Sonntag, 12. Mai 2013

Quantum refert … — Teil IV

Noch einige Zitate aus der Feder des katholischen Geistlichen, dem diese Artikelserie gewidmet ist. Ich bitte die Leser, die sich von den notwendigerweise langen Texten weniger angesprochen fühlen (lange Texte sind eher für die Buchform, als für den Bildschirm geeignet, ich weiß!) um Geduld — die Texte sind nämlich (man bedenke ihre Entstehung während des bzw. bald nach dem Zweiten Weltkrieg!) hochinteressante Zeugnisse eines selbständigen Geistes, den man bei einem »vorkonziliaren« Geistlichen eher nicht vermutet.

So denkt er über das Verhältnis von Kirche(n) und Staat (bzw. Politik) nach — und kommt zu aus damaliger Sicht durchaus »revolutionär« klingenden Thesen ... die heute freilich durch die Realität in weiten Teilen längst überholt wurden.
Der moderne Staat verlangt ein Neuorientierung mit neuen Formen für das Verhältnis Weltanschauung und Politik: Eine aufrichtige, wohlwollende Haltung gegenüber allen Religionen, ohne sich mit irgendwelcher enger zu verbinden, mit anderen Worten ihre verfassungsmäßig gesicherte Autonomie und ihre Ausschaltung aus dem politischen Raum; wobei man kirchlicherseits weitgehende Zugeständnisse machen sollte in Fragen, die letzten Endes nicht für wahre Religiosität entscheidend sein müssen […]. Eine christliche Staats- oder Soziallehre im strengen Sinn kann aus der Bibel nicht abgeleitet werden. Letztere nimmt vielmehr die Staats- und Wirtschaftsform als eine geschichtliche Gegebenheit. Sie billigt die alttestamentliche absolutistische Königsgewalt, die sich trotz religiöser Tarnung oft wenig unterschied von der Tyrannis der Nachbarvölker. Sie sagt nichts über die Rechtsgültigkeit der römischen Besatzungsmacht in Palästina und wie weit das eigene Volk in dieser politischen Form noch Rechte und Ansprüche hat. Mit anderen Worten, sie sucht unmittelbar und dieses auch erst seit Christus, durch Grundsätze von Gerechtigkeit und Brudergesinnung über Stand, Beruf und Nation hinaus die unvermeidlichen menschlichen Armseligkeiten einer jeden Staatspolitik zu verkleinern. Es ist deshalb abwegig und politische Sophistik, Christentum, Evangelium und soziale Politik in eine zu enge Bindung zu bringen. Es sollte keinen kirchlichen Integralismus im sozialen und politischen Leben von Nationen und Staaten moderner Form geben und andererseits auch keine Diktatur, welcher Farbe immer, sondern nur eine Demokratie im Sinne des Zweiparteiensystems nach englisch-nordamerikanischem Vorbild mit Links- und Rechtsrichtung, das heißt einer Opposition, die jede Majorisierung unmöglich machen kann. Diktaturen politischer und weltanschaulicher Art mit allen Mitteln zu bekämpfen, muß die nach den traurigen Erfahrungen mit dem NS besondere Sendung eines echten freien Christenmenschen sein.
Wie maßvoll mutet diese Weltbetrachtung an, wie illusionslos weiß sie die faktische Rolle von Religion zu beurteilen! Von bitteren Erfahrungen, die der Verfasser machen mußte, geprägt auch die historische Einordnung der Kriegs- und Nachkriegszeit
Ein wahrhaft christliches Zeitalter, wie es der Jesuitenredner Lombardi mit einem beglückenden Optimismus nach 1945 verkündete, wird kaum mehr kommen. So wie es vielleicht nie ein solches für längere Dauer gegeben hat, ausgenommen innerhalb der kleinen Gemeinden des Urchristentums, die aber die Welt nicht beeinflussen oder ändern konnten. Das Leben wird immer Kampf zwischen Licht und Schatten, ein Streben nach höheren und besseren Formen kultureller Entwicklung sein. »Der Untergang des Abendlandes, die Ankunft eines Antichrists, die Bekehrung Rußlands« sind nur in die Massen hineingeworfene Schlagworte. Richtig ist nur das eine, daß man von einem »Ende der Neuzeit« (Romano Guardini) sprechen kann, denn zwei Weltkriege, Faschismus, Nationalsozialismus und Bolschewismus waren gleichsam Erdstöße, die gezeigt haben, daß im Inneren alles in Bewegung geraten ist, daß Fragen gelöst werden müssen, die seit der Französischen Revolution, die nur eine kleinbürgerliche Angelegenheit gewesen war, infolge Mechanisierung von Arbeiter- und Bevölkerungsmassen eine großzügige Neuordnung verlangen, wenn nicht mit dem gegenwärtigen Zeitalter in wenigen Jahrzehnten auch Religionen und Christentum als sozialkulturformende Kräfte versinken sollten, was das größte Unglück aller bedeuten würde. Man kann die vorausgehenden Gedanken vom Ende »christlicher« Parteien, von der wohlwollend verstandenen Trennung von Kirche und Staat und von der »Militia socialis christi« als Utopien und Zukunftsträume eines weltfremden Idealisten bezeichnen. Allein sie werden eines Tages Wirklichkeit sein. […]
Fraglos ist die Sympathie unseres Geistlichen für das »Soziale« (das er gerne als »christlichen Sozialismus« bezeichnet, damit aber nichts anderes als die »christliche Soziallehre« meint, die ausgehend vom katholischen Sozialreformer des 19. Jahrhunderts, Freiherrn von Vogelsang, sich ab Leo XIII in Enzykliken und vielen Einrichtungen entfaltete) nicht ganz unproblematisch, da in ihr eine gewisse Abneigung gegen die — notwenig zu allererst profitorientierte — Wirtschaftstätigkeit spürbar bleibt. Doch welche Defizite diese christliche Soziallehre auch hat — sie sind paccata minora im Vergleich zu den verblasenen Konstrukten des Marxismus und aller darauf gründenden Sozialismen des 19. und 20. Jahrheunderts!

Und wer schließlich hätte einem Konsultor des »Heiligen Offiziums«, d.h. also: der Römischen Inquisition, die folgenden, durchaus auch selbstkritischen Sätze zugetraut?
… alle totalitären und autoritativen Systeme, welcher Farbe immer, sind in ständiger Gefahr das Opfer des Menschlichen und Allzumenschlichen zu werden, das heißt in Willkür, Unterdrückung gegenteiliger Meinungen und schließlich in der Tyrannis einer Art moderner Inquisition zu endigen, die keine Freiheit des Gewissens und persönlicher Entscheidung mehr kennt.
(Fortsetzung folgt)

Samstag, 11. Mai 2013

Könnten meine Katzen lesen

... (nun, vielleicht können sie's und verschweigen es mir nur — in der Tat finde ich beim Nachhausekommen in meiner Bibliothek immer wieder Bücher, die vorher noch auf dem Schreibtisch lagen, am Boden vor ... also wer weiß ...?)

Also: könnten meine Katzen lesen, so wären sie sicherlich Fans von Akif Pirinçci. So wie ich mittlerweile (obwohl ich seine Katzen-Krimis zwar recht nett finde, aber Krimis sind insgesamt nicht so mein Fall ...), und ganz besonders nach der Lektüre dieses Artikels:
Warum nicht gleich türkische Richter in deutschen Gerichtssälen?

Ob NSU-Prozess oder Pauschalverdächtigungen bei Bränden: Mit Hilfe muslimischer Lobbygruppen versucht die Türkei, sich immer mehr in die deutsche Politik einzumischen

Wenn ein Raufbold anfängt, dich in eine bestimmte Ecke zu drängen, gibt es nur zwei Möglichkeiten, den Konflikt zu beenden: Entweder du sagst ihm klipp und klar, dass es für ihn Konsequenzen haben wird, wenn er damit nicht aufhört – oder aber du begibst dich in die Demutshaltung und signalisierst ihm deine Unterwerfung.

