Mittwoch, 11. März 2020

Panische Symbolpolitik


Unsere Bundesregierung, zusammengesetzt unter der Führung eines abgebrochenen Berufsstudenten (bitte keine Verwechslung mit »Werkstudenten«! Die haben nämlich studiert und nebenher gearbeitet bzw. umgekehrt, wenn die Kassa leer war, wogegen »Berufsstudenten« das Student-Sein als Beruf betrachten und sich als Funktionärs-Fuzzis in der Hochschülerschaft und anderen Abkassiervereinen wichtig machen  ...) und unter Beiziehung durchwegs wirtschafts- (und damit wettbewerbs-)fremder Politruks aus Kammern (schwarz) und NGOs (grün), setzt »Zeichen«, ausnahmsweise nicht bloß gegen »rechts«, sondern gegen Corona: Universitäten (und vermutlich demnächst Schulen) werden geschlossen, Opernhäuser und Theater bleiben zu, alle Veranstaltungen über hundert Personen sind untersagt, bzw. wo dies rechtlich nicht geht: möglichst  zu meiden. Gerade wird gemeldet, daß alle Bundesmuseen schließen. Und so weiter und so fort ...

Nett! Nur was soll das bringen? In jeder Wiener U-Bahn sind mehr als hundert Passagiere unterwegs (und in zu Stoßzeiten vollbesetzten Straßenbahnen — umweltfreundlich! nachhaltig! solidarisch! CO2-vermeidend und damit »klimaschützend«! — ebenso), und ich denke, die Ansteckungsgefahr ist dort sicher höher als beim Anhören einer Opernaufführung. Konsequent weitergedacht heißt das: keine burgenländische Bauernhochzeit mehr, zu der deutlich mehr als hundert Gäste gehören, und in Wien keine Türkenhochzeiten, bei denen sich auch bekanntlich die Menschen schieben (zu meinen Schulzeiten hätte man noch süffisant »Volk ohne Raum« dazu gesagt, aber das ist heute natürlich »Nazi«, wenigstens in den Hohlköpfen der Berufsgedenkveranstalter, sonstiger Berufsgutmenschen und Berufsantifanten ...).  Und wer einmal in der Notaufnahme eines Krankenhauses saß, wird sich fragen: »Werden die jetzt auch geschlossen?« — denn in Stoßzeiten hundert Wartende sind keine Seltenheit ...

Die Schürung einer Panikstimmung, als wären Beulenpest und Cholera gleichzeitig ausgebrochen, ist schlicht und einfach unverantwortlich. Und heuchlerisch, wenn »Gesundheitsminister« Anschober von den GrünInnen erklärt:
Neben der Schließung von Hochschulen, strengen Grenzkontrollen und partiellen Einreisestopps, sind es vor allem Treffen in Kaffeehäusern, Theatern, Museen oder Konzerthallen, die eingeschränkt werden sollen: „Wir gehen davon aus, dass wir direkte Sozialkontakte, die ein Ansteckungsrisiko darstellen, einfach in allen Bereichen drastisch reduzieren müssen“, betonte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Diens-tagabend in der ORF-Sendung „ZiB2". [...]

 Anders hingegen ist das im Bereich des öffentlichen Verkehrs. Zwar bestehe auch hier ein Ansteckungsrisiko, allerdings „gehen wir davon aus, dass wir die Grundprinzipien unseres öffentlichen Lebens aufrechterhalten wollen“. Lebensmitteleinkäufe oder der Weg in die Arbeit sollten weiter für alle problemlos schaffbar sein. Er selbst, so Anschober, werde daher auch weiterhin mit der U-Bahn unterwegs sein. 
Ach ja! Wenn in einem Raum der Kunsthistorischen Museums drei Interessierte Bilder anschauen, dann gehört das reduziert , aber wenn in der U6 um 8 Uhr ein gefühl von Dosensardinen aufkommt, dann muß man »Grundprinzipien unseres öffentlichen Lebens aufrechterhalten«. Aber dafür soll man sich nicht mehr zur Begrüßung die Hand geben (was die Muselmanen erfeuen wird, die in Hinkunft wenigstens nicht die Schmach, die Hand einer Christenschlampe zu schütteln, erdulden müssen). Daß man sich mit demselben Effekt bspw. auch einfach öfters die Hände waschen könnte, auf diese Idee kommt er natürlich nicht.

Das Ganze gilt jetzt mal bis 1. April. Warten wir ab, welcher Aprilscherz dann beschlossen wird. Ein Gesundheitsminister, der es im (lang zurückliegenden) früheren Berufsleben gerade mal bis zum Volksschullehrer gebracht har, und als Landesrat zwischendurch an einem »Burn-out« laborierte, ist sicher die rundum kompetente Person, deren Ratschläge wir mit geziemender Ehrfurcht beherzigen wollen ...

Kommentare:

Da schau her! hat gesagt…

Da ich davon augehe, dass die große Mehrzahl der Österreicher treue Leser dieses aufrecht und konsequent antigrünen Blogs sind, muss man überfüllte öffentliche Verkehrsmittel sicherlich nicht befürchten. Sondern alle werden spätestes jetzt nur noch ihren PKW nutzen, wo man sicher ist. Womit dank Corona endlich der arkadische Zustand erreicht ist, den unsere Populisten seit Jahren sehnlichst herbeischreiben: Österreich, ein Autoland voller Automänner.

Anonym hat gesagt…

Werter Le Penseur,

in der Tat, Panikmache ist nicht angebracht; Quarantäne allerdings sehr wohl (daher gehe ich d'accord, daß öffentliche Verkehrsmittel eigentlich stante pede zu schließen wären, besser heute als morgen). Schlicht und einfach aus dem simplen, mathematisch einfach zu extrapolierenden Grund, daß ein exponentiell verlaufender Ansteckungsvorgang auch bei nur 5% schwerem, d.h. intensiv medizinisch zu versorgendem Verlauf unser eh schon aus allen Nähten ächzendes Gesundheitssystem binner kürzester Zeit überfordern wird.

Da wird auch ein noch so teurer und rechtschaffen erworbener Energiering nicht helfen, das kann ich Ihnen als (noch?) gratis operierender Druide vom 6. Dan aber flüstern!

Stets der Ihre,
Tomj

PS: Eine absolute Leseempfehlung meinerseits für alle, die der englischen Sprache mächtig sind: https://medium.com/@tomaspueyo/coronavirus-act-today-or-people-will-die-f4d3d9cd99ca