der von ihr eingesetzte Schirmvogt.

In dem Zeitraume von vier Jahrhunderten, die seit seiner Gründung vergangen waren, hatte das Stift an Land und Leuten stetig zugenommen, und als unter Kaiser Ludwig dem Bayer die fünfzehnte Äbtissin, Jutta von Kranichfeld aus Thüringischem Grafenhause, im Schlosse zu Quedlinburg den goldgefaßten Krummstab führte, gebot sie über einen sehr ansehnlichen Besitz, zu dessen Schutz und Schirm sie eines starken männlichen Armes bedurfte.

Ein solcher fehlte ihr auch keineswegs. Seit zwei Menschenaltern waren Schutzvögte des Stiftes die Grafen von Regenstein, die schon eine fürstliche, auf eigenem Erbgut und beträchtlichen Lehen ruhende Macht besaßen und deren Stammsitz, eine gewaltige Bergfeste, sich fast im Mittelpunkte des großen Harzgaues erhob.
(Hier weiterlesen
Wolff ist einer jener vielen, die im späten 19. Jahrhundert durchaus mit Talent, aber eben ohne Genie, die ausgetretenen Pfade deutscher Literatur bewanderte — auf den Spuren eines Geibel dichtete, in freundschaftlicher Konkurrenz zu Felix Dahn historische Romane schrieb, und sich so wie Hamerling um ein Stiefkind der deutschen Literatur, das Versepos, bemühte. Seine Erfolge auf all diesen Gebieten waren pekuniär zufriedenstellender als künstlerisch. Dennoch: all die Wolffs sind die breiten Hügel- und Mittelgebirgslandschaften, ohne die sich die hochaufragenden Gipfel der Dichtkunst wohl etwas seltsam ausnähmen.

Einige seiner Werke sind über den verdientvollen Tredition-Verlag wieder aufgelegt worden, auch im Gutenberg-Projekt findet sich eine Reihe von ihnen. Und wer bei einem Gläschen süffigen Weins (vorzugsweise natürlich vom Rhein) beschwingt die eine oder andere Strophe rezitiert, wird bald finden, daß auch Butzenscheiben bisweilen ihren Reiz haben können ...

Montag, 15. September 2014

News vom Leuchtturm

... der Demokratie:


»Prolonged Detention« klingt doch hübsch. Etwa so hübsch wie »Schutzhaft« in tausendjährigen Zeiten. Oder das »friendly fire«, in dem oft lästige Verbündete zerklatscht werden (gelegentlich aber irrtümlich auch die eigenen Leute, aber macht nix, dafür haben wir den Begriff »Kollateralschaden« in Reserve). »Schöne neue Welt, die solche Wörter hat«, möchte man Shakespeare zitieren ...

Und alle diese Wörte kommen nicht von ungefähr, sondern gezielt und wie bestellt. Nein: nicht »wie«, sondern explizit »bestellt« — bspw. bei den FAZkes:

»Es gibt ein NATO-Netzwerk in den deutschen Medien«

Gespräch mit Willy Wimmer. Über die geopolitischen Interessen der USA in Europa, über Helmut Kohl und den Angriff auf die parlamentarische Demokratie

Willy Wimmer gehörte 33 Jahre dem Bundestag an. Zwischen 1985 und 1992 war er erst verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU und dann Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium. Von 1994 bis 2000 war er Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
Nun gehört die »Junge Welt« ja nicht wirklich zu den Lieblingsmedien LePenseurs, und dieser Ex-Staatssekretär Wimmer vertritt in dem Interview durchaus Ansichten, die seine Haare zu Berge stehen lassen, aber darum geht es hier nicht, sondern um eine interessante Nebenbemerkung Wimmers:
Wenn unsere Presse noch frei berichten würde, dann würde man Überlegungen dieser Art in den Medien debattiert sehen. Auf diesen außen- und sicherheitspolitischen Feldern findet eine freie Berichterstattung aber überhaupt nicht mehr statt. 

[JW] Wie kommt es zu dieser Einseitigkeit?

