Mittwoch, 1. August 2012

Intermezzo: Was Staatssekretär Waldner erwartet ...

... und was dann tatsächlich geschieht, das sind, wie man in Wien sagt, »zwei Paar Schuh'«.
Harte Kritik am Gerichtsprozess gegen drei Angehörige der russischen Künstlerinnengruppe „Pussy Riot“ äußert nun Außenamts-Staatssekretär Wolfgang Waldner (ÖVP). „Ich erwarte, dass die drei Angeklagten unverzüglich freigelassen werden“, sagte er gegenüber der „Presse“.

Waldner hält das Vorgehen der russischen Behörden gegenüber „Pussy Riot“, die im Februar in einem Punk-Gebet in der Moskauer Erlöser-Kathedrale für den Abtritt Putins gebetet hatten, für „völlig überzogen“. Nachsatz: „Auch wenn ihre Performance provoziert und schockiert“. Waldner vermutet hinter dem Prozess politische Beweggründe, die Künstlerinnen würden bestraft, weil sie es gewagt hätten, Kritik am politischen System Russlands zu üben.
... weiß Die Presse zu berichten. Na, da wird Putin sicher gleich wimmernd einknicken vor dem österreichischen Staatssekretär! So, wie vor ein paar Wochen die Welt gebannt aufmerkte, als Wolfgang Waldner vor ein paar Wochen nach dem Klimahysterikertreffen in Rio gemessen anmerkte:
Es ist offensichtlich, dass wir in den Bereichen Umwelt, Klima und in der nachhaltigen Entwicklung global noch große Herausforderungen zu bewältigen haben. [...] Es war wichtig, dass das internationale Bewusstsein wieder auf die Themen Umwelt und nachhaltige Entwicklung gelenkt wurde. Die tausenden Menschen, die sich hier in Rio versammelten sind alle wichtige Multiplikatoren für die Weiterentwicklung von Prozessen zur nachhaltigen Entwicklung
Worte, wie für die Ewigkeit gemeißelt! Ja, und was täte Europa ohne Waldners ungeheuer treffsichere Warnung:
Europa läuft Gefahr, an Einfluss zu verlieren.
Dieser Weitblick, diese diplomatisch abgefederte, doch klar konturierte Haltung! Oder, wie Churchill es ausdrückte: »Ein wahrer Diplomat ist ein Mann, der zweimal nachdenkt, bevor er nichts sagt.« Nun gut, das meinte Sir Winston vermutlich anders, als es Staatssekretär Waldner umzusetzen versteht ...

Donnerstag, 26. Juli 2012

Animal farm, revisited

Bisweilen fühlt man sich an einen Satz von Orwell erinnert, daß manche eben gleicher seien als andere. So beispielsweise in Äußerungen des ehemaligen Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Ariel Muzicant, der mittlerweile Ehrenpräsident besagter Gemeinde ist. Lassen wir die Frage, welche Ehre es bedeutet, von Dr. Muzicant präsidiert zu werden, als völlig off topic beiseite, so ist doch erstaunlich, was dieser Mann so von sich geben kann, ohne damit medial nennenswerte Aufregung zu verursachen:
Einen drastischen Vergleich zieht Ariel Muzicant, Ehrenpräsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), angesichts der laufenden Debatte über ein Verbot von religiös motivierten Beschneidungen. In der "Kleinen Zeitung" stellte er ein mögliches Verbot mit der Vernichtung der Juden gleich. Ein solches "wäre dem Versuch einer neuerlichen Schoah, einer Vernichtung des jüdischen Volkes, gleichzusetzen - nur diesmal mit geistigen Mitteln", wird er zitiert.
... weiß Tante »Presse« heute zu berichten. Nun gut. »Ein drastischer Vergleich« also. In ähnlichen Fällen (freilich keinen der zahlreichen Äußerungen des Ehrenpräsidenten Muzicant) pflegte sofort ein wahrer shit-storm loszubrechen, wenn jemand das Dogma der Einzigartigkeit und Unvergleichlichkeit des Holocaust durch einen unbedachten Vergleich auch nur von ferne zu streifen schien. Ich erinnere mich da z.B. an eine gehässige Medienkampagne gegen den Sohn von Dr. Otto Habsburg vor einigen Jahren, in deren Verlauf letzterer in einem Interview zu äußern wagte:
Karl wird angegriffen, weil er den gewissen gelben Stern trägt, den Namen Habsburg. Die armen Juden haben ja Entsetzliches mitgemacht, ich denke oft an sie in dem Zusammenhang.
Dies war für »Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich« Anlaß genug, durch ihre Generalsekretärin hochoffiziell verlauten zu lassen:
Die Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich verwehrt sich entschieden dagegen, dass der Europaabgeordnete Otto Habsburg zur Verteidigung seines Sohnes sagte: "Karl wird angegriffen, weil er den gewissen gelben Stern trägt, den Namen Habsburg. Die armen Juden haben ja Entsetzliches mitgemacht, ich denke oft an sie in dem Zusammenhang".

Er nahm diesen ungeheuerlichen Vergleich auch nach wiederholten Rückfragen nicht zurück.

Die Geschichte der politischen Verfolgung der Habsburger hat nichts mit Rassismus zu tun und ist auch auf keine Weise mit der Schoah zu vergleichen. Otto Habsburg hat sich durch diesen Vergleich, der die Schoah relativiert und den Revisionistischen Tendenzen der Geschichtsschreibung Vorschub leistet, als Abgeordneter disqualifiziert.
... und damit zum Rücktritt aufzufordern. Nun weiß jeder, der die Geschichte 1933 bis 1945 auch nur von ferne kennt, daß die Nazis beispielsweise besagten Dr. Otto Habsburg auf ihre Todesliste für die Zeit nach dem »Endsieg« gesetzt hatten, und dieser während der Nazizeit des öfteren um sein Leben bangen mußte. Daß er sich nur fernab des Nazi-Zugriffs aufhalten konnte. Dessen ungeachtet hatte die emsig in der Verfolgung wirklicher und vermeintlicher Nazi-Verbrechen tätige Organisation HaGalil nach obiger Äußerung die Staatsanwaltschaft München ersucht, gegen Dr. Habsburg wegen »Verharmlosung von NS-Verbrechen« zu ermitteln.

Ist der Vergleich zwischen dem »Tragen des gewissen gelben Sterns« und der gezielten Kampagne gegen seinen Sohn wirklich eine Verharmlosung von NS-Verbrechen, so stellt sich wohl die Frage, was der Vergleich zwischen dem Urteil des Kölner Landgerichtes, das unter Verweis auf die Grundrechte der körperlichen Integrität und des Kindeswohles, die Beschneidung nicht bloß bei Mädchen, sondern auch bei Knaben — und zwar im konkreten Fall: bei einem moslemischen Knaben — als dem Straftatbestand der Körperverletzung unterfallend beurteilte, mit dem Massenmord von Juden in Gaskammern und durch Erschießungspelotons dann sein mag? Aus der milden Reaktion der Systempresse zu schließen: ganz offensichtlich keine Verharmlosung von NS-Verbrechen. Denn mit Sicherheit, so muß man daraus wohl schließen, bedeutet der Aufschub einer Beschneidung bis zur Mündigkeit des Beschneidungskandidaten etwas vollkommen vergleichbares mit NS-Massenmord. Oder so halt.

Irgendwie drängt sich fast die Frage auf, ob hier nicht unterschiedlich gewertet wird, je nachdem, ob ein Ehrenpräsident einer bestimmten Organisation sowas äußert, oder jemand anderer aus der nicht meinungsfreiheitsprivilegierten misera plebs. Weil eben, wie Orwell vermuten läßt, einige gleicher sind als andere. Und nein — auch die Frage, woran hier wohl in »Animal Farm« näherhin gedacht werden könnte, ist strictly off topic. Viktor Frankl pflegte des öfteren zu äußern, daß es für ihn eigentlich nur zwei Rassen gäbe: die der Anständigen und die der Unanständigen. Der geneigte Leser darf die Frage für sich entscheiden, welcher Gruppe er Dr. Otto Habsburg zuordnen möchte. Der Rest ist Schweigen — denn Schweigen ist, wie uns der Volksmund belehrt, Gold. Oder wie schon der Prediger Salomon (Koh 3,7) so treffend sagt: »Schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit«. Und offenbar nicht bloß seine Zeit, sondern auch seinen berufenen Mund. Der Rest hat eben zu schweigen ...

Dienstag, 24. Juli 2012

Intermezzo: Tätowierungen und die Folgen

In den letzten Wochen wurde in vielen Foren und Blogs und in den Systemmedien sowieso (wenngleich unter anderem, will sagen: systemkonformem Blickwinkel) eingänglich über die Sinnhaftigkeit bleibender körperlicher Kennzeichnungen zur Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gesinnungsgemeinschaft diskutiert. Mit eher geringem Ertrag, wie ich hinzusetzen möchte. Wo ein Ergebnis zu drohen schien, das den Medienmächtigen nicht ins Konzept passen wolte, wurde geschwind die Volkskammer zum Abnicken einberufen. In einem Aufwasch mit ESM & Co. — wozu auch diskutieren, kommt doch nur Blödsinn raus!

Diesmal geht es um Tätowierungen: »Christus kam nur bis Lohengrin« (der Literaturkenner wird die Anspielung genießerisch über Zunge und Gaumen gleiten lassen, der Nicht-Kenner, naja: ist irgendwie selber schuld. Lesen bildet, aber eben nur den, der's tut. Es gibt Druckwerke jenseits der BILD-Zeitung ...

Auf dem Blog »Geistbraus«, der mit dem hübschen Heading »Das Magazin für den kirchentreuen Freigeist« lockt (klingt schon mal interessant, wiewohl sich LePenseur eher ehrlicherweise unter die Freigeister, als unter die Kirchentreuen einordnen würde) findet sich unter obigem Titel ein köstlicher Artikel zum Thema »Tätowieren und die Folgen«, in dessen Verlauf es ebenso beziehungsreich wie süffisant heißt:
Zur Zeit des Alten Bunds lud man all seine Sünden auf einen Bock, den man dann in die Wüste jagte. Der Bock konnte die Menschen nicht vor ihren Sünden retten, aber er drückte zumindest die Sehnsucht aus, dass einmal jemand kommen möge, der alle Sünden der Menschheit auf Sich nehmen und durch Sein stellvertretendes Opfer sühnen würde. Wir wissen, dass dieser Jemand gekommen ist.

Er heißt JesJewgeni Nikitin. Denn den braunen Sumpf, der auf Bayreuth lastet, können die Gedenktafeln allein nicht sühnen. Die Tafeln aus tönendem Erz können Bayreuth genausowenig erlösen wie der Sündenbock die Israeliten. Dazu musste J. (v.) N. kommen. Er nahm die ganze Schuld auf sich, Er lud das Kreuz auf Seinen eigenen Körper, Er wurde stellvertretend für alle anderen geopfert. Doch wie sagte Er?
“Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.” (Mt 26,24)
Über denselben Skandal geht es auch im unermüdlichen Aufdecker aller Skandale, dem bewährten Politinformationsblog »Politplatschquatsch«, welcher angesichts dieses beispiellosen Skandals von Bayreuth ein Verbot der Woche urgiert, bei dem nur zu bemängeln ist: warum bloß »der Woche«? Solche Verbote gelten doch für die Ewigkeit (bzw. was der Zeitgeist dafür hält)!

