Dienstag, 22. November 2016

DerStandard (bisweilen auch DieStandard benannt) ist immer eine Quelle subtiler Erheiterung für den genießerischen Connaisseur verschmockter Intellektualität

... und ließ deshalb in seiner Wochenendausgabe den US-Schriftsteller John Irving zutiefst erschüttert über die jüngste US-Präsidentenwahl sinnieren:
John Irving: Das große Ungeheuer hat gesprochen 
Essay

Schon im vergangenen Mai machte ich mir Sorgen darüber, wie viele Sanders-Anhänger wohl Clinton wählen würden, wenn er nicht nominiert würde. Nicht genügend, wie wir jetzt wissen.

Im November 2012 befand ich mich auf einer Lesereise durch Deutschland. Am Abend des Wahlsiegs von Obama über Mitt Romney waren meine Frau Janet und ich in München. Wegen der Zeitverschiebung gingen wir schlafen, bevor wir das Ergebnis kannten. Am frühen Morgen, im Dämmerlicht, wurde ich von Gesang geweckt. Ich stand auf und schaute aus dem Fenster. Auf der Straße sah ich deutsche Studenten singen. Ich legte mich wieder hin. "Mach mal den Fernseher an", sagte Janet. "Keine Sorge", antwortete ich, "die Studenten singen bestimmt nicht für Romney." Nun ja, das war eine ganz andere Wahlnacht als die jüngste.

Mein Vater ist Historiker. Als er das Ergebnis der diesjährigen Wahl beklagte, erzählte er mir, als was Alexander Hamilton die wahlberechtigte Bevölkerung einst bezeichnet hatte: als das "große Ungeheuer". Wie es aussieht, hat dieses "große Ungeheuer" jetzt gesprochen. 
Nun ja, Irving hat schon bessere Texte verfaßt, aber was soll's ... ... Sogar die Standard-Foristen sind (ganz gegen die sonstige Gewohnheit, jedem links-verschwurbelten Blödsinn begeistert zuzustimmen) nur schaumgebremst von dieser Philippika gegen das tumbe Volk der deplorables (auf Deutsch so zirka das Pack zu übersetzen) zu überzeugen gewesen. Oder, wie es ein Poster mit einem Zitat ausdrückte:
Nassim Nicholas Taleb in der NZZ über "Intellektuellen-Idioten", die "Wohlwissenden": 

"Weltweit, von Indien über Grossbritannien bis zu den Vereinigten Staaten, findet derzeit eine Rebellion statt. Sie richtet sich gegen die Clique der Bloss-die-eigene-Haut-nicht-aufs-Spiel-setzen-Regierungsbeamten (skin in the game) und geistesver-wandten Insider-Journalisten – gegen jene Klasse überheblicher, semi-intellektueller Experten mit dem Gütesiegel irgendeiner Ivy-League- oder Oxford-Cambridge-Universität, die unsereinem vorschreiben, 1) was wir tun sollen, 2) was wir essen sollen, 3) wie wir reden sollen, 4) wie wir denken sollen . . ., und 5) wen wir wählen sollen. ..." 

Die Zeit der überheblichen Belehrungen, des Katheder-Moralismus und der psychologisierenden Verunglimpfung breiter Wählerschichten ist vorbei, Mr. Irving! 
Diese Ketzerei gegen den linken Journaillisten-Mainstream brachte ihm natürlich jede Menge Schlechtpunkte von den "braven" Standard-Foristen ein. Aber, wie wir wissen: in Zeiten, in denen die Lüge politisch korrekt ist, gilt der Sprecher der Wahrheit für kriminell, wenigstens aber als Outcast ...



Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Eine Perle aus gleißendem Licht eines brd-Politologen, der von sinnvoller produktiver Arbeit unbeleckt und mit Staatsknete gepampert uns, den dummen Falschwählern, gründlich die Lewiten liest:

www.deutschlandradiokultur.de/politikwissenschaftler-herfried-muenkler-grosse-teile-des.990.de.print?dram:article_id=371845

der dumme
Kreuzweis

Fragolin hat gesagt…

Naja, immerhin wurde der Kommentar nicht gelöscht, das ist ja mal was Neues. Ich lese auch heute im "presse"-Forum Dinge, für die ich noch vor einem halben Jahr final hinausgeworfen und gesperrt wurde.
In den Redaktionsstuben wachsen erste Zweifel, wie die Machtverhältnisse in 3 Jahren aussehen könnten und ob dann jemand die unangenehme Frage stellt: Auf welcher Seite hast du gestanden? Welche Meinung hast du vertreten und welche hast du nicht zugelassen?

Fragolin hat gesagt…

@Kreuzweis
Dank für den Link, immer wieder augenöffnend zu lesen, wie unsere Angestellten so über ihre Chefs denken. Jetzt müssten die Chefs nur noch lernen, sich als solche zu fühlen.