Mittwoch, 19. März 2014

Am Golde hängt, zum Golde drängt ...

Ukrainische Goldreserven sollen in die USA transportiert worden sein 

13. März 2014 - 12:35

Laut einem Bericht der russischen Zeitung Iskra sollen angeblich der gesamten ukrainische Goldreserven in Richtung USA transferiert worden sein. Die Operation soll am vergangenen Freitag auf dem Flughafen Borispol (bei Kiew) stattgefunden haben. Mehrere Fahrzeuge, so heißt es, sollen um 2 Uhr nachts insgesamt 40 Tonnen Gold auf das Flugfeld transportiert haben. Der Transport wurde offenbar von schwerbewaffneten Angehörigen einer „Privatarmee“ begleitet.

Von Borispol soll der Transport des ukrainischen Goldschatzes, verpackt in 40 Kisten, in die USA durchgeführt worden sein. Alarmierten Flughafenbediensteten soll von der Geschäftsführung aufgetragen worden sein, sich nicht „einzumischen“. Der Abflug der Transportmaschine erfolgte von einer abseits gelegenen Notlandebahn.
 ... weiß Unzensuriert.at zu berichten. Nun, wer hätte sowas bloß gedacht ...


Dienstag, 18. März 2014

»Frente Bla«

Lesenswerter Artikel in der »Anmerkung« über Deutschlands Außenminister und seine durchaus verhaltensoriginellen Auslassungen zu Rußland, Krim & Co. ...

Montag, 17. März 2014

Cold War? HOT war!



Nun, da bleibt vermutlich die eine oder andere Laberspalte doch glatt vor Schreck offen stehen (wenn genug Hirn in der Schale ist, um es zu begreifen) — oder wie es ein YouTube-Kommentarposter ausdrückt:
The United States is playing checkers while the Russians are playing chess. Shouldn't have funded the opposing forces in the Ukraine. Blow back is a bitch. Avoid foreign entanglements. What is so hard about that concept and our government?
Touché. Und was hier steht, sorgt auch nicht gerade für Beruhigung. Und dann ist auf »DailyPaul« bezüglich des obigen Video die nicht eben aufbauende Bemerkung zu lesen:
Well Today starts it.
Ron Paul sees the sanctions as an act of war, I think most of us in the 'tireless minority' of the DP agree.
Neocons, McCain, Rand, Obama see Russia simply as an invading, beligerent 'Gas station, masquerading as a Country'. Hubris.
One minute everybody is cheering Russia because 'what they are doing is lawful and what the west is doing is illegal'.
But now, (starting today) the S might really HTF.
If our government messed up, our way of life starts changing drastically.
The economy has been on the cliffedge for a long time now and we let it happen.
Now (as a Country) we swallow the pill and take it like a man.
We KNEW it was going to happen sooner or later.
You know this. I know this. It's not Putin who caused this.
We systematically helped overthrow an elected government, and we are now threatening and sanctioning Russia.
Russia will do what it needs to do to survive... just like any other country.
If it gets hot, it gets worse.. a lot worse.
535 have defeated 300 million for 30 pieces of Silver.
There is no 'Praetorian Guard' in the Capitol to stop the insanity.
They gamble with our lives.
With our lives, too ...

Zur Kenntlichkeit entstellt ist die Fratze

... des »demokratischen Westens«. Wenn ein autonomes Land mit überwältigender Mehrheit nicht mehr nach der Pfeife einer Zentralregierung tanzen will, sondern einen anderen Weg zu gehen beschließt, dann wird dieses Ergebnis von den USA und der EU einfach »nicht anerkannt«.

Es ist immer dieselbe Masche: den Kataloniern, Flamen und Schotten wird unverhohlen gedroht, sich bloß nicht von ihren »Mutterländern« unabhängig zu machen. Den Schweizern wird gedroht, ihre immer bestehenden Unabhängigkeit von der EU bloß nicht anzuwenden, sondern gefälligst in Devotionsbücke alles, was aus Brüssel kommt, als Orakel der Weisheit anzusehen und unbesehen zu übernehmen. Wer sich den geostrategischen Interessen der East-Coast widersetzt, wurde und wird weggeputscht und weggebombt.

Nun, bei Rußland und seinem Präsidenten könnte sich die Kriegspartei in Washington allerdings ein wenig verschätzt haben. Denn im Gegensatz zur schwarzen Marionette im Weißen Haus ist der Präsident im Kreml durchaus Herr im eigenen Haus. Im Gegensatz zur Pseudo-Demokratie à la Washington und Brüssel, in der die Lobbyisten die Fäden ziehen, an denen die Minister und Abgeordneten hampeln, bestimmt Putin weitgehend selbst, welche Politik in seinem Land betrieben wird. Und hat dafür auch durch das klare Mehrheitsvotum seines Volkes die demokratische Legitimation. Und zwar eine deutlich bessere, als Backaroma, oder gar die Mafia von Brüssel ...

Nun ist also das Referendum auf der Krim vorbei. Bei einer Wahlbeteiligung von über 80% der Stimmberechtigten und über 93% Pro-Stimmen ist eines völlig klar: wenn demnach mehr als 75% aller (also auch der nicht gewählt habenden!) Wahlberechtigten für einen Beitritt zu Rußland stimmen, dann können maximal 25% dagegen gewesen sein. Sorry — was wäre daran »nicht anzuerkennen«? Sogar Päpste werden »bloß« mit Zweidrittel-Mehrheit gewählt — und schon dies gilt als so exorbitante Hürde, daß es jeden so gewählten automatisch mit denkbar großer Legitimation ausstattet.

Das Ergebnis macht außerdem eines klar: da der russische Bevölkerungsanteil auf der Krim nur ca. 60% ausmacht, müssen also auch jede Menge Nicht-Russen (nämlich rund die Hälfte derselben) für den Anschluß an Rußland gestimmt haben. Dies alles wohlgemerkt unter der — ohne Zweifel übertrieben skeptischen — Annahme, daß jeder Nichtwähler automatisch als Gegenstimme zu werten wäre! Wenn nun ein so eindeutiges Votum mit einer 3:1-Majorität einfach  »nicht anerkannt« wird, dann fragt man sich: warum kann — ja: darf! — man dann noch US-Präsidentenwahlen mit ihrem mehr als undurchsichtigen Wahlmänner-Verfahren anerkennen? Und wie erst die Mauschelei-Aktionen, mit denen EU-Kommissionen bestellt werden ...?

Die Lage ist jedenfalls hochbrisant: der Westen hat sich in seinem Bemühen, durch den Aufbau einer immer aggressiver akzentuierten Drohkulisse Rußland zur Unterwerfung zu zwingen, derartig ins Abseits manövriert, daß aus dieser selbstgebastelten Falle ein Entkommen fast unmöglich wird. Zu erwarten, daß Putin nach einem so klaren Votum der Krim feige die Türe weist, um keine Sanktionen zu riskieren, wäre so naiv, daß es schon fast wehtut! Was aber heißt es, wenn es jetzt tatsächlich zu Sanktionen käme? Nun — nichts weiter, als daß die Wahrscheinlichkeit, daß im Westen ein »Schwarzer Schwan« über die Börsenparkette zieht, sprunghaft ansteigen dürfte.

Denn im Klartext: geht der Westen unter dem Vorwand von Sanktionen daran, russische Investments in seinen Volkswirtschaften zu enteignen, dann wird die exakt gleiche Maßnahme auch von Rußland gegenüber westlichen Investments in Haus stehen. Und wenn der Westen aus Begeisterung, endlich Raketenbasen in Minuten-Flugdistanz Richtung Moskau aufstellen zu können, ein bankrottes Armenhaus wie die Ukraine wohlwollend aufnimmt, dann sind die Hilfspakete für Griechenland, Zypern und den restlichen ClubMed geradezu noch wohlfeile Vergnügungsreisen zu nennen. Und, nicht zu vergessen: die Ukraine ist ein gespaltenes Land, wie aus dieser Grafik der Wahlresultate 2010 evident wird:


Und: von welchem Geld will man diese westliche Kraftmeierei eigentlich bezahlen — wo doch jetzt schon die Staatshaushalte krachen wie die sprichwörtlichen Kaisersemmeln? Oder spekuliert man auf einen Weltkrieg (denn darunter hat's keinen Sinn!), in dessen Orkus die Staatsschulden des Westens verschlungen werden, wie seinerzeit die Österreichisch-Ungarischen Kriegsanleihen? Da sollte sich freilich der »demokratische Westen« aber besser nicht verspekulieren! Denn wegen eines »pöhsen Purschen« Putin wird hierzulande keiner in den Krieg ziehen wollen — und erst recht keiner seine Ersparnisse in Kriegsanleihen investieren. Da müßte man schon durch Zwangsanleihen »nachhelfen« ...

