Mittwoch, 4. März 2015

Mitteilung: aus beruflichen und privaten Gründen

... wird dieser Blog auf absehbare Zeit (vermutlich sechs bis acht Wochen) nur »auf Sparflamme« betrieben werden. Die Kommentarfunktion wird gleichzeitig auf Moderation geschaltet, da ich den Blog nicht irgendwelchen Trollen überlassen möchte (sollte ich nicht die nötige Muße finden, die Kommentare meiner geschätzten Leser auf allfällige Rechtswidrigkeiten zu prüfen, werde ich die Kommentarfunktion zwischenzeitlich unter Umständen auch ganz sistieren — warten wir mal ab ...).

Damit jetzt keine Panik ausbricht: Nachrichten von meinem bevorstehenden Ableben sind (um Mark Twain zu zitieren) stark übertrieben. Ich ersuche also von Kondolenzbezeugungen Abstand zu nehmen (das hebt nicht gerade meine Stimmung, und die ist umständehalber & streßbedingt ohnehin eher trüb).

Ich muß nur einfach dringend Batterien aufladen — nach langer Zeit täglich mehrerer Postings ... und schließlich habe ich auch noch (und, wirtschaftlich gesehen: zu allererst!) einen Beruf, der nicht eben streßarm ist.

Wie geht's also weiter? Nun: bis Ostern werde ich so ca. zwei, drei Postings pro Woche machen — danach geht es vielleicht etwas intensiver weiter, doch da möchte ich mich nicht festlegen. Die Mischung aus tagesaktuell-politischer Ätzung, Wirtschaft, Kultur, Geschichte, und — so gelegentlich — etwas textilarmer, hübscher (und vorzugsweise blonder) Weiblichkeit gibt's weiterhin. Business as usual, nur eben quantitativ reduziert ...

Mein Angebot bezüglich der Veröffentlichung von Gastkommentaren (das bislang leider nur vom geschätzten Kollegen »SF-Leser« wahrgenommen wurde) bleibt aufrecht!

Was bleibt noch zu sagen? Nun, vielleicht das: mögen alle Leser dieses Blogs sich weiterhin (und in Zeiten wie diesen: gerade jetzt!) auch ohne die Kommentare LePenseurs jenen kritisch-abwägenden Blick bewahren, mit dem dieses hübsche Mädel sich so vortrefflich zu präsentieren im Stande ist:


Lassen wir uns nicht vergackeiern!

Dienstag, 3. März 2015

»ISIS to the Rescue«

... betitelt Eric Margolis einen recht beunruhigenden Artikel auf »LeRockwell«:
The wildly exaggerated threat of so-called Islamic terrorism is being shamelessly used by some western governments to boost their flagging fortunes at a time of economic malaise.
Marketing fear is a sure-fire political ploy, as the Bush administration showed. But if you think promotion of “terrorism” hysteria in order to curtail democratic freedoms is something new, have a look at Germany, 1933.
In that year, Germany’s democratic Weimar republic was foundering under economic depression, mass unemployment and raging hyper-inflation. The Reichstag, or parliament, was deadlocked between bitterly feuding parties, including the minority  National Socialists, led by Adolf Hitler, the Catholics, Socialists, and Communists.
In Berlin, on the night of February 23, 1933, the Reichstag was burned down by a massive fire set by an arsonist. A young Dutch Communist found on the premises was charged with the arson attack. Germany was outraged and horrified by the crime – as much as was America after 9/11.
The Communists, of course, quickly blamed the National Socialists (or Nazis, for short). But the most likely culprit was indeed the Dutch Communist.
Five days later, Weimar President Paul Hindenberg, a conservative and war hero, signed a new act known as the Reichstag Fire Decree that suspended free speech and assembly and many legal protections. It gave government the right to arrest “terrorists” under a state of emergency.
Nein, es sind keine angenehmen Aussichten, die sich uns bieten. Und sie werden angesichts der immer ausgefeilteren Methoden, derer sich unsere Staatsverbrecher bei Planung, Begehung und Vertuschung ihrer diversen false-flag-Aktionen bedienen, um nichts angenehmer. Am unangenehmsten ist freilich die Erkenntnis, daß durch die perfektionierte Gehirnwäsche jener  80% an Stimmvieh (die ja jede Wahl entscheiden!) ein Fortschreiten »auf Hitlers Pfaden« (wie Margolis es treffend nennt) nicht bloß auf keinen Widerstand, sondern sogar auf Zustimmung stößt:
George W. Bush was re-elected thanks to Midwestern soccer moms who feared Osama bin Laden was about to swoop down from the Hindu Kush and make off with their little Johnnies.
Something similar is happening again in North America, Australia and New Zealand.  Many fear ISIS is outside Peoria or Winnipeg. Scared people readily accept dictators.
Eine Erkenntnis, die jeden freiheitsliebenden Menschen eigentlich in Alarm versetzen müßte. Und doch weniger Reaktion im Lager der (selbsternannten) »Libertären« auslöst, als angebracht wäre ... 

Nachschlag zur »Republik Piratini«




Dank an Kollegen »Dieter« vom »Gelben Forum«, der diese aufschlußreiche Graphik präsentierte ...

