Montag, 15. Juni 2015

Urlaubsunterbrechung XIII: Jetzt haben sie also doch geheiratet!

Irgendwie fängt der Fisch am Kopf zu stinken an — und so sind es auch die europäischen Monarchenhäuser, die sich in den letzten Jahren eher überschaubar mit Ruhm bekleckerten, wenn es darum ging, einem Prinzen eine adäquate Dame beizugesellen. Nun, es gibt Ausnahmen — gegen die mittlerweilige Herzogin von Cambridge wird man trotz ihrer Bürgerlichkeit wenig einwenden können, und die Liechtensteiner und Luxenburger halten ohnehin das Banner der traditionellen Aristo-Hochzeit hoch. Die inzwischen zur Königin mutierte Maxima der Niederlande hält sich auch ganz wacker (was bei der überschaubaren Genialität ihres Königs auch nicht allzu schwer ist), aber sonst? Sogar die Habsburger haben (spätestens seit der Heirat von Karl, dem zuliebe sein Vater Otto alle Hausgesetze von Ebenbürtigkeit zu Makulatur machte, denen er selbst seine Position verdankte!) längst abgestunken. Und was bspw. die Monegassen mit ihrer Menagerie von schüchtern-unbedarften Brustschwimmerinnen, betrügerischen Bankstern und kleinkriminellen Bodyguards so beisammen haben, ist ja ohnehin eher Stoff für das Drehbuch einer Hollywood-Komödie ...

In Spanien setzte ein langweiliger Kronprinz (mittlerweile: König) durch, eine geschiedene, karrieregeile Intrigantin (u.a. mit einer Abtreibung in der Biographie) zu heiraten, und im Norden herrscht (vielleicht mit Ausnahme Dänemarks) offenbar royaler Rinderwahnsinn: der norwegische Kronprinz ehelicht eine kiffende Partyschlampe mit unehelichem Kind, die schwedische Kronprinzessin einen Fitneßtrainer, dem die Intelligenz eines solchen aus dem Gesicht lacht, ihre jüngere Schwester einen gefinkelten Börsenjobber (dem ich nicht einmal einen Gebrauchtwagen abkaufen wollte, so wie der aussieht).

Und jetzt hat der Prinz im Kleeblatt der Schweden-Royals sich an ein ehemaliges Titten-Model einer schwedischen Männerpostille (mit dem bezeichnenden Namen »Slitz«) gekettet, die darüberhinaus auf eine ruhmreiche Schauspielvergangenheit im schwedischen Pendent des unsäglichen Dschungelcamps verweisen kann.

Irgendwie versteht man angesichts solcher Vorkommnisse nicht, wie sich ein Kaiser Franz Joseph seinerzeit darüber entsetzen konnte, daß sein Großneffe Erzherzog Franz Ferdinand eine »bloße« Gräfin Chotek (wohlgemerkt: aus einem der ältesten und angesehensten Geschlechter Böhmens!) heiraten wollte.

Offenbar glauben die Monarchien unserer Zeit, sie müßten mit dieser gehen. Das ist, Majestäten, aber ein Irrtum! »Zeitgemäß« sind Monarchien schon seit zweihundert Jahren nicht mehr — denn damit hat die Französische Revolution ein für allemal aufgeräumt (das mag man bedauern oder begrüßen — es bleibt aber ein Faktum!). Monarchien beziehen heute ihre Legitimität eigentlich nur mehr aus ihrer »Un-Zeitgemäßheit«! Wo sie diese über Bord werfen, um dafür auf den Welles des Zeitgeists munter dahinzusurfen, werden sie bald ernüchtert im Wasser landen.

Nein — »man« erwartet von einem Prinzen nicht, daß er eine flott rudelgebumst habende Partygöre zu seiner Frau macht, sondern eigentlich das Gegenteil! Die Monarchie ist die Illusion, daß es so etwas wie »bessere Menschen« gibt, zu denen man aufschauen kann — nun: solche gab es eigentlich nie. Aber bis 1789 konnte man die Illusion haben, es gäbe sie! Seitdem ist Monarchie ein Nostalgie-Artikel geworden: eine schöne Antiquität, die dekorativ wirken kann — und gepflegt sein will! Ob die Dreckschleuder der Yellow Press wirklich das geeignete Politurpflegemittel für derlei Antiquitäten darstellt, darf jedenfalls füglich bezweifelt werden ...

