Freitag, 16. Februar 2018

»Caritas gewinnt Klage gegen Handy-Lüge«

... titelt der KURIER voll Befriedigung. Nun, wenn eine Organisation mit perfekter medialer und politischer Vernetzung, ein wirtschaftliches Schwergewicht mit Millionenumsätzen einen Prozeß gegen einen Facebook-Poster gewinnt, dann ist das etwa so, wie wenn der Schwergewichtsweltmeister ein Kindergartenkind, weil es über ihn Lügen verbreitet habe, K.O. schlägt. Mancher mag darin den Sieg der gerechten Sache erblicken — aber ein gewisser schaler Geschmack bleibt auf der Zunge ...
Statt eine Gegendarstellung zu veröffentlichen, wird der Mann, der die Handy-Lüge in das Online-Forum einer Tageszeitung verbreitet hatte, aber nun einen Tag in einer Flüchtlingseinrichtung der Caritas als freiwilliger Helfer verbringen. "Wir glauben, dass Vorurteile am besten durch Begegnung abgebaut werden können", sagt Schwertner. Er sieht auch die Politik gefordert, stärker gegen Hass im Netz aufzutreten. Die Caritas schließt weitere Klagen nicht aus.
Ach, wie edel! Nur Gutmenschen sind in der Lage, einen Gegner über die Prozeßkosten fast zu ruinieren, und ihn dann großzügig durch eine Arbeit in einer »Flüchtlings«einrichtung der Caritas als »freiwilliger« Helfer zu demütigen. Und jeglichen Versuch, die Caritas in Zukunft zu kritieren, gleich durch vage Klagsdrohungen im Keim zu ersticken. Ja, das hat schon Klasse! Extraklasse, genau genommen. Shakespeare geht mir — weiß ich warum? — durch den Kopf: »That one may smile, and smile and be a Villaine

Nun, LePenseur hat sich aus dem Verband der Financiers der Organisation zum Teil schon ausklinken können, Gott sei Dank. Die mehr als stattlichen Fördermittel, die diese Organisation von staatlicher Seite bekommt (und die u.a. durch LePenseurs Steuerzahlungen ermöglicht werden), kann er leider nicht so leicht verhindern, aber bemüht sich, daß die Organisation wenigstens der Kontrolle durch den Rechnungshof unterstellt wird. Nun, sehen wir, wie weit sich die Politik an die Trockenlegung von kirchennahen Sümpfen wagt. Man darf skeptisch sein.

Der Facebook-Poster ist natürlich, mit Verlaub, auch ein Dolm! Hätte er statt »Die Caritas verschenkt nigelnagelneue Handys an Flüchtlinge« einfach »Die Caritas soll nigelnagelneue Handys an Flüchtlinge verschenken« gepostet, hätte sich diese Organisation ihre Klage vermutlich rektal applizieren können. Warum wohl weiß ich nicht, warum mir ein Shakespeare-Zitat durch den Kopf geht. Wüßte ich es, könnte es justiziabel sein. So geht das, Leute: man muß im Kampf gegen die Kriminalisierung dissidenter Meinungen erfinderisch sein. Und je höher unsere Meinungsmacher deshalb vor Zorn hüpfen, desto besser gefällt mir das! 

Die Caritas schließt weitere Klagen nicht aus, wird berichtet. Ich hingegen schließe weitere Artikel nicht aus, über die sich die Caritas ärgern könnte, und die einigen Lesern die Augen öffnen über den Charakter dieser Organisation, die sich kühn nach dem lateinischen Begriff für Nächstenliebe benennt, sich aber eher auf Steuerkosten in Fernstenliebe übt.