So in etwa muss man sich die gegenwärtig ablaufenden Frechheiten seitens der Türkei und ihrer der Separation dienenden U-Boote wie Türkische Gemeinde, DITIB, Koordinierungsrat der Muslime usw. hierzulande sowie die Kapitulationshaltung deutscher Politiker vorstellen. In einer Weise, die an Autoaggressivität grenzt, vermitteln die deutsche Regierung und die deutschen Medien einer Migrantengruppe, denen man freundlicherweise zu einem besseren Leben als in ihrer Heimat verholfen hat, dass sie der Schwanz ist, der mit dem Hund wedelt.
(Hier weiterlesen)
... meint Pirinçci durchaus berechtigt provokant. Solange solche Artikel noch erscheinen können (und zwar im »FOCUS Magazin«), ist die Sache vielleicht noch nicht ganz verloren. Beschämend ist freilich, daß solch ein Artikel von einem türkischstämmigen Autor geschrieben werden mußte, weil unsere politisch korrekten Journaille-LuschenInnen in den Systemmedienredaktionen sich vor sowasnatürlich ins Hoserl gewischerlt hätten

Wer sich hingegen wie Pirinçci kein Blatt vor den Mund nimmt, der kann in seinem Artikel auch schreiben, warum er sich sowas — anders als besagte Redaktions-LuschInnen — trauen kann:
Ich weiß übrigens sehr wohl, dass ich mir mit diesem Text eine Menge Feinde schaffen werde, die es nicht so gerne sehen, wenn die Volksverblödung à la „die deutschen Muslimvereine dienen der Integration“ in Frage gestellt und die Ausländervergottungsmesse nicht dreimal am Tag gelesen wird. Aber da ich kein von Kultursubventionen lebender Staatskünstler bin und mir mein Geld auf ehrliche Weise verdiene, ist mir das vollkommen egal.

TÜRKISCHER DEUTSCHER Der Autor Akif Pirinçci, 53, kam in Istanbul zur Welt und lebt in Bonn. Bekannt wurde er mit seinem in 17 Sprachen übersetzten Detektivroman „Felidae“. Sein aktueller Roman „SLAM“ spielt in einer komplett islamisch gewordenen Zukunft.
Ob ich »Slam« wirklich lesen soll? Mein Blutdruck steigt ohnedies in Mount-Everest-Höhen, wenn ich bloß die Nachrichten aus einer noch nicht komplett islamisch gewordenen Gegenwart höre ...

Ach ja: und zum Schluß gibt Pirinçci noch einen kleinen Hinweis darauf, wie sehr doch, bitte, die türkische Regierung ihren Rand halten soll:
In der Türkei sind derzeit mehr Journalisten inhaftiert, als in den NSU- Gerichtssaal hineinpassen
Kommentar überflüssig.

Quantum refert ... — Teil III

So, wie die — im Teil II dieser Artikelserie geschilderten — Bemühungen unseres Geistlichen im Dezember des Jahres 1943, einen Waffenstillstand zwischen Westalliierten und Deutschland unter Beseitigung der NS-Herrschaft zu erreichen, fruchtlos blieben, so blieben es auch seine Gedanken über die Rolle Österreichs in Europa — Gedanken, die bis heute nicht umgesetzt werden, gerade obwohl sie eine für Zentraleuropa so dringend nötige Stabilisierung brächten. Dies ist aber nicht im Sinne der Brüsseler Zentralen — und zwar weder der EUrokratie (die jeden lokalen Gegenpol als Bedrohung ihrer absoluten Macht ansieht — und bei ihrer angemaßten Rolle als »Lenker Europas« wohl auch ansehen muß!), noch der NATO, deren Zentrale in Brüssel zwar nur der sprichwörtliche, mit dem amerikanischen Hund wedelnde Schwanz ist, aber gerade deshalb in seinem Einflußgebiet möglichst »diversifizierte« Verhältnisse liebt, ganz nach dem alten Motto »divide et impera«. Und dennoch: hatte (und hat!) jener verstorbene Geistliche nicht recht mit seinen Gedanken? Und, vielleicht schon zum Überdruß gefragt: sind Gedanken wie die folgenden denkmöglich Zeugnisse des Nazi-Ungeistes?
Es gab nur eine Alternative, wenn man nicht die Wirklichkeit leugnen wollte: der Zusammenschluß mit Deutschland zu einem national einheitlichen, föderativ aufgebauten Staat oder ein wirtschaftlicher Donaubund mit Tschechen, Ungarn, Südslawen und mit Triest als Freihafen mit Zollunion und einem allen gemeinsamen Staatsrat. Eine solche wirtschaftlich-politische Lösung hatte mit einer »monarchischen Restauration« nichts zu tun. Alles andere war Geld-, Zeit- und Kräftevergeudung, nachdem die Welt von morgen nur mit großen Wirtschaftsräumen rechnen kann, sollten nicht kleine Staaten in einem vergeblich geführten Rivalitätskampf um die Weltmärkte verbluten. […] Im Einverständnis mit mehreren Landsleuten arbeitete ich auch eine Denkschrift aus im Sinne einer Donauwirtschaftsföderation.

Als wir diese Schrift an maßgebende Stellen weiterleiteten, kam eine Reihe zustimmender Antworten*). Nur eine Stelle schwieg — Rußland. Auf Umwegen ersuchte mich das englische Kommando in Rom, bei der Sowjetvertretung in der Via Gaeta zu sondieren, wie man sich in Moskau ein zukünftiges Österreich vorstelle. Meine Aufnahme dortselbst war liebenswürdig. Ein junger Botschaftsrat, der ausgezeichnet die deutsche Sprache beherrschte, sagte mir: »Wir haben noch keine Weisungen, da diese Frage vom Politbüro noch nicht überprüft worden ist.«

*) Churchill, Roosevelt, Attlee, Generalleutnant W. Clark, um nur die wichtigsten zu nennen.
Wie man weiß, waren die sowjetischen Pläne alles andere, als daran interessiert, ein stabiles, selbständiges Zentraleuropa zu schaffen, und es grenzt fast an ein Wunder, daß Österreich mit seinen eigenen Staatsvertragsverhandlungen ein wohl nur schmales Zeitfenster nach dem Tode Stalins zu nutzen verstand, um seine — wenn auch durch mancherlei Kautelen beschränkte — Souveränität mit dem »Staatsvertrag von Wien« 1955 wiederzuerlangen.

Zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, und zwar in den Juli 1944. Etwa um die Zeit des Stauffenberg-Attentatsversuches richtete unser Geistlicher an alle in Rom lebenden Österreicher einen Aufruf, aus dem vieles zitierenswert wäre, hier doch aus Platzgründen nur einige besonders prägnante Sätze gebracht werden können — von denen der Verfasser dieses Aufrufes freilich wehmütig bemerkte, daß sie »nicht den Beifall mancher Verirrter finden konnten«:
Österreich ist und bleibt deshalb trotz aller feinen, aus dem Romanischen und Slawischen übernommenen Nuancen, die den Österreicher besonders vom Norddeutschen vorteilhaft unterscheiden, ein Land und Staat von deutscher Kultur. Sein Nachbar ist und bleibt das deutsche Volk. Letzteres wird ungeachtet der Tragödie sich wieder emporarbeiten zu einem in Europa geachteten politischen Faktor: denn es ist ein arbeitsfrohes, diszipliniertes und pflichtbewußtes Volk, das nur eine gescheitere Führung in wahrhaft demokratischer Gesinnung haben muß. Ohne die deutsche Nation gibt es kein beruhigtes Europa; denn die deutsche Frage ist die Frage an sich. Um so wichtiger ist es, daß es allen Eventualitäten der nächsten dreißig Jahre aus eigener Kraft gewachsen ist. Österreich aber sollte andererseits geradezu die vornehmste Verkörperung deutscher Art werden, da hier Kultureinflüsse aus dem Süden und Osten die Härten des deutschen Charakters glücklicherweise mildern können.

[…] Der Aufbau Österreichs kann nach Jahren des Hasses , der Rache und Zerstörung nur in Liebe, Gerechtigkeit und Freiheit erfolgen. Das ständige Anprangern und Denunzieren von eigenen Landsleuten ist kein Zeichen vornehmer Gesinnung, von Christentum gar nicht zu reden. So wie die Reichsdeutschen — von jenen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, die in Konzentrationslagern und Gefängnissen gelitten oder in der Freiheitsfront offen gekämpft haben — müssen auch viele Österreicher ein »Nostra culpa« sprechen: viele Sozialisten, die so lange für den Anschluß waren, als in Deutschland ihre Partei die Hauptposten einnahm, jene Kommunisten, die in die Partei des NS eingetreten sind, statt in den Schützengräben der Innenpolitik ohne Rast zu kämpfen, viele Heimwehrleute, die durch ihre autoritäre, der wahren Demokratie widersprechende Haltung dem NS in Österreich manche Wege bereitet haben, und endlich alle jene, die mit Namen wie Hirtenberger Waffenschmuggel, Phönixversicherungsskandal, Bosel, Mandel und Castiglioni irgendwie verbandelt waren. Das einzige richtige ist, hinter die Vergangenheit einen dicken Strich zu ziehen, aber jene zu treffen, die sich während der NS-Gewaltherrschaft am Leben, an Gesundheit, Vermögen und Familie ihrer Landsleute wirklich versündigt haben. Möge hier nicht der Grundsatz gelten: »Die kleinen Diebe hängt man, die großen läßt man laufen.«
Betroffen stimmende Worte — für alle Seiten, in der Tat! Die Nachkriegsgeschichte zeigt uns jedoch, mit welcher Frivolität über diese Fragen hinweggegangen wurde — von allen Seiten. In Österreich wurden zwei Sozialdemokraten, Dr. Karl Renner und General Theodor Körner, die sich bei der Volksabstimmung zum »Anschluß« Österreichs an das Deutsche Reich in Zeitungsinterviews mehr als glücklich darüber zeigten, als die ersten beiden Bundespräsidenten der »Zweiten Republik« gewählt — erst der dritte, Adolf Schärf, war (wenn auch nur kurze Zeit, anders als der in einem früheren Artikel erwähnte Bundeskanzler Gorbach) seinerzeit von den Nazis inhaftiert worden.

