Dienstag, 2. Juni 2026

Hakon Børresen

von LePenseur
 
 
Ja, ich weiß: wieder so ein Komponist, den kein Schwein kennt! Nun lesen erfahrungsgemäß Schweine eher selten diesen Blog, also ersuche ich die geneigten Leser, sich auch ein bisserl mit diesem m.E. bedeutenden Komponisten Dänemarks auseinanderzusetzen.
 
Heute vor 150 Jahren erblickte besagter Hakon Børresen in Kopenhagen das Licht de Welt und Wikipedia bringt eine kurze Biographie:
Børresen entstammte einer Kaufmannsfamilie und erhielt in seiner Jugend Klavier-, Violin-, Violoncello- und Musiktheorieunterricht. Auf seinen Wunsch hin, Komponist zu werden, verlangte sein Vater ein Urteil von kompetenter Seite, weshalb Børresen 1895 Johan Svendsen seine Aufwartung machte. Dieser zeigte sich überzeugt von Børresens Talent. Es folgten Privatstunden, die 1901 mit der Uraufführung von Børresens erster Symphonie endeten. Für dieses Werk erhielt der junge Komponist das Anckersche Legat. Das folgende Jahr verbrachte er in Deutschland, Frankreich und Belgien, wo er mannigfaltige Beziehungen knüpfte. Ab 1902 lebte Børresen freischaffend in Kopenhagen und Skagen, wo er eine Zweitwohnung besaß. Besonders verdient machte er sich als Organisator von Musikfesten und als Vorsitzender des Dänischen Komponistenverbandes, ein Amt, das er von 1924 bis 1949 innehatte. Außerdem beteiligte er sich 1935 an der Gründung des Dänischen Musikrats und wurde dessen erster Vorsitzender. Børresen starb als eine der geachtetsten Persönlichkeiten des dänischen Musiklebens. 
Was hier nicht erwähnt wird: Børresen war in gewissem Sinne der Vater der dänischen Oper, denn in seiner Oper "Der Königliche Gast" (1919) bewies er, daß die, sagen wir: nicht eben einfache und klangschöne dänische Sprache als Idiom für Operngesang durchaus geeignet ist:
 
 
Es gab früher auf Youtube ein (in schwarz/weiß und mäßiger Klangqualität, aber mit hervorragender Regie und Schauspielleistung der Sänger) Video aus den 1960er-Jahren, die offenbar gelöscht wurde ... wenn sie jemand zufällig entdeckt: unbedingt ansehen! Auch wenn man kein Wort Dänisch versteht, das Schauspiel macht die Handlung verständlich, die unter dem obigen Video etwas verkürzend so beschrieben wird:
The story plays out an evening in a doctor's home on the Jutland peninsula around 1900. Dr. Høyer and his wife are expecting guests for a dress ball. However, all the guests decline at the last moment, and Dr. Høyer is irritated, but slightly relieved. Instead, the family receives a surprise visitor, the unknown gentleman Prince Carnival, who acts in a free and easy manner, playing the piano, talking with Dr. Hoyer's wife, and suggesting to the couple to carry on with the party.
Naja, stimmt irgendwie, aber geht am Wesentlichen vorbei: beim "Aufblühen" einer etwas eingeschlafenen ehelichen Beziehung in der Ärztefamilie durch die ganz überraschende, wunderbare Begegnung mit diesem geheimnisvollen, zauberkundigen "Prinz Karneval", die mit viel Takt und Humor geschildert und sprühend in Musik umgesetzt wird.
 
Eine zweite Oper, "Kaddara", die in Grönland spielt, ist auf Youtube leider nur als Wiedergabeliste in 44 Kurzvideos zerschnipselt anhörbar (bzw. wegen der ständigen Werbeclips eher un-anhörbar!) ...
 
Hakon Børresen schrieb aber auch drei sehr klangschöne, fesselnd instrumentierte Symphonien. Schon seine No. 1 in c-moll, op. 3 (1900), quasi die Abschlußarbeit seiner Studien bei Svendsen, verrät das große Talent des jungen Meisters:
 
 
Seine Zweite, in A-Dur, op. 7, aus dem Jahre 1904, die den programmatischen Titel "Das Meer" trägt, zeigt uns einen deutlich weiterentwickelten Komponisten:
 
 
Die weit später entstande Symphonie No. 3 (1925/26) in C-Dur, op. 21, ist ein bedeutendes Dokument des gereiften Meisters:
 
 
Wikipedia schreibt zu seiner Tonsprache:
Børresen ist stilistisch voll und ganz der Spätromantik verpflichtet; neuere Tendenzen hatten auf sein Schaffen keinerlei Einfluss. Seine Inspiration nahm er häufig aus Bildern und Stimmungen der dänischen Natur, sodass viele seiner Werke einen deutlich nationalen Tonfall aufweisen. Vor allem zu Beginn seiner Laufbahn war er noch stark von Tschaikowski und seinem Lehrer Svendsen geprägt. Besonders auffällig ist Børresens natürlich fließende Melodik und die wirkungsvolle Instrumentation. Auch sind seine Werke durch eine frische, kraftvoll-optimistische Grund-stimmung geprägt. Insgesamt wirkt seine Musik zwar leicht anachronistisch, doch überzeugt sie den Hörer durch ihre Frische, Volkstümlichkeit und Unmittelbarkeit des Ausdrucks. Heute wird Børresen allerdings nur wenig beachtet. 
Seine in der Biographie geschilderte Arbeit als Vertreter der Komponistenzunft, nicht nur Dänemarks, sondern ganz Skandinaviens hinderte ihn offenbar an einem zahlreicheren "Output" an Werken, sodaß wir den Lesern die selbständige Entdeckung seines vergleichsweise "schmalen" OEuvres überlassen können: es lohnt sich, es zu erkunden!
 

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