The Metamorphosis of Vladimir Putin

Suddenly last summer, Vladimir Putin, formerly once a decent enough Russian leader (with a few unsettling quirks), turned into a malevolent, almost demonic, force.
Congratulations to the American propaganda system for putting over this remarkable metamorphosis.
At the same time, the verdict on Barack Obama did not change – not last summer, not since he assumed office.
(Hier weiterlesen)
Ein fürwahr höchst lesenswerter Artikel über die mediale Desinformationsflut, welche sich über uns ergießt!

Ein weiterer Artikel, der es in seiner stimmigen Argumentation  »sine ira et studio« verdient, gelesen zu werden, stammt vom Kollegen FDominicus: 

Klare Ansage – ein Leben zählt nicht(s)
In Rußland wurde ein Regimkritiker ermordet. Wie wahrscheinlich handelt es sich hier um einen politischen Mord? Für mich sehr wahrscheinlich. Wer es gewesen sein könnte? Ganz so eindeutig wie es der Kommentator in den BNN sieht, ist es für mich nicht.
Es ist derzeit reine Spekulation ob dahinter Putin steckte oder nicht. Zuzutrauen wäre es Putin mit seiner Ausbildung alle Mal. Wer glaubt denn der KGB schert sich auch nur um ein Gesetz? Nur wollte Putin mit Sicherheit mit so etwas nicht in Verbindung gebracht werden. Daher kann es auch sein, daß es irgendwer von irgendeinem amerikanischen Geheimdienst war, oder eben einem anderen Geheimdienst dem man es zutraut in Rußland selber einen Mord zu begehen.
Fakt ist aber – ein Leben zählt in der Politik gar nicht. Es heißt ja auch Krieg sei die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln – wie zynisch aber wahr.
In den Wüsten der veröffentlichten Einheitsmeinung finden sich immer mehr Oasen der abwägenden Argumentation, der Frage nach Plausibilität und Sinn irgendwelcher uns als Fakten präsentierter PR-Botschaften. Das gibt Hoffnung — und mag sie angesichts des allgegenwärtigen Kriegsgetöses auch noch so klein sein ...


Montag, 2. März 2015

... vielleicht könnten sich die Putin-Hasser mal entscheiden

Entweder er ist der geniale Macher, der mit exquisiten Intrigen alles im Voraus plante (Ukraine, Krim und was nicht noch alles).

Oder er ist ein totaler Depp, der vor der eigenen Haustüre unter möglichst großem Getöse (das gibt es nämlich, wenn man jemand aus einem fahrenden Auto heraus erschießt) zu einem politisch ungünstigen Zeitpunkt jemanden abmurksen läßt, der durch seinen Tod eine größere Bedeutung erhält, als er es als lebender Oppositioneller mit ca. 4% Anhängerschaft je gehabt hätte. Und das auch noch komplett unnötig, weil der Präsident mehr als 80% Zustimmung in der Bevölkerung hat.
(Quelle)

AfD-Lucke vor dem Reichstag erschossen

Wie soeben bekannt wird, wurde heute in den Morgenstunden der prominente Merkelkritiker und Oppositionspolitiker Prof. Bernd Lucke von hinten niedergeschossen. 
Die Hintergründe des Attentats liegen im Dunkeln. Lucke war heute morgen nahe dem Reichstag von vier Kugeln niedergestreckt worden. Die Fernsehsender ARD und ZDF zeigten Aufnahmen eines Überwachungsvideos. Darin ist nach Darstellung der Sender zu sehen, wie sich Lucke mit seiner Begleiterin gegen 7.30 Uhr in der Nähe des Reichstages bewegt und von einem Mann verfolgt wird. Eine Kehrmaschine verdeckt dann die Sicht auf das Paar und den Mann. Wenig später ist zu sehen, wie der mutmaßliche Täter auf die Straße läuft, in ein Auto einsteigt und flüchtet. Etwa zehn Minuten danach trifft die Polizei ein. Die Begleiterin des 53-Jährigen blieb unverletzt. Lucke gehörte zu den schärfsten Gegnern des Merkel-Regimes.

Bereits kurz nach der Tat versammelten sich Journalisten, Freunde und Weggefährten des 53-jährigen vor dem Reichstag. Blumen wurden niedergelegt, Kerzen angezündet. An der improvisierten Gedenkstätte wurde eine Ausgabe der Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland abgelegt und an die Mauer Flyer mit der Aufschrift „Ohne Euch bricht der Frühling nicht an!“ geklebt.

Heute, Montag hätte ein regierungskritischer „Frühlingsmarsch“ in Berlin stattfinden sollen. Lucke, bekanntester Kopf der deutschen Oppositionspartei AfD, war einer der Organisatoren der Veranstaltung. Am Abend vor seiner Ermordung gab Lucke einem privaten Radiosender noch ein Interview, in dem er die Zuhörer mit Nachdruck dazu aufforderte, am Montag auf die Straße zu gehen und an der Demonstration teilzunehmen.
Deutschlands Kanzlerin Merkel hat den Mord an Lucke bereits verurteilt, ihn als eine gegen die Regierung gerichtete „Provokation“ bezeichnet und jede Schuld von sich gewiesen. Doch die Opposition weist Merkel die politische Verantwortung zu. „Es war das Fernsehen. Ständig diese Propaganda“, schimpfte Helga N., die bei einer spontan gebildeten Kundgebung mitmarschiert. Die 44-jährige Berlinerin steht bei Wind und Nieselregen mit Zehntausenden anderen im Zentrum Berlins.  Auf dem Rücken ihres Mannes befestigt sie ein Klebeband. „Ich bin Bernd Lucke“ ist darauf zu lesen. Daneben ein gezeichnetes, rotes Fadenkreuz. Ihrem Sohn drückt sie eine kleine Deutschland-Flagge in die Hand.