Nun, natürlich können sich unsere »demokratischen« Regime das Geld auch anders beschaffen: durch drstisches Anziehen der Steuerschraube (mit Schauprozessen gegen alle, die dem Steuerdruck entkommen wollen), und durch hemmungslose Inflationierung. Und etwaige Proteste durch Zensur abwürgen, bzw. durch Schaffung von Meinungsdelikten kriminalisieren. Natürlich können sie das — und fangen ja bereits damit an.

Nur sollen sie uns dann, bitteschön, mit dem Schmus verschonen, mit einem Krieg gegen Rußland »die Demokratie« retten zu wollen. So viel dreiste Verarschung wäre nämlich seit den Schalmeienklängen der Stalin'schen Verfassung der UdSSR nicht mehr zu vernehmen gewesen ...

Sonntag, 16. März 2014

Mises-Lektüre VIII: „antikommunistische Liberale“

Es gibt heute eine unechte antikommunistische Front. Was diese Leute, die sich selbst „antikommunistische Liberale“ nennen, und die von besonnenen Männern richtiger „Anti-Antikommunisten“ genannt werden, erstre-ben, ist Kommunismus ohne diejenigen immanenten und nicht wegzudenkenden Züge des Kommunismus, die für Amerikaner immer noch unschmackhaft sind. Sie machen eine illusorische Unterscheidung zwischen Kommunismus und Sozialismus und suchen – so paradox es sein mag – eine Unterstützung für ihre Empfehlungen des nichtkommunistischen Sozialismus in dem Dokument, das seine Verfasser „Das Kommunistische Manifest“ nannten. Sie glauben, daß sie ihre Sache bewiesen haben, wenn sie für den Sozialismus solche angenommenen Namen wie „Planung“ oder „Wohl-fahrtsstaat“ benutzen. Sie geben vor, die revolutionären und diktatorischen Aspirationen der „Roten“ zurückzuweisen, preisen aber gleichzeitig in Büchern und Magazinen, in Schulen und Universitäten Karl Marx, den Verteidiger der kommunistischen Revolution und der Diktatur des Proletariats, als einen der größten Nationalökonomen, Philosophen und Soziologen und als einen eminenten Wohltäter und Befreier der Menschheit. Sie wollen uns glauben machen, daß der untotalitäre Totalitarismus, eine Art von dreieckigem Viereck, die Wundermedizin für alle Krankheiten sei. Wann immer sie einen mäßigen Einwand gegen den Kommunismus erheben, sind sie nur zu eifrig bemüht, den Kapitalismus mit Worten zu beschimpfen, die sie dem Schimpf-Vokabular von Marx und Lenin entnommen haben. Sie betonen, daß sie den Kapitalismus leidenschaftlicher verabscheuen als den Kommunismus, und sie verteidigen alle ekelhaften Taten der Kommunisten, indem sie auf die „unaussprechlichen Greuel“ des Kapitalismus hin-weisen. Kurz gesagt: Sie geben vor, den Kommunismus zu bekämpfen, wenn sie versuchen, Menschen zu den Ideen des Kommunistischen Manifestes zu bekehren.
Was diese ihrer eigenen Bezeichnung nach „anti-kommunistischen Liberalen“ bekämpfen, ist nicht der Kommunismus als solcher, sondern ein kommunistisches System, in welchem sie selbst nicht am Steuer sitzen. Was sie erstreben ist ein sozialistisches, das heißt kommunistisches System, in welchem sie selbst oder ihre intimsten Freunde die Zügel der Regierung in der Hand halten. Es würde vielleicht zu weit gehen zu sagen, daß sie darauf brennen, andere Leute zu liquidieren. Sie wollen einfach nicht selbst liquidiert werden. In einem sozialistischen Gemeinwesen haben nur der höchste Autokrat und seine unmittelbaren Helfer diese Sich-erheit.
Eine „anti-etwas“"-Bewegung weist eine rein nega-tive Haltung auf. Sie hat nicht die geringsten Aussichten, Erfolg zu haben. Ihre leidenschaftlichen Schmähschriften preisen praktisch das Programm an, das sie angreifen. Die Menschen müssen für etwas kämpfen, das sie zu er-reichen wünschen, nicht einfach ein Übel verwerfen, wie schlecht es auch sein mag. Sie müssen ohne Vorbehalt das Programm der Marktwirtschaft gutheißen.
Infolge der Enttäuschung, die die Maßnahmen der Sowjets und das traurige Versagen aller sozialistischen Experimente hervorgerufen haben, würde der Kommunismus heutzutage kaum Chancen haben, im Westen erfolgreich zu sein, wenn es diesen betrügerischen Antikommunismus nicht gäbe.
(Ludwig von Mises: Die Wurzeln des Antikapitalismus, pp. 123 ff.)

Samstag, 15. März 2014

Klartext zu Ukraine und Rußland

... wird auf Bankhaus Rott & Mayer geredet. Von Folker Hellmeyer, genauer gesagt. Der mit der irritierten Feststellung beginnt:
Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Verbalakrobatik in dem Disput West gegen Ost von westlicher Seite martialischer wird. Wir nehmen zur Kenntnis, dass Sanktionsautomatismen seitens der EU und den USA etabliert werden...
Wir sind äußerst irritiert, dass Israel so still ist, da sowohl die EU als auch die USA ein Regime mit ausgewiesenen Rechtsradikalen und Antisemiten unterstützen. Nach meinem Kenntnis- stand ist eine derartige Reaktion Israels historisch einmalig. Diese Tatsache unterstreicht unter anderem, dass es nicht um die Sache geht, sondern dass geostrategische Ziele verfolgt werden. Dann ist eben auch Israel still …
(Hier weiterlesen)
Seit Monaten wird die Buchhandlungen mit mehr oder weniger gelungenen Analysen, wie um Himmels willen der Wahnsinn des Ersten Weltkrieges von den damaligen Politikern begonnen werden konnte — und heute sehen wir haargenau dieselben Mechanismen am Werk: nur mit dem kleinen Schönheitsfehler, daß die beteiligten Mächte nicht mehr auf Eisenbahnen und Doppeldecker angewiesen sind, und Dreadnoughts und weitschießende Kanonen, die einstmals das »höchste der Gefühle« für kriegsbegeisterte Soldatenherzen darstellten, wohl weitaus ungefährlicher waren, als strategische Atomwaffen heutzutage.

Und im Unterschied zu heute waren damals die kriegsführenden Mächte zum größten Teil finanziell und wirtschaftlich hochsolide. Heute zettelt eine banktrotte Weltmacht einen Wahnwitzkrieg nach dem anderen an, um von ihrer Pleite abzulenken ...

Die Jahre in der ersten zwei Dekaden eines Jahrhunderts sind — aus welchen Gründen immer — schon seit langem für gemeingefährliche Kriegsereignisse berüchtigt! 1618 begann der Dreißigjährige Krieg, in den Jahren 1701-14 tobte der Spanische Erbfolgekrieg, zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzt Napoleon einen ganzen Kontinent in Flammen, 1914 schließlich begann der erste Weltkrieg.

Man muß kein Pessimist sein, sondern ist wohl eher ein Realist, wenn man argwöhnt, daß die heutige Kampfrhetorik der NATO-Staaten wohl nicht nur Wortmeierei sein will, sondern der Versuch, durch ein »Stahlbad« die sichtlich wankende Herrschaft der USA und ihres East-Coast-Establishments zu erneuern.

Es wird ihnen nicht gelingen, das kann ohne große Gefahr der Widerlegung schon jetzt vorhergesagt werden — denn derlei ist nie gelungen! Nicht den Mächten der Gegenreformation und ebensowenig den Protestanten, die endlich ihre Pferde im Petersdom einstellen wollten. Nicht den Habsburgern, die Frankreich umzingeln und zerquetschen wollten, ebensowenig wie Ludwig XIV., der damals Europa von Westen her aufrollen wollte. Nicht Napoleon, und nicht vor hundert Jahren den Plutokraten Englands und ihren Kolonisten und Ex-Kolonisten in aller Welt. Jeder dieser Kriege endete in der endgültigen Zerstörung eines politischen Systems, das sich davon eigentlich nie wieder erholte.

Jetzt will also die USA wissen, ob diese Vorbilder bloße Zufälle waren, oder ob hier ein historisches Gesetz waltet. Nun, wir (und sie) werden es früher wissen, als uns allen lieb sein kann ..

Freitag, 14. März 2014

Jüngste Urteile

... deutscher Gerichte lassen »interessante« Wertungsdivergenzen der bundesrepublikanischen Rechts- (?) und Gesellschaftsordnung zutage treten.

Hoeneß zu 3,5 Jahren Haft verurteilt 

Uli Hoeneß, (immer noch) Präsident des FC Bayern München, wurde heute zu 3,5 Jahren Haft für Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro verurteilt. Wenn man nur die hinterzogene Summe betrachtet, erscheint das Urteil eher milde. Seine Selbstanzeige war nicht vollständig (und vielleicht auch zu spät) und damit nicht strafbefreiend. Die Rechtslage ist klar (im Gegensatz zur kompletten Sachlage) und die angekündigte Revision dürfte erfolglos bleiben.

