Freitag, 8. Mai 2015

Die deutsche Tragödie

Als Kaiser Wilhelm II in seinem Exil in Doorn am 7. September 1933 die folgende Prophezeiung aussprach:
Die Führer der nationalsozialistischen Republik unterscheiden sich von den bisherigen dadurch, daß sie noch radikaler sind als die Novembermänner [Anm.: die Männer des sozialistisch-republikanischen Umsturzes im November 1918], nur haben sie sich den Mantel Friedrichs des Großen umgehängt. Alles wird von den Leuten ja beseitigt: die Fürsten, der Adel, die Offiziere, die Stände, usw., aber das wird sich rächen, man wird die einzige Fahne, die sie noch übriggelassen haben, die mit dem Hakenkreuz, noch einmal verfluchen, und die Deutschen selber werden sie eines Tages verbrennen!
… da ahnte er wohl nicht, daß dieser Augenblick noch rund elfeinhalb Jahre in der Zukunft lag. Er wird damit weit früher gerechnet, und er wird es sich wohl eher als ein Aufbegehren des von seinen verbliebenen Eliten geleiteten Volkes gegen die Barbarei und Mißwirtschaft, gegen den Totalitarismus der Braunen gedacht haben — natürlich im Zeichen von Schwarz-Weiß-Rot! Und so gehofft haben, dadurch selbst wieder auf den Thron zu kommen.

Doch Umstürze sind keine deutsche Sache. Nicht einmal im Jahr 1989 war es in Wahrheit der »Druck der Straße«, der die vergleichsweise kleine DDR in die Knie zwang, sondern die faktische Pleite der großen Sowjetunion, die diese gegen ein paar tausend Tonnen Hilfgüter und ein paar Milliarden an Überbrückungskrediten die kriselnde DDR hinzugeben bereit machte. Nur transatlantische Folklore erzählt die Legende der tapfer-friedlich Kerzen und Transparente haltenden Montagsdemonstranten von Leipzig weiter …

Der Deutsche ist (sicher nicht erst seit, aber doch entscheidend mitgeprägt durch Luther) in einer Weise obrigkeitsfromm, daß andere Völker (und dazu zählen schon die Österreicher!) nur noch kopfschüttelnd danebenstehen und sich wundern. Man möchte — Lessings Worte über Klopstock paraphrasierend — ausrufen:
Wer wird noch eine Merkel achten?
Doch wird sie einer stürzen?  Nein!
Heute, am 8. Mai wird allerorts des »Sieges«, der »Befreiung« gedacht — und die, die gesiegt haben und zu befreien vorgaben, haben dazu auch ihre Berechtigung. Ob der (ebenso notwendigerweise existierende) Besiegte und Befreite, v.a. wenn sich diese »Befreiung« in Ostdeutschland als blutige Massenschlächterei (bei Männern), als Massenvergewaltigung (bei Frauen), jedenfalls aber als brutale Massendeportation erwies, in Mitteldeutschland als kaum verhüllte Kommunistendiktatur, in West- und Süddeutschland als in »demokratische« Formen verkleidete Satrapie der Westmächte entpuppte, daran ebenso sein Gefallen haben sollte, ist mehr als zweifelhaft. Und nur bei einer im Grunde völlig »a-nationalen« Nation wie der deutschen ist ein derart willfähriges, geradezu speichelleckerisches Mittun bei den Siegesfeiern der damaligen Kriegsgegner überhaupt denkbar. Oder könnte man sich vorstellen, daß seinerzeit ein Franzose bspw. bei einer »Sedan-Feier« zu Zeiten des Deutschen Kaiserreichs mitgemacht hätte — wo er doch immerhin der dortigen Gefangennahme Napoleons III zu verdanken hatte, daß dessen korruptes, dreivierteldiktatorisches Regime, dem wohl kaum ein Franzose nachweinte, zusammenbrach? Und Frankreich hatte nach seinem Besiegung in einem durch eigene Großmannssucht angezettelten Krieges ganz unvergleichlich geringere Einbußen (im Wesentlichen: das größtenteils deutschsprachige Elsaß-Lothringen sowie einen angemessenen Kriegskostenersatz) hinzunehmen als Deutschland nach dem 8. Mai 1945!

