Montag, 4. Februar 2019

»Feind oder Gegner?«


lautet der Titel eines überaus treffenden Artikels von Götz Kubitschek, dessen Lektüre gar nicht oft genug empfohlen werden kann:
Nur für den naiven, den oberflächlichen Blick ist das noch eine politische Auseinander-setzung vom Schlage der alten, harmlosen Rangeleien zwischen CDU und SPD. Wer wacher und kälter schaut, wer es "abkriegt", sieht einen geistigen und parteipolitischen Weltanschauungskampf. 

Die Verdoppelung des Stimmenanteils der »Grünen« binnen weniger Monate ist ein Kennzeichen für die Unversöhnlichkeit der Positionen in einem gespaltenen Volk und für die Verfestigung dieser Unversöhnlichkeit: Sie tritt dadurch zutage, daß sich die Partei der Dekonstruktion des Volkes und die Partei der rettenden Alternative für dieses Volk gegenüberstehen und um ihre Unvereinbarkeit wissen, während die zwei Machtparteien der letzten 70 Jahre wie alte Tanten wirken. 

Der grüne Aufstieg ist der Beleg dafür, daß sich die »Zivilgesellschaft« vom AfD-Schock erholt und einen Strategiewechsel vorgenommen hat [...]
Kaum weniger lesenswert als der Artikel sind auch die zahlreichen Kommentare, die man nicht teilen muß, um ihren Gedankenreichtum dennoch zu schätzen. Ein echter Fund in der Wüstenei des WWW.



Kommentare:

Deutschländer hat gesagt…

Beate Zschäpe ist von München nach Chemnitz "verlegt" worden.

Immerhin ein kleiner Lichtstreifen. Im national orientierten Sachsen wird es ihr besser gehen, dort herrscht für Deutsche ein humanerer "Vollzug".
Denken wir an sie.

Franz Georg hat gesagt…

Cher Penseur,

besten Dank für diese Verlinkung. Der Text von Götz Kubitschek, was immer man so über ihn denken mag, ist lesenswert und klug.

Einen - wie soll ich sagen? - "Grundwiderspruch" zu der von Ihnen und Ihren Co-Autoren hochgehaltenen "Linie" als "Libertäre" (ist diese Zuschreibung korrekt?) sehe ich aber in Kubitscheks Argumentation. Diese basiert auf dem Grundnarrativ "Die Grünen sind a-sozial und nur am Einzelindividuum orientiert, die Rechten sowie die (traditionellen) Linken sind sozial, weil ihnen das Volk mindestens so wichtig ist wie das Einzelindividuum."

Wie kriegen Sie das vereinbart mit Ihrer oftmals zu lesenden Grundthese, die eigentliche geistige und politische Frontlinie heute sei der Kampf zwischen Individualismus und Kollektivismus? Ihr Option an dieser Frontlinie ist ja klar. Aber die Kubitscheks' ist letztlich eine andere.

Oder?

Kyffhäuser hat gesagt…

Die entscheidenden Sätze stehen am Schluss des bemerkenswerten Manifests:

"Ja oder Nein bedeutet: für oder gegen das Volk. 'Gegen das Volk' ist nichts, womit wir leben könnten. Das ist dann der Moment, in dem aus einem politischen Gegner ein weltanschaulicher Feind wird. Uns selbst behandelt dieser Todfeind des Volkes längst wie einen Feind und nicht mehr wie einen politischen Gegner, und es nötigt uns ein hohes Maß an Großherzigkeit und Geduld ab, immer noch vom Gegner, nicht vom Feind auszugehen.

Das ist die Ausgangslage für das Jahr 2019. Wir, unser immer größer und stärker werdendes Milieu und die AfD dürfen nie vergessen: Bereits unsere Ausrichtung auf das Volk und für das Volk bedeutet, daß es uns in keinem Zustand geben kann, der für die grüne Klientel akzeptierbar wäre - es sei denn, wir gäben unsere Ausrichtung auf."

Freund oder Feind, Volk oder entwurzelte Einzelne - Tertium non datur. Man fühlt angesichts solch glasklarer Alternativen nach langer dürftig-bleierner Zeit wieder Frischluft in Deutschland.
Und, für die intellektuell Ambitionierteren: Wer hätte gedacht, dass der grösste Staatsdenker des 20. Jahrhundert, der nach 1945 systematisch vom linken Meinungsmainstream totgeschwiegene Carl Schmitt solch eine Renaissance erleben würde?!