Trotzdem bleibt die politisch-moralische Frage, ob tatsächlich alle Steuergesetze gleichermaßen gerechtfertigt sind und damit auch Vergehen dagegen dasselbe moralische Gewicht haben. Komplexe Geschäfte im Ausland wie im Fall von Herrn Hoeneß würden z. B. in anderen Ländern ganz anders oder auch gar nicht besteuert. Beim Abschluss des geplanten Steuerabkommens mit der Schweiz wäre die Rechtslage selbst in Deutschland eine andere.
... gibt Prof. Dilger in seinem Blog völlig zutreffend (und m.E. noch viel zu milde formuliert!) zu bedenken. Das Urteil wurde seines der Systemmedien einhellig bejubelt: endlich würden auch die großen Schweine geschlachtet, und so halt ... 

Ein anderes Urteil hingegen erging vor wenigen Tagen nahezu unter Ausschluß der systemmedialen Öffentlichkeit: in Verden wurde der Kültürbereicherer, der in Kirchweyhe unter reger Beteiligung eines von ihm per Handy herbeigerufenen Mobs einen jungen Mann von hinten angesprungen und bestialisch zu Tode getrampelt hat, bis diesem der Schädel zersprang, im »Jugendstrafverfahren« — der jugendliche Täter war im Tatzeitpunkt ja gerade mal erst schlappe 20 Jahre alt ... — wegen bloßer  »Körperverletzung mit Todesfolge« zu 5 Jahren und neun Monaten Strafe verurteilt. 

Das Jugendstrafverfahren und der Umstand, daß das Gericht die verbürgte Aussage des Täters bei Ankündigung seiner Tat (»Einer wird diese Nacht nicht überleben« — womit die Vorsätzlichkeit der Tötungshandlung unter Beweis gestellt wäre), das heimtückische Anspringen von hinten (was auch die für einen Mord nötige Heimtücke darstellt) nonchalant unter den Teppich zu kehren beschloß, führen dazu, daß so ein heimtückischer Mörder dank Muselbonus für eine bestialische Abschlachtung eines völlig Unschuldigen nur wenig länger im Gefängnis sitzen wird als ein Steuerhinterzieher, dessen größtes Vergehen darin besteht, die komplexen Fußangeln des deutschen Steuerrechts nicht mit der fachlichen Brillanz eines Experten für internationales Steuerrecht zu überblicken, und daher weniger Abgaben an unsere Systemkleptokraten (unter rollstuhlgelenkter Führung eines geldkoffertragenden Partei-Korruptionisten) abzudrücken, als den Finanzbehörden lieb wäre.

Ein Sittenbild aus Deutschland, wie es milieugetreuer nicht ausfallen hätte können ...

Donnerstag, 13. März 2014

»Dem Mutigen hilft Gott!«

... meint Kollege Geistbraus in einem für Berufsjansenisten selbstmurmelnd unfastenmäßig süffigen Artikel. Dennoch: Leseempfehlung! Auch wenn Marx (egal welcher), für mich ein Brechmittel ist. Manch tiefe Wahrheit erhellt sich eben am besten an einem unzulänglichen Objekt ...

»Wollt ihr die totale Pleite?« — »Jaaa!«

»Wollt ihr sie, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir sie uns nach Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Zypern überhaupt vorstellen können?« — »Jaaaa!«

EU drückt aufs Tempo: Abkommen mit Kiew nächste Woche

Der erste Teil des Assoziierungsabkommens der Europäischen Union mit der Ukraine soll schon kommende Woche unterzeichnet werden. Dies kündigten der polnische Ministerpräsident Donald Tusk und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Treffen am Mittwoch in Warschau an. „Wir sind beide der Auffassung, dass es gut und nützlich wäre, wenn möglichst zügig ein Assoziierungsabkommen unterzeichnet werden könnte", sagte Tusk.
... begeistert sich »Die Presse«. Irgendwie ist das alles nach der Hypo-Pleite eigentlich ja auch schon egal. Also die Ukraine jetzt gleich — und warum nicht gleich im Doppelpack mit den Türken? Na, dann ...

Mittwoch, 12. März 2014

Mises-Lektüre VII: Klassengesellschaft und Kapitalismus

Es ist durchaus üblich, die Unternehmer und Kapitalisten der Marktwirtschaft mit den Aristokraten einer Klassen-Gesellschaft zu vergleichen. Die Basis dieses Vergleichs liegt in dem relativen Reichtum beider Gruppen, verglichen mit der verhältnismäßig beschränkten wirtschaftlichen Lage ihrer übrigen Mitmenschen. Wenn man jedoch auf diesen Vergleich zurückgreift, so versäumt man, sich den grund-legenden Unterschied zwischen dem aristokratischen und dem „bürgerlichen“ oder kapitalistischen Reichtum zu vergegenwärtigen.
Der Reichtum eines Aristokraten ist nicht das Phänomen einer Marktwirtschaft; er nimmt seinen Ursprung nicht aus der Versorgung der Verbraucher und kann nicht durch irgendwelche Handlungen von seiten der Allgemeinheit beeinflußt – geschweige denn entzogen – werden. Er rührt von Er- oberungen her oder von Schenkungen von seiten eines Eroberers. Er kann wieder entzogen werden durch einen Widerruf von seiten des Gebers oder durch gewaltsame Austreibung durch einen anderen Eroberer, oder er kann durch Extravaganzen verschwendet werden. Der Lehnsherr dient nicht den Konsumenten und ist gegen die Mißbilligung der Bevölkerung immun.
Die Unternehmer und Kapitalisten dagegen verdanken ihren Reichtum den Leuten, die die von ihnen produzierten Waren kaufen. Sie verlieren ihn zwangsläufig, sobald andere Unternehmer an ihre Stelle treten, die die Verbraucher besser und billiger versorgen.
Es ist nicht die Aufgabe dieser Abhandlung, die historischen Bedingungen zu beschreiben, die für die Entstehung der Institution der Kasten und Stände, der Gliederung der Menschen in erbliche Gruppen von verschiedenem Rang, Rechten, Ansprüchen und rechtlich gebilligten Privilegien oder Benachteili-gungen verantwortlich sind. Was für uns von alleiniger Bedeutung ist, ist die Tatsache, daß die Erhaltung dieser Lehnseinrichtungen mit dem kapitalistischen System unvereinbar war. Ihre Abschaffung und die Errichtung des Prinzips der Gleichheit vor dem Recht hat die Schranken beseitigt, die die Menschheit daran hinderten, alle Vorzüge, die das System des privaten Eigentums der Produktionsmittel und des Privatunternehmens ermöglicht, zu genießen.
In einer Gesellschaft, die auf Stand oder Kaste begründet ist, ist die Lebensposition eines Individuums festgelegt. Der Mensch ist in einen bestimmten Lebenskreis hineingeboren, und seine Stellung in der Gesellschaft ist streng festgelegt durch die Gesetze und Gewohnheiten, die jedem Mitglied seines Standes bestimmte Privilegien und Pflichten oder bestimmte Benachteiligungen zuweisen. Außer-gewöhnliches Glück oder Pech können in einigen seltenen Fällen ein Individuum in einen höheren Stand erheben oder zu einem niedrigeren Stand reduzieren. Jedoch können sich in der Regel die Lebensbedingungen der einzelnen Mitglieder einer bestimmten Kaste nur dann verbessern oder verschlechtern, wenn sich die Lebensbedingungen der gesamten Kaste ändern. Das Individuum ist in erster Linie nicht der Bürger einer Nation; jeder Mensch ist das Mitglied eines Standes und gehört nur als solcher indirekt der Gesamtheit der Nation an. Kommt er mit einem Landsmann zusammen, der zu einer anderen Klasse gehört, so fühlt er keine Gemeinschaft. Er empfindet nur die Kluft, die ihn von dem Stand des anderen Menschen trennt. Diese Verschiedenheit spiegelt sich in Sprach- wie auch in Kleidungsgewohnheiten. Während des „ancien regime“ sprachen die europäischen Aristokraten vorzugsweise Französisch, der dritte Stand bediente sich der Landessprache, während die niedrigeren Klassen der Stadtbevölkerung und die Bauern an dem örtlichen Dialekt, an ihren Redensarten und am „slang“ festhielten, die für die Gebildeten oft unverständlich waren. Die verschiedenen Klassen kleideten sich auf verschiedene Art. Niemand konnte verfehlen, den Rang eines Fremden zu erkennen, der ihm zufällig begegnete.
Die Hauptkritik der Verteidiger der „guten alten Zeit“, die sich gegen das Prinzip der Gleichheit vor dem Recht richtet, besteht darin, daß es die Privilegien der Ränge und der höheren Stände beseitigt hat. Es hat, so sagt man, die Gesellschaft „atomisert“ und die „organische“ Unterteilung in „unge-formte“ Massen aufgelöst. Die „zu Vielen“ nehmen nur eine Vorzugsstellung ein, und ihr niedriger Materialismus hat die edlen Maßstäbe vergangener Zeiten verdrängt. König ist das Geld. Vollständig wertlose Menschen genießen Reichtum und Fülle, während verdienstvolle und wertvolle Menschen leer ausgehen.
Diese Kritik setzt stillschweigend voraus, daß die Aristokraten während des „ancien regime“ sich durch ihre Tugenden auszeichneten und daß sie ihren Rang und ihr Einkommen ihrer sittlichen und kulturellen Überlegenheit verdankten. Es ist kaum notwendig, diese Fabel zurückzuweisen. Ohne ein Werturteil zu fällen, müssen Historiker betonen, daß die Hocharistokratie der wichtigsten europä-ischen Länder von jenen Soldaten, Höflingen und Kurtisanen abstammt, die in den religiösen und konstitutionellen Kämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts geschickt die Seite der Partei ergriffen, die schließlich in dem betreffenden Lande siegte.
Während die Konservativen und die „progressiven“ Gegner des Kapitalismus in der Beurteilung der alten Wertmaßstäbe nicht übereinstimmen, so sind sie doch vollkommen einig in der Verdammung der Wertmaßstäbe der kapitalistischen Gesellschaft. Ihrer Ansicht nach wird der Reichtum und das Prestige nicht von jenen erworben, die es verdienen, sondern von nichtigen und wertlosen Menschen. Beide Gruppen geben vor, die augenscheinlich ungerechten Verteilungsmethoden, wie sie in dem laissez faire-Kapitalismus vorherrschen, durch gerechtere Methoden ersetzen zu wollen.

