Samstag, 10. Mai 2014

Heut geht's für Österreich um die Wurst

Wenigstens, wenn man dem ORF und den Print- & Online-Systemmedien Glauben schenken darf. Was sich bekanntlich — halbwegs funktionierende Hirntätigkeit vorausgesetzt — von selbst verbietet.

Österreichs singender Transvestit steht also im Finale einer Träller-Veranstaltung, die in Wahrheit kein Schwein interessiert. Vor vielen Jahren war ich einmal spätnächtens auf einer deutschen Autobahn unterwegs und versuchte mich irgendwie am Einnicken zu hindern — zufällig lief da gerade eine Eurovisions-Songcontest-Retrospektive. Nun ja, besser als einen Stein auf den Schädel, dachte ich mir. Aus den 50er- und 60er-Jahren kamen mir praktisch alle Songs recht bekannt vor, bei den 70ern wurde es schon dünner, und bei den 80er-Jahren war höchstens ein vager Eindruck im Ohr, das irgendwo auf einer Tankstelle oder im Café schon mal gehört zu haben.

Jetzt soll also wieder irgendein belangloser Song preisgekrönt werden, damit der political correctness Genüge getan wird. Man merkt fast das leise Bedauern der ORF-Sprecher, daß diese Wurst nur ein schwuler Transvestit ist — warum könnte der nicht auch noch muselmanischer Neger, gelähmter Paralympics-Teilnehmer und alleinerziehende Mutter eines mongoloiden Kindes sein? Dann freilich wäre er schon so ultracool hip, daß er garnicht erst nach Oslo zu fahren brauchte, um als HeilandIn der schwulen PC-Ordnung anerkannt zu werden ...


Ich sage es ganz offen: mir ist es wurst, ob diese Wurst gewinnt oder nicht. Und spätestens in drei Monaten wird es allen anderen ebenso wurst sein. Denn ein Lied hört man sich wohl eher deshalb an, weil es einem gefällt, und nicht, weil es ein Transvestit mit Damenbart-Gesichtsbemalung sang.

Vor 48 Jahren gewann Österreich schon einmal den Songcontest — mit Udo Jürgens' »Merci, Chérie«:


Nun mag man ja über Udo Jürgens' Lied denken, wie man will (daß es mir viel bedeute, könnte ich ja wirklich nicht behaupten, mein Interesse gilt ganz eindeutig der »E-Musik«) — aber es hat sich in der Geschichte der U-Musik nun schon fast fünfzig Jahre lang behaupten können. Ob das mit dem Phönix-Song des singenden Damenbartes auch der Fall sein wird, wage ich zu bezweifeln ...

»Moralstrafrecht aus der Mottenkiste«

Mit dieser harschen Bezeichnung versieht em. Prof. Sebastian Scheerer in seinem »Novo«-Artikel über die geplante »Lex Edathy«, oder, wie sie seriös wirken wollend genannt wird, das »Gesetz zur Umsetzung europäischer Vorgaben zum Sexualstrafrecht«:
Die als Reaktion auf den Fall Edathy geplante Verschärfung des Sexualstrafrechts beschreitet den Irrweg einer Moralgesetzgebung und gefährdet die Therapie von Pädosexuellen, kritisiert der Hamburger Kriminologieprofessor Sebastian Scheerer.

Noch ist die Edathy-Affäre nicht überstanden, noch der Untersuchungsausschuss zu dem Thema nicht eingesetzt, da liegt schon der Gesetzentwurf auf dem Tisch, der nicht nur die „Lücke“ im Sexualstrafrecht schließen soll, die der Vorgang angeblich offenbarte, sondern bei dieser Gelegenheit gleich auch noch eine Vielzahl weiterer Kriminalisierungswünsche aus der EU („Grooming“), aus Rheinland-Pfalz („Vertretungslehrer“) und anderen Quellen mit berücksichtigt. So ergibt sich ein Paperclip-Gesetz, das unter dem Hauptthema „Kinderschutz“ noch eine Menge anderer Dinge huckepack nimmt und all jenen gegenüber, die Aktionismus unangemessen finden, recht seriös wirkt, indem es sich als „Gesetz zur Umsetzung europäischer Vorgaben zum Sexualstrafrecht“ darstellen kann (so der offizielle Titel des Referentenentwurfs), während es den nach hartem Durchgreifen Hechelnden als „neuer Maßstab im Kampf gegen die Kinder- und Jugendpornografie“ verkauft wird.
Nun ist LePenseur die angebliche »Gefährung der Therapie« Pädosexueller einigermaßen wurscht, einserseits weil (wohl nicht ganz unbegründet) davon auszugehen ist, daß sowas ohnedies ziemlich untherapierbar ist, und andererseits das ganze Thema der »Pädosexualität« hic et nunc schlichtweg bis ins Lächerliche überdreht und medial hochgekocht wird. Klar: wenn jemand kleine Mädchen oder Buben vergewaltigt oder auch »nur« sexuell befummelt (bzw. wie der EU-Fraktionsführer der Kinderficker-Partei: sich befummeln läßt), soll das bestraft werden — aber das Riesen-Gedöns, das mittlerweile drumherum gemacht wird, verrät inzwischen mehr über die sexuellen Komplexe der Gedöns-Veranstalter (und v.a. der -Innen), als über die angebliche Abartigkeit der angeblichen »Pädosexuellen«. 

Wenn ein Erwachsener ein Badeanzugs- oder Nackedei-Photo einer erwachenden Lolita (und das ist bei einer 13-jährigen durchaus drin) attraktiv findet, dann ist er kein strafwürdiger »Pädosexueller« (solang er sie nicht befummelt oder mehr), sondern reagiert durchaus natürlich auf optische Reize. Das mag man moralisch bedauern, sogar verwerflich finden — na, gegessen! Daraus aber ein Strafdelikt zu basteln, ist abartig. Und zwar weitaus abartiger, als das Hingucken auf so ein Bildchen.

Denn die Heuchelei, mit der einerseits im Sexualkundeunterricht Pflichtschülern des langen und breiten beigebracht wird, wie man Kondome über Bananen rollt, warum Analverkehr zwischen wem auch immer natürlich auch ganz okay ist (Hauptsache: nie das Kondom vergessen!), und andererseits ein Nacktphoto von gleichaltrigen Pflichtschülern schon zum Untergang der Wertordnung stilisiert, ist ja wirklich schwer auszuhalten.

Wenn das dann noch damit garniert wird, eine Politikerin, die den Umstand, daß der »Prophet« eine Neunjährige gepoppt hat, nicht so prickelnd fand, und dieses Unbehagen mit den Worten »In unserem Rechtssystem wäre Mohammed ein Kinderschänder« ausdrückte, wegen »Herabwürdigung religiöser Lehren« zu verurteilen, würgt endgültig die Kotze im Hals.

Linke Politruks (gibt's heutzutage überhaupt noch andere als Linksfahrer in unseren Parteien?), die ihre Gewissensbisse über die eigene evidente Arschlöchrigkeit dadurch therapieren wollen, daß sie alle anderen durch Gesetze und Strafen gängeln und kujonieren, mögen doch, bitteschön, sich lieber einen runterholen — das ist billiger und sicherlich moralisch weniger verwerflich als das Ausdenken fiktiver »Straftatbestände« für Moral- & Meinungsdelikte und ähnliches. Prof. Scheerer ist zuzustimmen, wenn er schließt:
Wenn es stimmt, dass – mit Montesquieu und Beccaria ­– jede Strafe, die nicht aus unausweichlicher Notwendigkeit folgt, tyrannisch ist, dann trifft dieses Adjektiv auf weite Teile unseres heutigen Sexualstrafrechts zu. Und ganz besonders auf das neueste Machwerk aus der Mottenkiste christ- und sozialdemokratischer Moralapostel – das unnötigste Gesetz seit langem. Erforderlich ist eine grundlegende Reform, die das Sexualstrafrecht in das System des Rechtsgüterschutzes einfügt und es damit klar, gerecht, verständlich und handhabbar macht.
Touché! Wer sich — wie LePenseur — durchaus noch an die lockeren 70er-Jahre erinnern kann (auch wenn sie einem, aus ebendiesen wie vielen anderen Gründen berechtigt auf den Senkel gehen können), hält es fast nicht für möglich, in welch moralinsaure Muffigkeit unsere westliche Gesellschaft wieder zurückgeflüchtet ist!

