Sonntag, 4. September 2016

Das Fließband

… läuft weiter: nicht im Tempo der Zeiten von J.P. II, welcher nicht bloß selbst inzwischen bereits »heilig«, alleine mehr Leute heilig- und seliggesprochen hat, als alle seine Vorgänger zusammen (das hat, Gott sei Dank, schon sein Nachfolger deutlich eingebremst), aber immer noch flott genug! Weit genug jedenfalls von jenem aufgeklärt-skeptischen Geist entfernt, in dem im 18. Jahrhundert sich dessen wohl bedeutendster Papst, Benedikt XIV, gegen Ende seines langen Pontifikates zugute hielt, daß in seiner Zeit kein einziger neuer Heiliger »zur Ehre der Altäre« erhoben worden sei.

Heute hingegen ist — »endlich«! — die bereits vor Jahren im Eilverfahren »seliggesprochene« Mutter Teresa dran, und wird daher auch in des übertriebenen Katholizismus eher unverdächtigen Medien wie z.B. dem »Kurier« flugs mit dem Titel »Die Jahrhundertheilige« versehen. Nun ja …

Man verstehe es nicht falsch: sicher wird es vorbildliche Menschen gegeben haben (und auch noch geben), die »integer vitæ scelerisque purus« ein vorbildliches und zur Nachahmung empfehlenswertes Leben führten. Mag sein, daß das auch auf Mutter Teresa zutraf — oder eben nicht, wie durchaus kritische Stellungnahmen zu ihr persönlich und ihrem Werk, und zum Orden, den sie gegründet hat, und darlegen wollen. None of my business …

Wenn sich der katholische Heiligenkult darauf beschränkte, uns vorbildliche Menschen als Vorbild und Ansporn zu präsentieren, wäre nun wirklich nicht das geringste dagegen einzuwenden, selbst wenn spätere Forschungen bei einer solcherart »heiliggesprochenen« Person Fehler und Defizite entdeckte, denn: »Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein«, sagt Jesus so schön in der Geschichte über die Ehebrecherin. Wo der Heiligenkult hingegen ärgerniserregend wird, das ist dort, wo den Gläubigen suggeriert wird, besagter Heiliger hätte eine Art von »Vermittlerfunktion« zwischen den Gläubigen und Gott, könne daher um »Fürsprache angerufen« werden, und aufgrund dieser seiner »Fürsprache« geschähen bisweilen »Wunder«.

Unbestritten: bisweilen geschehen in unserem Leben überraschende Wendungen, sodaß man durchaus von Wundern sprechen mag, doch LePenseur wagt die Prognose, daß die »zur Ehre der Altäre« erhobenen Heiligen — sofern es ein (selbst-)bewußtes Fortleben nach dem Tode gibt — sich in der Tat in ihrer himmlischen Seligkeit nur wundern , was ihnen da kirchenamtlich so alles zugeschrieben wird! Da wird dieser oder jener Heilige zum »Patron der [bitte Berufsgruppe einsetzen]«, da kann man weltweit einen Hl. Antonius von Padua wegen verlegter Brieftaschen und Wohnungsschlüssel losschicken (vielleicht sollte ich ihn in der Kanzlei angelegentlich zur Auffindung in Verstoß geratener Aktenstücke bemühen …), und von Maria, der Mutter Jesu (bzw. der »Mutter Gottes«, wie man in Anwendung der sogen. »Idiomenkommunikation« ebenso geläufig wie mißverständlich zu sagen pflegt), als — inter alia — »Mutter der Barmherzigkeit«, »… des guten Rates« etc. etc. überhaupt alles mögliche und unmögliche erflehen.


Der von besagter Mutter Teresa gegründete Orden darf sich ab heute darüber freuen, eine nicht bloß selige, sondern nun sogar heilige Gründerin zu haben (nicht jeder hat so ein Pech mit seinem Gründer, wie die wirklich bedauernswerten »Christkönigs-Priester«, die sich gegenüber den Dominikanern, deren Gründer ähnliche … ähm … Neigungen nachgesagt wurden, wohl etwas unfair behandelt fühlen dürfen).

Nun denn also: wieder eine Heilige mehr! »Ihre Missionarinnen haben im Unterschied zu anderen Frauenorden keine Nachwuchssorgen«, informiert uns der »Kurier« voll stiller Anerkennung, auch ein Photo »mit einer ihrer größten Verehrerinnen, der verstorbenen Prinzessin Diana« darf im Artikel nicht fehlen. Na, ist das nicht auch was Schönes …? 





Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Johannes Paul II hat 482 Leute heilig gesprochen
bei Benedikt XVI waren es 45
und Franziskus hat bisher über 800 heilig gesprochen, denn die Märtyrer von Otranto waren ja schon rund 800 Leute.

Islamkritiker hat gesagt…

Diese ganzen pseudo-juristischen "Prozesse", deren Ausgang (Heiligsprechung) bei bestimmten Personen eh von Anfang an feststeht, sind ein Fake und passen nun wirklich nicht mehr in die Jetztzeit.

Und bei dieser katholinksgrünen Sozialtrulla aus Kalkutta schon zwei Mal nicht.