(Ludwig von Mises, Die Wurzeln des Antikapitalismus, pp. 13-16)

Dienstag, 11. März 2014

Heute hat sich die Angst der europäischen Bürokratie

vor dem Wettbewerb in einem Wettbewerbskommissar materia-lisiert, der mit Wettbewerb so viel am Hut hat wie der Orwell’sche Wahrheitsminister mit der Wahrheit.
Eine treffliche Malice, in einem lesenswerten Artikel von Vera Lengsfeld gefunden. Chapeau, Madame!

Montag, 10. März 2014

Mises-Lektüre VI: Die Sozialphilosophie des Kleinen Mannes

In den ersten Jahrzehnten des neunzehnten Jahrhunderts gab es viele Menschen, die ihre eigene Unkenntnis dieser Probleme [Anm.: gemeint sind damit Probleme der Nationalökonomie] als einen ernsten Mangel ansahen und darum bemüht waren, dem abzuhelfen. In den Jahren zwischen Waterloo und Sebastopol gab es keine Bücher in Großbritannien, die eifriger gelesen wurden als volkswirtschaftliche Abhandlungen. Doch ließ diese Mode bald nach. Das Thema war dem gewöhnlichen Leser nicht mundgerecht. Die Volkswirtschaftslehre unterscheidet sich so sehr von den Naturwissenschaften und der Technologie einerseits und von der Geschichte und der Rechtskunde andererseits, daß sie dem Anfänger fremd und reizlos erscheint. Die Besonderheit ihrer Forschungs-methode wird von denen, deren wissenschaftliche Arbeit sich in Laboratorien oder in Archiven und Bibliotheken vollzieht, mit Mißtrauen betrachtet. Die Besonderheit ihrer Methode erscheint den beschränkten Fanatikern des Positivismus unsinnig. Die Leser möchten in einem volkswirtschaftlichen Lehrbuch genau die Lehre finden, die in ihre vorgefaßte Auffassung dessen, was Volkswirtschaftslehre sein sollte, hineinpaßt – nämlich eine Disziplin, die der logischen Struktur der Physik und der Biologie entspricht. Die Leser sind verwirrt und geben es auf, sich ernsthaft mit Problemen zu befassen, deren Analyse eine ungewohnte geistige Anstrengung erfordert.
Das Resultat dieser Unwissenheit ist, daß man alle Verbesserungen der wirtschaftlichen Bedingungen dem Fortschritt der Naturwissenschaften und der Technologie zuschreibt. Es wird angenommen, daß im Laufe der Menschheitsgeschichte eine automatische Tendenz zum progressiven Fortschritt der experimentellen Naturwissenschaften und deren Anwendung auf die Lösung technologischer Probleme herrscht. Diese Tendenz sei unwiderstehlich, sie liege im Wesen des menschlichen Schicksals und übe ihre Wirkung ungeachtet der politischen und wirtschaftlichen Organisation der Gesellschaft aus. Der Mensch ist der Meinung, daß der beispiellose technologische Fortschritt der letzten zweihundert Jahre durch die Wirtschaftspolitik dieser Zeit weder bedingt war noch gefördert wurde. Er sei nicht die Errungenschaft des klassischen Liberalismus, des freien Handels, des Laissez-faire oder des Kapitalismus. Er werde deshalb unter jedem System der wirtschaftlichen Organisation der Gesellschaft vor sich gehen.
Die Lehre von Marx fand deshalb Beifall, weil sie diese populäre Interpretation der Geschehnisse einfach adoptierte und in einen pseudo-philosophischen Schleier hüllte, wodurch sie sowohl den Hegelianischen Spiritualismus wie auch den groben Materialismus befriedigte. In dem Schema von Marx sind „die materiellen produktiven Kräfte“ ein übermenschliches Wesen, das weder vom Willen noch vom Tun des Menschen abhängt. Sie gehen ihren eigenen Weg, der ihnen durch unerforschliche und unabänderliche Gesetze einer höheren Macht vorgeschrieben ist. Sie verändern sich auf geheim-nisvolle Weise und zwingen die Menschheit, ihre sozialen Organisationen diesen Veränderungen anzupassen; denn die materiellen produktiven Kräfte suchen nur eines zu vermeiden: die Fesselung durch die soziale Organisation der Menschheit. Den wesentlichen Inhalt der Geschichte bildet der Kampf der materiellen produktiven Kräfte um die Befreiung von den sozialen Ketten, durch die sie gefesselt sind.
Es gab einmal eine Zeit, lehrt Marx, in der die materiellen produktiven Kräfte in der Form des Handwerks verkörpert waren, und zu dieser Zeit ordneten sie die menschlichen Angelegenheiten nach dem feudalen Muster. Als in späteren Zeiten die unergründlichen Gesetze, die die Entwicklung der materiellen produktiven Kräfte bestimmen, das Handwerk durch die Maschine ersetzten, mußte der Feudalismus dem Kapitalismus weichen. Seitdem, so lehrt Marx weiter, haben sich die materiellen produktiven Kräfte weiterentwickelt, und ihre gegenwärtige Form verlangt notwendigerweise die Ersetzung des Kapitalismus durch den Sozialismus. Diejenigen, die versuchen, die sozialistische Revolution aufzuhalten, geben sich nach Marx einer hoffnungslosen Aufgabe hin. Es sei unmöglich, gegen den Strom des geschichtlichen Fortschritts anzukämpfen.
Die Ideen der sogenannten Linksparteien unterscheiden sich voneinander in vielfacher Hinsicht. In einem Punkt stimmen sie aber überein. Sie alle betrachten die progressive materielle Verbesserung als einen selbständigen Vorgang. Amerikanische Gewerkschaftsmitglieder nehmen ihren Lebensstandard als etwas Selbstverständliches hin. Das Schicksal hat es bestimmt, daß der Arbeiter die Annehmlich-keiten genießen soll, die selbst den wohlhabendsten Leuten früherer Generationen versagt waren und die Nichtamerikanern noch immer versagt sind. Es fällt ihnen nicht ein, daß der „grobe Individua-lismus“ der großen Geschäftsunternehmen vielleicht eine gewisse Rolle in der Entstehung der so- genannten „amerikanischen Lebensweise“ gespielt hat. In ihren Augen repräsentiert das „Manage- ment“ die ungerechten Ansprüche der „Ausbeuter“, die beabsichtigen, sie ihres Geburtsrechts zu berauben.
(Ludwig von Mises: Die Wurzeln des Antikapitalismus, Frankfurt 158, 43-46)

Sonntag, 9. März 2014

Am 9. März 1879

... also heute vor 135 Jahren, wurde die Dichterin Agnes Miegel geboren. Kein wirklich »runder« Gedenktag, ich weiß, und die 50. Wiederkehr ihres Todestages wird mir später im Jahr Gelegenheit geben, mich mit der Dichterin nochmals und eingehender zu befassen.

Für heute nur soviel: der Artikel in der deutschen Wikipedia ist ein allerübelstes Machwerk und kann nur etwa so viel Berechtigung für sich beanspruchen, wie ein Artikel über, sagen wir, Willi Brand, der mehr als zur Hälfte bloß dessen Alkoholkonsum thematisierte. Und das wäre doch irgendwie nicht angemessen, findet selbst ein Brand-Kritiker wie ich ...