Freitag, 9. Mai 2014

»Obszön hohe Steuern«

... nennt Christian Ortner das, was derzeit in Österreich von den Fiskalfaschisten aus den Börseln der Untertanen abgegriffen wird. Und fordert — nicht ohne Berechtigung —, daß sich die »Steueresel« endlich wehren:
... die kleinen Selbstständigen und Gewerbetreibenden, die vom Fiskus ohnehin als Deppen der Nation behandelt werden, könnten einen kleinen Beitrag zu einer derartigen sozialen Bewegung zum Rückbau des Enteignungsstaates leisten. Zwar hätte es keinen Sinn, wenn sie die Arbeit niederlegten, aber dafür ist die Regierung existenziell davon abhängig, dass diese Menschen Monat für Monat und Quartal für Quartal Milliarden an Steuern und Abgaben an den Staat abführen.

Der Mut zum zivilen Widerstand wird in Kombination mit ein paar kreativen Steuerberatern zweifellos Mittel und Wege finden, dem Fiskus für eine Zeit lang das Eintreiben dieser Milliarden zu erschweren, selbstverständlich nur auf höchst legalem Wege. Es wäre sicher interessant und amüsant zu beobachten, was passierte, wandten sich beispielsweise gleichzeitig 200.000 oder 300.000 Selbstständige mit allen möglichen, vom Gesetz vorgesehenen Eingaben an die staatlichen Geldeintreiber.
Nun, der Plan klingt gut, wird aber wohl nicht Realität werden. Denn jeder Unternehmer fürchtet die Rache des Finanzamtes. Da kann der Steuerberater noch so geschickt sein — gegen das Rechtsinstitut der »freien Beweiswürdigung« ist kein Kraut gewachsen. Erst wenn die Behörde in ihren Bescheiden »denkunmögliche« Schlußfolgerungen aus den vorgelegten Beweisen (= den Belegen und sonstigen Unterlagen) zieht, ist der Verwaltungsgerichtshof berechtigt, den Bescheid zu kassieren. Doch der Finanzbeamte, der Ihnen einfach nicht glaubt, daß das Fahrtenbuch »echt« ist (und dies mit ein paar Standardformulierungen in der Bescheidbegründung hinterfüttert), kann »im Schätzungsweg« aus einem Privatanteil von, sagen wir mal, 5,23% problemlos einen von geschätzt 25% machen. Und so weiter. Was bei einem weitgereisten Geschäftsmann schon ein erheblicher Unterschied ist. Dann noch ein paar schikanöse Beweisanforderungen bei Auslandsgeschäften, vielleicht noch die camouflierte Drohung, ob man nicht noch einen Verdacht auf Geldwäsche zu untersuchen hätte — und der Steuerberater, der sich auf einmal durchaus selbst in der Drohung einer Mittäterschaft sieht (was faktisch gleichbedeutend wäre mit dem Verlust seiner Berufsbefugnis), wirft das Handtuch.

So ein Spaziergang, wie sich das Herr Ortner halt vorstellt, ist das nicht. Und er sollte bedenken, daß Mafia-Bosse wie Al Capone nicht wegen ihrer bandenmäßigen Morde und Raubüberfälle hinter Gitter landeten, sondern wegen »Steuerhinterziehung«. Nein, es ist keinem der »kleinen Selbständigen und Gewerbetreibenden« zu raten, sich dann nochmals als Deppen der Nation behandelnzu lassen, indem sie Revanche-Fouls der Finanz-Strafabteilungen (zweckmäßig »Finanz-SA« abzukürzen) riskieren. Da gefällt mir ein Vorschlag eines Kommentarposters schon besser:
jungerleser
08.05.2014 20:29
I
Ich habe
neulich Freunden folgende Idee vorgeschlagen: jeder Österreicher, der ein Sparbuch hat, und weniger als die Freibetragsgrenze verdient, hat Anrecht, die "Regelbesteuerungsoption" für die erzielten Kapitalerträge (Zinsen) auszuüben. Das betrifft zehntausende Schüler, Studenten, Niedrig-Pensionisten, Hausfrauen/-männer. Damit kann man statt den 25% KESt für seinen persönlichen Steuersatz optieren, der ja 0% ist und damit die bezahlte KESt zurückfordern. Die Zinsen sind niedrig und kaum ein Niedrigverdiener hat viel auf dem Sparbuch liegen, aber es gibt meines Wissens keine Mindestgrenze. Wenn das aber am besten alle Anspruchsberechtigten gleichzeitig machen, ist das meines Erachtens ein erstens völlig legaler und zweitens durchaus fühlbarer Protest, wenn die Finanzbürokratie und der Steuerstaat in diesem kleinen Punkt mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden, indem sie in Rückforderungen ersticken und unzählige Kleinsummen auszahlen müssen.

 Natürlich ist (wie darauf ein Antwortposter gleich hinweist) auch hier manche Fußangel (Familienbeihilfe, Alleinverdiener-Absetzbetrag etc.) zu bedenken — dennoch ist bei solchen »Klein-Krabblern« die Gefahr behördlicher Retorsionsmaßnahmen deutlich geringer. Nun, warten wir ab, ob sich die Steuerschafe weiter scheren lassen oder nicht. Meine Vermutung: sie lassen es. Denn sie sind inzwischen in einer derartigen Minderheitsposition, daß jede Hoffnung auf einen demokratischen Kurswechsel Chimäre ist ..

Heute vor 150 Jahren

... fand vor Helgoland die letzte Seeschlacht zwischen Holzschiffen statt: am 9. Mai 1864 zwischen Geschwadern Preußens und Österreichs einerseits und Dänemarks andererseits.


Es war ein Seegefecht der Übergangszeit: wohl hatten alle Schiffe noch ihre Takelage (um auf längeren Fahrten Kohle zu sparen), waren aber bereits Schraubendampfer (im preußischen Geschwader tat auch noch ein Raddampfer mit). Wilhelm von Tegetthoff, damals mit vergleichsweise jugendlichen 37 Jahren bereits Linienschiffskapitän (dem enspricht in der Deutschen Marine ein Kapitän zur See, bzw. im Heer ein Oberst), wurde wegen des von österreichische Seite als Sieg betrachteten Gefechts zum Contre-Admiral befördert — obwohl das Gefecht nach der schweren Beschädigung seines Flaggschiffs von Tegetthoff abgebrochen wurde, und »objektiv« wohl eher als ein taktischer, für den Ausgang des deutsch-dänischen Krieges freilich bereits bedeutungsloser Sieg der Dänen zu werten ist.

Tegetthoffs Stern sollte zwei Jahre später bei der Seeschlacht vor Lissa (einer Insel vor Dalmatiens Küste) hell erglänzen, in der ihm das veritable Wunder gelang, durch seine tollkühne Rammtaktik mit den technisch veralteten »Dampfbügeleisen« der Österreicher die weit überlegene italienische Flotte zu besiegen. Anton Romakos wohl berühmtestes Gemälde zeigt ihn als höchst »unkonventionellen« Helden mitten auf der Kommandobrücke — breitbeinig, mit den Händen in den Hosensäcken:


Den Untergang des italienischen Flaggschiffs »Re d'Italia« schildert Carl Frederick Sørensen nur zwei Jahre nach der Versenkung in einem dramatisch-schaurigen Gemälde:


Tegetthoff wurde zum Vice-Admiral, »Chef der Marine-Section im k.u.k. Reichs-Kriegsministerium« und »Commandanten Sr. Majestät Kriegsmarine« ernannt, nicht ohne heimlichen Groll des k.u.k. Generalstabs (der seine Allmacht gefährdet sah). Er sollte sich freilich nicht allzu lange seiner hohen Funktion erfreuen, denn schon mit 43 Jahren erkrankte der Seeheld von Lissa an einer banalen Lungenentzündung, die ihn am 7. April 1871 das Leben kostete. Sein mehr als bescheidener Nachlaß von von 267 Gulden und 40 Kreuzer (das entspricht — mit allem Vorbehalt bei solchen Umrechnungen — nur etwa 1.600 Euro) war neben seinem ruhmreichen Namen alles, was er seinen beiden Söhnen hinterlassen konnte.

