Sonntag, 25. Januar 2015

Viktor Reimann

... ein weiterer Vergessener, weil Verdrängter, wurde heute vor hundert Jahren, am 25. Jänner 1915, in Wien geboren. Der österreichische Nationalrat listet über sein früheres Mitglied (1949 bis 1956) auf der Parlaments-Homepage lapidar auf:

Geb.: 25.01.1915, Wien
Verst.: 07.10.1996, Wien
Beruf: Redakteur

Politische Mandate

  • Abgeordneter zum Nationalrat (VI.–VII. GP), WdU
    08.11.1949 – 08.06.1956

Politische Funktionen

  • Mitglied des Bundesvorstandes des VdU
  • Landesobmann der Gewerkschaft der Freien Berufe Salzburgs

Beruflicher Werdegang

  • Leiter des Pressereferates der WdU
  • Kolumnen in der "Kronen Zeitung"
  • Chefredakteur der "Neuen Front" 1950
  • Chefredakteur-Stellvertreter der "Salzburger Nachrichten" nach 1945

Bildungsweg

  • Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Wien (Dr. phil. 1939)
  • Gymnasium
  • Volksschule

Viktor Reimann ist bis heute eine Verlegenheit, ein Stein des Anstoßes der österreichischen Politik geblieben. Daß ein Wiederstandskämpfer, der von den Nazis deshalb zwei Jahre ins Zuchthaus gesperrt wurde und erst zu Kriegsende freikam, sich dann für die Wiedereingliederung der »alten Nazis« in die Politik und Gesellschaft einsetzen konnte, ging und geht den Berufsantifanten einfach nicht ins Hirn!

In der »Österreichischen Mediathek« gibt es als Tondokument einen kurzen Ausschnitt aus einer Rede Reimanns am 14.12.1955. Beeindruckend nicht nur, welche dialektfreie, hochsprachliche Diktion in der damaligen Politik offenbar selbstverständlich herrschte, sondern auch, mit welcher Freiheit Positionen geäußert werden konnten, denen der doppelte Mehltau des »antifaschistischen« Grundkonsens' und der politischen Korrektheit inzwischen längst den Garaus bereitet hat ...

Als Schriftsteller veröffentlichte Reimann biographische Bücher, z.B. über den unglücklichen Wiener Kardinal Innitzer, und eine faszinierend zu lesende Doppelbiographie des Bundeskanzlers Prälat Seipel und des Vorsitzenden der österreichischen Sozialdemokratie und Führers der Austromarxisten, Otto Bauer, unter dem treffenden Titel: »Zu groß für Österreich«.

Zu groß für die Antifanten war und ist wohl auch Viktor Reimann. Sein Buch über den »Staatsmann Bruno Kreisky« immunisierte ihn zwar zu Lebzeiten einigermaßen vor untergriffigen Diffamierungen durch die Linke, doch — kaum begraben — wurde ihm in alter, linker Tradition ins Grab nachgespuckt. Mittlerweile läßt man den Toten in Ruhe, mit der siegessicheren Gelassenheit, ihn längst der damnatio memoriæ überantwortet zu haben. Wobei die, die jene Verdammung zur Vergessenheit aussprachen, nicht zu wissen scheinen, daß auch ihnen dieses Schicksal bereitet werden wird. Und, diese Prognose sei gewagt: nachhaltiger als sie es nach Viktor Reimanns Tod exekutieren konnten  ...

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