Samstag, 26. Dezember 2009

Über die Freiheit, die Burka zu tragen

Es war ein kleines vorweihnachtliches Wunder. Nun hat sich auch unsere liebe Frauenministerin für ein Verbot der Burka, also der Ganzkörperverschleierung islamischer Frauen, ausgesprochen. In Frankreich kommt nun sogar ein Gesetz, das jede Vermummung verbietet. Noch im Vorjahr war ja die SPÖ total empört, als Wissenschaftsminister Hahn dasselbe gefordert hat. Aber mit der Sozialdemokratie ist es seit Jahrzehnten so: Zuerst empört sie sich über irgendwelche grundvernünftigen Vorschläge, spricht von “Hetze” und lässt Lichtermeere veranstalten. Bis sie irgendwann, meistens als Letzte, doch die Beine auf den Boden des wirklichen Lebens und der bisweilen unerquicklichen Notwendigkeiten bekommt.

... schreibt Andreas Unterberger in seinem höchst lesenswerten »Tagebuch«. Und setzt dann fort:

Es wäre ja total absurd, würden wir es erlauben, dass irgendwelche im Mittelalter lebenden Männer ihre Frauen in einen Sack verpacken, nur damit sie niemand anderer anschauen kann. Das ist ein Symbol für das Privateigentum des Mannes an der Frau. Überdies ist die Burka perfekte Tarnung für jede Art von männlichen wie weiblichen Verbrechern. Wer sich in unseren Straßen bewegt, muss identifizierbar sein (auch wenn das vielleicht bald wieder einen der Datenschützer ärgern wird). Und sollte die Burka wirklich islamischer Glaubensinhalt sein (was ja niemand so genau sagen kann), dann zeigt das nur, wie steinzeitlich der Islam gegenüber dem 700 Jahre älteren Christentum ist.

Nun, keine Wahrheit, die offen ausgesprochen wird, bleibt ohne Widerspruch, und so darf der sofortige Ordnungsruf des obligaten »Liberalen« nicht fehlen, der — in liberaler Kleinschreibung, wie originell — Unterberger wie folgt den Kopf wäscht:
herr unterberger denkt ja auch ein kofptuchverbot an. er leidet halt leider wie viele sogenannte “konservativ-liberale” an der krankheit, zu glauben, dass der staat alles regulieren muss. vielleicht sollte man auch mal “wertneutral” andenken, dass es auch frauen geben kann, welche die “burka” aus innerer ueberzeugung tragen. ist ja wahrscheinlich nur eine frage der zeit, bis alle -wegen des gleichheitsgrundsatzes- in der oeffentlichkeit gleich gekleidet sein werden muessen; wo kaemen wir denn hin, wenn einige nicht der vom staat festgelegten norm entspraechen.
Naja ... was soll man darauf antworten? Vielleicht folgendes:

Na klar, Frauen wollen die Burka tragen! Denken wir das doch ruhig an … gaanz “wertneutral”. Sagen’S, geht’s Ihnen noch gut?

Islamisch sozialisierte Frauen wissen halt, daß, wenn sie nicht “wollen” was der Ehemann will, sie eben einfach müssen — außer es macht ihnen nichts weiter aus, erst mal ein paar Watschen (zum Aufwärmen) abzufangen, sich dann ein paar Rippenbrüche (bei obstinater Verweigerung) bei “Haushaltsunfällen” zuzuziehen, und ultimativ eine eher getragene Rolle in einem Begräbnis als “Beschmutzerin der Familienehre” spielen zu dürfen (so man sie nicht irgendwo unauffällig entsorgen kann).

Daß es hin und wieder auch Frauen geben mag, die aus “innerer Überzeugung” die Burka tragen, mag ja vorkommen — es werden aber sehr wenige sein! Nur ist das kein Freibrief, die anderen dazu zu zwingen bzw. die Ausübung von Zwang zu tolerieren: und genau das erfolgt halt durch die Zulassung dieser Ganzkörperverhüllung.

Und außerdem: was wollen Sie damit beweisen? Daß man jede angebliche “innere Überzeugung” welch idiotischer Art auch immer in ihrer öffentlichen zur-Schau-Stellung (sic!) hinnehmen muß?

