Freitag, 30. September 2011

»Inflation steigt unerwartet stark«

Titelt wenigstens n-tv. Na, geh! Wer hätte das bloß gedacht! Da dreht man seit einem Jahr den Geldhahn voll auf, und dann wundert man sich, daß man in einer Inflationswelle untergeht.

»Man« wundert sich vielleicht (für Feministinnen: wer so blöd ist, darf auch »frau« sich wundern lassen). Doch wer auch nur eine Basisvorlesung in Wirtschaftswissenschaften hinter sich hat, wundert sich freilich nicht wirklich — denn darüber hört man alles vermutlich schon in der ersten Woche. Wer sich wider bessere Kenntnis wundert, ist entweder ein lernresistenter Trottel, oder tut bloß so — dann ist er ein Lügner.

Geschätzte EZBankster: sucht euch doch selbst aus, welche Einschätzung euch lieber ist. Die Wahrheit dürfte, wie meistens, in der Mitte liegen ...

Donnerstag, 29. September 2011

Manch Bild sagt mehr als tausend Worte


Wie zum Beispiel obige Visage eines prominenten Politruks aus Berlin namens Volker Kauder. Der sich erfrecht, das Rederecht gewählter Abgeordneter zu bestreiten, weil sie es wagen, eine von ihrer Fraktion abweichende Meinung zu vertreten — also genau das zu tun, wozu sie vom Grundgesetz ausdrücklich verpflichtet werden: das Abgeordnetenmandat ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet auszuüben.

Und der dies in die entlarvenden Worte kleidet: »Wenn alle reden, die eine von der Fraktion abweichende Meinung haben, dann bricht das System zusammen«. Ganz richtig, Herr Kauder! Und davor haben Sie Angst. Daß Ihnen der Stuhl unter Ihrem Systempartei-Gesäß weggezogen werden könnte. Auf dem sie bequem gepolstert und mit angenehmen Privilegien verwöhnt weiter sitzen wollen. Möglichst bis zur Pensionsberechtigung. Ungefährdet durch so lästige Dinge wie echte Diskussionen oder gar echte Wahlen — d.h.: keine durch die Systemmedien getürkten und geheimdienstlich überwachten ...

Leider haben Sie sich um ein paar Jahrzehnte oder Breitengrade verirrt, Herr Kauder: bis 1989 in der DDR (und östlich davon) — ja, da wären Sie am richtigen Platz gewesen! Da hat in der Volkskammer keiner was verlesen dürfen, was nicht vorher von der zuständigen ZK-Abteilung genehmigt worden war. Pech nur für Sie und Ihresgleichen, daß das System dann irgendwann trotzdem zusammengebrochen ist.

In der Tat: wer Ihr Bild sieht, braucht Sie nicht mehr reden zu hören. Es sagt mit Leichtigkeit tausend Worte! Und, wenn ich Ihnen ein kleines, feines Geheimnis verraten soll, Herr Kauder: auch solche, die der Systemgesetzgeber seine judiziellen Lakaien durch Anwendung des § 185 StGB verbieten läßt. Damit das System, Ihr System, nicht zusammenbricht, wenn einer käme, die Wahrheit zu sagen ...

Kann man diese machtbesoffene Brüssel-Mafia nicht einfach zuschei*en?



Der brillante Nigel Farage erklärt uns genau diese Option in etwas gewählteren Worten. Wer den durchaus »g'schmackigen« Text auf Deutsch lesen will: hier werden Sie geholfen ...

Sarrazin-Auftritt in Graz von Protesten begleitet

... weiß GMX zu berichten:
Schon am Dienstag hatte eine kleine Gruppe der Jungen Grünen und der Sozialistischen Linkspartei vor der Zentrale des steirischen Bauernbundes gegen die Einladung unter dem Motto "Rassismus ist kein Beitrag fürs Zusammenleben" protestiert. Für Donnerstagnachmittag war eine weitere Kundgebung angekündigt, KPÖ und VSStÖ luden zum "Interkulturellen Volxfest" auf den Hauptplatz.
Naja, die üblichen Verdächtigen halt: sozialparasitäre Ewiggestrige, die zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer und der Implosion des Ostblocks immer noch in Marx & Co. ihr Heil erblicken. Und die ÖVP macht, wie üblich, gleich vorsorglich in die Hosen:
Seitens der Veranstalter war mit einer offenen Diskussion über Zukunftsfragen argumentiert und die Distanz zu Thesen des Gastredners betont worden.
Also alles im grünen Bereich, bei den wackeren Bauernbündlern aus der grünen Mark ...