Jedenfalls eines dürfte aus diesem Bayreuther Skandal, der durch alle Medien ging, zu lernen sein: bleibende körperliche Kennzeichnungen der Zugehörigkeit zu einer Gesinnungsgemeinschaft können unter Umständen unerwünschte Nebenfolgen zeitigen. Natürlich nur, wenn es die falschen sind. Bei im Trend liegenden kann man freilich beruhigt durch die Abgeordneten abnicken lassen, daß das weiter gemacht wird. Nur sollte man bedenken: Trends wechseln, und der Bayreuther Skandal wäre beispielsweise vor siebzig Jahren keiner gewesen. Damals hätten die Abgeordneten vermutlich anders genickt. Oder man hätte einfach einen Föhrererlaß erlassen, der den geplagten Abgeordnen das Nicken erlassen, und den Schamott einfach geregelt hätte. Etwa so, wie die Richtlinien unserer EUdSSR-Kommissare, die längst mit einem Federstrich jedes Abnicken durch Blockparteiabgeordnete überhaupt entbehrlich macht. Und ganz im Sinne jener legendären Finck-Nummer fürs Rechte sorgt:
Ein Kunde kommt zu seinem Schneider
SCHNEIDER: Womit kann ich dienen?
KUNDE: Jetzt spricht er auch schon von dienen! Ich möchte einen Anzug haben, weil mir etwas im Anzug zu sein scheint.
SCHNEIDER: Schön!
KUNDE: Ob das schön ist, na ja. Ich weiß nicht ....
SCHNEIDER: Ich habe neuerdings eine Menge auf Lager.
KUNDE: Auf’s Lager wird wohl alles hinauslaufen.
SCHNEIDER: Darf’s etwas einheitliches oder etwas gemustertes sein?
KUNDE: Einheitliches hat man ja jetzt schon genug. Aber auf gar keinen Fall Musterung!
SCHNEIDER: Dann nehmen sie doch bitte mal den rechten Arm hoch.
Der Kunde hebt den Arm.
SCHNEIDER: Mit geballter Faust bitte.
Der Schneider nimmt die Maße und murmelte sie laut vor sich hin: 1918/19 und 1933. Als er fertig ist, nimmt der Kunde seinen Arm nicht hinunter.
SCHNEIDER: Ja, warum nehmen Sie denn den Arm nicht runter? Was soll denn das heißen?
KUNDE: Aufgehobene Rechte!
Finck stand dafür vor Gericht, kam aber mit Berufsverbot davon. Heute steht man für ähnliche, jedoch in andere Richtung deutende Äußerungen nicht nur vor Gericht, sondern sitzt auch, weil es nicht den Richtlinien besagter Politkommissare und danach abgenickter Gesetze entspricht.

Wer hier Ähnlichkeiten erblickt, sollte sie für sich behalten. Wir leben in EUropa schließlich in einem Friedensprojekt! Projekte sind dadurch gekennzeichnet, daß man erst weiß, wie wie geworden sind, wenn sie vorbei sind. Wenn es wieder nur zwölf Jahre dauert, könnte LePenseur es noch erleben. Das gibt Hoffnung. Und die Hoffnung, es wurde schon mehrfach auf diesem Blog zitiert, stirbt zuletzt, wie der Russe sagt ...

Montag, 23. Juli 2012

Intermezzo (diesmal unblutig, doch nicht weniger schmerzlich)

Dem verdienstvollen norddeutschen Informationsblog »Ostssestadion«, der, um allfälligen Mißverständnissen vorzubeugen, keineswegs nur Neuigkeiten aus dem Bereich stadion-basierter Massensportarten berichtet, verdanken wir die kurze und vollständige Aufklärung über die Wirkung des eben in Installation befindlichen Rettungsschirmes, der uns alle zu richtigen Europäern machen soll. Zu richtig armen Europäern, um präzis zu sein:

Samstag, 21. Juli 2012

Gedanken über Freiheit und Gerechtigkeit — Teil III

Was Steuern steuern

In den vorherigen Teilen dieser Artieklserie (Teil I und Teil II) wurde das Thema »Freiheit und Gerechtigkeit« unter einem — für gewöhnlich vernachlässigten — Aspekt betrachtet: dem ökonomischen. Für waschechte Philosophen ist es offenbar zu minder, sich darüber Gedanken zu machen, was eine Freiheit wert ist, wenn ich sie nur durch ein Taschengeld, das mir der Staat läßt, finanzieren kann. Und wenn faktisch alle Mittel, durch die ich sie verwirklichen kann, längst in festem Staatsbesitz (bzw. dem seiner Günstlinge und Vorfeldorganisationen) sind.

Es ist genau dieser Aspekt von Freiheit, der in Wahrheit erst Gerechtigkeit, nämlich nicht als »justitia commutativa« (miß)verstanden, ermöglicht. Denn diese setzt ja einen »commutator« voraus — und daß der wohl nur »der Staat« sein kann, jenes »kältetste aller kalten Ungeheuer«, um Nietzsche zu bemühen, versteht sich fast von selbst ...

Zurück zu unseren Überlegungen: was steuern Steuern? Faktisch das ganze Leben, und damit alle Freiheit — wenn man dabei banale »Freiheiten«, z.B. ob man ein rotes oder ein blaues Auto vorgegebener Normaussattung »frei« wählen darf, einmal beiseiteläßt. Wenn der Staatsanteil an dem, was wir durch unsere Arbeit oder vom Ertrag unserer von Vorfahren erworbenen und gesparten (sic!) ererbten Werte einnehmen, mittlerweile die Zweidrittelmarke klar übersteigt, dann ist man nicht mehr »frei« in der Planung seiner Ausgaben, sondern muß sein Leben wohl oder übel unter dem Aspekt möglichster Steuerminimierung fristen. Nicht der am geeignetsten erscheinende Handwerker wird beauftragt, sondern der, der mit Augenzwinkern verrät, daß es ohne Rechnung auch deutlich billiger geht.

Nicht die Beschäftigung, die vielleicht den meisten Gewinn, sondern jene, die gegebenenfalls auch Schwarzeinnahmen verspricht, ist verlockend. Betriebsmittel (z.B. Autos) werden weniger nach aktuellem Bedarf und persönlicher Vorliebe, sondern nach steuerlichen Aspekten ihrer Absetzbarkeit und/oder Förderung angeschafft. All dies bewirkt nicht nur eine planwirtschaftliche Verschmutzung und Effizienzminderung unseres Wirtschaftssystems, sondern ganz definitiv auch einen erheblichen Verlust an Freiheit.

Nicht zuletzt führt das gängige System progressiver Besteuerung, das neben dem üblichen, mit Sprüchen »sozialer Gerechtigkeit« camouflierten Appell an den schöden Neidreflex, durch die abenteuerliche Theorie eines angeblich »abnehmenden Grenznutzens« höherer Einkommen begründet wird (warum also dem pöhsen Millionär nicht 90% wegsteuern — eine besonders begabte Vertreterin dieser Theorie aus den Reihen der SED findet sogar, daß über 40.000 Euro im Monat ratzfatz überhaupt alles weggenommen gehört), zu einer gezielten Demotivierung der verbliebenen Leistungsträger. Gezielt sicher deshalb, weil eben nur so die »Gleichheit« zwischen arbeitsscheuen und/oder unfähigen »Nichtsnutzen« mit engagiert arbeitenden Leistungsbereiten und -fähigen hergestellt werden kann: wenn alle möglichst wenig haben, herrscht Gleichheit — freilich auf völlig unnotwendig niedrigem Niveau!

Eine wahrheitsgemäße Analyse der Verhältnisse würde eigentlich ganz im Gegenteil zu einem — für die sozialistisch verdorbene Vorstellungswelt unserer Zeitgenossen geradezu undenkbaren — Ergebnis führen: zu einer »gedeckelten«, mindestens jedoch ab einem bestimmten (hohen) Einkommen deutlich degressiven Steuersatz. Das ist eigentlich völlig verständlich, wenn man Staatsleistungen als eine Art von »Zwangsversicherung« — also etwa analog zur Kfz-Haftpflichtversicherung — betrachtet.

Wer sich für — außerordentlich seltene — Fälle einer Haftpflicht »höher« versichern möchte, zahlt deutlich unterproportional mehr als es der Höhe der Versicherungssumme enspricht. Ebenso ist auch ein Einkommens-Multimillionär (z.B. ein Großunternehmer), der über seine Steuerleistung beispielsweise die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, Infrastruktur etc. finanziert, gar nicht in der Lage, die solcherart finanzierten staatlichen »Wohltaten« auch nur annähernd proportional mehr zu nutzen, als es ein schlichter »einfacher« Einkommens-Millionär (etwa ein gutverdienender Unternehmer des oberen Mittelstandes, oder ein erfolgreicher Freiberufler) kann. Der Multimillionär unterliegt also tatsächlich einem Prinzip des abnehmenden Grenznutzens — aber genau im entgegengesetzten Sinn! Er zahlt zwangsweise für Dinge mehr, als er sie jemals im proportional höherem Ausmaß auch nutzen könnte. Die Versicherungen (denen man edle Menschenfreundlichkeit eher nicht nachsagen kann, wohl aber — durch den Wettbewerbsdruck — die Fähigkeit zu ökonomisch sinnvoller Kalkulation) reagieren darauf eben mit einer deutlich unterproportionalen Tarifstaffelung. ein Monopolist wie der Staat kommt natürlich gar nicht auf diese Idee ...

Dieser in sozialistisch deformierter »Denke«, wie sie heute längst alleinherrschend geworden ist, als überaus anstößig empfundene Aspekt ist zugleich auch einer, der für eine steuerlastbasierte Stimmgewichtung (also ein »Zensuswahlrecht«) eine wichtige Vorbedingung darstellt: natürlich haben jene besorgten Stimmen irgendwie recht, die eine Majorisierung der vielen »Otto Normalverbraucher« durch ein paar »Superreiche« befürchten. Was aber nur eintreten könnte, wenn durch eine progressive oder auch proportionale Besteuerung einige »Superreiche« das Stimmgewicht hunderttausender Normalverdiener überstimmen könnten. Wer hingegen durch eine Deckelung bzw. eine degressive Besteuerung von Höchsteinkommen die absolute Steuerlast jener wenigen Spitzenverdiener begrenzt, begrenzt auch auf völlig natürliche und gerechte (sic!) Weise ihr Stimmgewicht bei Wahlen.

Ein Wort noch zur Frage der direkten und indirekten Steuern. Wer hinter die Kulissen blickt, wird wenig Unterschied entdecken können — außer daß indirekte Steuern aus Praktikabilitätsgründen fast niemals progressiv, sondern immer proportional gestaltet sind, und damit wenigstens ein wenig die unverschämte Progressionswirkung unseres herrschanden Steuersystems mildern. Sonst läßt sich wenig zu ihren Gunsten sagen, außer daß ihre Erhebung verwaltungsökonomischer ist als die von direkten Steuern. Es ist halt leichter, eine Supermarktkette zentral zu prüfen und die Abfuhr der Umsatzsteuer zu kontrollieren, als Millionen Steuerpflichtiger auf ihre »Steuerehrlichkeit«.

Faktisch jedoch rechnet jeder — ob Unternehmer oder nicht — nach dem »Prinzip netto«. Entscheidend ist, was letztlich zu meiner Verfügung übrigbleibt. Was immer auf meinem Gehaltsausweis als »Brutto« oder in meiner Bilanz als »Gewinn« ausgewiesen sein mag. Die oft so wortreich aufrechterhaltene Unterscheidung von indirekter und direkter Besteuerung ist also letztlich eine Spiegelfechterei, die hauptsächlich dazu dient, die Bevölkerung über die tatsächliche Höhe der Steuerlast in die Irre zu führen.

Zusammengefaßt läßt sich also sagen, daß ein Staat, der sich auf seine essenziellen Aufgaben beschränkt, aufgrund seiner geringeren ausgaben auch deutlich geringeren Steueraufkommens bedarf. Dieses ist zunächst nach dem »Nutznießerprinzip« möglichst weitgehend durch Gebühren für die Inanspruchnahme staatlicher Leistungen zu gestalten. Hinsichtlich des Restes ist sodann nach zwei Prinzipien zu bemessen, die beide ihre — wenngleich unterschiedliche — Begründung in fundamentalen Forderungen der Gerechtigkeit haben:

1.) niemand soll zu Steuern mit jenen Teilen seines Einkommens herangezogen werden, die er zur Aufrechterhaltung seines notwendigen Lebensunterhaltes benötigt, denn ein Beitrag zum Gemeinwohl kann nur von dem Einkommen(steil) gefordert werden, das man über die schiere Aufrechterhaltung der Existenz erzielt — heißt konkret: das Existenzminimum muß jedenfalls steuerfrei bleiben.

