Sonntag, 6. Januar 2019

Unterschiede

von Fragolin

In Chemnitz gab es „Hetzjagden“.
In Amberg gab es „Rangeleien“.
Jedenfalls wenn es nach den Worten des CSU-Bürgermeisters Michael Cerny geht, der in der „Süddeutschen Zeitung“ ein peinliches und in Teilen regelrecht ekelerregendes Interview absonderte:

Aus meiner Sicht ist das alles total überdimensioniert.“

Ich weiß nicht, wie soll ich es sagen?
Wikipedia schreibt das so:
Die Opfer sind zwischen 13 und 42 Jahre alt. Nach Zeugenaussagen gingen den Tritten und Schlägen auch Beleidigungen voraus. Ein Opfer sei beispielsweise als Nigger bezeichnet worden. Es gab elf Leichtverletzte, ein 17-Jähriger kam mit einer Kopfverletzung stationär ins Krankenhaus.“
(Nebenbei: Hat über das mit dem „Nigger“ irgendwer irgendwo irgendwas gelesen? Nur mal so gefragt, weil ja der Idiot von Bottrop „Kanaken“ gesagt haben soll und darum gerade die ganze politische Korrektheit einen Veitstanz aufführt...)
Elf Verletzte, einer davon spitalsreif, aus offensichtlichem Hass, das will der Bürgermeister einer Stadt jetzt nicht überbewerten? Ich habe den Verdacht, da hat jemand einen Job, für den er nicht geeignet ist.

Aber dass es unter Alkoholeinfluss zu Körperverletzungen kommt, ist nichts Neues. Wir haben schließlich auch ein Nachtleben. Wenn da Jugendliche um drei Uhr betrunken aus der Disco kommen, der eine sich vom anderen provoziert fühlt, dann kommt es schon mal zu Rangeleien und Schlägereien. Das Thema Gewalt ist leider immer da, wenn Leute aufeinandertreffen und Alkohol trinken, vor allem wenn sie zu viel trinken. Das sehen wir in ganz Deutschland immer wieder.“

Nach dem alten Muster „Vergewaltigungen gab es auf dem Oktoberfest schon immer“ wird hier gelogen, dass sich die Balken biegen. Denn es geht eben nicht darum, dass Jugendliche von irgendwem provoziert wurden. Falls das keiner bemerkt haben sollte: der Mann betreibt hier die in Merkeldeutschland in Bezug auf Menschengeschenke inzwischen alltägliche knallharte Täter-Opfer-Umkehr! Die armen Jugendlichen, ein bisschen angeheitert eben, wurden ja nur provoziert. Von den Bürgern seiner Stadt! Diese hätten praktisch den Unmut der Angeheiterten selbst provoziert. Ich habe nicht nur den Verdacht, ich bin mir sogar sehr sicher, dass da jemand den falschen Job hat. Wer so auf die eigenen Bürger scheißt, der ist rücktrittsreif, aber mit Anlauf!

Das Einzige, was diese Prügler augenscheinlich „provoziert“ hat, war die reine Existenz anderer, also offensichtlicher Fremdenhass. Siehe „Nigger“. (Wer Kopfkino liebt, macht mal wieder mein Lieblingsspiel und stellt sich vor, vier deutsche „Jugendliche“ hätten sich wahllos und brutal prügelnd auf alles geworfen, was nach nicht-deutsch aussieht, und es dabei als „Nigger“ bezeichnet… Wie wären wohl die Berichte in der „SZ“ ausgefallen und wie die Kommentare des Herrn Bürgermeister?)
Der Alkohol hat sie enthemmt, endlich die Verachtung und den Hass auf die Gesellschaft, die sie aufgenommen und versorgt hat, auszutoben. Sie leben hier offenbar in einem Umfeld, das sie zutiefst hassen; davon sollte man sie befreien.
Und die Stadt sich von diesem peinlichen Bürgermeister, der die Schuld auf die eigenen Bürger abwälzt, auf die Opfer der Prügelattacken.

Das muss man sich mal geben: „Wenn ein alkoholisierter Jugendlicher den anderen provoziert“ - die Opfer waren nicht nur Jugendliche und sie waren nicht provozierende Alkoholisierte, die auf Rangelei aus waren! Man möge mir verzeihen, dass ich diesen Widerling einfach zum Kotzen finde!

