"National" ist ein schillernder Begriff, besonders aus der Sicht eines
Österreichers, dessen Land durch Jahrhunderte einem Vielvölkerstaat
angehörte (nämlich den Erblanden und den damit verbundenen König-reichen
und Ländern, die neben den durchaus (aber nicht allein!) tonangebenden
Deutschen eine bunte Völker-mischung von Italienern über Ungarn, Kroaten,
Slowenen, Tschechen, Polen, Ruthenen, Walachen und Juden umfaßte.
"Österreichisch-national" war daher (und wäre noch) eine contradictio in adjecto.
Entweder war man "national" im Sinne einer der Völkerschaften (dann war
das ein innerer, teils sogar militanter Widerspruch zu der vorliegenden
Gemengelage), ober man dachte "dynastisch". Nur war das dann klassisch
"übernational".
Daß (ebenfalls jahrhundertelang) die erblichen Herrscher dieses
Konglomerats zugleich als gewählte Ober-häupter für ein ähnlich
kompliziertes mixtum compositum, nämlich das Heilige Römische
Reich Deutscher Nation fungierten, machte einen "nationalen Gedanken" in
Österreich nicht leichter, sondern klarerweise schwerer.
Durch den Zerfall der Donaumonarchie verblieb ein Restösterreich, das
zunächst sofort ins "große" Deutsche Reich wollte, und (als ihm das von
den Siegermächten verboten wurde), teils nostalgisch von früheren Zeiten
träumte, teils in einer Trotzreaktion "nun erst recht" auf
deutschnational markierte. Als 1938 dann der "Anschluß" Wirklichkeit
wurde, war die Ernüchterung in der Bevölkerung zwar nicht schlagartig,
aber doch nach einigen Jahren, so eindeutig, daß jedenfalls seit 1945
eine Mehrheit für einen Anschluß unter den Öster-reichern längst nicht
mehr gegeben ist. Realistisch geschätzt werden das vielleicht noch ca.
3-5% wollen. Dennoch: ein "österreichisch-national" gibt es bis heute
nicht, und der Blogautor empfindet da durchaus nicht anders.
Es gibt natürlich (außer bei Sportereignissen, aber auch da in
überschaubarer Menge) "Österreich-Patrioten", die aber immer so ein
bisserl unfreiwillig komisch wirken, und zu denen sich LePenseur
ebensowenig zählen kann. Er ist ... ja, wie sagt man das am besten ...
... nun, vielleicht so:
LePenseur ist heimatverbunden, wobei das Wort "Heimat" sich eher auf das
Land, das Klima, das Essen, die Qualität des Wassers und die Schönheit
der Natur, als auf die "Leute" bezieht, die der doch etwas
misanthropisch angehauchte Blogautor oft ziemlich wenig mag. Was die
Kultur angeht, fühlt sich LePenseur natürlich als Mitglied der größeren
"deutschen Kulturnation", denn während ihm die "Italianità" eines Verdi
oder Puccini gepunktelte Hautausschläge zu verpassen vermag, empfindet
er eine eindeutige Verwandschaft eben über die Stämme Deutschlands: ein
Österreicher Schubert oder Haydn steht ihm nicht näher, als bspw. ein
bayerischer Richard Strauss, ein rheinländischer Max Bruch, ein
norddeutscher Brahms etc. etc.
Bei der Literatur ist's ein wenig (aber nicht viel!) anders: hier ist
das Idiom Österreichs doch schon etwas abgesetzt vom "reichsdeutschen"
(wenn auch nicht so stark wie das "Schwyzerdeutsch"!), hier hat die
Literatur ihre eigenen Wege, die ihm lieb und teuer sind, was allerdings
nicht heißt, daß ihm ein Goethe oder Fontane nicht lieb und teuer
wären!
Politisch gesehen hat LePenseur weit eher "klassisch liberale" (wozu man
auch "libertäre" sagen kann) Ansichten, gemischt mit einem
grundsätzlichen weltanschaulichen Konservativismus der (hierzulande
recht seltenen) klar staatsskeptischen Ausrichtung. Für "national", sorry to say, bleibt da eher wenig Raum.
