Mittwoch, 20. August 2014

Friendly fire, oder: Reportage aus dem Leuchtfeuer der Demokratie

Es ist zwar nur ein Teil des Pseudo-Objektivitäts-Programms, das zur Beruhigung der Leser, die sich nun doch schön langsam über die platte US-Propaganda der Springer-Presse zu ärgern beginnen ... aber immerhin:

Der Tag, an dem die US-Polizei mein Feind wurde

"Welt"-Korrespondent Ansgar Graw ist in Ferguson, Missouri. Er will über die Unruhen nach dem Tod des schwarzen Teenagers berichten. Die Polizei nimmt ihn fest. Szenen aus einer Stadt im Chaos.

Die Polizei, dein Feind! Warum das so sei, erklärt mir Will am Montagabend in Ferguson, der Stadt in Missouri, in der ein weißer Polizist am 9. August einen unbewaffneten 18-jährigen Schwarzen erschoss und in der auch in der Nacht auf Dienstag wieder Schüsse fielen und die Polizei Tränengas einsetzte.
"Traue nie einem Polizisten! Sie sind Teil des Systems", sagt Will. "Sie haben Michael ermordet, und jetzt wollen sie uns provozieren, damit sie das Kriegsrecht verhängen können."
Das Kriegsrecht? Warum sollten die Polizisten das wollen? Will, ein Afroamerikaner mit muskulösem und textilfreiem Oberkörper unter langen Dreadlocks, stockt nur kurz. Dann variiert er das Thema: Malcolm X wurde erschossen, Martin Luther King wurde erschossen, und auch Abraham Lincoln, der kein Schwarzer war, aber sich für die Sklavenbefreiung einsetzte.
Will, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, dürfte im Alter von Michael Brown sein. Da darf man manchen Unsinn glauben. Ich hatte am Vortag gänzlich andere Polizisten kennen gelernt.
Und sowas in der »Welt«, wo die Mitarbeiter bekanntlich eine Art Trutz- & Treueid auf den Führer schwören müssen. Seit Erteilung der Presselizenz halt auf den der USA bzw. Israels ....

Es wäre naiv zu glauben, daß das hierzulande sooo viel anders wäre. Weniger rambomäßig, das schon. In Deutschland kleinkarierter, in Österreich gemütlich-schlampiger (und dafür hinterfotziger). Aber im Kern doch nicht unähnlich.

Und da wollen wir ernstlich unser System als Allheilmittel weltweit anpreisen? Schlägerpolizisten brauchen wir nicht als Exportartikel zu vermarkten — denn die gibt's schon überall auf unserem Globus ...

Dienstag, 19. August 2014

Nato-Generalsekretär über Ukraine-Konflikt: Rasmussen hält russische Invasion für möglich

... titelt die »Neue Zürcher Zeitung«. Und LePenseur hält es hinwiederum nicht bloß für möglich, sondern sogar für wahrscheinlich, daß Rasmussen nur der Pudel des military-industrial complex der USA ist, der ebenso brav wie stupide alle Stöckchen apportiert, die man ihm von dort zuwirft ...


P.S.: Männer mit solcherart himmelblauen Krawatten in knappgeschnittenen Anzügen tendieren dazu, große Eitelkeit mit überschaubarer Intelligenz zu vereinen. Ein Mann von Format kleidet sich einfach nicht so, wie wenn er Manager eines schicken Designer-Outlets wäre ...

An der Wende der Zeiten

... steht ein Mann, der wenige Jahre später verstorben ist (heute vor zweitausend Jahren, um exakt zu sein): Gaius Octavius, nach seiner Adoption genannt C. Iulius Cæsar Octavianus, später bekannt unter seinem vom Senat verliehenen Ehrentitel



über den Horaz (Carmina IV 5) dichtete:
Divis orte bonis, optume Romulae
custos gentis, abes iam nimium diu;
maturum reditum pollicitus patrum
sancto concilio redi.

lucem redde tuae, dux bone, patriae:
instar veris enim voltus ubi tuus
adfulsit populo, gratior it dies
et soles melius nitent.

ut mater iuvenem, quem Notus invido
flatu Carpathii trans maris aequora
cunctantem spatio longius annuo
dulci distinet a domo,

votis ominibusque et precibus vocat
curvo nec faciem litore dimovet:
sic desideriis icta fidelibus
quaerit patria Caesarem.

tutus bos etenim rura perambulat,
nutrit rura Ceres almaque Faustitas,
pacatum volitant per mare navitae;
culpari metuit fides,

nullis polluitur casta domus stupris,
mos et lex maculosum edomuit nefas,
laudantur simili prole puerperae,
culpam poena premit comes.

quis Parthum paveat, quis gelidum Scythen,
quis Germania quos horrida parturit
fetus incolumi Caesare? quis ferae
bellum curet Hiberiae?

Montag, 18. August 2014

Stell dir vor ...

... (siehe unten). Zitat aus einem Kommentarposting in einem Thread des Gelben Forums:
... dem strammsten Kriegstreiber Deutschland (im Auftrag der USA) dämmert langsam, dass Schland militärisch nichts zu bieten hat... außer Steinmeiers großes Maul.
Ein wunderbares Symbol waren die sechs Transall aus Hohn (so heißt der Fliegerhorst in meiner Heimat wirklich [[freude]]), die vorgestern Decken, Zelte und Pisspötte in den Irak flogen.
Kenner wissen: Die alten Hobel sind alle Baujahr 1975-1988... da kann man froh sein, wenn die überhaupt "ankommen"...

Das einzige, halbwegs durchschlagskräftige Kriegsgerät, das der Fußball-Weltmeister besitzt, sind die paar Dutzend Eurofighter... aber die können wir ja nicht "riskieren"... viel zu teuer!
In Jagel machen die Jet-Fanatiker immer eine kleine Pulle Champus auf, wenn sie zufällig mal einen der legendären Eurofighter starten/landen sehen [[freude]]
Die neusten Leopard-Panzer sind auch weltmeisterlich... aber wie wollen wir die in die Ukraine schaffen... etwas mit den schrottreifen Transall?