»Sic transit ...«, will einer seufzen — doch nein, das trifft's nicht! Tegetthoffs Ruhm ist (wenigstens in Österreich) unvergessen; wir Österreicher tun uns da auch leichter als z.B. die Engländer — so viele Seehelden haben wir ja nicht. Wäre es angesichts der geringen hinterlassenen Barschaft und des am Praterstern bis heute — vom Verkehr umtost — stehenden, ehernen Monumentes


nicht angebrachter zu zitieren:

»EXEGIT MONVMENVM ÆRE PERENNIVS«

Donnerstag, 8. Mai 2014

Professor emeritus »Silvæ«

... fühlte sich bemüßigt, dem vorgestern vor 110 Jahren verstorbenen seinerzeitigen »Malerfürsten« Franz von Lenbach nicht bloß seinen (nicht ererbten, vielmehr 1882 verdiensthalber verliehenen) Adel, sondern auch seine Genialität abzusprechen. Bestenfalls als Talent läßt er ihn gelten:
Als ich im Kalender sah, dass der Maler Franz von Lenbach am 6. Mai 1904 gestorben ist, wollte ich über ihn schreiben. Über diesen Münchener Malerfürsten, der von seinem Talent her alles hätte werden können, aber dann doch nur jemand geworden ist, der fabrikmäßig Bilder vom Kanzler ➱Bismarck malte. Knapp achtzig solcher Bilder kennt man, 137 will er gemalt haben. Damit würde er ➱Gilbert Stuart geschlagen haben, der nur 130 Kopien seines berühmten Bildes von Washington angefertigt hat.
... hebt er an. Nun gut, über Geschmack läßt sich nicht streiten (wenigestens nicht sinnvoll), aber wenn unser Professore »Silvæ« schon den Schöpfer solch lebensvoller Portraits wie z.B.:





unter Verweis auf Max Liebermanns angeblich ungleich größere Qualität nonchalant einen Tritt in den Allerwertesten versetzt, dann darf man davon ausgehen, daß er gegenüber den Leinwandklecksern des 20. (und 21.) Jahrhunderts wohl ebenso mit Max Liebermann verächtlich spricht: »So wat piss ick in'n Schnee!« ...

Nein, natürlich nicht! Das wäre politisch unkorrekt, und sowas macht Professor »Silvæ« daher einfach nicht. Aber statt irgendeine Schmiererei eines Zeitgenossen in den Schnee gepißt zu nennen, ans Bein Franz von Lenbachs zu pinkeln — dagegen spricht nichts. Der ist schließlich 1936 von den Nazis aus Anlaß der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstags durch eine große Ausstellung geehrt worden, und wer sich mit den Nazis einläßt (und wäre es auch bloß passiv und posthum), ist wohl selber einer. Oder so ähnlich. Jedenfalls jemand, zu dem einem das folgende Schlußwort einfallen darf:
Dazu fällt mir nur das Zitat von Wilhelm Busch ein: Wenn einer, der mit Mühe kaum. Geklettert ist auf einen Baum, Schon meint, daß er ein Vogel wär, So irrt sich der. Und mit Wilhelm Busch höre ich auch auf. Dem schreibt Lenbach einmal: Ewig der Deine F. Lenbach Mitarbeiter am Verfall der Kunst. Mitarbeiter am Verfall der Kunst, das ist doch mal ein schönes Schlusswort.
Ein noch schöneres Schlußwort wäre freilich gewesen, wenn Professor »Sivæ« die süffisante Selbstironie in Lenbachs Charakterisierung aufgefallen wäre. Das allerdings hätte vorausgesetzt, daß man sich mit ihm uns seinem Werk ernsthaft beschäftigt. Vergleicht, was von Portraitisten jener Zeit denn so an Werken geschaffen wurde. Überlegt, wie Franz von Lenbach in die Geschichte der Portraitkunst einzuordnen wäre, wie die Entwicklungslinien von den großen Vorbildern dieser Kunst in Italien, den Niederlanden, in England, Frankreich und Amerika verliefen. Mit einem Wort: es hätte eines soliden kunsthistorischen Ansatzes bedurft, um so einen Aufsatz zu verfassen.

So freilich hat sich der Herr Professor bloß auf oberflächliche Polemik und Pointen beschränkt. Als Mitarbeiter am Verfall des Bloggens, sozusagen ...

»Klimazecke Schellnhuber«

... nennt Gerhard Breunig Deutschlands GröKAZ (Größten Klima-Alarmisten aller Zeiten) in seinem überaus lesenswerten Artikel »Wie man Menschen zu Marionetten macht«. Man kann wirklich nicht sagen, daß Breunig mit diesem Ungeziefer-Vergleich völlig daneben läge, wenngleich natürlich der Vergleich von Menschen und Insekten politisch höchst unkorrekt ist. Wissen wir, und sind demgemäß irgendwie traurig und ein Stück weit betroffen. Wer freilich mitbekommt, wie unsere Kinder mit all diesem links-grün-totalitären Gedankenschrott indoktriniert und terrorisiert werden, wird vielleicht ein bisserl anders darüber denken.
Beeindruckend sind die Methoden, die man den Kindern bei diesem ganzen Schwachsinn vorsetzt. So wird beispielsweise der menschliche Körper, der tatsächlich bei dauerhaft zu hoher Temperatur in massive Probleme gerät, auf völlig plumpe Weise mit der Erde verglichen. Auf diese Weise wird suggeriert, ein Fieber kranker Mensch sei mit der mutmaßlichen Erderwärmung vergleichbar. So soll bildhaft dargestellt werden, dass die Erde wie ein Mensch stirbt, wenn sich die Temperaturen auf unserem Planeten um mehr als 2 Grad erhöhen. Das ist dumme Angstmache übelster Art. Was das bei ihren Kindern langfristig an psychischem Schaden verursachen kann, sollten sich die Eltern selbst ausmalen.
Mit der Forderung, weniger tierisches Eiweiß zu sich zu nehmen, wird einer staatlich verordneten Mangelernährung Vorschub geleistet. Wer erinnert sich noch an den Veggie Day, den Grüne Bevormundungspolitiker bei der letzten Bundestagswahl gefordert haben? Mit solchen Bevormundungen, werden wir an Mangelwirtschaft gewöhnt. Glühbirnenverbote, Staubsauger- und Kaffeemaschinenverbote sind nur der Anfang. Dass dieser Irrsinn schleichend zur Methode in Deutschland wird, merken immer noch die Wenigsten.
Unsere Kinder werden heute dahin getrimmt, dies als normal zu akzeptieren und auf verdienten und möglichen Wohlstand zugunsten weniger Profiteure zu verzichten. Sie werden die Einschränkungen ihrer Freiheit hinnehmen, weil man sie das heute so gelehrt hat und weil ihnen ihre Eltern diese Staatsgläubigkeit immer wieder vorleben. Wir sind heute keinen Schritt weiter in Richtung Freiheit gekommen als 1933. Nur sind die Herrscher dieses mal geschickter dabei, uns zu manipulieren und uns zu verführen. Sie bestechen uns cleverer als damals und kochen uns wie Frösche. Langsam, ganz langsam.
LePenseur denkt: wenn die uns wie Frösche behandeln, dann dürfen wir sie auch wie Zecken ansehen. Oder nicht?

Mittwoch, 7. Mai 2014

Bekanntlich sind es ja nur alte Links-Seilschaften und Neonazis

... die das Verhalten des »demokratischen Westens« in Sachen Ukraine als etwas ... ... na, sag'ma mal: gewöhnungsbedürftig ansehen. Oder etwa doch nicht?

Frau Bundeskanzlerin, es ist eine Schande! Statt eines Briefes.

Da verbrennen vor wenigen Stunden in Odessa zahllose Menschen in einem Gebäude, das von einem entfesselten Mob mit Brandbomben angezündet worden ist. Da werden vor einigen Wochen auf dem Maidan-Platz Massaker verübt. Wo ist der Aufschrei westeuropäischer Regierungen? Wo sind die Beschlüsse der internationalen Organisationen, die ansonsten nicht müde werden, Untersuchungskommissionen in opportune Länder entsenden zu wollen?
Wo sind die Sondersitzungen, die Deutschland und damit die von Ihnen, Frau Dr. Merkel, geführte Bundesregierung in diesen Organisationen beantragt? Sie können und wollen sich offensichtlich darauf verlassen, von einer Presse gedeckt zu werden, die dieses Spiel jetzt in der Ukraine nicht zum ersten Male mitmacht: ignorieren, verharmlosen, herunterspielen, wegsehen. (Hier weiterlesen)
Wir können darauf wetten, daß unsere von der US-Administration ferngesteuertern EU-Politruks, auch weiterhin ignorieren, verharmlosen, herunterspielen und wegsehen. Aber wir können immerhin darauf hinweisen, daß nicht bloß pöhse Links- & Rechtsextreme in der Bevölkerung das alles nicht so prickelnd fanden ...

