Montag, 9. November 2015

Ernst Fuchs

... einer der Gründer der »Wiener Schule des Phantastischen Realismus«, und wohl der prominenteste unter ihnen, ist heute morgen im 85. Lebensjahr verstorben.


Bis zuletzt schöpferisch tätig, war er — mit langem Vollbart und Käppchen — schon zu Lebzeiten ein Monument seiner selbst: der letzte »Malerfürst« Wiens ist mit ihm von uns gegangen. Sein Werk, das in altmeisterlicher Maltechnik rauschaft farbenprächtige Visionen aus Mythologie und Geschichte, aus den unterschiedlichsten Kultur- und Religionstraditionen kühn zu kombinieren verstand, war zwar, wenigstens für den Geschmack der »modernen« Kulturschickeria, nicht »zeitgemäß« genug. Und man verübelte ihm dort den Erfolg, den er damit auch bei »einfachen« Menschen — also denen, die um zwei Uhr morgens wachgerüttelt, Wassily Kandinsky nicht von hinten nach vorne buchstabieren könnten — hatte.

Die Anfeindungen seiner frühen Jahre, in denen seine oft rätselhaft verschlüsselte Sakralkunst fast zu »Aufständen« unter treuen Kirchgängern geführt hatten (hinter denen sich nur zu oft Ressentiments wegen seiner Herkunft verbargen — Ernst Fuchs war zwar römisch-katholisch, aber als »Halbjude« in gewissen Kreisen suspekt!), sind inzwischen längst abgeklungen, und gerade seine Sakralkunst wird wohl auch in Zukunft ihre stilbildende Bedeutung nicht verlieren.

Das graphische Werk, so großartig es in Können, Ausdruck und Vielfalt ist, leidet bisweilen unter der allzu »massenhaften« Vermarktung, die es insbesondere in den 60er- bis 80er-Jahren fand, was seiner Qualität jedoch keinen Abbruch tut. 

Ernst Fuchs war nicht nur ein ungewöhnlich produktiver Maler, Graphiker und Bildhauer (und einem halben Dutzend weiterer Gebiete der schönen Künste) — auch in seinem Familienleben, als Vater von 16 Kindern aus sieben (oder acht? — wer weiß das schon genau) Beziehungen, sprengt er die Maße üblicher Künstlerbiographien.



REQUIESCAT IN PACE



P.S.: Eine gute Einführung in die phantastische Bilderweld des großen Meisters findet sich hier.



Kommentare:

Anonym hat gesagt…
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Anonym hat gesagt…

Ernst Fuchs hat mit seiner Grafik in der 60er und 70er Jahren neue Räume des Sehens erschlossen und dabei Anschluß an beste österreichische Traditionen gefunden. Leider hat er diesen Weg nicht fortgesetzt, sondern ist im absoluten Kitsch gelandet. Er hatte offenbar nur Schmeichler um sich herum und keine Freunde, die auch einmal ein offenes Wort mit ihm gesprochen hätten. So wird er denn in die Kunstgeschichte nicht als einer der Großen eingehen, sondern nur als eine große Begabung, die auf lange Sicht den Erwartungen nicht entsprechen konnte, die sie bei vielen geweckt hatte, und in Mittelmäßigkeit endete. Das sagt jemand, der früher selbst einmal begeisterter Sammler der Fuchs'schen Grafik gewesen ist.

Lore Ley hat gesagt…

War es Renoir oder Degas, bei dem man eine Allegorie der Freiheit in Auftrag gab, und der meinte: "Wie immer: ein schöner Frauenhintern..."
Bei diesem "Wie immer" hat Herr Fuchs begonnen und ist auch dort verblieben. Mit großem Erfolg. Männer sind eben sehr leicht zufriedenzustellen, nicht wahr, Bikini-Blogger ?

Le Penseur hat gesagt…

Chère Lore Ley,

nun, da kennen Sie mich nicht wirklich. Außerdem wurde von mehreren Kommentatoren kritisdch angemerkt, daß an »meinen« Bikini-Mädels einfach zu wenig »dranwäre«, warum ich immer solche Hungerhaken zeige, etc. etc.

Tja, allen Menschen rechtgetan ist eine Kunst, die niemand kann ...

Aber es ist schon was richtig dabei: auf Fuchs'sche Saftärsche stehe ich eigentlich nicht so wirklich (ich kann auch mit Rubens'scher Fülle nicht viel anfangen). Ich begeistere mich eher für die knackig-schlanke (sic! Nicht: knochig-abgehungerte!) Mädels mit mittelkleiner Oberweite (B-Körbchen ist ideal), die berühmte »Handvoll« also ...

Aber in welche Regionen verirren sich die Kommentare zum Gedächtnis an einen verstorbenen Malerfürsten! Ts, ts, ts ....

Anonym hat gesagt…
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Le Penseur hat gesagt…

@D.a.a.T.:

Einen Versuch war es aber wert.

Aber nicht lange. Und solange Sie Ihren antisemitischen Senf überall hinkotzen müssen, auch in Zukunft nur solange, bis ich's lösche.