Donnerstag, 7. Mai 2015

Serge Boret Bokwango, Mitglied der Ständigen Vertretung des Kongo

... bei den Vereinten Nationen in Genf (UNOG), veröffentlichte gestern einen offenen Brief, der letzte Nacht auf der italienischen Nachrichten-Website Julienews veröffentlicht wurde und in dem er sich unverblümt über die in Süditalien aufhältigen »Immigranten« äußert, die über die Insel Lampedusa hereinkommen und deren Zahl ständig zunimmt.

»Süditalien«, so schreibt er, »erhält nicht nur den Müll aus dem Norden, sondern auch solche aus Afrika (nämlich die afrikanischen "Immigranten", die hier als Krämer und Bettler auf den Straßen auftreten).«

»Die Afrikaner, die ich manchmal in Italien sehe«, führt der kongolesischen Diplomat fort, »verkaufen alles und jedes und prostituieren sich, sie sind der Abschaum Afrikas. Diese Leute, die als Krämer an den Stränden auftreten und in den Straßen der Städte herumlungern, sind in keiner Weise repräsentativ für die Afrikaner in Afrika, die für den Wiederaufbau und die Entwicklung ihrer Heimatländer kämpfen. Angesichts dieser Tatsache frage ich mich, warum Italien und andere europäischen Länder sowie die arabischen Staaten es zulassen und tolerieren, dass solche Personen sich auf ihrem nationalen Territorium aufhalten.«

Bokwango abschließend: »Ich empfinde ein starkes Gefühl von Scham und Wut gegenüber diesen afrikanischen "Immigranten", die sich wie Ratten aufführen, welche die Städte befallen. Ich empfinde aber auch Scham und Wut gegenüber den afrikanischen Regierungen, die den Massenexodus ihres Abfalls nach Italien, Europa und Arabien auch noch unterstützen.'«

»Müll« , »Ratten«, »Abfall«, »nicht auf ihrem nationalen Territorium tolerieren« … Man stelle sich die Reaktion vor, wenn ein italienischer Politiker solche Äußerungen gebraucht hätte! Oder etwa gar ein französischer Politiker – nein, Sie haben recht, das wäre unvorstellbar.


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P.S.: Die Quelle dieser Übersetzung war hier zu finden:
http://fr.novopress.info/86095/le-representant-congolais-a-l%E2%80%99onug-%C2%AB-les-immigres-africains-en-italie-sont-les-ordures-de-l%E2%80%99afrique-%C2%BB/

Mittlerweile heißt es da: »La page que vous cherchez n'existe pas ou plus. Peut-être que celle-ci a été déplacée.« 

Na, etwas deplaziert halt — kann doch vorkommen! Man kann sich ja denken, warum ...

Kommentare:

SF-Leser hat gesagt…

Werter Penseur,

gestern veröffentlicht??

Laut meiner Google Suche ist der Brief am 08.06.2011 (!) veröffentlicht worden.

Jetzt erst irgendwo wieder aufgepoppt??

Grüße

Le Penseur hat gesagt…

Cher SF-Leser,

genau deshalb habe ich ja meine (übersetzte) Quelle (unter Verweis auf das — wenigstens für mich — nicht mehr zugängliche Original) angeführt.

Natürlich ist der Brief »alt« — aber hat er auch nur ein Gran an Aktualität verloren?

SF-Leser hat gesagt…

Werter Penseur,

ich verstehe natürlich was der Diplomat mit seinen Bemerkungen u.a. mit "Abfall" ausdrücken wollte, sehe aber gerade dies schon ein wenig anders.
Ich erlaube mir dazu mal wieder ein paar erläuternde Bemerkungen in den kommenden Tagen zusammenzustellen.

Grüße

SF- Leser

Anonym hat gesagt…

alle raus - alle

Colonel Kurtz hat gesagt…

Dieser Herr ist kein Diplomat!
Hier die Antwort, welche ich auf Anfrage von der Vertretung des Kongo bei der UN bekommen habe:

Dear Mr. Junge
In few words, let me answer to your question . This person doesn't have any diplomatic or governmental status in our Embassy. He is a local employee. He never received any authorization to speak on behalf of the Mission or the government of Congo.
So, the republic of the congo is not responsible on this speech or other declaration made by him. The person or institutions who invite him should know in which quality he made this declaration.
I will never again answer on this matter.
Yours Sincerely,

Ambassador
Permanent representative
of Congo to the UNOG

Le Penseur hat gesagt…

Cher M. le Colonel,

In dem »Commission on Human Rights: Report on the Sixty-second Session (13-27 March 2006)« wird M. Boret Bokwango explizit als Mitglied (»Member«) der Delegation des Kongo namentlich angeführt (nachzulesen im Anhang auf Seite 12). Ob dies im Augenblick der Veröffentlchung seines Offenen Briefs, also am 8. Juni 2011 noch der Fall war, entzieht sich meiner Kenntnis, und wurde von mir auch nicht behauptet.

In dieser UN-Publikation (»International Conference On Learning To Live Together«, 2005) wird er im anhang der Teilnehmer (aus Seite 220) sogar explizit als »Attaché chargé du Protocole Mission Permanente du Congo á Genéve« (sic! Wie man am falschen accent aigu bei »à« und »Genève« sieht, ist das Französische als Diplomatensprache auch nicht mehr das, was es einmal war ...) bezeichnet. Er war also (zumindest 2005) eindeutig im Diplomatenstatus!

Nun wurde von mir nicht behauptet, M. Bokwango wäre 2011 autorisiert gewesen, »für die UN-Mission oder die Regierung des Kongo zu sprechen« — und daß er dies getan hätte, läßt sich aus dem Text eigentlich denkmöglich nicht herauslesen.

Seine Exzellenz geruhen daher Fragen zu beantworten, die vielleicht Gegenstand Ihres, M. le Colonel, Briefes waren — aber keineswegs solche meines Artikels, der außerdem, wie Ihrer Aufmerksamkeit sicherlich nicht entgangen ist, nur ein übersetztes Zitat (mit Quellenangabe, wenngleich inzwischen leider nicht mehr aufrufbar) war.

Veuillez croire, Monsieur, à l'assurance de ma considération distinguée

LePenseur