... sagt der Volksmund, und so komme ich nach Lektüre des »Skandalbuches« von Akif Pirinçci nicht umhin, es spät aber doch zu rezensieren.
Die anfängliche Schockstarre in den Systemmedien, die — freilich vergeblich — hofften, das Buch einfach totschweigen zu können, war ja bald einer geifernden Kampagne gewichen, in der staatsschmarotzende Bedenkenträger zum wilden Gefuchtel mit der Nazi-Keule ansetzten, ihnen keine Schublade zu tief war, um nicht in sie zu greifen ... und sie dabei nicht merkten, daß sie damit nur eines bewirkten: Werbung für das Buch, dessen Existenz sie am liebsten mit einer Zeitmaschine unmöglich gemacht hätten. Nun, wie bitter für die Systemgünstlinge — doch da diese Zeit ihres Lebens durch (direkte doer indirekte) Staatsalimentation ganz brauchbar abgesahnt haben, hält sich mein Mitleid in engen Grenzen ...
Nun zum Buch: es ist das exakte Gegenteil zu den Publikationen von Thilo Sarrazin: wo dieser seriös bis in die Fingerspitzen penibel Faktum an Faktum reiht (und die Quellen in Fußnoten dokumentiert), da schlägt Pirinçci einfach mit dem Vorschlaghammer auf den Putz. An Treffsicherheit freilich mangelt es in beiden Herangehensweisen keineswegs! Daß Pirinçcis Art — um beim Bild zu bleiben — mehr Staub aufwirbelt, ist dabei ganz natürlich. Das kann man nun mögen oder nicht, aber es ist schwer zu bestreiten, daß viele Menschen, die nie eines der dickleibigen Werke Sarrazins zur Hand genommen hätten (oder wenigstens bald, nach der x-ten Tabellenübersicht, über der Lektüre resignierten) nun bei Pirinçci in üppig dahinbrausenden Satzkaskaden das zu lesen wagen, was sie sich mit einem Micro eines Staatssenders vor der Nase, nie und nimmer auszusprechen trauen: daß ihnen nämlich inzwischen dieses verlogene Gelichter unserer Staatsschmarotzer schon derart auf den Senkel geht, daß sie sie am liebsten allesamt auf einem Schrottschiff nach Ultima Thule ausschiffen und absaufen lassen wollten!
Denn das, worüber sich Pirinçci wortreich erregt, sind ja nur die besonders augenfälligen Idiotien in unserem Land, wie er auch wiederholt klarmacht! Was zu bekämpfen ist, sind die dahinter verborgenen Webfehler unserer Gesellschaft. Und die heißen schlicht: Kollektivismus, etatistische Bevormundung, Schmarotzertum, Heuchelei. Was daneben abgehandelt wird, sind entweder bloße Folgen davon, oder letztlich unwichtige Nebenaspekte.
Einer dieser Nebenaspekte stößt freilich entschieden religiösen Menschen sauer auf: Pirinçcis recht flapsige Stellungsnahmen zu Religion und religiösen Menschen. Der »Papsttreue Blogger« bringt das recht gut auf den Punkt:
Denn Pirinçcis Idealgesellschaft ist in aller erster Linie mal säkular.
Dass er gegen Frauen in Kopftüchern und bärtige Muslime wettert, sollte
nicht darüber hinwegtäuschen, dass Pirinçci Religion an sich als ein
überholtes, nicht gesellschaftskonformes Modell bewertet. Das
Christentum wird von ihm, da hier historisch gewachsen, toleriert. Eine
innere Verbundenheit liegt dem aber nicht zugrunde. Pirinçcis Welt ist
eine Welt des Hedonismus, eine Welt ohne wirkliche Transzendenz, eine
Welt deren Werte aus demokratischen Mehrheiten erwachsen korrigiert um
das, was Pirinçci eben für vernünftig hält. Das alles ist nicht direkt
antichristlich, es ist aber auch kein Grund, sich als Christ hinter
dieses Buch zu stellen. Christen und die Botschaft des Buches eint die
Kritik an Genderideologien, an der politischen Bevorzugung des Islam und
ein paar weiteren übereinstimmenden Punkten, das aber ist zu wenig um
es für ein christliches Buch zu halten. Und noch mal in aller Klarheit:
Ich nehme auch nicht an, dass Pirinçci sein Buch als solches verstanden
wissen will.
Nicht alle können freilich so gelassen mit »religiöser Unmusikalität« umgehen; so fühlt sich Blogging-Kollege »Geistbraus« bemüßigt, Herrn Pirinçci
wie folgt zu beurteilen:
Nachdem der Papsttreue Kollege gerade noch eine Rezension über das entsinnlichte Deutschland
verfasst ist, die mir (auch wenn ich das Buch nicht gelesen habe) aus
christlicher Sicht plausibel erscheint, kann ich meinen Senf zum Pirintschi auf einen Satz beschränken:
Ich finde den Typ schlicht einen Kotzbrocken. [...]
Dass der “tolle Atheist” von Staats wegen verbieten möchte,
neue Kirchen zu bauen (worauf der Papsttreue dankenswerterweise
hinweist), überrascht bei so einem Selbstbild dann auch nicht weiter.
