Samstag, 15. November 2014

Exakt jetzt vor 125 Jahren

... nämlich am 15. November 1889 um 8:30 Uhr Ortszeit von Rio de Janeiro (d.h. 4 Stunden später als bei der MEZ) wird Brasilien durch einen Militärputsch föderale Republik: »Vereinigte Staaten von Brasilien«. Einer der fähigsten, edelsten Monarchen nicht nur seines Jahrhunderts, Kaiser Peter II aus dem Hause Bragança, wird von Marschall Manuel Deodoro da Fonseca gestürzt.

Der Monarch starb wenig mehr als zwei Jahre danach verarmt in seinem Pariser Exil. Sogar die übertriebener monarchistischer Aspirationen höchst unverdächtige deutsche Wikipedia ringt sich im Artikel über den Monarchen zu einer überaus positiven Bewertung durch:
Pedro II., den Victor Hugo einen Nachkommen Marc Aurels nannte, galt als einer der fähigsten Monarchen seiner Zeit. Während seiner Regierung, die fast ein halbes Jahrhundert dauerte, wuchsen Bevölkerung und Wirtschaft in zuvor ungeahntem Ausmaß. Kaffee nahm den Rang eines Nationalprodukts an, ab 1870 gefolgt von Kautschuk. Europäische Einwanderer strömten ins Land.

Da er früh die Bedeutung von guten Verkehrswegen und Kommunikationssystemen für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung erkannte, ließ er ein Netz von Eisenbahnen, Telegraphen- und Telefonleitungen bauen. Er bescherte dem Land die ersten gepflasterten Straßen, Briefmarken und das Telefon.


Der Kaiser, mehrsprachig und belesen, war mehr Gelehrter als Politiker. Daher rührte auch sein Spitzname „Oberlehrer der Nation“. Er förderte den wissenschaftlichen Fortschritt und die Künste. Privat interessierte er sich besonders für die Astronomie. So ließ er unter dem Dach seiner Sommerresidenz in der von deutschen, vor allem Tiroler Einwanderern erbauten Stadt Petrópolis eine kleine Sternwarte einrichten, in der er manche Nacht damit zubrachte, neue Himmelskörper zu entdecken. In einem anderen Teil des Palastes ließ er eine Schule für Waisenkinder einrichten. 1876 besuchte er Heinrich Schliemann bei seinen Ausgrabungen in Mykene.

Pedro II. war unter anderem einer der Mitbegründer des Instituts Louis Pasteur in Paris und unterstützte den Bau des Bayreuther Festspielhauses. Seine Regierungsjahre waren die stabilsten und, wenn man so will, „glücklichsten“ in der brasilianischen Geschichte ...
Wer die wenig erbauliche Geschichte Brasiliens seit seiner Republik-Werdung mit der Regierungszeit dieses Monarchen vergleicht, versteht die Wertschätzung, die ihm bis heute im Gedächtnis der Nation entgegengebracht wird.

Wenn es ein Belegbeispiel für Prof. Hoppes These über die Demokratie — dem Gott, der keiner ist — gibt, das für die (relativen) Vorzüge von Monarchien herangezogen werden kann, dann ist es wohl die Regierung Dom Pedros, dessen Bildung, Besonnenheit, Gerechtigkeitsliebe und Wohltätigkeit ihn turmhoch über die kleptokratischen »Eliten« der republikanischen Folgezeit erheben.

Kommentare:

Geonaut hat gesagt…

Nun, werter Penseur,
dieser Pedro II ist wohl ein außerordentlich sympathischer und fähiger Mann gewesen. Muss mich mit Ihm mal näher beschäftigen.

Nur, da bleibt ein dunkler Fleck.
Warum hat er nicht 1850, spätestens 1865 die Negersklaverei abgeschafft? sondern erst 1888!! Eine Schande für Brasilien. Sogar Sklavenimporte gab es noch lange Zeit.
Wütender Widerstand der Pflanzer? Vielleicht. Aber Widerstand kann man doch brechen, wenn man Kaiser ist?
Wissen Sie da genaueres drüber?

Grüße aus Kiel
Geonaut

Anonym hat gesagt…

@Geonaut: einfach den verlinkten Wikipedia-Artikel lesen. Die Sklaven-Befreiung war einer der Punkte, der zum Sturz des Monarchen führte.

FritzLiberal