Dienstag, 24. November 2020

Nein, nicht schon wieder Corona ...

 
Doch! Wenn es ein Artikel des geschätzen (wenngleich, glaube ich, weltanschaulich mir nicht gerade extrem nahestehenden — to put it mildly — ... aber, HErrgott nochmal: was tut das schon!) Professore Silvæ ist, dann wollen wir ihn lesen! Und ein mir bislang (und wohl vielen meiner Leser) bislang nicht geläufiges Celan-Gedicht entdecken:
Der Dichter Paul Celan war hier im Blog am Karfreitag schon mit einem Gedicht. Er wurde heute vor einhundert Jahren geboren, da muss an den Dichter der Todes-fuge erinnert werden. Das Gedicht, das ich heute aus-gewählt habe, heißt Corona. Dass dieses lateinische Wort neuerdings eine Krankheit bezeichnet, konnte Celan nicht ahnen, als er das Gedicht schrieb. John Donne auch nicht, als der La Corona schrieb. (Hier weiterlesen)
Lesen! Und bewundern, was Paul Celan in kostbaren (jedoch nie preziösen!) Sprachbildern an Wort-Schätzen zu Tage zu fördern vermag.
 
Gestern also wäre er hundert Jahre alt geworden. Und hat doch nur knapp die Hälfte dieser Spanne erleben können ... ... und wenn man seine letzten Jahre bedenkt: man weiß nicht, ob man ihm ein Jünger'sches Alter wirklich hätte wünschen dürfen. Wohl eher nicht.

Und nicht nur das Gedicht von Celan lesen: Verkostend durchdenken ... ... nein: durchfühlen — sondern auch den im verlinkten Artikel angemerkten Hinweis auf John Donne, dem Link folgend, aufnehmen. Und so eine neue Facette im unendlichen Reichtum unserer abendländischen Kultur entdecken. Und plötzlich innewerden, daß wir in dieser Woche, nach dem letzten Sonntag im Jahreskreis/nach Pfingsten/nach Trinitatis (wie's konfessionell beliebt), bereits an der Schwelle zum Advent stehen, der seinerseits bloß (was heißt: bloß?) die Vorbereitung auf Weihnachten ist ...

Danke, Professore Silvæ! In vielen Ihrer Artikel sehen wir — wenn ich mit Ihrem Bloggernamen spielen darf — den Wald, den tiefen, unermeßlich reichen Wald unserer Kulturgeschichte! In jedem dieser Artikel am Beispiel eines besonderen Baumes (bisweilen auch einer Baumgruppe), mit dem Sie das volksmündliche Schlagwort, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, erfolgreich ad absurdum führen.

Wie sonst sollte, könnte man den Wald denn sehen, wenn nicht in Gestalt seiner Bäume? Es erfordert freilich den Geist, daraus und darin den Begriff des Waldes zu erkennen.
 
Ein Begriff, der mir (nicht nur wegen des das Video zierenden Bildes ...) immer in den Sinn kommt, wenn ich Felix Draesekes »Symphonia tragica« (die No. 3, op. 40, in vordergründig ganz »un-tragischem« C-Dur stehend, aber warten Sie auf das Adagio und das in genialer Kontrapunktik und Motivarbeit dahin-wirbelnde Finale) — [s]ein Meisterwerk, und doch so vergessen ... — höre und mich darin wie in einem Wald verliere, der es — wiewohl anders geartet, Felix Draeseke war schließlich als »Neudeutscher« punziert — mit (beinahe) jedem Brahms'schen aufnehmen kann ...



Kommentare:

Anonym hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Le Penseur hat gesagt…

Cher (chère) Anonym,

Ihren idiotischen "Kommentar" lösche ich auch ganz ohne Admin. Und tschüß mit Ü!

Kreuzweis hat gesagt…

Mag Celan künstlerisch anspruchsvoll sein oder nicht, für mich ist er "persona non grata", ähnlich, wie die arische Marlene Dietrich.

Weder werde ich VerräterInnen hochjubeln noch Feinderklärungen übersehen.

Den jüdischen Reichsbürger Stefan Zweig (um nur ein Beispiel zu nennen) hingegen verehre ich, denn er schlug ein Angebot der Reichsfeinde aus, ähnlich wie die Dietrich, Kriegspropaganda für den Feind zu betreiben und auskömlich zu leben; er wählte lieber den Freitod.

Le Penseur hat gesagt…

Cher Kreuzweis,

einem Juden aus Czernowitz, der zu tausendjährigen Zeiten in Zwangsarbeitslagern saß bzw. im Ghetto seiner Vaterstadt, vorzuwerfen, seine Todesfuge sei eine "Feinderklärung", und ihn deshalb als persona non grata abzukanzeln — sorry, aber das finde ich einfach daneben!

Schön, daß Sie Zweig mögen (ich auch) — aber die vielen weiteren Autoren deutscher Sprache, die ganz, halb oder zu sonstigen Teilen jüdischer Herkunft waren, und unsere Literatur bereicherten, verdienen ebenso Beachtung! Ich möchte mir jedenfalls keine deutsche Literatur ohne Autoren wie bspw. Hermann Broch, Hugo v. Hofmannsthal, Karl Kraus, Felix Braun, Joseph Roth, Arthur Schnitzler etc. vorstellen.

Sie etwa?