Posts mit dem Label Dystsopie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dystsopie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Frei erfundene Zukunftsdystopie. Keine Tatsachenmeldung ... (wirklich?)

Gastkommentar 
von Tanit
 
 
Von @Sie ist Unbequem 28.10.2026 erhalten, paßt irgendwie zum Thema des vorigen Artikels ...

Netzfund:
 
... irgendein Tagebuch, irgendwo in Deutschland, irgendwann in naher Zukunft ......
 
Liebes Tagebuch,

heute war wieder ein doofer Tag
Zuerst hatten wir Mathe:
12 × 7 ergibt jetzt 63.
84 wurde abgeschafft, weil richtige Ergebnisse Menschen benachteiligen, die nicht rechnen können.
Die Klasse durfte demokratisch abstimmen.

Unsere Lehrerin erklärte, Mathematik müsse endlich inklusiv werden.
Ich fragte, ob meine Eltern ihre Steuern künftig auch demokratisch ausrechnen dürfen.
Jetzt habe ich einen Eintrag wegen staatsfeindlicher Rechenmethoden.

Danach hatten wir „Deutsch“:
Rechtschreibung wurde abgeschafft, weil Fehlerkorrekturen das Selbstwertgefühl gefährden.
Goethe gilt als problematisch, Schiller als überholt und Grammatik als Machtmissbrauch.
Die Hälfte meiner Klasse kann keinen zusammenhängenden Text lesen.
Aber alle können einen zwölfseitigen Diskriminierungsvorwurf formulieren.
Unser Lehrer sagt, Bildung sei mehr als Wissen.

Religion:
Mein muslimischer Mitschüler Mohammed darf selbstverständlich Ramadan feiern und seine Religion ausüben. So soll es auch sein.
Unsere Schulleitung hat vorsorglich Weihnachten gestrichen, weil theoretisch jemand Anstoß daran nehmen könnte.
Mohammed war sauer. Er hatte sich auf die Weihnachtsplätzchen gefreut.
Jetzt feiern wir ein „weltanschaulich neutrales Jahresendbegegnungsereignis“.
Ohne Baum, ohne Lieder, ohne Weihnachtsmann.
Dafür mit einer 40-seitigen Broschüre über kulturelle Sensibilität.
Mohammed wollte Plätzchen. Die Schulleitung wollte die Welt retten. Jetzt haben wir beide nichts.

Biologie:
Kevin kam heute im Fuchskostüm zur Schule.
Lisa hatte Hundeohren und einen Schwanz an.
Eigentlich wollten die beiden nur Blödsinn machen.
Unsere Lehrerin machte daraus sofort ein dreistündiges Seminar über Identität.
Kevin durfte unter dem Tisch schlafen. Lisa bekam einen Wassernapf.
Als Kevin gegen das Pult pinkelte, wurde ein Beauftragter für artgerechte Lernbedingungen eingeschaltet.

Danach hatte wir Pause und ich musste dringend Pipi…
Unsere Schule hat jetzt 28 Toilettenkategorien, sechs Beauftragte und einen Inklusionsrat.
Leider sind sämtliche Toiletten kaputt.
Toilettenpapier wurde aus Klimaschutzgründen eingespart.
Aber die Schilder wurden für 180.000 Euro erneuert.
Unsere Direktorin nennt das einen Meilenstein.
Ich nenne es einen Scheißzustand.
Wobei das ohne funktionierende Toiletten inzwischen sogar wörtlich stimmt.

Danach ging es im Gesellschaftsunterricht um Männer und ihre angeblichen Privilegien.
Mein Bruder fragte, welche Privilegien er denn habe.
Er arbeitet auf dem Bau, steht um fünf Uhr auf, zahlt Steuern und kann sich nicht einmal eine eigene Wohnung leisten.
Die Lehrerin erklärte, seine Frage sei bereits ein Zeichen toxischer Männlichkeit.
Jetzt muss er zum Workshop:
„Warum du schuld bist, obwohl du noch gar nichts getan hast.“
Papa wollte wissen, ob Gleichberechtigung nicht bedeute, dass Frauen und Männer dieselben Rechte und denselben Respekt verdienen.
Jetzt gilt Papa als rückständig.
Unsere Lehrerin sagt, man müsse alte Rollenbilder überwinden.
Komisch nur, dass Männer weiterhin die schweren Möbel schleppen, die kaputten Heizungen reparieren und bei der nächsten Krise als Erste Verantwortung übernehmen sollen.

Im Ethikunterricht haben wir heute die nächste Stufe unserer dystopischen Zukunft besprochen.
Nach jahrelangem pauschalem Männer-Bashing betrachten in dieser erfundenen Welt einige Fanatiker sogar ungeborene Jungen als zukünftige gesellschaftliche Belastung.
In dieser Horrorvorstellung werden Schwangerschaftsabbrüche allein wegen des männlichen Geschlechts diskutiert.
Unsere Lehrerin nannte das „präventive Patriarchatsvermeidung“.
Ich fragte, ob das nicht die widerlichste Form von Diskriminierung sei.
Die Lehrerin antwortete, ich müsse lernen, differenzierter zu denken.
Ein Kind nach seinem Geschlecht abzulehnen, ist also plötzlich Fortschritt, solange man einen ausreichend akademisch klingenden Begriff dafür erfindet?
Ich glaube, ich verstehe die neue Moral langsam.