Man kann sich diesen Dingen nur über Indizien nähern. Die in der Bevölkerung herrschende Meinungsvielfalt wird in der Berichterstattung nicht widergespiegelt. Ich kann mich sehr gut an ein langes Gespräch mit einem mir seit Jahrzehnten bekannten führenden FAZ-Mitarbeiter erinnern. Der machte deutlich, wenn das State Department noch rechtzeitig vor Drucklegung nachts anruft, dann kommt der gewünschte Artikel am nächsten Morgen in die Zeitung.
Als ich 1985 Verteidigungspolitischer Sprecher wurde, hat mich ein leitender Mitarbeiter der Pressestelle der CDU/CSU ausdrücklich gewarnt vor einem Netzwerk der NATO in der deutschen Presse. Wenn es heute irgend etwas zu kommentieren gibt im Zusammenhang mit Entwicklungen innerhalb der Russischen Föderation, werden dafür in unseren Medien immer amerikanische Institutionen mit Sitz in Moskau herangezogen. Sie hören keine Stimme aus Moskau, die russisch ist. 
Nicht, daß wir's nicht geahnt hätten — aber es aus hochrangigem Mund bestätigt zu bekommen, ist auch was wert ...

Der Irrtum

»Die Presse« zitiert:

David Cameron: "Es sind Monster, keine Muslime"


Bild: (c) APA/EPA/John Stillwell 

Nach dem Mord an einem britischen Entwicklungshelfer vor laufender Kamera durch die IS-Miliz kündigt Premier David Cameron Rache an. Die Front gegen die Jihadisten wird indes größer.

Irrtum, Herrn Premierminister! Es sind Monster und Muslime. Es sind Muslime, die ihren — man lese nur im Koran oder den Hadithen nach! — monströsen Glauben ernst nehmen und genau im Sinne ihres Vorbildes Mohammed leben wollen. Denn dieser Mohammed war ja nicht bloß ein Weiberheld (mir egal) und Kinderschänder (mir schon weniger egal), sondern noch viel mehr ein gewissenloser Massenmörder, den die zur Abschlachtung und Unterwerfung damals nur beschränkt verfügbaren Menschenmengen von einem Stalin, Mao oder Hitler unterscheiden. Schon mal was von seiner Ausrottung der bei Medina lebenden Juden gelesen?

Daß David Cameron sich im p.c.-verseuchten Großbritannien unserer Tage einfach nicht traut, diese belegbaren Fakten auszusprechen, sondern herumeiert, deklassiert ihn als politische Figur endgültig! Israels Premier, Benjamin Netanjahu, sagte, daß IS, Hamas, al-Qaida, Boko Haram, Hisbollah »Zweige desselben giftigen Baumes« seien. Ich stimme Netanjahu selten zu und halte ihn für einen üblen Polit-Rabauken. Aber wo er recht hat, da hat er recht! Die Wurzel des Baumes heißt »Islam«.

Die Wurzel des Übels ist eine in sich als aggressive Eroberungsstrategie konzipierte, mit ein paar religiösen Versatzstücken garnierte Haßideologie. Spirituell ist der Islam völlig dürr — was diverse Bewegungen wie der Sufismus da zu retten und durch Anleihen beim Christentum und Manichäismus zu erweitern versuchte, wird bis heute vom Mainstream-Islam als Ketzerei abgelehnt! Er ist eine beinharte Verhaltensnorm, der jeder unterworfen wird, ob er nun dazugehört oder nicht.

Und, Herr Premierminister, falls Sie's noch nicht wissen: »Islam« heißt übersetzt nicht, wie uns der weltberühmte Experte in vergleichender Religionsanthropologie, George W. Bush, weiszumachen versucht, »Frieden«, sondern »Unterwerfung«. Vielleicht wäre es schön langsam an der Zeit, die Scheuklappen abzulegen ...

Günter Rohrmoser

... war einer der wirklich nicht gerade häufigen eigenständigen, und doch den Traditionen dieses (sprichwörtlich gewesenen) »Volks der Dichter und Denker« verbundenen Philosophen im Deutschland nach dem Bildungs- und Kultur-Kahlschlag der 68er-Studentenrevolte. ein Leser des Blogs machte mich auf den sich heute zum sechsten Male jährenden Todestag Rohrmosers aufmerksam, und erwähnte einige interessante Artikel-Links, die ich gerne den Lesern dieses Blogs zur Lektüre empfehlen möchte:
(1)(2)(3)

Jedoch auch sein — überraschenderweise vergleichsweise objektiv gehaltener — Artikel auf Wikipedia ist durchaus lesenswert.