Kommentare:

FDominicus hat gesagt…

Also soweit mir bekannt, ging das immer mal ziemlich munter durcheinander. Und es gab/gibt ja immer noch die Möglichkeit irgendwen zu was auch immer zu machen. So war es sicher kein Problem eine Nebenfrau zu Hauptfrau durch Enthauptung zu machen. Warum es also früher besser gewesen sein sollte erschließt sich mir nicht.

Le Penseur hat gesagt…

Cher FDominicus,

Nun all das ist (zwar nicht nur, aber doch auch!) eine Frage des Stils, den man dabei bewahrt! Irgendwelche blöde Discogören, die bekifft bei einer Party vor laufender Video-Kamera ihr T-Shirt ausziehen und ihre Titten hüpfen lassen, wurden früher mal doch eher nicht Frau eines Kronprinzen!

Daß die Aristos immer schon eine Tendenz zu Fremdgehen und sexueller Zügellosigkeit an den Tag legten, ist schon wahr — nur eben mit gewisser Diskretion. Und so, wie eine Wachablöse im Grunde ja auch nur eine Show ist, so ist das halt auch mit Mätressen & Co.

Der Ton macht die Musik. und ein Dumpfbackengetröte aus dem Dschungelcamp-Trichter ist halt eher mißtönend ...

SF-Leser hat gesagt…

Werter Penseur,

nun wenn ich das so lese, scheinen ja die Damen und Herren der sogenannten besseren Kreise nach Ihrer Schilderung früher ja etwas langweilig gewesen zu sein. Irgendwie, so aus meiner Menschenkenntnis heraus, kann ich das aber nicht glauben. Dieser Eindruck scheint wohl eher daran zu liegen, daß manches wohl eher nicht so bekannt wurde oder dann wenn, eher unter den Tisch gekehrt wurde.

Und das mit den heiratbaren Prinzessinnen: Da ja dieses eine kleine Herzogtum in Deutschland, das früher halb Europa mit Heiratskandidatinnen versorgt hat, seine Dienste eingestellt hat, muß sich ein Prinz eben in anderen Gefilden umschauen.
Und da kann er doch verständlicherweise gleich nach dem Aussehen gehen, oder?

Grüße

SF- Leser

Le Penseur hat gesagt…

Cher SF-Leser,

Gepflegte Langeweile ist durchaus standesgemäß. Bekifft Rudelbumsen nicht. Aber es gibt (mein eigenes Beispiel und das meiner Frau beweisen es) durchaus Mittelwege zwischen Langeweile und Kiffen ...

Nehmen Sie z.B. die Herzogin von Cambridge: gegen die läßt sich nun wirklich nicht viel einwenden (außer, vom Ebenbürtigkeitsstandpunkt, daß sie eine Bürgerliche ist). Sie sieht hübsch aus, kleidet sich schick und elegant, weiß sich bei Auftritten zu benehmen — und von ihr gibt's im Internet höchstens mal ein unscharfes, von so einem Paparazzischwein heimtückisch geschossenes Oben-ohne-Photo mit ihrem Mann (sic!) daneben. Es geht also! Und ich habe nun wirklich nicht den Eindruck, daß sie und Prinz William keinen Spaß miteinander hätten, und bloß lahmarschige Stubenhocker wären!

Hätte ich einen Sohn, würde ich es ihm auch verübeln, wenn er mir mit einer kiffenden Partyschlampe (noch dazu mit einem Bankert) angetanzt käme und mir erklärte: »Die oder keine!«, und würde ihm diesfalls raten, meine väterliche Geduld nicht über Gebühr zu strapazieren. Und ich bin nicht König von Norwegen!

