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Dienstag, 16. Juni 2026

Praesente medico nihil nocet?

von Manfred Müller
 
 
Und wieder ein altes Sprichwort, das man getrost kübeln kann, wenn man den folgenden Artikel über die Verwendung von KI in kanadischen Arztpraxen gelesen hat:
KI-Schreibsysteme in Arztpraxen halluzinieren
von Thomas Oysmüller

Ein Bericht des Rechnungsprüfers in Ontario, Kanada deckt gravierende Mängel bei KI-Notiztools in Arztpraxen auf: Die Schreibsysteme halluzinieren massiv, verschreiben falsche Medikamente, erfinden Krankheiten und übersehen Details.

KI-Programm soll den Ärzten die Dokumentation abnehmen. Das funktioniert allerdings alles andere als zuverlässig, wie ein im Mai veröffentlichter Sonderbericht des Auditor General of Ontario berichtet. Das Ergebnis ist dramatisch. Die sogenannten AI-Scribe-Systeme erfinden Informationen, schreiben falsche Medikamente vor und übersehen wichtige Details.
Die Vorstellung, GenZ-Ärzten und (vor allem!) GenZ-Ärztinnen*) ausgeliefert zu sein, ist schon erschreckend genug. Jetzt noch eine halluzinierende KI, die falsche Medikamente verschreibt und Diagnosen frei erfindet ...
 
Da fällt mir ein anderes latenisches Sprichwort zu Ärzten ein: "Medicus curat, natura sanat", also: "Der Arzt behandelt, die Natur heilt". Von Ärzten und Natur ist die Rede. Nicht von gehypter Computer-Plapperei, die als "künstliche Intelligenz" fehlbezeichnet wird. Und nur Deckmantel für Kosteneinsparung auf Kosten des fehlbehandelten Patienten ist!
 
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*) die ihre Studienzulassung mit weniger Punkten im Aufnahmeverfahen erhielten als ihre männlichen Mitbewerber, weil "Frauenförderung" doch so wichtig ist und bei denen daher eine geringere Punktezahl doch reichen muss! Die falsche Diagnose wegen geringerer Intelligenz wird doch völlig durch die höhere "sozialen Kompetenz" ausgeglichen, nicht wahr?

Freitag, 20. August 2021

Auf dem Weg in die Barbarei

 
... befindet sich unsere Gesellschaft schon länger. Aber seit der hemmungslosen Panikmache um eine aktuelle, im Regelfall recht harmlos verlaufende Virenerkrankung und dem ebenso hemmungslosen Aktionismus, mit dem sie »bekämpft« und »ausgerottet« werden soll, wird der Weg zunehmend im Schnellzugstempo zurückgelegt. Grundrechte? Ach was! Nörgeln Sie doch nicht rum und denken Sie nicht quer! Verstanden?!

Dazu ein — wie bei diesem Autor eigentlich stets — qualitätvoller und höchst beklemmender Artikel von Kollegen Llarian in Zettels Raum:
Auf dem Weg in die Barbarei. Ein Gedankensplitter. 

Eine Unterart der in Australien beheimateten Kängurus sind die sogenannten Quokkas, Kurzschwanzkängurus, die so um die 60 cm groß werden. Eine auffällige und weniger attraktive Eigenschaft der Quokkas, die ansonsten recht possierlich wirken, ist ihre Bereitschaft den eigenen Nachwuchs zu opfern, wenn es opportun erscheint, bzw. wenn die Tiere sich bedroht fühlen. Die Kängurumutter wirft in diesem Fall das Jungtier aus dem Beutel und verdrückt sich, in der Hoffnung das der potentielle Räuber sich vom Jungtier ablenken lässt und sie selbst somit entkommen kann. Evolutionär ein scheinbar erfolgreiches Verhalten, wenn auch nicht unbedingt kompatibel zu menschlichen Ethik-Vorstellungen.

Heute kann man zurecht feststellen: Die deutsche Gesellschaft hat das moralische Verhalten von Quokkas erfolgreich übernommen und steht somit auf einer neuen ethi-schen Stufe.
Ärzte, die ohne Bedenken ihr Ethos der Politik opfern, gab es natürlich immer schon. Vor 1945, beispielsweise. Und danach in der DDR (und überhaupt im Ostblock). Die konnten sich —  manchmal sogar mit Recht und bisweilen erfolgreich — herausreden, daß sie durch das totalitäre Regime geradezu gezwungen gewesen seien, so zu handeln. Einigen hat das das freilich in Nürnberg auch nicht genützt ...
 
... à propos Nürnberg: im vorstehend verlinkten Wikipedia-Artikel steht ein Satz, bei dem man nicht weiß, ob man heute darüber höhnisch lachen oder laut zu weinen anfangen soll:
Im Nürnberger Kodex wurde der Rahmen für zukünftige medizinische (und psycho-logische) Menschenversuche festgelegt, der auch heute noch Gültigkeit besitzt. 
Seit der Entscheidung der STIKO wird man jedenfalls das »der auch heute noch Gültigkeit besitzt« neu formulieren müssen ...