Der Pressesprecher der Anges-Miegel-Gesellschaft e.V. hat einen sehr detaillierten Text über die Halb- und Schiefheiten (bis hin zu blanken Lügen), die über die ostdeutsche Dichterin verbreitet werden, veröffentlicht. Doch, wie es bei Apologien eben so läuft — von Vorwürfen bleibt immer irgendetwas hängen.

Man mag über das politisches Gespür der Dichterin denken, wie man will — und vielleicht denkt man dann an einen Literaturnobelpreisträger wie Pablo Neruda, der pathetische Oden an Stalin dichtete —, aber der Befund, daß manche (sicher bei weitem nicht alle!) ihrer Gedichte bis heute Bestand haben können, ist kaum zu bezweifeln. Bestand haben könnten, muß man sofort korrigierend einschränken, denn dieses »Bestand haben« wird durchaus von politischen Motiven überlagert, und diese sind heute einer Agnes Miegel nicht eben positiv gesonnen.

Und so, wie in der Nazizeit Autoren wegen ihrer »Dekadenz« oder »Rassefremdheit« verfemt wurden, werden es heute eben andere — die ebensowenig durch ihr Verhalten oder ihr Werk persönliche Schuld auf sich geladen haben, wie jene damals. Es gibt eine CD, auf der die Dichterin aus ihrem Werk vorträgt, und daraus ist ein ergreifendes Gedicht auf YouTube zu hören: »Es war ein Land«. Es unvoreingenommen anzuhören, mag manche verzerrte Blickwinkel zu korrigieren.

Doch was soll das in einer Zeit, in der irgendwelche hirnamputierte Antifa-Schlampen in Dresden ein »Thank you Bomber Harris, do it again!« auf ihre nackten Möpse pinseln. Agnes Miegel hat es wohl nicht verdient, von solchen Menschen (Menschen?) gelesen zu werden ...

Samstag, 8. März 2014

Heute vor dreihundert Jahren

... wurde der vielleicht künstlerisch bedeutendste, sicher aber »eigenwilligste« unter den Bach-Söhnen geboren: Carl Philipp Emanuel Bach.


So, wie er zu Lebzeiten bald seinen Vater an Bekanntheit und Ruhm vielleicht nicht ganz gerechtfertigt weit überflügelte, stand er bis vor nicht allzu langer Zeit — wieder nicht ganz gerechtfertigt — allzu sehr im Schatten desselben. Langsam jedoch kommt der Waagebalken in eine zwar nicht ganz ausgeglichene (wie wäre dies im Vergleich mit dem großen Johann Sebastian Bach auch möglich!) Ruhe, und eine Wertschätzung der beiden doch so unterschiedlichen »Bäche« greift Platz.

Carl Philipp Emanuel Bach wird oft ebenso als »Berliner« wie als »Hamburger Bach« bezeichnet — nach den beiden Hauptstationen seines Wirkens. Der kleinwüchsige und doch künstlerisch so große Maler Adolph von Menzel stellte ihn 1852 in einem seiner wohl vollendetsten Meisterwerke »Das Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci« am Cembalo sitzend dar:


Durch Hofintriguen angeekelt verließ Carl Philipp Emanuel Bach nach 28 Jahren den ehrenvollen Dienst bei König Friedrich II, und ging als Nachfolger seines verstorbenen Paten Georg Philipp Telemann nach Hamburg als städtischer Musikdirektor und Kantor am Johanneum. Seiner dortigen Funktion entsprechend verlagerte sich der Schwerpunkt seiner kompositorischen Tätigkeit auf die Kirchenmusik, obwohl sein wohl großartigstes Werk auf diesem Gebiet, das »Magnificat«, das keinen Vergleich mit dem gleichnamigen Meisterwerk seines Vaters zu scheuen braucht, bereits 1749 in Berlin entstanden war.

Carl Philipp Emanuel Bach starb zu Hamburg am 14. Dezember 1788 hochverehrt und geschätzt.

Freitag, 7. März 2014

Mises-Lektüre V: Motive, die die Vorkämpfer kommunistischer Gesellschaftsordnung leiten.

Sie sind Sozialisten entweder, weil sie von der sozialistischen Gesellschaftsordnung eine höhere Ergiebigkeit der gesellschaftlichen Arbeit erwarten, oder weil sie die sozialistische Gesellschaftsordnung für gerechter halten. Während es aber für den reinen Marxismus keine Versöhnung mit dem ethischen Sozialismus geben kann, ist sein Verhältnis zum ökonomisch-rationalistischen Sozialismus ein anderes; man könnte die materialistische Geschichtsauffassung in dem Sinne verstehen, daß die Selbstbewegung des Wirtschaftlichen zur höchsten Wirtschaftlichkeit hinführt, die im Sozialismus gegeben erscheint. Der Mehrzahl der Marxisten liegt diese Auffassung freilich fern. Sie sind für den Sozialismus einmal, weil er ohnehin kommen muß, dann, weil er sittlich höher steht, und schließlich, weil er rationellere Wirtschaft bringt.

Die beiden Motive des nichtmarxistischen Sozialismus schließen einander aus. Wer für den Sozialismus eintritt, weil er von der sozialistischen Gesellschaftsordnung eine höhere Ergiebigkeit der gesellschaftlichen Arbeit erwartet, braucht seine Forderung nicht erst besonders auf eine höhere sittliche Wertung der sozialistischen Gesellschaftsordnung zu stützen. Tut er das doch, dann bleibt die .Frage offen, ob er für den Sozialismus auch dann einzutreten bereit wäre, wenn der Sozialismus in seinen Augen nicht die sittlich vollkommenere Gesellschaftsordnung wäre. Umgekehrt ist es klar, daß derjenige, der für sozialistische Gesellschaftsordnung aus ethischen Rücksichten eintreten will, dies auch dann tun müßte, wenn er der Überzeugung wäre, daß die auf dem Sondereigentum an den Produktionsmitteln beruhende Gesellschaftsordnung größere Ergiebigkeit der Arbeit gewährleistet.

Für die eudämonistisch-rationalistische Betrachtungsweise der gesellschaftlichen Erscheinungen ist schon die Problemstellung des ethischen Sozialismus unbefriedigend. Wenn man sich Ethik und „Wirtschaft“ nicht als zwei Objektivationssysteme denkt, die miteinander nichts zu tun haben, dann können ethische und wirtschaftliche Wertung und Beurteilung nicht als voneinander unabhängige Faktoren erscheinen. Alle ethische Zielsetzung ist nur ein Teil der menschlichen Zielsetzung überhaupt. Das soll sagen, daß sie auf der einen Seite dem allgemeinen menschlichen Streben nach Glückseligkeit gegenüber als Mittel erscheint, auf der anderen Seite aber von demselben Wertungsprozeß erfaßt wird, der alle Zwischenziele in einer einheitlichen Wertskala vereinigt und der Wichtigkeit nach abstuft. Die Vorstellung von ethischen absoluten Werten, die den wirtschaftlichen Werten entgegengestellt werden können, ist danach nicht aufrecht zu halten.

Mit dem ethischen Apriorismus und Intuitionismus gibt es freilich über diesen Punkt keine Auseinandersetzung. Wer das Sittliche als letzte Tatsache hinstellt und die wissenschaftliche Prüfung seiner Elemente durch den Hinweis auf einen transzendenten Ursprung abschneidet, mit dem kann man nie ins Reine kommen, wenn man auch das Gerechte in den Staub der wissenschaftlichen Analyse herabzieht. Gegenüber dem Befehle der Ethik des Pflichtgedankens und des Gewissens gibt es nur blinde Unterwerfung. Die aprioristische Ethik tritt mit ihren unbedingte Geltung beanspruchenden Normen von außen her an alle irdischen Verhältnisse heran, um sie unbekümmert um alle Folgen, in ihrem Sinne umzugestalten. „Fiat iustitia, pereat mundus“ ist ihre Devise, und es ist ehrliche Entrüstung, wenn sie sich über den ewig mißverstandenen Satz: „Der Zweck heiligt das Mittel“, empört.