2.) niemand darf andererseits zu Steuern in theoretisch unbeschränkter Höhe herangezogen werden, da dies dem Prinzip des evidentermaßen abnehmenden Grenznutzens an den undifferenzierbaren Staatsausgaben widerspricht. Das heißt konkret: es gibt eine Deckelung in Form einer (bzw. eine asymptotische Annäherung an eine) Maximalsteuer, die niemand überschreiten kann.

Im nächsten Teil werde ich mich mit konkreten Fragen eines Zensuswahlrechts beschäftigen. Bleiben Sie dran!

Dienstag, 17. Juli 2012

Vor die Wahl gestellt ...

...entweder die nationale Souveränität oder den Euro aufzugeben, würde Frankreich sich ohne Zögern für das Letztere entscheiden.
Meint Sarrazin in der FAZ. Und schlägt Merkel augenzwinkernd vor, die Einführung eines europäischen Bundesstaates zur Bedingung weiterer Euro-»Rettungs«-Verhandlungen zu machen. Und damit Hollande eine hinterfotzige (na, olàlà) Doppelmühle zu stellen.

Sicherlich eine gute Idee. Wird nur nix draus werden. Denn deutsche Politiker verkaufen sich, wo's nur geht, gern billig, billiger, am billigsten. Und verraten niemand und nichts lieber als ihre Wähler und deren Interessen. Das war schon zu Adenauers und Ulbrichts Zeiten so (beide willige Satrapen ihrer Herren in Washington D.C. bzw. Moskau), wurde dann von Schmidt und Kohl liebevoll weitergepflegt — warum sollten sie jetz auf einmal anders agieren?

Andererseits: verdient die breite Mehrheit der Wähler andere Volksvertreter? Verdienen sie nicht genau dieses korrupte, machtbesoffene Geschmeiß — sie, die sich gewohnheitsmäßig mit Wahlgeschenken bestechen lassen, und jedem Unsinn, wenn er nur »öko« und/oder »sozial fair« daherkommt, begeistert zustimmen?

Nein, das Problem ist einfach, daß die immer wenigeren, die das ganze Werk'l durch ihren Einsatz und Geschäftssinn noch am Laufen halten, hoffnungslos in der Minderheit sind, und dewegen in einer »Demokratie« unserer Sorte jederzeit dem Stimmvieh zum Fraß vorgeworfen werden — bevor die Politruks riskieren, selbst vom Volkszorn gefressen zu werden.

Churchill meinte einst angeblich, daß Demokratie die schlechteste Staatsform sei, nur kenne er leider keine bessere. Ein hübsch-zynisches Bonmot einer der letztklassigsten Kreaturen auf dem Polit-Parkett des 20. Jahrhunderts, was konnte man von ihm, dem opportunistischen Nutznießer mehrfacher »Gesinnungs«wechsel schon anderes erwarten. Nun, auch Churchill kann mal rechthaben, wenigstens zur Hälfte ...

Denn bezüglich der zweiten Hälfte seines Bonmots irrte er (und das sicherlich nicht ohne eigennützige Hintergedanken): es gibt eine wesentlich bessere Alternative zur derzeitigen Parteien»demokratie« des gleichen Stimmrechts für alles, was noch auf zwei Beinen durch die Tür gehen kann, inklusive Halbidioten, Sozialbetrugsmigranten und sonstiger Penner. Nämlich ein Zensuswahlrecht, das denen die Stimme gibt, die für die Staatsausgaben auch die Zeche zahlen.

... womit ich zu meiner angekündigten Serie über »Gerechtigkeit und Freiheit« zurückkehren will. Bleiben Sie dran!

Montag, 16. Juli 2012

»Ohne Vorhaut muß die Freiheit grenzenlos sein!«

... oder so ähnlich sang einst Reinhard Mey. Möchte man wenigstens glauben, wenn man die Reaktionen der Vorhaut-Befreiten aller beschneidenden Religionen und ihrer fünften Kolonnen in christlichen Kirchen so verfolgt. Sorry, liebe p.t. Erz- und einfache Bischöfe — Beschneidungen sind none of your business. Also sicherheitshalber Klappe halten, wenn's einen nicht betrifft und man davon nichts versteht, würde ich sagen ...

Oder wiegt die Amtskollegialität der etablierten Religionsvertreter stärker, frei nach dem Motto des 11. Gebots: »Du sollst keine mündigen Gläubigen riskieren, wenn du sie auch im Kindesalter einfacher zwangsrekrutieren kannst!«

Auf einer Website, die sich mit dem Beschneidungsaberwitz kritisch beschäftigt, finden sich zehn »Argumente« für die Beschneidung (samt Stellungnahme dazu), die uns jetzt in den nächsten Wochen bis zum Abwinken vorgesetzt werden (Deutschland hat derzeit natürlich keine wichtigeren Probleme als daß auch in Zukunft religiös motivierte Genitalverstümmelungen an kleinen Buben straffrei erfolgen dürfen!) — zur Einstimmung sollte man die geballte Ladung Unsinn einmal durchlesen:
Aussage 1:

"Das [die Beschneidung von Jungen] ist Tradition, jeder macht es."
(Yasar Bilgin, Vorsitzender der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung)

"Die Beschneidung neugeborener Jungen sei fester Bestandteil der jüdischen Religion, werde seit Jahrtausenden praktiziert und in jedem Land der Welt respektiert.“
(Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland)

Kommentar:

Unrecht wird nicht zu Recht, nur weil es massenweise und lange genug immer wieder begangen wurde und wird.

Sklavenhaltung beispielsweise war über Jahrtausende ein normaler Bestandteil menschlicher Gesellschaften. Dennoch war die Menschheit irgendwann reif genug, zu erkennen, dass es Unrecht ist, Menschen in Unfreiheit zu halten, und die Sklaverei wurde abgeschafft.

Nun scheint die Menschheit allmählich reif genug zu werden, um zu erkennen, dass es auch Unrecht ist, Menschen, KINDERN, ohne medizinische Notwendigkeit und ohne deren selbstbestimmte, ausdrückliche Zustimmung Körperteile abzutrennen. Dass ein Umdenken hier nicht von heute auf morgen und nicht ohne Reibungen geschehen kann, ist klar, aber dieser Schritt ist für die humanistische Weiterentwicklung der Menschheit letztendlich unvermeidbar.
Und so geht's munter dahin bis zu
Aussage 10:

Das Urteil sei ein „beispielloser und dramatischer Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften“ und ein „unerhörter und unsensibler Akt". Bei einer bundesweiten Umsetzung des Urteils würde „jüdisches Leben dadurch in Deutschland unmöglich gemacht".
(Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland)

"Sollte die Beschneidung aus religiösen Gründen in Deutschland verboten sein, kann sich das Land jede weitere Integrationspolitik sparen."
(Serkan Tören, Integrationsexperte der FDP)
Mit anderen Worten: wenn du mir nicht erlaubst, die Vorhaut kleiner Buben abzuschneiden, ist das »Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften« verletzt. Der kleine Bub hingegen soll sich bloß nicht so haben, daß ihm das Selbstbestimmungsrecht über seine Vorhaut beschnitten wurde ...

Ja! Genau so habe ich mir Religionsfreiheit schon immer vorgestellt! Die Religion als Freibrief für jeden Schwachsinn, denn man muß Gott/Allah/JHWH bekanntlich mehr gehorchen als irgendwelchen säkularen Weicheiern von Kölner Richtern, die da meinen, daß über die Beschneidung oder Nicht-Beschneidung der Vorhaut wohl jeder selbst eigenverantwortet entscheiden können müsse.

Na, das wäre ja noch schöner! Da kommt vielleicht der eine oder andere drauf, daß nicht bloß Vorhautopfer ein steinzeitliches Relikt aus früheren (und gar nicht guten) alten Zeiten sein könnten. Daß vielleicht auch das Steinigen von Ehebrecherinnen, das uns von der Thora und der Scharia doch wärmstens empfohlen wird, nicht eben die ideale Form von Ehekonfliktslösung darstellt (was übrigens Jesus auch schon wußte). Oder daß es vielleicht mit der »Auserwählung« eines bestimmten Volkes bzw. einer bestimmten Religion gar nicht so weit her ist. Und die Leute könnte vielleicht gar auf den gefährlichen Gedanken kommen, daß wir in unserem Leben auf Erden allesamt mit Paulus sagen müssen: »Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse« (1 Kor. 13). Alle, auch die dogmatische Definitionen, Mischnajoth und Fatwahs auf die misera plebs ihrer gläubigen Schafe herabsendenden Religionsvertreter.

Wer mir jedenfalls einreden will, daß ein Gott, der ein unermessliches Universum mit seiner viele Milliarden Jahre dauernden Entwicklung und Enfaltung schuf, heilbringenden Wert auf die Opferung der Vorhäute kleiner Jungen legt, den frage ich nur, ob er mich verarschen will. Oder ich beginne an seinem Verstand zu zweifeln. Und ich sehe nicht ein, warum auch noch künftige Generationen darunter leiden sollen, daß unsere Vorfahren atavistische Vorstellungen über geziemenden Gottesdienst in ihren »Heiligen Schriften« niederlegten. Denn, wie Kollege Karl Eduard schon ausführte: Azteken könnten mit gleichem Recht die Religionsfreiheit für die Cor-Exstirpation fordern, damit morgen die Sonne wieder aufgeht ...

Und damit wollen wir zu weitaus wichtigeren Themen zurückkehren — zur bevorstehenden Etablierung einer unkontrollierten Diktatur der Eurokraten via ESM. Dagegen, liebe Gläubige, ist die Einschränkung der Religionsfreiheit, die angeblich mit der Aufrechterhaltung des Kölner Urteils droht, ein »Lercherlschas«, wie der Wiener sagt. M.a.W.: eine Quisquilie, wie ich mich beeile, sofort bildungsbürgerlich hinzuzusetzen ...
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P.S.: Weil's so gut zum Thema paßt: Politplatschquatsch beruhigt. Wie immer ..

Freitag, 13. Juli 2012

Hutzlipochtlianer aller Länder, vereinigt euch!

Manche Völker lernen nie aus der Geschichte. Beispielsweise das deutsche (bzw. was davon noch übrig ist). Man hätte es doch wissen können — nein: müssen! — das kann nicht gut gehen:
Nach dem in Köln geurteilt wurde, Menschen die Herzen herauszureissen und ihre toten Körper im Namen der Religion die Treppe hinunterzuwerfen, ist nicht nur unhygienisch, sondern würde auch nicht zu einer deutschen Kultur passen, die bis 1968 von Herder, Goethe, Brahms oder Schiller geprägt wurde und sei deshalb verboten, haben sich Hutzlipochtlianhänger in aller Welt empört. Nicht nur in Deutschland.

Vermögende Anhänger der Hutzlipochtlikultur sammeln infolgedessen Geld, um gegen ein deutsches Gericht und sein Urteil vorzugehen. Obwohl dieses Gesetz nur für das Staatsterritorium der Bundesrepublik Deutschland gilt. Im Ausland lebende Azteken sind nicht davon betroffen. [...]

Ob dazu zuerst die Richter beseitigt werden müssen, das Land, das solche Richter beherbergt, mit einer Lügenkampagne diffamiert werden muß, um es dann mit einer Flugverbotszone belegen zu können, mit nachfolgender Einführung der Demokratie, das lies Herr Gast noch offen. Solidarität, zitiert der Blogwart gerne, ist eben die Zärtlichkeit der Azteken untereinander und er lobt Herrn Gast, denn 10 Mio € mal soeben von Haustür zu Haustür zusammenzusammeln, um den bedrängten VolksReligionsgenossen im Ausland zu helfen, das ist kein Pappenstil. Feine Sache. Herr Gast.