Mittwoch, 28. September 2011

Gegen Ernst-Jünger-Gegner

... bringt der für seine eminente Zitierbarkeit*) bekannte Schriftsteller Michael Klonovsky folgendes vor:
Die meisten Ernst-Jünger-Gegner sind Typen, die sich beim Zahnarzt eine Spritze geben lassen. (eigentümlich frei »Zitat des Tages«)
Aha. Und was will uns Klonovsky (man kann den Helden des Gemeinplatzes hier neben dem schmissigen Motto »Friede den Gemeinplätzen — Krieg den Moden!« bewundern, oder sich auch bloß wundern, je nach Gusto ...) damit sagen?

Daß der Indianer keinen Schmerz kennt? Daß das tertium comparationis von Nicht-Jüngern und Zähnen die Feigheit vor dem Bohrer ist, welche auf ebensolche vor dem Feinde schließen läßt? Ach laß, Michi, das ist ein zu weites Feld ...

Ich schätze Ernst Jünger durchaus (obwohl ich auch Vorbehalte gegen ihn habe, aber das führt hier zu weit) — und lasse mir doch beim Zahnarzt lieber eine Spritze geben. Mit zunehmendem Alter braucht man nämlich keine Zahnärzte mehr, um Schmerzen zu fühlen. Das Leben wird ganz von allein schmerzlich genug, sodaß man auf derlei kariöse Schmerz- und Mutproben dankend verzichtet.

Klonovsky hat den Fünfziger noch vor sich. Er darf wieder ätzen, wenn er ihn erheblich hinter sich gelassen hat. Sofern ihm dann noch der Sinn danach steht ...

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*) Zitierbarkeit sagt wenig über das Niveau eines Schriftstellers aus. Hans Weigel schrieb einmal (ich zitiere ihn aus dem Gedächtnis): »Goethe wäre auch heute noch Goethe. Schiller wäre Werbetexter geworden.« Das sagt vermutlich auch einiges über Weigels Meinung zu Klonovsky aus — hätte ihn Hans Weigel überhaupt gekannt ...

Dienstag, 27. September 2011

Bei somanchem Witz bleibt einem das Lachen im Halse stecken

So auch bei diesem Bildwitz: »Latest ECB (Rumor) Solution«. Wäre ja schön, wenn es bloß ein Witz wäre. Aber es ist eigentlich so viel bitter(bös)er Ernst in das dargestellte Beziehungsgeflecht verpackt, daß einem das Lachen vergeht. Außer man ist einer der Profiteure dieser organisierten Bandenkriminalität im Nadelstreif ...

Montag, 26. September 2011

Zu einer Märchenstunde

... lädt Kollege Rayson auf den »B.L.O.G.«-Blog. Und wie so oft verraten Märchen mehr über die Realität als trockene Berichterstattung. Vom ungleich höheren Unterhaltungswert völlig abgesehen ...
Ein Märchen wird gerne immer wieder erzählt: An der Finanzkrise sei die ungeheure Deregulierung schuld, mithin ein Phänomen, das nur von denen entdeckt wird, die es ablehnen, und das von ihnen "Neoliberalismus" genannt wird. (Hier weiterlesen)
Es ist eine (mit schwarzem bzw. einem gewissen Galgenhumor) amüsant zu lesende, präzise Zusammenfassung der gegenwärtigen Bredouille, bzw. wie es dazu kam. Richtig vom Anfang bis zum Ende, das da lautet:
Die Politik hat ihre Seele an den Teufel verkauft. Aber der heißt nicht "Neoliberalismus", sondern "Stimmenkauf".
Womit wir bei unseren Politganoven und ihren Notenbankstern wären. Aber das ist ein anderer Artikel. Demnächst ...

Sonntag, 25. September 2011

Man muß Sarrazin nicht mögen — aber man muß ihm beipflichten

Wenigstens, wenn man Wert darauf legt, redlich zu argumentieren. Ein lesenswertes Interview im gestrigen »Kurier« macht Gusto auf mehr — Sarrazin kommt demnächst nach Österreich, genauer gesagt: nach Graz. Für alle, die nicht so ohne weiteres an die Mur reisen können, ein paar Zitate aus dem Interview vorab:
Was halten Sie als ehemaliger Finanzsenator vom Ruf nach Vermögensteuern, um die Schuldenkrise abzufangen?
Die Verbindung zwischen Vermögensteuer und Schuldenkrise ist ein bisschen albern. Deutschland hat wie Österreich eine vergleichsweise niedrige staatliche Neuverschuldung und eine hohe Abgabenquote. 40 Prozent der Deutschen zahlen gar keine Einkommenssteuer, und die oberen zehn Prozent geben mehr als 50 Prozent des Einkommens ab. Das ist schon ziemlich viel Umverteilung. Wenn man in den alternden europäischen Staaten mit deren demographischer Zeitbombe und dem Migrationsproblem, das gewaltig Ressourcen bindet, die Wohlhabenden unüberlegt schröpft, wandern die Reichen mit ihrem Vermögen einfach aus. Und dann?