Doppelt kompliziert wird es, als Österreicher des 8. Mai 1945 zu gedenken: denn man muß kein opportunistischer Schlawiner sein, um festzustellen, daß Österreich wohl nicht ganz freiwillig ein Teil des Großdeutschen Reichs geworden war, daß seine Staatsorgane durch Gewaltandrohung (und teilweise auch -anwendung) zur Sanktionierung eines »Anschlusses« durch eine Volksabstimmung bewogen wurden, deren Ausgang bei freier Entscheidung zumindest zweifelhaft genannt werden muß. Österreich hat also, anders als das eigentliche Deutschland, einen anders legitimierten Grund, am 8. Mai zu feiern. Es war zwar zu diesem Zeitpunkt bereits »befreit« (und doch faktisch, bis auf die Deportationen, zunächst in einer ähnlichen Situation wie Deutschland selbst — siehe oben), aber der 8. Mai 1945 als Kapitulation Hitler-Deutschlands ist sicherlich etwas, was der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Österreichs notwendig vorausgehen mußte … doch »feiern«? Feiern die von einem dominanten Bruder erlösten Geschwister dessen Untergang, dessen Tod? Sind hier nicht Grenzen der Pietät zu wahren, die — bei allen üblichen Rangeleien und Eifersüchteleien zwischen eng verwandten Völkern — ohne die Gefahr eigener Verrohung nicht preisgegeben werden dürfen?

Österreich und die Deutschen — ein unendliches Thema voller Fallgruben und Mißverständnisse! Wir sind einander zu ähnlich, als daß sich zwischen uns ein wirklich harmonischer Wohlklang bilden könnte. Wie in der Musik bedarf ein als wohltönend empfundenes Intervall eines gewissen Abstandes; wenn dieser unterschritten ist, herrscht Dissonanz, oder gar eine nervtötende »Schwebung«. Und wir sind einander bei weitem zu unähnlich geworden im Lauf der Geschichte, um noch als Einklang vollkommen zu verschmelzen …

Die deutsche Tragödie ist nicht auf den Tag »8. Mai 1945« beschränkt — sie manifestiert sich bloß an ihm, und in der Weise seines Gedächtnisses. Sieger haben es einfach: sie trumpfen auf, sie sonnen sich im Glanz des Erfolgs, wie problematisch, wie blutig er errungen, wie unberechtigt er zugefallen sein mag. Der Verlierer kann seine Wunden lecken — nicht einmal das, wenn es ihm, barbarischerweise, verboten wird — doch wird es nicht tun, wenn er sich aufgab, und dafür die Geschichtsklitterungen der Siegergeschichtsschreibung bereitwillig rezipiert. Was in der Geschichte freilich kaum jemals vorkam — mit einer bedeutsamen Ausnahme eben: Deutschland. Andere Völker wurden ausgerottet, ihre Reste verschwanden im Dunkel der Folgezeit. Wer findet noch die Spuren des griechischen Anatoliens nach der Vernichtung durch die Seldschuken und der ihnen folgenden Osmanen? Ruinen sind alles, was blieb (wenn sie blieben)! Sie verschwanden nach ihrer Vernichtung — aber sie »verhausschweinten« nicht (um eine geniale Begriffsprägung von Konrad Lorenz anzuwenden) wie die meisten Deutschen.

Wann begann die deutsche Tragödie? 1945? 1939? 1933? 1918? 1914? Jede dieser Jahreszahlen hätte berechtigten Anspruch darauf, genannt zu werden. Eigentlich ist davon ausgenommen nur die Periode von 1871 bis ... ja, bis wann eigentlich? Bis zum Ende der Kanzlerschaft Bismarcks? Nun, das wäre wohl zu viel des »Bismarckismus'«! Es waren wohl noch einige Jahre mehr, wenngleich durch die Eskapaden Wilhelms II zunehmend in ihrer Stabilität bedroht. Ein gewiegter Diplomat wie Fürst Bülow verstand manches auszugleichen — doch sein glückloser Nachfolger stolperte in den erkennbaren Beginn der Tragödie, in den Ersten Weltkrieg. Aber war es eine einseitig von Deutschland zu verantwortende Tragödie? Die Siegergeschichtsschreibung, bereits nach dem ersten dieser beiden Weltkriege, versuchte das für immer festzuschreiben. In Versailles wurde die Kriegsschuldlüge zulasten Deutschlands dreist behauptet und in Vertragsdiktaten niedergeschrieben. Papier ist geduldig ... — doch antwortete schon in den 1920er-Jahren eine geistvolle britische Aristokratin bei einem Dinner auf die Frage, wo denn »dieser Hitler« eigentlich geboren wurde, treffend mit: »In Versailles!«