Es gibt ja auch Menschen, die es überaus erregend finden, sich von einem bzw. einer anderen mit der Lederpeitsche durchwindeln zu lassen. Ich hoffe (bin mir aber leider nicht ganz sicher), von Ihnen jetzt nicht mangelnder Liberalität geziehen zu werden, wenn ich auch dererlei Spaßetteln beim Spazierengehen auf der Mariahilferstraße nicht gewahr werden möchte …

Ebensowenig, wie einer Burka.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Kleiderordnung- wieder mal. In der DDR waren unter Ulbricht lange Haare und Jeans verboten. Für gewisse Aufnäher an Parkas - Schwerter zu Pflugscharen - gab es unter Honecker Knast. Immer wenn die Macht repressiv die von ihr popularisierte Lebensweise - welche sich in der Kleidung manifestiert - verteidigen muss, kündigt sich ihr nahes Ende an. Was an der Oberfläche wahrgenommen wird, ist indes nur die Spitze jenes Eisberges, der die „unsinkbare“ Titanic auf dem Gewissen hat.

Wie sich jemand kleidet, ist des Individuums alleinige Entscheidung, solange es nicht gegen die guten Sitten – wie Nacktheit - verstößt. Ich kann nicht erkennen, wie eine Burka belästigen sollte. Viel mehr fühle ich mich durch die zunehmende Sexualisierung und die allgegenwärtige Pornographie sexuell belästigt. Aber nichts liegt mir ferner als darauf mit plumpen Verbotsverlangen zu reagieren. Ich werbe mit meinem Leben für meine Lebensweise. Das hat schon Diogenes von Sinope so gehalten und nach ihm haben es viele andere Asketen getan.

Das gilt auch für Burka und Kopftuch. Es hat uns einfach nichts anzugehen, aus welchen Gründen eine Frau oder ein Mann sich so oder so kleiden. Hauptsache, sie kleiden sich. Das Einzige, was die Gesellschaft – nicht der Staat - zu garantieren hat, ist, dass ein jeder nach seiner Fasson glücklich werden kann. Dazu zählt auch, dass eine Frau, welche die Burka nicht mehr tragen will, das auch ungestraft kann. Die Gesellschaft hat den freien Wahlentscheid des Individuums zu schützen und keine Repressionen zu dulden. Weder in der einen, noch in der anderen Richtung.

In der Lebensweise gilt die Wahlfreiheit und eben nicht der Zwang. Wenn Ihre Lebensweise für einen wachsenden Teil der Bevölkerung, nicht nur für Moslems, nicht mehr attraktiv genug ist, sie eine Gegenteilige sogar bewusst dagegensetzen, dann sollten sie nicht nach Verboten schreien, sondern darüber nachdenken, warum das so ist. Man kann den allgemeinen „Werteverlust“ in einer hedonistischen und nihilistischen Gesellschaft nicht dadurch aufhalten, das man versucht mit administrativen Mitteln in alternative Lebensweisen einzugreifen, weil sie die Eigene allein durch das Beispiel in Frage stellen. Das hat mit Liberalismus nichts zu tun. Im Gegenteil: Der westliche Liberalismus scheint am Ende seines Lateins – sonst würde er nicht nach Verboten schreien.

Ihre Behauptung, dass die Menschen unter der Burka, dem Kopftuch oder dem Kreuz nicht wüssten was und warum sie etwas tun, zeugt von einer gehörigen Portion Arroganz[1] gegenüber anderen Kulturen, weil sie ungesagt implizieren, dass einzig Sie über genügend Intelligenz verfügen um die „richtige“ Lebensweise zu praktizieren. Mit den exakt denselben Argumenten haben die Briten und Franzosen die halbe Welt kolonialisiert. Barbaren sind immer die anderen. Aber genau solche „Barbaren“ unterwarfen Rom, weil es zum Schluss von Menschen regiert wurde, die brennende Christen als Straßenbeleuchtung benutzten[2].
Wer noch


[1] Nehmen sie das nicht persönlich. Das ist ausdrücklich ‚ad rem’, also auf eine Vielheit und nicht auf ihre Person bezogen.
[2] Tacitus; Annalen; Liber VII.

Le Penseur hat gesagt…

Der Einfachheit halber darf ich auf meine Posting unter Ortner-Online verweisen ...