Der isoliert gedachte Mensch setzt alle seine Ziele nach seinem eigenen Gesetz. Er sieht und kennt nichts anderes als sich und richtet sein Handeln danach ein. Der in Gesellschaft lebende Mensch muß in seinem Handeln aber stets zugleich darauf Bedacht nehmen, daß er in Gesellschaft lebt, und daß er in seinem Handeln notwendigerweise auch den Bestand und die Fortentwicklung der Gesellschaft bejahen muß. Aus dem Grundgesetz des gesellschaftlichen Zusammenlebens folgt, daß er dies nicht etwa tat, um Ziele, die außerhalb des Zwecksystems seiner eigenen Person liegen, zu erreichen. Indem er die gesellschaftlichen Zwecke zu seinen eigenen macht, ordnet er nicht seine Persönlichkeit und seine Wünsche einer anderen, über ihm stehenden höheren Persönlichkeit unter, verzichtet er nicht auf Erfüllung irgendwelcher eigener Wünsche zugunsten der Wünsche einer mystischen Allgemeinheit. Denn die gesellschaftlichen Ziele sind, vom Standpunkte seiner eigenen Wertung aus gesehen, nicht Endziele, sondern Zwischenziele in seiner eigenen Rangordnung der Ziele. Er muß die Gesellschaft bejahen, weil das gesellschaftliche Zusammenleben ihm selbst eine bessere Erfüllung seiner eigenen Wünsche gewährleistet. Würde er sie verneinen, so würde er sich nur vorübergehende Vorteile schaffen können, in letzter Linie würde er durch die Zerstörung des gesellschaftlichen Körpers auch sich selbst treffen.

Der Dualismus der Motivation, den die Mehrzahl der ethischen Theorien annimmt, wenn sie zwischen egoistischen und altruistischen Beweggründen des Handelnden unterscheidet, ist nicht aufrecht zu halten. Die Gegenüberstellung von egoistischem und altruistischem Handeln entspringt einer Auffassung, die das Wesen der gesellschaftlichen Verknüpfung zwischen den Individuen verkennt. Es ist - wenn man will, mag man sagen: glücklicherweise - nicht so, daß ich die Wahl habe, durch mein Tun und Lassen entweder mir oder meinen Mitmenschen zu dienen. Wäre dem so, dann wäre menschliche Gesellschaft nicht möglich. Die Grundtatsache des Gesellschaftslebens, die auf der Wirkung der Arbeitsteilung beruhende Interessenharmonie der Menschen macht, daß zwischen Handeln zu meinen Gunsten und Handeln zugunsten der anderen in letzter Linie kein Gegensatz besteht, so daß die Interessen der Einzelnen endlich zusammenfließen. Daher denn auch jener berühmte wissenschaftliche Streit über die Möglichkeit, die altruistischen Motive des Handelns aus den egoistischen abzuleiten, als abgetan gelten kann.

Zwischen Pflicht und Interesse gibt es keinen Gegensatz. Was der Einzelne der Gesellschaft gibt, um sie als Gesellschaft zu erhalten, gibt er nicht um fremder Ziele willen, sondern um der eigenen. Der Einzelne, der nicht nur als denkendes, wollendes und fühlendes Wesen, also als Mensch, sondern auch als Lebewesen überhaupt Produkt der Gesellschaft ist, kann die Gesellschaft nicht verneinen, ohne auch sein eigenes Selbst zu verneinen.

(aus: Ludwig von Mises, Gemeinwirtschaft , Jena 1922, 384 ff.)

Donnerstag, 6. März 2014

Die NZZ berichtet

... über das Telefonat der Baroness Ashton (sie eine »Lady« zu nennen, wäre vielleicht nicht ganz angebracht) mit Außeniminister Paet mit folgenden diplomatisch feingebügelten Sätzen:
Am Mittwochnachmittag ist eine Aufzeichnung eines Telefongesprächs der EU-Aussen-beauftragten Ashton mit dem estnischen Aussenminister Paert von Ende Februar an die Öffentlichkeit gelangt. Paet erstattete Ashton Bericht über einen Besuch in Kiew und die Stimmung in der Stadt.
Unter Berufung auf Feststellungen der Ärztin Olha Bohomolez (die in der Übergangs-regierung eine Funktion einnehmen sollte, im letzten Moment aber ausstieg) sagte Paet, möglicherweise seien bei den Ausschreitungen in Kiew vom 18. bis 20. Februar Demon-strierende und Polizisten durch die gleichen Scharfschützen getötet worden. Daraus entstehe der Verdacht, dass nicht Präsident Janukowitsch, sondern jemand von der neuen Koalition hinter den Scharfschützen stecke.
Das estnische Aussenministerium bestätigte die Echtheit des Telefonats, hielt aber fest, Paet habe keine Bewertung der Situation abgegeben. Die jetzige Publikation sei «kein Zufall». Russische staatsnahe Medien interpretierten das Gespräch als Beweis, dass die Scharfschützen von der damaligen Opposition angeheuert worden seien.
 Nun, so kann man's natürlich ausdrücken. Estlands Außenminister Paert sagte freilich wortwörtlich:
There is now stronger and stronger understanding that behind the snipers, it was not Yanukovich, but it was somebody from the new coalition.

Ashton's Antwort auf diese doch recht brisanten Neuigkeiten fiel ... nun, wie soll man sagen ... etwas »beiläufig« aus. Hony soit qui mal y pense ...

Mittwoch, 5. März 2014

Mises-Lektüre IV: Einige Gedanken über lebende und tote Religionen

... bringt Ludwig von Mises — Gedanken, die für den heutigen Aschermittwoch durchaus geeignet sind:
Nicht nur als Kirche, auch als Weltanschauung ist Religion ebenso ein Erzeugnis des gesellschaftlichen Zusammenwirkens der Menschen wie jede andere Tatsache des geistigen Lebens. Wie unser Denken sich keineswegs als ein Individuelles, von allen gesellschaftlichen Beziehungen und Überlieferungen Unabhängiges darstellt, sondern schon dadurch allein, daß es in den Denkmethoden vor sich geht, die in Jahrtausenden durch das Zusammenwirken von ungezählten Scharen herausgebildet wurden, und die wir wieder nur als Glieder der Gesellschaft haben übernehmen können, sozialen Charakter hat, so ist auch das Religiöse als isolierte Erscheinung nicht vorstellbar. Auch der Ekstatiker, der in schauervoller Verzückung alle Umwelt vergessend, seinen Gott erlebt, ist zu seiner Religion nicht allein gekommen. Die Denkformen, die ihn zu ihr führen, sind nicht sein individuelles Erzeugnis, sie gehören der Gesellschaft. Ein Kaspar Hauser kann nicht ohne fremde Hilfe Religion entwickeln. Auch die Religion ist ein geschichtlich Gewordenes und im steten Wandel des Gesellschaftlichen Befindliches.
Die Religion ist aber auch in dem Sinne ein sozialer Faktor, daß sie die gesellschaftlichen Beziehungen unter einem bestimmten Gesichtswinkel betrachtet und danach Regeln für das Handeln der Menschen in der Gesellschaft aufstellt. Sie kann nicht darauf verzichten, in den Fragen der Sozialethik Farbe zu bekennen. Keine Religion, die dem Gläubigen Antwort auf die Rätsel des Lebens geben und ihn dort trösten will, wo er des Trostes am bedürftigsten ist, darf sich damit begnügen, das Verhältnis des Menschen zur Natur, zum Werden und Vergehen, zu deuten. Läßt sie das Verhältnis von Mensch zu Mensch außerhalb ihrer Betrachtung, dann vermag sie auch keine Regel für den irdischen Lebenswandel zu geben, und läßt den Gläubigen allein, wenn er anfängt, über die Unzulänglichkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse nachzudenken. Wenn er wissen will, warum es Arme und Reiche, Gewalt und Gericht, Krieg und Frieden gibt, muß ihm die Religion eine Antwort geben können, oder sie nötigt ihn, sich anderswo Antwort zu holen. Dann aber gibt sie den Menschen frei und verliert die Macht über die Geister. Religion ohne Sozialethik ist tot.
Tote Religionen sind heute Islam und Judentum. Sie bieten ihren Anhängern nichts mehr als Ritualregeln. Beten und Fasten, bestimmte Speisen zu meiden, die Vorhaut zu beschneiden, solche und viele andere Vorschriften wissen sie zu machen. Das ist aber auch alles. Dem Geiste bieten sie nichts. Sie sind durchaus entgeistigt; alles, was sie lehren und verkünden, ist Rechtsform und äußere Vorschrift. Sie sperren den Bekenner in einen Käfig von traditionellen Bräuchen und Lebensregeln ein, in dem er oft kaum Luft zum Atmen findet, doch seinem inneren Drang geben sie keine Befriedigung. Sie unterdrücken die Seele, doch sie erheben und retten sie nicht. Seit vielen Jahrhunderten hat es im Islam, seit bald zwei Jahrtausenden im Judentum keine religiöse Bewegung gegeben. Die Religion der Juden ist heute noch dieselbe wie in den Tagen, da der Talmud entstand, die des Islam noch dieselbe wie in den Tagen der arabischen Eroberungen. Ihre Literatur, ihre Schulweisheit wiederholen unaufhörlich dasselbe und dringen nicht über den Kreis der Theologen hinaus. Vergebens sucht man bei ihnen nach Männern und Bewegungen, wie sie das abendländische Christentum in jedem Jahrhundert hervor-gebracht hat. Das, was sie allein zusammenhält, ist die Ablehnung des Fremden und Andersartigen, sind Tradition und Konservatismus. Nur im Haß gegen das Fremde leben sie noch, raffen sie sich immer wieder zu großen Taten auf. Alle Sektenbildung, ja alle neuen Lehren, die bei ihnen aufkommen, sind nichts als Formen dieses Kampfes gegen das Fremde, gegen das Neue, gegen die Ungläubigen. Auf das geistige Leben des einzelnen, soweit sich unter dem dumpfen Drucke des starren Traditionalismus ein solches überhaupt entfalten kann, hat die Religion keinen Einfluß. Am charakteristischesten tritt dies in der Einflußlosigkeit des Klerus zutage. Seine Stellung ist nur äußerlich geachtet. Von dem tiefen Einfluß, den er in den abendländischen Kirchen - in jeder von ihr in anderer Gestalt; man denke an den Jesuiten, an den Bischof deutscher Katholiken und an den deutschen protestantischen Pfarrer - ausübt, ist hier keine Rede. Nicht anders war es in den polytheistischen Religionen des Altertums und nicht anders ist es in der morgenländischen Kirche. Auch die griechische Kirche ist seit mehr als tausend Jahren tot.
(aus: Ludwig von Mises: Gemeinwirtschaft, Jena 1922, S. 398 ff.)
 