Magdalena hat gesagt…

Wenn der Penseur so begeistert von der Proklamation der Feindschaft und dem Ende der Gegnerschaft ist, wäre man für eine Erläuterung dankbar: was bedeutet das denn konkret? Was will uns Kubitschek damit sagen? Wenn Gegnerschaft nur liebenswert-kindische "Kabbeleien" sind, was ist dann Feindschaft? Aufruf zu Gewalt gegen die unsozialen Grünen? Oder was sonst?

Mir macht es Angst, wenn hier die Anhänger einer Partei als "Todfeinde des Volkes" gebrandmarkt werden. Ich habe als Kleinkind noch die Endzeit der "Tausend Jahre" erlebt, und dann 40 Jahre "Sozialismus". Da wurde viel von "Volksfeinden" geredet. Mir graut davor, wenn das jetzt wieder kommt.

Calergi hat gesagt…

Es ist Herrn Kubitschek zu danken, dass er sein "Projekt" und die Ideologie dieses Blogs zur Kenntlichkeit bringt. Nicht das Individuum, sondern das Volk (im Sinne des ius sanguinis) ist der Maßstab der "Bewegung". Da wundert es nicht, dass man mit der "nationalen Linken" und Frau Wagenknecht "gut leben" kann. Frau Wagenknecht (und ihr Gatte) können auch mit Kubitschek und Penseur bestens leben.

Das einzige, was einen noch wundert: dass der Penseur sich immer noch als "libertär" bezeichnet. Der Kubitschek-Manifest jedenfalls ist ein Todesstoß gegen jedes libertäre Denken.

Fragolin hat gesagt…

Hm.
Also grundlegend einmal hat er Recht, was die Bruchlinien in der Gesellschaft und die Unvereinbarkeit bestimmter politischer Anschauungen angeht. Aber was mich persönlich stört, ist der den Kollektivisten eigene Blick top-down: Erst das Kollektiv (bei Kubitschek das "Volk", wie immer er es definiert) und dann erst das Individuum. Ich bevorzuge den Blich bottom-up: Erst das Individuum, dann das Kollektiv. Und das Kollektiv muss so geformt sein, dass es dem Individuum die maximal mögliche Freiheit gewährt, die es leben kann, ohne anderen Individuen Schaden zuzufügen. Das Staatswesen muss sich am Menschen ausrichten und nicht an einem irgendwie definierten Konstrukt. Weder einem Kollektiv noch einer Religion.
Ich glaube nicht, dass eine Gesellschaft, wie sie einem Herrn Kubitschek vorschwebt, mehr Freiheitsrechte für das Individuum lässt als das kommunistische Schwarmkollektiv. Ich kann mich irren, denn ich lese den Mann zu wenig um seine Definition des Kollektivs zu kennen, aber das müffelt schon ein bisschen nach arischer Blutlinie oder sowas. Ich kenne Türken, die sind nach meinem empfinden mehr Österreicher als mancher Österreicher, und im Gegenzug kenne ich Österreicher, die mehr Türken sind als manche Türken.
Wenn ich akzeptieren kann, dass das Volk keine homogene Masse ist und auch aus Fluktuationsgrößen besteht - das Individuum kann das Volk verlassen oder in das Volk eintreten - aber auf jeden Fall eine eigene Identität hat, mit der das Individuum kompatibel sein muss, dann komme ich dem Ganzen näher.
Aber mir fehlt die Zeit, heute im Detail darauf einzugehen. Vielleicht später mal.
Die Grünen und Linken sehe ich nicht als "Volksfeinde" sondern als Menschenfeinde, aus vielerlei Gründen. Und als Staats- und Verfassungsfeinde. Als Feinde der Kultur und des gesellschaftlichen Friedens, Feinde der Familien und Feinde der Zukunft der Gesellschaft. Aber ob Kubitschek und seine Mannen da die richtige Antwort drauf sind, da bin ich mir nicht sicher. Muss wohl doch etwas mehr von ihm lesen, wenn ich mal wieder Zeit habe...
MfG Fragolin

Wilhelm hat gesagt…

Leider wirkt sich die Meinungshoheit der Linken und Marxisten immer noch insoweit aus, dass wir beim Begriff "Kollektiv" linke Assoziationen haben.
Das Wort aber ist äquivok. Die Linken verstehen unter Kollektiv eine aseptische, gewissermaßen am abstrakten Reißbrett entworfene Menschenmasse, die nur eine linksgrüne Gesinnung gemeinsem haben, ansonsten aber "internationalistisch", oder im Neusprech gesagt: "divers" sein sollen.