Was hat das mit der Migration zu tun?
In Berlin gibt es gegenwärtig einen starken Zustrom von rumänischen Roma und bulgarischen Türken, die alle im Jahr 2014 ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht und Anspruch auf deutsche Sozialhilfe haben werden. Es wird nicht funktionieren, die wachsenden Lasten von demographischer Alterung plus weiterhin ungesteuerter Einwanderung in den deutschen Sozialstaat durch mehr Belastung der sogenannten Reichen zu finanzieren.

"Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel in großen Teilen muslimisch ist, ... die Frauen Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird" - muss man so übertreiben, um gehört zu werden?
Das ist ja keine Übertreibung, das ist die soziale Wirklichkeit in bestimmten Teilen Berlins. Und das verwirklicht sich in hohem Tempo.

Aufgrund der Demographie?
Und aufgrund fortgesetzter weiterer Zuwanderung.

Und die würden Sie gerne stoppen. Wie?
Erstens: Änderung des Sozialrechts - Zuwanderer bekommen für mindestens zehn Jahre keine Sozialtransfers. Zweitens: Änderung des Aufenthaltsrechts - nur die bekommen Aufenthaltsrecht, die auf Dauer in Deutschland einen qualifizierten Beitrag leisten können und wollen. Drittens: Sozialleistungen und Familienleistungen in Deutschland werden von ausreichenden Sprachkenntnissen und dem Bemühen um Integration abhängig gemacht. Viertens: Die muslimischen Migranten, die bei uns sind, denen muss man ganz klar sagen: Irgendwann werdet ihr Deutsche, auch wenn ihr natürlich weiterhin türkisch kochen und in die Moschee gehen könnt, und wenn ihr das nicht wollt, geht ihr besser zurück. Umfragen zeigen, dass über 60 Prozent der Türken in Deutschland nicht oder nicht gut Deutsch sprechen, und ein Drittel würde sofort Deutschland verlassen, wenn es keine deutsche Sozialhilfe gäbe.

Sie beklagen die demographische Überlegenheit der muslimischen Migranten und die niedrige Geburtenrate der Deutschen. Gleichzeitig sollen nur diejenigen Frauen Kinder bekommen, die das Umfeld und die "persönlichen Eigenschaften haben, mit der Erziehung fertig zu werden". Ist das nicht ein Widerspruch?
Sie zitieren mich nicht richtig. Jeder kann die Kinder bekommen, die er will. Nur sollten ihm deren Kosten nicht vom Staat finanziert werden. Unabhängig vom Thema Zuwanderung haben wir das Problem, dass die gebildeten Schichten in Deutschland unterdurchschnittlich wenig Kinder bekommen. Das liegt an den Rahmenbedingungen des modernen Sozialstaates: Bei Menschen mit niedrigerem Einkommen und noch mehr bei bildungsfernen Migranten sorgt der Familienlastenausgleich dafür, dass jedes Kind das Haushaltseinkommen um mehr erhöht, als das Kind kostet. Das heißt, das Kind ist dort ein Instrument zur Erzeugung eines höheren Einkommens, während es für die gebildeten Frauen mit guten Arbeitsplatzaussichten Wohlstandsverzicht bedeutet.

Muslime sind dümmer als andere Einwanderer?
Das steht nirgendwo in meinem Buch, und das habe ich auch nicht gesagt. In meinem Buch führe ich die durchschnittlich niedrigere Bildungsleistung der muslimischen Migranten auf ihren durch den Islam geprägten kulturellen Hintergrund zurück.

Deshalb schießen Sie sich so auf die muslimischen Migranten ein?
Ich stelle in neutraler Sprache empirisch unbestrittene Sachverhalte fest. Die muslimische Kultur ist keine, die Wissens- und Kenntniserwerb in den Vordergrund stellt. Es ist ja auch interessant, dass von den rund 840 Nobelpreisträgern, die es bisher gab, 25 Prozent jüdische Wissenschaftler waren. Es gab 8 Preisträger aus islamischen Ländern, darunter vier Friedensnobelpreise.