Die Generäle haben der "Kita-VdL" sicher schon mal erklärt, dass wir "im Krieg" nichts bieten können... außer unserer großen Klappe.
Deshalb wird der Ukraine-Konflikt langsam abgeblasen... ist ja auch gut so!
"Stell Dir vor, es ist Krieg... und Deutschland kann mangels Ausrüstung nicht mitmachen..."
Glückauf
Tja, hat was für sich, diese Betrachtung.

Die nächste Quotze

... wird in Position gebracht:
Doris Bures wird also nun Nationalratspräsidentin (auch wenn die Meldung noch nicht offiziell ist). Das lässt einige mehr als interessante Beobachtungen zu.
Erstens: Der eine Zeitlang kolportierte Wechsel der Unterrichts- und Frauenministerin an die Parlamentsspitze wäre eine Strafaktion gewesen; jener der Infrastruktur-Ministerin dorthin gilt hingegen als Aufstieg. Das macht die Wertigkeit der einzelnen Ministerien in der SPÖ deutlich.
Nach den Aktivitäten der Frau Heinisch-Hosek sollte man übrigens die oben stehende Reihenfolge der Aufgabenverteilung in ihrem Ministerium umkehren. Sie war als Frauen-Ministerin sicher, als Bildungs-Ministerin ist sie extrem unsicher. Allerdings muss man ihr zugute halten, dass sie im Vergleich zu ihrer Vorgängerin deutlich vorsichtiger geworden ist, dass sie etwa zuletzt die linken Vorstöße nach einem Ende der letzten Sonderschulen gebremst hat.
Zweitens: Es musste jedenfalls eine Frau sein, die Barbara Prammer nachfolgt. In der SPÖ und bei vielen Medien ist seit einigen Jahren nur noch der Geschlechterproporz wichtig. Der Länder- und Berufsproporz sind hingegen völlig unwichtig. Die Eignung für ein Amt erst recht.
... schreibt Andreas Unterberger zum fast sicheren Avancement einer der unfähigsten Ministerfiguren der Zweiten Republik. Da in Österreich mitunter Nationalratspräsidenten zu Bundespräsidenten gewählt werden, könnte uns demgemäß eine rote Zahnarzthelferin als Staatsoberhaupt drohen. 

Die alte prophetische Devise über Österreich — »AEIOU«, welche bekanntlich als Akronym von »Austria Erit In Orbe Ultima« zu lesen ist — könnte so wirklich eintreten: Österreich ist das Letzte auf der Welt. Weit dahin ist's nicht mehr, und eine Bures-Dorli gibt uns den Rest ...

Sonntag, 17. August 2014

»Hysteriker beim Händewaschen«

Auf den Punkt bringt der verdienstvolle Hintergrundnachrichten- & Satireblog »Politplatschquatsch« die derzeitigen zögerlichen Aktionen unserer Kriegstreiber in Politik und Medien. Zauberlehrlinge, die sich angesichts der Fluten, die ihnen bis zum Hals stehen und demnächst über den Kopf zu schwappen drohen, greinend in die Windeln machen: »Das haben wir doch nicht gewollt ...«

Na klar! Sie wollten eine kurze Destabilisierung der Ukraine, um Putin zum Schwanzeinziehen und zu demütigem Unterwerfungskotau zu bringen. Und tolle Geschäfte mit ihnen von korrupten Oligarchen zugeschanzten Bodenschätzen und Förderrechten in der Ostukraine. Und als Zuckerguß am besten noch davor ein kleines Kriegerl, in dem man mit einem großen POFF!!! die Staatsschulden verbrennen kann, denn leider, leider muß man da — wo gehobelt wird, fallen die Späne! — die Staatsanleihen abwerten, und der Bevölkerung ein paar kleine Sonderopfer abverlangen am Altar der Freiheit und der Demokratie.

Aber plötzlich stellt man fest: es scheint nicht so zu klappen. Weder knickt Putin so einfach ein, noch läßt er sich provozieren, dieser ungute Kerl! Also würde es nicht bloß ein »Kriegerl«, sondern einen richtigen, ausgewachsenen Krieg brauchen — und für den braucht man, wie schon der österreichische Feldherr Graf Montecuccoli wußte, »Geld, Geld und wieder Geld!« ... und das haben wir nicht.

Und auch in der Nuland'schen Satrapenregierung in Kiew mehren sich die Querelen:
Die eigentlich aufgrund ihrer Überlegenheit siegessicheren ukrainischen Regierungstruppen verursachten in den letzten 24 Stunden vor Ort wenig positive Nachrichten. Neben militärischen Rückschlägen gibt es eine Meldung über ein Ultimatum und einen möglichen Abzug der Milizen des Rechten Sektors.

Das ist deshalb besonders schwerwiegend, da aktve Kampfhandlungen auf Regierungsseite meist von solchen Milizen und der ebenfalls aus rechtsradikalen Freiwilligen gebildeten Nationalgarde getragen werden. Die reguläre ukrainische Armee besteht oft aus zwangseingezogenen Rekruten mit wenig Lust auf einen Einsatz in einem Bürgerkrieg. So setzten sich nach einer Mitteilung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB erst gestern wieder 17 Soldaten der Armee vom Kampfgeschehen in Richtung Russland ab. Wenn die Tagesschau also Jubelmeldungen über ukrainische Offensivaktionen bringt, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese gerade von offenen Neonazis ausgeführt werden.