Bemerkenswerte Worte über das Judentum von einem Nachfahren Mayer Rachmiel Mises', weiland Präsidenten der Lemberger Kultusgemeinde, der von Kaiser Franz Joseph als »Edler von Mises« in den Adelsstand erhoben worden war ...

Sonntag, 2. März 2014

Am 2. März 1939

... also heute vor exakt 75 Jahren blieb bereits nach dem dritten Wahlgang — also einer der kürzesten Konklavedauern der Geschichte — nur ein Baldachin oben. Der da nämlich:


Dafür war der Stuhl dann weg, denn sein vorheriger »Besitzer« (im wörtlichsten Sinne des Wortes) nahm daraufhin natürlich auf anderen Platz. Unter anderem auf diesem hier:


Heute ist das natürlich ganz anders. Sicherlich glücklicherweise. Denn so antiquierte Staubfänger wie Baldachine, Straußenfederwedel & Co. passen einfach nicht in unsere Zeit. Zu der unseren paßt halt ein Papst mit Vogel:


Kollege »Geistbraus« war so freundlich, in der Bildunterschrift zu erklären, wer von den beiden der Vogel ist, und wer ihn hat, so rein sicherheitshalber. Wir sagen »Danke!« — höflichkeitshalber ...

»Aus der Oligarchin ist das „soziale Gewissen der Ukraine“ geworden, als sie an die Macht kam«

... schreibt »Die Presse« heute, näherhin eine gewissen Jutta Sommerbauer. Ob Frau Sommerbauer bei dieser schleimigen verbalen Anbiederung vor der Tastatur ausgerutscht ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Daß sie die Meinung der Strippenzieher unserer Systempresse damit formuliert, hingegen nicht. Die Leser teilen diese Meinung — zum Leidwesen der Redaktionen — allerdings nicht. So bescheidet ein Kommentarposter »Boris« knapp:

Bevor die ex-Friseuse das Privatvermögen von 7Mrd. € nicht offen legt woher das kam und spendet

glaub ich dem Rock kein Wort
Wie sehr unsere Medienredaktionen das Geschäft der amerikanischen »New World Order«-Gangster internalisiert haben, beweist auch der heutige »Presse«-Leitartikel von Ulrike Weiser, in dem so possierliche zumutungen an den gesunden Menschenverstand stehen wie:
Denn egal, wie der rechtliche Status der Krim nach dem für Ende März angesetzten Referendum ausgehen wird, die Entfernung der Halbinsel von der Ukraine ist de facto  vollzogen. Umso wichtiger wäre es, dass die EU nachhaltig und bald klarstellt – und zwar sowohl mit diplomatischen Mitteln als auch mit ökonomischem Druck –, dass das Vorgehen Russlands zumindest auf internationaler Ebene nicht folgenlos bleibt. Krieg will keiner, aber es kann nicht sein, dass sich Russland unter dem Vorwand des Schutzes russischer Bürger einfach so über Staatsgrenzen hinwegsetzt, um die Ukraine für ihre Annäherung an den Westen zu bestrafen. Die EU muss Verantwortung für die Ukraine übernehmen, die nicht nur in eine ökonomische Krise schlittert, sondern auch einer Spaltung entgegensieht. 
 Nein, es ist nämlich überhaupt nicht »egal« wie der rechtliche Status der Krim ausgehen wird. Denn die dortige russische Bevölkerung (und die in anderen Gebieten der Ukraine) haben ein sehr legitimes Interesse daran, nicht von irgendwelchen dubiosen ukrainischen Nationalisten eine Amtssprache und eine Regierung aufgezwungen zu bekommen, die sie nicht wollen. Von dubiosen ukrainischen Nationalisten wohlgemerkt, die die EU hofiert, weil sie als zahlender Appendix der USA hofft, von ihren eigenen Pleiten irgendwie durch Mitleidsmasche und das Markeiren entschlossenen Auftretens ablenken zu können.

Samstag, 1. März 2014

»Muß die Kirche nicht ebenso eine Kirche für die Reichen sein wie für die Armen?« (zugleich Mises-Lektüre III)

... fragt sich Herr Alipius, der Klosterneuburger Chor- und Floridsdorfer Pfarrherr, in einem Artikel:
Schon der Gott der Psalmen entpuppt sich in vielen Fällen als ein Gott der Armen. Christus selbst steht auf der Seite der Besitzlosen, Schwachen und Ohnmächtigen und warnt vor den Gefahren des Reichtums. Wenn wir nun auf die schauen, "die im Leben schon alles haben", dann sehen wir immer auch Menschen, die in die Irre gehen können: "Wenn der Reichtum auch wächst, so verliert doch nicht euer Herz an ihn".

Ist die Kirche hier nicht ganz besonders gefordert und gefragt, nach vorne zu preschen und die Gefährdeten vom Irrweg abzuhalten oder abzubringen? Muß die Kirche nicht an vorderster Front stehen, wenn es darum geht, grade den Reichen klarzumachen, daß sie von all ihrem irdischen Besitz nichts in den Tod mit hineinnehmen können und daß nach dem Tod ein Reich auf sie wartet, für welches sie hier auf Erden bereits Schätze sammeln können?

Weder Armut noch Reichtum sind ein Freifahrtschein in den Himmel oder in die Hölle.