»Wohl keine Kommunalwahl in der Geschichte ...

… der DDR hat selbst so viel Geschichte gemacht wie die am 7. Mai 1989.«

schreibt Prof. Dr. Manfred Gerlach, der kurzzeitige (12/1989-04/1990) letzte Staatsratsvorsitzende der DDR und langgediente (1967-1990) Vorsitzende der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD), in seiner höchst lesenswerten, weil durchaus auch selbstkritisch angelegten Autobiographie »Mitverantwortlich. Als Liberaler im SED-Staat« (Morgenbuch-Verlag, Berlin 1991, S 254 f.). Und setzt über diese bedeutsame Wahl, die heute vor exakt 25 Jahren stattfand, hinzu:
In der vorangegangenen Zeit listeten wir vor allem immer auf, wieviel Mandate die LDPD dazubekommen hatte. Aus diesem Blickwinkel hätten wir 1989 sehr zufrieden sein können. Im Vergleich zur letzten derartigen »Wahl« 1984 saßen jetzt 1474 Liberaldemokraten mehr, insgesamt 12154, in den örtlichen Parlamenten. Wir stellten 245 Bürgermeister, das waren 4 zusätzlich. In den Wahlvorständen arbeiteten 6448 Parteimitglieder, darunter 60 als Vorsitzende.
Doch diesmal galten andere Maßstäbe. Im Volk gärte und brodelte es; bei dieser Kommunalwahl ging es um Staatspolitik. Alle warteten auf ein Zeichen, das neues Denken signalisiert hätte; doch vergebens. Ich überlegte, ob ich – bei meiner Abstimmung waren immer Fernsehen und Fotografen zugegen – demonstrativ die Kabine im Wahllokal benutzen sollte. Heute sage ich, hätte ich es nur getan; damals meinten wir, das bringe außer Ärger nichts ein; gesendet würden solche Aufnahmen bestimmt nicht.
Wenige Tage später wurden die ersten Wahlfälschungen bekannt, meist durch westliche Medien, doch auch aus Eingaben, die Bürger an viele Stellen richteten, auch an die Leitung der LDPD. Im Unterschied zu früheren Wahlen notierten diesmal Initiativgruppen und kirchliche Kreise die Ergebnisse in Wahllokalen, summierten sie und verglichen sie mit den offiziellen Zahlenangaben. Da zeigten sich teilweise spektakuläre Differenzen. Die Vorgänge um diese Betrügereien sind nie bis zum Ende geklärt worden. M.E. wurde verfahren wie immer; die Fälschungen, angeordnet oder »freiwillig«, erfolgten vorrangig in den Sonderwahllokalen (keine öffentliche Auszählung) und in den Kreiswahlbüros (ohne Öffentlichkeit, durch Staatsfunktionäre, die allesamt der SED angehörten).
Soweit die Erinnerungen Gerlachs. Die Parallelen zur bevorstehenden »Wahl« am 25. Mai 2014 sind offensichtlich. Auch hier wird durch legistische Vorgaben dafür gesorgt, daß, egal was »herauskommt«, praktisch nur das »hineinkommt« (nämlich ins EU-»Parlament«), was den Machthabern paßt. Parteien auf Ebene der Einzelstaaten müssen sich künstlichen »transnationalen« Fraktionen anschließen, um überhaupt als Fraktion in Brüssel anerkannt zu werden. Das Gewicht der einzelnen Stimmen ist von absurder Ungerechtigkeit — wenn man bloß vergleicht, wie viele Abgeordnete Zwergstaaten wie Luxemburg oder Malta, aber auch die nicht wesentlich bevölkerungsreicheren Staaten des Baltikums, Skandinaviens und des Donauraumes im Vergleich bspw. zu Deutschland stellen. Das solcherart gewählte »Parlament« ermangelt darüber hinaus fast aller typischer Rechte eines Parlaments: in der Gesetzgebung beschränkt sich seine Funktion auf das Abnicken der von den EU-Kommissaren vorgelegten Gesetzesinitiativen, das Budget-»Recht« ist Chimäre, die Wahl der Kommission (und v.a. ihres Präsidenten), die de facto nur zwischen den ewigen schwarz-roten Koalitionszwillingen im Kreis der EU-Rates der Regierungschefs ausgekungelt wird, detto. Unsere »Wahl« dieses faktisch rechtlosen EU-»Parlaments« ist mit den Verhältnissen von Volkskammerwahlen in der DDR also durchaus nicht unähnlich. Man ersetze »Politbüro der SED« durch den »Rat der Regierungschefs« — eh voilà!

Die EU-Machthaber sollten allerdings rekapitulieren, wie sich die Dinge in der DDR entwickelten. Irgendwann hatte weite Teile im Volk einfach die Schnauze voll und wollten sich an dieser großen Betrugsveranstaltung, genannt »sozialistische Demokratie«, nicht mehr beteiligen. Und innerhalb weniger Jahre, ja Monate erodierte die so wunderbar ausgeklügelte Maschinerie, die doch immer so schön brav die gewünschten Ergebnisse geliefert hatte. Nun freilich — ein entscheidender Unterschied zur DDR-Situation besteht heute: es gibt (sieht man einmal von der dafür viel zu kleinen Schweiz ab), weder für Deutsche, noch für Franzosen oder Italiener ein gleichsprachiges Land, in das sie fliehen könnten, wenn ihnen das Kotzen über unsere Verhältnisse allzu sehr im Hals würgt. Nur die Engländer und Iren können über den Atlantik flüchten (ob sie sich’s dort freilich verbessern, darf unter Backaromas Führung bezweifelt werden) … ... und naja: vielleicht hätten die Spanier und Portugiesen noch die eine oder andere Alternative in Lateinamerika. Der Rest aber müßte Russisch, Hindi oder Chinesisch lernen. Was die Politik unserer Machthaber für viele dann faktisch »alternativlos« macht.

Dennoch: wo die Not am größten, da wächst das Rettende auch — und so stehen bei dieser Wahl erstmals auch Parteien zur Auswahl, deren jede einzelne zwar ins Korruptions- und Gummizellen-Regime Brüssels, auch gegen ihren eigenen Willen, »integriert« werden könnte; doch ob das auch für die ganze Palette insgesamt zutreffen wird (bzw. auch nur kann!), bleibt spannend. Insbesondere das Abschneiden der UKIP könnte in Großbritannien ein politisches Erdbeben auslösen, aber auch die Ergebnisse des Front National, der AfD und der FPÖ sind für manche Überraschung gut.

Und so stellt sich die Frage, ob wirklich die Wahlenthaltung diesmal die sinnvollere Entscheidung ist. Sie mag ehrlicher sein — denn wenn man sich die Pfeifen ansieht, die uns nicht bloß in den Blockparteien der EU, sondern auch bei ihren dissidenten Herausforderern so angeboten werden, verliert man ja wirklich die Freud’ daran, wählen zu gehen. Aber andererseits: in einigen Tagen haben wir die — vielleicht für lange Jahrzehnte letzte! — Möglichkeit, in einer mehrfachen Krisensituation (politisch, gesellschaftlich wie wirtschaftlich) vielleicht doch unseren Machthabern via Stimmzettel jenen »schwarzen Schwan« als Boten zu senden, bei dessen Anblick sie, entmächtigten Götzen gleich, zu Boden stürzen. Zeit wär’s …

Dienstag, 6. Mai 2014

Ein Zufall! Nur ein Zufall, glauben Sie mir!