Und dass er seinen eigenen Tod mit einem faden Witzchen weglächelt, ist
ebenso erwartbar – ist ihm schließlich der Blick in die Ewigkeit von dem
übergroßen Ego, das er zwischen seinen Beinen spazierenführt,
verstellt…
Offensichtlich mag Kollege Geistbraus ihn ganz lebhaft nicht — was sich noch deutlicher in der daran anschließenden Diskussion äußert, in der ein Kommentarposter zu bedenken gibt:
Natürlich nicht gelesen – und deshalb überflüssigerweise und sehr christlich zum ad personam übergehen …. !
Wenn man mal seine Wagenburg verlassen würde und das fromm-ironische
salbadern sein ließe und sich kundig machen würde – ja, dann würde Ihnen
auffallen, daß dieser atheistische Testosteronkotzbrocken Akif eine
atemberaubende Polemik gegen die Abreibungspraxis – gleichsam wie der
Rächer der Enterbten, der im Western so gekonnt aus der Hüfte
schießt – vom Stapel gelassen hat (zum schnellen Nachlesen beim
Buchhändler zum Beispiel auf S.246 – 248 in “Deutschland von Sinnen”) –
und damit vielleicht mehr ungeborenes Leben gerettet hat als die
zahmfrommen, intellektuell-eitlen Katholenblogs. Salz der Erde? Wo es
gebraucht wird, fehlt’s !
Das nun mag freilich der christliche Kollege mit Vorliebe für die römische Liturgie vor dem »Novus Ordo Missæ« nicht so wirklich hören, und schnappt mit kurzer Abfertigung zurück:
achwas? mein Artikel ist nun wahrlich kürzer als Pirinccis Buch,
trotzdem bringts offenbar manch einer fertig, nicht mal diese paar
Absätze aufmerksam zu lesen, bevor er “zum ad personam übergeht” und dem
Blogger Eitelkeit zu- und das Christentum abspricht. Also, noch kürzer
und diesmal bitte vollständig lesen: Ich spreche in meinem Artikel mit keiner Silbe
über Pirinccis Buch, das ich nicht gelesen habe, sondern lediglich über
ihn und seine Interviews und Artikel, die ich sehr wohl gelesen habe.
Und jetzt bitte woanders weitertrollen.
Der pöhse Poster landete sogleich auf der Sperrliste — naja, jeder wie er meint und wie er kann ... Offenbar trifft einen »Christen« der Vorwurf, so 'n dreckiger Atheisten-Kotzbrocken wäre puncto Kritik an der Abtreibungspraxis wirksamer als die
»zahmfrommen, intellektuell-eitlen Katholenblogs« ins Mark. Kann doch nicht sein!
Sicher haben die religiösen Kritiker, denen Pirinçcis Forderung, künftig den Bau von Moscheen und Kirchen zu verbieten, sauer aufstößt, irgendwie recht. Nur — wenn der recht hypothetische Verzicht auf weitere Kirchenbauten das notwendige Übel ist, um damit das weitaus größere Übel irgendwelcher Moscheebauten zu verhindern, von denen dann demnächst — wieviel wetten wir? —
fünfmal täglich der Muezzin seine leicht größenwahnsinnigen Gebetsaufforderungen heult, dann würde ich sagen: gebongt!
Ich habe mir in meinem Leben oft genug derartige, nein, nicht bloß Lärmbelästigungen, sondern wegen ihres Inhaltes einfach inakzeptable*) Muezzin-Rufe anhören müssen — danke, mein Bedarf daran ist mehr als gedeckt! Und »Kirchenneubauten«, wo doch schon die existierenden Kirchengebäude für die tatsächlichen Gottesdienstbesucher fünf- bis zehnfach (in protestantischen Gebieten vermutlich sogar 50-fach!) überdimensioniert sind, sind (von marginalen Ausnahmen abgesehen) einfach überflüssige Geldverschwendung. Da könnten die Kirchen wohl sinnvollere Ausgaben tätigen. Aber das ist insgesamt nur ein kleines Detail, ein Nebensatz in diesem Buch, das die Aufmerksamkeit nicht wirklich lohnt.
Pirinçci hat jedenfalls eines geschafft: die Systemschreiberlinge haben sich vor dem Publikum eine höchst peinliche Blöße gegeben, indem sie mit Schaum vor dem Mund ganz offensichtliche Tatsachen wegeskamotieren wollten. Und gleichzeitig die völlige Wirkungslosigkeit ihrer sofort ausgepackten Nazi-Keule unter Beweis gestellt. Die lächerliche Schnappatmung, in die deutsches Feuilleton und deutsche Politruks wegen dieses Buches verfallen sind, hat höchst eindrucksvoll enthüllt, daß der Kaiser schon längst keine Kleider anhat. Das wußten wir zwar schon lange — aber manche wollten es einfach nicht wahrhaben ...
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*) das wäre etwa so, wie wenn in katholischen Gegenden dreimal täglich nicht bloß zum Angelus geläutet würde, sondern die Gebetsformel auf Latein vom Tonband per Lautsprecher heruntergerasselt würde. Danke nein!