Sonntag, 22. Juli 2018

»Religion, Atheismus, Evolution«


Vor einigen Tagen »stolperte« ich zufällig (gibt es Zufälle?) über einen Artikel, den Zettel (S·T·T·L) vor mehr als elf Jahren auf »Zettels Raum« unter dem obigen Titel veröffentlichte. Und obgleich LePenseur nicht so agnostisch unterwegs ist, wie weiland Zettel, war die Lektüre dieses Artikels doch fruchtbringend genug, »food for thought« sozusagen, daß ich aus ihm auf diesem Blog gerne ein paar »highlights« zitiere:
Die Basis jeder Religion ist die Bereitschaft, etwas als wahr zu akzeptieren, weil es gesellschaftlich gültig ist. In einer offenen Gesell-schaft gibt es aber, außer den für das Zusammenleben erforderlichen Gesetzen und außer den Ergebnissen der Wissenschaften, die sich stän- diger Kritik stellen, nichts Allgemeinverbindliches mehr.

Wenn Religion zur Privatsache wird, dann hört sie im Grunde auf, Religion zu sein. Soweit wir die Geschichte der Religionen kennen, waren sie niemals Privatsache. So wenig, wie das Recht Privatsache ist. Die Religion ist die einer Gesellschaft, nicht die eines Individuums. Allenfalls vorüber-gehend die einer Gruppe von Dissidenten, wie der Urchristen. Dann wird sie entweder dominant, oder sie geht unter.
 [...]
Ein Hund wie unser Airdale Terrier — ja uns Primaten, evolutionär be- trachtet, nicht so sehr fern — versteht vieles; er hat ein ungeheuer sensibles Verständnis für Stimmungen, für soziale Konstellationen. Aber ich werde unserem Hund nicht begreiflich machen können, wie weit der Mond von der Erde entfernt ist. (Dieses Beispiel hat einmal der große Wissenschafts-Journalist Hoimar von Ditfurth verwendet; in einem Aufsatz über Evolution und Transzendenz).

Für mich líegt es auf der Hand, daß wir Primaten nicht besser dran sind als die Caninen. Unser Gehirn erlaubt etwas mehr an Einblick in die Realität als das Gehirn des Hundes - aber welcher Albernheit ist es, zu glauben, wir könnten alles verstehen! Welche dumme Hybris.

Da lachen sozusagen die Hühner. Die ja auch ihre Welt haben, in der sie alles zu verstehen meinen.
 
[...]
Also gibt es — das ist aus meiner Sicht völlig trivial — eine Trans- zendenz. Das heißt, es gibt unendlich (im exakten Sinn) viel, das sich uns Menschen niemals wird erschließen können.

Diese triviale Einsicht ist, denke ich, eine der vielen Wurzeln der Religiosität.
[...]
Die Dummheit der wissenschaftsgläubigen Atheisten, die sich einbilden, ihrer Erkenntnis seien keine Grenzen gesetzt, erscheint mir wie die Dummheit von Kindern, die in Allmachtsphantasien schwelgen.

Die Dummheit von Gläubigen, die sich einbilden, ihnen würde durch Offenbarung das zuteil, was sie aus eigener Kraft nicht wissen können, kommt mir allerdings genauso infantil vor.


Kommentare:

Volker hat gesagt…

Auf dieses links-grüne Propagandaportal bin ich auch jahrelang reingefallen - wegen solcher Artikel.

WOLF-D. SCHLEUNING hat gesagt…

Für mich als Naturwissenschaftler gibt es keine Transzendenz, es sei denn sie meinen damit ein Parallelluniversum an der Hintertür eines schwarzen Loches

Gerd Franken hat gesagt…

"Nein, noch infantiler. Das sacrificium intellectus der Gläubigen ist ja nichts anderes als der Verzicht darauf, erwachsen zu werden. Sie wollen sich an der Hand nehmen lassen, statt aus eigener Kraft aufrecht zu gehen."

Für jemanden der behauptet, dass er "schlicht und bescheiden unwissend, auf Griechisch ein Agnostiker" ist, eine steile These. Zumindest weiß er, (woher eigentlich?) dass, außer Agnostiker versteht sich, alle anderen dumm sind. Nur weil er nix weiß, ist er also weniger dumm oder gar nicht dumm oder einfach nur gerade mal so davon gekommen in den dummen Teil abzudriften? Wenn er schon eine Transzendenz erkennt, dann sicherlich nicht weil er unwissend ist. Es sei denn er saugt es sich aus dem Finger (das wäre schon schwierig) oder hat abgeschrieben (was näher liegt). Wenn mir jemand unter vier Augen erklären würde, er wisse nichts, ich allerdings sei der Dumme von uns beiden, weil ich gläubig bin, (und gläubig bin ich, bis zur Dummheit meinetwegen) dann hat derjenige nicht mehr alle Latten am Zaun. Das würde ich ihm nicht so direkt ins Gesicht sagen, aber denken....denken würde ich das. Wissen kann ich das allerdings nicht. Da bin ich ganz Agnostiker.

Volker hat gesagt…

Den Verdacht hatte ich schon lange: Wenn der Baum brennt, ist in Zettels Raum Funkstille.
Diesmal habe ichs geprüft. Seit dem 27.08, 15:35 Uhr, bis gerade eben (abgesehen von einem DUH-Eintrag) nichts. Reinweg nichts.

Klar, in so einer Situation was Unüberlegtes sagen kann viel kaputt machen. Deshalb müssen die erst mal die Direktiven aus der Propagandaabteilung des Politbüros abwarten.

Und dann umsetzen, was in diesem Fall eine echte Herausforderung ist.
Der GröPraZ hatte sich bei seiner Pseudo-Kritik oft noch so geholfen, dass der die rot-grünen Entscheidungen seiner Abgöttin mit den rot-grünen „begründet“ hat. Das war schon lächerlich im Jahr 7 der Merkel-Regierung, absolut untauglich ist das im Jahr 13.

Nun müssen die das hinkriegen, trotz der gleichgeschalteten Medienkacke die Gleichschaltung irgendwie wegzulügen. Und die müssen Diskrepanz zwischen der offensichtlichen Realität und dem Lügen unserer polit-medialen Elite rhetorisch so zerfasern, dass wenigstens die letzten Gläubigen in der Bahn gehalten werden.

Leicht wird es nicht. Trotzdem bin ich optimistisch:
Die schaffen das.