Mit Lucke habe Deutschland einer seiner besten Menschen verloren. Ein echter Politiker sei er  gewesen, stets ehrlich und fröhlich. Er habe nicht wie viele nebenher noch eigene Geschäftsinteressen verfolgt. „Was hier passiert ist, ist Faschismus!“, sagt Helga weiter, begrüßt eine Freundin, verabschiedet sich und geht in Richtung des Demonstrationszuges davon. Dem durch die Propaganda vergifteten Klima gaben viele der Trauernden die Schuld am Tod Luckes. Auf Plakaten stand zu lesen: „Propaganda tötet!“ oder „Vier Kugeln: ARD. ZDF. NDR. WDR“. Es sind dies die vier größten staatlichen deutschen TV-Kanäle. Mit vier Kugeln wurde Lucke hinterrücks erschossen.

Unablässig wurden auf diesen Sendern Lucke und andere Oppositionelle als fünfte Kolonne, deren einziges Ziel es sei, Deutschland und der EU zu schaden, diffamiert. Konkrete Fragen nach den Hintergründen der Tat werden ausweichend beantwortet. Merkel sei nicht direkt schuld an der Ermordung des Oppositionspolitikers, meint etwa Alexandra. Sie habe allerdings ein Klima geschaffen, in dem das möglich ist: „Sie hat den Geist aus der Flasche gelassen.“

Hoffnung auf eine rasche und vollständige Aufklärung des Verbrechens macht sich in Deutschland allerdings kaum jemand. Die Tat erinnert viele an die bis heute unaufgeklärten sogenannten »NSU«-Morde, bei denen der Verdacht auf ihre Begehung oder Förderung durch staatliche Geheimdienste als die Hintermänner der Taten, nach wie vor im Dunklen bleibt. Auch im Fall Lucke könnte Ähnliches drohen.

US-Präsident Barack Obama verurteilte den „brutalen und bösartigen Mord“ und verlangte von Berlin eine „transparente“ Ermittlung. Lucke sei ein unermüdlicher Anwalt seines Landes gewesen. Er habe Lucke auch für dessen mutigen Kampf gegen die deutsche Interessen gefährdende EZB-Politik bewundert, erklärte Obama und sprach den Hinterbliebenen und dem deutschen Volk, „das einen der engagiertesten und eloquentesten Verteidiger seiner Rechte verloren hat“, sein Beileid aus.
... oder so ähnlich informiert uns »Die Presse«. Wenigstens werden wir von unseren Qualitätsmedien umgehend und objektiv informiert! Das ist bei all unserer Erschütterung über die brutale Ermordung des prominenten Merkel-Kritikers immerhin tröstlich ...

Heute vor 170 Jahren

... also am 1. März 1845, endete die nicht einmal neun Jahre währende Geschichte der »Republik Piratini«, die seitdem als Provinz bzw. Bundesstaat »Rio Grande do Sul« ein nicht besonders spektakuläres Fortleben im Verband Brasiliens führt.

LePenseur gesteht offen: »Republik Piratini« gefällt ihm besser (obwohl auch Rio Grande do Sul durchaus nicht ohne Reize ist), denn es trifft den prinzipiellen Charakter von Staaten schon im Namen geradezu exemplarisch genau: sie sind Piraten-Organisationen. Darauf aus, alles zu plündern, was sie an sich raffen können. Und zu diesem Zweck recht straff organisiert.

Kurz gesagt: Verbrecherbanden mit Flagge ...

Sonntag, 1. März 2015

Ja, das Internet ist eine Fundgrube ...

So findet sich z.B. in einem Kommentarposting zu einem Artikel auf »Propagandaschau – Ein niemals vollständiges Logbuch deutscher Medienpropaganda« ein nicht uninteressanter Hinweis auf Boris Nemzows Privatleben:
Ich wäre da nie drauf gekommen, aber meine Frau (Russin) interessiert sich halt mehr für solche Details:
Nemzow war verheiratet und hatte mit dieser Frau zwei erwachsene Kinder. Dann hat er noch ein (oder waren es zwei ?) Kinder mit einer russischen Journalistin und eines mit seiner langjährigen Sekretärin.
Die Frau an seiner Seite (als er ermordet wurde) war ein 23 jähriges Top-Modell aus Kiew. Seine neueste Liebschaft (selbst wurde 55 Jahre alt) hatte er erst im Vorjahr in die Schweiz zur Schwangerschaftsunterbrechung geschickt…
Die ukrainischen Eltern des Top Modells waren von Anfang an gegen die Liason ihrer Tochter mit einem 30 Jahre älteren Mann, der die Tochter dann auch im Alter von 22 die Schwangerschaft abrechen läßt…
In jedem Tatort der ARD wird zuerst immer das Umfeld des Opfers beleuchtet.. Goebbels Enkel wissen natürlich schon bevor Nemzow tot war, wer ihn ermordet hat.
 »Goebbels Enkel« trifft die Sache gut (besser noch als »Lügenpresse«, denn dieser Terminus wurde ja auch von Goebbels benutzt, könnte also deshalb als Nazi-Propaganda bewußt fehlinterpretiert werden), und wird auf diesem Blog gerne aufgegriffen und weiterhin verwendet werden:

»Goebbels Enkel«

... ja, das trifft's!

