Donnerstag, 30. November 2017

»Bitcoin ist keine Blase. Es ist ein Big Bang!«

... lautet der Titel eines nicht uninteressanten Gastkommentars von Prof. Christoph Kletzer, den DiePresse vor einigen Tagen veröffentlichte:
Ist Bitcoin eine Blase, ein Betrug, ein Pyramidenspiel? Schwer zu sagen. Das Seltsame an Bitcoin ist nämlich Folgendes: während Bitcoin in seinen Wesenszügen wahrscheinlich ein Pyramidenspiel ist und eigentlich aus gar nichts besteht, folgt daraus noch nicht, dass es notwendigerweise kollabieren wird. Um das klar zu sehen, muss man zwei Ideen auseinanderhalten, die meist zusammengeworfen werden. Das eine ist die Idee, dass etwas im Kern aus nichts besteht. Das andere ist die Idee, dass etwas eine Blase ist, die irgendwann platzen muss. Etwas kann aus nichts bestehen und niemals platzen, und alles, was platzt, besteht deswegen nicht schon notwendigerweise aus nichts.
auch die sich an den Gastkommentar schließende, teilweise recht emotionalen Kommentarpostings sind durchaus lesenswert! Ohne die Leser dieses Blogs präjudizieren zu wollen: mir erscheint beim recht häufig gemachten Vergleich von Gold und Bitcoins v.a. ein Argument am relevantesten: Gold hat seine Funktion als Krisen(ersatz-)währung und als langfristiger Wertspeicher im Verlauf der letzten Jahrtausende x-fach unter Beweis gestellt. Bei Bitcoins steht dieser Beweis noch aus. Was ein Investment notwendigerweise weitaus spekulativer macht als ein Investment in Gold.

Wer nach der Devise »No risk, no fun« lebt, wird mit Bitcoins sicherlich sehr gut bedient werden. Ich gestehe aber, daß mit zunehmendem Lebensalter die Risikoaffinität bei mir deutlich abgenommen hat. Obwohl: das letzte Hemd hat bekanntlich keine Taschen ...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hr. Christoph Kletzer schreibt einiges an Unsinn, darunter dieser Satz:
"Der Marktwert von Gold liegt hoch über seinem inneren Wert, und diese Preisüberhöhung wird allein durch die Erwartung in eine fortbestehende Preisüberhöhung aufrechterhalten."

Zunächst mal outet sich jeder, der den Begriff "innerer Wert" verwendet, als Ahnungsloser. Der Wert (finanziell gesehen, nicht ideell) eines Gutes ist immer subjektiv und bemisst sich danach, was jemand maximal bereit ist, im Austausch für eine Einheit des Gutes herzugeben; wenn jemand bereit ist (nach dzt. Kurs) USD 1.280,- im Tausch dafür herzugeben, dann ist das der dzt. Wert von Gold. Punkt. Aussagen wie "Preis ist überbewertet" sagen mehr über die persönlichen Präferenzen des Sprechers aus als über das betreffende Gut.

Man kann aber auch den oft genannten Vergleich hernehmen, dass eine Unze Gold dafür ausreicht, sich einen Maßanzug in guter Qualität zu kaufen; dieser Maßstab ist seit Jahrhunderten ziemlich stabil. Man sieht allerdings daran sehr gut, dass es eben keinen absoluten Wertmaßstab gibt, sondern immer nur die Möglichkeit, den Tauschwert von zwei verschiedenen Gütern zueinander zu vergleichen.

Wenn man aber Produktionskosten als Maßstab für den "inneren Wert" hernehmen will, dann liegen die pro Unze Gold nicht weit unter dem dzt. Marktwert (in USD); also von wegen, der Marktwert liegt weit darüber.

FritzLiberal

Anonym hat gesagt…

Investieren Sie in Bitcoins, schöpfen Sie die Rendite ab und vergolden Sie diese dann.
Noch gibt es genügend Hasnfüße, die bereit sind ihre Bitcoins unter Wert zu verkaufen, "um kein Risiko einzugehen". Machen Sie ein Angebot, warten Sie darauf daß einer anbeißt. Jeden Tag steht ein Depp auf ...

cso

Biedermann hat gesagt…

Interessanter professoraler Artikel, der zum ausführlichen Widerspruch reizt:

Kryptowährungen wie Bitcoin oder den tausend anderen Varianten stehe ich zunächst neutral gegenüber, solange drei Bedingungen noch nicht erfüllt sind:

1) Gibt es Anzeichen einer Blasenbildung?

