Donnerstag, 18. Juni 2026

Eine weltpolitische Betrachtung der besonderen Art

von Helmut
 
 
Es geht um dieses Interview mit Michael Schulenburg:

Es lohnt sich wirklich, sich das mal reinzuziehen, auch, wenn es eine Stunde lang geht. Der Mann spricht generell die weltpolitische Lage an, die man nicht nur als zerfahren, sondern in manchen Bereichen auch als desaströs bezeichnen kann. Wie ich das sehe, ist dieses Interview ungefähr zwei Monate alt.

Schulenburg wurde hier im Gelben schon öfters mit Aussagen und Bewertungen zitiert, aber dieses Interview trifft schonungslos den berühmten Nagel auf den Kopf. Als ich mir das angesehen habe, haben mich zwei Gefühle beschäftigt, die gegensätzlicher nicht sein könnten:

  • Betroffenheit, in welcher Welt wir leben
  • Hoffnung, weil es noch Leute im EU-Parlament gibt, die sich den Sinn für die Realität bewahrt haben.

Um ehrlich zu sein, ich weiß im Moment nicht, was da bei mir überwiegt. Deshalb frage ich mich, wohin das Ganze führen wird. Sicher liegt es daran, dass ich mich im sog. "fortgeschrittenen Alter" befinde. Mit knapp 75 denkt man anders als ein 25-Jähriger. Das Fatale an der Sache ist, dass man als 25-Jähriger wesentlich sorgloser denkt, als die 90-Jährigen, die noch den Krieg bewusst als Kinder miterlebt haben.

Ich vermute, dass genau das ein erheblicher Grund dafür ist, wie die Politik heute gemacht wird. Nenn mir mal einen Jüngeren, egal ob Teenie oder 30-jähriger, der sich mit dem 95-Jährigen Opa darüber unterhält, wie das damals im Krieg war, was er damals empfunden hat. Die Jüngeren glauben das doch gar nicht, was dort damals war.Ich hatte das Glück, noch die Erlebnisgeneration zur Hand zu haben, die bereits war, mir auf meine Fragen als damals 16-jährigen Auskunft zu geben. Und das Glück, dass ich mich dafür auch in meinem jugendlichen Alter interessiert habe.

Wenn ich mir den Kommentar des Luftwaffenchefs Neumann anhöre, - "Deutschland ist bereit, heute nacht gegen Russland zu kämpfen", - dann wirds mir übel. Dieser Bubi weiß doch gar nicht, was Krieg überhaupt ist, der glaubt noch daran, das es sich um Sandkastenspiele oder um Cyberkrieg handelt.

Zu vieles geht mir dabei durch den Kopf, ich kapiere nicht, wie vernünftige Menschen derartige Über-legungen, wie ich sie anstelle, als unsinnige Angstmacherei abtun, und sich darüber noch lustig machen.

Die Entschuldigung, dass diese Menschen heutzutage nicht wissen, was Krieg bedeutet, zieht bei mir nicht, weil jeder hätte die Möglichkeit dazu, sich darüber zu informieren. Aber zuviele verlassen sich darauf, dass "es schon gut gehen wird, so wie die letzten Jahrzehnte". Aber dazu habe ich meine persönlichen Erinnerungen, mit den alten Leuten, mit denen ich damals in den 60er Jahren gesprochen habe.

Sie dachten genauso, und wenn dann in den 70ern und 80ern die Jüngeren sie vorwurfsvoll gefragt haben, warum sie denn das alles zugelassen haben, warum sie geschwiegen haben, dann lenkten sie vom Thema ab, weil sie schon genau wussten, was damals war, und sich für ihre passive Haltung damals heute schämen.

Genauso wird es wieder kommen, und diejenigen, die heute im Berufsleben stehen, werden sich später wieder von den Jüngeren fragen lassen müssen, warum sie geschwiegen haben. Obwohl jeder kritsch denkende Mensch bereits den fundamentalen Unterschied zwischen den 70er Jahren und den aktuellen 20er Jahren beurteilen könnte. Aber den Kopf in den Sand zu stecken, das ist bequemer.

Ich verstehe dann allerdings nicht, warum diese Leute, die derart sorglos denken, dann noch Kinder in die Welt setzen. Gibt es denn überhaupt keine Verantwortung mehr für die nachfolgende Generation?

 

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