Samstag, 14. Oktober 2017

Schrifttumsreinigung

von Fragolin

Auf der Frankfurter Buchmesse haben sich stramme Volksgenossinnen und Volksgenossen den Volksgeistzerstörenden Werken gewidmet und diese Woche die Reinigung des multikulturellen, postfaktischen, merkelinischen und progressiven Schrifttums von ewiggestrig-realitätsbezogenen Zersetzungseinflüssen betrieben.

Erst wurde des nachts, also während der Schließstunden der Messe, von offensichtlich auf das Gelände eingedrungenen antifaschistischen Sturmtruppen oder vom Heiligen Zorn im Sinne des Propheten Heiko der Sich-nicht-Wegduckende beseelten Verlagsbetreibern des ultralinken Weltrevolutionsspektrums der Stand des „Antaios“-Verlages mit progressiver Zerstörungswut heimgesucht und die Bücher, also jene Schandtitel der Willkommenszersetzung, die man am rächten Rand der verpackten Gesellschaft findet, in den unverkäuflichen und stellenweise unleserlichen Zustand der Zweckfreiheit überführt, der diesen dunkeldeutschen Machwerken der Meinung der helldeutschen Maas-Jünger nach zusteht.

In einem blanken Furor des Engagements für Toleranz, Nächstenliebe und Humanismus plünderten (die gleichen oder andere – egal) Stiefeltruppen des Wächterrates der Weltvereinigung eine Nacht später dann den ultrasupergigaspitzenrächtsäxträmen Verlag „Manuscriptum“ und entsorgten die literarischen Machwerke rechtsextremer Hetzer wie Vaclav Klaus, Rolf Peter Sieferle oder Michael Klonovsky.
Es soll geheime Bilder davon geben, was mit den Büchern geschah:



Der Staatsschutz ermittelt sicher bereits wegen dieser fürchterlichen demokratie- und verfassungsfeindlichen Tat.
Da kann ja sonst jeder kommen und einfach heimlich Fotos machen!

Ach ja, die „Junge Freiheit“ sollte Wachposten aufstellen. Es besteht die reale Chance, dass sie die nächsten sind, die laut der offensichtlich aktiv abzuarbeitenden Liste des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels von den Toleranzwächtern aufgesucht werden.
Denn, wie schreibt Michael Klonovsky, selbst eines der Opfer dieser in historischen Spuren wandelnden Schrifttumssäuberer so passend:

"Auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren sich in diesem Jahr auch einige rechte bis rechtsextreme Verlage", verkündete Alexander Skipis, der dem Börsenverein des deutschen Buchhandels als Hauptgeschäftsführer vorsteht, in dessen Newsletter und lud "dazu ein, die Begegnung mit den Verlagen nicht zu scheuen und für Ihre Meinungen und Werte einzutreten. Meinungsfreiheit heißt auch Haltung zu zeigen. Engagieren Sie sich!" Damit die Haltungszeiger nicht an die falschen Stände tapern, setzte Skipis hinzu: "Drei dezidiert rechte Verlage werden mit einem eigenen Stand vertreten sein: Antaios (Halle 3.1, Stand G 82), Manuscriptum (Halle 4.1, Stand E 46) und die Junge Freiheit (Halle 4.1, A 75)."

So funktionieren Anweisungen zu Straftaten heute.
Geschichte wiederholt sich. Und manche Fotos bleiben ewig aktuell.

Kommentare:

Richelieu88 hat gesagt…

Heute Nacht hat es übrigens auch den Antaios-Verlag erwischt:

https://www.facebook.com/verlag.antaios/photos/pcb.1572720749459556/1572717942793170/?type=3&theater

Anonym hat gesagt…

Dann zitieren Sie doch bitte die "Anweisung zur Straftat", die der Börsenvereins-Mensch angeblich gegeben hat. Was Sie von ihm zitieren, enthält nichts dergleichen und ist fast schon langweilig jugendfrei. Das wird Ihnen auch jeder Jurist bestätigen.

Aber was sage ich - dass der Aufruf eines Buchmenschen, Haltung zu zeigen, für extremistische Linksrechts-Brüller eine Anweisung zur Straftat ist, das ist durchaus plausibel. "Haltung" ist für die Schreihälse ein Hass-Wort.

Le Penseur hat gesagt…

Völlig richtig, cher (chère?) "Anonym",

es ist völlig jugendfrei, was im publizierten Text steht. Die Zahl 88 oder 18 ist auch völlig jugendfrei, doch wird man dafür ggf. vor den Kadi gezerrt, weil es einen "Code" dastellt.

Offensichtich war aber auch das "Engagieren Sie sich!" ein Code für "Zerstören Sie die Verlagsstände" — denn Sie wollen uns doch nicht weismachen, daß der prompt folgende Vandalismus gegen zwei dieser Stände ein bloßer Zufall gewesen wären. Sie meinen weiters:

"Haltung" ist für die Schreihälse ein Hass-Wort.

Nun, ich würde das Zerstören von Verlagsständen und Büchern nicht unter den Begriff "Haltung", sondern eben unter "Vandalismus" oder "Terror" subsumieren.

Sicherlich sind auch Vandalismus und Terror in gewissem Sinne eine "Haltung" — und Ihre "Haltung", derlei verharmlosend gutzuheißen ist natürlich auch eine Haltung (wenn auch keine anständige).

Sie irren allerdings hinsichtlich Ihrer Annahme, diese Ihre "Haltung" wäre ein "Hass-Wort" für die "Schreihälse" (mit welchem epitheton ornans Sie offensichtlich LePenseur und Fragolin diffamieren wollen). Weit gefehlt: Ihre "Haltung" finde ich bestenfalls zum Kotzen, nicht zum Hassen.

Für meinen "Haß", cher Anonym, müßten Sie schon deutlich mehr Format haben. Denn für systemtreue Opportunisten Ihrer Sorte, die gratismutig die "Haltung" vertreten, immer genau das zu sagen, was die Meinung der Meinungsmacher ist, wäre mir "Haß" eindeutig zu viel Gefühlsluxus ...