Die »Neue Zürcher Zeitung« weiß ganz aktuell zu berichten (respektive von dpa abzuschreiben): 
Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 81 Jahren, wie sein Sprecher Stephan Holzinger der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Demnach hatte er sich nicht mehr von einer schweren Herzoperation erholt.
(dpa) Gurlitt war seit Monaten schwer krank. Sein Arzt sei in der Stunde des Todes bei ihm gewesen, sagte der Sprecher. Gurlitt starb nur wenige Wochen nach seiner Vereinbarung mit dem Land Bayern und der Bundesregierung über seine unschätzbar wertvollen Kunstwerke.
Ein Zufall, ich sagte es bereits — nur ein Zufall! Er hätte natürlich auch hundert werden können. Sein Tod hat nichts mit dem Überfall der Steuerfahnung auf seine Wohnung zu tun, und nichts mit der Medienhetze, die die Staatsanwaltschaft ausgelöst hat. Nichts mit seiner geplanten Einweisung in eine psychiatrische Klinik, weil er so unbesonnen war, das Klopfen von Staatsorganen zu überhören, da er mit Ohropax und Tabletten einmal ungestört schlafen wollte, und man ihn damit elegant unter dem Vorwand der Suizidgefahr in die Klapse bringen konnte. Und schon überhaupt nichts mit seiner Unterschrift unter die Teilenteignung seines ererbten Vermögens.  Doch ab da wollte er vermutlich nicht länger leben — und brauchte es aus Sicht seiner Staatsschergen eigentlich auch nicht mehr. Wofür denn? Sie hatten, was sie wollten ...

Die Obrigkeit — die Politik ebenso wie die Polizei, die Finanz und die Justiz — hatte ihn zur Strecke gebracht, seine Ehre zerstört (als wäre er KZ-Scherge gewesen), seine Kunstwerke beschlagnahmt, ihn fast entmündigt. 

Wünschen wir den Teilnehmern an dieser Schandaktion, allen voran dem bayrischen Justizminister und seinen servilen Helferleins in Behörden und Medien, zum Ende ihres Lebens einen langen Todeskampf, in dem sie sich ihrer letztklassigen Schäbigkeit diesem alten Mann gegenüber so recht bewußt werden. Ich bin vermutlich schon zu alt, um das noch zu erleben, Politruks sterben leider nicht so schnell. Aber es wäre ein Genuß, es von der sprichwörtlichen »Wolke 7« mit ansehen zu dürfen ...

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P.S.: eben entdecke ich beim Kollegen Geistbraus die Büberei, die sich der FOCUS in diesem Zusammenhang leistet. Solchen Journalöchern gönne ich von Herzen gleich einen besonders langen ... 

Braucht es noch Beweise für Dekandenz?

Wem das Treiben um uns nicht genug davon bietet — das Internet bietet mehr! Beispielsweise Sachen (zum Lachen?) wie diese hier:

Why I Filmed My Abortion

When Emily Letts got pregnant, she knew she would get an abortion. Then she decided to film it. Letts, 25, is an abortion counselor at Cherry Hill Women’s Center in New Jersey, which is where she had her abortion. The non-graphic video focuses on her face and shows her breathing and humming through the procedure. The doctor on the other side of the sheet is out of view. When she entered the Abortion Care Network’s Stigma Busting video competition and won, the video went viral. Here, she explains why she decided to share her experience so publicly. (Hier weiterlesen, wenn's noch nicht reicht)
Ein Filmchen, geschmackvoll und stilsicher wie Selfies aus dem Seziersaal, oder eine Sendung »Mit versteckter Kamera« aus der Notaufnahme eines Unfallspitals. 

Ich sag's nicht gern — aber bei Emily Letts' Mutter drängt sich die Frage auf, ob sie seinerzeit nicht doch besser ...

»Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein« (Goethe)

An dieses Zitat mußte ich denken, als ich den instruktiven Aufsatz »Das intelligenteste Sklavensystem, das es je gab« von Susanne Kablitz las. Dringende Leseempfehlung daher an alle Erstbesucher des LePenseur-Blogs (Dauergäste kennen die Argumente ja sbereits) — denn der nicht allzu lange Artikel bringt in gefälliger Form alle wichtigen Probleme unseres derzeitigen Geld- und Wirtschaftssystems zur Sprache. Aber auch »alte Hasen« können vom Artikel insofern lernen, als es ja einen Unterschied macht, ob man ein Problem erkannt hat, oder ob man diese Erkenntnis auch einem unkundigen Dritten in verständlicher Form mitteilen kann. Dieser Artikel kann's!

Montag, 5. Mai 2014

Rolf Hochhut

... ist sicherlich ein Autor, den LePenseur nicht unbesehen weiterempfiehlt. Auch die »Berliner Zeitung« ist nicht unbedingt das Printprodukt seiner Wahl (Überraschung!). Dennoch: auch ein Hochhut kann richtige Einsichten haben — und im Falle des Ukraine-Konfliktes sogar in der »Berliner Zeitung« veröffentlichen. Denn in den Systemmedien hätte er dafür wohl auch keine Möglichkeit gehabt.

Russland und Deutschland  

Es geht nicht um die Krim

Was soll die Ukraine in der EU? Wollte Kalifornien dem Warschauer Pakt beitreten? Rolf Hochhuth verlässt den Posten des Mahners nicht. Der Dramatiker greift nun die Politik des Westens gegenüber Russland scharf an. Gerade Deutschland müsste hier historisches Bewusstsein zeigen.
Genau so, als hätte Kalifornien einst dem Warschauer Pakt beitreten wollen, muss heute umgekehrt auf Russland die Einladung des Westens an die Ukraine wirken, der EU, ja sogar der Nato beizutreten. Das wird westlich der Weichsel so ungern gehört, wie es unerfreulich wahr ist. Dass ausgerechnet Deutschland sich seit Beginn der 90er-Jahre von den USA vorspannen lässt bei deren Bemühen, ihre Einflussmacht bis zur Trennung der Moskau-Russen von denen der Kiew-Russen zu treiben, ist insofern unentschuldbar, als bekanntlich wir Deutschen es gewesen sind, die sich von ihrem Braunauer und späteren Auschwitzer zum Amoklauf nach Stalingrad haben benutzen lassen.
Wobei man ehrlicherweise hinzufügen sollte – ich war erst zehn, als der begann, konnte aber die Generation meiner Eltern schon ziemlich genau beobachten –, dass es keinesfalls Hitler allein war, der allen Ernstes geglaubt hat, es könne, mit einem noch völlig ungeschlagenen Großbritannien samt seinem Churchill im Rücken, glücken, Russland zu besiegen: Wir können uns heute keine Vorstellung mehr davon machen, die Jahrgänger meiner Kinder und Enkel schon gar nicht mehr, wie der „Siegeszug“ über Frankreich in nur sechs Wochen, die ganze Nation um Maß und Verstand gebracht hatte! (Hier weiterlesen)
Man muß Hochhuts Meinungen (auch in diesem Falle) nicht restlos teilen (seine Annahme, daß Helmut Schmidt auch »noch mit 94 der klügste BRD-Politiker« sei, darf bspw. durchaus hinterfragt werden (auch wenn Schmidt in der Ukraine-Frage eine deutlich vernünftigere Haltung einnimmt, als die Aktivkader unserer Systemparteien) — aber man wird ihn auch nur schwer bezichtigen können, mit diesem Artikel völlig danebengeschossen zu haben.

»Bismarck würde sich im Grabe umdrehen«, meint Hochhut. Ja, sicherlich. Nicht nur wegen dieses Themas, allerdings ...

 

In der Nazizeit

... gab's einen Flüsterwitz aus den Luftschutzkellern. Wenn dort um zwei Uhr morgens zum Sirenenklang die Leute zusammenkamen, konnte man drei Arten von Menschen unterscheiden. Die einen grüßten: »Guten Morgen!« — das waren die, die bereits zu Bett gegangen waren. Die anderen grüßten mit: »Guten Abend!« — das waren die, die sich noch nicht hingelegt hatten. Und dann gab's noch die, die mit »Heil Hitler!« grüßten. Das waren die, die noch nicht aufgewacht waren.

Die junge Dame im folgenden Video ist aufgewacht (im Gegenteil zu unseren Links-Journaillisten) ...

Sonntag, 4. Mai 2014

»Die USA sind der einzige Garant für Freiheit«

... meinte vorgestern ein gewisser Alexander Grau in »Cicero — Magazin dfür politische Kultur«. Und setzte fort:
Anlässlich Merkels Obama-Besuch wird in Deutschland wieder der Antiamerikanismus wach. Dabei sind die USA die einzige Schutzmacht für jeden Freiheitsliebenden dieser Welt.
Und sowas wird gedruckt bzw. ins Internet gestellt, ohne daß durch das dröhnende gelächter aller Medienkonsumenten Monitore zerplatzen und Redaktionsmauern einstürzen. Tja, weit haben wir's gebracht — jeder Schmarr'n kann uns von der Systempresse vorgesetzt werden, und wir reagieren nicht einmal mit Hohn darauf ...