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P.S.: der verdienstvolle Nachrichten- und Satireblog »Politplatschquatsch« trifft die im Fall Nemzow derzeit handelsüblichen Medienberichte voll ins Schwarze — »Putins nächste Teufelei: Mord an einem Unbekannten«.

Die schreckliche, die Karl-Eduard-lose Zeit

... währte zwar endlose Tage (sogar Wochen, genaugenommen) — aber, hallihallo (die Fastenzeit hindert LePenseur schon rein rubrizistisch, jetzt in einen angebrachten Halleluja-Ruf auszubrechen), sie ist vorbei! Karl Eduard ist seit einigen Tagen wieder zurück und besser denn je! Sorry, nein: so gut wie eh und je, muß es heißen, denn es wäre ungerecht gegenüber vielen vorherigen Artikeln von geradezu zeitloser Schönheit und Prägnanz, die über die Jahre hin in seinem Kanal publiziert wurden, wollte man jetzt eine nicht denkmögliche Steigerung herbeifabulieren. Dies vorausgeschickt widmen wir uns eines Karl-Eduardismus der feinsten Sorte:
Afrikaner wollen arbeiten

Immer mehr Afrikaner kommen nach Deutschland, weil sie dort arbeiten wollen, nicht, wie fälschlich verbreitet, Sozialkohle abgreifen und weiße Frauen pimpern. Ein Vorurteil, mit dem endlich Schluß gemacht werden muß! In meinem Dorf, so Bingo Bongo, der für 8000 € aus Afrika herübergeschleust wurde, haben wir von einer Einrichtung gehört, die sich Reichsarbeitsdienst nennt, junge, kräftige Männer machen dort gemeinsam Land urbar, bauen Autobahnen, Brücken oder ganze Talsperren. Das findet Bingo Bongo gut.
Nicht nur Bingo Bongo, sondern wir alle! Und nicht bloß gut, sondern alternativlos! Wie jenen Ali, der doch nur verifizieren wollte, was es mit dem über-Wasser-gehen-können der ... ... aber, pssst, das wird nicht verraten, wäre ja schade um die Pointe! Und den letzten Satz verraten wir auch nicht. Weil er ebenso wahr ist, wie gefährlich zu äußern (d.h. für den, der ihn äußert). Deshalb rufen wir nur:

Karl Eduard – an unser Herz!

Aus der Geschichte lernen wir, daß wir aus der Geschichte nichts lernen

Kollege Bellfrell illustriert diesen Satz in einem Artikel über die Entstehung des Romans »Die vierzig Tage des Musa Dag«:
Wir schreiben 2015 und dennoch meint man, es gleiche fast ums Haar 1915. Krim, Ukraine, Wirtschaftskrisen, Völkermord und Christenverfolgung. Auf Wikipedia lese ich über die Entstehungsgeschichte von Franz Werfels Roman “Die 40 Tage des Musa Dagh”:
»..Im Jahre 1929 reiste Franz Werfel mit Alma Mahler über Kairo nach Jerusalem und weiter nach Damaskus. Ihr Führer zeigte ihnen die großartigen Moscheen der Stadt und die Kaufhäuser. So gelangten sie schließlich auch in die größte Teppichweberei der Stadt. Bei der Führung durch das große Anwesen bemerkten sie überall ausgehungerte Kinder, die Hilfsarbeiten verrichteten. Auf ihre Frage an den Fabrikbesitzer antwortete dieser: „Ach diese armen Geschöpfe, die klaube ich auf der Straße auf und gebe ihnen zehn Piaster pro Tag, damit sie nicht verhungern. Es sind die Kinder der von den Türken erschlagenen Armenier. Wenn ich sie hier nicht beherberge, verhungern sie, und niemand kümmert sich darum. Leisten können sie ja nicht das geringste, sie sind zu schwach dazu“  
Lesenswert. Nachdenkenswert. Und höchst beklemmend, wenn man zur bitteren Conclusio Bellfrells kommt:
Der Unterschied zum letzten Jahrhundert ist vielleicht der, daß man in ein paar Jahren nicht wird sagen können “davon haben wir ja nichts gewußt” – denn diesmal sieht die ganze Welt live, via Medien und vor allem Internet zu.
Diesmal ist es Voyeurismus vom Feinsten und gleichzeitig Paralyse, Hilflosigkeit und Untätigkeit.
Voyeurismus der TV-Couch-Potatoes, gepaart mit dem machiavellistischem Zynismus der Regisseure der »Zweiten Chance« — das ist in der Tat eine Mischung »vom Feinsten«, gegen die die brutale Abschlachtung der Armenier vor hundert Jahren noch wie ein unbeholfener Archaismus wirkt ...

Samstag, 28. Februar 2015

Kiev casting ...


Gar keine Frage, daß die optische Garnierung, mit der der kürzlich erschossene »Kreml-Kritiker« Boris Nemzow seinen letzten Abend verbrachte, durchaus appetitlich aussieht.