Der Österreicher (dem jetzt natürlich von den Deutschen sofort der Vorwurf gemacht wird, Hitler sei doch ein Österreicher gewesen, und nur die Verlogenheit des Österreicher hätte ihn zum Deutschen, dafür aber einen Beethoven zum Österreicher gestempelt), der Österreicher also tut sich insofern leichter in diesen Fragen, denn er ist seit Jahrhunderten ein »ens sui generis« — unvergleichbar allen Nationen. Denn Österreich war (und ist, was immer jetzt gegenteilig behauptet werden mag!) keine »Nation«. Es war durch Jahrhunderte das Konglomerat unterschiedlicher Länder, vereint unter einer Dynastie, und wenn es in Österreich so etwas wie einen »Nationalismus« gab, dann war er immer zerstörerisch für den Gesamtbestand, weil er stets nur einen Teil, nie jedoch das Ganze betreffen konnte. Wer »Österreich« sagte, sagte etwas Über-Nationales. Meinte »Schwarz-Gelb«, mit christlich-katholischer Konnotation oder (im Fall der Juden, die in der Habsburger-Monarchie zahlreich waren) ohne diese: Franz Theodor Czokor bringt es in dem (später großartig verfimten) Drama »3. November 1918« ergreifend zum Ausdruck, indem er einzig den jüdischen Regimentsarzt seinem toten — die untergegangene Doppelmonarchie verkörpernden — Regimentskommandanten, Oberst von Radosin, nachdenklich zögernd »Erde aus Österreich« ins Grab nachwerfen läßt, die alle anderen Offiziere bereits als symbolische »Erde aus Ungarn, Erde aus Polen, Erde aus Kärnten, slowenische Erde, tschechische Erde, italienische Erde« benannten.

Die »Deutsch-Österreicher«, soweit sie nicht »klerikal« und/oder »schwarz-gelb« waren, waren allesamt »Großdeutsche«, die sich in ihrem Traum eines von einem Hohenzollern-Kaiser, oder einem bürgerlich-nationalliberalen bzw. einem sozialdemokratischen Reichspräsidenten zu Berlin als »Deutsche« empfanden — als »Österreicher« bestenfalls so, wie die Bayern als Bayern (obwohl ein »Österreich-Bewußtsein« zwischen Vorarlberg und Niederösterreich nur einen kleinen gemeinsamen Nenner hatte ...).

Österreich war freilich schon lange Jahrhunderte nicht mehr »Deutschland«. Es war Teil der »Erblande« (die freilich weite Gebiete jenseits der Grenzen des »Heiligen Römischen Reichs«, etwa Ungarn, Kroatien oder Mailand) umspannte, und als solche en bloc von dem, was man »das Reich« nannte, in dem Österreich freilich immer weniger zu melden hatte, unterschied. Es gab daher einen »erbländischen Hofrat« und einen »Reichshofrat« usw. ... doch: »Was hat das alles mit der deutschen Tragödie zu tun?« wird jetzt der Leser fragen. Nichts — und doch viel!

Das Bismarck'sche Deutsche Kaiserreich von 1871 war eine geniale Schöpfung eines preußischen Staatsmannes von großen Format — aber es war eine Schöpfung, etwas »Gemachtes«, wenn man so will, nicht etwas »Gewachsenes«. Und es erwies sich in der Hand eines weniger zurückhaltenden, weniger ehrenfesten Monarchen und seiner geringerformatigen Reichskanzler als ungleichgewichtig. Zu dominant war der Einfluß Preußens, nur durch Höflichkeitsfloskeln à la »die verbündeten Regierungen« kaschiert, das in seiner Eigenstaatlichkeit zwar in vielen Belangen im Reich »aufging«, aber ebenso in vielen Belangen hinter diesem herhinkte — so z.B. im petrefakten Drei-Klassen-Wahlrecht. Durch die fast durchgängige Personalunion von preußischem Ministerpräsidenten und Reichskanzler, der in Preußen einem Regierungskollegium vorsaß, dem ein großteils hochkonservativer Landtag gegenüberstand, im Reich dagegen faktisch der alleinige Minister mit Leitungskompetenz war (die Reichsämter wurden von bloßen Staatssekretären als — mehr oder weniger — Untergebenen des Kanzlers geführt), sich dort aber einem bunten Parteiengemisch von Sozialdemokraten, Links- und Rechtsliberalen, klerikal-katholischem Zentrum und diversen zersplitterten Konservativen konfrontiert sah, war es die sprichwörtliche Quadratur des Zirkels, garniert mit dem Problem, auch noch die Eifersüchteleien der übrigen »verbündeten Regierungen« im Bundesrat auszutarieren. Daß so ein System immerhin fast ein halbes Jahrhundert Bestand haben konnte (und mehr als vier Jahrzehnte davon in weitgehendem Frieden), grenzt fast an ein Wunder.

