Mittwoch, 11. Dezember 2019

Ein gewisser Andreas Breitenstein


... darf in der Neuen Zürcher Zeitung eine Breitseite gegen den Literaturnobelpreiträger Peter Handke abfeuern.

Ist in der jugendfrischen Nobelpreis-Akademie Amnesie ausgebrochen?  — Peter Handke ist der nächste Fettnapf

... titelt er ebenso griffig wie unvorsichtig, da er selbst sich mit diesem Artikel anschickt, beidbeinig in einen ebensolchen nächsten Fettnapf zu treten. Etwa mit seinem  Statement:
Wer bei klarem moralischem Verstand ist, findet es indes keine gute Idee, Peter Handke ausgerechnet diese Auszeichnung zu verleihen. Denn der Literaturnobelpreis ist, dem fortschrittsfrommen Zeitgeist des Gründungsjahres 1901 folgend, eine moralische Anstalt. Mit ihm soll gemäss Satzung jeweils derjenige bedacht werden, «der in der Literatur das Herausragendste in idealistischer Richtung produziert hat».
Na klar! Ist ja vor Handke noch nicht vorgekommen, daß die »moralische Anstalt« Nobelpreis einem Laureaten zuerkannt wurde, der nicht »das Herausragendste in idealistischer Richtung produziert hat« — sondern eher das exakte Gegenteil (darf man da bspw. an Dario Fo oder Elfriede Jelinek denken)? Aber Herr Breitenstein steigt freiwillig noch tiefer in den Fettnapf:
Bisher galten valable Schriftsteller, die sich auf Diktatoren und Schurken eingelassen haben (wie Borges, Kadare, Adonis), als No-Go. Oder würde man heute dem Hitler-Verehrer Knut Hamsun, als Schriftsteller ohne Zweifel ein Jahrhundertgenie, den Nobel-preis nochmals verleihen wollen?
Man hat ihn ihm aber verliehen, und man hat damals (1920) natürlich nicht mit Prophetengaben vorherwissen können (sowas können nur Journaillisten, die laut Karl Kraus »im nachhinein alles schon vorher gewußt haben« ...), daß er Hitler unterstützen würden, denn der war ein unbedeutender Bierkellerredner zu jener Zeit. Aber man kannte seine Einstellungen und politischen Ansichten, die der schwedischen Akademie damals offenbar keine Schwierigkeiten bei seiner Wahl bereiteten. Und das mit dem »No-Go« — meint das Herr Breitenstein wirklich ernst?

Denn wie erklärt er sich dann das »aber-halt-doch-Go« eines Literaturnobelpreises für eine der erbärmlichsten Drecksgestalten der Geschichte des 20. Jahrhunderts — Sir Winston Churchill? Und hat er irgendwo mitbekommen, daß einem gewissen Pablo Neruda, der sich u.a. mit einem servilen Stalin-Lobpreis an die Sowjets rangeschimissen hatte, ebenfalls der Nobelpreis verliehen wurde?

Und was soll die sinistre Beschwörung drohenden Unheils, wenn Breitenstein orakelt:
Die Verleihung könnte im Aufruhr enden. In Schweden leben viele Exilbosnier, die ihren Unmut bekunden werden, und Handke ist ein berüchtigter Publikumsbeschimpfer. Selber schuld, wird man dann nur sagen können.
Ach — nicht ein randalierende Mob wäre schuld, wenn er »Unmut bekunden« will (wogegen keiner was hat, solange er sich an die öffentliche Ordnung hält — aber genau das Gegenteil will ja die camouflierende Ausdrucksweise »Unmut bekunden« als Drohkulisse installieren: daß Pflastersteine fliegen und Menschen niedergeprügelt werden!), sondern die schwedische Akademie, die solch einer »Unmutsbekundung« nicht in vorauseilendem Gehorsam zuvorgekommen ist, indem sie doch lieber einen nicht »umstrittenen« Schriftsteller gewählt hat. »Niederträchtig« ist für derlei Insinuationen noch ein zu freundlicher Ausdruck ...

Soviel wir wissen, haben »Unmutsbekundungen« ob Peter Handkes Nobelitierung Stockholm bislang nicht in Schutt und Asche gelegt (das besorgen in Regelmäßigkeit schon Schwedens bereichernde Zuwanderer, denen allerdings die Literaturszene schnurzegal sein dürfte), auch der Schriftsteller lebt noch, so wie der bei der traditionellen Nobelpreisrede lebte, die anzuhören durchaus ein Gewinn ist:



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P.S.: wenn Sie sich die durchaus stilvolle Überreichungszeremonie ansehen wollen (Peter Handke im Frack ist allemal ein valider Grund dafür!) — hier werden Sie geholfen.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Man muss nur Massenmorde an muselmanischem "Menschenmüll" literarisch nobilitieren, dann ist einem der ewige Eingang in Le Penseurs Walhall sicher.
Logisch, dass Rechtsradikale und Linksextremisten in schönster Harmonie das Hohelied dieses unappetitlichen Klerikalfaschisten singen. .

Le Penseur hat gesagt…

Ach, cher (chère?) "Anonym",

dann zeigen Sie uns doch gleich die Stellen in Handkes Werken, mit denen er »Massenmorde an muselmanischem "Menschenmüll" literarisch nobilitieren« wollte.

Viel Vergnügen bei der Suche! Ich wage die Prognose: Sie werden nicht fündig werden ...

Anonym hat gesagt…

Geschätzter Blogwart,
Einem engagierten* Hexenrichter vor ~ 450-350 Jahren hätte man auch nicht klarmachen können, daß er eine Mistmade sei. Und einer heutigen Zecke mit noch so einfachen Vernunftargumenten zu kommen, gleicht dem Versuch, einem Teichfrosch die vier Grundrechenarten beizubringen.
Das sage ich teils betrübten Sinnes, teils kalt sachlich - keinesfalls als Vorwurf.

* Dieses Beiwort gilt für sogenannte Linke. Bei sogenannten Rechten heißt dasselbe "umtriebig".

raindancer hat gesagt…

Handke war immer Kärntner Slowene, ein Verräter sozusagen.
Eine von jenen Minderheiten, die am liebsten in allen Ämtern slowenisch gehabt hätten, alle Ortstafeln und die besten zweisprachigen Schulen.
Kommt bekannt vor?
Es ist vollkommen egal ob Jugoslawien-Grossreich oder bosnische Scharia.
Ich will beides nicht in Europa und speziell nicht in Kärnten