Kubitschek (und die Klügeren in der AfD, also die vom sog. "Flügel") verstehen unter dem Kollektiv immer das Volk, näherhin das deutsche, das durch gemeinsame Ethnie und eine gemeinsame Kultur seine Identität findet und damit auch abgrenzbar gegen andere Völkerschaften ist.

Damit kann ich sehr gut leben. Ich bin auch für die Freiheit des Einzelindividuums. Aber eben innerhalb des Rahmens, dass vom Individuum zu erwarten ist, die hergebrachte Leitkultur zu respektieren und sie wehrhaft zu verteidigen. Eine schrankenlose Freiheit, welcher sich die entleerte "Ideologie" des "liberalen Westens" verschrieben hat, ist der Feind jeder individuellen Entfaltung innerhalb des Kollektivs. So gesehen bin ich, als "Rechter", auch Verfassungsfeind, den die "westlichen" Verfassungen, die alle in der Tradition der "Französischen Revolution" stehen, beruhen auf diesem lebensfernen, abstrakten und idealistischen linken Kollektiv-Begriff. Der unsägliche Satz im deutschen Vgrundgesetz "Die Würde des Menschen ist unantestbar. Sie zu wahren und zu schützen ist Pflicht aller staatlichen Gewalt" würde erst dann richtig, wenn es hieße: "Die Würde des deutschen Volkes ist unantastbar..."

Summa: Kubitschek hat - unter seinen Voraussetzungen - Recht. Erst kommt das Volk, dann der Einzelne.

Fragolin hat gesagt…

Werte Magdalena,
ich möchte aber mal darauf hinweisen, dass die von Ihnen erwähnte Tonleiter auf der Klaviatur vom leisen Denunzieren über das Niederkreischen als Staats/Demokratie/Verfassungsfeind bis hin zur offenen Gewalt gegen Autos, Häuser und inzwischen auch ganz offen Personen seit Jahren eskalierend von jenem Spektrum gespielt wird, dessen Vertreter die Linke und die Grünen sind. Denen muss niemand die Feindschaft erklären, die haben selbst die andere Seite des politischen Spektrums schon lange zum Todfeind erklärt.
Ein gewisser Tobias Himpenmacher von der Linken hat ja bereits Lager für Nazis gefordert, wobei jeder weiß, dass bei der Definition von Nazis bei den Linksradikalen jeder gemeint ist, der rechts von Leuten wie Kipping oder Roth steht. Und über Roth und ihre Demo-Freunde brauche ich auch nichts mehr sagen. Die Feindschaft wird nicht von rechts erklärt, sie wird dort nur noch festgestellt.
MfG Fragolin

Fragolin hat gesagt…

Werter Wilhelm,
ich halte den Satz "die Würde des Menschen ist unantastbar" schon für halbwegs richtig ("die Rechte des Menschen sind unantastbar" wäre konkreter und besser), denn ein Volk hat keine Würde, sondern ein Existenz- und Souveränitätsrecht, und das ist ebenso unantastbar.
Es hakt sich an einer exakten Definition des Wortes "Würde". Als emotionaler Begriff ist er, im Gegensatz zu absolut messbaren Größen wie Existenz oder Souveränität, nämlich viel zu schwammig. Man kann in Konventionen exakt definieren, was die Menschenrechte sind, aber keiner kann exakt definieren, wann und wo Würde beginnt und wann und wie sie verletzt werden kann.
Ich bin eben Techniker und habe deshalb eine gewisse, geradezu juristophobe Aversion gegen alles Dahergeschwurbelte und Dehnbare. Siehe "Hass im Netz" und "Hetze" und "Herabwürdigung von Religionen" und wie dieser ganze Parapraphenmüll so heißt, mit dem heute so gerne dem großen Lümmel der Maulkorb verpasst werden soll.
MfG Fragolin

Fragolin hat gesagt…

Werter Deutschländer,
hast du keine anderen Sorgen?
Was haben dir Sachsen getan, dass du ihr Land so hasst?
Kannst du ihnen nicht verzeihen, dass sie dir die Mauer weggenommen haben?
MfG Fragolin

Anonym hat gesagt…

Der werte Fragolin hat den wackeren Kameraden "Deutschländer" (nomen est omen) wohl ein bisserl missverstanden. 😁

Schluss mit lustig hat gesagt…

Werter Fragolin,
wenn Sie offenbar immer noch der Überzeugung sind, dass die Klientel der "Grünen" solche sind, die Fensterscheiben einwerfen, Autoa abfackeln und Menschen tätlich angreifen oder sogar umbringen, dann haben Sie die Entwicklung der letzten 30 Jahre irgendwie nicht mitbekommen.