Alexander Grau, laut Selbstauskunft (»ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist«) ein g'scheiter Mann, geniert sich nicht mal, zum Ende seines PR-Artikels noch eins draufzusetzen und dahinzuschmachten:
Doch machen wir uns nichts vor. In letzter Konsequenz hat jeder freie Mensch auf dieser Welt nur eine Schutz- und Trutzmacht: die Vereinigten Staaten von Amerika. Wer das bezweifelt, mag sich unter die Obhut Russlands oder Chinas begeben, deren Geheimdienste im Übrigen auch nicht anders agieren als die amerikanischen. Nur eines wird in Deutschland gerne vergessen: Wenn zwei das gleiche tun, ist es immer noch nicht dasselbe. Und in letzter Konsequenz sind Amerikas Macht und Amerikas Stärke der einzige Garant für alles, was uns lieb und teuer ist.
 Nein, machen wir uns nichts vor. Die US-Machthaber wollen nur unser Bestes! Unsere Wertschöpfung, die sie sich über das Betrugskartell der Notenbanken gegen wertlose Dollar-Versprechungen, zum Verjausnen holen. Und außerdem wollen sie ihr Bestes: nämlich fügsame Vasallenregierungen, die zu allem ja und amen sagen. Die man mit Medien- oder (wenn's sein muß — ist ja teurer!) Waffengewalt beseitigen kann, wenn irgendwie eine »geopolitische Notwendigkeit« es ratsam erscheinen läßt.

Und wer was dagegen hat, sich weiterhin als Mensch zweiter Klasse und patentierter Systemtrottel ausnehmen zu lassen, der leidet, das weiß Herrr Dr.phil. Alexander Grau ganz genau, bloß an einer »narzisstischen Kränkung«. Da ist was dran! Mein innerer Narziß ist irgendwie gekränkt, von einem gekauften Dumpfschreiber auf derart primitive Weise vergackeiert zu werden. So blöd, wie dieser promovierte Philosoph uns glauben machen will, sind wir nämlich nicht ...

Mutti auf Reisen


(Dank an Bellfrell für den Hinweis)

Samstag, 3. Mai 2014

Der Post-Fleischhauer

Auf Ortner-Online findet sich zu einem von Christian Ortner als »bemerkenswerte These« verlinkten Jan-Fleischhauer-Artikel ein noch wesentlich bemerkenswerteres Posting von »gms«, das nicht einfach im Orkus eines Kommentar-Threads untergehen sollte:
Jan Fleischhauer hätte für seine Reputation gut daran getan sich zu entscheiden, ob er Putin nun einen lupenreinen Faschisten oder doch Postfaschisten heißt, so ihm nicht durch absurdes Mäandrieren in der Argumentation daran gelegen ist, die Anpatzerei auch wirklich in jeder Richtung wasserdicht zu gestalten und erst dadurch spektakulär mit dem Kinn auf die Schreibmaschine zu donnern.

Besonders klamaukhaft wird’s mit seinem Statement: “Es ist also ein ideologischer Kampf, den Russland aus Sicht seines Präsidenten kämpft: gegen die Oberflächlichkeit des Materialismus, gegen den Verfall der Werte, gegen die Verweiblichung und Verweichlichung der Gesellschaft, die mit der Auflösung aller traditionellen Bindungen einhergeht, kurz: gegen alles Unrussische.”

Jeder bürgerlich Liberale kann sich diesen Kriterien gemäß guten Gewissens von Kopf bis Fuß mit Sankt-Georgs-Bändern behängen. Als vermeintliche Breitseite wider Russland kann dies nur dann gewertet werden, wenn Fleischhauers “Unter Linken” eine Charade war, die er nun Stück für Stück wieder zurücknimmt, weil sie offenbar von der Leserschaft vollkommen mißverstanden wurde. Wie erfolgreich zugleich Putins Kampf gegen die Verweiblichung der Gesellschaft war, läßt sich dort an der Menge an Frauen in höchsten Führungspositionen festmachen, gegen die allenfalls ein beim “Spiegel” schreibender Antipostfeminist mit Sympathien für Postantiverweiblichung etwas einwenden kann.

Wenn er ergänzend ohne Beweis oder gar Plausibilisierung behauptet, Putin würde die Demokratie verachten, während dieser statt dessen aber wiederholt Demokratiedefizite in seinem Land beklagt, kann dies als weiteres Indiz dafür gesehen werden, hier würde sich ein Author die eigene Beliebigkeit im Folgern als Tugend zuschreiben, verglichen damit jeder noch so dünne rote Faden zwangsweise wie vom Faschismus gesponnen anmutet.

Krisen sind Zeiten der Bewährung. Es ist daher auch nicht verwunderlich, wenn manche in solchen öffentlichkeitswirksam scheitern. Fleischhauer als sein eigener Post- Fleischhauer bildet dabei leider keine Ausnahme.
Touché! Wobei insbesondere der Wortkreation »Post-Fleischhauer« elegante Originalität zu attestieren ist ...

Der Geist weht bekanntlich, wo er will

... und manchmal weht er auch beim Kollegen Geistbraus, dessen persona non grata zu sein LePenseur seit kurzem schmerzbewegt zur Kenntnis nehmen muß. Welcher Geist weht da eigentlich? Je nun, das wechselt, und derzeit fühlt sich unser Kollege Geistbraus bemüßigt zu bedauern, daß »Konservative und Liberale keine Poesie haben«. Ei, wie denn das nun?

Der »Konservative« Jan Fleischhauer wird — weil er Putin »lupenreinen Faschismus« unterstellt und ihm vorwirft, nicht nur den Tod für eine höhere Sache zu glorifizieren, sondern auch noch den “Mythos von Moskau als dem »dritten Rom« auf[zugreifen]”, wodurch klar werde, “dass er dem russischen Volk eine historische Mission” zuweise — von Geistbraus wohl nicht ohne Recht beschuldigt, den Konservativismus mit Pragmatismus zu verwechseln, mit Utopielosigkeit, mit dem Verzicht aufs Träumen, mit der Weigerung, das Lied, das in allen Dingen schläft, zum Singen zu bringen. Wer den Blog von LePenseur kennt, der wird unschwer davon ausgehen können, daß er Jan Fleischhauers Meinung über Putin für ziemlichen Unsinn hält. Dessen ungeachtet bekommt auch LePenseur für folgende Äußerung:
Wenn der … Verzicht auf weitere Kirchenbauten das notwendige Übel ist, um damit das weitaus größere Übel irgendwelcher Moscheebauten zu verhindern, von denen dann demnächst — wieviel wetten wir? — fünfmal täglich der Muezzin seine leicht größenwahnsinnigen Gebetsaufforderungen heult, dann würde ich sagen: gebongt!
seine Watschen. Denn Kollege Geistbraus stellt Jan Fleischhauer ebenso wie LePenseur einem Stimmungsbild aus Jerusalem 2007 gegenüber:
Als ich eines Spätnachmittags den Ölberg hinabstieg, hörte ich (ich glaube, ich habe das irgendwann bereits erzählt) alle drei abrahamitischen Religionen gleichzeitig von der Stadt herüberschallen: den Muezzin, die Glocken und die Sabbatsirene. Die Sonne senkte sich, es wurde kühl – und die Landschaft, der sanft abfallende Ölberg, das Kidrontal, das Goldene Tor und dahinter die Heilige Stadt wurden auf mystische und poetische Weise durch die unterschiedlichen Rufe der drei Religionen verklärt. Es war stimmig und hatte eine Schönheit, gegenüber der es irrelevant war, dass mich morgens der Muezzin nicht störte. Einfach irrelevant.
In diesen Augenblicken [...] in Jerusalem war ich nicht konservativ oder liberal, nicht christlich oder muslimisch, nicht gläubig oder glaubenslos, keiner Ideologie oder Weltanschauung hörig – ich war einfach Zuhörer. Und ich ließ mich von der Poesie des Augenblicks verzaubern.
Schön! Einfach schön, wie der Kollege diese Stimmung, die ihn erfüllte, beschreibt. Nur — es ist in Bezug auf den Standpunkt Fleischhauers (oder den davon höchst augenfällig differierenden LePenseurs) »einfach irrelevant« (um Geistbrausens Worte zu verwenden). Denn es ist nicht der Punkt, ob in einer Stadt, die seit Jahrhunderten von Juden, Christen und Mohammedanern bewohnt wird, gleichzeitig »... die unterschiedlichen Rufe der drei Religionen ...« erklingen, und dies im Einzelfall eine besondere Stimmung zu erzeugen vermag — sondern es ist der Punkt, ob Muezzinrufe auch überall dort stattfinden sollen, wo irgendwelche Mohammedaner erst in den letzten Jahren durch staatlich klammheimlich geförderte Zuwanderung hinkamen, in Münchham, Gramatneusiedel, Paderborn oder Linz/Donau, oder wie diese Orte auch immer heißen mögen. Und das ist keine Frage poetischer Stimmung, sondern eine von zumutbarer Lärmbelästigung; von sonstigen Beälstigungen zu schweigen. Wer — wie LePenseur — einige Zeit im mohammedanischen Orient verbrachte, weiß, wovon die Rede ist.