Zufriedenheit herrscht jedoch auch bei diesen freiwilligen Truppenteilen nicht. Allerdings rührt das nicht vom Kampf an sich, an dem sich westukrainische Nationalisten natürlich begeistert beteiligen, für die Russland-orientierte Separatisten so etwas wie der historische Erbfeind sind. Mit den Oligarchen und Liberalen im Hinterland ist man jedoch nur ein lockeres Zweckbündnis eingegangen und das bricht nun offenbar auf.
Da ist, wenn man so sagen darf, die Kacke am Dampfen. Jetzt bittet schon der Außenminister des Kiewer Regimes um Militärhilfe des Westens. Warten wir, bald kommt das Telegramm ans Brüsseler NATO-Hauptquartier, mit dem die demokratischen Bruderländer um die schnelle Entsendung von Truppenverbänden ersucht werden. Gab's doch alles schon, z.B. 1968 in der CSSR — ach so, da war's natürlich gaaanz anders, weil andersherum ...

Nun, die Situation bleibt spannend, und man lernt daraus (vielleicht für den IV. Weltkrieg, wenn dann noch einer möglich ist): man soll auch Felle russischer Bären nicht bereits verteilen, ehe man sie erlegt hat. Was, wie die Geschichte zeigt, bereits einige Male kräftig danebengelungen ist ...

Zeit für etwas Musik ...


Nonett in a-moll, für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabaß, op. 77a von Georges Onslow (1848) — ein Werk, das trotz seines höchst »revolutionsträchtigen« Entstehungsjahres völlig unrevolutionär die bewährten Fähigkeiten seines Komponisten ins beste Licht rückt ...

Einer der ganz Großen

... (und Größe ist insbesondere bei Journalisten ohnehin von Seltenheitswert!) ist allzu bald nach der Vollendung seines neunzigsten Lebensjahres gestern von uns gegangen:


Wie nur wenige hat er bewiesen, daß man auch in diesem Beruf nicht unbedingt ein Lohnschreiberling sein muß — denn daß er sich hingegen den Mächtigen und Wichtigen angedient hätte, hat noch keiner behauptet. Manche seiner Einschätzungen mögen kontrovers diskutiert worden sein, vielleicht für immer diskutabel bleiben (»umstritten«, wie das auf Neudeutsch gern heißt), die meisten haben sich jedoch als richtig und oft geradezu  als prophetiosch erwiesen.

Anstelle eines Nachrufs, der dann doch nur teils Bekanntes wiederholt, in vielem anderen aber mangels näherer Informationen Stückwerk bliebe, ein Zitat des Verstorbenen aus aktuellem Anlaß:
Wir leben in einem Zeitalter der Massenverblödung, besonders der medialen Massenverblödung. Wenn Sie sich einmal anschauen, wie einseitig die hiesigen Medien, von TAZ bis Welt, über die Ereignisse in der Ukraine berichten, dann kann man wirklich von einer Desinformation im großen Stil berichten, flankiert von den technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters, dann kann man nur feststellen, die Globalisierung hat in der Medienwelt zu einer betrüblichen Provinziali-sierung geführt.
Dem ist leider nicht zu widersprechen. Requiescat in pace.

Samstag, 16. August 2014

Hundert notwendige Gedichte XVI — Theodor Fontane

Es mußte ja mal sein! Bei einem ausgewiesenen Fontane-Liebhaber wie LePenseur war es ja nur eine Frage der Zeit, wann ... ... Besonders die Altersgedichte, epigrammatisch verknappt und verkargt — und doch so reich in ihrem Erfahrungsschatz. Wie z.B.:

Summa Summarum!

Eine kleine Stellung, ein kleiner Orden
[Fast wär ich auch mal Hofrat geworden],
Ein bißchen Namen, ein bißchen Ehre,
eine Tochter »geprüft«, ein Sohn im Heere,
Mit siebzig 'ne Jubiläumsfeier,
Artikel im Brockhaus und im Meyer ...
Altpreußischer Durchschnitt, Summa Summarum,
Es drehte sich immer um Lirum Larum
Um Lirum Larum Löffelstiel.
Alles in allem – es war nicht viel.
 
Da sitzt er, malerisch den Gänsekiel in der Rechten (aus welchem Grund auch immer mag ihn das Gutenberg-Projekt eigentlich zum Linkshänder machen?), und blickt seiner Leserschaft etwas kühl-distanziert ins Gesicht. Der korrekte schwarze Anzug mit Uhrkette, Fliege und gestärktem Hemd zeichnen ein Bild der Saturiertheit, die dem Dichter in der Realität leider nur selten, oder eigentlich nie wirklich, beschieden war.

Wäre er Apotheker geblieben, er hätte sicherlich auskömmlicher gelebt denn als London-Korrespondent der Kreuz-Zeitung, oder Reisejournalist, Kriegsberichterstatter, Theaterkritiker und Romancier (daß man von Lyrik nicht leben kann, weiß ja ohnehin jeder ...)

Und nein — er ist nicht einmal Hofrat geworden (nicht einmal »fast«), sondern »nur« Ehrendoktor der Universität Berlin. Artikel freilich nicht nur »im Brockhaus und im Meyer«, sondern in jedem Lexikon der Welt. Und tausende von Einträgen an Sekundärliteratur in der Bibliographie. Alles in allem — war es wirklich nicht viel?

Man versteht den skeptischen Blick eines Mannes, der genau wußte, wie gut er schreiben konnte — und sich dennoch gegenüber den Spielhagens, Freytags, und wie sie alle hießen, in der Gunst des Publikums damals nicht so recht durchsetzen konnte. Erst als er gestorben war, profitierte sein Sohn, der Verleger geworden war, vom posthumen Ruhm seines Vaters.

Dennoch: es ist Fontane hoch anzurechnen, daß er trotz seiner teils prekären finanziellen Lage nicht bitter und ungerecht gegenüber Kollegen und jungen, aufstrebenden Talenten wurde. Gerhard Hauptmann bekannte zeitlebens offen: »Wenn ich von Fontane rede, nehme ich in Gedanken meinen Hut ab.«

Und nicht nur er ...