Es wird aber nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Wie Außenminister Westerwelle beruhigte: *Es muss klar bleiben, dass in Deutschland die freie Religionsausübung geschützt ist. Dazu zählt auch der Respekt religiöser Traditionen.* Und wenn dazu gehört, daß Feinden die Brust geöffnet wird, um ihre zuckenden Herzen den versammelten Anhängern von Hutzlipochtli zu zeigen, dann ist das schon in Ordnung. Es hat ja im Grunde auch niemand etwas dagegen, Ehebrecherinnen totzuschiessen, wenn es die Tradition verlangt, hauptsache, die Sicherheits- und Hygienevorschriften werden gewahrt und es ist ein Arzt anwesend, der ordnungsgemäß den Tod des Opfers bestätigt.
(Hier weiterlesen)
Danke, Karl Eduard, für diese Klarstellung! Es stand ja schon zu befürchten, daß diese schöne Sitte des Herzrausschneidens (mit Obsidian-Messern noch dazu! — zergeht nicht allein dies Wort in seinem edlen Wohllaut auf der Zunge?) aussterben könnte. Was doch irgendwie schade wäre. Herzzerreißend schade, sogar!

Nun, zurück zu den Azteken: manche sehen das natürlich anders. Weniger aztekisch halt. Wieder manche sehen es wie LePenseur. Die Wahrheit wird, wie so oft im Leben, vermutlich in der Mitte liegen. Ein Vorschlag zur Güte: wenn man bedenkt, welche große Auswahl an Herzreißen den Azteken und dem Überleben ihrer Religion allein die zahllosen Angehörigen der Berufspolitikerkaste eröffnen würden, oder auch Unzahl steuerzahler-subventionierter Bankmanager — ach ... die haben alle kein Herz? Weil sie es schon vor Jahren meistbietend an Meinungsforschungsinstitute, Parteisekretariate und für Managerbonus-Verträge verkauften, sozusagen als Vorlaß ihres Lebenswerkes? Denn mit ihrem Nachlaß dürfte ja kaum Staat zu machen sein. Wer wäre schon an stromlinienförmiger Scheiße interessiert ...?

Da ist guter Rat teuer. Man erkennt: auch das Leben in einem Friedensprojekt wie der EU ist voller Fährnisse und Ungewißheiten. Besonders, wenn man in Deutschland lebt und für alles zahlen soll.

Schuld an allem sein, sowieso ...

Montag, 9. Juli 2012

ESM oder: das Ende der Geschichte

Auf dem Weblog des wackeren Liberalen Frank Schäffler findet sich ein Artikel über die finanzielle Perversion, die unter dem Kürzel »ESM« (wohl für: »Europäischer Sado-Masochismus«) läuft. Hier einige Highlights:
Die Beschlüsse des Bundestags vom vergangenen Freitag haben Auswirkungen, die sich zum heutigen Zeitpunkt nicht vollends überblicken lassen. Zu diffus sind die Hoheitsbefugnisse des Europäischen Stabilitätsmechanismus, zu vage seine im Fluss befindliche konkrete Ausgestaltung. Doch kann man bei genauem Hinsehen erkennen, wohin die Reise geht.

Eines dieser übersehenen Reiseziele ist die Abschaffung der Insolvenzfähigkeit einzelner Mitgliedstaaten der Eurozone. Es ist kein Zufall, dass niemand mehr davon spricht, ein Verfahren zur Ermöglichung von Staatsbankrotten einzuführen. Dies liegt an einer vertraglichen Innovation des ESM gegenüber der EFSF. Finanzhilfen des ESM können ausweislich Art. 3 ESMV dann gewährt werden, wenn dies „zur Wahrung der Finanzstabilität des Euro-Währungsgebietes insgesamt und seiner Mitgliedstaaten unabdingbar ist". Die Formulierung findet Widerhall in § 2 ESMFinG. Doch in der Frage, unter welchen Umständen Finanzhilfen zulässig sind, unterscheidet sich der ESM merklich von dem EFSF-Vertrag, dem zugehörigen nationalstaatlichen § 1 Abs. 2 StabMechG und dem neuen Art. 136 Abs. 3 AEUV. Diese sehen Hilfen allesamt nur dann vor, wenn sie unabdingbar sind, „um die Stabilität des Euro-Währungsgebietes insgesamt zu wahren". Von Finanzhilfen zur Wahrung der Finanzstabilität eines Mitgliedstaats der Eurozone, wenn nicht die Eurozone als Ganzes gefährdet ist, ist bei der EFSF keine Rede.

Gleichwohl liegt inzwischen der zypriotische Antrag an die EFSF vor. [...]

Die Aufweichung der Hilfskriterien am Beispiel Zyperns bedeutet eine Aufweichung der angeblichen Konditionalität der Hilfsprogramme. Wenn selbst Zypern wegen Gefährdung der Finanzstabilität der Eurozone Anspruch auf Finanzhilfen hat, dann gibt es keine Grenzen für Hilfsprogramme mehr. Folgerichtig werden sämtliche Länder der Eurozone mit Finanzierungsproblemen Hilfsprogramme beantragen. Damit ist faktisch ausgeschlossen, dass jemals wieder ein Staat der Eurozone insolvent wird. [...]

Die Mitgliedstaaten der Eurozone haben inzwischen ihre eigenständige Insolvenzfähigkeit verloren. Nur noch die Eurozone als Ganzes kann bankrott gehen. Das kann nur zu einem führen, nämlich dass mittelfristig alle Schulden der Südländer unter den Rettungsschirmen gemeinschaftliche Schulden werden. Da für Anleihen des ESM ohnehin bereits eine gemeinschaftliche Haftung der Eurozone besteht, ist der Weg zu Euroland-Bonds im großen Umfang nicht mehr weit.

Der ESM wird sich zu einer europäischen Schuldenagentur entwickeln, möglicherweise sogar mit eigenem Zentralbankzugang. Sein Haftungsvolumen wird sich stetig ausweiten müssen. [...] Dann hat die Begründung der europäischen Haftungsunion zwei Ursachen: den doppelten kollektiven und absichtlichen Bruch europäischen Rechts, zunächst im Jahr 2010 der Nichtbeistandsklausel und heute durch Aufweichung des Kriteriums „Gefährdung der Eurozone als Ganzes".
Nun, noch ist nicht aller Tage Abend und nicht jede Hoffnung zunichte, denkt der Optimist und klammert sich an den papierenen Strohalm eines BVerfG-Urteils, das diesem Wahnwitz vielleicht Einhalt gebieten könnte.

Wohlgemerkt: könnte! Wird's aber nicht spielen. Kollege Morgenländer hat eine Titelzeile der FAZ gegen den Strich gebürstet und kommt auf richtige (wenngleich nicht eben erfreuliche) Assoziationen:
Wer wie Martin Schulz (Präsident des Europäischen Parlaments) dem BVerfG vorwirft, seine Urteile seien "teilweise von großer Unkenntnis geprägt", oder wie der EU-Parlamentarier Alexander Graf Lambsdorff (FDP) erklärt, die Richter des Bundesverfassungsgerichts seien nicht mit allen Vorgängen in Europa ausreichend vertraut, weshalb es manchmal zu Fehleinschätzungen komme, die Deutschland in seiner Handlungsfähigkeit einschränkten, dem könnte man vielleicht wirklich Putschgelüste nachsagen - umso mehr, als das BVerfG morgen über die Eilanträge zum ESM verhandelt.

SPON jedenfalls sieht es so und titelt "Politiker setzen Verfassungsrichter unter Druck."
Die hinterhältige Pointe möge jeder selbst nachlesen ...

Der 10. Juli 2012 wird einst vielleicht — nach dem 20. Juli 1944 — als einer der Schicksalstage der deutschen Geschichte angesehen werden. Nur daß am 10. Juli das Attentat geglückt sein wird. In Ermangelung eines Führers (daß IM Erika eine Führerfigur wäre, wird doch wohl niemand ernsthaft behaupten wollen) begnügt man sich diesmal damit, das Volksvermögen der Deutschen in die Luft zu blasen. Und statt der Fixierung auf die Vorgänge in der Wolfsschanze beschwört man mantraartig die Rettungsschanzen (wie Piefkes halt das Wort »Chancen« auszusprechen belieben ...), die der Europäische Sado-Maso-Club bietet, indem alle für alle haften, wenn alle bei allen borgen, und die Deutschen dann für alle zahlen, bis alle endgültig pleite sind.

Fukuyama kreierte nach dem Zerfall des Ostblocks den Begriff »Ende der Geschichte«. Das war vielleicht ein bisserl voreilig, denn so, wie's aussieht, stehen wir erst am Beginn einer Geschichte (wenngleich keiner wunderbaren Freundschaft, denn Freundschaften pflegen zwischen Pleitiers und ihren Bürgen meist in die Brüche zu gehen, so schnöde wirkt der Mammon ...), deren Ende wird vielleicht gar nicht erleben wollen.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Von der Waterkant bis ins Burgenland ...

... jubelt alles über die Rettung des Euro, denn der Euro ist Europa. Und Europa ist die EU und die EU ist das Friedensprojekt. Oder so.

Fangen wir im Norden an, wo »der alte Häuptling der Indianer, Helmut Schmidt«, wie ihn Blog-Kollege Karl-Eduard treffend nennt, sein Herz über die Hürde werfen will, respektive solches anrät zu tun:
Immer noch gilt Eric Warburgs Mahnung: ‚Wir Deutschen haben dafür zu sorgen, dass wir niemals wieder so tief fallen – aber auch dafür, dass wir nicht allzu hoch steigen.‘
... läßt sich Althäuptling Heller-Mut-der-das-Eisen-schlägt vernehmen. Nun: dafür, daß ersteres trotzdem geschieht, sorgen die Nachfolger des Althäuptlings, die auf seinen ruhmreichen Spuren wandeln. Für letzteres sorgen schon die Siegermächte, welche seit 1945 erfolgreich verhindern, daß Deutschland höher steigt, als es ihnen in den Kram paßt: also hoch genug, um das Füllhorn über Europa bequem ausschütten zu können, aber nicht hoch genug, daß man es nicht jederzeit mit erhobener Nazikeule niederprügeln könnte ...

Althäuptling Heller-Mut-der-das-Eisen-schlägt rät also, sein Herz über die Hürde zu werfen. Was immer er damit meinen könnte. Vermutlich das, was dem Herzen am nächsten ist, nämlich die über dem Herzen getragene Brieftasche, die zielsicher (»target2« heißt es nicht von ungefähr!) gen Süden, Osten und Westen zu schleudern ist, wo man sich daran bedienen möge, auf daß Deutschland nicht allzu hoch steige.

Doch nicht nur an der Waterkant, nein auch im Österland erklingen bemerkenswerte Sätze:
Wir sollten mit der Beruhigung in die Zukunft gehen, dass auch wir (also Österreich, Anm.) einmal unter den Rettungsschirm schlüpfen können ...
... meinte Grünen-Obmännin Glawischnigg vorgestern. Was die Kommentatorin »Rennziege« auf Ortner-Online zur ätzenden Replik veranlaßte:
Die Sprüche der bezaubernde Eva G. gleichen denen eines Boxtrainers, der zu seinem bewusstlos von der Ringmatte gekratzten Schützling sagt: “Du hast einen großartigen Kampf geliefert. Chapeau! Die Zukunft gehört dir; denn in der Reha wirst du jeden Fight gegen die Koma-Patienten gewinnen.”
Womit wir endgültig in der Kategorie »Burgenländerwitze« gelandet wären (und dem Titel dieses Postings gerecht werden).

