Freitag, 16. September 2016

Vor zweitausend Jahren


... also am 16. September 16, wurde Julia Drusilla, die Schwester und (angeblich auch) Geliebte des römlischen Kaisers Caligula in der Nähe des heutigen Koblenz geboren. Wikipedia weiß zu berichten:
Caligula schätzte alle seine drei Schwestern – Drusilla, Agrippina und Livilla – sehr hoch, aber Drusilla war seine Lieblingsschwester. Er präsentierte sie in der Öffentlichkeit wie seine Ehefrau, und sie scheint auch sonst eine große Macht am kaiserlichen Hof ausgeübt zu haben. Caligula ließ Drusilla und ihre beiden Schwestern oft auf Münzen abbilden, ein Novum in der römischen Geldpolitik. Drusilla wurde sogar mit der Göttin Venus gleichgesetzt. Caligulas Wertschätzung für seine Schwester ging so weit, dass ihm eine sexuelle Beziehung zu ihr und ihren Schwestern nachgesagt wurde.
Was von diesen von Sueton überlieferten Skandalstories zu halten ist, wird schnell klar, wenn man (wieder in Wikipedia) über den Historiographen nachliest:
Neben der Kritik an der literarischen Qualität ist auch ein gehöriges Maß an inhaltlicher Skepsis bei der Lektüre von Suetons Biographien anzuraten. Sueton übernahm die Behauptungen seiner Quellen oft kritiklos. Viele Anekdoten basieren auf teils wilden Gerüchten und entbehren jeglicher Neutralität. Gerade was die vielen Schauergeschichten über zahlreiche Kaiser angeht, so muss man Sueton wohl eher als eine Art antiken Klatschreporter und nicht so sehr als historisch immer zuverlässige Quelle verstehen, der in seinen Schriften vielfach eher die Sensationslust seiner Leser befriedigen wollte, statt Fakten wiederzugeben.

------------------


P.S.: Zwar nicht am selben, aber am gleichen Tag (nur eben 1875 Jahre später) wurde übrigens auch der letzte Reichspräsident des Deutschen Reichs geboren. Um daher die chronique scandaleux weiterzuführen (wiewohl das asketische Gemüt des letzteren zu Skandalen keinen Anlaß gab, höchstens zu Skandalen im Verhalten der Nachgeborenen, recte Nachgeburten, aus Anlaß seines Begräbnisses), sei auch dies erwähnt ...

------------------

 P.P.S.: weil's so schön ist, zu lästern ... wußten Sie, daß seit 8.5.1975 der BRD-Bundespräsident zugleich Reichspräsident ist, wenigsten "Inhalt und Aufgabe" nach? Nein? Nun, dann lassen Sie sich informieren, daß ein mit diesem Datum versehenes "Politisches Testament" des besagten letzten Reichspräsidenten existiert, welches mit dem Satz schließt:
Im Bewusstsein nicht endender Verantwortung gegenüber dem Deutschen Volk übertrage ich Inhalt und Aufgabe meines Amtes als letztes Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches auf den Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland.
Wikipedia beeilt sich darauf hinzuweisen, daß Bundespräsidialamt und Bundeskanzleramt diesem „Testament“ keine rechtliche Relevanz beimaßen

Offenbar war ihnen "Inhalt und Aufgabe" dieses Amtes ohndies längst fremd geworden ...

Kommentare:

Patriot hat gesagt…

Ein sehr schönes Denkmal haben Sie hier dem unvergessenen Großadmiral gesetzt. Er war ein unbeugsamer geradliniger deutscher Patriot, der sich nicht westlich umerziehen ließ und dem Heiligen Deutschland bis zum letzten Atemzuge treu blieb. Der Führer hatte kurz vor seinem traurigen Abgang noch einmal einen lichten Moment, dass er Dönitz zum Nachfolger berief.
Schön dass man so etwas in diesen dunklen Zeiten noch lesen kann. Vergelt's Gott!

Altliberaler hat gesagt…

Da hat der wackere "Patriot" mit blumigen Wortgirlanden schön camoufliert, dass der saubere "Großadmiral" tatsächlich "bis zum letzten Atemzuge" ein "unbeugsamer und geradliniger" Nazi gewesen ist. Es spricht für die Verfassungsorgane der Bundesrepublik, dass ihnen "Inhalt und Aufgabe" des Reichspräsidenten, wie Dönitz sie verstand, fremd blieben...

Anonym hat gesagt…

@ "Altliberaler": Definiere "Nazi", und definiere "sauber".
Ich kenne Dich, und Deine schlimme Zunft, und lange war's ein Rätsel mir, wie Euch in ihrem Runde duldet die Natur...

D.a.a.T.