Nun, Nachrichten wurden immer schon — und werden umso mehr in Zeiten von »Infotainement« — über die Optik verkauft. Nur sollte man auf diese alte Masche nicht reinfallen ...

Sofort nach Verbreitung der Nachricht sprossen auf der ganzen Welt die Vermutungen, wer nun hinter der Ermordung stehen könnte. Während in der transatlantisch verflochtenen Systempresse des Westens zumindest insinuiert wird, »der Kreml« hätte den Anschlag ausgeführt, sehen das russische Medien ebenso anders, wie auch die transatlantisch nicht verflochtene Alternativ-Informationsquellen im Internet. Das eigene Hirn einzuschalten und ganz simpel: »Warum sollte jemand das tun?« zu fragen verhütet recht zuverlässig das Hereinfallen auf Desinformationskampagnen unserer spin doctors.
Did the US Murder Boris Nemtsov? The Imminent Threat
2-28-14
By: Joaquin Flores

Headlines around the world have carried some variation of the story: the murder of Boris Nemtsov. Each of these includes some retelling of the pertinent facts: what, who, where, how ... but the real question is 'why'. The answer to this question, or rather, what the west insists is the answer, will tell us a lot about the US's plans to escalate the tensions in Russia over Ukraine, and beyond.
(Hier weiterlesen)
Nun wird ein Blog, der schon in seinem Heading schreibt »Read What Russia Reads!« als objektive Informationsquelle nicht unbesehen passieren können — was aber keineswegs ausschließt, daß auch die hier geäußerten Argumente und Vermutungen ein fundamentum in re haben können. So klingen z.B. die folgenden Überlegungen durchaus sehr plausibel:
For example, we are likely to hear from friends of Russia that this killing does not have the telltale signs of a professional type of hit, the sort a government would carry out. They will point out, of course, that Boris Nemtsov would have died in a car crash, or from a heart attack. It is considered far too sloppy for anyone in the Kremlin to think of shooting him in public, with witnesses.

This is not too compelling, because such clean methods would actually seem to implicate the Russian state, whereas the rather sloppy way Nemtsov was actually killed even compels us to rule this out. If a hit were to be carried out of this sort, then it would make perfect sense of the state to use an amateur method. Because anything is possible, it is not entirely useful to follow this line of reasoning with one exception: if the US was behind this, that it was a murder would have to be obvious, with no doubts.

This is because if the Russians wanted him dead, the value of killing him would be in his absence. If the Americans killed him, the value is in the spectacle of the killing itself. This killing is loaded with spectacle.

While one can argue that Russia could have employed someone to use sloppy methods in order to throw the scent, it is more likely that given the method, that the US is behind it. This could have been arranged through Ukrainian assets, and would not involve actual US agents on the ground in Moscow.

This was very obviously a murder which was wanted to be known as a murder. This does not fit into either a Russian motive or modus operandi.

What complicates things, however, is when we ask the real questions.

The first question to ask is 'cui bono', in this case we know that Russia, in particular Putin, has nothing to gain. The killing of Nemtsov under any of the circumstances does not make any sense from the view of Russian interest. Politically he did not pose a real threat, alive. With less than 5%, his ticket and the Republican Party failed to garner enough support to be sat in the Duma. With approval ratings above 85%, Putin is not in the position to need to resort to these kinds of tactics.

Russia is also at a different juncture politically, where such methods are not likely to be necessary even if there was an opposition figure to be concerned about. Every other form of virtual-media assassination is possible, that actual ones are not necessary. There are also other methods to delegitimize these characters which invariably revolve around their business dealings, underage girls, and so forth.

These other methods are much cleaner, as assassinations make a government look more desperate, create an unnecessary martyr out of a marginal character, and give fuel to other opposition at home and abroad.

While he held an important position in the 1990's under Yeltsin as First Deputy Prime Minister for about a year until 1998, his political career since the early 00's has been of little significance and has not inspired mass support.

It is the US that has the most to gain from this. Western press has painted him for years as the likely person to replace Putin in a serious change of political stability in Russia. This follows a western narrative, where western liberal values are superimposed as natural and universal values around the world.

While Nemtsov was one of the US's favorites, he is not a favorite with the Russian people. The actual 'runner up' party in Russia, which is projected to surpass Putin's ruling party in the event of a serious change, is the Communist Party of Zyuganov. But this narrative cuts against western interests, and is at odds with the west's narratives about the Cold War and its results. 
Wie man sieht: es zahlt sich durchaus aus, auch etwas über den Tellerrand schneller Pressemeldungen zu schauen, die in ihrer Uniformität der »Information« ohnehin den Verdacht auf PR-Verlautbarungen nähren. Man könnte auch »Gleichschaltung« oder »Lügenpresse« sagen. Man muß ja nicht gleich so weit gehen wie Kollege »Zooschauer« im »Gelben Forum«:
Es passt mal wieder alles ins Bild

Dass Putin einfach nicht mit regulären Truppen in die Ukraine einmarschieren wollte, war schon eine ganz schöne Provokation gegen den Westen, der doch ganz fest davon ausgegangen ist, dass Putin einmarschieren würde.

Und dann noch dieses unverschämte Abkommen von Minsk, mit dem Putin und die anderen Teilnehmer den USA einen fetten Strich durch die Rechnung machen. Wie kann man sich erdreisten, die USA, die der Ukraine doch nur helfen wollen, so als Depp dastehen zu lassen?

