Freitag, 23. Februar 2018

Helden der Meinungsfreiheit

von Fragolin

Am 22. Februar vor genau 75 Jahren wurden zwei aufrechte und überzeugte Kämpfer für die Meinungsfreiheit in einem diktatorischen System von dessen Schergen ermordet, ein Bruder und eine Schwester, jung an Jahren aber weise in den Worten. Heute berufen sich linke Kuschelrevoluzzer auf diese Beiden, ohne zwei Dinge zu bedenken: Die Geschwister Scholl pöbelten nicht im Fahrwasser des Staates und quergefördert durch ideologisch gekaperte Ministerien im Sinne der Herrscher gegen eine Opposition, was die jämmerlichen armchair soldiers von heute als Mut missdeuten, sondern setzten ihr Leben aufs Spiel, indem sie Flugblätter gegen das gnadenloseste und spitzeldurchseuchteste Regime, das die Welt bisher gesehen hatte, bei Nacht und Nebel über die Münchner Straßen verteilten. Während das Einzige, was den heutigen „mutigen“ Kämpfern für das Gute widerfahren kann, das Zittern vor der eigenen Angst vor „aufmarschierenden Nazihorden“ ist, die weit und breit nirgends zu sehen sind, haben diese beiden Helden für die Meinungsfreiheit ihr Leben aufs Spiel gesetzt – und verloren.

Und deshalb heute ein Zitat aus dem dritten Flugblatt der „Weißen Rose“, der erste Absatz, bei dessen Lesen es den gleichen Linken, die sich gerne mit den Geschwistern Scholl in revolutionsromantischer Manier im linken Geiste verbrüdern würden, die Fußnägel aufrollen täte, würde eine AfD-Publikation damit aufmachen:

„Alle idealen Staatsformen sind Utopien. Ein Staat kann nicht rein theoretisch konstruiert  werden, sondern er muss ebenso wachsen, reifen wie der einzelne Mensch. Aber es ist nicht zu vergessen, dass am Anfang einer jeden Kultur die Vorform des Staates vorhanden war. Die Familie ist so alt wie die Menschen selbst, und aus diesem anfänglichen Zusammensein hat sich der vernunftbegabte Mensch einen Staat geschaffen, dessen Grund die Gerechtigkeit und dessen höchstes Gesetz das Wohl Aller sein soll. Der Staat soll eine Analogie der göttlichen Ordnung darstellen, und die höchste aller Utopien, die civitas Dei, ist das Vorbild, dem er sich letzten Endes nähern soll. Wir wollen hier nicht urteilen über die verschiedenen möglichen Staatsformen, die Demokratie, die konstitutionelle Monarchie, das Königtum usw. Nur eines will eindeutig und klar herausgehoben werden: jeder einzelne Mensch hat einen Anspruch auf einen brauchbaren und gerechten Staat, der die Freiheit des einzelnen als auch das Wohl der Gesamtheit sichert. Denn der Mensch soll nach Gottes Willen frei und unabhängig im Zusammenleben und Zusammenwirken der staatlichen Gemeinschaft sein natürliches Ziel, sein irdisches Glück in Selbständigkeit und Selbsttätigkeit zu erreichen suchen.“

Ein Hohelied auf den Staat, die Familie, die Göttliche Ordnung, wie es heute nur noch in konservativen Kreisen gesungen wird: Wann immer sich linke Feinde dieser Ordnung dazu versteigen, nur weil diese von den Nazis ermordet wurden, die Geschwister Scholl für sich zu instrumentalisieren, beleidigen sie diese zutiefst. Das, was Linksgrüne Staatsverweigerer und Zerstörer aller nach Bürgerlichkeit müffelnden Werte heute vertreten, die Methoden, mit denen sie ihre Tyrannis über das Handeln, das Reden und die Meinung der Menschen anstreben, hätte sehr wahrscheinlich die zutiefst humanistisch und liberal geprägten Scholls nicht weniger angewidert wie die Tyrannei des Primitivlings, unter der sie litten.