»Wir sind seiner Reden überdrüssig« — Deutschlands falscher Präsident

Wenn einmal der stets nobel-zurückhaltend argumentierende Dr. Klaus Peter Krause in Saft gerät, dann muß schon ein gewichtiger Grund dafür bestehen. Und der besteht wirklich: in den an Peinlichkeit und Unbedarftheit kaum überbietbaren Wortspenden des aktuellen Bundespräsidenten!
Joachim Gauck ist Bundespräsident. Aber er ist ein Bundespräsident, der sich in die Politik mehr einmischt, als es seinem Amt zusteht und guttut. Beispiele dafür sind seine Äußerungen zu Kriegseinsätzen der Bundeswehr außerhalb Deutschlands, zur Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik sowie zur deutschen Staatsangehörigkeit. Auch muss er sich Einseitigkeiten vorwerfen lassen, so im Umgang mit der deutschen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, beim Erinnern an den ersten und zweiten Weltkrieg. Bundespräsidenten sollten den besten Ruf haben, sollten für möglichst alle Bürger sprechen, nicht nur für einen Teil, sollten einigend wirken statt spaltend. Wieviele Deutsche der Ansicht sind, Gauck sei für das Präsidentenamt keine gute Besetzung, weiß ich nicht. Aber von zwei deutschen Bürgern weiß ich es. Es sind die beiden Beobachter des politischen Geschehens Lutz Radtke aus Bad König und Rainer Gladisch aus Lindenfels. Radtke ist über viele Jahre Vorstandsmitglied der Pirelli Reifen AG gewesen, Gladisch Professor für Innere Medizin. Heute äußern sie sich als „Initiative Deutschland jetzt“ zu politischen Ereignissen und Entwicklungen als kritische Pensionäre und Mahner. Für beide ist Gauck „der falsche Präsident“.
Im Anschluß an die umfängliche Zitation der beiden vorgenannten gibt es weitere Artikel anderer Kritiker, deren Tenor eindeutig erkennen läßt: vielleicht nicht »den«, aber jedenfalls bereits vielen Leuten reicht's schön langsam, was dieser Herr von Bellvue da von sich gibt.

Ich hätte mir nie gedacht, daß ich mir jemals einen Wulff zurückwünschen könnte. Mittlerweile hielte ich einen derartigen Wunsch keineswegs mehr für abstrus ...

»Life and Times in Propagandistan«

... betitelt sich ein interessanter Artikel auf dem Blog »The Automatic Earth«, der sich dort mit dem ganz normalen Wahnsinn der derzeitigen Politik befaßt:
The UN said earlier this week that in east Ukraine over 1000 people – a conservative estimate – were killed during the last fortnight in the battles over Donetsk and Luhansk. Today, there are again reports of more heavy shelling by the Ukraine “army”, and dozens more deaths, while the Russian aid convoy is still not – allowed – anywhere near the cities.
At this rate, who’s going to be left to receive any of the food and generators and sleeping bags? I have a dark suspicion that if we don’t resolve this issue, and fast, we’re going to regret that for a very long time.
For “us” to be subsidizing this sort of military operation, a policy largely underwritten and justified by unsubstantiated blame claims in a media-wide campaign about a tragic plane crash 4 weeks ago to the day, is not something even a single one of us should be proud about, let alone happy.
We should all feel deep shame and guilt. How can we at the same time denounce one genocide and sponsor another? Our leaders may not care about a dead body or two more or less, but that doesn’t mean we shouldn’t either.
And how many hundreds of American soldiers are already back on the ground in Iraq again, while their army commanders emphasize the limited scope of air strikes? Are we supposed to just wait for the PR spin to serve up the justification for boots on the ground in their thousands? What’s it going to be this time? And how wrong is Ron Paul in suggesting this is a trap?
Whatever it is, we better make it fast, and step on the gas, or Europe will no longer be of much help. Well, either that or their domestic problems will; become the very driver for their involvement in warfare abroad. Even the Germans are sending support in Iraq now, right after the US announced they found there are far less Yazidi people on Mount Sinjar than someone told them there were. Perhaps they should all ask Putin to help. With both aid and intelligence.
And grout. The Mosul dam was built on gypsum and needs daily injections of grout – a liquified cement – or it falls to pieces. No need to bomb it. And that would mean flooding Baghdad – and the US multi-billion Green Zone. Mission accomplished.
(Hier weiterlesen)
 Dieser Blog kommt in die Linksammlung!

Freitag, 15. August 2014

»Matthias Strolz erklärt, warum die Neos keine „dogmatischen Liberalen“ sind«

... untertitelte »Die Presse« ein Interview mit Strolz, das unter der neckischen Schlagzeile »Wir sind für einen starken Staat« zu lesen ist.

Fucking Bullshit!

Die NEOS sind überhaupt keine Liberalen, sondern lupenreine BoBo-Sozen, die sich nur durch ihr angeberisches Super-Checker-Gehabe von den GrünInnen — die lieber auf moralinsaure linke Spießer unterwegs sind — unterscheiden. Und natürlich in der Wahl ihrer Parteifarbe, die sie zeitgeistelastisch der Schwuchtelszene entlehnten. Wenn Strolz zum Abschluß meint:

Wir wachsen rasant, das Antlitz der Neos wird in einem Jahr ein ganz anderes sein.

... dann ist ihm nicht wirklich zuzustimmen. Die Larve mag in einem Jahr anders sein, das vielleicht — die Fratze dahinter aber, die als »Antlitz« zu bezeichnen ein unangebrachter Euphemismus wäre, wird wohl immer noch dieselbe sein ...

Grundversorgungsauftrag oder politische Propaganda?

Unter ebendiesem Betreff sandte am 8. 8.2014 ein Poster des »Gelben Forums« ein lesenswertes E-Mail an die GEZ, das den Lesern dieses Blogs nicht vorenthalten werden soll:
Wenn Sie die Vertragskondition einer „unabhängigen Berichterstattung“ unangemeldet aufkündigen und schlichtweg zum „Schwarzen Kanal“ mutieren, dann nehme ich mir das Recht heraus dieses Vertragsverhältnis zu überdenken.

