Montag, 28. Oktober 2019

Glühwein

von Fragolin

Oh weh, jetzt naht die nächste Katastrophe durch den Klimawandel! Die Erde hat Fieber, sie verbrennt, sie verglüht, und mit ihr der Wein!
Verglühen Säure und straffe Stilistik?“ fragt sich hochbesorgt der „Standard“. Und besucht Winzer aus der Wachau.
Ausgerechnet die Weine aus der Wachau sollen also durch eine Klima-Erwärmung leiden. Wie wir wissen, „verglühen“ Weine südlich des Semmerings regelmäßig, besonders die ungarischen, balkanischen und griechischen Weine sind ja für ihre Ungenießbarkeit bekannt. Schon mit den burgenländischen und südsteirischen Weinen kann man nicht einmal ordentlich seinen Salat säuern und muss Essig erst mühsam daraus herstellen. Die „prickelnde Frische“ ihrer Weine sehen sie in Gefahr, also genau jene Kleschsäure, die ihnen nicht nur den Spitznamen „Sauerampfer“ sondern auch die praktische Ungenießbarkeit in unverdünntem Zustand bescheren. Doppler-Wein für Sandler als bewahrenswertes Kulturgut.

Da muss dann erst einmal eine Boku-Expertin klarstellen: "Prinzipiell verbessert sich das Weinklima in Österreich dadurch."
Ach, wer hätte das gedacht! Wein wird wirklich durch wärmeres Klima besser? Nach dem Rekordjahr 2003, dessen letzte Tröpfchen aus meinem leider viel zu kleinen Weinkeller ich erst kürzlich der Nachwelt entzog, hätte das nun wirklich niemand ahnen können außer Leuten, die Wein nicht als Ersatz für das Säuerungsmittel in ihrer Cola-Zitron‘ sehen. Auch deshalb liegen in meinen Regalen keine Weine aus der Wachau sondern Südösterreich, Südungarn und Südfrankreich. Wo man auf „prickelnde Fruchtigkeit“ pfeift und auf den Geschmack nach Erde und Sonne setzt. Wo der Wein erst nach mehreren Jahren sein volles Aroma entwickelt und so zwischen dem zehnten und zwanzigsten Jahr seine ideale Trinkreife besitzt. Weine, die man nicht in den Kühlschrank stellen muss sondern in Raumwärme genießt.

Was die Klimahysteriker auch vergessen: In der mittelalterlichen Warmzeit, als es schon einmal so warm wie heute, also wie angeblich noch niemals vorher, war, verbreitete sich der Weinbau bis nach England und auch der in der Wachau entstand erst damals. Wäre es immer so kalt gewesen wie in den vorletzten hundert Jahren, wäre der Weinbau sehr wahrscheinlich nie bis zu uns gekommen.
Wenn jetzt also der Veltliner wieder nordwärts wandert, kommen eben südlichere Sorten zu uns. Ein Wein muss nicht sauer sein, um als „österreichisch“ zu gelten. Und der Veltliner ist auch nicht der einzige Wein, den es hier gibt; es gibt auch gute. Die wird es freuen, wenn es wärmer wird.
Ich glaube, ich muss nächsten Sonntag mit meinem Diesel nochmal in die Südsteiermark fahren und bei dem Weinbauern meines Vertrauens ein paar Kisten Zweigelt und Grauburgunder aus heuriger Lese reservieren. Zwei Fliegen mit einer Klappe...

Kommentare:

Michael hat gesagt…

Tja, geschätzter Fragolin!

In der Hitze der Sonne verglühen vielleicht ein paar Hirne? Da bin ich eher "besorgt", dass der Standard (möglichst bald) verschwindet, wenn die (moralin)sauren Schreiberlinge nicht mehr da sind!

MfG Michael!

it's me hat gesagt…

werter fragolin!
sie haben nicht bedacht, dass sieses fast schon professionelle jammern ( zu nass, zu trocken, zu kalt, zu warm, zu windig ) noch immer das finanzielle subventionsfüllhorn über die ach so armen bauern entleeren ließ.
außerdem können die weinbauern beginnen, den laubschnitt weniger intensiv zu betreiben, damit die trauebn nicht ungeschützt dre sonne ausgesetzt sind , sie können bewässern und sie haben noch immer den vorteil, dass die nächte, speziell neben der donau, kühl sind, was von vorteil ist. daher sind auch die weine aus dem spitzer grabem durch den die kühle luft aus dem waldviertel zieht, mineralischer und angenehmer zu trinken als die wachauer, bei denen ich aber auch genug gutes finde, das ich mit genuss verzehre.
aber noch lieber sind mir die nebentäler - traisen - udn kamptal.
jetzt werde ich mir etwas gutes aufmachen und gedanklich ein glas auf sie trinken.