Mittwoch, 25. März 2020

Fußnoten zum Mittwoch

von Fragolin

Amazon kommt mit dem Liefern nicht mehr nach. Weil der vielgeschmähte Online-Händler den Ersatz für tausende gesperrte Geschäfte übernehmen muss, können Lieferungen, die bisher im 24-Stunden-Dienst ausgeliefert wurden, künftig bis zu einem Monat dauern. In Frankreich und Italien werden Bestellungen nicht lebensnotwendiger Güter gleich storniert.
Wie schnell doch die Stimmung umschlägt, wenn man die, die man permanent wegen ihrem Geschäftsmodell verteufelt hat, plötzlich braucht. Würden all jene, die Amazon als Gottseibeiuns des turbokapitalistischen Neoliberalismus und knechtenden Ausbeutermoloch angebrüllt haben, jetzt wenigstens konsequent diese achsobösen Wucherer und Schacherer in ihrem Beschaffungsgebaren meiden, dann gäbe es weder Lieferengpässe noch Wartezeiten. Aber wie das eben immer so ist: Wenn es richtig dick kommt, hat der Sozialismus keine Lösungen, der Freie Markt immer.

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Während in Italiens Krankenhäusern Menschen jämmerlich am Gang verrecken, weil Hilfslieferungen von den „EU-Partnern“ zurückgehalten oder gleich dreist geklaut werden, eröffnen die abgehobenen Bonzen in Brüssel mit Fanfarenklang und Schulterklopfen neue Aufnahmeverhandlungen mit zwei weiteren südbalkanischen Mafia-Shitholes, nämlich Nordmazedonien und Albanien.
Was, denken sich da renitent antieuropäsich dahingeifernde Rechtspopulisten, haben die keine anderen Sorgen? Haben die den Schuss nicht gehört?
Keine Bange, liebe Leute, es ist ja nicht so, dass sie nicht angemessen besorgt wegen Corona wären und sich die Tabletts mit den Häppchen nicht von Catering-Püppchen mit fliederfarbenen Gummihandschuhen reichen lassen würden. Die Gelegenheit ist nur günstig, während alle gebannt auf die Statistik-Seiten des Bundesgesundheitsministeriums starren, da unten im Shithole des Balkans eine außengrenzenfreie Reiseroute aufzumachen, damit endlich alle mit Passierschein und Stempel beglückten Auf-das-Festland-Gebrachte der griechischen Neubürger schnurstracks und ohne Orbanzaun ins gelobte Merkelstan reisen können. Soll der ultrarechte neofeschistische Kanzler von Österreich nur noch einmal probieren, eine Balkanroute zu schließen – die wird es nicht mehr geben, denn innerhalb der EU gibt es keine illegale Migration mehr.
Um es mit „Kentucky schreit ficken“ zu sagen: „Gefickt eingeschädelt!“

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Heute war ich meinen wöchentlichen Einkauf erledigen. Ganz klassisch: Das Männchen geht raus auf die Jagd, wo das Säbelzahncorona droht. Und im Supermarkt um die Ecke, der mich in normalen Zeiten eher selten sieht, steht eine junge, recht ansehnliche Kassenfachkraft hinter einer frisch installierten Plexiglasscheibe (die Plexiglasscheibenherstellungs- und -montagefirmen erleben gerade einen Boom, wie es scheint) und es macht bei jedem Tippser ihrer mit violettem Latex verhüllten zarten Hände leise „Piep! Piep!“ - was für Assoziationen! Es gibt Momente, da vergesse ich, dass ich gar nicht auf Latex stehe.
Was ja auch die Tatsache erklärt, dass ich Kinder habe.

Vor schlechtem Gewissen ob meiner unzüchtigen Gedanken brachte ich meiner Liebreizenden auch etwas besonders Wertvolles mit:
Mein liebster Schatz ich schenke dir
Zwei Rollen feinstes Klopapier
das hat, was soll ich da noch sagen,
sogar vier superweiche Lagen!“
Poesie in Zeiten der Quarantäne.
Noch nie war sie so billig wie heute.


Kommentare:

Michael hat gesagt…

Geschätzter Fragolin!

Schaun ma amol (auf tirolerisch)...wie's weitergeht mit dieser EU, wenn dann erst mal der internationale Finanzmarkt untergegangen ist. Stichwort: Solidarität?????

MfG Michael!

Anonym hat gesagt…

Die Rechtspopulisten, für die die US-Konzerne der Gottseibeiuns persönlich sind, schreiben auf einmal bewundernd über weltumspannende und -beherrschende IT-Konzerne aus dem Silicon Valley - Corona scheint eine Umwertung aller Werte zu bewirken.

Deutschländer hat gesagt…

Gute Doppelnachricht:
Die Allerheilige der Klimahüpfer, Greta I., ist infiziert und in Quarantäne. Möge diese ewig dauern.
Und der esoterische Schwachsinns-Thronfolger Prinz Charles (der mit den Bäumen spricht) auch.

Wastl hat gesagt…

Schlechte Nachrichten für die Populisten:

1. Die AfD, seit der Corona-Krise eh abgetaucht bzw. nur noch mit sich selbst sowie der immerwährenden Merkel-Hetze beschäftigt, ist in Umfragen auf den Tiefststand von 8% gerutscht. So wenig hatten sie zuletzt im Sommer 2015, vor der sog. Flüchtlingskrise.
Sprüche wie die des AfD-Bundestagsabgeordneten: "Wenn Merkel Regierungschefin in Korea wäre, wäre das ganze Land flächendeckend infiziert", begeistern zwar die Populisten, aber die restlichen 90% halt eher nicht.