Und so, wie es im Jahr 1938 ein großes Hinüberfluten von sozialdemokratischen Genossen zu den NS-»Parteigenossen« gegeben hatte, genau so kam es 1945 zum großen Zurückfluten, als hunderttausende der »Parteigenossen« auf einmal ihre persönliche Lebensgeschichte als Widerstandskämpfer entdeckten, und mit dem sicheren Talisman eines roten Parteibuches ihre braun begonnenen bzw. fortgeführten Karrieren zumeist nahtlos erfolgreich fortsetzen konnten. In geringerem Maße traf das auch für die ÖVP zu, sodaß der Vorwurf an die Freiheitliche Partei, die Partei der »Ehemaligen« zu sein, geradezu abstrus ist: ein Vielfaches an »Nazis« befand sich in Bälde in den beiden Großparteien, wogegen die FPÖ eher das Sammelbecken der Angehörigen des »Dritten Lagers«, also der Großdeutschen, der Deutschnationalen, und der (in Österreich immer nur recht wenigen) Liberalen bildete, und daher — vor Jörg Haider — weithin eine klassische »Honoratiorenpartei« mit etwa 5 % Wähleranteil war.

Bevor der Eindruck entsteht, daß »diese Ösis« es sich eben als echte Schlawiner besonders geschickt »gerichtet« hätten — es war in Deutschland (und zwar West und Ost!) keinen Deut anders. Während im Westen weite Teile der Beamtenschaft und Justiz »um Anarchie zu vermeiden« recht unbehelligt von jeder »Entnazifizierung« weiter ihre Karriere fortsetzen konnten, und nicht die wenigen idealistischen Nazis (die es ja gab!), sondern die vielen opportunistischen dabei in hohe und höchste Ämter aufstiegen, wurde im Osten von der SED sogar eine eigene Partei für die »Ehemaligen«, die NDPD, gegründet, und diese war bis 1989 die wohl am engsten mit der SED kooperierende Blockpartei der DDR. Und auch die hehren Grundsätze, die die Alliierten Mächte so lautstark vor sich herposaunten — sobald politische, militärische oder wirtschaftliche Interessen ins Spiel kamen, waren sie das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben standen …

(Fortsetzung folgt)

Nachrichten aus AbUSrdistan

... brachte zu unserem Pläsier am gestrigen Tage die APA/dpa (in der Abschrift durch Tante »Presse«):
Fannie Mae: 60-Milliarden-Scheck verschafft USA Luft

Der amerikanische Häusermarkt zieht wieder an. Der Konzern zahlt nun die Staatshilfen zurück. Die Zahlung hat Auswirkungen auf den US-Budgetstreit.

Das Finanzministerium in Washington darf sich auf einen dicken Scheck des staatlich kontrollierten Baufinanzierers Fannie Mae freuen. Das Unternehmen kündigte am Donnerstag die Zahlung von 59,4 Milliarden Dollar (45,3 Milliarden Euro) an. Hintergrund ist die Erholung am amerikanischen Häusermarkt, durch die Fannie Mae wieder satte Gewinne einfährt. Diese muss der Konzern nach seiner Rettung durch den Steuerzahler während der Finanzkrise abgeben.

Die Zahlung verschafft der US-Regierung finanzielle Luft in einer verfahrenen Situation. Seit Monaten tobt ein Haushaltsstreit zwischen den politischen Lagern in Washington, der schlimmstenfalls zur Zahlungsunfähigkeit des Staates führen könnte - wenn nämlich die vom Kongress selbst gesetzte Schuldengrenze erreicht wird. Angesichts der Milliardenzahlung wird dieser "Tag X" nun vom Bipartisan Policy Center im Oktober erwartet, nachdem die US-Denkfabrik zuvor auch den September für wahrscheinlich gehalten hatte.

[...]

Mittlerweile hat sich der US-Immobilienmarkt aber erholt und die Firmen verdienen wieder gut. Fannie Mae verbuchte für das erste Quartal unterm Strich einen sagenhaften Gewinn von 58,7 Milliarden Dollar. Diese Summe steht allerdings nur auf dem Papier. Sie kommt durch einen Bilanzeffekt im Zusammenhang mit früheren Verlusten zustande, die in der Zukunft die Steuerlast drücken können und damit einen hohen Wert fürs Unternehmen haben.

Vor Steuern und damit dem Bilanzeffekt lag der Gewinn noch bei 8,1 Milliarden Dollar. Alleine hierdurch könnte Fannie Mae allerdings die Dividendenzahlung an den Staat nicht stemmen. Wie das "Wall Street Journal" anmerkte, müsse das Unternehmen neue Schulden aufnehmen - und dieses Geld letztlich an das Finanzministerium ausschütten.

(Hier den ganze Wahnwitz lesen)
Also, das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da traut sich einer, nachdem Helicopter-Ben die USA flächendeckend mit Dollarnoten beregnete und dadurch nichts weiter als eine asset inflation auslöst, das für eine Erholung am US-Immobilienmarkt auszugeben! Und weil die US-Regierung an ihrer hypertrophen Ausgabenpolitik pleite zu gehen droht, macht FannieMae mal schnell auf Pump eine Dividendenausschüttung für Gewinne, zu sechs Siebentel aus Bilanzkosmetik kommend, die noch dazu künftige Steuereinnahmen der US-Regierung schmälern werden. Das alles erinnert irgendwie an das bekannte Wiener Heurigenlied »Verkauft's mei G'wand, i fahr in' Himmel!« ...

Hübsch in dem Zusammenhang der von der »Presse«-(APA/dpa?)-Redaktion wohl unbeabsichtigte Kalauer, daß FannieMae den USA »Luft« verschafft. Nun, in der Tat! Nichts als Luft, und zwar nicht mal heiße ...

Freitag, 10. Mai 2013

LePenseurs Lebenshilfen (1)

 
Maienzeit ist bekanntlich Hochzeitszeit, also entschloß sich LePenseur neben drögen Wirtschaftsthemen, Kritik an gesellschaftlichen und politischen Fehlentwicklungen und anderem derartigem heavy stuff auch einmal etwas für die lesser pleasures seiner Leser zu tun — und startet hiermit die Serie »LePenseurs Lebenshilfen«, die in unregelmäßigen Abständen den geneigten Lesern genau das nahebringen (oder wenigstens nahezubringen versuchen), was sie sich bisher einfach nicht zu fragen getrauten. Womit wir wieder bei der Hochzeitszeit wären.

Also, um das gleich klarzustellen: Lebenshilfe für den Hochzeitstag, sei es nun für Freud- bzw. Leidtragende, sei es für Teilnehmer (mit mehr oder weniger Teilnahme hinsichtlich des Verlustes der Freiheit) bedeutet natürlich nicht Lebenshilfe für die Hochzeitsnacht — diesbezüglich mögen sich die Leser (und -innen) besser an dazu kompetente Psycho- und Sexologen, bzw. im Falle ausgeprägter Katholizität an einen Beichtvater ihres Vertrauens wenden. Falls nicht vorrätig, (bei Leserinnen) an Mama, bzw. (bei Lesern) einen hoffentlich vorhandenen älteren Bruder — die wissen meistens Rat ...

Dieses vorausgeschickt (und damit abgehakt), bleibt dennoch für eine gelungene Hochzeit eine Menge an Beratungsbedarf übrig. Das meiste davon läßt sich durch Hochzeitsarrangeure, versierte Mesner, Musikgruppenagenten und Eventmanager lösen ... doch dann steht mann mit so einem schalartigen, silberfarbenen Seidending in der Hand da. Das Hemd ist vatergemordet, die dezent grau-in-grau gestreiften Hosen sind angezogen, Weste und Stresemann bzw. Cutaway hängen bereit — und die bange Frage keimt auf den Lippen des Bräutigams:

Wie bindet man jetzt eigentlich dieses sch...öne Plastron?

Ganz einfach — so:



Sehen S', meine Damen und Herren! Und genau deshalb gibt es ab jetzt »LePenseurs Lebenshilfen«. Bei uns werden Sie geholfen.
 