Und dann fangen die Rebellen auch noch als erste an, die schweren Waffen abzuziehen. Durften die das? Noch VOR den ukrainischen Truppen? Unverschämt und unglaublich dreist.

Nur gut, dass im Westen niemand darüber berichtet hat, das Moskau vor zwei Wochen noch mal 170 Lkw mit Hilfsgütern in den Donbass geschickt hat. Putin kann im Grunde dankbar sein, dass man diese Unverschämtheit einfach mal unerwähnt gelassen hat.

Aber so kann es natürlich nicht weitergehen. Es kann ja nicht sein, dass das alles an Putin abperlt, all die Mühen des freien Westens. Es kann doch wohl nicht sein, dass Putin im eigenen Land 80 Prozent Zustimmung findet - jetzt noch mehr denn je - und dass die Russen auch noch bereit und willens sind, die Lage auszuhalten und patriotisch zu sein, anstatt endlich für die Werte des Westens auf die Straße zu gehen. Ja sind die denn krank?

Jetzt aber, nach diesem offensichtliche kremlgesteuerten Mord (daran können nur geisteskranke Verschwörungstheoretiker zweifeln), werden die Russen ganz bestimmt sehen, WER ihr Feind ist, und für welche Werte es sich wirklich zu kämpfen lohnt. Jetzt wird sich der unermüdliche Einsatz des Westens für Demokratie und Menschenrechte endlich bezahlt machen, so wie er sich in Afghanistan, im Irak, in Libyen, Syrien auch schon bezahlt gemacht hat.

Ich könnte echt nur kotzen, Leute. 
Vielleicht gibt es dennoch einen Funken Hoffnung, daß die durchgeknallten Träumer von einer »Zweiten Chance« für ein weltweit US-amerikanisches Imperium doch von der Realität der leeren Kassen und der flagranten Unfähigkeit ihrer Politruks eingeholt werden, bevor sie den Weltenbrand entfachen können. Wie wir wissen: »Die Hoffnung sitrbt zuletzt«, sagt der Russe ...

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P.S.: daß die Leute aber jedenfalls der Systempresse immer weniger Glauben schenken, ist aus den Leserkommentaren mit geradezu schmerzhafter Deutlichkeit zu erkennen. In der »Presse« schreibt bspw. ein Poster »Quo Vadis«:
Eine Meldung der ukrainischen oder westlichen Qualitätsmedien, dass man möglicherweise neben dem Ermordeten den Ausweis eines FSB-Mitarbeiters gefunden haben könnte, käme für mich wenig überraschend.
und:
Innerhalb von 24 Stunden haben in den USA drei Journalisten unter mysteriösen Umständen das Zeitliche gesegnet.

Wahrscheinlich hat ihr Tod absolut nichts damit zu tun, dass sie gemeinsam an einem investigativen Dokumentarfilm zu möglichen Verwicklungen der US- Regierung bei den Anschlägen von 9/11 gearbeitet haben.

Dass diese Nachricht nicht den Weg in unsere Medien gefunden hat, mag wohl daran liegen, dass sie keine Putin-Gegner waren.
Wäre ich Chefredakteur, würde ich mir angesichts solcher Kommentarer doch langsam Sorgen darüber zu machen beginnen, wann mir auch noch die letzten Abonnenten abhandenkommen ...

Cui bono?

False Flag? Russischer Oppositionspolitiker Nemzow erschossen 

Vier Schüsse treffen die russische Opposition ins Herz: Mitten in Moskau fällt ein prominenter Putin-Kritiker einem feigen Mordanschlag zum Opfer. Die Hintergründe sind unklar. Ermittler gehen von einem Auftragsmord aus. False Flag? Putin machte schon vor zwei Jahren entsprechende Andeutungen.

Das russische Innenministerium teilte mit, die Schüsse seien aus einem fahrenden Auto abgefeuert worden, als Nemzow des Nachts zu Fuß eine Brücke vor dem Präsidentensitz überquerte. Die Schüsse des zunächst unbekannten Täters sollen ihn in den Rücken getroffen haben.
Die Staatsanwaltschaft erklärte am Samstagmorgen, der noch nicht identifizierter Täter habe "mindestens sieben bis acht Mal auf Nemzow geschossen, als dieser über die Große Steinerne Brücke lief".
Die nächste Eskalationsstufe im »Krieg gegen Putin« (= Krieg um Rußlands billige Rohstoffe bzw. Krieg zur Erhaltung der Weltherrschaft der US-East-Coast) wird eingeläutet. Die Annahme, daß Putin hinter der Ermordung dieses sogenannten »Kreml-Kritikers« stehen könnte, ist angesichts seiner hohen Popularitätswerte und des — im Gegensatz zur veröffentlichten Meinungsmache des Westens — höchst mäßigen Ansehens, das der Ermordete in Rußland, genoß, so lächerlich, daß nicht einmal »DiePresse« darum herumkommt einzugestehen:
Solche Morde schaden dem Präsidenten

