Samstag, 1. August 2015

Der Hwd. Herr Alipius ...

... hat mit seinem jüngsten Blog-Artikel völlig recht:

#ProTortureAndDeathPenalty (ButPleaseLeaveTheLionsAlone) 

Weil dieser Hashtag etwas zu kompliziert und zu ehrlich ist, macht er seit einigen Tagen in der etwas geschmeidigeren Form #CecilTheLion auf facebook und twitter die Runde. Und mit "Er macht die Runde" meine ich: Der Hashtag verhält sich zum Internet wie die Buchstabennudeln zur Suppe in meinem Teller, nämlich Tausende zu ein paar Tropfen.
 
Na klar ist Walter Palmer nicht ganz dicht. Um sich das "Recht" zu erkaufen, "legal" einen Löwen abzuknallen, blättert er zuerst eine Geldsumme hin, von der ein Ölscheich sich einen juwelenbesetzten Elfenbein-Rückenkratzer hätte kaufen können. Dann geschieht irgendetwas, das ursprünglich möglicherweise so nicht vorgesehen war (der Löwe wird aus dem Schutzgebiet gelockt, mit Pfeil und Bogen angeschossen und bekommt dann nach 40 Stunden den Gnadenschuß verpaßt). Und jetzt ist Palmer der bestgehaßte Mann unserer Tage.
(Hier weiterlesen)
Was da mittlerweile abgeht, ist nur mehr ... ähm: eigenartig zu nennen. Hype grüßt Massenhysterie, kann man da nur sagen ...

Wenn alles so ist, wie die Medien behaupten (warum geht man eigentlich davon aus? Die lügen doch sonst oft auch wie gedruckt!), dann wird der Zahnarzt rechtlich wegen Tierquälerei und dergleichen belangt werden (und seine Helfer ebenso). Seine Zahnarztpraxis wird er nach dem Bekanntwerden der Vorgänge vermutlich ohnehin zusperren können — und sich unter anderem Namen irgendwo eine neue Existenz aufbauen müssen. Ihm jetzt noch Morddrohungen ins Haus zu schicken, sich per Fratzenbuch in grellen Folterphantasien zu ergehen, und was sonst noch die Ingredienzien solcher Shitstorms zu sein pflegen, ist wohl etwas überzogen.

Ein Löwe ist ein Löwe, und ein bei Touristen beliebter Löwe ist ein bei Touristen beliebter Löwe — aber eben auch genau und nur das! Wenn nun US-Amerikaner, die mit erklecklicher Mehrheit die Folter von pöhsen Menschen und die Todesstrafe für pöhse Menschen ganz okay finden (obwohl auch sie wissen, daß, sollte sich herausstellen, daß leider, leider ein anderer der pöhse Mensch war, und man den Falschen gefoltert bzw. hingerichtet hat, weder Schmerzen noch Giftspritze rückwirkend gutmachen kann), sich dafür dafür in Folter- und Mordphantasien ergehen, so hat das einen bizarren Beigeschmack. Und wenn sich unter den Tierleid-Bewegten noch (wie anzunehmen ist) eine ganze Reihe von »ProChoice«-Anhängern befinden sollten, dann wird's endgültig unappetitlich. Aber, zugegeben: wer hat denn behauptet, daß Shitstorms appetitlich sein müssen ...

 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke. Was für ein lächerlicher Shitstorm der Berufsempörten.

Übrigens, von unverdächtiger Seite (WWF), eine Beurteilung der Trophäenjagd:

http://www.wwf.de/themen-projekte/weitere-artenschutzthemen/handel-und-nutzung/naturgueter-nutzen/trophaeenjagd/

"In manchen Ländern und Projekten ist es mit diesem Ansatz nachweislich gelungen, die Trophäenjagd als Schutz- und Managementmaßnahme für bestimmte Arten einzusetzen und durch sie Anreize zur Erhaltung sowohl von Lebensraum als auch für Arten zu schaffen. Häufig wurde dabei auch die Wilderei drastisch reduziert und Mensch-Wildtierkonflikte gingen zurück. Die Bestände von Zielarten und weiteren Arten konnten sich erholen."

FritzLiberal

Anonym hat gesagt…

Apropos, zum Thema "Prioritätensetzung": es wurden während der letzten Jahre durch US-Drohnenangriffe tausende unschuldige Menschen ermordet. Nur ein Beispiel, eine 67-jährige pakistanische Frau, die bei der Feldarbeit durch eine Drohnenangriff in Stücke gerissen wurde, mehrere Kinder wurden verletzt:

http://www.theguardian.com/world/2013/oct/27/drones-attack-pakistan-family-rehman-congress

Gegen den Letztverantwortlichen dafür, den Oberneger im Schwarzen, pardon, Weißen Haus, sind mir allerdings keine vergleichbaren Shitstorms bekannt. Egal, er darf das, er gehört zu den Guten.

FritzLiberal