Man erinnert sich vielleicht noch an die goldenen, oder, bessergesagt: keynesianischen, 1970er-Jahre, als in Europa das Zahlen mit Scheck erstmals so richtig in Schwung und Mode kam. Als demnach noch der Schilling (bzw. die DM) existierte (der Witz läßt sich unschwer auch zum Ostfriesenwitz umdesignen). Damals also wurde der kleine Glawischnigg-Bauer aus dem tiefsten Burgenland vom örtlichen RAIKA-Filialleiter überzeugt, doch nicht mehr mit diesem lästigen Bargeld herumzutun, sondern mit Schecks zu zahlen. »Das ist ganz einfach: Sie fragen sicherheitshalber, ob man Schecks annimmt (aber wer täte das heute nicht!), schreiben den Betrag auf diesen Scheckvordruck, unterschreiben — und fertig! Nie wieder verlorengegangenen Geldscheine nachweinen, man kann Sie nicht mehr bestehlen, denn ohne Ihre Unterschrift ist der Scheck nicht gültig.«

Der Glawischnigg-Bauer ist überzeugt und fährt mit dem Traktor gleich in die Bezirksstadt, wo ihm immer schon ein schicker VW im Autohaus gefallen hätte ...
»Wieviel kostet denn der?«
»Wenn Sie ihn sofort zahlen, können wir Ihnen einen Rabatt anbieten!«
»Nehmen Sie Schecks?«
»Aber sicher!«

UNd weiter zum Möbelhaus, um eine neue Schlafzimmereinrichtung zu erstehen. »Nehmen Sie Schecks?« ... und zur Landmaschinenfirma wegen eines Heuladers: »Nehmen Sie Schecks?« »Aber natürlich!« ... und zu... »Nehmen Sie Schecks?« »Selbstverständlich gern!«

Als der Glawischnigg-Bauer am übernächsten Tag über die Dorfstraße geht läuft ihm der RAIKA-Leiter mit Schaum vor dem Mund aus der Filiale entgegen und lallt: »He, Sie! Sind Sie verrückt geworden! Ihr Konto ist mit zweihunderttausend Schilling überzogen! Wie stellen Sie sich das vor? Wie wollen Sie das denn bezahlen?«

Der Glawischnigg-Bauer ist fassungslos. Aber dann hat er einen Gedankenblitz. Er greift in seine Hosentasche, zückt sein Scheckbuch und fragt: »Nehmen Sie Schecks?«

Der ESM funktioniert genauso, wie dieser Witz. Bessergesagt: genausowenig. Und das ist leider kein Witz ...

Freitag, 29. Juni 2012

Das Tönnchen ist umgefallen, oder: Veitstanz in den Untergang

Es war ja wirklich keine Überraschung: das Tönnchen ist umgefallen. Rechtzeitig vor dem Fest des Hl. Vitus, zu Deutsch: St. Veit, tanzt Europa und allen voran Deutschland seinen Veitstanz in den Untergang.
Der Ausdruck Tanzwut (lat. Epilepsia saltatoria), auch Tanzkrankheit oder Choreomania genannt, bezeichnet eine Erscheinung im 14. und 15. Jahrhundert, die von den Schriftstellern als Tanzwut oder Tanzplage beschrieben worden ist. Sie wurde als eine epidemische Volkskrankheit des Mittelalters bezeichnet. Menschen tanzten, bis ihnen Schaum aus dem Mund quoll, Wunden auftraten und sie z.T. erschöpft zusammenbrachen. (...)

Während der Zeit des Schwarzen Todes im vierzehnten Jahrhundert war eine Art der Tanzwut ein vielfach aus Verzweiflung beschrittener Weg, dem Bewusstsein der Bedrohung durch die Pest zu entgehen. Die Menschen tanzten so lange, bis sie in Ekstase verfielen, die ihr Müdigkeits- oder Erschöpfungsgefühl ausschaltete. Dadurch konnten sie so lange fortfahren, bis sie vor Erschöpfung zusammenbrachen oder sogar starben.
... weiß Wikipedia zu informieren. Die Parallelen liegen auf der Hand: der Pest des Bevormundungsstaates, die uns alle — und jetzt eben sogar die ungestörten Sinekuren unserer »Eliten« — existentiell bedroht, wird durch ekstatische Beschwörungen einer »alternativlosen« EUdSSR begegnet, welche das Müdigkeits- oder Erschöpfungsgefühl ausschalten soll. Mitunter stirbt man daran. Wie damals ...

Beim vorigen Artikel fragte ein Poster, warum denn keine optimistischen Kommentare zu lesen seien. Nun, da ist die Antwort recht einfach: weil es keinen Grund dafür gibt. Ortner zitiert auf »Ortner Online den früheren VolksEU-Kommissar Verheugen mit dem Zitat »Die Krise droht uns zu verschlingen«, welches dieser als Begründung angibt, die Quisquilien einer Verfassungsdebatte beiseitezuschieben, um desto entschlossener »die Krise« zu bekämpfen. Hat dieser Politruk einmal bedacht, daß eigentlich er und seinesgleichen der Hauptgrund für diese Krisie sind. Sie sind Hauptteil des Problems, aber sicher nicht seiner Lösung!

Blogger-Kollege FDominicus charakterisiert Verheugen und seine — wie sagt man heute so schön? — »kruden Ansichten« treffend:
Klar wir haben keine Zeit also versuchen wir es doch mit Diktatur die wie dann ganz bestimmt wieder aufheben. Verheugen ist ein Soziopath.
Und Kollege Morgenländer bringt es auf den schmerzlich getroffenen Punkt:
Der anvisierte europäischen Superstaat wird ein niemandem verantwortlicher und durch niemanden zu kontrollierender Maßnahmestaat sein.
Natürlich wird auch das Eurokraten-Europa noch ein Honiglecken sein, verglichen mit der Nazizeit, dem Stalinismus, der Eroberung Indiens durch den Islam, oder dem Dreißigjährigen Krieg — nur: soll ich mich freuen, wenn mein Arzt »bloß« einen beginnenden Prostatakrebs diagnostiziert, statt eines Melanoms im Endstadium?

Die EU wird mehr und mehr ihrem alten Spitznamen EUdSSR gerecht werden, soviel kann man bereits unbesorgt prophezeien. Staatsnahe Absahner, mit der sozialistischen Polit-Nomenklatura aller Blockparteien engstens verflochten und in ihrer Verachtung von Konkurrenz und Moral handelseinig, werden im Gleichschritt mit eurokratischen Apparatschiks uns in eine — natürlich behübschte — Planwirtschaft führen. In der Zentralbank bestimmt, was das Geld wert sein darf. In der die EU-Kommissare beschließen, was uns, unserer Gesundheit, unserer Wirtschaft, unserer Freiheit guttut — und was nicht.

»Schöne neue Welt ...« zitierte Huxley einstens. Wer Barroso & Co. sieht, sieht die aktualisierte Version von Mustafa Mannesmann (wie er in der deutschen Übersetzung höchst treffend genannt wird). Wir werden auch den Rest der Geschichte erleben.

Unsere Medien verteilen schon mal Soma ...

Montag, 25. Juni 2012

Quousque tandem abutere patientia nostra?

Diese Frage richtet sich an unsere Eurokraten-Mafia in Brüssel und verteilt über die »Hauptstädte« (recte: »Satrapensitze«) in ganz Europa.

Wie lange glaubt dieses machtbesoffene Geschmeiß unserer Polit-Nomenklatura, die Bevölkerung noch für blöd verkaufen zu können und dabei ungeniert auszusackeln, was das Zeug hält? Halten sie sich wirklich, wie einst Catilina, für unbesiegbar, daß sie, wie einst Catilina, durch ein Programm zugunsten der Schuldner und zulasten der Gläubiger, zu reussieren hoffen?

Mit welcher Frechheit mittlerweile für die Einführung einer autokratischen Oligarchie geworben wird, die von Brüssel aus, ebenso unverfolgbar wie faktisch unabsetzbar, die misera plebs der noch steuerzahlenden Idioten zugunsten ihrer Klientel, des Prekariats-Stimmviehs ausbeuten, und durch gezielte Entnationalisierung der Bevölkerung einen nach Belieben formbaren Bevölkerungsbrei schaffen soll, von dem unsere selbsternannten »Eliten«, deren Elitarität sich auf die Benutzung protziger Dienstwägen und beflissener steuerfinanzierter Mitarbeiterstäbe beschränkt, nie mehr zu fürchten brauchen, aus ihren Pfründen vertrieben zu werden.

Eine Schmarotzerklasse, gegen welche die Umtriebe von Voslensky's UdSSR-Nomenklatura wie harmlosen Bubenstreiche erscheinen. Unsere Politruks sollten sich nicht täuschen: die Stimmung, die sie jetzt mit Kriegs- und Notpropaganda zu manipulieren versuchen, kann umschlagen — und zwar in eine ganz andere Richtung!

Nicht auf Dauer wird es den Brüsseler Mafiaclans gelingen, Pseudo-Oppositionen à la »Piraten«, »Occupy« & Co. aus der Retorte zu destillieren. Und den Geist, der ihnen aus der Flasche entwichen ist, werden sie auch nicht zurückzaubern können. Und sie werden sich wünschen, rechtzeitig vor der Verleihung jener Auszeichnung für korrupte Politiker, die traditionell am Bande von der Laterne verliehen wird, ihr Treiben beendet zu haben. Damit mich einige Flachdenker nicht mißverstehen: das ist nicht die Gutheißung einer Straftat, sondern die Warnung vor einer möglicherweise bald existierenden Realität. Wer die Geschichte kennt, der weiß, daß auch Führerbefehle nicht vor dem Nürnberger Gerichtshof schützten. Den Freizeichnungsklauseln des ESM-Vertrags wird es wohl nicht anders ergehen ...

Samstag, 23. Juni 2012

Intermezzo 5: Hellas spart bei Änderungen!

Beispielsweise an ihrer seit Jahrzehnten EU-bewährten Strategie, welche der österreichisch-jiddische Volksmund in die treffenden Worte kleidet: »Wann ma dir gibt, so nimm — wann ma dir nimmt, so schrei!«.
Die Regierung in Athen beansprucht zwei Jahre mehr Zeit für die Umsetzung der Sparauflagen. Zudem sollen weniger Beamte entlassen und das Arbeitslosengeld erhöht werden.

[...]

Ziel sei es, ohne neue Kürzungen bei Löhnen, Pensionen und öffentlichen Investitionen das Haushaltsdefizit abzubauen. Die Regierung wolle zudem die Entlassung von fest angestellten Staatsdienern vermeiden und stattdessen durch den Abbau von Bürokratie sparen. Das Arbeitslosengeld solle wieder erhöht werden. Auch die Kürzung des Mindestlohnes sowie die Anfang des Jahres beschlossenen erleichterten Kündigungsmöglichkeiten durch private Arbeitgeber sollen nach dem Willen der neuen Regierung auf den Prüfstand kommen.
weiß Tante »Presse« zu vermelden. Ja, das klingt gut und völlig plausibel, fast so plausibel wie M. Hollandes Wahlprogramm. So schaffen sie's! Und so schaffen wir's alle — ganz sicher!

Fragt sich nur: was ...?

Dienstag, 19. Juni 2012

Intermezzo 4: »Polen und Russen«

... nannte Andreas Unterberger vor ein paar Tagen eine seiner »Fußnoten«. Und auch bei Unterberger kommt es vor, daß ein Kommentarposting besser ist als der Artikel selbst (was in den Mainstream-Medien eigentlich die Regel, nicht die Ausnahme ist). Diesmal hat Kommentarposter Helmut Oswald einen so faktenreichen Kommentar verfaßt und den handelsüblichen Geschichtslügen unserer Systempresse von ihnen die verschwiegene bzw. zu Tode beschönigte Wahrheit ins Gesicht geschleudert, daß dieser Kommentar nicht verdient, im Orkus der Archivfunktion Unterbergers sang- und klanglos unterzugehen. Daher hier wieder einmal ein Vollzitat, denn jede Auswahl wäre Informationsverlust:

Das Verständnis des Verhältnisses der Polen zu ihren Nachbarn (Wk 'die haben dann kräftig aufgeholt') ist gegenwärtig noch immer geprägt von Klischees, welche die Nachkriegs-propaganda in Umlauf gesetzt hat.