Ich vermute, dass diese Vereinnahmung aller jemals von den Nazis ermordeten Menschen durch die Linken nur dem einen Zwecke dient: sich als einzigen Gegenpol dieser Irrsinnigen zu stilisieren und  sich damit in die Position zu manövrieren, jeden ihrer Gegner automatisch zu einem Nazi erklären zu können, da ja jeder Gegner der Nazis automatisch in ihren Reihen steht. Die Tatsache, dass nicht nur Kommunisten sondern auch viele Vertreter des liberalen konservativen Bürgertums, ja sogar Burschenschafter und Katholiken, diese ewigen Feindbilder der Linken, in den Nazi-Lagern landeten und in Massengräbern verrotteten, wird gern ebenso verschwiegen wie die, dass viele ehemalige Sozialisten bei den Nationalsozialisten unterkrochen und nach der Himmelfahrt des Tausendjährigen Wahnsinns auch wieder in den Sozialistischen Parteien auf- oder besser untertauchten. Die Geschwister Scholl waren keine Linken nach heutiger Lesart, sie waren Liberale. Freiheitsliebende Humanisten. Die ewigen Feinde jeder Diktatur. Auch der linken.

Und so zitieren sie auch in diesem dritten Flugblatt der „Weißen Rose“, was ich gerne re-zitieren möchte:

„Aristoteles, „Über die Politik“: „... ferner gehört es“ (zum Wesen der Tyrannis), „dahin zu streben, dass ja nichts verborgen bleibe, was irgendein Untertan spricht oder tut, sondern überall Späher ihn belauschen, ... ferner alle Welt miteinander zu verhetzen und Freunde mit Freunden zu verfeinden und das Volk mit den Vornehmen und die Reichen unter sich. Sodann gehört es zu solchen tyrannischen Maßregeln, die Untertanen arm zu machen, damit die Leibwache besoldet werden kann, und sie, mit der Sorge um ihren täglichen Erwerb beschäftigt, keine Zeit und Muße haben, Verschwörungen anzustiften... Ferner aber auch solche hohe Einkommensteuern, wie die in Syrakus auferlegten, denn unter Dionysios hatten die Bürger dieses Staates in fünf Jahren glücklich ihr ganzes Vermögen in Steuern ausgegeben. Und auch beständig Kriege zu erregen, ist der Tyrann geneigt ...““

Na, das lasse ich jetzt einfach mal wirken.
Und denk‘ an Deutschland in der Nacht...

Kommentare:

Gerd Franken hat gesagt…

>>Denn der Mensch soll nach Gottes Willen frei<<

In der Gegenwart werden solche Sätze schon mal gerne mit Katholibans in Verbindung gebracht. Was die Scholls (allesamt auch praktizierende Christen), wohl zu dieser Bezeichnung gesagt hätten?

Fragolin hat gesagt…

Werter Gerd Franken,
der Begriff ist nicht von mir, aber wenn dann kann ich ihm nur etwas abgewinnen in Verbindung mit jenen Hardcore-Religiösen, die über das Ziel hinausschießen und das mit dem Willen Gottes und der Freiheit des Menschen nicht so unter einen Hut bekommen. Der Glaube gibt mir Kraft, denn ich bin der Meinung, Gott hat mir das Hirn zwischen die Ohren gepflanzt, damit ich es benutze, und jeder Versuch, den Menschen klarzumachen, sie sollen das unterlassen und lieber obskuren orientalischen Märchenbüchern folgen als dem Ergebnis des Gottesgeschenkes zwischen den Ohren, betreiben eigentlich Blasphemie. Als hätte uns Gott mit etwas gesegnet um uns dann dessen Nutzung zu verbieten.
Also nichts für ungut, aber ich würde Menschen wie den Scholls, die im Glaube Kraft fanden um für die Freiheit des Menschen bis zum Tod zu kämpfen, niemals die Bezeichnung "Katholiban" zuteilen.
MfG Fragolin

Gerd Franken hat gesagt…

Werter Fragolin

>>ich würde Menschen wie den Scholls, die im Glaube Kraft fanden um für die Freiheit des Menschen bis zum Tod zu kämpfen, niemals die Bezeichnung "Katholiban" zuteilen.<<

Das ist mir durchaus bewusst. Mein Kommentar richtet sich auch nicht an den Verfasser. Ich stellte mir nur vor, wenn die Scholls heute ihren Widerstand betreiben würden und das mit "Gottes Willen" begründen. Dann hat man schon verloren noch ehe das erste Flugblatt den Drucker verlässt.

Anonym hat gesagt…

Das wäre auch deshalb schräg, weil die Scholls protestantische Christen waren.

Gerd Franken hat gesagt…

Ach, protestantische Christen können keinen Drucker bedienen?