Mittwoch, 2. Februar 2011

»Despotendämmerung: Das Ende der abgehobenen Herrscher«

... übertitelt Österreichs selbsternanntes Qualitätsmedium, »Die Presse« ihren heutigen Leitartikel von Burkhard Bischof. Wenn ein klassisches Organ der System-Mediokratie (was sich ebensogut von »Medium« wie von »medioker« ableiten läßt), wie es »Die Presse« eben ist, über »Despotendämmerung« und dergleichen zu schwadronieren beginnt, dann sind meist — nein: immer! — die Leserkommentare besser als der Artikel selbst. So auch dieses Mal:

Poster »Elrond« meinte:
Tja, aber es fehlt noch was: nämlich, daß vergleichbares in Europa kommt. Fällt aber keinem auf, da wir ja nur den Splitter beim Nachbarn sehen, aber nicht den Balken bei uns. In gewissen Bereichen steuern wir schon sehr stark in diese Richtung. Abgehobener Klüngel, schönfärbende Medien, ...

Fürchten sich bei uns auch schon Machthaber? Womöglich - sonst wären die Berufsheere nicht so favorisiert und die Persönlichkeitsrechte immer mehr unter Beschuß.
Poster »robottrovv« wird unter dem Titel »Mubarak, Gusenbauer, Lendvai, Cohn-Bendit und die Spaßgesellschafts-Demokratie« ausführlicher:
"Angekündigte Revolutionen finden nicht statt!" — nicht erwartete schon. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder aufs Neue: In Ägypten als Tragödie stammelt der Gerontokrat nach Luft; in der wohl-situierten westlichen Spaßgesellschaft als Komödie blicken die selbsternannten linksliberalen Gutmensch-Politiker gebannt in den Osten, wo die Menschen etwa in Ungarn mit einer 2/3-Mehrheit die verlogenen Lügen-Sozialisten in die Wüste der Unbedeutsamkeit schickten. In Österreich verdingt sich ein linker ehemaliger Möchtegern-Revolutionär Gusenbauer als Chefberater von abgehalftertern Desposten in Kasachstan. In ein paar Jahren wird in Österreich gewählt: Man darf gespannt sein auf den geheuchelten Aufschrei der Möchtegern-Muster-Demokraten a la Lendvai: Warum denn nun ein rechter Erdrutsch die zarte Blume der Demokratie erst mal verschüttet hat… Und jetzt noch eine gespenstische Parallele: Mubarak geboren 1928 – Paul Lendvai geboren 1929: Keiner von beiden hätte gedacht, daß irgendwann einmal die Zeichen der Zeit über sie hinwegblasen werden. Gerontokraten gibt es sowohl in der Politik wie im Journalismus; und es ist ein Kennzeichen dieser, daß sie ihre Antiquiertheit selber nicht erkennen und nicht rechtzeitig aus dem Dunstkreis der Macht in Würde sich gerade noch verabschiedet haben hätten können…
Und Poster »Pete« brachte es auf den kürzesten Punkt:
"Das Ende der abgehobenen Herrscher" — Müssen jetzt die Prölls abdanken?
In der Tat sind die Unterschiede in der Machtausübung eher dekorativer Natur. Bei uns verbirgt sich die Faust des Systems hinter Floskeln von Rechtstaatlichkeit und »Demokratie«.

Aber, natürlich: die österreichische Polizei ist nicht so korrupt und prügelt nicht so schnell jemanden tot wie die ägyptische. Das war aber zu weniger »demokratischen« Zeiten (also z.B. unter Kaiser Franz Joseph's Notverordnungs-Regierungen) auch schon der Fall, dürfte also nichts mit den Segnungen unserer »Demokratie« zu tun haben.

Die in Österreich (wie übrigens der gesamten westlichen Welt mit Ausnahme der Schweiz) eine »Demokratie« für eine Handvoll Parteiapparatschiks ist. Der Wähler kann nur — wie in einem schlechten Wirtshaus — zwischen fünf ähnlichen Eintopfgerichten »wählen«, freilich ohne das Recht, den Fraß nach dem ersten Bissen wieder zurückzuschicken. »Was auf den Tisch kommt, wird gegessen ...«

Kommentare:

Pessimist hat gesagt…

"Der Wähler kann nur — wie in einem schlechten Wirtshaus — zwischen fünf ähnlichen Eintopfgerichten »wählen«..."