Dennoch: auch Bismarcks Reich war bloß Rudiment — und der Eiserne Kanzler zu sehr Preuße, als daß ihn das wesentlich gestört hätte. Österreich war in seiner Sicht der untergeordnete Verbündete, der für den Fall einer Konfrontation mit dem Westen oder Osten wenigstens die Südflanke freihalten sollte. Ansonsten war Bismarck froh, einen störenden — weil zwar ehrwürdigen, doch unbotmäßigen — Konkurrenten Preußens aus der Innenpolitik des Reichs ausgeschaltet zu haben. Diese gewünschte »Nordung« des Reichs gab den Ton an — einen Ton freilich, der nicht allen Ohren lieblich klang! Zu forsch, zu avanciert war die Marschmelodie, nach der das frisch gegründete Reich an die Weltspitze, an »seinen Platz an der Sonne« marschierte.

Daß die eifersüchtigen Konkurrenten — v.a. das britische Weltreich, das seine Handelsinteressen gern weiterhin monopolisiert hätte, und Frankreich, das stets an die Revanche dachte — den Parvenü unter den Großmächten mit scheelen Augen betrachteten, verwundert wenig. Daß Wilhelm II unter Beihilfe wenig geeigneter Reichskanzler das höchst fragile Freundschaftsverhältnis zu Rußland verdarb (und so das zaristische Autokratenregime in die Arme des republikanischen Frankreich trieb!), war sicher die erste, aber entscheidene Brechstange, mit der das ausgefuchste Koalitionskonstrukt, das Bismarck rund um das Deutsche Reich aufgebaut hatte, niedergerissen werden sollte.

Hier ist freilich weniger eine »Schuld« von Reichskanzlern zu konstatieren — sondern ... ein Fehler! Und darauf zu verweisen, daß ein Fehler oft weit schlimmer sein kann als selbst ein Verbrechen, wie ein zynisches Diktum lautet. Die Verbrechen, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs geführt haben, wurden fürwahr nicht vom Deutschen Reich begangen! Die hatten schon die Serben (und ihre panslawistischen Freunde in Rußland) zu verantworten. Die hatten die Engländer und Franzosen, die mit Belgien (gegen dessen von allen Mächten verbürgte Neutralität!) ihre Geheimabkommen unterhielten, zu verantworten (die einen Schlieffen-Plan erst erforderlich machten) — denn an der kurzen, durch beiderseitige Befestigungen gesicherten Grenze zwischen Deutschland und Frankreich wäre jeder Krieg sofort zum Stillstand gekommen. Die wurden von vertragsbrüchigen, geschickt die Seiten wechselnden Italienern und von bedenkenlosen Russen, die ihre inneren Probleme in einem Blutmeer eines Völkerkrieges ersäufen wollten, begangen — und nur in höchst untergeordnetem Maße von den Mittelmächten.

Und dennoch: aus diesem, von Deutschland schließlich verlorenen Krieg wuchs die giftige Frucht des Nationalsozialismus hoch, der sein Volk, seine Nation in die noch viel vernichtendere Niederlage von 1945 führen sollte.

War nun jener 8. Mai 1945, wie man uns heute glauben machen will, wirklich der »Tag der Befreiung« für Deutschland? Sofern man damit ausschließlich (sic!) eine »Befreiung vom Nationalsozialismus« meint — ja. Doch die Art, in der diese »Befreiung« vollzogen wurde (und bis heute nachwirkt), hinterläßt einen mehr als schalen Nachgeschmack im Mund! Es ist so, wie wenn man im Krankenhaus eine »erfolgreiche Operation« feiern wollte, nachdem einem Patienten zwar ein gefährlicher Tumor entfernt, er aber dafür am Operationstisch mit tödlichen Viren verseucht worden wäre. Und solche Viren — deren Existenz man uns stets beschönigend verschweigen möchte — gab und gibt es zuhauf! Allein das, was jetzt in der willfährigen Zuarbeit des BND zu den Geheimdiensten der USA langsam zu Tage tritt (und in den mehr als lauen Reaktionen der Politiker auf diesen Skandal!), zeigt deutlich, daß das Virus des Verrates zu Lasten deutscher Interessen offenbar längst den ganzen Staatskörper durchseucht hat.

»Tag der Befreiung« — wozu befreit? Zur unterwürfigen Satrapie Washingstons? So wie die DDR, die von der UdSSR nach Strich und Faden geplündert wurde, eine »enge Waffenbrüderschaft mit den Armeen der Sowjetunion und anderer sozialistischer Staaten« in ihrer Verfassung festgeschrieben bekam — nur in Fall der BRD eben mit einer nach Westen geneigten Devotionsbücke?