»Mein« Rohrmoser war und ist der seines (in Wikipedia übrigens nicht erwähnten) Werkes »Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart«, das mich mit seinen vielen Facetten und Bezügen immer wieder zum Nachlesen und -denken anregt, und das ich jedem Interessierten wegen seiner klaren Sprache — es handelt sich dabei, kaum glaublich, um Vorlesungsmitschriften! — und ebenso klaren Struktur nur zur Lektüre empfehlen kann.

Sonntag, 14. September 2014

Er hat sich getraut ...


... der ehemalige Präsidentschaftskandidat (der 1998, gegen den amtierenden Bundespräsidenten antretend, immerhin 10% der Stimmen erhielt), sodann Parteigründer (»DU – Die Unabhängigen«, kein voller Erfolg ...), der Opernball-Aufmischer, Seitenblicke-, Party- und Baulöwe, Technischer Rat h.c., Baumeister Ing. Richard Lugner (Titel müssen einfach sein, bei uns in Wien ...)!

Bevor meine geneigten Leser jetzt in entsetzte Schnappatmung verfallen, daß der gerade wegen seiner Seriosität so geschätzte LePenseur-Blog über eine solche Coffee-Society-Quisquilie berichtet ... also: tief Luftholen! Es hat alles seine Ordnung.

Sicherlich ist Lugner für jeden halbwegs stilvoll sein Leben meisternden Menschen ein unversiegbarer Quell des Fremdschämens und der Peinlichkeit. Bonmots von der Sorte: »Es gibt keine impotenten Männer, nur ungeschickte Frauen« etc., die vor Fernsehkameras leichthin dem Gehege seiner Zähne entfleuchen, sind ebenso ideal für Schenkelklopfrekorde in Wiener Vorstadtbeiseln (für Piefkes: »Kneipen«) geeignet, wie schwer erträglich für jeden Mann von gutem Ton. Doch genug des Snobismus — darum geht es hier nicht.

Es geht um die unsäglich verlogene Rolle unserer Medien (wie so oft auf diesem Blog), die nicht nur die politische »Berichterstattung« kennzeichnet, sondern ebenso die Klatschspalte. Journalisten erweisen sich als rachsüchtige Schmöcke, wenn sie einem alten (aber erfolgreichen und vermögenden) Mann zusehen müssen, daß er sich ein junges, hübsches Ding angelt — von dem sie wissen, daß sie es nur für viel Geld oder fundierte Karriereversprechen ins Bett bekämen. Und Geld haben sie halt deutlich zu wenig (weil sie auch nicht annähernd so viel gearbeitet haben, wie dieser zeitlebens arbeitswütige Baumeister) — und auch Karrieren können sie nicht versprechen, denn unsere Gesellschaftsklatsch-Reporter sind halt bloß Adabeis, die für ein paar Photos vom Buffet naschen dürfen, aber nichts zu reden haben. Das krämpft sie, und so greifen sie zur Rache des kleinen Mannes: der schlechten Nachred':

»Lugners skurrile Hochzeits-Show«
(Die Krone)
»Grusel-Hochzeit im Sisi-Schloß« 
(Österreich)
»Die Trash-Hochzeit des Jahres« 
(Bild)

LePenseurs bessere Hälfte — nennen wir sie LaPenseuse — sagte zu mir heute beim Anblick all dieser Schlagzeilen sinngemäß:
»Nein, natürlich gefällt es mir als Frau absolut nicht, wenn Frauen Männer heiraten, die ihre Väter, Groß- oder Urgroßväter sein könnten, vor allem dann, wenn es sich bei diesen um keine armen Schuhverkäufer handelt, sondern — welch ein Zufall! — um Exemplare, die über Vermögen mit all den damit verbundenen Annehmlichkeiten verfügen. Nur: warum machen diese Heuchler von Journalisten deshalb den Lugner derartig herunter — wo sie doch jahrelang Trittbrettfahrer bei seinen Events gewesen sind? Etwa weil Lugner sich ja schwerlich wehren kann, als lächerlich gemachter alter Mann mit blutjunger Frau?

Haben nicht Medienzampanos in der Vergangenheit oft genug wesentlich jüngere Frauen geheiratet — und bei denen soll das etwa die reine Liebe gewesen sein? Aber da traute sich kein Klatschreporter den Mund aufzumachen — sonst kann er am nächsten Tag Klinken putzen gehen, oder Teller waschen! Und noch was: hätte diese Conchita Wurst einen älteren Mogul »geheiratet«, wäre es natürlich völlig in Ordung gewesen, und schick und in – denn mit der Schwulenlobby trauen sie sich nicht anzulegen!«
Touché, das saß!