Denn in der gleichen Zeitung, in der er dieses ekelerregende Interview gab, also der nicht gerade als rechtsextreme Hasspostille bekannten „Süddeutsche Zeitung“, las sich der Bericht über die damaligen Vorkommnisse so:

Vier Jugendliche haben in Amberg offenbar wahllos auf Passanten eingeschlagen...“
Ihre Prügeltour begannen die vier jungen Männer im Alter zwischen 17 und 19 Jahren demnach im Bahnhofsbereich: Sie schlugen einem ankommenden Reisenden mehrfach ins Gesicht. Wenige Minuten später prügelten sie auf dem Bahnhofsvorplatz auf zwei weitere Passanten ein und konnten anschließend zunächst fliehen.
Kurz danach waren die Männer vom Bahnhof aus Richtung Altstadt unterwegs, wieder schlugen sie ohne Vorwarnung auf verschiedene Passanten ein, ein Opfer wurde zu Boden geschleudert und auch dort noch weiter getreten. Sechs weitere Personen wurden dabei verletzt.“

Ohne Vorwarnung, völlig wahllos. Auf einen am Boden Liegenden weiter eingetreten.
So also, Herr Cerny, sieht eine „Rangelei“ aus, wenn Jugendliche nach der Disco „provoziert“ wurden? Wodurch? Durch aktives Aussteigen aus einem Zug? Durch Benutzen der Straßen in der eigenen Stadt? Durch atmen?

Die Interviewerin der Alpenpravda sekundiert auch in altbewährter Art mit einer Aussage statt einer Frage:

Es wird aber nicht groß darüber gesprochen, wenn die mutmaßlichen Täter deutsche Jugendliche sind.“

Ach, ist das so? Dann muss ich die Frage aber der Alpenpravdatante selbst stellen: Warum berichtet ihr denn nicht darüber? Welche Fälle sind euch bekannt, über die ihr nicht berichtet, und warum verschweigt ihr sie? Um euch später darüber aufzuregen, dass ihr selbst nichts darüber geschrieben habt? Ich fass‘ es nicht, diese himmelschreiende Dummheit, die man da Medienkonsumenten zumutet.
Und der Bürgermichel apportiert brav:

Dass ein Unterschied gemacht wird, ist klar.“

Ach so? Na da hätte ich gern einmal Beispiele gleichen Vorgehens, die nicht medial berichtet wurden. Da kann die Polizei doch sicher Berichte vorlegen, oder? Als Politiker hat er doch entsprechende Weisungsbefugnisse, ebenso wie die „SZ“ gegenüber nach dem Presserecht Auskunftspflicht herrscht.
Jaja, ich weiß: Haltungspolitik ist wie Haltungsjournalismus, da braucht man keine Fakten, sondern „sagt was ist“, weil das, was man sagt, dann automatisch auch ist. Wenn wir keine alternativen Fakten haben, reichen auch alternative Behauptungen. So geht Konstruktivismus: Der Akt des Benennens schafft bereits die Tatsachen, derweil Tatsachen, über die nicht gesprochen wird, auch nicht sind. Das postfaktische Zeitalter blüht.
Und: fragt die neugierige, investigative, sich zu „demokratischer Kontrolle“ berufene Presse nach, wo die Fakten sind? Ich weiß, ein guter Witz...

Und der Herr Politiker palavert weiter:

Man muss das einordnen in den Kontext der Straftaten, die täglich in Deutschland passieren. Egal ob sie von Deutschen oder Asylbewerbern begangen werden: Im Strafrecht sind beide gleich. Einen Unterschied zum deutschen Staatsbürger gibt es nur in den Konsequenzen im Aufenthaltsrecht. Dementsprechend werden auch die Amberger Täter behandelt werden.“

Irrtum. Es gibt einen noch entscheidenderen Unterschied: Genau das, was in Amberg passiert ist, wurde eben nicht von deutschen Staatsbürgern (besonders nicht mit Nazihintergrund nach Käsmannscher Definition) begangen. Nirgends. Oder gibt es Beweise dafür? Dann her damit. Bis dahin unterstelle ich Lüge.
Die Täter waren Afghanen.
Und dass sie als solche eben nicht genau dahin eingeordnet werden in den Kontext der Straftaten, dafür sorgt der Herr Palavergelehrte gerade selbst. Er stellt diese Straftat nicht auf den Platz im Kontext aller Straftaten, wo er hingehört, sondern stellt ihn dort hin, wo er ihn haben will, und biegt alles andere darum herum.
Kennen wir.
In Chemnitz gab es Hetzjagden böser Nazisachsen auf arme Ausländer.
In Amberg gab es von den Opfern selbst provozierte Rangeleien.
Dass es in Chemnitz vorher einen Mord und vor dem Mord unzählige „Rangeleien“ Amberger Manier gab, ist sowieso medial längst vergessen.
In Döbeln wurde der AfD mit einem Sprengstoffanschlag nicht geschadet, sondern genutzt.
Doppelmoral, Doppelsprech, Doppeldenk.
Tägliche Heuchelei auf DDR-Niveau im Merkel-Regime.