(Hier weiterlesen)
Bedenkenswerte Worte, die freilich der Ergänzung um ebenso bedenkenwerte Worte aus dem Munde Ludwig von Mises' bedürfen, dessen Werk »Gemeinwirtschaft« schon in den letzten Tagen Gegenstand umfänglicher Zitation war:
Das Urchristentum war nicht asketisch. In freudiger Lebensbejahung drängt es eher bewußt und deutlich die asketischen Ideen, von denen zahlreiche zeitgenössische Sekten erfüllt waren – als Asket lebte auch der Täufer – in den Hintergrund. Der asketische Zug wurde in das Christentum erst im dritten und vierten Jahrhundert hineingetragen; aus jener Zeit stammt die asketische Umdeutung und Umformung der evangelischen Lehre. Der Christus des Evangeliums genießt im Kreise seiner Jünger das Leben, erquickt sich an Speise und Trank und feiert Feste des Volkes mit; er ist gleich weit entfernt von Ausschweifung und Prasserei wie von Weltflucht und Askese. Nur seine Auffassung des Verhältnisses der Geschlechter mutet uns asketisch an. Aber auch sie findet ihre Erklärung wie alle anderen praktischen Lehren des Evangeliums – und andere als praktische Lebensregeln bringt das Evangelium nicht – aus der Grundauffassung, von der das ganze Auftreten Jesu getragen wird, aus der Messiasidee.
„Die Zeit ist erfüllet und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubet an das Evangelium!“, das sind die Worte, mit denen das Evangelium des Marcus den Erlöser auftreten läßt. Jesus hält sich für den Verkünder des nahenden Gottesreiches, jenes Reiches, das nach der Weissagung der Propheten die Erlösung von jeder irdischen Unzulänglichkeit, also auch von allen wirtschaftlichen Sorgen bringen soll. Die ihm nachfolgen, haben nichts anderes zu tun, als sich auf diesen Tag vorzubereiten. Jetzt heißt es nicht mehr, sich um irdische Dinge Sorge machen, denn jetzt ist in Erwartung des Reiches Wichtigeres zu besorgen. Jesus bringt keine Lebensregeln für irdisches Tun und Streben, sein Reich ist nicht von dieser Welt; was er seinen Anhängern an Verhaltungs-maßregeln gibt, hat nur Gültigkeit für die kurze Spanne Zeit, die noch in Erwartung der großen kommenden Dinge zu verleben ist. Im Reich Gottes wird es keine wirtschaftlichen Sorgen mehr geben. Dort werden die Frommen am Tische des Herrn essen und trinken. Für jenes Reich wären daher alle wirtschaftspolitischen Verfügungen sinnlos. Die Anordnungen, die Jesus trifft, sind nur als Übergangsbestimmungen aufzufassen.
So nur kann man es verstehen, daß Jesus in der Bergpredigt den Seinen befiehlt, nicht Sorge zu tragen um Speise, Trank und Kleidung, daß er sie ermahnt, nicht zu säen, nicht zu ernten, nicht in die Scheunen zu sammeln, nicht zu arbeiten und nicht zu spinnen. Nur so vermag man seinen und seiner ersten Jünger „Kommunismus“ zu begreifen. Dieser „Kommunismus“ ist kein Sozialismus, kein Produzieren mit Produktionsmitteln, die der Gemeinschaft gehören. Er ist nichts als eine Verteilung von Konsumgütern unter die Angehörigen der Gemeinde, „nach dem Bedürfnis, das ein jeder hatte“. Es ist ein Kommunismus der Genußgüter, nicht der Produktionsmittel; es ist eine Gemeinschaft des Verzehrens, nicht des Erzeugens. Erzeugt, gearbeitet und gesammelt wird von den Urchristen überhaupt nichts. Sie leben davon, daß die Neubekehrten ihr Hab und Gut veräußern und den Erlös mit den Brüdern und Schwestern teilen. Solche Zustände sind auf die Dauer unhaltbar. Sie können nur als vorläufige Ordnung der Dinge angesehen werden; und so war es auch. Der Jünger Christi lebt in Erwartung des Heils, das jeden Tag kommen muß.
Die urchristliche Grundidee von dem unmittelbaren Bevorstehen der Erfüllung wandelt sich dann allmählich in jene Vorstellung von dem jüngsten Gericht um, die der Lehre aller jener kirchlichen Richtungen zugrunde liegt, die es zu länger währendem Bestand gebracht haben. Hand in Hand mit diesem Wandel mußten auch die Lebensregeln des Christentums eine vollständige Umformung erfahren. Sie konnten nicht länger auf der Erwartung des unmittelbaren Eintretens des Gottesreiches aufgebaut bleiben. Wenn die Gemeinden sich auf längeren Bestand einrichten wollten, dann mußten sie aufhören, von ihren Angehörigen Enthaltung von jeglicher Arbeit und beschauliches, nur der Vorbereitung auf das Gottesreich gewidmetes Leben zu fordern. Sie mußten es nicht nur dulden, daß die Brüder im Erwerbsleben verblieben, sie mußten es geradezu verlangen, weil sie anders die Existenzbedingungen des Christentums vernichtet hätten. Es begann der Prozeß der Anpassung der Kirche an die Gesellschaftsordnung des römischen Reiches, der bald dazu führte, daß das Christentum, das von der vollständigen Gleichgültigkeit gegenüber allen sozialen Verhältnissen ausgegangen war, die Gesellschaftsordnung des sinkenden Römerreiches geradezu kanonisierte.
Nur mit Unrecht hat man von Soziallehren des Urchristentums gesprochen. Der geschichtliche Christus und seine Lehren, so wie sie in den ältesten Denkmälern des Neuen Testaments dargestellt werden, sind allem Gesellschaftlichem überhaupt völlig gleichgültig gegenüber gestanden. Sie haben wohl schärfste Kritik am Bestehenden geübt, doch sie haben es nicht der Mühe wert erachtet, sich um die Verbesserung der getadelten Zustände irgendwie zu bekümmern, ja darüber auch nur nachzudenken. Das alles ist Gottes Sache, der sein Reich, dessen Kommen unmittelbar bevorsteht, schon selbst in aller Herrlichkeit und Fehlerlosigkeit aufrichten wird. Wie dieses Reich aussehen wird, weiß man nicht, aber man weiß sehr genau, daß man darin sorglos leben wird. Jesus unterläßt es, darauf allzu genau einzugehen. Das war auch gar nicht nötig, denn darüber, daß es im Gottesreich herrlich sein wird zu leben, bestand bei den Juden seiner Zeit kein Zweifel. Die Propheten hatten es verkündet, und ihre Worte lebten im Bewußtsein des Volkes fort, bildeten den wesentlichsten Inhalt seines religiösen Denkens.
Die Erwartung einer alsbald durch Gott selbst vorzunehmenden Neuordnung aller Dinge, die ausschließliche Einstellung alles Tuns und Denkens auf das künftige Gottesreich macht die Lehre Jesu zu einer durchaus negativen. Er verneint alles Bestehende, ohne etwas anderes an seine Stelle zu setzen. Alle bestehenden gesellschaftlichen Bindungen will er lösen. Nicht nur nicht für seinen Unterhalt sorgen soll sein Jünger, nicht nur nicht arbeiten und sich aller Habe entäußern; er soll auch Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, ja sein eigenes Leben hassen. Die Duldung, die Jesus den weltlichen Gesetzen des römischen Reiches und den Vorschriften des jüdischen Gesetzes wider- fahren läßt, ist von Gleichgültigkeit und von Geringschätzung ihrer Bedeutung, die doch nur eine zeitlich eng beschränkte sein könne, getragen, nicht aber von der Anerkennung ihres Wertes. In dem Eifer der Zerstörung aller bestehenden gesellschaftlichen Bindungen kennt er keine Grenzen. Die Reinheit und die Kraft dieser vollständigen Negation wird von ekstatischer Inspiration, von begeistertem Hoffen auf eine neue Welt getragen. Daraus schöpft sie die Leidenschaft, mit der sie alles Bestehende angreift. Sie kann alles zerstören, weil die Bausteine der künftigen Ordnung von Gott in seiner Allmacht ganz neu gefügt werden sollen. Sie braucht nicht danach zu forschen, ob man irgend etwas vom Bestehenden hinübernehmen könnte in das neue Reich, weil dieses ohne menschliches Zutun erstehen wird. Sie fordert daher vom Anhänger keinerlei Ethik, kein bestimmtes Verhalten in positiver Richtung. Der Glaube allein und nichts als der Glaube, die Hoffnung, die Erwartung, das ist alles, was er seinerseits zu leisten hat. Zum positiven Aufbau der Zukunft hat er nichts beizutragen, das wird Gott schon allein besorgen. Am klarsten wird dieser auf die vollkommene Verneinung des Bestehenden beschränkte Charakter der urchristlichen Lehre durch den Vergleich mit dem Bolschewismus. Auch die Bolschewiken wollen alles Bestehende zerstören, weil sie es für hoffnungslos schlecht halten. Doch sie haben, wenn auch sehr undeutlich und voll logischer Widersprüche, ein bestimmtes Bild einer künftigen Gesellschaftsordnung im Kopfe; sie stellen an ihre Anhänger nicht nur das Ansinnen, alles, was ist, zu vernichten; sie fordern darüber hinaus auch ein bestimmtes Verhalten, wie es dem von ihnen erträumten Zukunftsreich entspricht. Die Lehre Jesu aber ist nur verneinend.
Gerade der Umstand, daß Jesus kein Sozialreformer war, daß seine Lehren frei von jeder für das irdische Leben anwendbaren Moral sind, daß alles, was er seinen Jüngern empfiehlt, nur Sinn hat, wenn man mit umgürteten Lenden und brennenden Lichtern den Herrn erwartet, um ihm alsbald zu öffnen, wenn er kommt und anklopft, hat das Christentum befähigt, den Siegeslauf durch die Welt anzutreten. Nur weil es vollkommen asozial und amoralisch ist, konnte es durch die Jahrhunderte schreiten, ohne von den gewaltigen Umwälzungen des gesellschaftlichen Lebens vernichtet zu werden. Nur so konnte es die Religion römischer Kaiser und angelsächsischer Unternehmer, afrikanischer Neger und europäischer Germanen, mittelalterlicher Feudalherren und moderner Industriearbeiter sein. Weil es nichts enthält, was es an eine bestimmte Sozialordnung gebunden hätte, weil es zeitlos und parteilos ist, konnte jede Zeit und jede Partei daraus das verwerten, was sie wollte.
(aus: Ludwig von Mises, Gemeinwirtschaft, Jena 1922, 403-407) 

Heavy stuff für die Ohren eines Gläubigen, ich weiß, und in mancher Formulierung mit seiner kühlen Objektivität des Ausdrucks (z.B. »asozial und amoralisch«) fast mißverständlich, jedenfalls prima vista anstößig! Und dennoch: ich kenne nicht viele Darlegungen über die Beziehung von Christentum und Ethik, die auch nur annähernd so sachkundig und klar die Problematik herausarbeiten, mit der sich das Christentum seit dem Vergehen der enthusiastischen Frühzeit ständig konfrontiert sieht, und an der sie sich mit wechselndem, doch letztlich nie vollendetem Erfolg abarbeitet.