Noch einmal zur Integration: Allgemeiner Konsens ist, dass Integration eine Hol- und eine Bringschuld ist ...
In einem europäischen Rechststaat, der allen die gleichen Chancen bietet, ist Integration in erster Linie eine Bringschuld. Unterschiede im Integrationserfolg unterschiedlicher Migrantengruppen weisen immer auf diese Migrantengruppen selbst zurück, nicht auf die sie aufnehmende Gesellschaft. Das ist der Satz, der Vielen nicht gefällt, weil wir eine Mentalität haben, für alles, was nicht funktioniert in der Welt, uns selbst die Schuld zu geben.

Die Wirtschaft meldet aber regelmäßig Interesse an Zuzug an, etwa aus Gründen des Facharbeitermangels.
Ich lach' mich tot. Es gibt einen Facharbeitermangel, aber 40 Prozent der Türken in Deutschland haben keine Berufsausbildung.

Was wäre denn Ihr Rezept gegen die Krise?
Jeder Staat kommt für seine Schulden ganz allein auf. Und er trägt auch die Folgen, wenn er dafür nicht aufkommt. Und die EZB kauft keine Staatsanleihen.

Das tut sie ja aus Rettungsgründen ...
Das ist auch falsch. Und Griechenland muss selbst schauen, wie es klar kommt. Die haben eine Abgabenquote von 29 Prozent, wir haben eine von 37 Prozent, Österreich 43 Prozent - das sagt doch alles. Bei der Staatsquote hat Deutschland 47 Prozent, Griechenland 52 Prozent. Das heißt, die geben mehr aus und nehmen weniger ein, und wenn die es nicht schaffen, ihre Ausgaben zu senken und ihre Einnahmen zu erhöhen, ist das ein ausschließlich griechisches Problem.


(Hier das ganze Interview)
Man merkt bei manchen Fragen des Kurier-Redakteurs Andreas Schwarz, daß er zeitweise beginnt, rot zu sehen — aber grosso modo ist das Interview durchaus fair geführt worden. Vermutlich dämmert sogar gutmenschlichen Kurier-Redakteuren, daß ihren Lesern das Multi-Kulti-P.C.-Behübschungsgesülze schon bei beiden Ohren raushängt.

Sicher finden nicht alle seiner Thesen meine Zustimmung (wie so oft kann ich die klare Diagnose eines Problems schätzen, ohne deshalb auch die vorgeschlagene Therapie gutheißen zu müssen!), aber insgesamt liest man selten vernünftigeres in unseren Medien. Speziell in Österreich, wo die größten Medien fest in sozialistischer Hand sind: sei es durch Inseratenaufträge, für die sie sich erkenntlich zeigen müssen, oder durch die SPÖ-Fraktion im ORF.

Samstag, 24. September 2011

Papst, die letzte ...

(außer es passiert was!)

Im zuverlässigen Linksausleger der hessischen Presselandschaft, der »Frankfurter Rundschau«, konnte der Papstbesuch natürlich auch nicht unkommentiert bleiben. Also interviewte man Umberto Eco: den kennen die Leser, und bei dem kann man davon ausgehen, daß er nicht zu gut über Benedikt redet. Aber zuerst zu Umberto Eco:
Er sieht anders aus. Sein mächtiger Vollbart war lange Zeit eine Art Markenzeichen, machte ihn zu einer imposanten Erscheinung – Umberto Eco wirkte immer ein bisschen wie eine intellektuelle Version seines Landsmannes Bud Spencer.
Ob Bud Spencer dieser Vergleich gefallen wird? Nun, das ist nicht mein Problem — Joachim Frank und Martin Scholz von der Frankfurter Rundschau bekommen die Ohrfeigen, nicht ich ...

Umberto Eco wird also interviewt — von zwei Journalisten, die sichtlich wenig bis keine Ahnung von Theologie haben, und Philosophie auch bestenfalls mit einem Auftritt Sloterdijks im Philosophischen Quartett assoziieren. Nun, wenigstens kann Eco sein Ego im Interview polieren, indem er Sätzchen von sich gibt wie die folgenden:
Man muss Joseph Ratzinger zugute halten, dass es für ihn sehr schwer ist, ein populärer und guter Papst nach dem vorherigen zu werden. Johannes Paul II. war einfach ein großer Star. Davon mal abgesehen, glaube ich aber nicht, dass Ratzinger ein großer Philosoph und Theologe ist – auch wenn das im Allgemeinen oft so dargestellt wird.

[FR] Warum nicht?

