Mittwoch, 21. Dezember 2011

Ein Skotom

... unserer westlichen Gesellschaft diagnostiziert Kollege Zettel in seinem Artikel »Gewalt in der christlich-jüdischen Kultur, Gewalt im Islam: Eine eigenartige Ringvorlesung und ihr wissenschaftlicher Hintergrund«, welcher mit seiner, gelinde gesagt etwas befremdlichen, Wahrnehmung mitteleuropäischer Rechtsstaatlichkeit angenehm kontrastiert. Dem Schlußsatz:
Dem Außenstehenden jedenfalls drängt sich der Eindruck auf, daß - um es in religiöser Sprache zu sagen - diese Wissenschaftler den Splitter im eigenen, jüdisch-christlichen Auge in riesengroßer Vergrößerung sehen, während sie, was den Balken im islamischen Auge angeht, unter einem Skotom zu leiden scheinen.
verdankt LePenseur die wertvolle Kenntnis des Begriffs »Skotom«, welches er sofort in seinen (wenigstens passiven) Wortschatz aufzunehmen, und an Kollegen Zettel dafür mit diesem Posting geziemend Dank zu sagen beschloß.

Kommentare:

Nescio hat gesagt…

Zettels Artikel habe ich nicht gelesen und werde es auch nicht tun. Zeitverschwendung, bestenfalls.

Aber der heutzutage so beliebte Ausdruck "Jüdisch-christlich" kam mir immer schon seltsam vor. Wer abwechselnd das Alte Testament liest und das Neue, dem fallen die extremen Unterschiede im Gottesbild und im gebotenen Verhalten auf.

Der Gott der Juden ist streng, unnahbar und grausam. Grausam auch manchmal ohne erkennbaren Grund und ohne Logik. Launisch und unberechenbar.

Der Gott der Christen ist gütig, helfend, verständnisvoll. Streng nur selten. Ein liebender Vater.

Man vergleiche auch das Handeln der einzelnen Personen: Moses, der seine "Karriere" gleich einmal mit einem Mord (an einem Ägypter) beginnt und noch am Ende seines Lebens die militärische Eroberung eines "neuen Lebensraums im Nordosten" in die Wege leitet. Oder die meisten anderen Personen des AT, von Abraham über David, oder Judith, bis zu den Makkabäern: Krieg und Mord, gerne auch heimtückisch geplant und ausgeführt, gehören einfach dazu.

Das Leben Jesu war das Gegenteil.

Mohammed hingegen würde nicht schlecht ins AT passen: Ein Warlord, der sich einfach mit Gewalt nimmt, was ihm gefällt, ob Gold oder Seide, schöne Frauen oder kleine Mädchen. Wer damit nicht einverstanden ist, dem wird der Kopf abgehackt. Und Allah gibt seinen Segen dazu.

Anonym hat gesagt…

Nescio hat sich den richtigen Nick gewaehlt.

Vom Judentum hat er keine Ahnung, stattdessen gibt er Luthers feindselige Einschaetzung wider.

Le Penseur hat gesagt…

@beer7:

Nescio weiß oft mehr, als sein Nick anzudeuten scheint. Ob er vom Judentum wirklich keine Ahnung hat ...?

Nun, die Bibel kann jeder lesen und sich sein Urteil bilden — da braucht man keinen Luther dazu. Und dieses Urteil fällt beispielsweise nach der Lektüre des Pentateuchs oder des Buches Josuah vermutlich halt doch ein bisserl anders aus, als nach, sagen wir, dem Lukasevangelium. Wer diesen Unterschied nicht spontan erkennt, bei dem nehme ich weniger an, daß er diesen Unterschied nicht erkennen kann, sondern eher, daß er ihn nicht erkennen will, leider ...

Daß das spätere und heutige (Reform-)Judentum die an sich meist eher unerfreuliche Lehre des Alten Testaments in einer humanistischen Weise umdeutete, ist davon unberührt und natürlich anzuerkennen. Daß der Islam (wenigstens bis dato) keinerlei Anzeichen erkennen läßt, die noch unerfreulichere Lehre des Koran ähnlich umzudeuten, ist ihm andererseits durchaus vorzuhalten (Vorbilder hätte er ja im Judentum und Christentum).

Daß aber die Gottesbilder im AT und Koran einander oft bedrückend ähnlich sind, das kann man nur mit viel Rabulistik abzustreiten versuchen. Aber wohl ohne großen Erfolg ...

Arminius hat gesagt…

@Le Penseur
Zum Gottesbild des Alten Testamentes gehört auch das göttliche Gebot: Du sollst nicht töten!

Le Penseur hat gesagt…

@Arminius:

1. heißt das Gebot »Du sollst nicht morden« (und wird bloß traditionell falsch übersetzt), und

2. empfehle ich Ihnen die Lektüre bspw. des Buches Josuah*), da relativiert sich dann die Sache einigermaßen ...