Im Artikel 26 des Grundgesetzes kann man lesen:
Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.

Wenn man inzwischen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf die Einhaltung des Grundgesetzes hinweisen muß, dann stimmt etwas in diesem Lande nicht mehr.
Daher gebe ich Ihnen noch ein Quartal Zeit, die Qualität Ihres Angebotes zu überdenken.

Sollte ich bis dahin keine Korrektur in der Berichterstattung wahrnehmen, werde ich entweder meinen Beitrag reduzieren oder den Vertrag komplett kündigen und werde dies ggf. auch juristisch durchsetzen, nötigenfalls mit einer Sammelklage.
Ich bin mittlerweile nicht mehr der einzige Zahler von Rundfunkgebühren, der diese Kriegspropaganda weiterhin klaglos ertragen will.

Wenn wir als Deutsche ein Minimum aus der Geschichte zu lernen haben, dann ist es mit Zivilcourage jeder Kriegsrhetorik – egal wer diese anstimmt - und die immer am Anfang eines künftigen Konfliktes steht, entsprechend entgegen zu wirken.
Das sind wir den 70 bis 80 Millionen Toten von WK I und WK II des vergangen Jahrhunderts schuldig. 
Retour kam eine Nicht-Antwort, mit der Bitte, »in der Zwischenzeit von Nachfragen absehen« zu wollen, denn: »Zurzeit erhalten wir sehr viele Anfragen.«
Kann man sich unschwer vorstellen. In demselben Forum wird auch eine (im ef-magazin publizierte) Serie von Briefen von Rechtsanwalt Dieter Spethmann, ehedem Aufsichtsratchef von Thyssen, auszugsweise gebracht:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie können nicht an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren, ohne zutiefst verunsichert zu sein wegen der Ukraine. Die dortige Regierung arbeitet, beschließt und zeigt sich tagtäglich ausdrücklich mit der Flagge der EU. Die Ukraine ist aber nicht Mitglied der EU. Da die EU dieser flagranten Verletzung des Völker- und Staatsrechts nicht widerspricht, muss sie das Handeln der Regierung Jazenjuk gegen sich gelten lassen – ein untragbarer Zustand. Ich schrieb deshalb der FAZ.NET heute wie folgt:
Seit Monaten zeigen die deutschen Medien hinter dem Kiew-Ministerpräsidenten Jazenjuk die ukrainische Flagge und die der EU, obwohl die Ukraine nicht Mitglied der EU ist. Das Regierungshandeln in Kiew erfolgt also im Zeichen der EU, mithin mit Billigung der EU, auch der Krieg gegen die eigene Bevölkerung im Osten. Hat dagegen schon mal jemand im Namen der EU protestiert? Mir nicht bekannt. Oder im Namen der Bundesrepublik Deutschland? Mir auch nicht bekannt. Also akzeptiert man in Brüssel und Berlin zumindest stillschweigend, dass die Kiew-Regierung mit schwerem militärischen Gerät (Flugzeugbomben und Artillerie) gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. Frau von der Leyen, von Frau Merkel wegen ‚Krieg oder nicht Krieg‘ offenbar im Besitz weitestgehender Vollmachten, sollte sich das Urteil des Nürnberger Gerichtshofes von 1946 ansehen. Es enthält nicht nur Todesurteile, sondern auch Maßstäbe, die bis heute gelten.
Eben, also mitten am Vormittag, ist dieser Brief vom ‚FAZ‘-Zensor kassiert worden. Darüber sollten Sie sich als Politiker ebenso Gedanken machen wie über den Inhalt meines Leserbriefes.
(Hier weiterlesen)
Der politisch-mediale Komplex, a.k.a. die Systempresse, hat sich mittlerweile in einer Weise vom tatsächlichen Denken der Bevölkerung abgekoppelt, daß das »Neue Deutschland« der Ulbricht-Zeit dagegen noch fast als seriöse Informationsquelle wirkt ...

Donnerstag, 14. August 2014

»Sanktionen gegen Russland könnten den Dollar versenken«

... meint Ron Paul in einem seiner, ganz unaufgeregt die Fakten auf den (für US-Amerikaner durchaus schmerzhaften) Punkt bringenden Artikel:
Die Entscheidung der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, mehr Sanktionen gegen Russland zu verhängen, ist ein schwerer Fehler, und wird eine bereits angespannte Situation nur weiter eskalieren und letztendlich die Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika selbst schädigen. Während die Auswirkungen von Sanktionen auf den Dollar kurzfristig vielleicht nicht abgeschätzt werden können, so sind diese Sanktionen langfristig nur ein weiterer Schritt in Richtung Untergang des Dollars als Reservewährung der Welt. 
Die Vereinigten Staaten von Amerika sanktionieren nicht nur russische Banken und Firmen, sie versuchen auch, europäische Banken zur Einführung harter Sanktionen gegen Russland zu zwingen. Geht man vom Umfang des Geschäfts aus, das die europäischen Banken mit Russland machen, dann könnten europäische Sanktionen Europa mindestens so schwer schädigen wie Russland. Zur gleichen Zeit, wo die Vereinigten Staaten von Amerika Zusammenarbeit von europäischen Banken erwarten, verfolgen sie diese Banken und verhängen milliardenschwere Geldstrafen über sie für Verstöße gegen bestehende Sanktionen der Vereinigten Staaten von Amerika. Man kann sich leicht vorstellen, dass europäische Banken es zunehmend satt haben werden, als unbezahlte Polizisten der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika handeln zu müssen, während sie jedesmal Milliarden von Dollars als Geldstrafe bezahlen müssen, wenn sie Geschäfte betreiben, die Washington nicht passen. 
»In the long run we all are dead«, lautet eine berühmt-berüchtigter Scherzantwort des Erfinders der Voodoo-Ökonomie, Lord Keynes, als man ihn auf die verhängnisvollen Langfristfolgen seiner Theorien hinwies. Es könnte durchaus sein, daß die wenigstens zwei Jahrhunderte lange Vorherrschaft der Angelsachsen über die Welt ihren »run« demnächst vollendet hat, und ganz neue Spieler am Tisch auftauchen — aber vielleicht auch der eine oder andere bereits altbekannte, der zwischendurch eine Zeit lang aussetzen mußte ...