Quantum refert ... — Teil II

Der Verfasser dieser Tagebücher, aus denen hier zitiert wird, war ein jahrzehntelang in Rom tätiger katholischer Geistlicher, der nach der Einnahme Roms durch die Alliierten von Politik und Presse geschwind zum »Nazi« gestempelt wurde, und dann nach jahrelangem Mobbing schließlich »freiwillig« seinen Abschied nahm — nicht von der katholischen Kirche (obwohl er selbst daran in dunkelsten Stunden gedacht haben mag, seine Tagebücher deuten es an), aber von jeder öffentlichen Tätigkeit in ihr — zur großen Erleichterung seiner Vorgesetzten und Feinde. Aber: denkt ein »Nazi« denn so wie dieser Mann, der in seinen Erinnerungen beispielsweise über seine Bemühungen schreibt, die klar erkennbar kirchenfeindliche Haltung leitender NS-Funktionäre vom Papst verurteilen zu lassen?
Ich benutzte aber diese Audienz im Oktober 1934 (es sollte meine letzte sein), um dem Papst das folgende Gesuch zu unterbreiten, in dem ich die feierliche Verurteilung in der Form einer Enzyklika oder eines neuen Syllabus der drei folgenden Zeitirrtümer vorschlug, was zugleich eine klare Frontstellung gegenüber der Gruppe Rosenberg und Streicher bilden mußte:
1. Der totalitäre Staatsbegriff, der den Persönlichkeitswert des einzelnen Menschen unterdrückt, 2. der radikale Rassenbegriff, der die Einheit des Menschengeschlechtes auflöst, 3. der radikale Nationalismus mit der Preisgabe des Naturrechtes infolge der ausschließlichen Geltung des positiven von Nation und Staat dekretierten Rechtes. Zum letzteren gehörte besonders die von Macchiavelli durch Lenin, Stalin, Hitler übernommene Formel, die jede Rechtssicherheit und Vertragstreue zerstört: »Recht ist, was dem eigenen Volke nützt«. Es war die erste derartige Eingabe […] an das Heilige Offizium, und Papst Pius XI war stark beeindruckt und bereit, diese Fragen durch die genannte höchste Kongregation überprüfen zu lassen. Vielleicht wäre manches dem deutschen Volk und Österreich erspart geblieben, wenn 1934 rechtzeitig der Bannstrahl gegen diese Irrtümer geschleudert worden wäre, die so viel Unglück über Europa bringen sollten. Welche Gegengründe damals gewirkt haben, könnte nur ein Einblick in die Archive des Heiligen Offiziums und Staatssekretariates enthüllen!
Ist einer vorstellbarerweise ein »Nazi«, wenn er im Dezember 1943 in einer als Privatinitiative getarnten, doch aber wenigstens semi-offiziellen Kontaktaufnahme zum US-Geschäftsträger beim Heiligen Stuhl versucht, einen Waffenstillstand zwischen Deutschland und den West-Alliierten herbeizuführen, und dabei in seinem Schreiben u.a. ausführt:
Die Dauer des Krieges muß unbedingt abgekürzt werden aus verschiedenen besorgniserregenden Gründen:
1. Die Bedrängnisse aller Nationen in den vom Reich besetzten Gebieten werden von Tag zu Tag verhängnisvoller, Hunger, Verfall der Sitten, Eindringen von revolutionären Ideen bis zur völligen Anarchie greifen immer mehr um sich.
2. In Deutschland hat Hitler seit vier Monaten keine politischen Persönlichkeiten mehr zu Beratungen zugezogen, sondern auf militärischem, politischem und diplomatischem Gebiet die ganze Verantwortung auf die eigenen Schultern genommen. Dadurch entsteht eine Lage, die unter der hohen Generalität und den Vertretern der deutschen Diplomatie nicht ohne psychologische Folgen bleiben wird. Eine solche Spannung zwischen Hitler und den genannten Stellen sollte für eine baldmöglichste Beendigung des Krieges ausgenützt werden.
3. Die große Gefahr für Deutschland ist die drohende völlige Anarchie von morgen, falls die Luftangriffe im augenblicklichen Ausmaß andauern oder sogar an Zahl und Heftigkeit zunehmen. Darum kann man auch kein solides und gut organisierte Österreich aufbauen, solange an den Reichsgrenzen die Gefahr der Anarchie die innere Politik Österreichs ständig bedroht. Österreich müßte im Interesse einer zukünftigen gesunden Politik Europas zwei Aufgaben haben. Es müßte ein Bollwerk sein im Wiederaufbau der mitteleuropäischen Politik gegen alle revolutionären Elemente, mögen sie von Deutschland oder vom Kommunismus herkommen. Sonst hätten England und die Vereinigten Staaten auch im Falle des Wiedererstehens von Österreich militärisch gesiegt, niemals aber in politischer Hinsicht.
4. Das deutsche Volk ist waffenlos und kann nicht viel gegen Hitler unternehmen, aber es wartet auf eine straffe Hand, die wenigstens den Weg weist, wie man zu Bedingungen kommen kann, die das Einstellen der Feindseligkeiten zuwege bringen. […] wenn man beispielsweise über die Schweizer Regierung dem Außenministerium in Berlin folgende Präliminarbedingungen für einen Waffenstillstand (unter gleichzeitiger Bekanntgabe des ganzen Wortlautes im Radio und durch Millionen von Flugblättern über den deutschen Städten) unterbreiten würde und im Falle der Nichtannahme dieser Bedingungen innerhalb von drei Tagen drohen würde, daß die Luftangriffe verschlimmert würden bis zur völligen Verwüstung aller bedeutenderen deutschen Städte und daß die hiermit zugebilligten Bedingungen in Zukunft nicht mehr in Betracht kommen könnten:
A. die Bildung einer neuen Regierung in Deutschland, bestehend aus Generälen und hohen Offizieren der deutschen Wehrmacht, bis das Volk selbst durch einen freien Volksentscheid sich die endgültige Staatsform wählen kann.
B. Der Rückzug aller deutschen Truppen aus allen besetzten Ländern bis zur Reichsgrenze vom 1. März 1938.
C. Die sofortige Befreiung aller Inhaftierten, die in Konzentrationslagern oder Gefängnissen aus religiösen, rassengesetzlichen oder antihitlerianischen Gründen festgehalten sind unter Ausnahme von allgemeiner Verbrechen schuldigen Personen.
D. Die Auslieferung der kriegsverantwortlichen Personen, die im ersten Verzeichnis der Alliierten Nationen enthalten sind.

Ein solcher Vorschlag unmittelbar vor der Papstansprache anläßlich des Weihnachtsfestes würde in Deutschland und auch in den besetzten Ländern zweifellos schwerste psychologische Folgen haben.
Ein Blick in die leidvolle Nachkriegsgeschichte der Teilung Europas bis ins Jahr 1989/90, mit ihrem unermeßlichen Leidensdruck für die unter kommunistischer Herrschaft kasernierten Völker Osteuropas zeigt nicht nur die Hellsichtigkeit dieser Vorschläge, sondern noch mehr die, wohlwollend beurteilt, blanke Ahnungslosigkeit und Naivität der Westalliierten hinsichtlich der Kriegsziele Stalins — oder eben sogar die geradezu zynische Gleichgültigkeit, mit der Terrains verteilt und Claims abgesteckt wurden, ohne die davon Betroffenen zu beachten.

(Fortsetzung folgt)

Donnerstag, 9. Mai 2013

Herr Alipius denkt

... über eine »Bedrohung« nach. Und wie immer beim geschätzten Regularkanonikus Alipius C. Müller ist das Ergebnis prägnant, gescheit, lesenswert — auch wenn LePenseur das eine oder andere etwas andes sieht: Nachdenken über den kurzen Text lohnt sich allemal!

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P.S.: auch PPQ denkt darüber nach und sucht Lösungen. Andere allerdings, aber erheiternde.

Quantum refert, in quæ tempora vel optimi cujusque virtus incidat — Teil I

… schreibt Plinius d.Ä.*), und dieses Zitat als Titel, unter dem eine kleine Reihe von Artikeln in den nächsten Tagen handeln sollen, trifft geradezu erschreckend genau auf das Leben des Protagonisten dieser Artikel zu, zu dessen Gedächtnis am Schluß der Serie ein kurzer Lebensabriß stehen wird — und sein bis heute, nein, nicht »umstrittener« (wie es heute so billig wie heimtückisch als epitheton disornans verliehen wird!), sondern geradezu bis zur damnatio memoriæ verfemter Name genannt werden soll.

