Mittwoch, 6. August 2014

»Die Versenkung der Lusitania«

... betitelte sich vor ein paar Tagen ein lesenswerter Artikel von Prof. Max Otte:
Die Geschichtskundigen unter Ihnen können vielleicht mit der "Versenkung der Lusitania" am 7. Mai 1915 etwas anfangen.
Damals wurde ein amerikanischer Passagierdampfer im Zuge des uneingeschränkten U-Boot-Krieges vor der Küste Irlands von einem deutschen U-Boot versenkt.
1200 Passagiere kamen um. Bis heute streiten sich die Historiker, ob die Lusitania nicht Kriegsmaterial an Bord hatte. Das Kaiserreich hatte vorher Anzeigen in amerikanischen Tageszeitungen (Amerika war neutral) geschaltet, die vor der Überfahrt warnten:
"ACHTUNG! Reisende, die vorhaben, den Atlantik zu überqueren, werden daran erinnert, dass Deutschland und seine Alliierten und Großbritannien und seine Alliierten sich im Kriegszustand befinden; dass das Kriegsgebiet auch die Gewässer rings um die Britischen Inseln umfasst; dass in Übereinstimmung mit der formellen Bekanntgabe der Kaiserlichen Deutschen Regierung alle Schiffe, die die Flagge Großbritanniens oder eines seiner Verbündeten führen, Gefahr laufen, in diesen Gewässern zerstört zu werden, und dass Reisende, die im Kriegsgebiet auf Schiffen aus Großbritannien oder seiner Verbündeten reisen, dies auf eigene Gefahr tun. KAISERLICHE DEUTSCHE BOTSCHAFT, WASHINGTON D. C., 22. April 1915."
Das Deutsche Reich hatte als Antwort auf die Seeblockade Englands einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg begonnen, der nach der Versenkung der Lusitania bis zum Februar 1917 eingestellt wurde. Man wollte die USA nicht zum Krieg reizen. Die USA begannen aber zunehmend, einen Krieg ohne Krieg zu führen, indem man England und Frankreich mit Material und billigem Kriegsgerät unterstützte. 
(Hier weiterlesen)
Am 7. Mai 2015 werden wir — hoffentlich! — noch Gelegenheit haben herauszufinden, ob sich am 17. Juli 2014 ein Jahrhundert-Jubiläum ein wenig verfrüht hat ...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Meines bescheidenen Wissens h a t t e der Kahn Kriegsmaterial an Bord - was gibt es da zu streiten? (Neulich tauchte irgendwo ein Troll auf, der von neueren Erkenntnissen faselte, daß das Massaker bei Katyn eben doch die bösen Nazis begangen hätten ...)-
Die erwähnte Anzeige wurde in den Staaten allerdings nicht veröffentlicht - bis auf in zwei unbedeutenden regionalen Blättchen in der hintersten Provinz, wohl um guten "Gewissens" schwören zu können, daß man sie eben doch veröffentlicht hätte.

Anonym hat gesagt…

Aus Wikipedia, Artikel Lusitania

Die spätere gerichtliche Würdigung vor dem New Yorker Appellationsgericht Ende Januar 1923 ergab, dass die Lusitania sehr wohl Munition an Bord gehabt hatte und somit die deutsche Versenkung nicht als Seeräuberverbrechen, sondern als eine regelrechte Kriegshandlung anzusehen ist. Laut eidesstattlicher Aussage des Kapitäns Turner waren unter anderem 1271 Kisten Munition, 189 Pack sonstiges Kriegsmaterial, 260.000 Pfund Messingplatten, 111.762 Pfund Kupfer, 58.465 Pfund Kupferdraht sowie 4.200 Kisten Patronen und Munition an Bord des Schiffes