Ein interessanter Zahlenfriedhof

... für alle, die wissen wollen, warum die US-Regierung schön langsam in Panik-Modus gerät, findet sich hier.

Sehr aufschlußreich dazu ein paar Kommentarpostings zum vorgestrigen Währungsabkommens-Artikel:
Monte Rosa
11.08.2014 20:49

Wie reagieren die USA auf diesen Trend?

Man darf gespannt sein, wie die USA auf diesen Trend reagieren werden.

Eine Möglichkeit besteht darin, den US$ und den Euro zusammenzulegen, d.h. eine gemeinsame Währung für den ganzen nordatlantischen Wirtschaftsraum USA-EU zu etablieren. Aus dieser Sicht ist das von den USA angestrebte Freihandelsabkommen mit der EU (TTIP) geradezu Voraussetzung für diesen Schritt.

Übrigens wurde schon vor einigen Jahren vom "Globo" als Nachfolgewährung von US$ und Euro gemunkelt.

Eine brennende Frage: was genau geschieht, wenn der US$ als Reservewährung abdanken muss? Welche Konsequenzen hätte das für die USA und den Rest der Welt? 
 
Antworten medienskeptiker
12.08.2014 15:09

Re: Wie reagieren die USA auf diesen Trend?

eine extrem schwer zu beantwortende Frage — historisch ist das nie ohne ziemlich arges Blutvergiessen ausgegangen. Sei es im Inneren durch jegliche Art von Bürgerkrieg oder sei es nach aussen gelenkt — was ja die USA derzeit wieder versucht bzw parallel über TPP und TTIP um andere zu schwächen und die eigene Wirtschaft zu retten. Nur scheinen sich die beiden Konzepte de facto zu wiedersprechen.. wenn man geopolitsich überall in der welt zündelt und Unterstützung verliert,dann zerbrechen auch die Handelsverträge- siehe TPP und langsam scheint TTIP auch zu scheitern. Also kurz gesagt : ich habe keine Ahnung :-))

Antworten Antworten Monte Rosa
12.08.2014 16:31

Re: Re: Wie reagieren die USA auf diesen Trend?

Vielleicht muss man vor die Zeit des Bretton-Woods-Abkommens zurück blicken. Damals gab es faktisch keine Reservewährung (vielleicht noch das Pfund Sterling). Richtschnur oder Anker war das Gold. Die Wechselkurse aller Länder pendelten sich letztlich so ein, dass das Leistungsbilanzdefizit gegen null ging. Wenn nicht, drohte der Staatskonkurs.
 
Antworten alabamier
12.08.2014 03:43

was genau geschieht, wenn der US$ als Reservewährung abdanken muss? Welche Konsequenzen hätte das für die USA und den Rest der Welt? fuer die usa unmittelbar: konjunktureinbruch weil alles teurer wird, mittelfristig bis langfristig totale wiederauferstehung weil es sich wieder auszahlt dort zu produzieren

den rest der welt: hoffen, dass die eigenen waehrung durch den anstieg im vergleich zum dollar die rohstoffpreise wett macht, weil alles was in dollar gehandelt wird (rohstoffe, etc,) geht gegen norden.
 
medienskeptiker
11.08.2014 19:49

ergänzung

der Dollaranteil an den Währungsreserven ist sicher nicht mehr bei 60% — Erklärung ... es gibt bei den gesamten Weltwährungsresreven 2 Gruppen.
- allocated reserves — da melden die Notenbanken nicht nur Gesamtsumme sondern auch die genaue aufschlüsselung nach devisen — dort ist der Dollar anteil von über 70% auf aktuell 60 % zurückgegangen. ABER dieser Teil der allocated machte vor ca 15 jahren noch 90% aller Reseerven aus — heute nur noch 50% (hauptsächlich aber nicht nur wegen China)
-non allocated reserves — wird nicht gemeldet welche Devisen — der Anteil ist auf 50% gestiegen — bei den "advanced economies" macht "non allocated" weiterhin nur 10% aus - aber der Bestand ist mit insgesamt 3.9 Billionen (unsere) relativ gering (die USA haben kaum Währungsreserven!!). Bei den anderen Ländern ist der Anteil der "non allocated" allerdings bei 66% bei einem Gesamtbestand von 8 Billionen !!. das ganze hat so richtig explosionsartig mit 2008 begonnen. 2007 Gesamt: 6,7 allocated 4,1 Dollar2,7 — Ende 2013; Total 11,9 allocated 6,1 Dollar 3,7...... man kann davon ausgehen,dass der totale Dollaranteil schon weit unter 50% liegt... der Punkt wo das alles kippt und damit das Dollarfinanzsystem ist näher als man uns glauben machen will. Das erklärt vieles an der panikartigen US Politik.
Das alles erinnert irgendwie an den alten chinesischen Fluch: »Ich wünsche dir, daß du in interessanten Zeiten leben mögest!« ...

Mittwoch, 13. August 2014

Wie's vermutlich war ...


Gegenüber der ewigen Währung aus Metall hat der US-Dollar seit 1999 mehr als 80 Prozent seines Werts verloren.