Und es ist, gelinde gesagt, eine gewagte Unterstellung, per Ferndiagnose Jan Fleischhauer (der sich dagegen freilich selbst verteidigen möge, wenn es ihm das wert ist) und LePenseur zu unterstellen, sie selbst seien einer Verzauberung von der Poesie des Augenblicks nicht zugänglich, weil sie nämlich (und hier erlaube ich mir die Geistbraus'schen Worte etwas zu kondensieren) aufgrund ideologischer Verblendung dazu einfach unfähig wären.

Doppel unschön wird es aber, wenn Kollege Geistbraus über mit LePenseur privat ausgetauschte E-Mails zu erzählen beginnt — noch dazu inhaltlich entstellend, da durch die Formulierung »seine Ohren für das Lied, das überall, selbst im Muezzin, schlummert, zu öffnen« einen sachlichen Bezug zu Muezzinrufen insinuierend, obwohl es dabei tatsächlich um ein ganz anderes Themas, nämlich das der modernen (E-)Musik und ihrer geringen »Marktgängigkeit« ging. 

Wenn Kollege Geistbraus also der Meinung ist, mit Aplomb verkünden zu müssen, den LePenseur-Blog kürzlich — »als bisher einzigen Blogger« — von seiner Blogroll entfernt zu haben, ist das seine Sache. Da LePenseur seine Blogroll nicht nach den Vorstellungen der darin genannten, sondern nur nach seinem Dafürhalten, welche Links für die Leser seines Blogs interessant sein könnten, gestaltet, wird auch weiterhin der Blog »Geistbraus« darin enthalten sein, es sei denn, der Kollege ersuchte ausdrücklich um seine Löschung.

Zum Schluß nur eine kurze Frage — oder vielmehr Feststellung: »Tant de bruit pour une omelette!« ...

Freitag, 2. Mai 2014

Zur 250. Wiederkehr des Geburtstages

... widmet »Sezession« dem deutschen Staatsmann Friedrich von Gentz einen lesenswerten Artikel:
Gentz war einer der bedeutendsten und einflußreichsten Konservativen der letzten 300 Jahre und dürfte so viele Widersprüche in seiner Person vereint haben wie kaum eine andere Persönlichkeit seiner Zeit. Er, der preußische, nüchtern denkende Beamte aus gutem Hause, war zeit seines Lebens ein wüster Frauenheld (seine letzte Liebe über 50 Jahre jünger als er) und Ehebrecher. Selbst seine Freunde beschrieben den jungen Gentz als eitel, er war ebenso vergnügungssüchtig wie verschwenderisch, weshalb er schließlich als Bankrotteur vor seinen Gläubigern fliehen mußte. Ausgerechnet dieser Mann war aber zugleich einer der Erfinder eines realistischen, erfahrungsgesättigten und streng unideologischen Staatsdenkens, ein Praktiker der Macht, der im Erhalt eines Gleichgewichtes der Großmächte die einzige Möglichkeit sah, dauerhaft den Frieden in Europa zu bewahren. (Hervorhebung LP)
Wenn man solches liest, kann man über das uns heute »regierende«, Idioten-Gesocks nur verzweifeln.

Besser spät als nie

... sagt der Volksmund, und so komme ich nach Lektüre des »Skandalbuches« von Akif Pirinçci nicht umhin, es spät aber doch zu rezensieren.

Die anfängliche Schockstarre in den Systemmedien, die — freilich vergeblich — hofften, das Buch einfach totschweigen zu können, war ja bald einer geifernden Kampagne gewichen, in der staatsschmarotzende Bedenkenträger zum wilden Gefuchtel mit der Nazi-Keule ansetzten, ihnen keine Schublade zu tief war, um nicht in sie zu greifen ... und sie dabei nicht merkten, daß sie damit nur eines bewirkten: Werbung für das Buch, dessen Existenz sie am liebsten mit einer Zeitmaschine unmöglich gemacht hätten. Nun, wie bitter für die Systemgünstlinge — doch da diese Zeit ihres Lebens durch (direkte doer indirekte) Staatsalimentation ganz brauchbar abgesahnt haben, hält sich mein Mitleid in engen Grenzen ...

Nun zum Buch: es ist das exakte Gegenteil zu den Publikationen von Thilo Sarrazin: wo dieser seriös bis in die Fingerspitzen penibel Faktum an Faktum reiht (und die Quellen in Fußnoten dokumentiert), da schlägt Pirinçci einfach mit dem Vorschlaghammer auf den Putz. An Treffsicherheit freilich mangelt es in beiden Herangehensweisen keineswegs! Daß Pirinçcis Art — um beim Bild zu bleiben — mehr Staub aufwirbelt, ist dabei ganz natürlich. Das kann man nun mögen oder nicht, aber es ist schwer zu bestreiten, daß viele Menschen, die nie eines der dickleibigen Werke Sarrazins zur Hand genommen hätten (oder wenigstens bald, nach der x-ten Tabellenübersicht, über der Lektüre resignierten) nun bei Pirinçci in üppig dahinbrausenden Satzkaskaden das zu lesen wagen, was sie sich mit einem Micro eines Staatssenders vor der Nase, nie und nimmer auszusprechen trauen: daß ihnen nämlich inzwischen dieses verlogene Gelichter unserer Staatsschmarotzer schon derart auf den Senkel geht, daß sie sie am liebsten allesamt auf einem Schrottschiff nach Ultima Thule ausschiffen und absaufen lassen wollten!

Denn das, worüber sich Pirinçci wortreich erregt, sind ja nur die besonders augenfälligen Idiotien in unserem Land, wie er auch wiederholt klarmacht! Was zu bekämpfen ist, sind die dahinter verborgenen Webfehler unserer Gesellschaft. Und die heißen schlicht: Kollektivismus, etatistische Bevormundung, Schmarotzertum, Heuchelei. Was daneben abgehandelt wird, sind entweder bloße Folgen davon, oder letztlich unwichtige Nebenaspekte.