Und jeder, der ein anderes Wirtshaus mit alternativem Futter aufmacht, wird scheitern. Die Leute lieben einfach ihren gewohnten Fraß. Oder bleiben zu Hause und schimpfen darüber, daß das Wirtshaus nix taugt.

Le Penseur hat gesagt…

@Pessimist:

Und jeder, der ein anderes Wirtshaus mit alternativem Futter aufmacht, wird scheitern.

Das glaube ich nur bedingt. Eher glaube ich, daß die Bedingungen für das Aufmachen anderer (bitte nicht »alternativer«!) Wirtshäuser so gestaltet sind, daß dort auch wieder nur Eintopf serviert werden kann.

Solange unsere Verfassung durch die Parteibuch-Berufspolitiker ungeniert deformiert wird (und dank deformiertem VerfGH auch werden kann!), ist es eben egal, welchen Namen der Eintopf hat. Es ist und bleibt ein Fraß! Und daß die Leute den alle nur aus Gewohntheit liebgewonnen haben, können Sie mir nicht einreden ...

Pessimist hat gesagt…

@ Le Penseur

Vor ca. 50 Jahren gab's 3 Eintopfgerichte, 2 große und ein kleines. Seither schaffte es lediglich ein weiteres Eintopfgericht dauerhaft auf die Menükarte, während derzeit ein altes Eintopfgericht vorübergehend in 2 Varianten erhältlich ist (wie lange noch?).

Macht also die von Ihnen angeführten 5 ähnlichen Eintopfgerichte. Vermutlich wird eines von der Speisekarte wieder verschwinden. Bleiben dann also 4.

Versuche für andere Speisenangebote gab's immer wieder. Und der Erfolg? Mir fällt keiner ein. Ihnen?

Erfolgreich ist, was der Kunde kauft / wählt. Deshalb sind ja auch z. B. Krone, Bild, Sun usw. die erfolgreichsten Zeitungen...

Le Penseur hat gesagt…

@Pessimist:

Erfolgreich ist, was der Kunde kauft / wählt. Deshalb sind ja auch z. B. Krone, Bild, Sun usw. die erfolgreichsten Zeitungen...

Exzellenter Vergleich, der gleich meinen Punkt deutlich macht:

Warum sind Krone & Co. erfolgreich? Weil sie den Geschmack vieler Leute treffen. Das ist also in der Politik mit dem Geschmack des SPÖVP-Eintopfs vergleichbar. So fetzendeppert können die garnicht agieren, daß nicht ca. ein Marktanteil von 50% (m.o.w.) rauskommt. Aber was ist mit dem Rest?

Nun, da verhält es sich bei Zeitungen und Politparteien ähnlich: die Rahmenbedingungen sind für Newcomer bewußt ungünstig gestaltet.

Etablierte Parteien/Medien werden vom Staat großzügig alimentiert (in Partei- und Presseförderung ist Österreich Spitze!). Nichtetablierte werden einfach plattgemacht. Bei den Medien ändert sich das dank Internet schön langsam — aber in der Politik ist es durch Verfassung und Gesetze festzementiert: allein die 4%-Hürde macht Österreich "regierbar" (d.h. im Sinne der Machtinhaber). Die Parteien als Krebsgeschwür am Körper der Demokratie und des Rechtsstaates haben das Vergabemonopol auf alle Stellen, die ihrem Metastasieren etwas entgegensetzen könnten: der VfGH, der Rechnungshof, Gerichtsbarkeit, Staatsanwaltschaft — praktisch alles ist mit Parteigünstlingen durchsetzt, noch dazu mit massiver Begünstigung des SPÖVP-Eintopfes.

Nochmals: ich glaube nicht, daß der ewiggleiche Eintopf wirklich allen mundet, und nur deshalb keine anderen am Markt sind, sondern daß die Marktbedingungen bewußt so gestaltet werden, um den Leuten den ewiggleichen Eintopf vorsetzen zu können.

Bis sie ihn irgendwann erbrechen, weil der Magen revoltiert. Das nennt sich dann Revolution ...