Ja, durchaus eingeräumt: LePenseur denkt elitär, nicht egalitär. Er
denkt, daß Menschen nach Völkern, Kulturen und Rassen (wie auch nach
ihrem Geschlecht) sich unterschiedlich verhalten und auch keineswegs
"gleich" sind (oder – Gott bewahre! – es werden sollten). Er vertritt
überhaupt viele Ansichten, die einen systemschlüpfrigen Zeitgeist-Surfer
verstören mögen: er hat eine Neigung zu einem kulturell-philosophisch
gezügelten Sozial-Darwinismus – und demgemäß Spott und Hohn für alle, die
durch zwangsverordnetes "schön Sprechen" die Welt verbessern wollen.
Und er haßt Heuchelei und Gesinnungslosigkeit, opportunistische
Karrieristen und "Netzwerker", und die unübersehbare Schar von
Sozialschmarotzern, v.a. im Beamtenstand, die es sich auf seine
Steuerkosten hin gutgehen lassen.
Ein Wort noch zu dem vom Kollegen "Victorinus" erwähnten "schwachen
Theismus". Dies ist ein Fach-terminus, der vielen nichts sagen wird, aber
die Ansichten von LePenseur auf religiösem Gebiet recht gut umschreibt.
Er meint im wesentlichen ein undogmatisches Vernunftchristentum, einen
Glauben an einen personalen Gott, ohne "Wunderglauben", eigentlich das,
was Paulus (Hebr. 11,6) mit den Worten
Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen
will, der muß glauben, daß er sei und denen, die ihn suchen, ein
Vergelter sein werde.
ausdrückt.
Wenn man dazu noch "Kulturchristentum", das die
kulturell-gesellschaftlichen Werte des christlichen Abend-landes
wertzuschätzen weiß, fügt, dann hat man die religiöse Weltsicht
LePenseurs recht gut umrissen.
All das muß (und wird) nicht jedem gefallen. Muß es auch nicht, und
Diskussionen darüber sind stets will-kommen: Nichts wäre fader (und
überflüssiger) als ein Blog, in dem Leser und Autor immer einer Meinung
sind! Wer jedoch bloß mit Kampfbegriffen à la "völkisch" oder
"identitär" untergriffig wird, der sollte sich besser andere Spielwiesen
zum Radaumachen suchen.
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Nach meinem Standpunkt befragt, würde ich auch heut wohl sehr ähnlich antworten – und deshalb sag' ich halt:
Love it or leave it!
Auf meine mittlerweile doch recht alten Tage gedenke ich mich nicht zu ändern. Wem das nicht behagt: eine andere Spielwiese suchen ...
Herrlich die Beiträge der Leser vor 10 Jahren! Die Penseur-Community scheint damals noch wesentlich „diverser“ aufgestellt gewesen zu sein. Heute ist sie weitgehend auf ideologische Linie gebracht.
AntwortenLöschenInwiefern "auf ideologische Linie gebracht? Wie soll das funktionieren? Sind Sie jemals gehindert worden, einen kritischen Kommentar zu einem Artikel auf diesem Blog zu posten?
LöschenDaß vielleicht der eine oder andere sich als Kommentarposter verabschiedet hat, weil ihm nach einigen Diskussionen die Sache zu mühsam oder schlicht nicht interessant genug war, um dafür (mit Worten!) zu "fechten" - mag sein.
Aber "ideologisch auf Linie bringen" sähe anders aus ...
"schwacher Theismus" - nie gehört, aber fasst mit Schärfe das, was in seiner Trübwässrigkeit nicht zu fassen ist: eine Art von Lache, die kein Hund auflecken mag.
Löschen„Schwacher Theismus“ - für diese religiöse Haltung gibt es markante historische Vorbilder. Der „Führer“ zum Beispiel sprach gerne von „der Vorsehung“, womit er sich immerhin als kryptoreligiös definierte. Anders als der werte Le Penseur ist er auch nie aus der Kirche ausgetreten und wurde, was gerne verschwiegen wird, auch nie exkommuniziert.