Einer dieser Nebenaspekte stößt freilich entschieden religiösen Menschen sauer auf: Pirinçcis recht flapsige Stellungsnahmen zu Religion und religiösen Menschen. Der »Papsttreue Blogger« bringt das recht gut auf den Punkt:
Denn Pirinçcis Idealgesellschaft ist in aller erster Linie mal säkular. Dass er gegen Frauen in Kopftüchern und bärtige Muslime wettert, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Pirinçci Religion an sich als ein überholtes, nicht gesellschaftskonformes Modell bewertet. Das Christentum wird von ihm, da hier historisch gewachsen, toleriert. Eine innere Verbundenheit liegt dem aber nicht zugrunde. Pirinçcis Welt ist eine Welt des Hedonismus, eine Welt ohne wirkliche Transzendenz, eine Welt deren Werte aus demokratischen Mehrheiten erwachsen korrigiert um das, was Pirinçci eben für vernünftig hält. Das alles ist nicht direkt antichristlich, es ist aber auch kein Grund, sich als Christ hinter dieses Buch zu stellen. Christen und die Botschaft des Buches eint die Kritik an Genderideologien, an der politischen Bevorzugung des Islam und ein paar weiteren übereinstimmenden Punkten, das aber ist zu wenig um es für ein christliches Buch zu halten. Und noch mal in aller Klarheit: Ich nehme auch nicht an, dass Pirinçci sein Buch als solches verstanden wissen will.
Nicht alle können freilich so gelassen mit »religiöser Unmusikalität« umgehen; so fühlt sich Blogging-Kollege »Geistbraus« bemüßigt, Herrn Pirinçci wie folgt zu beurteilen:
Nachdem der Papsttreue Kollege gerade noch eine Rezension über das entsinnlichte Deutschland verfasst ist, die mir (auch wenn ich das Buch nicht gelesen habe) aus christlicher Sicht plausibel erscheint, kann ich meinen Senf zum Pirintschi auf einen Satz beschränken:
Ich finde den Typ schlicht einen Kotzbrocken. [...]
Dass der “tolle Atheist” von Staats wegen verbieten möchte, neue Kirchen zu bauen (worauf der Papsttreue dankenswerterweise hinweist), überrascht bei so einem Selbstbild dann auch nicht weiter. Und dass er seinen eigenen Tod mit einem faden Witzchen weglächelt, ist ebenso erwartbar – ist ihm schließlich der Blick in die Ewigkeit von dem übergroßen Ego, das er zwischen seinen Beinen spazierenführt, verstellt…
Offensichtlich mag Kollege Geistbraus ihn ganz lebhaft nicht — was sich noch deutlicher in der daran anschließenden Diskussion äußert, in der ein Kommentarposter zu bedenken gibt:
Natürlich nicht gelesen – und deshalb überflüssigerweise und sehr christlich zum ad personam übergehen …. !
Wenn man mal seine Wagenburg verlassen würde und das fromm-ironische salbadern sein ließe und sich kundig machen würde – ja, dann würde Ihnen auffallen, daß dieser atheistische Testosteronkotzbrocken Akif eine atemberaubende Polemik gegen die Abreibungspraxis – gleichsam wie der Rächer der Enterbten, der im Western so gekonnt aus der Hüfte schießt – vom Stapel gelassen hat (zum schnellen Nachlesen beim Buchhändler zum Beispiel auf S.246 – 248 in “Deutschland von Sinnen”) – und damit vielleicht mehr ungeborenes Leben gerettet hat als die zahmfrommen, intellektuell-eitlen Katholenblogs. Salz der Erde? Wo es gebraucht wird, fehlt’s !
Das nun mag freilich der christliche Kollege mit Vorliebe für die römische Liturgie vor dem »Novus Ordo Missæ« nicht so wirklich hören, und schnappt mit kurzer Abfertigung zurück:
achwas? mein Artikel ist nun wahrlich kürzer als Pirinccis Buch, trotzdem bringts offenbar manch einer fertig, nicht mal diese paar Absätze aufmerksam zu lesen, bevor er “zum ad personam übergeht” und dem Blogger Eitelkeit zu- und das Christentum abspricht. Also, noch kürzer und diesmal bitte vollständig lesen: Ich spreche in meinem Artikel mit keiner Silbe über Pirinccis Buch, das ich nicht gelesen habe, sondern lediglich über ihn und seine Interviews und Artikel, die ich sehr wohl gelesen habe. Und jetzt bitte woanders weitertrollen.
Der pöhse Poster landete sogleich auf der Sperrliste — naja, jeder wie er meint und wie er kann ... Offenbar trifft einen »Christen« der Vorwurf, so 'n dreckiger Atheisten-Kotzbrocken wäre puncto Kritik an der Abtreibungspraxis wirksamer als die »zahmfrommen, intellektuell-eitlen Katholenblogs« ins Mark. Kann doch nicht sein!

Sicher haben die religiösen Kritiker, denen Pirinçcis Forderung, künftig den Bau von Moscheen und Kirchen zu verbieten, sauer aufstößt, irgendwie recht. Nur — wenn der recht hypothetische Verzicht auf weitere Kirchenbauten das notwendige Übel ist, um damit das weitaus größere Übel irgendwelcher Moscheebauten zu verhindern, von denen dann demnächst — wieviel wetten wir? — fünfmal täglich der Muezzin seine leicht größenwahnsinnigen Gebetsaufforderungen heult, dann würde ich sagen: gebongt!

Ich habe mir in meinem Leben oft genug derartige, nein, nicht bloß Lärmbelästigungen, sondern wegen ihres Inhaltes einfach inakzeptable*) Muezzin-Rufe anhören müssen — danke, mein Bedarf daran ist mehr als gedeckt! Und »Kirchenneubauten«, wo doch schon die existierenden Kirchengebäude für die tatsächlichen Gottesdienstbesucher fünf- bis zehnfach (in protestantischen Gebieten vermutlich sogar 50-fach!) überdimensioniert sind, sind (von marginalen Ausnahmen abgesehen) einfach überflüssige Geldverschwendung. Da könnten die Kirchen wohl sinnvollere Ausgaben tätigen. Aber das ist insgesamt nur ein kleines Detail, ein Nebensatz in diesem Buch, das die Aufmerksamkeit nicht wirklich lohnt.

Pirinçci hat jedenfalls eines geschafft: die Systemschreiberlinge haben sich vor dem Publikum eine höchst peinliche Blöße gegeben, indem sie mit Schaum vor dem Mund ganz offensichtliche Tatsachen wegeskamotieren wollten. Und gleichzeitig die völlige Wirkungslosigkeit ihrer sofort ausgepackten Nazi-Keule unter Beweis gestellt. Die lächerliche Schnappatmung, in die deutsches Feuilleton und deutsche Politruks wegen dieses Buches verfallen sind, hat höchst eindrucksvoll enthüllt, daß der Kaiser schon längst keine Kleider anhat. Das wußten wir zwar schon lange — aber manche wollten es einfach nicht wahrhaben ...

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*) das wäre etwa so, wie wenn in katholischen Gegenden dreimal täglich nicht bloß zum Angelus geläutet würde, sondern die Gebetsformel auf Latein vom Tonband per Lautsprecher heruntergerasselt würde. Danke nein!



Donnerstag, 1. Mai 2014

Heinrich August Winkler

... pensionierter Historiker an der Berliner Humboldt-Universität, fühlte sich unlängst bemüßigt, seine Meinung über »die deutschen Putin-Versteher« anzubringen:

Die Rückkehr des völkischen Nationalismus

Die deutschen Putin-Versteher wollen nicht wissen, in wessen Fußstapfen sie treten

17.04.2014

Die Gemeinde der deutschen Putin-Versteher ist ein buntscheckiges Gebilde. Sie reicht von Konservativen wie Alexander Gauland und Peter Gauweiler über den Ostausschuss der deutschen Wirtschaft und die beiden sozialdemokratischen Altkanzler bis hin zu Gregor Gysi und Sarah Wagenknecht. Ihr Verständnis für russische Sicherheitsinteressen geht mit einem Mangel an Verständnis für die Sicherheitsbedürfnisse der Staaten Ostmittel- und Südosteuropas einher. Und historisch befinden sie sich in keiner guten Gesellschaft.

Eine Zeitlang waren die Verteidiger des Kremlherrn in den Talkshows des deutschen Fernsehens und den Feuilletons der großen Tages- und Wochenzeitungen geradezu allgegenwärtig.  (Hier weiterlesen)

Wie, bitte? Als wären nicht vielmehr die Einpeitsch-Meldungen der Transatlantiker allgegenwärtig, sobald man einen — egal welchen — TV-Kanal aufdreht? Hat Prof. Winkler die letzten Wochen etwa in einer Gletscherspalte ohne Handy-Empfang verbracht? Falls nicht: was nimmt der für solch eine Realitätswahrnehmung? — bzw.: von wem?

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Zur Person von Heinrich August Winkler: geboren 1938 in Königsberg, war er im Historikerstreit einer der schärfsten Kritiker Noltes. Offenbar mußte er sich von der Erbschuld, ein heimatvertriebener Ostpreuße (und damit im Generalverdacht, ein Nazi zu sein) zu sein, besonders gründlich abwaschen — Psychologen kennen derlei Bewältigungsmechanismen zur Genüge. Nun, wenn der »Rationalismus des Westens« schon solche Verteidiger braucht wie diesen Prof. Winkler, dann muß um ihn wirklich deplorabel bestellt sein ...