Die Polen gelten - vereinfacht gesagt - ganz allgemein als Opfer böser Russen und unentwegt stets noch viel böserer Deutscher. Sie kommen ('Jakobowsky und der Oberst') entweder als liebenswerte Tolpatsche und Biedermänner, oder als Opfer perfider Verschwörungen gegen ihre Freiheit (Sender Gleiwitz) in Geschichtsbüchern und der veröffentlichten Meinung weg. Der politische Katholizismus des sogenannten 'konservativen Lagers' leistet dazu seinen täglichen Beitrag.

Dieses Trugbild wird in Polen selbst nur von einem Teil der politischen Klasse befördert (Kaczinski Brüder), der große Teil der Polen ist längst weit realistischer im Selbstbild, als das seine Umgebung leistet. Die Wegblendung maßgeblicher, freilich in der Berichterstattung unerwünschter, weil unbequemer historischer Fakten ist - wie stets in derartigen Fällen - Grundlage dieser, freilich politisch korrekter, Vorstellungswelten. Dabei werden - nur auszugsweise - folgende historische Tatsachen verschwiegen, ihre Verbreitung unterdrückt oder diese nur zugelassen, wenn sie bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wurden.

1) das heutige polnische Staatsgebiet besteht heute zu einem erheblichen Anteil an geraubtem Land, das durch Völkermord und ethnische Säuberungen 1945 - 48 zwangspolonisiert wurde

2) obwohl es Deutschland und Österreich Ungarn waren, die im 1. Weltkrieg für Polen die Wiederherstellung eines eigenen Staates leisteten, schwenkten die unter dem späteren Diktator Pilsudski gegründete und gegen die Russen eingesetzte polnische Legion, nachdem sich das Kriegsglück gewendet hatte, rasch auf die Seite der Entente um und beteiligten sich die Mehrheit der Exilpolen mit großer Begeisterung an der Annexion deutscher Territorien von denen nicht nur völlig klar war, das in diesen zu keinem Zeitpunkt eine Mehrheit für den Anschluß an Polen zu finden war, weshalb unter Bruch des Versprechens von Wilson dort sicherheitshalber gar keine Abstimmung sondern bloß eine gewaltsame Annexion stattfand. Die Wiederherstellung eines eigenen polnischen Staates ist somit historisch betrachtet, keineswegs ein Verdienst der westlichen Alliierten - gedankt wurde die Wiederherstellung Polens den ehemaligen Mittelmächten aber zu keinem Zeitpunkt. Im Gegenteil - im Gegenzug wurde mit Annexion und bewaffneter Expansion, die erst, wie auch in Kärnten 1920 durch örtliche Gegenwehr gestoppt werden konnte, das polnische Staatsgebiet aller Orten zu Lasten anderer Völker - inbesondere der deutschen - ausgeweitet.

3) der polnische Staat der zwanziger und dreißiger Jahre war ein Vielvölkerstaat - anders aber als die Monarchie - die von den Siegern als 'Völkerkerker' zwar denunziert wurde, behandelte Polen diesen Umstand mit massivster staatlicher Repression. Wenig bekannt ist, das Auschwitz und andere später so berüchtigte Orte ihre Genesis in genuin polnischen Konzentrationslagern hatten. Sie waren zwar ursprünglich keine Orte der Massenvernichtung, wie später durch die NS Führung betrieben, aber sie waren Orte massivster polizeistaatlicher Unterdrückung und Entrechtung für: Deutsche, Juden, Ukrainer, Litauer, Weissrussen und anderer der polnischen 'Staatsidee' hinderlicher Völker.

4) der polnische Staat hat, nachdem er Teil des Versailler Systems wurde, mit Entrechtung (Zwangsenteignungen) und systematischem Terror, der besonders Brandstiftung, aber auch Mordaktionen und staatliche Diskriminierung zum immanenten Bestandteil eines Gesamtsystems ethnischer Säuberungen machte, die erste Welle an Ostflüchtlingen ausgelöst, die in den zwanziger und dreißiger Jahren Deutschland erreichte und aus den ehemaligen kaiserlich-deutschen Provinzen Posen und Westpreussen versucht, polnisches Land zu machen. Dabei wird in der Ideologiediskussion übersehen, daß es nicht nur in deutschen Nationalistenkreisen das gab, was man den 'Drang nach Osten' nannte und damit die Zwangsgermanisierung zur Erlangung neuen 'Lebensraumes' meinte, sondern es gab auch das entsprechende polnische Gegenstück. Wielko Polski - Großpolen (so hieß übrigens auch eine polnische Truppe, die 1939 in den Krieg zog) - mit großpolnischer Propaganda, die unter absurder Verdrehung historischer Tatsachen eine Westausdehnung Polens unter Einschluß des Ruhrgebietes und der Stadt Hamburg - als polnische Hafenstadt - forderte.

5) Wenn sich Polen - 1939 keineswegs ein demokratisches Land - der Zustimmung seiner Staatsbürger so sicher war, warum vermochte es eigentlich keiner Abstimmung über das Schicksal des sogenannten Korridors zuzustimmen - unter internationaler Kontrolle? Stattdessen besorgte sich Polen aussenpolitische Rückendeckung bei 'Groß'britannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten. Als letztere Macht der Regierung Rydz-Smigly (O Ton von 1939: er werde auf einem Schimmel in Berlin siegreich einreiten und den Deutschen bei lebendigem Leib die Gedärme herausreissen) die Garantie eines Kriegseintrittes an Seite Polens gab, setzte die zunächst pogromartige und schließlich massiv lebensbedrohliche Verfolgung der noch im Land befindlichen deutschen Zivilbevölkerung ein. Die zunächst noch vereinzelten Mordaktionen an Deutschen - diese waren seit sie polnische Statasbürger waren ohnehin Menschen zweiter Klasse in ihrer Heimat gewesen - setzten ab Juli 1939 ein und steigerten sich bis hin zum sogenannten 'Bromberger Blutsonntag' am 5. September, einer Mordaktion die im Laufe eines Wochenendes etwa 5.000 deutsche Menschen das Leben kostete, die pauschal als Verräter, Spione und Saboteure vom aufgebrachten und bewaffneten polnischen Mob unter aktiver Teilnahme der polnischen Exekutive (Gendarmerie und Militär) unterschiedslos getötet wurden - Männer, Frauen , Kinder. Das die Nazipropaganda die Opferzahlen später übertrieben hat, wird an diesen bedauerlichen aber heute zumeist unbekannten Fakten nichts ändern. Und Bromberg war kein 'Betriebsunfall' der polnischen Politik - es war bewußte und gewollte ethnische Säuberung.

Dies und noch viele ander Tatsachen bleiben in der politisch veröffentlichten Geschichte gegenwärtig zumeist unerwähnt - stattdessen wird die NS - Lügenaktion rund um den Sender Gleiwitz breit berichtet. Aber niemand fragt sich, wie beispielsweise ein amerikanischer oder israelischer Staat heute daruf reagieren würde, wenn seine Volkszugehörigen in einem Nachbarland Opfer massivster Entrechtung und zunehmender physischer Gewaltanwendung unter staatlicher Duldung und Förderung bis hin zu organisierten Mordaktionen wären.

Stattdessen setzt die historisch präzise Betrachtung zumeist erst ein, wenn es gilt den widerwärtigen NS Besatzungsterror gegen Polen ab 1939 in allen seinen Formen zu beschreiben. Auch wenn es keiner Vorgeschichte bedarf, um diesen kategorisch abzulehnen und die beteiligten Täter zu verurteilen - aber mit Verlaub, die ganze Geschichte muß schon erzeählt werden dürfen. Denn die Wahrheit, und zwar auch dieser Teil, ist den Menschen zuzumuten.

Ich beziehe tatsächlich viele Nachrichten aus Polen - einerseits regelmäßige zweisprachige (polnisch-englische) Publikationen eines renommierten Warschauer Militärverlages und anderseits stehe ich in Kontakt zur kleinen polnischen Gemeinschaft in Wien. Anders als bei rückwärtsgewandten linken Nachkriegswiderständlern kann ich nur zwei Feststellungen festhalten: die polnischen militärhistorischen Publikationen sind frei von jeglicher Propagandaattitüde, sie schüren keinerlei Ressentiments oder Hass und nicht einmal in Ansätzen so etwas wie Revanchismus. Sie sind von bestechender Objektivität und behandeln die ehemalige deutsche Wehrmacht unvoreingenommen und teilweise mit erkennbarem Respekt. Eine Haltung, die in usneren Breiten mittlerweile von schicksalhafter Gefährlichkeit für die bürgerliche Existenz sein kann. Zweitens: die überwiegende Zahl an Exilpolen ist ressentimentfrei, unvoreingenommen und weiß zum Teil viel genauer über den eigenen Beitrag an der historischen 'Gedächtnislast' Bescheid, als die Meisten der bei uns in allen Rängen vertretenen Buß- und Bittgänger. Ein Umstand, der auf eine versöhnliche Zukunft hoffen läßt.


Jetzt werden natürlich die üblichen Verdächtigen in den Systemmedien und die professionellen Geschichtsfälscher auf staatlichen Universitäts-Leerstühlen (die ob der Substanzlosigkeit ihres »Output« nicht anders geschrieben werden können) laut »Autobahn« aufheulen. So, wie noch vor einigen Jahrzehnten sowjetische Geschichtsforscherfälscher die stalinistischen Massaker von Katyn als faschistisch-imperialistische Propagandalüge zu verkaufen trachteten. Wer derzeit die politischen Verwerfungen, die durch das sich ankündigende Platzen des »Friedensprojektes Euro« ausgelöst und befördert werden, beobachtet, kann davon ausgehen, daß jahrzehntelage Geschichtslügen auch gegenüber den Deutschen, die doch heute im Grunde noch immer »lauter Nazis« seien, der Wahrheit weichen müssen.

Eben zerbricht an seiner Unfinanziertbarkeit der Gründungsmythos Europas: daß nach der Zeit der Dunkelheit des »Faschismus« dank angelsächsischer »Demokratie« das goldene Zeitalter der Völkerfreundschaft und Gerechtigkeit anbrach, in dem die Deutschen ihr, selbstmurmelnd nicht kollektivschuldiges, aber unauslöschliches Unrecht gegenüber dem Rest der Welt durch fleißiges Subventionieren aller anderen allmählich abtragen dürfen, und irgendwann einmal (aber nie schon jetzt) als geläuterte Mitglieder der Menschengemeinschaft akzeptiert werden können. Oder wenigstens darauf hoffen können, akzeptiert zu werden.

Irgendwann kann Deutschland nicht mehr finanzieren. Irgendwann ist nicht bloß »Schluß mit lustig«, sondern auch »Schluß mit zerknirscht«. Und dieses »irgendwann« könnte schneller eintreten, als es sich die Profiteure des Gründungsmythos Europas derzeit noch träumen lassen ...

Donnerstag, 14. Juni 2012

Intermezzo 3: ESM dank EM

... wird es später wohl heißen. Der Rettungsschirm wird unter dem großen Medienschirm der Fußball-Groupies gaaanz diskret (und auch weniger diskret, wenn's nicht anders geht) aufgespannt. Wie »Die Presse« heute zu berichten weiß, kam es wegen der unverschämten Durchwinke-Aktion der ESM-Verfassungsänderung durch die SPÖVP-Regierung und ihre grüne Blockpartei zu einem Eklat, weil sich die Blauen und Orangen (als — derzeit noch — nicht völlig gleichgeschaltete Blockparteien) doch etwas überfahren vorkamen:
Die Sitzung des Nationalrats ist Donnerstagvormittag von einem Eklat überschattet worden. FPÖ und BZÖ verließen das Plenum wegen eines Streits über den Europäischen Rettungsschirm (ESM). In den vergangenen Wochen bemühte sich die Koalition um die Stimmen der Opposition, um den EU-Stabilitätspakt mit der nötigen Verfassungsmehrheit zu ratifizieren. In den Grünen hat die Koalition nun offenbar einen Partner gefunden. FPÖ und BZÖ wussten davon nichts und fühlten sich deshalb übergangen.