Befreit zur »Reeducation«. Befreit zu Lizenzzeitungen. Befreit zum Besatzungsstatut. Befreit dazu, sich ein »Grundgesetz« zu geben, das bis heute von Vorbehaltsprivilegien der (West-)Alliierten eingeschränkt wird. Befreit dazu, der ewige Zahlmeister Europas zu sein — und (nach einem geheimen Übereinkommen zwischen den USA und Stalins UdSSR) auch das Schlachtfeld, auf dem ein allfällig entbrennender Atomkrieg entschieden werden sollte.

Es bleibe dahingestellt, ob die charakteriliche Niedrigkeit, die in den Akteuren seit 1945 unübersehbar zutage tritt, nicht auch einen deutlichen Zug ins Komische verrät — die »deutsche Tragödie« demnach besser als »deutsche Tragikomödie« zu bezeichnen wäre. Die platt-komische Theatralik, mit der uns von unseren Meinungseliten ins Hirn gebrannt werden will, daß mit dem 8. Mai 1945 der Umschwung, wenn schon nicht zu einer guten, so doch zu einer besseren Welt eingetreten wäre, wäre auch ein Indiz dafür. Doch verdorrt einem dieser Begriff wohl als allzu zynisch im Munde, wenn man bedenkt, mit welchen Greueltaten die (angebliche) »Katharsis« erkauft wurde. Wer das Verhalten dieser »Befreier« betrachtet, fühlt sich fatal an Psalm 13 erinnert:

»Non est qui faciat bonum, non est usque ad unum ...«

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Der Österreicher (dem jetzt natürlich von den Deutschen sofort der Vorwurf gemacht wird, Hitler sei doch ein Österreicher gewesen, und nur die Verlogenheit des Österreicher hätte ihn zum Deutschen, dafür aber einen Beethoven zum Österreicher gestempelt),..."

Stimmt, Hitler war Österreicher. Und er hat Österreich, insbesondere die k&k-Monarchie, inbrünstig gehasst. Was nun wieder für die alte Monarchie spricht.

Abgesehen davon: in Österreich hat Hitler es gerade einmal zum erfolglosen Maler gebracht (zeitweise sogar in einem Obdachlosenasyl wohnhaft). Von den Deutschen dagegen wurde er zum Führer gemacht. Dass die Piefkes immer so übertreiben müssen! ;)

FritzLiberal

Anonym hat gesagt…

Wie schon mehrmals geschrieben, so auch heute: Danke für diesen Artikel!

Tom Jericho

Imrahil hat gesagt…

Daß es heute noch ein Vorbehaltsrecht der Alliierten, nochdazu im Grundgesetz, gäbe, ist aber ein Gerücht und zwar ein falsches.

Le Penseur hat gesagt…

Cher Imrahil,

lesen Sie doch einfach hier nach.

Wenn die wikipedia dazu schreibt:

Foschepoths Interpretation der Rechtslage ist nicht unumstritten. Peter Schaar stellte beispielsweise fest, die Vereinbarungen zum G10-Gesetz seien „offenbar bei allen Beteiligten in Vergessenheit“ geraten, ihre Entdeckung habe bei zuständigen Behörden „Verwunderung ausgelöst“. Sowohl die US-Regierung wie die Bundesregierung erklärten auf Anfrage, seit 1990 sei von den darin enthaltenen Befugnissen kein Gebrauch mehr gemacht worden. 2013 wurden die Verwaltungsvereinbarung von der Bundesregierung im Einvernehmen mit den USA, Großbritannien und Frankreich auch offiziell außer Kraft gesetzt.

... dann ist das sicherlich völlig korrekt, bis auf die Lüge, seit 1990 sei von den Befugnissen kein Gebrauch gemacht worden. Wie's wirklich war, erleben wir ja gerade hautnah im BND-NSA-Skandal.

Das andere stimmt natürlich — auf eine etwas zynisch interpretierte Weise: ich kann mir schon vorstellen, daß dieser Skandal „offenbar bei allen Beteiligten in Vergessenheit“ geraten ist (oder doch wenigstens geraten sollte!), ich kann mir auch vorstellen, daß es „Verwunderung ausgelöst“ hat, wenn ein Zeitgeschichtler nicht schön brav die kanonisierte Siegergeschichtsklitterung nachbetet. Und daß das Ganze 2013 „offiziell außer Kraft gesetzt“, glaube ich diesen Staatsverbrechern auch aufs Wort. Inoffiziell freilich sieht es anders aus. Nämlich: so.