Die Klientel der Grünen" sind die, die panische Angst davor haben, dass die Dopelfenster ihrer schicken teuren Altbauwohnungne eingeworfen, ihre fetten SUV-Wagen abgefackelt und ihre zarten Töchterlein vergewaltigt werden.

Anonym hat gesagt…

Werter "Schluß mit lustig":

Sorry, aber das ist Unsinn. Die Klientel der Grünen ist selbstredend jene, die ehrlich daran glaubt, daß alles besser wird, wenn man nur laut genug "Kumbaja" denkt, während man sich beim Yoga meditativ in die Weltseele versenkt.

Diese Klientel findet die Realität so schrecklich, daß sie sich geistig von dieser schon lange verabschiedet hat und Trost und Zustimmung beim ORF oder ihrer Hauspostille "Der Standard" findet. Dort versichern sich diese Leute laufend gegenseitig, daß das Paradies in Bälde Einzug halten wird, sobald die Grünen die absolute Mehrheit erringen, während sie gegenwärtig tapfer die faschistische türkis-blaue Regierung durch mentale Unterstützung der Donnerstagsdemos niederringen helfen.

In meinem Umfeld gibt's einige solcher welcher, was ich grandios unterhaltsam finde.

Tomj

Fragolin hat gesagt…

Werter Schluss mit lustig,
die Klientel der Grünen sind die, die ihre Töchter dorthin schicken, wo sie Gutes tun und sich gelegentlich zum Dank auch vergewaltigen lassen dürfen, während ihre Söhne vermummt in der örtlichen Antifa entlarvten Rassisten von der AfD die Doppelfenster einschmeißen und die Autos abfackeln. Und am Sonntag fahren sie gemeinsam mit ihren E-Fahrrädern zum Bio-Bauern, vegane Gemüsesuppe schlemmen und das Klima retten.
Angst um ihre Wohnung, ihr Auto oder gar ihr Leben müssen nur jene AfD-ler haben, die bei der Antifagruppe des „Linke“-wählenden Grünensöhnchens auf der Liste stehen. Da scheinen Sie in den letzten 3 Jahren etwas verschlafen zu haben…
MfG Fragolin

Schluss mit lustig hat gesagt…

Werter Fragolin,

Sie glauben doch nicht im Ernst, dass auch nur ein "Antifa"-Kämpfer ausgerechnet die "Grünen" wählt - also jenes Milieu, das heute saturierter und verbürgerlichter ist als Union und FDP zusammen.
Wir haben in der Nachbarschaft so einen schrägen "Antifa"-Hero, der erbricht sich sofort, wenn er nur das Wort "Grüne" hört, und hasst die nicht weniger als Sie.

Im übrigen, schon vor 25 Jahren hat der damals prominnete Bayern-Fußballstar Mehmed Scholl deklamiert: "Hängt die Grünen, solange es noch Bäume gibt!" :-)

Fragolin hat gesagt…

Werter Schluss mit lustig,
täuschen Sie sich mal nicht.
Ich habe vor 2 Jahren, ziemlich am Beginn meines Blogs, die damalige Grüne Jugend in Österreich auf den Radar bekommen und deren Statut durchgenommen:
https://frafuno.blogspot.com/2017/01/junge-grune-welt.html
Der grüne Nachwuchs, kurz darauf sogar von ihren Zieheltern aus der Partei gefeuet (die JG-Chefin war die Tochter einer grünen Landessprecherin) hat sich, vollkommen konform mit ihrem zutiefst kommunistischen Statut, denn auch ruckzuck in den Armen der KPÖ wiedergefunden.
Die Melonen sind eben nach außen gerne grün, aber im Kern tiefrot. Und überschneiden sich auch in Deutschland oft ideologisch weit mit der Linken.
MfG Fragolin

Fragolin hat gesagt…

Werter Anonym,
ganz im Gegenteil. Ich verstehe sehr gut.
MfG Fragolin