Russland steht unter Schock - wieder stirbt ein namhafter Kremlgegner. Der eiskalte Mord erinnert an die tödlichen Schüsse auf die regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja von 2006, die vor ihrer Wohnung starb. Alles deute auf einen Auftragsmord aus politischen Motiven hin, sagen die Ermittler. Es handle sich "hundertprozentig" um eine Provokation, meint Putins Sprecher Dmitri Peskow. Der Präsident verurteile den "brutalen Mord".
Wie stets bei solchen politischen Verbrechen in Russland richten sich rasch alle Augen auf den Kreml. Und wie fast immer ist der Machtapparat rasch dabei, jeden Verdacht zu zerstreuen. Die offizielle Lesart: Solche Morde schaden dem Präsidenten eher als das sie ihm politisch nützen. "Bei aller Achtung für das Andenken Boris Nemzows - in politischer Hinsicht hat er keine Bedrohung dargestellt (...) für die amtierende Führung Russlands und für Wladimir Putin", betont Peskow in einem Radiointerview.

Proteste gegen die "russische Aggression"

Der frühere Vize-Regierungschef hat sich zwar immer wieder mit scharfer Kritik an Putins Politik hervorgetan - vor allem zuletzt mit Protesten gegen die "russische Aggression" gegen die Ukraine. Doch die Anhängerschaft des früheren Reformers der 1990er-Jahre gilt als gering.
(Hier weiterlesen)
Nun, warten wir ab, wie »DiePresse« in ein, zwei Tagen darüber schreiben wird. Ob die alten CIA-Seilschaften in der Redaktion die inopportunen Erwägungen schnell abdrehen. Worauf fast Wetten angenommen werden können — außer den Moskauer Behörden gelingt eine so schnelle und eindeutige Klärung des Falles, daß diese Umpolungs-Strategie nicht greift.

Putin muß sich jedenfalls Sorgen machen! Denn wenn quasi vor seiner Haustüre jemand mit dem Ziel erschossen wird, um ihm zu schaden (denn daß der Mordanschlag auf einen recht unbedeutenden Oppositionspolitiker das Ziel hatte, die zahlenmäßig ganz unbedeutende pro-Washington-Opposition zu schwächen, ist völlig lächerlich), dann zeigt ihm das, daß inner- und/oder außerrussische Gegner seiner Regierung vor keinem Mittel zurückschrecken, das Land zu destabilisieren, um so einen Bürgerkrieg (aus dem sie siegreich hervorzugehen hoffen) in Gang zu bringen. Und in der westlichen Systempresse wird natürlich fleißig an einem Narrativ gestrickt, das einen »Kreml-Maidan« vorbereiten soll:
Viele Wegbegleiter von Nemzow sprachen mit zitternder Stimme von einem grossen Verlust für liberal denkende Menschen im grössten Land der Erde. Der Oppositionspolitiker Wladimir Ryschkow warnte vor einem «wachsenden Hass auf Andersdenkende» in der Gesellschaft. «Ich bin schockiert», sagte er. Kein Oppositioneller könne sich heute sicher fühlen in dem Land.
(Hier weiterlesen)
Vielleicht sollten »(spu/chk/sda)« vom schweizerischen Tages-Anzeiger zum Thema der Sicherheit von Regierungsgegnern einmal ein Interview mit Sharyl Attkisson führen — die könnte ihnen sicherlich interessante Details erzählen, wie von einer bestimmten derzeitigen Regierung unserer schönen Mutter Erde die Wahrheit verbogen, diverse false-flag-Aktionen lanciert, und jegliche Berichterstattung über diese Machenschaften unterdrückt und eingeschüchtert wird ...


Das Leuchtfeuer der Demokratie

...  ist, aus der Nähe betrachtet, von einem Scheiterhaufen schon längst nur graduell, nicht prinzipiell zu unterscheiden:
Stonewalled: My Fight for Truth Against the Forces of Obstruction, Intimidation, and Harassment 
in Obama's Washington By Sharyl Attkisson

In her best selling book, Stonewalled, former CBS News reporter Sharyl Attkisson spells out in riveting detail what conservatives have known for years about mainstream news reporting. Outlets such as CBS News fashion their coverage with an eye towards electing their preferred candidates. Nowadays that means favorable reporting on Barack Obama and his administration and negative stories for his critics.
Stonewalled opens with Attkisson's discovery that her personal computer, another computer that she used for work, and quite possibly the CBS News internal network had all been hacked. Attkisson's activities were being monitored by persons unknown. She brought in cyber security experts to analyze her hardware. They confirmed it: Her computers had been breached. But that wasn't the worst of the news. Since there are so few organizations capable of such a thorough a penetration, analysts suspected that the hackers most likely belonged to one of our government's three-letter agencies. The experts found more.
They're also worried about my home phone.  It's practically unusable now.  Often when I call home, it only rings once on the receiving end.  But on my end it keeps ringing, and then connects somewhere else.  Nobody's there.  Other times, it disconnects in the middle of calls.  There are clicks and buzzes.  My friends who call hear the strange noises and ask about them.  I get used to the routine of callers suggesting, half-jokingly, "Is your phone tapped?"
...
On top of that, my home alarm system has begun chirping a nightly warning that my phone line is having "trouble" of an unidentified nature.
An agency of the federal government was secretly monitoring Attkisson. The time was October, 2012, and Attkisson was digging into the September 11th terrorist attacks on the US consulate in Benghazi, Libya. Hackers were trying to find out what Attkisson knew and how she knew it
Benghazi had the Obama administration in cover up mode. Questions posed by reporters about the attack and the apparent lack of an administration response to it were deflected or dismissed by White House spokesmen as partisan witch-hunting. While some in the news media were satisfied with the White House version of events, Sharyl Attkisson was not, and because of it she got a close up look at the administration's methods for dealing with reporters who ask tough questions.
Kann uns, bitteschön, jemand erklären, worin diese US-Administration und ihre diversen Gestapo-Organisationen sich von irgendwelchen Gestapo-Organisationen irgendwelcher Diktatoren so großartig unterscheiden? Na, liebe Transatlantiker — hier ist doch eure große Chance! Ihr könnt uns doch sonst auch so wortreich darlegen, warum Putin ein pöhser Diktator ist, warum zeigt ihr nicht, warum die USA eine lupenreine Demokratie sind? Warum bloß ...