Ach ja, Pro Sieben fühlt sich ebenso bemüßigt klarzustellen:
Die Täter hätten auch Deutsche sein können“
Stimmt. Oder auch Chinesen. Oder Marsmännchen.
Waren es aber nicht.
Also eine typische Nicht-Nachricht im klassischen Haltungsjournalismus. „Wir haben zwar keinen Beitrag zu den Fakten, wollen aber gleich klarstellen, wie man die zu deuten hat.“
Danke für dieses herrliche weitere Beispiel, dass Relotius kein Einzelfall sondern ein Symptom ist. Und selbst Pro Sieben linker und verlogener sein kann als die „SZ“.

Neben dem Lügen-“Spiegel“ verbreiteten auch die „FAZ“ und die „Presse“ begeistert das Märchen von den „rechtsextremen Bürgerwehren“, die jetzt durch Amberg patroullieren; es fehlten nur noch Hinweise auf „Hetzjagden“. Interessant, dass dieser neuerliche tägliche Einzelfake des „Spiegel“ so hochkocht, denn angeblich sind vier Nürnberger NPD-ler eine Runde mit einer Warnweste durch Amberg marschiert, haben damit auf Facebook geprotzt und sind wieder heimgefahren. Sonst war da gar nichts. Vier Neonazis mit Warnwesten, die sowieso keiner ernst nimmt und die sonst nichts tun außer rumlaufen, sind ein Mega-Skandal; vier Jungafghanen, die wahllos Leute zusammentreten dagegen soll man nicht überbewerten. Alles klar?

Und Amberg wehrt sich vehement dagegen, jetzt als „rechte Hochburg“ in den Medien dargestellt zu werden. Dabei haben die Amberger noch Glück. Als Stadt im Westen bleibt ihnen das (nach linker Definition übrigens zutiefst rassistische und auch, langsam könnte es fast auffallen, vom „Spiegel“ aufgheizte) Vorurteil erspart, eben im Naziland zu liegen und nur von Nazisachsen bewohnt zu sein.

Kommentare:

docw hat gesagt…

werter fragolin, wir leben in einer 2 - klassen - justiz und medialberichterstattung.
hier ein ausschnitt aus meinem letzten tagebuch:

die 15-jährige mia aus kandel wurde von einem afghanen geschächtet. das urteil für den korangläubigen: 8 jahre und 6 monate gefängnis.
die kölner oberbürgermeisterin henriette reker ( das ist der hirnentleerte trampel, der deutsche frauen auffordert, eine armlänge abstand von sexualfachkräften zu halte, um keine probleme zu bekommen und nicht zu sexual-„erlebenden“ zu werden ) wurde auch von einem attentäter mit einem meser attackiert und lebensgefährlich verletzt. gottlob überstand sie das attentat ohne bleibende folgen. das strafausmaß für den verbrecher: 14 jahre.
ihr werdet euch fragen, wie es sein kann, dass mord weniger hart bestraft wird wie versuchter mord. der täter von köln war deutscher, damit hatte er keine berechtigung, ein messer mich sich zu führen

Anonym hat gesagt…

Wenn ein Blogger, der den "Der Untergang der Sowjetunion ist die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts"-Caudillo und Ex-KGB-Offizier Wladimir Putin eins ums andere Mal verteidigt, un überhaupt immer wieder Überzeugungen verbreitet, für die er den Beifall der Linkspartei bekommt (die er auch so gut wie nie kritisch angeht, er weiß, warum), hier sich aufbläst und die SZ als "Alpenprawda" beschimpft, dann betreibt er gute Realsatire.

Le Penseur hat gesagt…

Cher (chère?) "Anonym",

Was: Kollege Fragolin hat tatsächlich "Beifall der Linkspartei" bekommen?

Wo? Wann? Wofür?

Und warum sagen Sie uns das erst jetzt?!

Fragolin hat gesagt…

Werter Anonym,
du hast mich erwischt, ich sitze mit Genossin Wagenknecht gerade vor dem Putin-Verehrungs-Altar in meinem von Freund und Auftraggeber Wladimir Wladimirowitsch üppig gefüllten Wodkalager im Keller und wir singen, schon drei Sto-Gram im Blut, Arm in Arm alte sowjetische Kampflieder und freuen uns, dass der olle Oskar heute nicht dabei ist.
Und jetzt trinke ich mit der Genossin Sarah auf die soziale Anstaltsleitung, die dir alle Tage ein paar Minuten Spaß am Internet-Terminal gönnt.
Washe zdarovje i sa ljubov, Towarischtsch!
MfG Fragolin