Diskriminierung ist schlecht.
Außer man nennt sie Gerechtigkeit.
Dann gibt es Fördergelder.

Sport:
Beim 100-Meter-Lauf wurden alle zu Siegern erklärt.
Auch Paul, der gar nicht mitgelaufen ist.
Er bekam sogar eine Sondermedaille für die mutige Entscheidung, sich dem Leistungsdruck zu verweigern.
Der schnellste Schüler musste sich entschuldigen, weil sein Sieg andere demotiviert hatte.
Nächstes Jahr fahren wir zu Olympia.
Unser Trainer hat gesagt, wir sollen einfach die anderen Nationen wegen mangelnder Inklusion anzeigen, falls sie schneller sind.
 
Morgen haben wir 4 Stunden Klimaschutz. Das interessiert mich sehr, denn Papas Firma wurde geschlossen, weil sie zu viel CO₂ ausstieß.
Jetzt wird dasselbe Produkt in China hergestellt und um die halbe Welt transportiert.
Der Bürgermeister bekam dafür einen Nachhaltigkeitspreis.
Papa bekam die Kündigung.
Unsere Regierung nennt das erfolgreiche Transformation.
Papa nennt es wirtschaftlichen Selbstmord mit Bio-Siegel.

Ach ja…
Heute hatten wir wieder Stromausfall.
Unsere Lehrerin erklärte, dass wir dadurch wertvolle Erfahrungen mit nachhaltigem Verzicht sammeln.
Oma sagte, früher hätte man so etwas einen Versorgungszusammenbruch genannt.
Jetzt heißt es „verbrauchsoptimierte Netzentspannung“.

Liebes Tagebuch,
Papa arbeitet 45 Stunden pro Woche.
Trotzdem bleibt am Monatsende kaum Geld übrig.
Die Regierung erklärt, die Bürger müssten den Gürtel enger schnallen.
Gleichzeitig wird ein neues Ministerium für gesellschaftliche Wohlfühlgerechtigkeit eröffnet.
Kostenpunkt: 900 Millionen Euro.
Papa fragte, wer das bezahlt.
Unsere Lehrerin erklärte, dass solche Fragen den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden.
Wer arbeitet, ist privilegiert. Wer Steuern zahlt, ist solidarisch. Wer beides hinterfragt, ist verdächtig.
Meine Schwester sucht jetzt schon seit drei Jahren eine Wohnung.
Für 1.200 Euro kalt bekommt sie jetzt 24 Quadratmeter mit Schimmel und Gemeinschaftstoilette.
Der Vermieter nennt das „urbanes Wohnen mit natürlichem Mikroklima“.
Die Stadt hat gleichzeitig 400.000 Euro für eine Kampagne namens „Wohnen für alle“ ausgegeben.
Meine Schwester fragte, ob sie in der Kampagne wohnen könne.
Keine Antwort.

Unsere Lehrerin erklärte heute beim Elternabend, dass wir in einer freien Gesellschaft leben.
Jeder dürfe seine Meinung äußern.
Natürlich müsse man dabei die richtige Haltung zeigen.
Wer anderer Meinung sei, müsse damit rechnen, dass seine Aussagen kritisch eingeordnet werden.
Mama sagt, man dürfe in Deutschland alles sagen.
Man müsse nur anschließend damit leben, dass ein halbes Dorf, der Arbeitgeber und drei selbst ernannte Moralwächter mitdiskutieren.
Meinungsfreiheit bedeutet: Reden ist Silber, Schweigen rettet den Arbeitsplatz.
Außerdem mache ich mir Sorgen um Oma. Sie braucht einen Facharzt.

Der nächste Termin ist im Februar 2040.
Die Krankenkasse hat ihr eine Achtsamkeits-App empfohlen.
Oma fragte, ob die App auch ihre Schmerzen behandelt.
Nein.
Aber sie könne ihre Beschwerden jetzt digital dokumentieren.
Falls Oma vorher stirbt, wird der Termin automatisch storniert.
Gute Nacht, liebes Tagebuch.

Ich würde ja sagen, die Zukunft sieht schwarz aus.
Aber Schwarz ist vielleicht auch schon wieder eine problematische Farbbezeichnung.
Also sagen wir lieber:
Die Zukunft ist lichtreduziert, chancenoffen und staatlich begleitet.

P.S.: Oma sagte heute:
„Kind, früher hatten wir Politiker, die Probleme lösen sollten. Heute haben wir Probleme, die Politiker ernähren.“
Und Papa ergänzte:
„Wenn Dummheit Strom erzeugen würde, könnte Deutschland ganz Europa versorgen.“

Ich hoffe, dass meine Bahn morgen kommt und uns der Ausfall nicht wieder als Beitrag zum Klimaschutz erklärt wird……