Seine Polemiken, sein Kampf gegen den so genannten Relativismus sind, wie ich finde, einfach nur sehr grob. Nicht mal ein Grundschullehrer würde es so formulieren wie er. Seine philosophische Ausbildung ist sehr schwach. Man könnte also sagen, ich betrachte Papst Benedikt als guten Kollegen.
Nun, wenn man sich Umberto Ecos pseudophilosophische Romane und seine ganze restliche Suada von Essays, Zeitungsartikeln, Interviews etc. so durchsieht, kann man seinem Urteil, daß Papst Benedikt ein guter Kollege von ihm sei, durchaus beipflichten. Er hätte sich ebensogut als »schlechter Kollege von Papst Benedikt« bezeichnen können, das hätte die Sachlage vielleicht noch besser getroffen — aber wohl sein Selbstwertgefühl über Gebühr beansprucht.

Es ist durchaus beruhigend, daß Eco, dieser bestsellernde Konsalik der Semiotik, etwas gegen Papst Benedikt hat — es wäre denn doch irgendwie beklemmend gewesen, wenn er wie Habermas einen professoralen Diskurs der Wertschätzung gepflegt hätte. Man darf die Erwartungen der Leser eben nicht allzu sehr enttäuschen. Wenigstens das lernt man als Bestseller-Autor ...

Es zittern Einsteins Knochen

... möchte man den FAZkes zurufen, wenn sie in einem Anfall von Stenolalie ein noch nicht unstrittiges (wenngleich sicher hochinteressantes) Experimentalergebnis mit den Worten


Einstein muss zittern


übertiteln. Einstein wird nicht mehr zittern können. Höchstens Grabschänder, die seine Knochen ausbuddeln, um an ihnen schreckliche Rache dafür zu nehmen, daß man sie seinerzeit im Physikunterricht mit möglicherweise falschen Theorien in den Wahnsinn getrieben hat. Doch Einstein zittert sicher nicht. Nicht mehr seit 18.4.1955.

Schrecklich, wie Sensationshascherei nicht einmal vor angeblichen Qualitätsmedien haltmacht ...

Die Toleranz der Toleranten

... hinterfragt der Blog »Der Kreuz und Querdenker«, und bringt einige Dinge, die im ebenso politisch-korrekten wie ideologisch vorbefrachteten Gesülz unserer Systemmedien schon längst untergegangen sind, auf den Punkt:
Ironischer Weise sind es genau jene, die am lautesten gegen Faschismus auftreten, die alles dazu tun, den Boden für den Neo-Faschismus aufzubereiten. Hat nicht Wladimir Putin als lupenreiner Demokrat schon im deutschen Bundestag eine Rede gehalten? Sind damals auch an die 100 Abgeordnete aus Protest dem Saal ferngeblieben? Wenn nicht, muss man fragen, wie ideologisch selektiv ihre Wahrnehmung ist. Wie ernst kann man ihre angebliche Moral nehmen? Wie können sie dem Papst etwas vorwerfen, das sie bei Putin nicht kritisierten?
[...]
Haben jene, die Angst haben, dass der Papstbesuch zu teuer würde, die gleiche Angst auch gehabt, als der amerikanische Präsident Barack Obama nach Berlin kam und sie ihm zujubelten (das ist jener Mann, der Osama Bin Laden getötet hat, der Guantanomo nicht geschlossen hat, der noch immer in Afghanistan Krieg führt und dazu beigetragen hat, dass die USA wirtschaftlich am Boden liegen). Hatten sie bei Wladimir Putin Bedenken, dass der Aufenthalt zu teuer wäre?

Wo ist die Toleranz der sogenannten Toleranten, wenn jemand kommt, der ein anderes Menschen- und Weltbild repräsentiert als sie selbst haben? Was ist eine Toleranz wert, die nur denen gewährt wird, die die gleiche Meinung haben wie ich?
Ja, ja, die Toleranz ... kaum einer, der nicht den guten alten Voltaire im Munde führt — um ihn eiligst dem für ihn Nicht-Tolerierbaren ins Gesicht zu spucken: na, sei doch endlich tolerant! Gib doch gefälligst dein Leben dafür, daß ich dich einen Faschisten/Sexisten/Homophoben nennen darf, na mach schon! Am besten, du begehst Selbstmord, damit meine Toleranz von dir nicht länger beleidigt wird!

Es ist die selbstgefällige, gratismutige Toleranzheuchelei der im Zeitgeist Dahinschwimmenden, die Ekel verursacht — jener, die bei Morddrohungen gegen Mohammed-Karikaturisten auf Tauchstation, dafür aber bei einer Papstrede demonstrativ aus dem Saal gehen, denn: »Es gibt Grenzen dessen, was ich mir zumute«. Im Jahr 2006, als dänische Botschaften brannten, meinte dieser Ströbele im »Studio Friedmann« vollmundig:
Er würde "solche Karikaturen nicht veröffentlichen", so Ströbele. Er würde aber "dafür kämpfen, dass man es tun kann". (Stern)
Seine Zivilcourage reichte dazu aus, zur Vorsicht zu mahnen, man sollte sich die »Risiken« überlegen, »bevor man solche Karikaturen veröffentlicht«. Einem Papst aus Anlaß eines Staatsbesuches bei einer Ansprache zuzuhören (oder auch einfach mit einer unpolemischen Begründung fernzubleiben), ist offenbar schon jenseits seiner Toleranzschwelle. Oder seiner Risikobereitschaft — vielleicht fürchtete er ein Damaskus-Erlebnis ...