Dieser Satz steht, so ganz unter »ferner liefen« in einem Artikel, in dem »Die Presse« über das eben geschlossene Währungsabkommen zwischen Rußland und China berichtet:
Gibt es für die Weltwirtschaft ein Leben nach dem US-Dollar? Jahrzehntelang wurde diese Frage reflexartig mit Nein beantwortet – und zwar zu Recht. Die US-Währung hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts als Weltwährung festgesetzt. Aber seit Richard Nixon 1971 die Dollar-Konvertabilität in Gold „vorübergehend“ suspendierte, verliert der Dollar an Boden.

Ein Trend, der sich spätestens seit der Finanzkrise von 2008 merklich beschleunigt. Jetzt haben auch China und Russland ein Währungsabkommen geschlossen, das die Nutzung der jeweiligen Landeswährungen (Rubel und Renminbi/Yuan) im gegenseitigen Handel erhöhen soll. Das Ziel des sino-russischen Plans ist klar: die Postdollarökonomie – eine neue Weltordnung, in deren Zentrum nicht mehr die Vereinigten Staaten allein stehen. Aber der Zeitplan ist offen.
Eine Entwicklung, die die Hochfinanz der US-Eastcoast, koste es, was es wolle, verhindern will — und koste es die Leben abertausender, ja Millionen von Opfern eines Krieges, den man von dieser Seite Rußland mit List und Gewalt aufzwingen will. Der »free extra lunch«, der seit Jahrzehnten den Bankstern und Wallstreet-Spekulanten die Butter aufs Bonus-Brot schmierte, und mit dieser Schmierung das ganze, auf Lug und Trug basierende »Finanzsystem« so richtig geschmeidig und gleitfähig machte, wäre mit einem Male weg — nicht auszudenken!

Und da bekanntlich Imperien im Zusammenbrechen besonders wild um sich schlagen, kann derzeit vor Kontakten mit den USA nur gewarnt werden. Putin tut gut daran, sich in Geduld zu üben — die Zeit arbeitet für ihn, und je mehr die Kriegstreiber versuchen, ihn mit allen Mitteln in einen Krieg zu hetzen, desto schmutziger, und zwar für jeden erkennbar schmutziger, werden ihre Hände. Und, welch Glück für die Russen: sie sind groß genug und Atommacht genug, um einfach abwarten zu können (was bspw. einem Gaddafi nicht möglich war), denn eine Flugverbotszone à la Libyen kann's über Rußland einfach nicht spielen ...

Dienstag, 12. August 2014

Hinter dem Horizont

Die unerwartete Todesnachricht »erschüttert Hollywood« — so die professionelle Betroffenheitslyrik der Teletexter. Und nein, das ist jetzt nicht zynisch gemeint! Zynisch mutet mir eher der Umgang dieses oft als »Traumfabrik« schöngefärbten Medienmolochs mit dem Leben all derer an, aus deren Kunst und Engagement er sein Einnahmen generiert ...

Im Jahr 1998 drehte Robin Williams einen Film über das Leben danach: »Hinter dem Horizont«, im Original »What Dreams May Come« (nach einem Zitat aus dem Hamlet-Monolog: »For in that sleep of death what dreams may come / When we have shuffled off this mortal coil / Must give us pause«, in Schlegels Übersetzung: »Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen, / Wenn wir die irdische Verstrickung lösten, / Das zwingt uns stillzustehn«), und spätestens, wenn man diesen Film gesehen hatte, will einem die allzu geläufige Einordnung, daß Robin Williams eben »einer der besten Hollywoodkomiker« war, nicht mehr recht über die Lippen.


Wie immer man zu einzelnen Elementen des Films stehen mag (ich räume durchaus ein, daß mich bspw. die finale Wiedergeburts-Idylle befremdet) — daß der Film insgesamt ein grandioses, bild- und assoziationsgewaltiges Werk ist (quasi ein »Dante goes Hollywood«, aber fürwahr nicht im schlechten Sinne dieses Wortes!), und daß Robin Williams' Darstellungskunst entscheidend dazu beiträgt, den Film über manche, kommerziellen Erwägungen geschuldete Flachheiten zu tragen, wird man nur schwerlich bestreiten können.

Nun also ist er selbst »hinter den Horizont« getreten. Was — und wie — er dort sieht, wir wissen es nicht. Videmus nunc per speculum in enigmate tunc autem facie ad faciem, sagt Paulus. Hoffen wir, daß, was im Spiegel Stückwerk geblieben ist, ja bleiben mußte, »von Angesicht zu Angesicht« von ihm erkannt wird, wie auch er erkannt wird ...

Requiescat in pace.

Wer kennt Eisbrenner?

Keiner? Schade! Na, Moment ... irgendwie sagt einem der Name schon was ... Werner Eisbrenner — man blickt in Wikipedia und staunt: aber sicher kennt man ihn! Er hat schließlich zu genügend bekannten Filmen der 30er- bis 60er-Jahre die Musik komponiert. Aber LePenseur sucht natürlich immer das ganz Besondere — und findet in diesem Fall ein virtuoses und romantisch-schwelgerisches Klavierkonzert von vor sechzig Jahren — aus dem Jahre 1954.

Also mal anschnallen zur Zeitreise und zuhören: auch so konnte es in den 1950er-Jahren klingen ... ...

Montag, 11. August 2014

Der knappe Sultan

Von 57%, ja 59% war in den letzten Tagen orakelt worden. Nun sind es doch nur knapp 52% geworden. Der GröTAZ wurde also ohne den von ihm und seinen Fans erhofften überwältigenden Triumph zum Präsidenten (resp. Sultan) der Türkler gewählt ...


Sogar ein honoriger, aber politisch völlig unbedarfter Chemiker und Wissenschaftshistoriker wie Ekmeleddin Ihsanoğlu, der als Kompromißkandidat von Kemalisten und Türkler-Nationalsozialisten vor wenigen Wochen aus dem Hut gezaubert worden war, konnte mit 39% der Stimmen ein achtbares Resultat erzielen.