Ein Kommentarposter namens Georg Laim stellt zum Kurier-Artikel die nicht unberechtigte Frage: 
Wer verklagt eigentlich diejenigen, die die Lüge verbreitet haben, durch die Flüchtlings-ströme würde kein einziger Terrorist nach Europa gelangen, weil der IS ja ganz andere Möglichkeiten hätte, solche einzuschleusen ...???
Im Gegensatz zur »Caritas« ist Herr Laim allerdings nicht in der Lage, die betreffenden Politiker und Medienmietlinge niederzuklagen, obwohl er den Wahrheitsbeweis für die Berechtigung seiner Frage ohne Schwierigkeit erbringen könnte ...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es ist keine "Demütigung", den Fake-Poster zu einem Tag Mitarbeit in ener Flüchtlingsunterkunft zu verpflichten. Es ist eine Würdigung. Der Mann wird das ex post selber feststellen. Wie der Volksmund sagt: Wenn man aus dem Rathaus wieder rauskommt, ist man klüger als man reingegangen ist.

Le Penseur hat gesagt…

Cher (chère?) "Anonym",

bitte heucheln Sie nicht! Heuchelei mag ich nämlich sowas von überhaupt nicht.

Sie wissen ganz genau, daß der "Verzicht" auf einen Widerruf in einer Tageszeitung (der zusammen mit den Prozeßkosten bei Otto Normalverbraucher vermutlich zum Privatkonkurs führt) gegen die "freiwillige" Mitarbeit in einer "Flüchtlings"unterkunft in Wahrheit nur einen Zweck hat: den "Täter" vorzuführen und zu demoralisieren. Und nicht nur ihn! Getreu der Stalin'schen Devise: "Töte einen und erziehe dadurch tausende". Erziehungsmethoden des Stalinismus sind mir zuwider — Ihnen aber offenbar nicht, wenn sie bloß Ihrer gutmenschlichen Sache dienen.

Und es sagt zwar nicht der Volkmund, wohl aber der jahrzehntelang gelernte Wiener: wenn man aus dem Rathaus herauskommt, ist man zwar nicht klüger, wohl aber vorsichtiger und unterwürfiger — weil einem klargemacht wurde, daß die dort einem bei nicht geziemendem Verhalten jederzeit das Leben zur Hölle machen können. Methoden, wie sie übrigens die DDR-Stasi jahrzehntelang erfolgreich anwandte — bis irgendwann der Leidensdruck einfach zu groß war und die Bevölkerung rebellierte. Offenbar goutieren Sie solche Vorgangsweisen. Ich nicht.

Eine "Würdigung" ist es nämlich mit Sicherheit nicht, irgendwelchen "Flüchtlingen" (die nämlich zu 99,x% keine sind, sondern gezielt vorgeschickte Invasorenbanden!) als unbezahlter Dreckputzer zu Diensten sein zu müssen. Es ist eine Demütigung, und zwar eine gezielte. Versuchen Sie also nicht in klassischen 1984-Neusprech eine Würdigung daraus zu drechseln.

Sie haben uns Ihrem Posting in geradezu exemplarischer Weise all das in ganz wenigen Sätzen in nuce darzulegen gewußt, was ich am Gutmenschentum immer schon zum Kotzen fand. Wenn das Ihre Absicht war: Gratulation, es ist Ihnen perfekt gelungen! Und wenn Sie das befriedigt: schön für Sie (und weit weniger schön für Ihre Umgebung). Ich finde es schlicht und einfach abstoßend, und würde mich an Ihrer Stelle dafür genieren. Aber: ich bin ja nicht an Ihrer Stelle — was ich durchaus für einen Vorteil erachte ...

Fragolin hat gesagt…

Werter Anonym,
richtig, es ist die gleiche Würdigung, die wir großherzig unseren Schutzbedürftigen anbieten, dass sie wenigstens einen Tag im Jahr, wenn das Wetter es einfach mal notwendig macht, uns beim Schneeräumen oder Wegschaffen von Orkan- oder Überflutungsschäden zur Hand gehen dürfen. Doch unsere Stützen der Zukunft und des Pensionssystems sind einfach zu bescheiden und fühlen sich anscheinend nicht würdig genug, dieses edle Angebot auch wahrzunehmen. Daran müssen wir noch arbeiten, aber da Sie ja so hilfsbereit sind, wird es Ihnen sicher keine Mühe bereiten, dabei behilflich zu sein, unseren Goldstücken zum richtigen Glänzen zu verhelfen.
MfG Fragolin