---

*) Sie können sich aber auch an die meisten anderen AT-Bücher halten — außer beim etwas depressiven Ecclesiasticus und beim erotischen Canticum findet sich fast überall was blutrünstiges ...

Nescio hat gesagt…

"Du sollst nicht töten", aha.

Keine Pflanze töten?
Oder kein Tier töten?

Oder keinen Gläubigen, Ungläubige jedoch schon?

Auf die Feinheiten und die Auslegungen kommt es an.

Lest doch mal, nur zum Beispiel, Numeri 31: "Der Herr sprach zu Mose: Nimm...Rache an den Midianitern! ... Sie zogen gegen Midian zu Feld, wie der Herr Mose es befohlen hatte, und brachten alle männlichen Personen um... Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr die Frauen am Leben gelassen? ... Nun bringt alle männlichen Kinder um und ebenso alle Frauen..."

Und so weiter.

Wenn ihr wollt, zitiere ich für euch noch ein Dutzend Stellen mit (angeblich gottgefälligen!) Massakern.

Arminius, wo ist hier das Gottesbild des Alten Testaments mit "du sollst nicht töten?"

Arminius hat gesagt…

Ok, es heißt nicht töten sondern morden. Das ändert aber nichts daran, daß sich hinter den Geboten der Nächstenliebe des Dekalogs ein völlig anderer Gottesbegriff offenbart als in Luzifers Koran.

Nescio hat gesagt…

Nächstenliebe, aha.
Wer ist der Nächste?

- aus Sicht eines jüdischen Mitbürgers
- eines Christen
- eines Mohammedaners?

Arminius hat gesagt…

@Nescio
Um Dich aus Deiner Unwissenheit zu befreien:
Vgl. Lk 10, 25-37

Nescio hat gesagt…

@ Arminius: Schon diese eine Stelle erlaubt entgegengesetzte Auslegungen. Dazu später.

Und, wer ist der Nächste eines jüdischen Mitbürgers?

Wer ist der Nächste eines Mohammedaners?

Le Penseur hat gesagt…

@Nescio:

Wenn ihr wollt, zitiere ich für euch noch ein Dutzend Stellen mit (angeblich gottgefälligen!) Massakern.

Wer sind die »für euch«? Ich fühle mich da nicht wirklich mit angesprochen ...

Und die vielen Stellen der Sorte Numeri — was anderes hätte ich denn geschrieben?

Schon diese eine Stelle erlaubt entgegengesetzte Auslegungen

Jeder Text erlaubt entgegengesetzte Auslegungen. Der von mir als Prediger hochgeschätzte ehemalige Pfarrer der Unitarischen Kirche Dublin, Rev. Darlison, meinte einmal zum Problem, daß Schrifttexte mehrdeutig seien, daß nur Versicherungsbedingungen (und auch das nur sehr relativ, wie man an den unzähligen Prozessen ersehen könne!) »eindeutig« seien. Nur könne die kein Mensch lesen, geschweige denn verstehen.

Wenn ich Arminius' Beispiel »Lk 10, 25-37« (über das Sie hier eine durchaus nachdenkenswerte und gleichzeitig amüsant zu lesende Reflexion finden) hernehme, dann sehe ich hier eigentlich nicht großartig Raum für unterschiedliche Interpretationen: »Der, der barmherzig gehandelt hat«, ist m.E. recht eindeutig.

Und da Jesus mit dem Samaritaner bewußt einen »Nicht-Religionsfreund« als den (handelnden) Nächsten erwähnt, beantworten sich auch Ihre Fragan, wer der Nächste eines jüdischen oder mohammedanischen Mitbürgers wäre.

@Arminius:

So wenig, wie ich glaube, daß das AT »von Gott« inspiriert wurde (oder wenn, dann nur in dem Sinn, daß Menschen von ihrer mehr oder weniger unvollkommenen Gotteserkenntnis zur Verfassung der AT-Schriften angeregt wurden), so wenig glaube ich, daß der Koran »von Luzifer« ist (mal davon abgesehen, daß ich nicht glaube, daß es den gibt ...). Er ist eben das Produkt einer noch weitaus unschöneren Gottessicht, die in den Hirnen expansionshungriger Stammesführer eben ein demensprechendes Produkt fabrizierten.

Niemand erwartet aus der Feder Stalins oder Hitlers ein Werk à la »De Imitatione Christi« zu lesen — warum also aus dem Mund jüdischer Schriftgelehrter und Priester oder eines selbsternannten arabischen Stammespropheten das angeblich einzig wahre Wort Gottes?