2. Die Kriminalitätsrate in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit fast 30 Jahren (1992) gesunken. Nur ein Delikt ist angestiegen: Kinderpornografie. Soziologisch ist dieses Verbrechen, neben Gottesmännern, v.a. im Prekariat verbreitet.

Fragolin hat gesagt…

Werter Anonym 12:17,
falsches Blog. Die Konzernhasser und Hetzer gegen jede Form des Unternehmertums schreiben im Forum der SZ, der Zeit, des Standard, der Jungen Welt und des Neuen Deutschland. Versuchs da mal.
MfG Fragolin

Fragolin hat gesagt…

Werter Deutschländer,
bisher gibt es keine verifizierbaren Daten sondern nur die Aussage einer egozentrischen Göre mit Aufmerksamkeitsdefizit, die das öffentliche Interesse an ihrer unwichtigen Person schwinden sieht und deshalb nach Schlagzeilen hechelt. Also nicht "Greta hat" sondern "Greta behauptet"... und das kann man glauben oder besser lassen.
MfG Fragolin

Fragolin hat gesagt…

Werter Wastl,
die Rechnung, den "Flügel" zu zerschlagen, um Wähler zu lukrieren, ging eben nicht auf. Man wird nicht größer, wenn man sich einen Arm abhackt.
Der Rest ist weniger ein Zeichen für Merkels Gloriosität als für die untertänigste Lemminghaftigkeit ihrer Untertanen.

Und dass die Kriminalitätsrate sinkt, wenn man bisherige Straftaten wie Drogenhandel und Ladendiebstahl unterhalb einer Bagatellgrenze einfach nicht mehr verfolgt und damit aus der Liste streicht, ist auch logisch. Eigentlich ein billiger Propagandatrick, aber beim teutonischen Durchschnittswastl wirkt sowas immer.

Und bei den Kinderfickern die Grünen als "Prekariat" zu bezeichnen ist mutig, aber hat was.
MfG Fragolin

Wastl hat gesagt…

@Fragolin:
Wie auch Ihnen nicht verborgen geblieben sein dürfte, sind die allerdings unsäglichen Äußerungen bestimmter grüner Parteiprogramme 30 bis 40 Jahre alt.

Soziologisch geschehen die meisten Kinderf...s im sog. Prekariat, dem die Grünen nicht wirklich, die AfD-Wähler umso mehr angehören.
Sogar der AfD-Chef von NRW, ein bürgerliches Relikt in der durchgeflügelten Partei, sagte kürzlich über die Übermacht des "Flügels": Wir können nicht immer mehr Mitglieder mit Jogginghosen, Flachmännern und Zahnlücken brauchen.")

Fragolin hat gesagt…

Werter Wastl,
die Präpotenz linker Kreise, mit der sie heute angewidert und verächtlich auf das Prekariat schauen, würde ein solches Wahlverhalten sogar erklären, allerdings sagen die Statistiken etwas anderes. Wunschdenken und Realität: die mit Abstand meisten Hauptschulabgänger wählen schwarz und rot:
https://www.welt.de/politik/deutschland/article194198267/Europawahl-2019-Wer-waehlte-wen-nach-Alter-Beruf-Geschlecht.html

Und aus welcher Glaskugel Sie die Erkenntnis nehmen, wo sich die meisten Kinderschänder und Kinderpornografen finden, bleibt mir bisher verborgen. Es gibt nämlich keine statistischen Quellen zum sozialen Status bestimmter Straftäter. Man hat zwar den Händler dingfest gemacht, aber über die Kunden gibt es keine Angaben. Nirgends.
Also erklärt sich der im Besitz der Einen Wahrheit befindliche Wastl einfach die Welt selbst und verbreitet das dann als Tatsache.
MfG Fragolin

Wastl hat gesagt…

Werter Fragolin,

absolut gesehen wählt man im sog. Prekariat in der Tat noch mehr schwarz und rot als die AfD. (Wobei die AfD die Roten in dieser soziologische Gruppe schon fast eingeholt hat.)
Aber: wenn man sich die sozialen Segmente innerhalb der AfD-Wählerschaft betrachtet, springt ins Auge, dass der prozentual größte Anteil dieser Wähler aus der Unterschicht kommt. Nehmen Sie sich jede x-beliebige Stadt und schauen sich die Wahlergebnisse, egal bei welcher Wahl, an. In den sog. sozialen Brennpunktstadtteilen hat die AfD stets die besten Ergebnisse.

Elisabeth Weddemann hat gesagt…

Vor Jahrzehnten nach Westfalen verschlagen
Die Gegend aus der die entsetzlichsten Politiker - siehe Brock, Spahn .und viele viele
und die fürchterlichsten Kirchenfürsten – Marx , Genn,….Hamsterbacke Bode und wieder viele andere
herkommen und in eine Umwelt, die sich sehr gerne durch Klischeesprüche
-man trifft sich immer 2 x , lauter Halbgebilldete (dies meist von nicht mal 10% Gebildeten)
geäußert, liebe ich diese Texte hier bei Ihnen und übrigens bei den meisten Rechten
Ungemein.
Und ich muß gestehen ,Ihr Klopapiergedicht hab ich geklaut und mehrfach weitergereicht.
So haben diese üblen Zeiten, wie in der Nazizeit doch ein paar gute- amüsante Gelegenheiten
Und ich danke Ihnen und allen die auf solch intelligente Weise kämpfen für Recht und Gerechtigkeit von Herzen