2) Wer fühlt sich auf die Füße getreten, bzw. wer erkennt darin eine Konkurrenz für das eigene Geschäft?

3) Wer erkennt, als Elefant im Spielzimmer, eine Chance, das eigene Geschäft zu stärken, bzw. die Kontrolle über alle Spielsachen zu übernehmen?
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Zu 1) Es sind Anzeichen einer Blasenbildung erkennbar. Was aussieht wie eine Blase ist höchstwahrscheinlich eine Blase. In vierzig Jahren der Spekulation habe ich viele Blasen gesehen – und auch finanziell überlebt.

Zu 2) Hier geht es ums Geld. Auf längere Sicht um das ganze, weltweit zu verwendende Geld. Es sind zwangsläufig sowohl die Notenbanken (Seignorage!) von Japan, China, USA und der EU als auch sämtliche Geschäftsbanken tangiert.

Zu 3) Blockchain-basierte Zahlungssysteme bieten ein enormes Einsparpotential bei den klassischen, gutbezahlten Bankangestellten. Kryptowährungen leisten einen unendlichen Beifang an winzigkleinen Transaktionsgebühren; ein Beispiel von vielen: Maschinen werden Maschinen bezahlen, – die vom E-Auto über Induktion beim Ampelstop oder in Parkbuchten aufgenommenen Kleinmengen an Ladeenergie müssen automatisch zu verrechnen sein.

Fortsetzung zu 3) Da hier Bitcoin der Aufhänger ist, sprechen wir auch über den Elefanten: Es ist Herr Xi. Nach einer neueren Information von Kaspersky Lab befinden sich bereits heute – aus Gründen billiger, elektrischer Energie, die in gewaltigen Mengen zur Erzeugung benötigt wird – weltweit mehr als 81 % aller Mining-Farmen in der Volksrepublik China. Wie man sieht, erzeugt das Land der Mitte schon lange nicht mehr nur Billigkram, Herr Xi lässt Geld erschaffen. Und er hat die absolute Kontrolle über die Langnasen, die die Arbeit machen und deren Farmen; Kontrolle ist sein Lieblingshobby.
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Bei aller Freude über die Entfaltung von Intelligenz und Kreativität bei neuen Technologien wollen wir doch nicht vergessen, dass sich das globale, auf staatlicher, wirtschaftlicher und privater Verschuldung beruhende Finanz“system“ nach den Regeln der Chaostheorie verhält. Irgend ein zunächst unbeachtliches, exogenes Ereignis mit dem Label „großer schwarzer Vogel“ flattert herbei, und Herr Trump, Herr Xi und Herr Putin setzten sich, gemeinsam mit ihren angestellten Notenbankchefs, ins Einvernehmen.
Dann werden die Karten neu gemischt und die alten Regeln sind obsolet. Zu unserem Besten. Die Lage ist zwar ernst! Aber die Hilfe ist nahe:
Der Elefant, wahrscheinlich ist es eine Herde von 5 oder 6 Bullen, kürt eine neue Digitalwährung, wahrscheinlich sind es 3 oder 4 Varianten (man will ja auch künftig in Bretton Woods oder Bejing gemeinsam plauschen); die neuen Leitwährungen sind selbstverständlich mit Gold gedeckt, wofür horten Zentralbanken schließlich das unnütze, atavistische Zeugs?

Preisfrage: Was geschieht jetzt mit 90% der Bankangestellten? Antwort: Sie werden ersetzt durch eine Handvoll von hochbegabten Kryptologen und numerischen Pedanten, deren Blockchain-Währungen schlagartig illegal erklärt wurden, die aber weiter spielen dürfen, als externe Mitarbeiter für innovativen Krypto-Zahlungsverkehr.
Bargeld gibt es dann nur noch in Kleinbeträgen zum Kauf von Kohlköpfen, Semmeln usw., und für Spenden an die zahlreichen neuen Obdachlosen (in Neusprech „Freigelassene“). Dann herrscht Ruhe an der internationalen Währungsfront, bis auf weiteres.