Nescio hat gesagt…

Cher Penseur,genau darauf wolte ich auch hinaus. Den von Ihnen zitierte Link kannte ich noch nicht; er ist so gut, daß ich ihn hiermit nochmals wiederholen muß: http://www.dioezese-linz.at/redsys/data/bibelwerk/gleichnis_vom_barmherzigen_samariter.pdf

Der jüdische und mohammedanische Mitbürger konzentrieren ihre Nächstenliebe auf die Angehörigen der jeweils eigenen Religionsgemeinschaft. Was ja auch ganz natürlich ist.

Nur die Christen glauben ihre Nächstenliebe auf alle Menschen dieser Erde verteilen zu müssen. Was natürlich von Glaubensfremden weidlichst ausgenützt wird und im Endeffekt eine extreme Vergeudung von Ressourcen ist.

Das ist einer der vielen Gründe für die Überlegenheit des Judentums und Islams gegenüber dem Christentum.

Le Penseur hat gesagt…

@Nescio:

Nur die Christen glauben ihre Nächstenliebe auf alle Menschen dieser Erde verteilen zu müssen. Was natürlich von Glaubensfremden weidlichst ausgenützt wird und im Endeffekt eine extreme Vergeudung von Ressourcen ist.

Das ist zwar vom Befund her nicht ganz unrichtig, aber doch nur die halbe Wahrheit. Denn natürlich gibt es im Christentum auch eine Hierarchie der Nächstenliebe. Ich muß bspw. meine Familie nicht hungern lassen, um statt dessen mir unbekannte Slumbewohner in Kalkutta zu unterstützen. Die »Fernstenliebe« ist ein Charakteristikum eines säkularisierten Post-Christentums, das zwar christliche Aspekte fortführt, aber (wie in solchen Fällen zumeist) mißdeutet.

Das ist einer der vielen Gründe für die Überlegenheit des Judentums und Islams gegenüber dem Christentum.

Nun, das ist wohl eine Frage, wie man »Überlegenheit« definiert. In diesem Ihrem Sinne wäre auch ein Mafiaboß, der auf seinen Clan schaut, einem Albert Schweitzer, der sich im irgendwelche Kongoneger kümmert, »überlegen« ...

Nescio hat gesagt…

Gute Frage: Wie definieren wir "Überlegenheit"?

Für mich ist eine Gruppe von Menschen überlegen, die

1. sich biologisch stärker vermehrt als andere Gruppen und sich räumlich ausbreitet, auf Kosten der anderen

2. ihre eigene Kultur/Religion räumlich ausbreitet, und dabei andere Kulturen verdrängt, schädigt oder vernichtet

3. über andere Gruppen dominiert, ihnen ihren Willen aufzwingt, von diesen Tributzahlungen kassiert, ihnen ohne gleichwertige Gegenleistung Ressourcen oder Rohstoffe wegnimmt, sie steuert und lenkt, egal ob diese Herrschaft ganz offen oder verdeckt/indirekt ausgeübt wird.

Der Punkt 3 ist bei OFFENER Herrschaft klar, zB als im 18. oder 19. Jhdt. europäische Mächte Kolonien in Afrika oder Asien eroberten und diese ausplünderten, wobei die „Ureinwohner“ weitgehend rechtlos waren.

Eine VERDECKTE Herrschaft ist hingegen schwerer zu erkennen. Tributzahlungen sind ein deutliches Zeichen. Oder wenn Riesensummen Geld „verschwinden“ und niemand nach dem Verbleib zu fragen wagt (BAWAG-Skandal)

Aber da Forscher in Sachen 3. suizid- und unfallgefährdet sind, werde ich hier nichts weiter dazu ausführen, sondern konzentriere ich mich lieber auf das Offensichtliche:
Die Punkte 1 und 2.

Le Penseur hat gesagt…

@Nescio:

Nach Ihrer Definition sind die Moslems, die Mafiosi, die Kommunisten und die Nazis mithin die überlegensten Gruppen. Wer Überlegenheit so definiert, sollte sich allerdings rechtzeitig auf die Seite der solcherart Überlegenen schlagen. Mafiosi werden Sie nicht nehmen (falsche Herkunft, sorry!), Nazis und Kummerln sind faktisch ausgestorben (trotz »Überlegenheit«) — bleiben also nur mehr die Museln ... na dann!

Happy Circumcising! Alkohol oder Schweinsbraten spielt's für Sie halt nimmer (wenigstens nicht öffentlich). Dafür dürfen Sie Ihre Frauen schlagen, wenn sie ungehorsam sind.

Na, wenn Sie das befriedigt ...

Nescio hat gesagt…

Ein kurzdauernder Höhenflug mit jähem Absturz wie bei den Nazis ist keine Überlegenheit.

Überlegenheit ist etwas, was doch wenigstens ein paar Jahrzehnte anhält.

Der Islam befriedigt mich nicht. Im Gegenteil. Genitalbeschneidung, Schächten, kein Schweinsbratl mehr... aber wir müssen uns auf die Zukunft vorbereiten.