Le Penseur hat gesagt…

Cher "Altliberaler" & "Patriot",

Fakt ist, daß Dönitz ein von den Idealen des Nationalsozialismus begeisterter Offizier war. Fakt ist ebenso, daß Dönitz auch manchem höchst un-idealem Zug des Nationalsozialismus zu wenig (bis keinen) Widerstand entgegengesetzt hat. Dies schreibe ich sine ira et studio, als einer, der dem Sozialismus in keiner Form, weder in der nationalen, noch in der internationalen, irgendetwas abgewinnen kann.

Aber die Gerechtigkeit (und dieser, bzw. dem Ideal dieser, kann ich sehr wohl etwas abgewinnen!) erheischt, einzuräumen, daß es auch unter Sozialisten (und hier wieder ebenso unter nationalen wie internationalen!) Ideale und Idealisten gab. Über die Realisierung bzw. Realisierbarkeit dieser Ideale ist damit nichts gesagt ...

Insoferne, cher Altliberaler, greift Ihr Verdikt

Es spricht für die Verfassungsorgane der Bundesrepublik, dass ihnen "Inhalt und Aufgabe" des Reichspräsidenten, wie Dönitz sie verstand, fremd blieben...

... m.E. ein wenig zu kurz. Aus den wenigen Tagen, in denen Dönitz sein Amt im totalen Zusammenbruch ausübte, ist kaum zu ersehen, wie er "Inhalt und Aufgabe" unter gedeihlicheren Umständen erfüllt hätte. Was er in dieser einen Woche seiner Tätigkeit machte, finde ich jedenfalls insgesamt zweckmäßig und ehrenhaft (und ob manch anderer an seiner Stelle ebenso zweckmäßig und ehrenhaft gehandelt hätte, darf zumindest bezweifelt werden).

Wir erleben so bei Dönitz die Tragik, daß einer - von welch irrigen Idealen auch immer geleitet - "Inhalt und Aufgabe" eines Amtes, wenn auch unter faktischen Beschränkungen bis zur Ohnmächtigkeit, nachzukommen versuchte, wogegen es jene Nachfolger in der Funktion seit dem Tag von Dönitz' "politischem Testaments" damit bewenden ließen, in ihrem Amtseid durchaus ähnliches zu beschwören - und dann nicht zu halten ...

Der fühlbaren Begeisterung des Posters "Patriot" stehe ich freilich mit noch größerem Unbehagen gegenüber: als Österreicher sowieso, als Libertärer noch mehr, und mit meiner konservativ-staatsskeptischen Grundeinstellung schon überhaupt!

Ich verweise hier nochmals auf diesen Versuch einer Selbst-Einordnung, der eigentlich allen "Patrioten" & Co. deutlich sagen müßte, daß sie sich durch Artikel, in denen es mir um historische Gerechtigkeit, differenzierende Betrachtung von Handlungsweisen, und Brechung linker (und transatlantischer) Tabuschranken, nicht versucht fühlen sollten, in diesem Blog einen "Bundesgenossen" zu erblicken! Das wird er, das werde ich nie sein (könnenund wollen)!

Wenn ich bspw. "für Dönitz" zu schreiben scheine, dann ist es nicht eine Äußerung im Sinne von "ein unbeugsamer geradliniger deutscher Patriot ...", sondern vielmehr die Äußerung des Unmuts über die unerträgliche Heuchelei der Nürnberger Prozesse, in denen Männer des 3. Reichs für Handlungen verurteilt wurden, die von Männern der alliierten Mächte ebenso (oder wenigstens ganz analog, teils sogar auch weitaus krasser!) begangen wurden, jedoch völlig ungesühnt blieben, sogar mit Orden und Ehren ausgezeichnet wurden.

Sodann ist es eine Äußerung des Unmuts über servile Heloten-Naturen, die brav jede Siegergeschichtsklitterung nachbeten und alles im Interesse ihres Futtertrogs, zum dem sie durch die Gnade ihrer Strippenzieher jenseits des Atlantiks Zutritt fanden, Nützliche tun und sagen - aber sich einen Dreck darum scheren, worauf und wozu sie eigentlich vereidigt wurden.

Diesen fundamentalen Unterschied nicht erkennen zu wollen, ist mir seitens linker Kritiker, die diesen Blog bisweilen als "braun", "Nazi" etc. zu diffamieren versuchen, ebenso lästig, wie die irrige Zustimmung von der anderen Seite, die vermeint, hier neue Gefolgschaft gefunden zu haben.

Ich weiß, es ist fast hoffnungslos, dies den einen wie den anderen klarmachen zu wollen! Aber Gott sei Dank gibt es ja noch eine breite Schicht von Lesern, die verstehen, worum es hier geht ...