Der entsprechende Antrag wurde von SPÖ, ÖVP und den Grünen kurzfristig auf die Tagesordnung genommen und wird gegen Ende der Sitzung als letzter Tagesordnungspunkt in so genannter "Erster Lesung" diskutiert. In der Folge wird er in den Verfassungsausschuss wandern und entweder bei der Sondersitzung zum Transparenzpaket Ende Juni oder in der Juli-Plenarwoche beschlossen werden. FPÖ und BZÖ sprachen von einer "Nacht&Nebelaktion".
Ja, das ist unsere Demokratie. Wenn der Wähler schon einmal gewählt hat, kann man ihm künftige lästige Wahlen ersparen, indem man ihm die Wahl läßt zwischen Wahlenthaltung und Zettelfalten ... denn nachdem die EMS-Sache durch ist, braucht man das Parlament eigentlich nur als Dekoration — man könnte es durch die Generalversammlung des Tierschutzvereins ersetzen. Denn ein Parlament, das faktisch keine Budgethoheit mehr hat, ist keines mehr — weil der Rat der Unions-Volkskommissare jederzeit zentrale Vorgaben über Wirtschafts- und Fiskalpolitik machen kann, und die ESM-Paten, gegen jegliche zivil- und strafrechtliche Überprüfung ihres ihrer (Un-)Taten geschützt, jeden Staat der EU durch Drohung mit einer ESM-Geldanforderung nach Belieben fernsteuern können.

Die Maske der vorgeblichen »Demokratie« wird in Europa immer ungenierter als längst entbehrlich weggeworfen. Es herrscht die Diktatur einer Nomenklatur, die sich selbst »wählt« (recte: kooptiert) und »kontrolliert« (recte: gegen Verfolgung immunisiert). Ein längst schon totalitäres System, das jeden Abweichler höchst effizient ausgrenzt und zwar — noch — nicht mundtot macht, aber ihm so nachhaltig isoliert, daß er von der Öffentlichkeit praktisch nicht mehr gehört werden kann. Es ist dasselbe System, mit dem Honni & Co. Kritik am DDR-Sozialismus als »Rowdytum« und »Boykotthetze« kriminalisierten.

Und klammheimlich werden immer weitere Kreise gezogen, um die Opfer, nämlich die nicht der Nomenklatur angehörenden Leistungsträger unserer Gesellschaft (die privatwirtschaftlichen Unternehmer und Dienstnehmer), am Widerstand zu hindern. Die OECD plant beispielsweise, das Delikt der Steuerhinterziehung als Geldwäsche-Tatbestand in den Verbotskatalog aufzunehmen. Was natürlich von der Neidgenossenschaft derer, die ohnehin (fast) keine Steuern zahlen, mit wohlwollendem Geheul aufgenommen wird, aber zugleich bedeuten, daß der Rechtsanwalt oder Steuerberater, der seinem Klienten Tipps zur Minderung der mittlerweile konfiskatorische Höhen erreichenden Steuerlast gibt, bereits als Mittäter mit einem Fuß im Gefängnis steht, und eigentlich — sollte ein Klient mit solchen Ideen zu ihm kommen — verpflichtet wäre, seinen eigenen Klienten unverzüglich anzuzeigen.

Das war schon das Strickmuster, nach dem die »Strafverteidiger« in der DDR und der Sowjetunion die »sozialistische Rechtspflege« zu fördern hatten (statt die Rechte ihrer Mandanten zu verteidigen). In Kombination mit Steuergesetzen, die so kompliziert sind, daß eigentlich jeder — inklusive ausgewiesener Steuerexperten — sich permanent schuldig macht, der nicht als Dienstnehmer sein Geld verdient, oder in einem Administrationswust erstickt, der ihm seine Arbeit eigentlich verunmöglicht. Das alles führt zu einem Bürger, der nur durch die Gnade der Behörde nicht verfolgt, sozial geächtet und wirtschaftlich ruiniert wird. Wo, bitteschön, ist hier noch der Unterschied zu den Verhältnissen in der DDR — mit Ausnahme der Tatsache, daß man aus dieser wenigstens theoretisch noch flüchten konnte, aus dem OECD-Regulierungsbereich hingegen eher nicht, außer man will eine Karriere als Schafhirte in Afghanistan oder als Erdnußbauer in Obervolta starten.

Die letzte Hoffnung, die uns noch bleibt, ist wohl, daß der Totalcrash der Finanzmärkte schneller kommt, als die Omnipotenzphantasien unserer Politmafiosi sich verwirklichen lassen. Eine geringe Hoffnung, freilich. Und getrübt durch die Aussicht auf Jahre bitterer Armut für viele, ja die meisten von uns. Einer Armut, die umso bitterer sein wird, als sie die ungesühnt ihre gutdotierten Ruhebzüge genießenden Mitglieder und Günstinge der Nomenklatura vor Augen haben wird, die es sich dank ihrer Gesetzgebungsprivilegien »richten« konnten. Außer, es kommt zu einem Bürgerkrieg, der allerdings mangels youth bulge ebenso unwahrscheinlich ist, wie in seinen unabsehbaren Folgen wohl auch nicht zu übertriebenen Hoffnungen Anlaß gibt, wenn er doch kommen sollte.

Montag, 11. Juni 2012

Intermezzo 2: Wikinger sind einfach klüger ...

Schrecklich, so'n rassistischer Titel (von wegen »Wikinger-Rasse«)! LePenseur errötet auch sofort über diese Entgleisung, schon die zweite in kurzer Zeit, wie die Einforderer unantastbarer Vergewaltiger-Würden leidgeprüft feststellen müssen. Wäre LePenseur auch nur halb so prominent wie der Stahlhelm-Sager, türmten sich auf Google bereits die Verweisseiten zu Abertausenden ...

In der »PAZ« (die im Gegensatz zur »FAZ« keine Zeitung für »mainstream-linige« FAZkes ist, dafür aber auch deutlich weniger journalistische PA(t)Zer macht) findet sich eine »Verschwiegene Erfolgsgeschichte«:
Nach dem Zusammenbruch dreier Großbanken hat Island einen wirtschaftlichen Absturz erlebt wie die Euro-Krisenländer Irland und Griechenland. Während diese allerdings immer tiefer in der Krise versinken, ist Island längst wieder auf Erfolgskurs.

Von „massiven Erschütterungen“ bis zum „unkalkulierbaren Risiko“: So klingen Warnungen vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone üblicherweise. Etwas anders lautet die langfristige Prognose des Chefs des weltgrößten Devisenhandelsunternehmens ICAP, Michael Spencer: „Sobald ein Land austritt und davon profitiert, werden einige andere das auch für vernünftig halten. Die ganze Dürftigkeit des Euro-Experiments wäre dann so klar zu sehen, wie des Kaisers neue Kleider.“ Ein Griechenland, das nach Rückkehr zur Drachme den Weg aus der Krise schafft, könnte in der Tat Nachahmer wie Portugal und Irland finden. Auf der Strecke bleiben würden dabei Brüsseler Träume von einer noch stärkeren europäischen Integration als scheinbare Konsequenz der Krisenbekämpfung.
Es erhebt sich die — selbstverständlich wegen flagranten Rassismus-Verdachts autobahnmäßig verbotene Frage: was haben die WikingerIsländer, was der Club Med nicht hat? Was Island nicht hat, das wissen wir: warme Meereswogen, beispielsweise (wer will schon bei Reykjavik im Atlantik baden, brrrr!). Aber was hat Island, was der Club Med nicht hat ...? Könnten die Antwort »Hirn«, »Eigenverantwortung« und »Selbständigkeit« lauten? Nur so mal hypothetisch gefragt ...

Intermezzo: Eine Herausforderung für den gesunden Menschenverstand

... präsentierte uns vor einigen Tagen »Die Welt«:
Es fordert schon den gesunden Menschenverstand heraus, zu verstehen, warum für Staatsschulden Dritter, die über 60 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen, gemeinsam getilgt, gehaftet und mit Bundesbank-Gold garantiert werden soll. Das lädt andere Euro-Staaten geradezu ein, sich erneut zu verschulden.

Während der Franzose Hollande und natürlich die SPD begeistert diesen Vorschlag aufnahmen (im Hinterkopf der "keynesianische Endpunkt"), scheint beiden die Historie der DDR-Staatsschulden entgangen zu sein.

Außer einer Einmalzahlung in diesen Erblastentilgungsfond (durch UMTS-Einnahmen) und der jährlichen Zuführung durch die Bundesbank (Teils des Bankgewinnes) war das vereinte Deutschland fiskalisch völlig unfähig auch nur einen Euro zu tilgen. Faktisch fand eine simple Überführung in die allgemeine Bundesschuld statt.

Von der ursprünglichen Schuld von über 170 Milliarden Euro sind 22 Jahre nach Ende der DDR im finanzpolitischen Sinne noch immer über 100 Milliarden Euro abzubezahlen. Wie sollen denn wirtschaftlich angeschlagene Euro-Staaten ihrem Tilgungsversprechen nachkommen? Und warum muss der deutsche Steuerzahler, den niemand fragt, dafür seinen Kopf hinhalten?
Gute Fragen. Nur leider solche, für deren wahrheitsgemäße Beantwortung man einen ebenso schnellen (in der Sanktionierung) wie langsamen (in der Dauer der Ausgrenzung) sozialen Tod stirbt. Wer immer daran denkt, in einer verantwortlichen Position diese Fragen öffentlich zu relevieren, wird sich bald mit Angeboten, die er nicht ablehnen kann, konfrontiert wissen — oder seine verantwortliche Position verloren haben. Wie es eben in Demokratien unseres Strickmusters üblich ist. Resp. in Bananenrepubliken. Und Europäischen Bananenunionen ...

Freitag, 8. Juni 2012

»Die Würde des Vergewaltigers ist unantastbar«

... findet Blogger Karl Eduard. Auch dies paßt trefflich zur thematisierten Fragestellung Gerechtigkeit und Freiheit. Mit genau jenem stimulierenden Quentchen an bitterem Sarkasmus, den wir von Kollegen Karl Eduard gewöhnt sind, und mit dem man unsere realexistierende demokratische Grundordnung betrachten muß.

Lesen!

Gedanken über Freiheit und Gerechtigkeit — Teil II

Stimmengewichtung und Steuergerechtigkeit


Wer würde es wohl als »gerecht« bezeichnen, wenn er im Restaurant (weil er nicht so viel ausgeben will bzw. kann, oder weil er einfach nur wenig Hunger hat — ganz egal!) bloß eine Kleinigkeit ißt, und dann beim Bezahlen genausoviel verrechnet bekommt wie der Nachbar, der sich über ein fünfgängiges Degustationsmenü hergemacht hat. Vermutlich niemand. Es wäre vielmehr eklatant unfair — und eine völlig absurde Idee, die jenen Gastwirt wohl blitzartig in einen Rattenschwanz von Prozessen verwickeln und in die schnelle Pleite führen würde. Denn welcher Kunde ließe es sich mehr als einmal (wenn überhaupt!) gefallen, für wenig Leistung viel blechen zu müssen.

Nur: im »Gasthof zur Wohlfahrtsdemokratie« findet diese Absurdität regelmäßig statt. Bei jeder »Wahl« gilt die Stimme dessen, der auf Kosten der Allgemeinheit lebt (Sozialhilfeempfänger, Beamte, Politiker etc.) exakt gleichviel wie die der Realsteuerzahler, die mit ihren Zahlungen das ganze überhaupt erst ermöglichen und in Gang halten. Gerecht? Fair? Die Frage zu stellen heißt zugleich, sie zu verneinen ...

Der Staat ist ja kein »höheres Wesen«, keine »Weltanschauungsgemeinschaft«, der man (sofern man von derlei Dingen beeindruckbar ist) in ehrfürchtiger Devotionsbücke naht und dem man dankbar zu sein hätte für alle Wohltaten und ohne den man nichts wäre, sondern er ist (wie das Restaurant) ein Mittel zum Zweck — und dieser Zweck ist für jeden von uns ganz konkret nur einer: uns jene Dinge, die für das eigene Überleben lebenswichtig sind, die man selbst nicht herstellen oder bewirken kann, und die auch durch wirtschaftlichen Austausch (also den vielgescholtenen »Markt«) nicht adäquat bereitgestellt werden, zur Verfügung zu stellen. Als da wären: ein an Maßstäben der Gerechtigkeit orientiertes Rechtssystem. Die Durchsetzung von Sicherheit gegenüber Rechtsbrechern. Die Unterhaltung einer Basis-Infrastruktur von Verkehrswegen, Energieversorgung, Information etc. (spätestens hier wird die Sache natürlich schwammig und gerät schnell in Gefahr, in Dirigismus und Zwangsbeglückung auszuarten — allein: »abusus non tollit usum« ...)