Ich wäre auch über eine geschiedene Tussi, die aus Karrieregründen abgetrieben hat, nicht erbaut. Und bin nicht König von Spanien. Und auch ein früheres Tittenmodel & Dschungelcamp-Pflänzchen fände bei mir — wiewohl nicht König von Schweden — wenig Gegenliebe.

Sorry — was erwartet uns dann in der nächsten Steigerungsstufe der Geschichte? Etwa die Reeperbahn-Hure als Kronprinzessin? Die vorbestrafte Einbrecherin als Königin?

Wer glaubt, alles permissiv so einfach »geschehen« lassen zu können, braucht sich über den Niedergang unserer Gesellschaft nicht zu verwundern! Und in der Tat: ich bin konservativ genug, eine Gesellschaft, die Christopher-Street-Day-, Wien-ist-andersrum- & sonstigen Loveparade-Umzüge — bei denen auf den Umzugswagen ganz unzweideutig auf fuck-in gemimt wird — schlicht und einfach für dekadent und verrottet zu halten.

Wohlgemerkt: der Verfall spielt sich ja keineswegs nur auf sexuellem Gebiet ab — er ist ebenso präsent in der allgegenwärtigen Korruption (als »Lobbying« behübscht), der flagranten Ehrlosigkeit praktisch aller »öffentlichen Personen«, der ständigen gutmenschelnden Heuchelei, die sich nicht scheut, mit ungenierter Gaunerei abzugreifen, wo's nur geht!

Unter solchen Auspizien brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn in Bälde Europa von Muselhorden überrannt und schon bis dahin weidlich verachtet wird.

Ich weiß: das wollen alle Wide-Wide-wie-es-uns-gefällt-Liberalen & -Libertären nicht hören, die statt dessen davon träumen, wie klasse doch ein Sezessionsrecht für alle wäre.

Irgendwann (und zwar: eher bald, als in ferner Zukunft!) werden sie aufwachen und erkennen müssen, daß sie statt im erträumten Wolkenkuckucksheim ihrer Träume in der Dystopie einer von brutalen War-Lords einer Steinzeitreligion leben. Und dann wird ihnen vielleicht dämmern, daß die gezielte Verhöhnung und Zerstörung aller eigenen Traditionen und Werte vielleicht doch nicht das Gelbe vom Ei war. Nur wird's dann für ein paar Jahrhunderte »Game over!« heißen.

FDominicus hat gesagt…

Heute ist IMHO einfach nur mehr "bekannt" - aber geändert hat sich das bei den Menschen nicht. Außerdem halte ich sowieso nichts von Menschen auf Thrönen und mich interessiert der "Adel" dieser Welt nicht die Bohne. Was ich vielleicht sogar begrüßen könnte ist ein Aussterben eben diese "angeblichen Adels" Was würd man verlieren?

Soweit mir bekannt lassen sich einige Länder ihre Könige und so ganz schön etwas kosten. Warum?

Sehe ich nicht ein und noch etwas anderes. Adel = Sack in China

Dazu kann ich nur folgendes Lied empfehlen:
https://www.youtube.com/watch?v=HVReDiyouWs

Anonym hat gesagt…

@Le Penseur: "Ich weiß: das wollen alle Wide-Wide-wie-es-uns-gefällt-Liberalen & -Libertären nicht hören, die statt dessen davon träumen, wie klasse doch ein Sezessionsrecht für alle wäre."

Was spricht gegen ein Sezessionsrecht? Nichts wirkt disziplinierender auf die Zentralgewalt eines Staatswesens, als die mögliche Sezession von Nettozahler-Gebieten. Hätte Bayern die Möglichkeit, aus dem deutschen Staatsverbund auszutreten, hätte es bestimmte Exzesse in Berlin z.B. nie gegeben.