Aber lassen wir den Protagonisten dieser Artikel mit eigenen Worten seine weitausgreifenden Vorstellungen und Gedanken darlegen! Sie werden freilich dem Ohr der Heutigen — insbesondere derer, die durch einen »Geschichts«unterricht nach den ideologisch überformten Lehrplänen arrivierter Alt-68er gegangen sind — fremdartiger klingen als die Texte der Veden. Dennoch: es ist den Versuch wert, sich in eine Zeit zurückzuversetzen, die uns zwar heute so fern scheint — und die dennoch noch von der Großeltern-, wenigstens aber der Urgroßelterngeneration der heutigen Jugend miterlebt und miterlitten wurde. Was zugleich alles über die Geschichtsvergessenheit unserer Gegenwart sagt, die bloße Ideologeme für historische Fakten erklärt, und die Geschichtsforschung in ein Korsett des Opportunismus, der politischen Korrektheit zwängt und jede Abweichung davon bis zur sozialen und moralischen Vernichtung des Wagemutigen (man denke an den perfiden »Historikerstreit« gegen Ernst Nolte) abstraft …

Zum Verständnis der folgenden Textzitate sei vorausgeschickt, daß ihr Verfasser ein katholischer Geistlicher war, und sie, obzwar in den Jahren nach 1945 verfaßt, lange Zeit unpubliziert blieben. Um mir die »Schlußpointe«, also die Lüftung seiner Identität, nicht zu verderben, ersuche ich die Kommentar-Poster, sich mit Mutmaßungen darüber zurückzuhalten (Kommentare zum Inhalt sind natürlich willkommen!), sondern — wie es in wissenschaftlicher Weise eigentlich selbstverständlich sein sollte — die Textzeugnisse unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen. Sie sind es — bei aller Problematik im Detail — durchaus wert! Doch nun geben wir dem ungenannten Verfasser das Wort:
Wieviele Menschen verdammen wir aus der Enge unseres Blickes, aus dogmatischen und moralischen Überlieferungen. Menschen müssen es so machen, weil Weltanschauungen nur Bestand haben, wenn sie kompromißlos verteidigt werden. Gott allein kennt die Zusammenhänge des Lebens und weiß, durch welche Kette von Ursachen, Beweggründen, Leidung und merkwürdigen Zufällen ein Mensch gerade das und nicht etwas anderes geworden ist.

Der Mensch weiß in den seltensten Fällen, wie er in eine bestimmte Lebensaufgabe hineingeraten ist. Das Ausschlaggebende ist fast immer die Zeit, in der man lebt, die geistige Luft, die man als Kind atmet, die Umgebung, in der man aufwächst und die ersten Eindrücke empfängt. Familienrücksichten und Bindungen, gesellschaftliche Auffassungen und Vorurteile. Auch der »Zufall« hat sein Wort zu sprechen, wenn man nicht das göttliche Wesen zur Rolle eines Marionettenregisseurs herabdrücken will. Unter anderen Verhältnissen wäre dieser oder jener etwas anderes und möglicherweise ein Heiliger geworden. Vielleicht hätte er auch in einem anderen Berufe Außergewöhnliches geleistet. So ist er ein Durchschnittsmensch oder nur ein braver Handwerker ohne Möglichkeiten großer Leistungen geblieben […]

Der römische Katholizismus hatte vom 19. zum 20. Jahrhundert sechs große, überragende Geister: Lamennais, Rosmini, Newman, Schell, Romulo Murri und Sturzo. Die beiden ersten und Romulo Murri, der Führer des politischen Modernismus und Mitbegründer der Democrazia cristiana in Italien, wurden das Opfer politischer Intrigen, bevor sie noch anfechtbare philosophische und religiöse Lehren verteidigten. Lamennais und Murri wurden priesterlicher Handlungen für unwürdig erklärt und aus der Kirche ausgeschlossen. Die andern wurden in Rom verdächtigt und in ihrer wissenschaftlichen Überzeugung und Ehre angegriffen. Teilweise kamen sie mit Not an der vollständigen Verurteilung vorbei, Lamennais starb in der Vereinsamung, Romulo Murri hat noch am Totenbett die Rückkehr der vatikanischen Politiker vom Monarchen-Absolutismus zur Demokratie erlebt. Rosmini wird eine spätere Zeit auf die Altäre erheben — und doch waren diese kirchlichen Persönlichkeiten jene wenigen führenden Geister des Katholizismus im 19. Jahrhundert, von denen man sagen kann, daß sie mit neuen Ideen wesentlich dem geistigen Fortschritt der Menschheit über die Konfessionen hinaus gedient haben. Alle Genien des wahren Fortschrittes gleichen aber Meteoren, die brennen, um ihr Jahrhundert zu erhellen.
Nicht wenigen meiner Leser wird das vorstehende Zitat zu langatmig und schlichtweg uninteressant gewesen sein. Es geht darin ja nicht um Geld und Finanzen, nicht einmal um Überfremdung, oder die Machtspiele unserer Politiker — sondern »bloß« um den Geist des Abendlandes. Also um das (und dies pflegen insbesondere Liberale/Libertäre gern zu übersehen), um dessentwillen alles andere, will es nicht sinnloser Selbstzweck bleiben, von Belang ist. Daher sei noch aus der Vorrede seiner Lebenserinnerungen der letzte Absatz zitiert, der heutigen Ohren wohl noch fremdartiger klingen mag — und überaus anstößig in seiner Begrifflichkeit, wie sich von selbst versteht:
In der Einsamkeit […] wandern meine Gedanken in die Vergangenheit zurück, während die Kuppel von St. Peter wie eine trotzige Festungskrönung in der Unendlichkeit des Landes meine Blicke trifft. Je dunkler sich die Gegenwart gestalten will, um so weiter wandern die Gedanken in das Sonnenland der Kindheit und Jugend zurück. Sie grüßen den Morgen eines Priestertums voll Idealismus, sie grüßen auch jene Lebensstrecke, die mich, nachdem ich vielen Eitelkeiten den Abschied gegeben und die Welt völlig überwunden habe, von der Zeit hinweg an das lichte Gestade der Ewigkeit führen wird. So ist dieses Buch ein Confiteor verfehlter Hoffnungen und gescheiterter Versuche. Möge es trotzdem für die gebildete deutsche christliche Jugend dereinst ein Trostbuch sein, tapfer aus dem Dunkel der Gegenwart eines politischen Pharisäertums ins helle Licht reiner Menschlichkeit emporzustreben […] Es ist der nationalbewußte, christlich und sozial modern denkende deutsche Mensch mit seinem Fleiß, seiner Ordnungsliebe, Zähigkeit, Organisationsfähigkeit und Treue, aber auch mit seiner Sehnsucht nach den unvergänglichen Werten des religiösen Gedankens. Dieser Jugend von morgen sei dieses Buch geweiht.
Ich höre in Gedanken schon das geringschätzige Wort von bloßen »Sekundärtugenden, mit denen man genauso gut ein KZ betreiben könnte« — und wer unsere Jugend (wie auch die der letzten Jahrzehnte) ansieht: haltungslos durch eingetrichterte ideologische Geschichtsverfälschungen und gesinnungslos durch das Miterleben-Müssen einer durch und durch opportunistischen, heuchlerischen Politik, lebensunfähig gemacht durch die entmündigenden »Segnungen« eines überbordenden Sozialstaates, der platten Hedonismus und Konsumismus belohnt, und das Streben nach dauerhaften Werten geschickt untergräbt ... ... und überhaupt: »deutsch«! Wie es die GrünInnen Politikerin Claudia Roth definierte: »Deutsche sind Nichtmigranten, mehr nicht!« — nein, es ist leider nicht »die Jugend von morgen«, die der Verfasser seinerzeit ansprechen wollte, und die demnach die Jungend von heute sein müßte, sondern wohl eine von den Dämmerungen noch unbekannter »Morgen« und »Übermorgen« verhüllte. Wenn es sie überhaupt noch geben mag.

(Fortsetzung folgt)

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*) »Wieviel kommt doch darauf an, in welche Zeiten die Tüchtigkeit auch des Besten fällt.«

Mittwoch, 8. Mai 2013

Altbekanntes aus Absurdistan

... berichtet »Die Presse« höchst beziehungsreich zum heutigen Tage gleich in mehreren Artikeln. Schon die Titel versprechen, was die Artikel halten — Nachrichten aus Absurdistan:
Frei.Wild und das "Land der Vollidioten"
Rechtsradikal? Ein Konzert der Südtiroler Rockband wurde abgesagt. Der Auftritt am Freitag in Graz ist umstritten. Kritiker befürchten, dass es die „rechte Szene“ anziehen wird. Wie bedenklich ist diese Band wirklich?

"Das ist das Land der Vollidioten, die denken, Heimatliebe ist gleich Staatsverrat. Wir sind keine Neonazis und keine Anarchisten, wir sind einfach gleich wie ihr, von hier.“ Das sind programmatische Liedzeilen der Südtiroler Band Frei.Wild, die, wo immer sie auch auftritt (oder auftreten will), Debatten auslöst.
(Hier weiterlesen)
Keine Debatte ist freilich darüber nötig, welches das »Land der Vollidioten« ist. Das ist ohnehin klar, denn es steht bereits in der dritten Zeile der Bundeshymne ..

