Sonntag, 3. Januar 2016

Friedrich Witt

Nicht jedem Komponisten der »hinteren Ränge« widerfährt das Schicksal, daß seine wohl beste Symphonie für das Jugendwerk eine Genies gehalten wird. Dem Würzburger Hofkapellmeister Friedrich Witt, der heute vor 180 Jahren am 3. Jänner 1836 verstarb, passierte genau das mit seiner sogen. »Jenaer Symphonie« (in C-dur), die — 1909 nach langer Vergessenheit in einem Archiv in Jena (daher der Name) aufgetaucht — für ein Frühwerk Beethovens gehalten wurde (da auf der Stimme der zweiten Violine »par Louis van Beethoven« vermerkt stand):


Wer weiß, ob heute ohne diesen Irrtum der Musikgeschichtsforschung hier ein Artikel zum Gedächtnis an einen sonst fast gänzlich vergessenen Kleinmeister der Kassik erscheinen würde! So wurde die später aufgeklärte Verwechslung doch zum Anlaß, sich auch mit anderen Werken des Komponisten zu beschäftigen, diesem Umstand (und dem unersättlichen »Content«-Hunger der Musikbranche) verdanken wir wohl Aufnahmen der recht hörenswerten Symphonie Nr. 9 in d-moll (1819), oder der originellen Symphonie Nr. 6 in a-moll »Alla Turca« (1810). Und seine frühe Symphonie in A-Dur (um 1785), die er demnach offenbar mit etwa fünfzehn Jahren geschrieben haben dürfte, ist eine keineswegs unbeholfene frühe Talentprobe!

Auch als Kammerkomponist kann sich Friedrich Witt durchaus hören lassen, so z.B. mit seinem Quintett für Klavier und Bläser Es-Dur, op. 5 — das unter anderen Umständen wohl ebenso in Archiven bis heute und zum Ende der Zeiten verstauben würde, wie tausende derartiger Kompositionen aus jener Zeit! Wie man sieht: auch Verwechslungen haben manchmal ihre guten Seiten ...

Kommentare:

epitimaios hat gesagt…

Bester Cogitator, vielen Dank! Sie haben versehentlich Ihren Hinweis auf seine Kammermusik mit einer Symphonie verlinkt. Hier ist das richtige Link: https://www.youtube.com/watch?v=-aoVvhiDNTs Sie brauchen diesen Kommentar nicht zu veröffentlichen, ich wollte Sie nur auf den Flüchtigkeitsfehler hinweisen

Le Penseur hat gesagt…

Cher Epitimaios,

vielen Dank für die Korrektur! Also hat dieser Artikel wenigstens einen Leser gefunden, der auch alle Links angeklickt hat ...