Den neugewählte Präsident ging gleich am Wahlabend in dieselbe Moschee beten, in der sich seinerzeit die Sultane des Osmanischen Reichs auf ihre Thronbesteigung vorbereiteten. Womit das Selbstbild, das sich der GröTAZ macht, ja einigermaßen klar ist. Und wie's sonst weitergehen soll?
Die neue Türkei, die Erdoğan erschaffen will, wird also so neu nicht sein. Dass er nun in den Präsidentenpalast einzieht, wird vor allem als massiver Katalysator der bisherigen Politik wirken. Und es ist entlarvend, wie sich dieses „mehr vom Gleichen" ausnimmt, wenn man als Referenzpunkt 2010 wählt - oder eben heute.
Der Stand vor vier Jahren: Die Staatssicherheitsgerichte waren aufgelöst, im Zuge der EU-Annäherung wurden Bürgerrechte gestärkt, es gab erste (kulturelle) Zugeständnisse an die Kurden, der Einfluss des Militärs war zurückgedrängt, die Wirtschaft entfesselt. Mehr davon? Gern!
Der Stand heute: Die Regierung säubert Justiz und Polizei, oppositionelle (was nicht „unabhängig" bedeuten muss) Medien geraten immer stärker unter Druck, Proteste wie 2013 im Istanbuler Gezi-Park werden im Stil eines autoritären Staates nieder-geknüppelt, immer mehr korrupte Machenschaften von AKP-Politikern kommen ans Tageslicht. Mehr auch davon?

Als hätte Sinan die Süleymaniye eingerissen

2011, als sich zu Beginn des Arabischen Frühlings der politische Islam überall zu artikulieren begann, war von der Türkei, genauer von der islamisch-konservativen AKP, als Modell die Rede. Dieses Modell fällt gerade der Abrissbirne zum Opfer. Bisweilen wirkt es, als würde Erdoğan vorsätzlich das, was er einst aufgebaut hat, wieder zerstören, gerade so, als ob Sinan, der größte osmanische Architekt, die Süleymaniye-Moschee auf dem Zenit seines Ruhms selbst niedergerissen hätte.
Hat man Erdoğan falsch eingeschätzt und im Westen zu Unrecht als Reformer gepriesen? Hat er sich verändert? Haben am Ende jene recht behalten, die ihm immer schon eine geheime (islamistische) Agenda unterstellt haben? Fraglos wurde in zwölf Jahren AKP die Islamisierung vorangetrieben, doch das ist nicht der Kern. Erdoğans wahre Agenda, und sie ist alles andere als geheim, ist die Macht. Die absolute Macht, über alle staatlichen Institutionen. Eine Art Kemalismus mit umgekehrten Vorzeichen, ein System, in dem „checks and balances" nicht vorgesehen sind, weil störend.
Der neue Präsident und seine Mitstreiter wurden in einer Zeit politisiert, als die Kemalisten mit allen Mitteln, die sie hatten — vor allem Militär und Justiz —, jeden Dissens, besonders aus der religiösen Ecke, unterdrückten. Der Spieß wurde umgedreht. Die Erklärung ist wohl leider wirklich so banal.
Erdoğan mit seiner ausgeprägten Kritikallergie verhält sich immer stärker wie jemand, dem die Macht schlicht zu Kopfe gestiegen ist. Das untrüglichste Zeichen ist ein rhetorisches Verschwimmen der Grenzen zwischen Herrscher und Staat. Angebliche Verschwörungen (dass die überall ausgemacht werden, gehört auch zu den Symptomen) gegen ihn werden in die Nähe von Verschwörungen gegen den Staat gerückt.

Wahlen machen noch keine Demokratie

„Wir sind das Volk - wer seid ihr?", schmetterte Erdoğan der Opposition entgegen. In der Gleichung „AKP = Islam + Kapitalismus + Demokratie" verliert die dritte Variable zusehends an Bedeutung, sofern man den Tatbestand Demokratie nicht schon durch das regelmäßige Abhalten von Wahlen für erfüllt erachtet. 
... schreibt »Die Presse« in einem lucidum intervallum ihrer Mainstream-Berichterstattung, wobei man sich nur fragt: warum bloß die dritte Variable, die Demokratie, an Bedeutung verliert, wenn der GröTAZ die zusehends lahmende Wirtschaft durch Staatsinterventionen und durch Staatsschulden finanzierte Prestigeprojekte »beleben« will — was, bitteschön hätte das mit »Kapitalismus« (außer in der hirnverbrannten Terminologie marxistischer Ideologen) zu tun?

Es wird also dort, wo »hinten, weit, in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen« noch spannend werden. Die EU besorgt derweil Ablenkung durch Sanktionen gegen den pöhsen Putin — und die USA bombardieren wieder einmal den Irak. In Gaza herrscht gespannte Ruhe, von gelegentlichen Raketen und Bomben unterbrochen. Geopolitik vom feinsten ...
Taktik oder Tollerei? Plan oder Kontrollverlust? Vielleicht wissen es die handelnden Personen einfach selbst nicht mehr. 
... fragt der verdienstvolle Nachrichten- & Satireblog »Politplatschquatsch« zu einem etwas anderen, doch letztlich völlig gleichen Thema. Bekanntlich hat jedes Land die Regierung, die sie verdient (das gilt offenbar auch für die jeweiligen Präsidenten). Irgendwie blöd nur für die, die die jeweiligen Regierungen und Präsidenten nicht gewählt haben. Aber das ist Demokratie: man läßt einen Haufen unfähiger Idioten darüber abstimmen, welcher Verbrecher sie die nächsten Jahre beherrschen darf, indem er »die anderen« abzockt, seine Wähler begünstigt, und die Differenz in die Parteikasse plus ein bisserl was in die eigene Tasche steckt.


Churchill meinte einst, er kenne dennoch kein besseres Regierungssystem. Wenig verwunderlich — war er doch Teil dieses Systems ...