FritzLiberal

Le Penseur hat gesagt…

Cher FDominicus,

Da ich nun wirklich alles andere als ein geeichter Monarchist bin, teile ich Ihre diesbezügliche Gleichgültigkeit bezüglich des Aussterbens von Aristos & Royals durchaus. Im klassischen Sinne sind sie ja fast alle bereits ausgestorben, denn durch unebenbürtige Heiraten sind sie — im Sinne des Gotha — schon längst bürgerlich geworden.

Was die Kosten betrifft: ich habe einmal einen Artikel gelesen, in dem die Kosten für die Bundespräsidentenwahl in Österreich angeführt waren. Also, was das alle sechs Jahre kostet, dafür gehen sich locker stattliche Zivillisten für einen Kaiser (samt Apanagen für zwei Dutzend Erzherzöge) aus!

Und wenn ich mir so ansehe, daß bis zu seinem Tode im Jahr 2011 ein Kaiser Otto das Staatsoberhaupt von Österreich gewesen wäre, und wir Österreicher uns dafür die Bundespräsidenten Hainisch (okay, der war ganz brauchbar!), Miklas (ziemlich grusel!), Renner (grusel!), Körner (okay, zwar ein Soze, aber nicht so schlecht), Schärf (naja, soll nix schlimmeres passieren), Jonas (etwas grusel), Kirchschläger (etwas grusel), Waldheim, Klestil (grusel!) und Fischer (sehr viel grusel!) erspart hätten, denke ich gleich milder über die Monarchie.

Wenn ich mir Ottos Sohn freilich ansehe, verfliegt meine Begeisterung allerdings schnell ...

Dennoch: wenn man nun aber schon eine Monarchie hat, dann soll sich das betreffende Königshaus wenigstens am Riemen reißen, und dafür sorgen, daß die p.t. Prinzen und Prinzessinnen nicht mit irgendwelchen bekifften Partyludern oder doofen Fitneßtrainern daherkommen! So, wie man schließlich in einem feinen Restaurant nicht rülpst, genau so sollte es in der feinen Gesellschaft (und dazu sollten doch wenigstens Königshäuser zu zählen sein) selbstverständlich sein, daß man an prospektive Ehegesponse klare Mindestkriterien anlegen. Lupenreine Seize-Quartiers wird's heute vermutlich selten spielen, hélàs ... — aber irgendwelche Disco-Schlampen oder Substandard-TV-Starlets müssen's halt auch net sein ...


Cher FritzLiberal,

Gegen ein Sezessionsrecht Bayern ist in der Tat nichts einzuwenden. Nur: die wirklichen »Wide-Wide-wie-es-uns-gefällt-Liberalen & -Libertären« träumen ja von Sezessionsrechten weitaus kleinerer Einheiten und wollen — mindestens! — ein Sezessionsrecht des Landkreises Niederstinkenhausen, besser eines der Gemeinde Oberstinkenhausen in besagtem Landkreis, noch besser eines der Niederstinkenhausenerstraße 23-25 besagter Gemeinde, und am allerbesten eines der Familie Frey-Handel auf Türnummer 26a dortselbst, wenn nicht gar von Fräulein Samantha Frey-Handel nach Erreichung ihrer Volljährigkeit, die sich dann endlich mit GleichgesinntInnen zur Interveganen Konföderation Buxtehude zusammenschließen kann ...

Anonym hat gesagt…

@Le Penseur: Die Frage ist natürlich, wo die Grenze ziehen. Aber grundsätzlich finde ich die Möglichkeit, bei Unzufriedenheit aus einer Gemeinschaft austreten zu können, nicht schlecht. Wie gesagt, wirkt äußerst disziplinierend auf das Verhalten und die Begehrlichkeiten von Nettoempfängern.

FritzLiberal

Lore Ley hat gesagt…

In früheren Zeiten hielten sich Adel und Klerus einfache Leute, Krüppel oder Exoten als Hofnarren zu ihrer Unterhaltung und Belustigung. Heutzutage ist es umgekehrt: im Zuge der allgemeinen Verproletarisierung der Gesellschaft hält sich das Volk den Adel zu seiner Belustigung: ebensolche Geisteskrüppel, Exoten und degeneriertes Gelichter.