Machen wir einen Vergleich: Professor Ratzinger soll ein Verdienstorden verliehen werden und auch ich bin dazu eingeladen, obwohl ich finde, daß Ordensverleihungen Scheiße sind. Mich mit einem knappen »Ich werde daran nicht teilnehmen, da ich gegen Ordensverleihungen Vorbehalte habe« dem zu entziehen, mag Professor Ratzinger vielleicht nicht erfreuen, wäre aber völlig okay. Aber hinzugehen, um nach Beginn der Laudatio demonstrativ aufzustehen und den Saal zu verlassen, ist einfach kleinkariert und schäbig.

Aber, Hand aufs Herz: war bei einem Herrn Ströbele wirklich etwas anderes zu erwarten ...?

Freitag, 23. September 2011

»Papst reflektiert«

... betitelt Kollege Rayson eine kurze, aber lesenwerte Reflexion über Papst Benedikts Worte im Bundestag auf »B.L.O.G.«. Und kommt (obwohl nach Eigenangabe keineswegs »papistisch«, sondern dem evangelikalen Lager nahestehend) selbst in dieser Kürze zu deutlich reflektierteren Ergebnissen, als die Systempresse in ellenlangen Plattitüden (über die sich André Lichtschlag im ef-magazin berechtigterweise lustig macht).

Wer, wie »Die Welt«, aus der Rede Benedikts ein plattes »Der Papst im Bundestag: Politik braucht mehr Moral ... Benedikt lobt die Ökobewegung« destilliert, der beweist nur, daß er den Tellerrand der Zeitgeistigkeit auch nicht einen Millimeter überragt. Und erinnert an eine altbekannte Calvin-Coolidge-Anekdote*) ...

Daß ein Herr Ströbele mit seinem gratismutig-demonstrativen Weggang zu Beginn der Papstrede bestenfalls in die Kategorie »unerzogener Rotzlöffel« einzuordnen ist, kam in den Medien nicht so wirklich heraus. Was wohl daran liegen wird, daß die meisten Mitglieder unserer Journaille genauso gratismutig und unerzogen unterwegs sind. Menschen mit Haltung und Manieren sind in den Redaktionen längst ausgestorben. Falls es sie — aus Äußerungen von Karl Kaus zu schließen — überhaupt je gegeben haben sollte ...

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*) in der Mrs. Coolidge ihren (bekannt wortkargen) Präsidenten-Gatten nach dem Kirchgang fragt: »Worüber hat der Pfarrer heute gepredigt?«
»Über die Sünde.«
Sie will mehr wissen: »Na — und was hat er gesagt?«
»Er war dagegen.«

Donnerstag, 22. September 2011

Mutter, ach Mutter ...

Nachdem Österreichs höchstrangiger General, Edmund Entacher, der von Verteidigungsminister (und ehemaligem Zivildiener) Darabos vor nicht allzu langer Zeit als Generalstabschef gefeuert worden ist, weil er die um 180° gewendeten (und, ganz nebenbei, verfassungswidrigen, aber Kronenzeitungs-konformen) Pläne seines Ministers zur Abschaffung der Wehrpflicht nicht unwidersprochen exekutieren wollte, kürzlich beinahe einem Sabotageakt an seinem Dienstwagen zum Opfer gefallen wäre, versteht man die Sorge vieler Österreicher um ihre Mutter — um jene nämlich, die das Rad mit der Achse verbindet. Bei einer Autobahnfahrt durch Ausritt in die Botanik ums Leben zu kommen, hinterläßt für gewöhnlich äußerst verunstaltete Überrste, aus denen einen Angehörigen identifizieren zu müssen kein zartfühlender Mensch den Hinterbliebenen zumuten möchte.