Ganz dazu passend ist auch folgende Meldung:
Mahnwache: "Heldenplatz von Ewiggestrigen befreit"
Das "Totengedenken" der Burschenschafter weicht heute einem "Fest der Freude" über den Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Die Regierungsspitze würdigt den Widerstand.

Heute vor 68 Jahren kapitulierte die Deutsche Wehrmacht. Der „Tag der Befreiung" Europas wurde in Österreich jahrzehntelang vom "Totengedenken" der Burschenschafter überschattet. Doch heute verhindert eine Mahnwache des Bundesheers und ein „Fest der Freude" den Aufmarsch der Rechten mit Fackeln und Säbeln. Seit 7 Uhr früh halten Soldaten die Mahnwache am Heldenplatz ab - und zwar auf Geheiß von SP-Verteidigungsminister Gerald Klug. Für "einschlägige Gruppen", die diesen Tag zur "Niederlage" umzudeuten versuchten, sei nun kein Platz mehr, "schon gar nicht am Heldenplatz", erklärte der Minister.

Für Historiker Oliver Rathkolb von der Universität Wien wurde damit "ein sehr unwürdiges Schauspiel" beendet. Durch das Totengedenken seien "hunderttausende Soldaten, die hier gefallen sind, und die Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs für eine politische Sache in Geiselhaft genommen worden", kritisierte Rathkolb im „Ö1-Morgenjournal". Und weiter: "Eine kleine Minderheit hat versucht, aus der Kapitulationserklärung der Deutschen Wehrmacht eine militärische Niederlage zu machen und gleichzeitig immer wieder darüber das Totengedenken gestreut."

(Hier weiterlesen)
Na was, lieber Herr Rathkolb, ist eine Kapitulationserklärung anderes als die Deklaration einer militärischen Niederlage? Sieger pflegen nämlich ausgesprochen selten zu kapitulieren. Und daß jedes Land zuerst seiner Kriegstoten gedenkt (und in Österreich sind fürwahr genug Menschen im Zweiten Weltkrieg umgekommen!), und erst dann derer anderer Länder, ist ebenso allgemein verbreitet. Außer bei Rathkolb und Genossen, vermutlich ...

Der frühere österreichische Bundeskanzler Alfons Gorbach, der von Hitlers Einmarsch in Österreich bis zum Kriegsende als politischer Häftling im KZ (bis 1944 in Dachau, danach in Flossenbürg) saß, also überaus unverdächtig ist, ein Neonazi zu sein, fand einst treffende Worte, die für Herrn Rathkolb und Genossen wie maßgeschneidert passen:
Nur eine niedrige und schäbige Gesinnung kann einer so unerhörten seelischen Barbarei fähig sein, den Millionen Toten des letzten Weltkrieges und ihren Angehörigen über die Opfer hinaus auch noch den Sinn dieser Opfer rauben zu wollen und sie als sinn- und zwecklos, ja als schändlich und strafwürdig hinzustellen.
Unsere politisch korrekten Gutmenschen sind einer solchen Gesinnung fähig — nein: genau diese Schäbigkeit und Niedrigkeit ist die ihre. Die Gesinnung jener, die aus Pietätlosigkeit politisches Kleingeld münzen, um ihren allmählich wankenden Machtanspruch, ihre immer fragwürdigere »Deutungshoheit« zu festigen ..

Neues, doch Altbekanntes von der Religion des Friedens

... bringt uns »Die Welt« ins Haus, z.B. das hier unter dem g'schmackigen Titel »Atheisten sollen hängen«:



Eine merklich irritierte Sophie Mühlmann schreibt dazu:
Hunderttausende entfesselte Islamisten kämpfen in Bangladesch für die Scharia. Sie haben noch andere Forderungen: Keine Skulpturen an Straßenkreuzungen und keine Gedenkveranstaltungen bei Kerzenlicht.

[...]

Neben einem strikteren Blasphemiegesetz, das die Todesstrafe vorsehen soll, wollen sie unter anderem "jegliche ausländische Kultur verbieten", dazu das "freie Mischen von Männern und Frauen", aber auch Gedenkveranstaltungen bei Kerzenschein. Islamische Erziehung soll für alle Schulkinder Pflicht werden und es sollen keine Skulpturen mehr an Kreuzungen und Hochschulen im Lande errichtet werden. Und vor allem: Frauen sollen nicht mehr außerhalb des Hauses arbeiten und möglichst nichts mehr zu sagen haben.
(Hier weiterlesen)
Nun, an dem Bericht ist schon manches richtig. Anderes, wie z.B. das Wort »Islamismus« schlichtweg Unsinn. Diese Forderungen sind größtenteils einfach selbstverständliche Forderungen des Islam — nicht eines von diesem angeblich zu unterscheidenden »Islamismus«. Na, selbstverständlich fordert der Islam, und nicht bloß irgendwelche »Islamisten«, für »Blasphemie« den Tod (ist jederzeit nachzulesen in den einschlägigen Koransuren und den Hadithen). Na, selbstverständlich verbietet der Islam, und nicht irgendein angeblicher »Islamismus«, das freie »Mischen von Männern und Frauen«, sonst hätte es nicht seit dem Beginn dieser Religionsgemeinschaft die Institution des Harems gegeben.

Ein Blick nach Bangladesh, wo islamische Kräfte eine säkular eingestellte Regierung stürzen wollen, ist zugleich ein Blick in die — vermutlich nicht allzu ferne — Zukunft Europas, wenn wir nicht gegensteuern. Warum freilich diejenigen, die letztlich wohl am meisten von dieser Entwicklung betroffen wären (nämlich: Atheisten, Feministinnen, Schwulen-Lobbyisten, Ökommunisten vulgo GrünInnen, offizielle jüdische und christliche Organisationen), sich am eifrigsten in der Herausarbeitung angeblicher Unterschiede zwischen dem »guten Islam« und den weniger guten »Islamisten« hervortun, wird mir für immer rätselhaft bleiben.

Abendländischer Selbsthaß und dekadenter Lemmingstrieb wären wohl die einzigen Erklärungen dafür ...

Dienstag, 7. Mai 2013

Einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt unserer Kulturbereicherer ...

... vermittelt uns der allseits geschätzte Klosterneuburger Chor- und Floridsdorfer Pfarrherr Alipius C. Müller. Nun wäre es in unserer Welt ja nicht in Ordnung, wenn nicht sofort ein Poster (oder genauergesagt, um dem Motto »Macht Weiblichkeit sichtbar« zu genügen: eine Posterin) darauf hinwiese:
... nicht die Religion sorgt für materielle und geistige Armut, auch nicht der Islam, sondern Bildungsmangel und Bildungsunlust. Beide können religiös verbrämt daherkommen, sind aber nicht Religion.
So viel Gerechtigkeit muß sein!
Nun, wir wissen ja: der Islam bedeutet Frieden (und sei es jener der Friedhöfe, auf denen seine Opfer ruhen, sofern sie das Glück haben, wenigstens begraben worden zu sein), und ist deshalb an nichts schuld. Abgeschnittene Klitoris junger Mädchen? — ach, afrikanische Stammessitten! Gesteinigte Ehefrauen? — eindeutig archaische Traditionen des vorderen Orients! Zerbombte Eisdielen in Israel? — politischer Extremismus, der sich aus der Notlage der Flüchtlingslager speist! Samt Inventar und ggf. ungläubigem Inhalt abgefackelte Koptenkirchen? — fehlgeleiteter Mob, der seine Unzufriedenheit mit dem korrupten Regime Mubaraks nicht anders abreagieren konnte!

Aber der Islam ist nie schuld. NIE! Alles andere ist eine islamophobe Lüge ...

Montag, 6. Mai 2013

Wow, LePenseur ist dreistellig!

Eben blicke ich auf den »TopBlogs ebuzzing«-Zähler, und was sehe ich? LePenseur ist dreistellig geworden!



Herzlichen Dank, liebe Leser! Als kleiner Autor eines völlig privaten — und unbeworbenen — Blogs freut man sich doch, auch mal in der Liga der »obersten Tausend« mitspielen zu dürfen ...

Die zwei dauergekränktfühlendsten Gruppen, also die Museln und die Schwulen ...

... haben wieder allen Anlaß, sich gekränkt zu fühlen. Bleiben wir doch gleich bei den Schwulen:
Aufregung um „Schwulen-Sager“ über Keynes
Historiker Niall Ferguson sagte, Keynes habe sich nicht um die Zukunft gekümmert, weil er homosexuell war.