All das kostet natürlich Geld, und es ist völlig klar, daß dieses Geld im Umlagenwege, also durch Gebühren und Steuern, irgendwie hereingebracht werden muß. Es ist müßig, wenn nun Anhänger des ebenso verdienstvollen wie weltfremden Prof. Hoppe jetzt den Beweis anzutreten versuchen, daß all das Vorgenannte durch »Sicherheitsagenturen« und »Rechtsagenturen« ebensogut, aber viel billiger und besser ... geschenkt! Die Realität belehrt uns: es hat so noch nie funktioniert, und wird daher vermutlich auch in Zukunft nicht so funktionieren. Und wenn es wirklich einmal irgendwo und -wann so zu funktionieren schien, dann nur deshalb, weil dahinter eine staatliche Organisation quasi als »Einsatzreserve« verfügbar war. Natürlich funktioniert im Welthandel eine Schiedsgerichtsbarkeit. Aber eben nur deshalb, weil ihre Sprüche letztendlich und schlimmstenfalls durch ganz ordinäre staatliche Exekutionsmaßnahmen durchgesetzt werden können. Wo dies nicht der Fall ist (und das wäre es z.B. bei einem Schiedsspruch über Ansprüche gegen ein somalisches Piraterieunternehmen), dort wird ein Schiedsgericht wegen der offenkundigen Sinnlosigkeit garnicht bemüht. Doch zurück zum Thema ...

Wäre es daher nicht eine Forderung der Gerechtigkeit, jene, die die materiellen Grundlagen für all die obenstehenden notwendigen Staatsaufgaben überhaupt erst schaffen, also die Steuerzahler, nach Maßgabe ihres Beitrags zu diesen Mitteln mit Mitbestimmungsrechten zu versehen? Es kann doch wohl nicht gerecht sein, wenn die, die wenig oder nichts zu irgendwelchen öffentlich-finanzierten Wohltaten beitragen, ebensoviel darüber zu bestimmen haben wie die, die das alles berappen müssen!

Schnell erkennt man jedoch bei näherer Betrachtung, daß dem Problem der Stimmengewichtung ein noch fundamentaleres Problem vorgelagert ist: das der Steuergerechtigkeit.

Daß es zur Finanzierung notwendiger Staatsaufgaben der Erhebung von Abgaben (welcher Form auch immer) bedarf, ist so evident, daß es wohl kaum begründet werden muß. Doch schon bei der Frage, welche Abgaben in welcher Form eingehoben werden sollen, ergeben sich bei den heute als selbstverständlich hingenommenen Erhebungsformen, die sich vielfach nur aus reichlich dubiosen Traditionen »begründen« lassen (welche großartige Kriegsflotte wird bspw. heute über die Sektsteuer finanziert?), erhebliche Ungereimtheiten.

Nach einem Grundprinzip der Gerechtigkeit, daß der Nutznießer einer Sache auch für damit verbundene Kosten aufzukommen habe, müßte ein steuerliches Grundprinzip eigentlich die (in der heutigen Realität, außer in der Sozialversicherung, eher untergeordnet bedeutsamen) »Gebühren« und »Beiträge« als wichtigste Einnahmen anführen. Wo immer der Nutznießer einer Leistung und sein effektiver Nutzen mit vertretbarem Aufwand feststellbar ist, dort muß konsequent eine nutzungsadäquate Gebühr denjenigen treffen, dem auch der Nutzen zugutekommt. Zugleich bedeutet dies aber auch, daß alle diese Gebühren somit keinen nachgängigen Einfluß auf das Stimmrecht ausüben können — denn durch Nutzungsbereitstellung und Bezahlung für diese Nutzung sind die Konten quasi ausgeglichen, ist ein (zwar unvollkommener, doch wenigstens teilweiser) »Markt« entstanden.

Nun wird es in einer Reihe von Fällen entweder per se unmöglich, oder wenigstens mit vertretbaren Mitteln nicht feststellbar bleiben, wer welchen Nutzen aus einer Staatstätigkeit zieht. Daß Gerichtsprozesse Gerichtskosten verursachen, das ist jedem klar. Daß dies umgekehrt nicht dazu führen soll, daß Unbemittelten keinerlei Möglichkeiten zur Rechtsdurchsetzung gegen Wohlhabende gegeben sind, wohl ebenso. Nur: wer (außer den Unbemittelten) »profitiert« von der »Verfahrenshilfe« (früher weitaus plastischer »Armenrecht« genannt)? Nun — in gewissem Sinne die Allgemeinheit, in deren Interesse es liegt, daß das Recht auch von Armen gegenüber Wohlhabenden durchsetzbar bleibt. Andererseits ein Verbrechensopfer mit den Internierungskosten des in vielen Fällen eher mittellosen Täters zu belasten, wäre wohl ein Hohn gegenüber dem ohnehin bereits Geschädigten. Einen Täter jedoch einfach unsanktioniert zu lassen, weil seine Bestrafung nicht durch ihn finanziert werden kann, ist ebenso unbefriedigend! So ergibt schon ein relativ kleines und überschaubares Ressort wie das der Justiz eine bunte Gemengelage von Teilen einerseits, bei denen eine nutzungsorientierte Gebührenfinanzierung angebracht erscheint, und anderen, die wohl immer über Steuern im engeren Sinne zu finanzieren sein werden.

Im folgenden III. Teil werde ich — natürlich wieder unter dem Aspekt der Gerechtigkeit — auf die »Steuern im engeren Sinne« zu sprechen kommen, also jene Abgaben, die ohne konkretisierbare Nutzung durch den jeweiligen Steuerzahler zu entrichten sind.

Freitag, 1. Juni 2012

Gedanken über Freiheit und Gerechtigkeit — Teil I

Wie mehrfach angekündigt, werden sich die nächsten Artikel dieses Blogs mit dem Thema (und den Themen) »Freiheit und Gerechtigkeit« auseinandersetzen. Eher in Form essayistischer Betrachtungen und Überlegungen als in lehrmäßig-systematischer Aufeinanderfolge freilich — Lexika und Fachbücher, in
denen man derlei fände, gibt es bereits zu genüge. Wozu also ein weiteres Mal ...

Dennoch: am Beginn sollten doch einige Begriffsbestimmungen nicht fehlen (schon um mögliche Fehldeutungen durch oder gar Irreführungen der Leser zu verhindern).

1. Gerechtigkeit:
Dasjenige, was an Ehre, Achtung, Förderung, Eigentum, Freiheit, Verfügungsrecht, Schonung, Rücksichtnahme usw. einem geschaffenen Geiste »zukommt«, damit er sein Leben leben und seine natürliche und übernatürliche Aufgabe vor Gott erfüllen kann, bildet »sein Recht«.
... definiert das vom Herder-Verlag 1927 verlegte »Staatslexikon« (Hsgr. von Hermann Sacher, Bd. 2, 548 ff.)
unter dem Stichwort »Gerechtigkeit«. Nun, Herder ist (oder bessergesagt: war damals im Vergleich zu heute) ein »katholisches« Verlagshaus, und so verwundert es nicht, religiöse Bezüge durchaus erkennbar katholischer Anschauungen bei einem doch eindeutig »weltanschaulichen« Begriff vorzufinden. Machen wir uns also zunächst ans »Abspecken« um diese Definitionsteile, um auch Atheisten und Agnostikern einen Begriff, bei dem ihnen nicht der Schaum vor den Mund tritt, vorlegen zu können:
Dasjenige, was an Ehre, Achtung, Förderung, Eigentum, Freiheit, Verfügungsrecht, Schonung, Rücksichtnahme usw. einem Menschen »zukommt«, damit er sein Leben leben und die von seiner Natur vorgegebenen wie auch die selbst gewählten Ziele erfüllen kann, bildet »sein Recht«.
Diese Definition erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, soll aber vorerst als Vehikel für anschließende Betrachtungen ausreichen.

Es fällt auf, daß auch »Freiheit« als Teil dessen, was einem Menschen aus Gerechtigkeit zusteht, ausdrücklich genannt ist. Und in der Tat: Gerechtigkeit enthält stets das Element der Freiheit, ohne welches es ebensowenig den Namen verdient, wie eine »Gerechtigkeit«, die die Ehre, das Eigentum etc. unbeachtet ließe. Die

Freiheit:

.. ist im Vergleich zur Gerechtigkeit noch »schillernder« und durch Definitionen unfaßbarer. Der Begriff reicht von der »Freiheit des sinnvoll motivierten Aktes«, über die »Willensfreiheit« (im engeren Sinne) bis hin zur »sittlichen Freiheit« des Menschen. Vorallem von letzterer wird in der Folge die Rede sein — und sie bedeutet,
kurz gesagt, daß der Mensch den als vernünftig und sittlich gut erkannten Werten frei gegenübersteht, indem er in einer doppelten Unabhängigkeit (nämlich einerseits der von äußerem und/oder innerem Zwang wie andererseits der der Möglichkeit der Gesetzeserfüllung gegenüber anderen Motivationen) ihnen gegenübersteht.

Dieser — äußerst abstrakte im Sinne von »unkonkretisierte« — Freiheitsbegriff wird nun in weiterer Folge durch die Begriffe der »rechtlichen«, der »staatsbürgerlichen«, »wirtschaftlichen« usw. Freiheit näher bestimmt — wobei hier wie so oft das Ganze mehr ist als seine Teile: »Freiheit« ist letztlich ein den Teilbegriffen vorgängiger Grundsatz, der verwirklicht wird, oder eben auch nicht — und dann sind alle gegebenen
»Teilfreiheiten« letztlich nur ornamentale Behübschung einer existenziellen Unfreiheit, die vorallem durch die (seit den Tagen der französischen Revolution scheints unausrottbar in den Hirnen verankerte) Vorstellung, daß »Freiheit« und »Gleichheit« nur gemeinsam verwirklichbar seien (auf die unsprünglich
dazugehörende »Brüderlichkeit« wurde ob ihres nur allzu erkennbar phantasmagorischen Charakters schnell verzichtet)! Nun, Freiheit und Gleichheit gehören nicht nur nicht notwendigerweise zusammen, sondern schließen einander sogar weitgehend aus — anders übrigens als Freiheit und Gerechtigkeit, die einander wirklich wechselseitig bedingen. Nur ist Gerechtigkeit sicherlich alles mögliche — nur nicht (oder bloß in seltenen Fällen) »Gleichheit« ...

So: nach diesen Präliminarien möchte ich mich in den nächsten Artikeln konkreten Problemstellungen zuwenden, wobei ich als Jurist und Ökonom natürlich eine gewisse »Schlagseite« in der Auswahl nicht verleugnen kann. Der erste »Problemfall« wird sich mit der Frage »gerechter Willensbildung« im Gemeinwesen beschäftigen: mittlerweile sind die Zweifel am hierorts herrschenden System von »Demokratie« schon weithin
vernehmlich (was vor, sagen wir, zwanzig Jahren noch einigermaßen unvorstellbar gewesen wäre!) und reichen von bloß »technischen« Alternativvorstellungen in Wahlrechtsfragen bis hin zur »großen Systemkritik«, die sich die Frage stellt, ob eine in Form politischer Parteien betriebene »repräsentative Demokratie« überhaupt in der Lage ist, ein Staatswesen dauerhaft zu führen. »Bleiben Sie dran!«, wie es immer vor der Werbepause (die es auf diesem Blog, Gott sei Dank!, so freilich nicht gibt) so schön heißt ...