Es ist eben nicht bloß »schrecklich, in die Hände des lebenden GOttes zu fallen« (Hebr. 10,31), sondern ebenso, den Händen unserer Genossen, wo die linken stets wissen, was für sie das rechte ist, in die Quere zu kommen. Andreas Unterberger gibt dem ehemaligen ÖBB-Chef Huber jedenfalls den gut verständlichen Rat, vor Antritt einer Autofahrt stets seine Radmuttern zu kontrollieren. Eine Empfehlung, die man freilich ebensogut an Unterberger richten sollte — nicht auszudenken, wie g'schwind ein Unfall passieren kann und dann heißt's wieder die Roten waren's obwohl die doch is des net einfach lächerlich unschuldig daran sind und überhaupt die letzten die was dagegen hätten wenn einer der die Zeitungsbestechungen durch den Werner aufgedeckt hat dafür plötzlich von einer Mauer zu kratzen wäre ...

»Die Verostung Deutschlands ist noch lange nicht beendet«

... meint Zettel in einem lesens- und bedenkenswerten Artikel über Peter Handke. Mit diesem Autor geht es Zettel so ähnlich wie mir: wir beide schätzen Peter Handke nicht besonders. Aber wir beide akzeptieren, daß es genug literarisch beschlagene Menschen gibt, die diesen Autor sehr wohl schätzen. Und das, nicht unsere Privatmeinung (oder gar die politische Privatmeinung des Autors über Serbien!), ist das entscheidende Kriterium, ob ihm ein Literaturpreis verliehen werden soll oder nicht.

Dergleichen war einmal selbstverständlich. Natürlich nicht in der DDR — da kam es immer auf »Parteilichkeit« und den »richtigen Klassenstandpunkt« an. Aber mit zunehmender Verostung Deutschlands ...

Mittwoch, 21. September 2011

»Sich zum Katholizismus zu bekennen, gilt in Deutschland als abwegig«

... meint Richard Wagner (nicht der vom »Ring«, sondern der von der »Achse«) in seiner »Kleinen Anfrage aus Anlaß des Papstbesuchs«. Und schiebt ein paar Bemerkungen nach, die ebenso köstlich zu lesen wie wert zu bedenken sind, z.B.:
Vom Papst eine Würdigung der Lutherbibel zu erwarten, wie Schorlemmer unlängst in einer Talkrunde zu erkennen gab, käme etwa dem Ruf nach einem Lob von Sartre für die Übersetzung von Descartes ins Elsässische gleich.

Die Protestanten hatten ihre Reform. Jetzt sehen sie wie Gewerkschaftler aus, oder zumindest wie Sozialdemokraten, und was haben sie davon?

Vom Glauben befreit zu sein, heißt nicht, dass man frei ist. Wer keinen Glauben hat, der hat oft genug einen Aberglauben.
LePenseur ist, offengestanden, nicht unbedingt ein Fan der »Gutachsler«. Broder ist ein eitler Selbstdarsteller mit Hang zu abstrusen Übertreibungen (was er nicht ungeschickt als »nonkonformistisch« verkauft), aber die generelle Linie ist LePenseur etwas zu unklar, um sie wirklich schätzen zu können. Ein paar auf postmodern-skeptisch gewendete Ex-Linke sind noch keine konservativ-libertäre Hoffnung ...

Aber: Ehre, wem Ehre gebührt! Und Richard Wagner gebührt sie für diesen seinen Beitrag. Deshalb: lesen!

Totgesagte leben länger


Meinte Honni zu Gorbi im Herbst 1989. Kurz darauf war er weg, bald danach auch »seine« DDR, denn »Ochs und Esel« dachten nicht daran, den Lauf des Sozialismus aufzuhalten. Und heute ...? Tja, heute meint Honni Schäuble gegen Schluß seines Interviews mit der »Berliner Zeitung«:

»Totgesagte leben länger«

... und das gibt uns wieder Hoffnung.

Worauf? Daß auch die Tage von IM Erika und ihres Rollstuhlfahrers gezählt sein können. Daß die DDRisierung endet. Und daß die EUdSSR nach dem Vorbild der UdSSR bald folgt.

Denn: die Hoffnung stirbt zuletzt ...

Nicht vergessen ...


... Moment ... da war doch noch was ...

Dienstag, 20. September 2011

Das Scherzkeks Marke »Bellevue«

... — a.k.a. Merkels Wuffi — hat wieder mal einen Kalauer der Spitzensorte ausgeliefert, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muß:
Mit Respekt und großer Sympathie betrachtet Deutschland die Schritte, die die Türkei unternimmt, um die Beziehungen zu all ihren Nachbarn positiv zu gestalten
Das sagt der so leicht dahin, obwohl
  • die türkische Regierung eine Eiszeit mit der EU angedroht hat, wenn Zypern turnusgemäß im Juli 2012 den Vorsitz übernimmt,

  • die türkische Regierung eine Einschränkung des mit Israel bestehenden Friedens nicht ausschließt,

  • die türkische Regierung die Grenze zu Armenien mehr oder weniger dichtgemacht hat.