[...] Einer der bekanntesten Kritiker von Keynes und der von ihm begründeten Lehre ist der schottische Wirtschaftshistoriker und Harvard-Professor Niall Ferguson. Und Ferguson sorgte mit einer Aussage am Rande einer Rede vor Investoren in Kalifornien nun für gehörige Aufregung unter der globalen Ökonomenschaft. So meinte Ferguson, dass Keynes sich nicht um die langfristige Zukunft gekümmert habe, weil er „schwul war und keine Kinder hatte“. Er bezog sich damit auf ein berühmtes Zitat von Keynes, in dem dieser zur Kritik an der Kurzfristigkeit seiner Theorie meinte: „Langfristig sind wir alle tot.“
(Hier weiterlesen)
... hyperventiliert »Die Presse«, die dieses klassische Nicht-Ereignis sogar zum Anlaß nimmt, die Reuters-Meldung nicht bloß abzuschreiben, sondern redaktionell zu bearbeiten. So what?! Es ist in der Tat durchaus plausibel, daß ein Schwuler mangels eigener Kinder wohl eher geneigt ist, heutige Bequemlichkeit zulasten künftiger Generationen zu präferieren, wogegen Eltern in aller Regel der Gedanke an einen prononciert hedonistischen Lebensstil bereits durch die Beschwernisse der Kinderaufzucht bald ausgetrieben wird. Die normalveranlagten Paare (ich weigere mich, für schlichtes Normal-Sein das gestelzte Kunstwort »heterosexuell« zu verwenden), die auf hedonistisch unterwegs sind, werden meistens keine Kinder haben, bzw. wenn ihnen solche irrtümlich drohen, sie abtreiben lassen. Insofern ist Ferguson natürlich zu ergänzen — was aber noch lange kein Grund für ihn ist, sich jetzt wortreich zu entschuldigen, denn Lord Keynes war halt schwul (wenngleich als Ehemann camoufliert).

Jetzt kommt natürlich gleich wieder die Antidiskriminierungsbedenkenträgerfraktion daher und hebt den Zeigefinger, daß es doch auch Schwule gäbe, die sich Sorgen um die ferne Zukunft machen, und was dergleichen mehr ist. Mag sein. Alles gibt's. Es wird auch lässig-coole Opus-Dei-Typen geben, oder ehrliche Politiker, warmherzige Callgirls, seriöse Hütchenspieler, sogar tolerante Ayatollahs. Nur sind sie halt nicht die Regel. Da aber in der sozialen Interaktion nicht die Ausnahme, sondern die Regel zählt (oder es wenigstens sollte, will man nicht innerhalb kürzester Zeit der chancenlos gelackmeierte sein), dann, wie der Wiener sagt »zööht des öfe« (für Piefkes: »zählt das elf«) ...

Womit wir bei der zweiten einschlägig dauerbeleidigten Gruppe wären: den Muselmanen, die in Bangladesh genau das fordern, was dieses Land wirklich ganz, ganz dringend braucht:
Bangladesch: Großdemo für Blasphemiegesetz

Bei einer Großdemo in Bangladesch kam es zwischen radikalen Islamisten und der Polizei zu Zusammenstößen. Zehn Menschen wurden getötet und Hunderte verletzt. Bei der Kundgebung wurde die Todesstrafe bei Gotteslästerung, eine strikte Geschlechtertrennung und die Wiedereinführung der Scharia gefordert.

[...]

Die islamistische Bewegung verlangt die Umsetzung eines 13-Punkte-Plans. Dazu zählen die Einführung der Todesstrafe für Gotteslästerung, die Wiedereinführung der Bezugnahme auf Allah in der Verfassung und eine strikte Geschlechtertrennung. Zudem fordert Hefajat-e-Islam verpflichtenden Religionsunterricht und die Beschränkung der Aktivitäten christlicher Missionare.

Schon mehrmals hatte Hefajat Massenproteste auf die Beine gestellt. Im April organisierte die radikale Bewegung einen Generalstreik und eine Demonstration mit mehreren hunderttausend Teilnehmern.

Kritiker werfen den Islamisten vor, sie wollten Bangladesch in einen radikalen Gottesstaat verwandeln. Arbeiterinnen, etwa aus der Textilindustrie, wehren sich insbesondere gegen die Pläne einer strikten Trennung der Geschlechter.
(Hier weiterlesen)
Ja, das wird Bangladesh vorwärtsbringen! Ganz sicher! Rübe ab für die Bezeichnung Mohammeds als Kinderschänder, oder bei Zweifel daran, ob Allah wirklich Alt-Arabisch als Muttersprache hat. Und Steinigung bei Ehebruch gehört eingeführt, selbstmurmelnd.

Mann-o-Mann — bisweilen fragt man sich schon, wie so viele Leute so doof sein können ...

Sonntag, 5. Mai 2013

Im Pantheon der Idioten

... sitzt als Nummer 1 — na wer ...? Nach Ansicht des britischen EU-Skeptikers Nigel Farrage ist die Sache klar:
Im Pantheon der Idioten, welche derzeit weltweit Länder regieren, ist Hollande sicher die Nr.1. Er führte eine 75% »Haß«-Steuer ein für jeden erfolgreichen Unternehmer. So kann man dem letzten nur noch raten »flüchte sofort aus deinem Land« (Hier weiterlesen)
Was er sonst noch so ausführte in Santiago de Chile, wo er dieser Tage beim »Souvereign Man Offshore Tactics Workshop« Klartext redete, ist freilich weitaus weniger amüsant, als es (wie bei Nigel Farrage üblich) klingt:

Die Färbung wechselt, der Sumpf bleibt

Heute also hat Salzburg gewählt. Daß »Landeshauptfrau« Burgstaller mit dem sprichwörtlichen nassen Fetzen davongejagt würde, war ja irgendwie klar (wenngleich wegen der Dummheit vieler Wähler auch nicht 100% sicher), daß auch die Schwarzen (nein, nicht die paar immigrierten Neger sind in Österreich damit gemeint, sondern die ÖVPler) eine auf den Deckel bekamen, war zu vermuten. Zu sehr waren auch sie in das Finanzdebakel involviert, als daß sich ihre versuchte »Kindesweglegung« hätte dem Wähler verklickern lassen.

Die Freiheitlichen bekommen mit Stronach ein wirkliches Problem: schärfen sie ihr Profil, dann verschrecken sie sicher manche, die sie in den letzten Jahren mit stetigen Mandatszuwächsen belohnten, versuchen sie hingegen »breiter« zu werden, dann haben sie gegen Stronachs Medienpräsenz wie auch gegen die Wischi-Waschi-Profillosigkeit der Altparteien nicht genug Profil, um Stimmen anzuziehen. Im Moment kann Strache eigentlich nur Durchhalteparolen ausgeben (und hoffen, daß ihn keiner seiner Partei»freunde« stürzen will) und auf Stronachs Ableben hoffen — denn mit diesem zerfällt der heterogene Haufen sicher blitzartig.

Wirklich erschütternd ist, daß die Grünen ihren Stimmanteil fast verdreifachen konnten und nun bei ca. 20% halten. Das heißt: jeder Fünfte hat in Salzburg einer kryptomarxistischen Partei der legistischen Bevormundung, gremial-bürokratischen Gängelung und Meinungs-Knebelung seine Stimme gegeben. Und das verheißt nun wirklich nichts gutes für die kommende Nationalratswahl ...

Freitag, 3. Mai 2013

Independence Day

Wenn in Deutschland bei Luftangriffen der Alliierten die Leute mitten in der Nacht in die Luftschutzkeller eilen mußten, dann — so sagt wenigstens die Anekdote — gab es drei Arten von Begrüßungen, die verwendet wurden: die einen sagten »Guten Morgen!« — das waren die, die gerade aus dem Schlaf gerissen aufgestanden waren. Andere grüßten mit »Guten Abend!« — die waren noch nicht schlafen gegangen.. Und die dritten grüßten mit »Heil Hitler!« — das waren die, die noch nicht aufgewacht waren.

In England sind laut den Hochrechnungen bereits circa ein Viertel der Wähler aufgewacht. Congratulations, Nigel, you've done a good job! 

Deutschland schläft allerdings noch — zumindest offiziell und und in der veröffentlichten Meinung der Systempresse. Warten wir ab, wie lange noch ...

Die Weichen werden gestellt ...

... da fern in der Türkei bzw. in Syrien, und der »Zug der Zeit« beginnt immer schneller zu rollen. Es sind besorgniserregende Nachrichten, die freilich in der Systempresse fast nie durchkommen:
Ankara »knietief in syrischem Blut«
Türkei wird zum Aufmarschgebiet von Dschihadisten im Kampf gegen den »Ungläubigen« Assad in Syrien

Zwar greift die türkische Polizei immer wieder Islamisten auf dem Weg nach Syrien auf, doch offenbar geschieht dies nur halbherzig, denn zu viele Syrienkämpfer nutzen die Türkei als Durchreiseland und sogar als Operationsbasis.