Der einzige, der Lugner (und man spürt die Aufrichtigkeit seiner Worte) in seiner Sonntags-Kolumne von Herzen gratulierte, war Michael Jeannée — aber der hat mit vielen erfolgreichen Reportagen in einigen Jahrzehnten genug Millionen verdient (wohl nicht so viel wie Baumeister Lugner, aber doch!), um, wenn er will, für viele 24-jährige Frauen auch selbst höchst attraktiv zu sein. Wenn er sowas nötig hätte ...

Was bleibt, ist das Bild einer Neidgenossenschaft, die wohl nirgends schäbiger zu Tage tritt, als in den Medien. Von Berufs wegen als angeblich eigene Meinung das schreiben zu müssen, was von der »Blattlinie«, vom Chefredakteur, Herausgeber oder Eigentümer, oder immer öfter von einflußreichen Inserenten vorgegeben wird, verdirbt den Charakter.

Schrieb ich eben: »Charakter«? Nun — sowas von unserer Journaille zu erwarten wäre ja wirklich eine unverzeihliche Naivität ...

»The Bird Man«




... wurde heute vor zweihundertzehn Jahren, am 14. September 1804, geboren: John Gould.

Wenn er nicht

... wieder mal gegen Putin und die pöhsen Russkis hetzt, und uns verklickern möchte, daß es bei uns so demokratisch zugeht, aber in Rußland die Diktatur herrscht, und wir deshalb aus Wertesolidarität in für Kiew den Krieg ziehen sollen, dann schreibt Christian Ortner durchaus vernünftige Sachen, z.B. über den (v.a. von den Amis als Steckenpferd betriebenen) ebenso hirnlosen wie kostspieligen Krieg gegen Drogen

Fragt sich freilich: was raucht er, wenn er bei Rußland und Ukraine Wahrnehmungsstörungen hat ...

»EU verschleierte die NSA-Affäre«

... überrascht uns »Die Presse«:
War die EU gegenüber den USA zu entgegenkommend? Und warum? Interne Dokumente aus dem Vorjahr zeigen nun, dass es im EU-Rat massiven Protest gegen die allzu partnerschaftliche Aufarbeitung der NSA-Spionageaffäre gab. Die Unterlagen geben auch darüber Aufschluss, warum sich die EU so auffallend zurückgehalten hat.
Zu jenen Ländern, die gegen den zahnlosen Bericht der sogenannten Ad-hoc-EU/US-Arbeitsgruppe für Datenschutz protestiert haben, gehört Österreich. Die Verschlusssachen zeigen, dass Wien in streng vertraulichen Gesprächen den laschen Prüfauftrag des Rats für die Arbeitsgruppe heftig kritisiert hat. In einer klassifizierten Protestnote an den Rat schrieb Wien (der Text war zwischen Bundeskanzleramt, Außen-, Innen- und Verteidigungsministerium abgestimmt): „Es war schon sehr auffallend, dass sich die Vorarbeiten für das Mandat der Arbeitsgruppe hauptsächlich darauf konzentrierten, was diese Arbeitsgruppe nicht prüfen sollte.“ Tatsächlich durften die Experten ausdrücklich keine Fragen zur Arbeitsweise der NSA stellen.
Also wirklich: jetzt sind wir, wie der Wiener sagt, einfach baff! Respektive die Piefkes: einfach platt. Plattgemacht von unseren eigenen Politikern in Brüssel. Im Auftrag und Sold der USA. 

Ein Kommentarposter bringt's auf den Punkt:

Tja, so ist das halt in Satellitenstaaten ...

Sollten mal die Kollegen aus dem ehemaligem Ostblock fragen wie das so ist wenn man nicht Herr im eigenem Haus ist sondern nur Befehle von oben (S. EU-Sanktionen) ausführen muss.

Kann mich noch erinnern wie unsere Medien vor den Fall der SU immer die Worte "Satellitenstaaten" und "Vasallen" einflochten wenn über den Osten berichtet wurde.

Jetzt ?
Ganz großes Schweigen.
Schweigen ist Gold, weiß der Volksmund. Manchmal jenes, mit dem es erkauft wurde ...