Freitag, 27. Februar 2015

Eine berechtigte Frage

... stellt Andrew P. Napolitano, ehemaliger Richter am Superior Court of New Jersey, und Autor einer Reihe von Büchern über die Verfassung der Vereinigten Staaten:

What if the government doesn’t like freedoms? 
What if the government is afraid we will 
exercise them?

Lesenswert!

»Der alte Mann und das Gold«

... übertitelte »DiePresse« Nikolaus Jilchs Nacherzählung aus Reuters, die sich mit den wenig systemkonformen An- und Einsichten eines knapp 89-jährigen ehemaligen Zentralbankers befaßt:
Er hat die US-Geldpolitik 18 Jahre lang bestimmt. Jetzt baut er auf Gold und prognostiziert ein „dickes Ende“ an den Börsen. Was ist mit Alan Greenspan los?

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Erst unter dem „Maestro“, der als Kind eigentlich Musiker werden wollte, sind die Notenbanker ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Erst seit seiner Amtszeit ist aus der Interpretation jeder Notenbanker-Silbe ein wahrer Volkssport geworden. Greenspan ist es auch, der die Ära des billigen Geldes eingeleitet hat – nach dem Platzen der Internetblase Anfang des Jahrtausends. Aber der Pensionist Greenspan redet ganz anders als der Fed-Chef Greenspan. Kurz gesagt: Alan Greenspan hält sich nicht mehr an das Narrativ, das von ihm selbst stammt.

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Noch erstaunlicher als seine Warnungen vor einer neuen Krise sind Greenspans Ansichten zum Thema Gold. Es ist kein Geheimnis, dass die Notenbanker der Fed eigentlich nicht gern über das Metall reden. Aber Greenspan? Der setzte sich Ende vergangenen Jahres vor ein Publikum voller Experten beim Council on Foreign Relations in Washington. Ein Thinktank, dessen Bedeutung für die US-Politik so gewaltig ist, dass er oft als „Schattenregierung“ bezeichnet wird.

Greenspan sorgte dort für großes Erstaunen als er erklärte, warum er höhere Goldpreise erwartet: „Gold ist eine Währung“, sagte Greenspan der sichtlich überraschten Moderatorin von der „Financial Times“. „Es ist noch immer die wichtigste Währung, an die keine andere Währung herankommt – inklusive des Dollars.“ Im selben Gespräch bezeichnete Greenspan die auf rund vier Billionen Dollar aufgeblähte Bilanzsumme der Fed als „Haufen aus Brennholz“. Ein Funke würde genügen, um die inflationären Kräfte zu entfachen, die mit der Ausweitung der Basisgeldmenge durch Quantitative Easing geschaffen wurden.
Einerseits ist es ja irgendwie tröstlich, daß selbst eine Systemzeitung wie »DiePresse« das Geflunker von unseren edlen »Währungshütern« als »Narrativ« bezeichnet, dem Ganzen also einen irgendwie fiktionalen Touch verleiht — andererseits ist zu bedenken, daß ein FED-Chef zwar ein einflußreicher Mann ist (oder im Moment: ein einflußreiches Mannweib), aber dennoch als Marionette an zwar nicht sichtbaren, doch umso wirksameren Schnüren hängt, die von anderen hinter der Szene gezogen werden.

Das ist keine pöhse Verschwörungstheorie, sondern einfach die Realität. Nein, es ist nicht die Großloge von England, der Oberste Rat des AASR in Washington, und schon gar nicht der Jesuitengeneral (oder Jesuitenpapst), nicht der Großrabbi von Jerusalem — sondern die aggregierte Finanzmacht der Groß- & Schattenbanken, die zwar einerseits vom FED-Chef beeinflußt wird, der aber andererseits in weiten Teilen nur Bleistift-Funktion für ihre Diktate hat. Sonst ist so ein FED-Chef nämlich schneller Geschichte als man glaubt.

Daß Alan Greespan jetzt, von der Last (wenngleich nicht vom Ruhebezug) seines Amtes befreit, wieder vernünftige Ansichten zu äußern wagt, spricht für ihn, für die Weisheit manchen Alters, und für seine Unerschrockenheit, mit der er, 89-jährig, sich wohl nicht mehr sehr vor einem überraschenden Ableben fürchtet.

Freilich gleicht er nach dem bekannten Ärztewitz über den Unterschied zwischen Chirurgen, Internisten und Anatomen schon jetzt einem der letzteren: er kann alles und weiß alles — nur leider zu spät ...