LöschenSchwacher Theismus ist also zumindest eine ehrenwerte religiöse Tradition.
Da der "Föhrer" an Wunder glaubte, war ein kein "schwacher Theist". Ob er außerdem an einen personal verstandenen Gott glaubte, bleibt bei schwammigen Begriffen wie "Vorsehung" zweifelhaft.
LöschenIch würde sage: er war ein abergläubischer Agnostiker.
Cher Brettenbacher,
Löschenschön, nach langer Zeit wieder von Ihnen zu lesen! Jedoch:
... das, was in seiner Trübwässrigkeit nicht zu fassen ist: eine Art von Lache, die kein Hund auflecken mag.
mag für Hunde zutreffen. Da ich kein Hund bin, bestreite ich die "Trübwässigkeit" entschieden!
Klarere Begrifflichkeit als die prinzipielle Annahme eines durchaus auch personal verstandenen Schöpfers des Universums mit der gleichzeitigen (und höchst plausiblen!) Annahme, daß dieser Wichtigeres zu tun hat, als sich um irgendwelche Quisquilien (unverwesliche Heiligenreliquien, blutende Hostien etc.) zur Beeindruckung wundergläubiger Menschen zu kümmern, kann ich mir schwer, oder eigentlich: gar nicht vorstellen!
Na ja. Nach meiner Wahrnehmung hat sich jedenfalls seit dem 24.2.2022 hier eine Vereinheitlichung der „Linie“ vollzogen. Wer sich kritisch zu Russland und dem Krieg äußert, muss damit rechnen, dass sein Posting entweder nicht aufgespielt oder aber er als „bezahlter Propagandist“ des „Wertewestens“ und des sog. „Deep State“ (was immer das sein soll - irgendwas „Jüdisches“ offenbar) geschmäht. Das war vor 2022 (bei aller Putin-Solidarität, die es auch davor hier schon gab) anders. Aus einer (in Teilen) liberalen Community ist eine zu 95 % libertäre geworden.
AntwortenLöschenWir wollen hier keine US-Trolle! Wenn das "auf Linie bringen" sein soll, dann ist hier durchaus noch Luft nach oben, wenn ich mir so manche ultrapeinlichen Sager von (wahrscheinlich gut bezahlten) Deep-State-Trollen anschaue...
AntwortenLöschenJa, durchaus eingeräumt: LePenseur denkt elitär, nicht egalitär. Er denkt, daß Menschen nach Völkern, Kulturen und Rassen (wie auch nach ihrem Geschlecht) sich unterschiedlich verhalten und auch keineswegs "gleich" sind (oder – Gott bewahre! – es werden sollten). Er vertritt überhaupt viele Ansichten, die einen systemschlüpfrigen Zeitgeist-Surfer verstören mögen: er hat eine Neigung zu einem kulturell-philosophisch gezügelten Sozial-Darwinismus – und demgemäß Spott und Hohn für alle, die durch zwangsverordnetes "schön Sprechen" die Welt verbessern wollen.
AntwortenLöschenWeiß nicht was daran elitär sein sollte. Ist es schon elitär, Wahrheiten aufzuschreiben? Egalitär ist eines der linken Minenfelder und für diese fast genauso nützlich wie "sozial"
Aber frei nach Neusprech: Egalitär ist gleichmachend (oder eben behaupten, es gäbe keine systematischen Unterschiede) und sozial kann man als Liberaler nur so lesen asozial.
Mir fiele auf die Schnelle nichts ein, wo sozial im aktuellen Politikersprachgebrauch, wirklich sozial meint. Es meint eigentlich immer. Irgendwem was wegnehmen.
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Löschen@"Libertärer"
LöschenLöschgrund: sehr untauglicher Versuch als agent provocateur. Nicht so dick auftragen, kann man nur raten!