Donnerstag, 16. März 2017

Nochmals: Na ja ...

Bei der zur europäischen "Schicksalswahl" erklärten Parlamentswahl in den Niederlanden haben die Rechtspopulisten einen Dämpfer erlitten: Die rechtsliberale Partei VVD von Ministerpräsident Mark Rutte setzte sich am Mittwoch klar gegen die rechtspopulistische Freiheitspartei (PVV) von Geert Wilders durch.

Die VVD kam nach Auszählung von 94 Prozent der Stimmen auf 33 Sitze, ging aus den Daten auf der Internetseite der Zeitung "AD" hervor. Das sind 8 weniger als zuvor. Nach Angaben der Nachrichtenagentur ANP von Donnerstagfrüh verzögerte sich die Beendigung der Auszählung, womöglich sogar auf Freitag. Die PVV erzielte demnach 20 Sitze. Wilders blieb damit deutlich hinter den Erwartung zurück. In Umfragen war seine Partei zeitweise in Führung oder gleichauf mit der Partei des Regierungschefs gelegen. Dennoch konnte die PVV hinzugewinnen: Im 150 Mandate zählenden Parlament hatte sie bisher zwölf Sitze.
... berichtet DiePresse.

Nun war es, da praktisch sämtliche Parteien der Niederlande schon vor der Wahl erklärt hatten, mit der PVV nie und nimmer eine Koalition eingehen zu wollen, ohnehin klar, daß Wilders denkmöglich nicht der nächste Premierminister sein könnte, denn daß er eine absolute Mehrheit erringen würde, war bei der zersplitterten niederländischen Parteienlandschaft von vorneherein auszuschließen. Insoferne hätte es zwar eine Symbolwirkung gehabt, wenn Wilders vor Rutte liegen würde, aber eben bloß das!

Fakt ist: die bisherige "große Koalition" aus VVD und PvdA ist insgesamt abgewählt worden: Ruttes Partei verlor von 41 auf 33 Mandate, die Sozialdemokraten wurden pulverisiert und fielen von 38 auf neun (!) Mandate. Das heißt aber, daß insgesamt ca. 45% der Mandate der beiden bisherigen Koalitionsparteien verlorengingen. Ein "Sieg" Ruttes? Ruttes VVD hat acht Mandate verloren, Wilders hat exakt acht Mandate hinzugewonnen: eine "Schlappe" für Wilders? 

Irgendwie erinnert das an den alten Kennedy/Chruschtschow-Witz, in dem die beiden einen Radfahr-Wettkampf vereinbaren, den Kennedy gewinnt, worauf die Prawda schreibt: "Die klare Überlegenheit des Sozialismus wurde durch einen ehrenvollen zweiten Platz für Chruschtschow dokumentiert, während Kennedy nur als vorletzter durchs Ziel ging."

Nein (und das sei ganz klar gesagt!): das Ergebnis ist für Freiheitsfreunde, die die alles und alle erdrückende EUrokraten-Krake in Brüssel endlich entmachten wollen, kein Grund zur Freude. Es sei auch dahingestellt, ob ein erster Platz Wilders für dieses Ziel wirklich etwas gebracht hätte.

Daß die EUrokraten sich jetzt in Sicherheit wähnen, den Stimmpöbel schon irgendwie mit Propaganda und Schauermärchen ruhiggestellt zu haben, ist vielleicht nicht einmal so schlecht. Ein zu siegessicherer Gegner ist oft unaufmerksam, und angesichts der geringen Zimperlichkeit unserer Macht-"Eliten" im Niederknüppeln aller Widerstände ist Unaufmerksamkeit momentan nicht nachteilig ...


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Na bitte, der türkische Außenminister spricht es wenigstens offen aus und droht mit Religionskrieg in ganz Europa:
http://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5184339/Tuerkischer-Aussenminister_Bald-Religionskrieg-in-Europa

Ich denke nur, er sollte vorsichtiger sein mit dem, was er sich wünscht ...

FritzLiberal

Anonym hat gesagt…

Wie erwartet: vor der Wahl die starken Wort, jetzt schickt Mark Rutte eine Pussy vor, um den Türken wieder hinten reinzukriechen:
http://www.metropolico.org/2017/03/16/waehler-verarsche-auf-niederlaendisch/

"Wir würden die Spannungen gerne abbauen«, so Ruttes Parteikollegin und niederländische Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert (VVD) noch am Mittwochabend in Den Haag. Es sei alles andere als sinnvoll, so weiter zu machen wie in den vergangenen Tagen und bezog sich hier auf den immer heftiger gewordenen Streit zwischen der niederländischen Regierung und der Türkei, der sich rund um das Auftrittsverbot von AKP-Ministern im Land dreht."

Übrigens, wenn von Hennis-Plasschaert die Rede ist, fällt mir immer das hier ein: Hühner vs Männer:
https://pbs.twimg.com/media/CzGozCtXAAEfvnV.jpg

FritzLiberal

Naja-Sager hat gesagt…

Zum trickreichen Wahlbetrug gehören immer zwei: der Betrüger und der Betrogene.

Den Betrüger mag man zurecht einen Kriminellen nennen, aber wie soll man Millionen Betrogene nennen, die sich Jahr für Jahr von denselben hohlen Lügen-Parolen zu Wahlentscheidungen bequatschen lassen, die dann keinerlei Vorteil für sie haben?

Die wenigen 'da oben' mögen für etliches verantwortlich sein, was im Lande schief läuft, aber die vielen 'da unten' sind für ALLES verantwortlich, was schief läuft im Lande! Zumindest in einer Demokratie. Eliten-Bashing ist also nur am Problem vorbei strafen, denn es sind ursächlich jedermanns Nachbarn, die politische Macht durch ein simples Kreuz zuteilen.

Wenn ihr also Änderung wollt, dann beginnt damit in eurer Straße! Ach ja, viel Spaß beim missionieren der Gutmenschen, denn die können schnell auch mal richtig böse werden, wenn man ihre heiligen Kühe anzweifelt und kritisiert.

Kess bis frech bloggen ist dagegen nur ein Kinderspiel.

Anonym hat gesagt…

Die Gutmenschen werden es halt auf die harte Tour lernen müssen. Wie heißt es so schön in einem Spruch aus den USA: "Ein Konservativer ist ein ehemaliger Linker, der überfallen wurde."

FritzLiberal