  • die türkische Regierung die Grenze zu Irak zwecks Verfolgung der Kurden regelmäßig verletzt.

  • die türkische Regierung den Seegrenzverlauf mit Griechenland bis heute nicht anerkennt
Sorry, aber viel mehr Nachbarn, mit denen dieser Staat noch zoffen kann, fallen mir eigentlich nicht ein.

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P.S.: der geschätzte Blog-Kollege Flashlink30 bringt zu dem Thema noch weitere Sentenzen aus bundespräsidialem Mündchen, die einen irgendwie vermuten lassen, daß Gott — im exakten Gegensatz zur sprichwörtlichen Volksweisheit — denen, den er ein Amt gibt, dafür den Verstand nimmt ...

»Sieben Millionen für den Werner«

... hat man dem damaligen Chef der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), so gesprächsweise unter Genossen (nämlich Ostermayer und Pöchhacker) ausgerichtet, solle er im Werbebudget reservieren. Natürlich nicht als Bestechung für »den Werner« Faymann (daß ein Unternehmen seinen eigenen Eigentümervertreter besticht, wäre ja etwas seltsam!), sondern um die Wähler durch bestechende Inserate auf den ehemaligen kleinen Wiener Wohnbau-Stadtrat aufmerksam zu machen, der als Infrastrukturminister möglichst bald den damaligen Bundeskanzlerdarsteller Gusenbauer abhalftern wollte. Ein Faymann'scher Karrierebeschleunigungsaufwand, der für die ÖBB zwar keineswegs umsonst, wohl aber sinnlos und vergeudet war.

In Österreich wird sinnlos vergeudeter Aufwand mit der populären Redewendung »Das war für'n Hugo!« (ordinärer kann man auch »... für'n Arsch!« sagen) charakterisiert. Daß mancher Hugo offenbar auch ein Werner sein kann, das lernen wir aus dem Vorstehenden. Ob mancher Arsch es ebenfalls sein kann — diese Frage lasse ich in Kenntnis der Rechtsfolgen allerdings dahingestellt ...

Freibier für alle

... ist in Berlin offenbar das Konzept, mit dem man Wahlen gewinnt. Oder: »Arm, aber sexy«, wie es Bürgermeisterin Wowi ausdrücken würde. Das »ef-magazin« versucht sich angesichts des Wahlergebnisses in Zweckoptimismus:
Als „neue liberale Partei“ („Cicero“) vor zwei Jahren gestartet, vertreten die Piraten inzwischen ein hedokommunistisches Programm des Freibier für alle. Auf Steuerzahlerkosten, versteht sich, für Vollpfosten. So etwas wird wie jeder Sozialismus natürlich an der Realität scheitern. Und dann darf man sehen, wohin die Reise der Piratenpartei programmatisch und personell noch führt. Erinnern wir uns: Die Grünen wurden einmal maßgeblich von konservativen Kräften um Herbert Gruhl und Baldur Springmann gegründet, bevor sie von den roten Kadertruppen der K-Gruppen übernommen und auf Linkskurs gesteuert wurden. Der Weg der Piraten könnte durchaus eine neue Wendung in umgekehrter Richtung nehmen. Denn eine fünfte Linkspartei wird hierzulande eher nicht gebraucht. Was also, wenn plötzlich die sich gerade formierende deutsche Tea Party in größerer Truppenstärke nun den Piraten beitritt? Klarmachen zum Entern? Es käme auf einen Versuch an ...
Der Versuch würde scheitern, so viel ist gewiß. Man kann zwar öko-naive Konservative durch ein linksextremistisches Aktivistenkollektiv aushebeln, aber man kann wohl niemals durch das Einschleusen konservativer und/oder libertärer Individualisten hedonistische Schmarotzer zu Werthaltungen erziehen, deren Gleichgültigkeit ihnen überdeutlich ins Gesicht — oder wie man das halt nennen soll — geschrieben steht:


Wer solche »Politiker« mit einen solchen Programm wählt, gibt zu erkennen, daß das Asozialen-TV in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Orwells beklemmende Vision »1984« wird durch die nicht weniger beklemmende Realität überholt — nicht mehr: »Big Brother is watching you«, sondern: »You're watching "Big Brother"«.

»Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient«, sagt schon ein altes Sprichwort. Den www.surfenden Pöbel von Berlin als »Volk« zu bezeichnen, wäre etwas hoch gegriffen — aber daß dieses Berlin seine Piraten nicht verdient hätte, das kann man wohl kaum behaupten ...