Freitag, 16. Oktober 2026

Sir Granville Bantock

von LePenseur 
 
 
Und schon wieder einer jener zwar nicht gerade unbekannten, doch nach der Ansicht LePenseurs weit unter seinem Wert geschätzen Komponisten, der heute vor 80 Jahren, am 16. Oktober 1946 in London verstorben ist. Wikipedia schreibt über ihn:
Bantock, der Sohn eines bekannten Londoner Arztes schottischer Herkunft, stieß mit seinem Wunsch, eine Musikerkarriere einzuschlagen, zunächst auf erheblichen Widerstand, konnte sich jedoch letztendlich durchsetzen und begann 1889 an der Royal Academy of Music in London seine Studien in den Fächern Komposition, Klavier, Violine und Klarinette, die er 1893 abschloss. In den folgenden Jahren gründete Bantock diverse Musikzeitschriften und wirkte als Dirigent (u. a. am Royal Theatre in London). 

1900 wurde er Rektor der Birmingham and Midland Institute School of Music, wo er sich besonders der Musikerziehung zuwandte. 1908 erhielt Bantock in Nachfolge von Edward Elgar den Peyton-Lehrstuhl für Musik an der Universität Birmingham. 1930 wurde er geadelt. Seine Emeritierung erfolgte 1934; anschließend zog er nach London, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. 

Bantock unternahm viele Reisen (u. a. in den Orient), hatte weit reichende Interessen (u.a. die Malerei) und war ein außergewöhnlich gebildeter Mensch, der sechs Sprachen beherrschte. Besonders wichtig war sein Einsatz für die zeitgenössische Musik, wobei er nicht nur Werke von Komponisten Großbritanniens, sondern auch von Jean Sibelius dem englischen Publikum vorstellte. Bantock wurde von vielen prominenten Musikern sehr geschätzt; Sibelius widmete ihm etwa seine 3. Sinfonie und wurde nach Bantocks Tod Präsident der neu gegründeten „Bantock Society“. 
Mit gewohnt ironisch-scharfzüngiger Bissigkeit wird Sir Granvill von Dave Hurwitz abgehandelt: Granville Bantock--Bax Without Brains? fragt er ... und beantwortet seine Frage bisweilen reichlich enigmatisch knapp 20 Minuten lang. Well, I agree to disagree. Ich kenne sowohl Bax wie auch Bantock. Beide sind nicht meine Lieblingskomponisten, aber höchst achtbare Tondichter, von denen man zumindest (etwas) gehört haben sollte, meine ich halt ...
 
Nun, gehen wir zu Sir Granville Bankotcks Symphonien (die geneigten Leser, mit welchen natürlich auch entsprechende -innen mitgemeint sind, wissen ja: I'm really a symphony guy ...) und gleich zur Ersten aus 1915 mit dem Namen Hebridean Symphony, hier gespielt von der Staatsphilharmonie Kaschau unter Adrian Leaper, ja, ich weiß, heißt jetzt anders, aber ich sage ja auch Prag und Mailand und nicht Praha und Milano (außer ich meine die Salami; beim Schinken, freilich, sage ich "Prager Schinken"):
 
 
Ja, manches ist repetitiv und das Erfinden von Themen war nicht unbedingt Sir Granville's Kernkompetenz, unbestritten. Aber "nehmt alles nur in Allem" eine hörenswerte Symphonie von spätimpressionistischem wie spätromantischem Zauber. Nun zur Zweiten, aus den 1920er-Jahren, gespielt vom Royal Philarmonic unter Vernon Handley:
 
 
Die Dritte, zu Ausbruch des 2. Weltkriegs geschrieben. Bei dieser Aufnahme verschweigt uns Youtube leider die Interpreten, dafür belohnt es uns mit dem Bild des grimmig-versonnen Noten korrigierenden Alten mit Zigarre in der Linken (was mir den edlen Sir gleich sehr sympathisch macht):
 
 
Eklektisch? Ja, sicher auch das, aber das ist ein Schicksal, dem komponierende Dirigenten nur ganz selten entgehen (man denke bloß an Mahler, Weingartner, Bernstein ...), denn wer ständig Musik sich interpretierend "aneignen" muß, für den verschwimmen nur zu leicht die Grenzen zwischen "mein" und "dein".
 
Nun zu seiner vierten (und kürzesten, nur ca. 20 Minuten langen) Celtic Symphony für sechs Harfen und Streichorchester aus dem Jahre 1940, hier wieder mit dem Royal Philarmonic unter Vernon Handley:
 
 
Sir Granville komponierte viel, vielleicht etwas zu viel, mag sein — aber diesen Fehler teilt er mit somanch Größerem (und vielen Kleineren). Neben den symphonischen Werken und Tondichtungen schrieb er Opern und lange, gewichtige Vokalwerke, Oratorien und Kantaten, die seit dem Niedergang des Chrogesanges in Vergessenheit sanken. Höchst originelle Dinge sind dabei, so z.B. Atalanta in Calydon, Choral Symphony after Algernon Swinburne aus 1911, eine höchst anspruchsvolle A-capella-Vokalsymphonie für 20-stimmigen Chor, hier mit den BBC Singers unter Simon Joly:
 

Unter dem Video erklärt ein mitleidiger Kanalbetreiber die Entstehung und mythologischen Hintergründe des sauschweren Chorgesanges (nein, ich hätte da nicht mitsingen wollen ...):

"Atalanta in Calydon" is based on the 1865 poetic work of the same name by the English decadent poet and novelist Algernon Charles Swinburne (1837-1909). Bantock's composition is a purely vocal work, demanding a twenty-part choir with "not less than ten voices to each part" according to the composer's directions. The work was dedicated to the choirmaster R. H. Wilson and the Hallé Choir from Manchester, which premiered "Atalanta in Calydon" in January 1912 under Bantock's direction. 

The poem is a verse drama that depicts episodes from Greek mythology, particularly the legend of the chaste huntress Atalanta, a favourite of Artemis. The goddess sent a ferocious, monstrous boar to ravage Calydon; the hero Meleager organized the famous Calydonian boar hunt to defeat it, calling all the famous warriors of Greece to join him, including Atalanta. Meleager immediately fell in love, and although his arrow first struck the boar, he allowed Atalanta to finish the job and carry away the spoils of the hunt. This sparked the vicious jealousy of Meleager's uncles. After he fought and killed them both, his distraught mother Althaea invoked a curse that had been placed on Meleager as an infant, burning the brand in which the Moirae (Fates) had placed her son's life. 
Nun, neugierig geworden? Es gibt (oder wenigstens gab) eine Box mit 6 CDs, auf denen man alle wichtigen Werke des Komponisten hören konnte. Und (in geminderter Tonqualität) haben diese auch ihren Weg nach Youtube gefunden. Aber zum Kennenlernen ... allemal!

 

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