Freitag, 4. Juli 2014

Die Matrix wird dichter

Der US-Geheimdienst NSA sammelt laut Insider-Aussagen weltweit alle verfügbaren Daten zu Kontrollzwecken - und späht nach neuen Berichten weitere Deutsche aus. Von der zuletzt bekannt gewordenen Überwachung des Anonymisierungsdienstes Tor sind auch Österreicher betroffen (DiePresse.com berichtete). Leider ist dieses Überwachungsregime zu einem System gewachsen, das die Welt abwürgt", sagte der Ex-Mitarbeiter des US-Geheimdienstes, Thomas Drake, bei der ersten Zeugenbefragung des NSA-Untersuchungsausschusses im Deutschen Bundestag.
LePenseur gibt sich keiner Illusion hin, daß sein Blog nicht ebenfalls längst observiert wird. Allerdings ebenso keiner Illusion, daß dieser Blog etwa wichtig genug wäre, daß der Geheimdienst deshalb ein Mordkommando losschickte, oder so.

LePenseur geht allerdings davon aus, daß auch Geheimdienstleute nicht in einem Elfenbeinturm leben und völlig geschützt agieren können. Weitgehend — keine Frage! Aber eben nicht gänzlich. Und je mehr Menschen sich gegen die Bespitzelung wehren, desto ineffektiver und unfinanzierbarer wird sie. Wenn bloß der Blogbetreiber seine Artikel über einen TOR-Zugang ins Netz stellt, kann man ihn ja noch irgendwie verfolgen. Wenn aber fünfhundert bis tausend Leser dieses Blogs täglich dies über TOR machen, dann stößt das alles irgendwann zwar nicht an die theoretischen, wohl aber an die praktischen Grenzen. Und wenn die Leser noch zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen treffen, indem sie bspw. jedesmal, nachdem sie über TOR im Netz waren, den Stromstecker ihres Routers ziehen und nach ein paar Minuten wieder anstecken und mit einer neuen IP-Adresse unterwegs sind, dann wird das immer schwieriger für NSA & Co. nachzuverfolgen.

Und wenn alle (oder doch die meisten) Leser sich nicht bloß »unerwünschte Lektüre«, sondern stinknormale Youtube-Videos über TOR reinziehen, vielleicht nicht immer, aber halt immer öfter, und Daten systematisch nicht auf der Festplatte, sondern auf USB-Sticks zu speichern beginnen, die man eben nur anschließt, wenn man offline ist, und wenn man ...

Nichts ist risikolos, ich weiß! Nichts war jemals risikolos — muß man bedenken. Was früher die Überwachung durch die Dorfgemeinschaft, den Hausbesorger, die allgegenwärtigen Polizisten auf den Straßen etc. etc. war, das ist eben jetzt — schneller, anonymer und vermeintlich effektiver — die Spionage im Internet. Nur: funktioniert es wirklich?

Wenn dieser Blog dennoch anonym gespeist wird, so nicht deshalb, weil LePenseur dächte, daß er dadurch den Spionagenetzwerken entgehen könnte, sondern deshalb, weil er kein Interesse hat, daß bspw. eine alte Politikerin, die sich ihre ganze Karriere bloß nach oben gevögelt hat, es allzu leicht hat, ihn zu verklagen, wenn er das zu ihrer Charakterisierung anführt. Weil er nicht einsieht, warum man der Staatskrake auch nur einen Millimeter entgegenkommen sollte. Wenn ein Staatsanwalt ihn wegen eines Gedankenverbrechens einbuchten will, dann soll er wenigstens dafür im Schweiße seines Bürokraten-Angesichts dafür arbeiten müssen.

Je mehr Menschen sich dieser Haltung anschließen, desto unlustiger wird's für die Datensammler und Menschenversklaver. Gott sei Dank.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es ist nur recht und billig, daß der Herr seine Sklaven überwacht bzw. überwachen läßt von Obersklaven, die ob dieser unerhörten Ehre vor Dünkel schier platzen.

liberalerfaschismus hat gesagt…

Ein Paradoxon besagt, dass je mehr unspezifische Daten man "trawled", desto sicherer kann sich der Einzelne darunter fühlen. Die Dienste überfordern sich und ihre Algorithmen selbst. Das nennt sich "hiding in plain sight". Ein Meer von Daten, ohne kompetente Analyse und Verarbeitung sind weiter nichts als tonnenweise binärer Abfall. Man erkennt aus den vielen Debakel, dass in den Diensten kaum mehr als ein paar Leute arbeiten, die wissen wo ihr linker Daumen sitzt. Dankbarerweise sind IT Spezialisten keine guten Ermittler und gute Ermittler keine IT Spezialisten. Wie Sie schrieben, falsche Verdachte gab es auch in der Zeit der Schlapphüte. Die Grenzen der Spionage ist eben nicht die Moral und Gesetze, sondern die Technologie - wie bei den Waffen auch.

Anonym hat gesagt…

@ liberalerfaschismus:
Sieht Du das nicht ein wenig zu locker? Es sind eitel Psychopathen.
Bei (vermeintlichem) Bedarf langen sie sich jeden beliebigen "Einzelnen".
Davon abgesehen, daß sie den Terror in großem Maßstab ohnehin selber machen.