Samstag, 13. September 2014

Arnold Schönberg

... wurde auf diesem Blog schon mit seinem frühen Streichsextett »Verklärte Nacht« in einem Artikel über den Deutschen Dichter Richard Dehmel erwähnt. 

Heute vor 140 Jahren wurde Schönberg in Wien geboren. Man verzeihe mir — aber neben der »Verklärten Nacht« kann ich mich mit Ausnahme der klanggewaltigen Gurreliedern für Soli, Chor und Orchester, der Symphonischen Dichtung Pélleas und Melisande und einiger Kammermusik mit (und ohne) einstelliger Opuszahl für den — nach Josef Matthias Hauer, der bereits vor ihm eine, freilich völlig andere Theorie der Zwölftonmusik aufgestellt hatte — Gründer der »Zweiten Wiener Schule« nicht so wirklich erwärmen.

Deshalb auch nur ein kurzer Salut: an einen bahnbrechenden Komponisten — in dessen Bahnen ich freilich kaum wandeln möchte ...

Italien ist bankrott

Derzeitiger Schuldenstand: ca. 2 186 000 000 000 EUR
Derzeitige Einwohnerzahl: ca. 60 780 000.
Macht pro Kopf — vom Säugling bis zum Mümmelgreis, inklusive Behinderter, Idioten, Einwanderer, Gefängnisinsassen etc. — ca. 36 000 EUR. Nur an Staatsschulden! Das ist für eine vierköpfige Familie also ca. 145 000 EUR oder der momentane Preis für eine Eigentumswohnung oder ein kleines Häuschen am Lande.

Da es Otto Normalverbraucher üblicherweise nicht möglich ist, in einer Lebensarbeitszeit sowohl eine Eigentumswohnung als auch ein Häuschen am Lande abzustottern, ist damit klar: das kann nie und nimmer zurückgezahlt werden — oder es geht sich daneben eben kein Dach überm Kopf aus. Da unsere Politiker jedoch lieber die Bürger schädigen, als die Banken, denen sie schließlich ihre durch Begünstigung ihrer Wählerklientel und sonstige Korruption errungenen Mandate verdanken, können wir uns unschwer ausmalen, wie die Chose ausgeht. Ein Teil der Staatsschulden wird umgeschuldet, damit sich das Rad weiterdreht und die Banken Gewinne schreiben (das freut ihre Manager und fettet deren Boni auf), ein Teil wird in den Wind geschossen, indem man inflationiert und durch künstlich niedrige Zinsen die Pensionsfonds und Sparbücher der kleinen Leute enteignet. Und es wird sich trotzdem nicht »ausgehen« — und dann kommt halt die Hyperinflation und der Staatsbankrott. An dem selbstmurmelnd Putin und/oder die Islamisten (oder welche Sau gerade durchs mediale Dorf getrieben wird) schuld sein werden.

Was in Italien bald kommen wird, wird uns alle — »dank« des Euro-Systems — mitreißen. Es wird (da bin ich zuversichtlich) ein bisserl milder sein als zu Weimarer Zeiten, als die Semmel 10 Milliarden kostete. Es wird, wie vor zehn Jahren in der Türkei, halt ein schönes Abendessen bloß fünf Millionen kosten (oder vielleicht auch nur 500.000 — à la Türkei 1994). Für den, der sich's dann noch leisten kann ...

Gewinner werden ein paar Finanzoligarchen in der Londoner City und an der East-Coast sein. Und ein paar staatsnahe Großindustrielle. Und natürlich (wenn auch in deutlich bescheidenerem Rahmen) unsere Politruks und ihre Bürokraten. Der Rest der Bevölkerung wird allmählich verelenden.

Ich bin eigentlich nicht rachsüchtig — aber diesen Saukerlen, die durch Aufpumpen eines Schwindel-Geldsystems die ganze Bevölkerung in einer Weise abzocken, daß dagegen die alten Raubritter noch als Menschenfreunde gelten könnten, diesen Verbrechertypen wünsche ich einen langsamen und qualvollen Tod. Wie wär's, sie ganz allmählich unter Goldunzen zu begraben, bis sie erstickt sind? Andererseits — ist es nicht irgendwie zu schade, Gold für sowas zu verschwenden. Blei wäre noch zu teuer. Also ... wie wäre es mit Katzendreck ...?