Freitag, 24. März 2017

Schmierenkomödie



von Fragolin

Der Präsident des Deutschen Bundestages macht sich Sorgen. Was wäre, wenn ein unerfahrener Abgeordneter aufgrund seines Alters gleich nach seinem Einzug ins Parlament zum Alterspräsidenten würde und damit entsprechend den Statuten die erste Sitzung des neu gewählten Parlamentes leitet? So ein alter Grünschnabel, der, wie Lammert befüchtet nicht über „ausreichende einschlägige Erfahrungen verfügt“ wie man die traditionell selbstbeweihräuchernde Quasselshow durchzieht, in der erwartungsgemäß der Tenor der Beiträge neben dem gegenseitigen Schulterklopfen über ihre demokratische Kompetenz und himmeljauchzende Großartigkeit die Wut und Trauer darüber sein wird, die mindestens neofaschistische verfassungs- und demokratiefeindliche Schmuddelkindertruppe AfD in ihrem geheiligten Tempel ertragen zu müssen. Das kann kein unerfahrener Politiker ohne ausreichende Systemerfahrung durchziehen. Vor Allem, wenn er auch noch von der AfD ist.

Denn, man ahnt es und ist verstimmt, die inzestuöse Quatschbude bastelt gerade an einem Trick, die eigenen Regeln schnell noch vor der Wahl auszuhebeln, weil der nächste Alterspräsident ausgerechnet Alexander Gauland heißen könnte und von der AfD kommt. Und da wäre es sogar möglich, dass der medial zum Altnazi punzierte Politiker eine allzu emotionale Hetzrede, die so sicher zu erwarten sind wie das Amen im Gebet, mit einem Ordnungsruf belegen könnte und, was noch schlimmer ist, die eigenen Redner nicht sofort unterbricht, wenn sie noch nicht einmal mit der Begrüßung fertig sind.

Es geht einzig und allein darum, die Sitzungsleitung auf keinen Fall an den Feind fallen zu lassen. Denn die Begründung, einfach nur zu vermeiden, dass ein Neuling eine Sitzung leiten darf, ist einfach nur lächerlich, wenn man sich Gaulands Werdegang ansieht, wie er auch hier beschrieben ist:

Ein Blick in Wikipedia zeigt, dass Alexander Gauland von 1973 bis 2013 Mitglied der CDU war. U.a. war er im Frankfurter Magistrat und im Bundesumweltministerium tätig und leitete von 1987 bis 1991 die Hessische Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann, er wurde auch Vordenker des Berliner Kreises.
Ab 2013 wurde er Gründungsmitglied der Euro-kritischen Wahlalternative und der daraus hervorgegangenen Partei Alternative für Deutschland (AfD), deren stellvertretender Sprecher er ist.
Außerdem ist er Landesvorsitzender der AfD Brandenburg. Nach der Landtagswahl in Brandenburg 2014, bei der er Spitzenkandidat war, wurde er Fraktionsvorsitzender seiner Partei und Alterspräsident im Landtag Brandenburg.“

Natüüürlich ist es nur seine mangelnde politische Erfahrung, die dazu führt, dass Lammert sich Gedanken machen muss, wie man die Statuten umschreiben muss um solchen Grünschnabel zu verhindern und keinesfalls die Angst davor, dass ein erfahrener, aber bei der „falschen Partei“ positionierter Politiker auch nur für ein paar Stunden das Sagen in ihrem Pfründetempel hat.
Was für eine Schmierenkomödie.

Kommentare:

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Das müssen Sie schon verstehen. Er ist einfach unersetzbar! Der Herr Lammert hat ja auch als Angehöriger des "katholischen Reformhausflügels" vor einigen Jahren eine bahnbrechend-radebrechende Neufassung des Vaterunsers verzapft. Nun fehlen nur noch die von ihm optimierten 10 Gebote in 5 Versen...

Anonym hat gesagt…

Naja, jetzt ist ja nicht mehr das folkloristische Kriterium des Lebensalters, sondern die parlamentarische Erfahrung der Parameter für den sog. Altersvorsorge. Eine richtige Lösung.