Begonnen hatte der Aufstand gegen das Assad-Regime in Syrien vor zwei Jahren als Protest gegen Korruption und soziale Ungerechtigkeit in der südlichen syrischen Grenzstadt Deraa an der Grenze zu Jordanien. Doch von Jordanien erhielten die syrischen Revolutionäre keine Unterstützung, da dessen Königshaus dem Vater von Baschar al-Assad sein Überleben zu verdanken hat, hatte doch Hafiz al-Assad sich 1970 geweigerte, mit syrischen Truppen den palästinensischen Aufständischen zu Hilfe zu eilen. Und auch der Irak und der Libanon gehören noch zu den wenigen Verbündeten Assads in der arabisch-schiitischen Welt. Als einziges Nachbarland hat die Türkei den Aufstand gegen Assad von Anfang an unterstützt. Angesichts des fortdauernden Krieges in Syrien werfen Kritiker der Regierung von Recep Tayyib Erdogan vor, sie habe sich zu sehr auf den Sturz von Assad versteift und damit ohne Not eine mögliche Rolle als Vermittler in dem Konflikt aufgegeben.
(Bei P.A.Z. weiterlesen)
Die nächste Zeit wird recht spannend werden! Bombenteppiche sollen offenbar einen für unsere Machthaber höchst willkommenen Schleier über das wirtschaftliche Desaster unserer Finanz»wirtschaft«, die immer deutlicher die Züge organisierten Verbrechens trägt, legen. Das ist der Stoff, aus dem im vergangenen Jahrhundert die großen Kriege (insbesondere der Zweite Weltkrieg) gestrickt waren — doch was berechtigt uns zu einem blauäugigen Optimismus, derlei Winkelzüge könnten heute nicht wieder unternommen werden, um gravierende polit-ökonomische Probleme, die zum Davonjagen der Macht»eliten« zu führen drohen, in einem Blutbad zu ersäufen?

Donnerstag, 2. Mai 2013

Die Wende! Die Wende! Die Wende ist da!

Was — ist etwa der Euro gerettet? Werden die Arbeitslosen weniger?? Sinkt endlich der CO2-Gehalt der Atmosphäre, bevor Tuvalu endgültig im Pazifik versinkt??? ... ... Ach, bleiben wir doch bescheiden!
Kehrtwende Obamas in Syrien: Bald Waffenlieferung an Rebellen?

Washington/Damaskus/Wien. Lange Zeit hatte sich in der US-amerikanischen Syrien-Politik nichts bewegt. Washington wartete ab, zögerte, und war allenfalls zu verbaler Schützenhilfe für die Opposition und zur indirekten Unterstützung von Waffenlieferungen bereit. Nun deutet sich eine Kehrtwende an: Präsident Barack Obama erwäge die Lieferung „tödlicher Waffen“ an die Rebellen, berichtete die „Washington Post“. Bisher hat man dies immer abgelehnt, aus Angst, die Waffen könnten in die Hände von islamistischen Kämpfern fallen, die mit dem Terrornetzwerk al-Qaida in Verbindung stehen. Eine endgültige Entscheidung soll in den kommenden Wochen fallen. Noch ist nicht ganz klar, was zum Umdenken geführt hat.
... meint wenigstens »Die Presse« wonnebebend. Endlich passiert was! Endlich wird ratzfatz gemacht mit diesem pöhsen Assad und seiner verantwortungslosen Politik, in Syrien die Christen einfach nicht ausrotten zu wollen, um einen islamischen Gottesstaat zu errichten. Einen demokratischen islamischen Gottesstaat natürlich, sonst sind nämlich die U.S.A. nicht mit an Bord, um das arme syrische Volk zu befreien, und bald ähnlich wunderbare Verhältnisse wie in Ägypten, Libyen oder Tunesien zu schaffen!

Aber Backaroma hat Glück: endlich darf er sein Zögern beenden, denn »die gehäuften Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen, wobei diese Berichte bisher nicht endgültig verifiziert werden konnten« ermöglichen ihm jetzt, seinen Friedensnobelpreis ganz untadelig zu behalten, während die syrische Bevölkerung nicht länger nur von fundamentalistischen Muselhorden kaputtgebombt werden darf, sondern auch von friedenbringenden US-Bombern, die die langersehnte Demokratie abwerfen ...

Kurze Frage: warum wundert mich das alles nicht wirklich ...?

Mittwoch, 1. Mai 2013

Passend zum »Tag der Arbeit«

... möchte ich die Leser dieses Blogs auf eine Reihe ausgezeichneter Artikel in »Morgenländers Notizbuch« hinweisen, die sich mit wirtschaftlichem Basiswissen beschäftigen — nichts großartig »Neues«, aber eben so informativ und präzise auf den Punkt gebracht (und das noch in flüssig zu lesendem Deutsch!), daß es eine eingehende Befassung mit diesen Themen verrät. Die hübschen ausgefallenen Musikstücke, religiös-philosophischen betrachtungen und Literaturzitate machen diesen Blog überhaupt zu einem der erfreulichsten, die ich kenne!

Speziell für die Leser aus der religiösen oder verschwörungstheoretischen Ecke, die ja für dröge Ökonomie meist nicht so die rechte Begeisterungsfähigkeit aufbringen — LESEN! Wirtschaft ist zwar nicht alles — ohne Wirtschaft ist vielleicht auch nicht alles nichts, aber eben doch: recht wenig.


Mindestlöhne: eine haarige Frage
Hermann Schulze-Delitzsch
Marx lesen?
Der verrückte Kapitalismus
Verrückter Kapitalismus II (Update: 2.5.2013)

Dienstag, 30. April 2013

Déjà vu

Auf einen — wie gewohnt — genialen Artikel von »Politplatschquatsch« zu den immer weiteren (und immer früheren) Kreisen, die die NSU-Komödie so rein »ermittlungstechnisch« zieht, hat der auch auf diesem Blog postende Kollege »Volker« ein so treffliches Kommentarposting verfaßt, daß man es nicht im Orkus des Kommentararchives untergehen lassen darf.

Eh voilà — sein geneigtes Einverständnis frech präsumierend, zitiere ich es hier einfach  in extenso:
Heute haben wir erfahren, dass Zschäpe außer den Türken, Griechen, Polizisten und Kreisverwaltungsreferenten auch die Regisseure ausrotten wollte.

Den ersten Versuch unternahm sie in der Silvesternacht 1996. Konkret mit "drei bis fünf Stück" Schüssen. Das "Stück" ist wichtig beim Ausfüllen des ME-Scheins.
Bitte beachten: Bei Schüssen als Einheit nicht "1000" oder "Liter" sondern immer "Stk.". Sonst gibt´s auf die Finger vom Revisor.

Beim ersten Lesen habe ich zugegebenermaßen gezweifelt.
Wenn der NSU pistolenmäßig so gut drauf war, warum haben die nicht getroffen?
Und warum haben die couragierten antifaschistischen Widerstandskämpfer nicht sofort Anzeige erstattet, wo doch Gesicht zeigen in der Szene groß geschrieben wird?

Noch mysteriöser dass "ein Eintrag bei der Bahn den Verdacht auf Schüsse bestätigt habe".
Wer ist "die Bahn"?
Der Lokführer, der Schaffner, der Mann mit der roten Mütze, die Bahnpolizei?
Und wo findet sich der "Eintrag"?
Im Logbuch des Lokführers? Auf den Bestellzetteln des Mitropa-Kellners? An der Tür vom Bahnhofsklo?

Wie kamen die überhaupt auf den "Verdacht von Schüssen"?
Haben die was gehört? Oder gesehen?

Hat "die Bahn" die Polizei informiert?
Hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet?
Warum haben die keine Spuren gesichert?
Warum haben die keine Zeugen gesucht?

Aber was soll´s. Wir sind hier beim antifaschistischen Widerstandskampf, da haben Wahrheit und Logik sowieso Zutrittsverbot.

Es sieht jedenfalls danach aus, dass die Realität wieder mal die Satire überholt.
Am Beginn des NSU-Fake haben wir noch spekuliert, ob Barschl vielleicht auch ein NSU-Opfer ist. Nun arbeiten die sich ernsthaft in diese Richtung. Jedenfalls zeitlich.
Jetzt haben wir einen Mordversuch von 1996. Als nächstes kommt Zschäpes Mord von 1993 (oder so). Von da ist es nur ein kleiner Schritt zum Genfer See. Aber ein großer Schritt für die Menschheit.
Ach — Fragen über Fragen! Wo doch die Antworten schon feststehen. Wenigstens nach Ansicht der Ermittler. Der sich die Richter wohl schwer werden verschließen können. Denn das war bei Schauprozessen eigentlich immer so und hat sich bewährt: vorab wird ein Meinungsbild erstellt, dem Richter mit Karriereabsichten freudig (evtl. nach Abwarten einer Schamfrist, genannt »Beweisverfahren«) zustimmen können.

Das weitere (Urteilsbegründung etc.) ist eigentlich nur mehr Formalität bzw. Strafvollzug (bis zum Selbstmord in der Zelle) .... .